mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und »Landwirtschaftliche Beilage?
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ite „CUcrl)tfftfd:e Rettung" eychernt täglich mH Bufnnt;<nt Der e.-nn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 8.26 X (ohne Bestellgeldj, bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 X frei in* Hau*. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. S. Koch (Inh.: Dr. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 65.
Marburg
Freitag, 8. Dezember
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46. Jahrg.
1911.
Erstes Blatt.
Das Ergebnis der Reichstagsperiode.
So hat denn am Dienstag der Reichstag seine Pforten geschloffen. Die XII. Legislaturperiode 1907—1912 ist zu Ende, und damit ein Zeitraum, der, wie kaum ein zweiter vorher, eine wahr« Ueber- fülle von gesetzgeberischem Material zu bewältigen hatte.
Alle die Ersetze ieser fünf Jahre im einzelnen anzuführen, würde zu weit führen. Aus der I. Session 1907—1909, der B ockperiode, leuchten hervor das Vereins- und Börsenge^tz, die Sicherung der Bauforderungen, die Abänderung der Haftpflicht des Tierhalters und die Milderung des Majestätsbeleidigungparagraphen, das Automobilgeseh, der kleine Befähigungsnachweis, das Weingesetz, das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs, das Wehseuchengesetz und die Abänderung des llnter- stützungswohnsthgesetzes. Die bedeutendsten Arbeiten dieser Periode aber waren di« Reichsfinanzreform, die Bewilligung von 500 Millionen Mark neuer Steuern und die Aufbefferung aller Beamtenge- häl'er um 117 Millionen Mark. Bei der Reichsfinanzreform kam es auch zu einem Auseinander- gehen der konservativen und liberalen Parteien, die bis dahin als die Regierungsmehrheit unter völliger Ausschaltung des Zentrums betrachtet wurde.
Die II. Session, die am 30. November 1909 begann und am 5. Dezember 1911 nach insgesamt 217 Sitzungen beendet wurde, hatte als wichtigstes Gesetz die Verabschiedung der Reichsversicherungsordnung zu verzeichnen, eines gesetzgeberischen Werkes mit 1805 Paragraphen, das einen grasten sozialpolitischen Fortschritt darstellt. Es bringt neben unzähligen Einzelverbefferungen der bisherigen sozialen Gesetz« di« reichsgesetzliche Einführung der Krankenversicherung für ländliche Arb^er und Dienstboten und die Witwen- und Waisenversicherung. In engster Beziehung zu diesem Gesetz steht die Aufhebung des Hilfskaffengesetzes, die den Schwindelkaffen ein Ende bereiten will.
An wirtschaftspolitischen Mastnahmen ist in erster Linie die Regelung der Handelsbeziehungen mit verschiedenen auswärtigen Staaten hervorzuheben. Der Handels- und Schiffahrtsvertrag mit Portugal fand erst im Plenum mit geringer Mehrheit Annahme. Auch gegen den Handelsvertrag mit Schweden wurden gewichtige Bedenken erhoben. Vie Handelsbeziehungen mit England beschäftigten den abgelaufenen Reichstag dreimal, 1907, 1909 und 1911. Jedesmal wurde das Provisorium um zwei Jahre verlängert. Geregelt wurden auch die Handels, beziehungen mit Nordamerika und Japan. Eine wichtige Aufgabe bewältigte der Reichstag in dem Gesetze betreffend den Absatz von Kalisalzen, dies war notwendig zur Regelung der Produktion und Sicherung der deutschen Kalischähe für das Inland. Die Produktion nnirbe kontingentiert und di« Höchstpreise im Inland« als Mindestpreise für das Ausland festgesetzt. Das deutsche Kali darf also im Ausland« nicht niedriger verkauft werden als im Inland«.
Als «ine Folge der Reichsfinanzreform ist die Wertzuwachssteuer zu betrachten, die als Ersatz für den 1909 angenommenen Umsatzstempel zu betrachten ist und diesen am 30. Juni 1914 schon zur Hälfte ablöst. Getroften wird durch diese Steuer nur die Terrainspekulation und Güterschlächterei. Mäßiger Zuwachs bleibt steuerftei.
Bon sonstigen bedeutenderen allgemeinwirtschast- liben Gesetzen sind zu nennen die Einführung von Schiffahrtsabgaben und das Verficherungsgesetz für Privatbeamte.
In verfaffungsrechtlicher Beziehung gelang di« Ei febung Elsaß-Lothringens zum Bundesstaat und die Einführung des allgemeinen Wahlrechts in diesem Lande mit einem Zweikammersystem. Die ver- fassungsrechtlichen Aenderungen (Ministeroerant- worUichkeit, verantwortliche Reichsminister, Vertrauens- und Mißtrauensvoten für den Reichskanzler), die im Anschluß an die Ravemberdebatten des Jahres 1908 von verschiedenen politischen Parteien angestrebt und auch in der zweiten Eeflion verfolgt wurden, haben kein« Verwirklichung erfahren. Di« Kommissionsbericht« sind beidemal« nicht zur Erörterung im Plenum gekommen.
3" militärischer Hinsicht wurde ein neue» Quin« chlennat bis zum 31. März 1916 beschlossen. Di« Friedenspräsenzstärke wird nach diesem Gesetze bis zu diesem Zeitpunkt bis auf 515 321 Mann gebracht.
So sind in den letzten fünf Jahren viel« gründ- legende Gesetz« von weittragender Bede« ung beschlossen worden. Mögen sie in ihrer Gesamtheit dem deutschen Volke zum Segen gereichen und zu seiner weiteren Entwicklung beitragen. t
Nachklänge zur Kanzlerrede.
Hebet die Rede des Reichskanzlers liegen setzt allenthalben die Meinungen vor. Die zKreuzztg." sieht in ihr eine Entschuldigung des
Reichskanzlers und eine Rechtfertigung der patriotischen Auslassungen, zu denen sich der Ab- gcqzdnete v. Heydebrand bei der ersten Verhandlung der Marokkoangelegenheit im Namen der Konservativen veranlaßt gesehen hatte. Mit ganz unzweideutigen Worten beschuldigte der Kanzler England, Deutschland und Frankreich gegenübe ein doppeltes Maß gebraucht und geflissentlich das in die Erklärungen Deutschlands gesetzte Mißtrauen genährt zu haben.
Die „Germania" lobt besonders Ton und Form der Reichskanzlerrede: „Fortiter in re, fuaviter in modo, so hätte das Motto der Nede des Reichskanzlers lauten können: Kein einziges starkes Wort hat er gegen England gebraucht und dennoch ihm unendlich viele bittere Wal"^ iten gesagt, Pfeile abgesandt, die unsere lici Vettern ganz gewiß schmerzlich empfinden werden."
In der „Vossischen Ztg." lesen wir: „Nicht nur, daß Sir Edward Erey die Mitteilungen des Kapitäns Faber über die Absicht, 150 000 Mann auf das Festland zu werfen, nicht bestritten hat: sie sind gestern vom Reichskanzler als Tatsachen behandelt worden. An sachlichem Material zur Beurteilung der kritischen Vorgänge hat Herr v. Vethmann-Hollweg wenig beigebracht. Was er sagte, um die dem deutschen Volke gegenüber zu lange geübte Schweigsamkeit der Regierung zu erklären, war nichts weniger als beweiskräftig."
Als eine Entschuldigung und Zugeständnis Fehler gemacht zu haben, sieht die „Magdebur- gische Zeitung" die Rede an: „Das ganze läuft schließlich auf eine Entschuldigung hinaus, auf das indirekte Zugeständnis, einen Fehler gemacht zu haben. Denn der Kanzler gibt zu, daß er anders gehandelt haben würde, hätte er die Entwicklung der Dinge in England voraussehen können. Und doch bleibt hier ein schwacher Punkt. Nach wie vor ist es unverständlich, daß ein deutscher Reichskanzler lediglich aus Rücksicht auf die französische Regierung und deren Abhängigkeit von ihrer Volksstimmung das eigene Volk so vor den Kopf stoßen konnte."
In einem Berliner Telegramm der oft offiziös inspirierten „Köln. Ztg." heißt es: „Man muß Herrn v. Bethmann Dank wissen, weil er die wirkliche Lage ohne jede Beschönigung dar- gestellt hat. Nur zu oft haben wir aus dem uns innewohnenden Hefen Friedensbedürfnis heraus fünf gerade sein lassen und zu einer Politik der Verletzung und Herausforderung geschwiegen, bis zu einem Grade, der uns den Vorwurf des Nachlaufens eintrug."
Wien, 6. Dez. Fast alle Blätter besprechen die Rede des Reichskanzlers, wobei sie Vergleiche mit der Rede Sir Edwards Erey anstellen. Die Worte des Reichskanzlers finden lebhafte Zustimmung. Die „Reichspost" sagt: „Wenn es noch eines Beitrages zur Erkenntnis bedurfte, daß die Gefahr riesengroß war, die über dem Frieden wie ein Geist der Finsternis, während des Sommers schwebte — Herr v. Bethmann- Hollweg hätte damit nicht gespart. Trotzdem verrät die Rede nichts von Unruhe, Nervosität der Zagheit. Das große, edle Selbstbewußtsein einer durch Arbeit, Mut und nationalen Opfer- stnn groß gewordenen Nation spricht aus der Kanzlerrede, jenes Selbstbewußtsein, das, der eigenen Kraft vertrauend, den Frieden will, aber auch keinen Feind fürchtet. Wenn es etwas gibt, den Frieden zu bewahren, so ist es sicher diese deutsche, ruhige Unerschütterlichkeit, die nichts verbirgt, aus den Rechtsansprüchen kein Hehl macht, sich gegen die Gegner des Friedens aber schlagbereit zeigt."
London, 6. Dez. Fast die gefamte Presse behandelt die gestrige Rede des deutschen Reichskanzlers. „Daily Chronicle" betont, daß die Rede so wenig polemisch war, als die Umstände es erlaubten. Dieses Beispiel verdiene auch in der Presse beider Länder befolgt zu werden. Es sei kein Grund vorhanden, die Polemik fortzusetzen. Man solle es der Zeit überlassen, ihr heilendes Werk zu tun.
„Daily News" meint: „Im diplomatischen Verhalten beider Länder sind Fehler vorgekommen. Argwohn und fragen des Ehrenstandpunktes haben anscheinend viel dazu beigetragen, ein gefährliches Mißverständnis zu erzeugen. Es solle nicht darüber gestritten werden, an wem es fei, den ersten Schritt zu tun.“
„Morning Leader" sagt: „Deutschlands wirkliche Beschwerden waren, daß t» im Vertrage
| von 1904 ignoriert wurde. Die verständigen Leute in England erkennen an, daß die rücksichtslose Entsendung des „Panther" den sehr realen Gefühlen gerechter Erbitterung entsprang. Wir find die beiden praktischsten Nationen der Welt, und zu wissen, was der andere will, heißt schon das halbe Spiel gewonnen haben." „Times" kritisiert den historischen Rückblick des Reichskanzlers und betont, die Bemerkung des Kanzlers, daß der Wunsch nach besseren Beziehungen in der Politik Ausdruck finden müsse, gelte für beide Regierungen.
Der „Gaulois" schreibt: „Das Haupfintersse der Rede liegt in dem Schlußsatz, der deutlich zeigt, daß man in Berlin von Seiten Englands ein Entgegenkommen erwartet, das nicht erfolgt ist, und daß Deutschland deshalb in einer zu- wartenden, von Mißtrauen erfüllten Haltung bleibt.“
Perfien und Rußland.
P a r i s, 6. Dez. Nach dem „Temps" soll sich Rußland gelegentlich der Potsdamer Entrevue mit Deutschland über ein Vorgehen in Persien geeinigt haben. Als Gegenwert habe Deutschland die ZusHmmung zu dem Bau der Eisenbahnlinie Karikin—Teheran, eine Konzession, die zweifellos für die deutschen Handelsinteressen von großer Wichtigkeit ist, erhalten. Ob diese Meldung, die im ersten Augenblick nach den bestehenden Umständen viel Wahrscheinlichkeit für sich hat, wirklich einige Körnchen Wahrheit enthält, ist abzuwarten. Es ist eben auch leicht möglich, daß dir-Rachricht antideutschen Machenschaften entspringt.
lleber die Lage in Persien liegen keine bedeutenden Nachrichten weiter vor. Aus Buschir wird gemeldet, daß wegen des russischen Vorgehens in Nordpersien die russischen Schiffe und Waren boykottiert werden. Persien scheint übrigens willens zu fein, die Rollen einmal zu vertauschen und Rußland seinerseits die Pistole auf die Brust zu setzen. Freilich ist kaum anzunehmen, daß es mit dieser drohenden Geste viel Wirkung erzielen wird.
Die Morning Post" meldet aus Teheran: Persien hat am Dienstag ein Ultimatum an Rußland gerichtet, in dem verlangt wird, daß russische Truppen nicht über Kaswin vorrücken sollen und daß Rußland sich verpflichtet, etwa weiter geplante Detachierungen von Truppen rückgängig zu machen. Wenn diese Forderungen nicht innerhalb 30 Stunden bewilligt würden, werde Persien die Offensive ergreifen. Die Bachtiaren unterstützen die Regierung.
Ob die Meldung des Londoner Blattes bestätigt werden wird,»ist abzuwarten, Viel Verlaß ist auf die persische Offensivkraft jedenfalls nicht.
Der Krieg um Dipolis.
Tripolis, 6. Dez. Die italienischen Gesamtverluste am 4. Dezember betragen: 1 Offizier und 16 Soldaten tot. 94 verwundet, unter den letzteren befindet sich Oberst Pastorelli. Die Araber erlitten beträchtliche Verluste. Das Kriegsgericht hat 14 Eingeborene, die schuldig befunden wurden, verräterisch italienische Soldaten am 23. Oktober ge!ötet zu haben, zum Tode verurteil. Die Untersuchung in der Angelegenheit ergab, daß di« Schuldigen von Türken bewaffne! worden waren. — Heute morgen brach General Pecori zur Verfolgung des Feindes in der Richtung auf Zarhuna von Aintara auf.
Konstantinopel. 6. Dez. „Sabah" dementiert in aller Form das Gerücht, daß die Pforte b ei den Mach en Schritte zur Herbeiführung des Frieden» mit Italien unternommen haben.
Deutsches Reich.
— Born Kaiser. Breslau, 6. Dez. Gegen 11 Uhr vormittags begab sich der Kaiser nebst Gefolge in offenen Automobilen nach der Universität, wo er vom Rektor Prof. Dr. Kneser, dem Kurator der Universität und dem Oberprä- fidenten Dr. v. Günther empfangen wurde. Der Kaiser besichtigte zunächst die Aula der Leopoldina und den Musiksaal. Er sprach sich sehr anerkennend übet die Restauration der Räume aus. Die Erklärungen gab Geheimrat Förster von der Universität und Professor Langer von der hiesigen Kunstschule. Baurat Großer legte die Pläne für die Freilegung des Universitäts- Platzes vor, die ebenfalls die Anerkennung des
Kaisers fanden. Rach einem Aufenthalt von etwa 20 Minuten fuhr der Kaiser nach de« Schlosse zurück. — Der Kaiser begab sich um 1 Uhr mit Gefolge in Automobilen vom Schlosse zum Frühstück beim Fürstbischof.
— Eröffnung des elsässischen Landtages« Straßburg, 6. Dez. Im Fahnensaal des Kaiserpalastes fand heute nachmittag 3 Uhr die feierliche Eröffnung des neuen Landtags, des ersten nach der neuen Verfassung, statt, zu der sämtliche Abgeordnete der Ersten und Zweiten Kammer, ausgenommen die der sozialdemokratischen Partei, erschienen waren. Der Kaiserliche Statthalter in Elsaß-Lothringen, Graf von Wedel, im Frack mit dem Bande des Schwarzen Adler- Ordens, eröffnete den Landtag mit der Thronrede, an deren Schluß et ein Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Zum Ersten Vorsitzenden wurde Dr. Ricklin (Zenit.) mit 54 Stimmen gewählt (diel weiße Stimmzettel), zum elften Vizepräsidenten Böhle (Soz.) mit 51 von 56 Stimmen, zum zweiten Vizepräsidenten der Liberale Georg Wolf mit 35 von 57 Stimmen; Lobroise (Lothringer Block) hatte 26 Stimmen erhalten. Die vier Schriftführer wurden zusammen gewählt: Eilliot (Zentr.) erhielt 54 Stimmen, Wolffer (Soz.) 50 Stimmen, Zimmer (Lothr. Block) 42 Stimmen, Immer (liberaler Demokrat) 41 Stimmen.
— Likowski Titrilarerzbischof. Posen, 8. Dez. Der bisherige Weihbischof Likowski, dem der Rote Adlerorden 2. Klasse verliehen wurde, erhielt seine Ernennung zum Titularerzbischof.
— Der Kampf in der Berliner Metallindustrie beendet. Rach den „L. N. N." ist am Mittwoch der Kampf in der Berliner Metallindustrie beendet worden. Die Arbeitgeber hatten sich zu einigen Zugeständnissen bereit erklärt, die von den Arbeitnehmern mit 2559 zu 1817 Stimmen angenommen wurden.
Ausland.
** Oesterreich und Italien. Budapest, 6. Dez. Im Abgeordnetenhause meldete Graf Apponyi (Kossuthpartei) eine Interpellation an die Regierung an, in der er anfragt, ob der Rücktritt des Chefs des Eeneralstabs Freiherrn Konrad v. Hötzendorf mit gewissen Bestrebungen zusammenhänge, die den Dreibund, soweit Italien in Betracht kommt, auflösen wollen. Apponyi fragt ferner an, ob der Minister des Aeußern und die ungarische Regierung an dem Dreibund festhalten. Es seien nämlich nach den letzten Vorgängen Zweifel darüber entstanden. Auch ersucht der Interpellant um Aufklärung bezüglich des Wirkungskreises des Eeneralstabschefs. — Rom, 6. Dez. Die „Tribuna" bespricht eine Nachricht der „Wiener Reichspost" über einen angeblichen Besuch des Königs von Italien und des Herzogs der Abruzzen an der österreichischen Grenze in der Umgebung des Gardasees und erklärte, weder der König noch der Herzog der Abruzzen hätte sich seit einer langen Reihe vor Jahren nicht einmal auf einer Vergnügungsreise an den Gardasee begeben. „Tribuna" fügt hinzu: Seit einiger Zeit werden Lügen verbreitet mit dem Bestreben, Zwietracht zwischen Italien und Oesterreich hervorzurufen. Aber beide Länder sind auf gleiche Weise entschlossen, sich nicht durch derartige Enten täuschen zu lassen und eintrschttg das Werk allmählicher Festigung ihrer gegenseitigen Freundschaft fortzusetzen, um ihre Beziehungen immer mehr von dem Geiste des Bündnisses durchwehen zu lassen, das ihren wichtigsten und bleibenden Interessen entspreche.
•* Da» deutsch-französisch« Abkommen in der ftanzöfischen Kammer. Paris, 5. Dez. Dameur begründete seinen Antrag, der bie Regierung auffordert, dir Veröffentlichung des Eelbbuches über die fta nzösifch-deutfchen Verhandlungen zu beschleunigen. Das Abkommen müsse mit möglichst geringer Verzögerung in der Kammer besprochen werden. Dazu sei nötig, daß die Kammer alles Material zur Beurteilung des marokkanischen Teiles des Abkommen» besitze. Saure» und Charles Benoist unterstützten den Antrag. Der Minister des Aeuheren erklärte, er befände sich mit Dameur in Uebereinstimmung über die Dringlichkeit der Besprechung des Abkommens. Er sei bereit, alle erforderlichen Aufklärungen zu geben, aber die Veröffentlichung des Eelbbuches erfordere eine lange Zeit, man könne davon die Besprechung des Abkommen» nicht abhängig machen. Der Ministerpräsident sprach in gleichem Sinne. Er erklärte. Gründe der auswärtigen Politik, sowie bk damit eng verbundene Würde der Kammer widersetzten sich der Veröffentlichung, die übrigens Mw