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und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage"

Der Krieq um Tripolis.

Tripolis, 9. Dez. Eine Abteilung Kavallerie, di« über Biriobras hinaus eine Erkundigung vor- nahm, traf auf eine kleine Karawane, die von be- «xrffneten Arabern begleitet war. Di« Abteilung

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XieCttttlirflitdie ätübiifl" ericheuu lägt Ich nut Aussatz r« üti e. nn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich t urch Die Pvst bezogen 9.25 * (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei in» Hau». (Für unver. langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdrucker«; I. A. Koch (Inh.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Dienstag, 12 Dezember

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46. Jahrg.

1911. [

Erstes Blatt.

Rundschau.

Die zwölfte- Legislaturperiode de» deutschen Reichstages hat ihr Ende erreicht. Kein« poli­tischen NokÄcndigleiten, wie Schwarzseher behaupte­ten, sondern reiir geschäftsmässige Erwägungen hat­ten die formelle Auflösung noch verzögert, die aber inzwischen erfolgt ist. Jetzt gehörrt dieser Reichstag der Geschichte an. Er hat noch in der letzten Woche ein gewaltiges Stück Arbeit geleistet, das das deutsche Volk mit großer Anteilnahme verfolgt hat, und er ist weiter in dieser letzten Woche der Schau­platz zweier Kundgebungen seitens unserer Regie­rung gewesen, die weit über die Grenzen des Reichs hinaus die wohlverdiente Beachtung und Würdigung gefunden haben. Unter den positiven Arbeiten des Reichtstages ist in erster Reihe der Privatbe­amtenversicherung zu gedenken. Die für alle Welt vorbildliche sozial« Gesetzgebung des Deut­schen Reiches erfährt durch sie eine Abrundung, die von Jahr zu Jahr notwendiger und dringlicher ge­worden ist. Sie legt dem Unternehmertum neue große Lasten auf, sie belastet auch den Versicherungs- träger ganz erheblich. Aber sie wird den Versicherten tm Alter, in Krankheit und bei Arbeitsunfähigkeit doch ein Segen sein. Die beiden großen Kund­gebungen, die vom Regierungstische kamen, haben in der Oeffentlichkeit eine verschiedene Beurteilung ge­funden. Reichsschatzsekretär Wermuth hat am Montag letzter Woche Gelegenheit gefunden, sich über die Wirkung der Reichsfinanzreform vom Jahre 1909 zu äußern. Di« jahrzehntelang« Schulden­wirtschaft des Reiches hat jetzt schon ein Ende, früher als man annehmen konnte, und die von den Gegnern der Reform in schwärzesten Farben ausgemalten Be­fürchtungen, daß Industrie, Handel und Verkehr un'er der neuen Steuerlast zusammenbrechen müßten, haben sich nicht nur erfüllt, sondern in das Gegenteil verkehrt: unser Wirtschaftsleben hat einen neuen ge­waltigen Aufschwung erfahren.

Auch der Herr Reichskanzler hatte den Abgeord­neten Dr. v. Heydebrand und der Lase am 12. Novem­ber der Wahlmache geziehen. Am 5. Dezember sprach er anders: Hätte ich voraussehen kön­nen . . ." Wir wollen heute nicht untersuchen, was er alles nicht hat voraussehen können. Mit Vefrie- digung und Freude wollen wir vielmehr feststellen, daß es ihm im Reichstage kurz vor Toresschluß noch gelungen ist, die Sprach« zu ftnden, di« das deutsche Volk von seinem obersten verantwortlichen Barnten seit langem erwartet hat. Der Vetter überm Kanal weiß jetzt, woran er mit uns ist. Und es tat not, ihm das zu sagen .

In Straßburg ist am Mittwoch der erst« nach der neuen Verordnung gewählte Landtag von Elsaß-Lothringen durch den Statthalter des Kaisers selbst eröffnet worden. Die elf Sozialdemo­kraten glänzen hierbei neben den Herren Blumen­thal und Wetter!- durch Abwesenheit. Ein Kaiser- hoch hatte ihre Kräfte überstiegen. Es geht eben nichts über die Gesinnungs üchtigkeit.

Im Ausland« bereiten sich große Ereignisse vor. Namentlich Rußland zeigt eine gewaltige Rüh­rigkeit und Betriebsamkeit. Einmal in China. Die Revolution hat das Land in einen neuen Zustand versetzt, in dem sich überhaupt nichts mehr unter­scheiden läßt. Einstweilen herrscht Wafftnstillstand. Inzwischen wird reformiert: ein kaiserliches Edikt vom 7. Dezember 1911 gestattet sogar das Abschneiden der Zöpf«. Der Prinzregent hat abgedankt, die Mongolei sich für unabhängig erklärt. Rußland nun brennt förmlich darauf, diese Unabhängikeit anzu­erkennen. Umso leichter kann es sich nachher der Schutzherrschaft über das Land bemächtigen. Mik Japan hat Rußland einen Vertrag geschlossen, der die Beteiligung beider Staaten an künftigen chinesi­schen Staatsanleihen regelt. Di« Spitze dieses Ver­trages richtet sich gegen Amerika. In Persien geht Rußland aufs Ganze. Fast scheint es, als wolle der russische Bär die Regierung in Teheran sang- und klanglos selbst in die Hand nehmen. England macht ihm gute Miene zum bösen Spiel. Schließlich hat Rußland noch einen guten Wunsch, dessen Erfüllung im wesentlichen auf Kosten der Türkei geht. Die Dardanellen sollen der russischen Schwarzmeer, flotte geöffnet werden. Mit Frankreich und England hofft der Herr Minister des Aeußem Ssansanow handelseinig zu werden. Gelingt es ihm, so wird die Türkei wobl oder übel in den saueren Apfel bei­ßen müssen. Sie soll dafür entschädigt werden: nick-: etwa in Tripolis, wo noch immer keine Et scheidung abzusehen ist, sondern in Persien.

So schließt sich alles wohl zum Kreise. Und der brave deutsch« Michel schaut überall fein artig zu Ist er doch nirgendsinteressiert".

gris die Araber an verwundete mehrere und zer­streute die übrigen. Es wurde festgestellt, daß die Oase bis zum Kap Tagiura vollständig vom Feind« gesäubert ist.

Tobruk, 9. Dez. Der italienische Torpedo- botszerstörerBersaglieri nahm in der Nacht zum 1. Dezember zwei hier einge'rofsen« türkische Segler deren Besatzungen nach Italien geschickt wurden.

Rom, 10- Dez. Die Bank von Italien, die Bank von Neapel und die Bank von Sizilien find durch Dekret ermächtigt worden, in Tripolis, Benghasi und anderen Orten von Tripokitanien und Cyre- naika, wo ein Bedüftns erliegt, Zweigniederlassungen zu gründen.

London, 10. Dez. Wie dem Reuterbureau aus Smyrna gemeldet wird, ist gestern die amtlich« Ver­fügung bekannt gegeben worden, nach der alle Ita­liener binnen einer Woche die Stadt verlassen müssen, widrigenfalls das Kriegsrecht angewandt wird.

Poris, 10. Dez. Di«A gen re Havas" meldet aus Athen: Di« Polizeipräfektur in Smyrna befahl entsprechend dem von der Pforte gefaßten Beschluß, die Italiener aus den festen Plätzen der: Türkei aus­zuweisen. den dortigen italienischen Untertanen, das Land binnen fünf Tagen zu verlassen.

Konstantinopel, 10- Dez. Nach Blätter­meldungen erhielten die Italiener in Gallipoli an den Dardanellen eine Frist von drei Tagen für bi« Abreise. Den Italienern in Smyrna, deren Zahl einschließlich der Frauen und Kinder ungeähr 8000 beträgt, wurde eine Frist bis zum 16. Dezember ge­setzt. Dos deutsch« Konsulat ersuchte um Verlänge­rung der Frist.

Aus Konstantinopel kommt eine Meldung, die, wenn sie zutrifft, der ParteiEinheit und Fort­schritt einen schweren Stand schassen dürfte. So wird der Kammerabgeordnete Serres Derwisch Bey u. a. des Mordes beschuldigt. In der Partei soll eine Sekte bestehen, die die Aufgab« Hot. gegnerische Per­sonen zu beseitigen. Außerdem wird gegen den Scheik ül Islam Musa Kiazim und einige Minister der Vor­wurf erhoben, sie seien Mitglieder einer Freimaurer­loge. In der ZeitungAlemdar" wird aus diesem Anlaß gegen den Scheik ül Islam ein heftiger Feld­zug geführt und gefordert, er möge entweder sofort aus der Freimaurerei austreten oder seine hohe geistliche Stellung nieberlegen.

Konstantinopel, 10 Dez. Das türftsche Kriegsministerium hat von dem Kommandanten der tripolitonischen Streitkräfte Nesched Bei ein Tele­gramm erhalten, in dem die von italienischer Seite erhobene Anschuldigung, daß die Türken 21 italie­nische Soldaten lebend begraben und italienische Ge­fangene getötet Hütten, entschieden zurückgewiesen wird.

Marseille, 10. Dez.Petit Marseillaise« er­fährt aus Tunis: Täglich ereignen sich Streitigkeiten zwischen tripolitanischen Arbeitern und Italienern. Die Lag« ist für die Europäer beunruhigend. Ein In­genieur wurde 24 Stunden widerrechtlich gefangen gehalten. In Kaar Mazonar umstellten 200 Zuaven und Polizeibeamte ein Lager der tripolitanischen Arbeiter, in welchem viele Gewehre, Revolver und Dolche gefunden wurden. 235 Tripolitaner wurden ins Gefängnis gebracht, all« anderen sollen in das Lager zurückgebracht werden.

Die Revolution in China.

Die Lage bei Nanking ist völlig ungeklärt. Es laufen die widersprechendsten Nachrichten da­rüber ein:

London, 9. Dez. DerDaily Telegraph« meldet aus Shanghai: Eine Depesche meldet, daß General Tschang, der Führer der loyalen Truppen in Nanking in der Umgebung von Ttchau Netschau ermordert worden ist. Nach an­deren Telegrammen haben die Revolutionäre zwei Brücken der Eisenbahnlinie von Tientsin nach Pukau mit Dynamit in die Luft gesprengt. Neunhundert Soldaten haben Schanghai ver­lassen. um sich nach Nanking zu begeben. Der deutsche Konsul dementiert die Berichte, nach de­nen deutsche Handelshäuser in Ehina die kaiser­lichen Truppen mit Munition und Waffen ver­sehen hätten. Die Chinesen haben einige deutsche Handelshäuser boykottiert.

Peking, 10. Dez. Tangshaoyi ist nach Wutschang cnffgebrschen, und von Buanfchikai ' bevollmächtigt mit den Aufständischen zu ver- Die Regierung glaubt, daß die Re- bränkte Monarchie annehmen, aber ol :werden, einen Vergleich einzu- gcb-. . ^ländischen Gesandtschaften neigen der An daß das Ende des Ausstandes be- vorstehe. Die Kaiserlichen nahmen Tatangfu wieder ein. die dortigen Aufständischen wurden zerstreut und zogen sich nach Toiyansu zurück.

London, 10. Dez. Der kaiserliche General Tschang ist in Hsustschou, 30 Meilen nördlich von Schanghai, ermordet worden.

Politische Umschau.

Berliner Tagebl." und Fortschrittliche Bolkspartei.

DieKreuzzeitung" hatte in einem Artikel über die Beziehung zwischen Freisinn und Sozialdemo­kratie gesagt, dasBerliner Tagebl" sei das ton­angebende Organ des Freisinns. Dies Hai nun die Fortschrittliche Parteileitung veranlaßt zu erklären, daß dem nicht so sei. Sie sei nicht in der Lage, bi« Rebaktionen liberaler Blätter an. ber Vertretung ihrer Ueberyugung zu hindern.Die für die Hal­tung der Fortschrittlichen Volkspartei verantwort­lichen Stellen bringen ihre Anschauungen in den mit ber Partei in ständiger Verbindung stehenden Or­ganen zum Ausdruck, lehnen es aber ab, die Ver­antwortung für Auslassungen zu übernehmen, die ohne genügende Fühlung mit der Partei und ohne ausreichende Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse veröffentlicht werden."

Auch basBerl. Tagebl" bekennt, für bi« Politik ber Partei ebenso wenig verantwortlich fein zu wollen, wie bi« Partei es für die Polttik desVerl. Tageblattes" sei. Gleichzeitig bezweifelt es aber, ob bi« genannte freisinnige Persönlichkeit, bie sich so vernehmen läßt, autorisiert sei, im Namen ber Partei, bas heißt ber bisherigen parlamentarischen Vertreter zu sprechen."

Die.Kreuzzeitung" legt dem Versuch bet Fort­schrittler, bas Blatt abzuschütteln, keine Bebeu ung bei und weist darauf hin, daß seit der Verschmelzung der fteisinnigen Gruppe ber Rabikalismus auf ber bürgerlichen Linken die Oberhand gewonnen hat. Dies aber sei die Politik des B. T.«:Und kann es denn bestritten werden, daß bei den verschiedenen Reichstagsersatzwahlen die Fortschrittliche Volks­partei nach den Direktiven desBerliner Tagebl." gehandelt und dessen Beifallehrlich" verdient hat?"

Deutsches Reich.

Eine Berlobung im bayerischen Königs­haus«. München, 10. Dez. Prinz Georg von Bayern hat sich mit der Erzherzogin Isabella, der Tochter des Erzherzogs Friedrich von Oester­reich, verlobt.

Auflösung be» Reichstags und Neuwahl. DerReichsanzeiger" veröffentlicht Kaiserliche Verordnungen vom 8. Dezember nach denen der Reichstag aufgelöst wird und die Neuwahlen für den 12. Januar 1912 bestimmt werden.

Der deutsche Verein vom roten Kreuz und der türkisch-italienische Krieg. Berlin, 9. Dez. Das Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz teilt mit: Die von einem Berliner Blatte am 30. November gebrachte Notiz, daß das deutsche Rote Kreuz bei seinem Hilfsangebot für die italienischen Verwundeten und Kranken im türkisch-italienischen Kriege eine Ablehnung erwartet" habe, umdann unverzüglich mit aller Energie für die Unterstützung des türki­schen Sanitätswesens tätig sein zu können", fin­det in römischen Zeitungen eine unerwünschte Auslegung dahin, daß das Anerbieten des deut­schen Roten Kreuzes nur zum Schein genta ch worden wäre. Hiergegen legt das deutsche Rote Kreuz energisch Verwahrung ein und bemerkt: Von dem Telegramm an den Vorsitzenden des italienischen Roten Kreuzes, Grafen Daverna, wurde auch dem deutschen Botschafter in Rom eine Abschrift in der Voraussetzung übermittelt, daß er in der Lage sei, das deutsche Hilfsa-ge- got dem italienischen Roten Kreuz direkt zu wiederholen. In der Tat ist die Ablehnungs- depelche des Grafen Daverna in ebenso warmen Worten gehalten, wie der Brief des italienischen Botschafters in Berlin, der namens der italieni­schen Regierung lebhafte Erkenntlichkeit und die Ueberzeugung ausdrückt, daß das deutsche An­erbieten die ganze italienische Nation tief be­rühren müsse. Auch der deutsche Botschafter in Rom beantwortete in ähnlichem Sinne wie Graf Daverna das Schreiben des deutschen Roten Kreuzes.

Der deutfch-türkifch« Handelsvertrag. Kanstan- tinopel, 10. Dez. Die Regierung brachte in bie Kammer bie Gesetzvorlage über bie Verlängerung des beuHdi-'firfiicben Handelsvertrages bis 1914 ein.

Die Postscheck-Konferenz. Am 5. Dezem­ber hat im Reichspostamt eine Postscheck-Kon­ferenz einer großen Zahl von Interessenten stattgefunden. Staatssekretär Krätke gab einen Ueberblick über die nunmehr dreijährigen Er­gebnisse, die außerordentlich erfreulich find, 1911 find bereits 25 Milliarden Mark umgesetzt, da­von ist die Hälfte lediglich im Buchverkehr ohne Bargeld abgewickelt worden. Bei der Frage der Gebühren wurde die Beseitigung der Zuschlag- gebühren von 7 Pfeninig gewünscht, ebenso die Vorausbezahlung der Gebühren unter Verwen­

dung von Freimarken einzuführen. Man wal ferner darüber einig, daß an einer Differenzier rung der Gebühren für Einzahlungen, Heber« Weisungen und Barrückzahlungen festzuhalten fei und daß es sich empfehle: 1. für jede Barein­zahlung eine Einheitsgebühr von 10 Pf. ohne Rücksicht aus die Höhe des Betrags, 2. für jede Barrückzahlung, anstelle der bisherigen Grund­gebühr von 5 Pfg. und der Steigerungsgebühr von einem Zehntel vom Tausend des auszuzah­lenden Betrags, eine feste Gebühr von 5 Pf. für je 500 Mark und 3. für jede lleberweisung eine Einheitsgebühr von 3 Pf. festzusetzen. Eine Ver­zinsung es Konto-Guthabens lehnte der Staats­sekretär ab. Die Herabsetzung der Stammein­lage von 100 auf 50 Mark route von vielen Sei­ten als erwünscht bezeichnet, ebenso eine Ver­billigung des Ueberweisungsverkehrs zwischen Postscheckkonto und Reichsbank-Eiro-Konto.

Staatseisenbahnen und Reichstaasmabl. Angesichts der bevorstehenden Reichstagswahlen stellt das Zentralorgan des Elberfelder Eisen­bahnerverbandes in seiner neuesten Nummer vom 9. Dezember d. I. fest, daß die christlich- nationale Staatsarbeiterbewegung allen bür­gerlichen Parteien neutral gegenüberstehe und sich jedes Mitglied innerhalb der bürgerlichen Parteien politisch betätigen könne. Nur gegen­über der Sozialdemokratie gebe es keine Neu­tralität.Wir sind als Standesbewegungneu­tral", aber nichtLberneutral". Unsere Neutra­lität hört auf, wo die Sozialdemokratie anfängt. Der Sozialdemokratie gegenüber gibt es leine Neutralität, sondern Kampf, und zwar Kampf bei den Haupt- und Stichwahlen. Kein Stich- wahlklüngel, gleich von welcher bürgerlichen Partei er auch mit der Sozialdemokratie ange­zettelt sei, kann organisierte nationale Eisen­bahner veranlassen, einen sozialdemokratischen Stimmzettel abzugeben. Wer das tun würde, setzt sich in Widerspruch mit seinen dienstlichen Pflichten und mit den Grundsätzen des Elberfel­der Verbandes."

DieNorddeutsche" und unsere Diplomatie. Berlin, 9. Dez. DieNorddeutsche Allgemein« Zeitung" schreibt in ihrem heutigen Wochen­überblick: Die Mitteilungen, die in der Schluß­sitzung des Reichstages der Reichskanzler über die deutsch-englische Auseinandersetzung wäh­rend der Marokkoverhandlungen gemacht hat, wirkten im nationalen Sinne einigend. Das Trugbild einer schwachmütigen Haltung unserer Diplomatie mußte angesichts der öffentlich be­kannt gewordenen Einzelheiten der diplomati­schen Vorgänge zerfließen. Bei dem einmütigen Wunsche nach Frieden und Freundschaft mit England werden wir, nach den Worten des Reichskanzlers, abzuwarten haben, ob England bereit ist, das Bedürfnis nach bessern Bezieh­ungen in seiner Politik in positiver Weise zum Ausdruck zu bringen. Die Erfahrungen dieses Sommers tragen hoffentlich dazu bei, die Leicht­gläubigkeit zu vermindern, mit der ausländische Behautpungen über deutsch-englische Vorkomm­nisse bei uns weiterverbreitet werden. Mit mehrern solchen Fabeln haben die in der Vud- getkommission und dem Plenum des Reichstages erteilten Auskünfte bereits aufgeräumt. Eine andere möchten wir hier nachträglich zurnckwei- sen, weil sie die Stellung des kaiserlichen Bot­schafters in London berührt. In den Beratun­gen der Vudgetkornmission stellte der ,Abgeord­nete Bebel die Anfrage, ob es wahr sei, daß Sir Edward Grey in einer Unterredung über die Bankettrede des Schatzkanzlers Lloyd George dem Botschafter gesagt habe:Gehen Sie nach Hause, beruhigen Sie sich!" Selbstverständlich bewegten sich die Gespräche der beiden Diploma­ten nicht in Formen, wie sie sozialdemokratische Gemüter sich ausmalen, .und eine Aeußerung des angegebenen Inhalts ist im Verkehr zwischen Gras Metternich und Sir Edward Grey weder den Worten noch dem Sinne nach gefallen.

Ein Wahlplakat des Hansabundes. Wie dieL. N. N." melden, hat der Hansabund ein großes Plakat herausgegeben, auf dem in fünf Bildern aus dem wirtschaftlichen Leben die über­wiegende Bedeutung von Handel und Gewerbe im Gegensatz zur Landwirtschaft dargestellt wird. Die Bilder, die für die Wahlagitation bestimmt sind, beziehen sich auf die Steuerleistung, den Gü­terverkehr, die Rekrutierung, den Umfang des Außenhandels und den wirtschaftlichen Charak­ter der Bevölkerung. Die statistischen Zahlen | und Erklärungen sind mit den Bildern verwöbe».