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1911.

Marburg

Miliwoch, 6. Dezeuiber

xieCbettiefitfdie Ö'ttung' epchemr täglich mit Huer.-'.tj-.ne der Senn* und Feiertage. Der B e z u g s p r e i i betragt vierteljährlich durch

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend«,Fürs Haus« und .LandwirtschastlicheBeilage^

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Erstes Blatt.

Schwelgende Nachbarn.

Man schreibt uns:

Das Publikum hat es nun schon einige Monate durch die radikalen Zeitungen gut­gläubig zur Kenntnis genommen, daß die teil­weise Teuerung der Lebensmittel lediglich auf den Widerstand der deutschen Regierung zurück- zufähren sei, die den armen deutschen Bürger durch hohe Zollschranken von den Fleischtöpfen anderer im Ueberfluß schwelgenden Staaten fern­halten? Welche Länder das sein sollen, darüber erging man sich bisher nur in geheimnisvollen Andeutungen. Erst waren es unsere Nachbarn zur Rechten und zur Linken, im Norden und im Süden, und nachdem man es nicht mehr länger verschweigen konnte, daß die europäische Sonne letzten Sommer alle ausnahmslos mit gleicher Wärme" bedacht hatte, ging man ins Ausland. Es kamen das argentinische Gefrierfleisch, das amerikanische Vüchsenfleisch und eine Anzahl anderer SchweizerDurchgangs"waren an die Reihe. Aber auch diese Freude sollte nicht lange dauern. Hatte man schon notgedrungen von den Hungersnots"krawallen in dem demokratischen Frankreich berichten müssen, so gangen in der Folge auch die letzten Rettungsanker verloren. Die beiden Musterländle, Schweiz und Amerika, deren Eeldbeutelfreiheit namentlich jedes Radi­kalen Herz höher schlagen lässt, haben trotz ihres Volksparlaments, trotz Referendums und anderer-- Einrichtungen des Volkswillens auch ihren regu­lären Teuerungsrummel. Dass dieser auch dort in Krawallen aller Art zum Ausbruch schon ge­kommen ist, wird freundlichst übersehen und ge­

flissentlich ignoriert! Schade! Man hatte schon ungezählte Beweise gefunben für den Einfluss der Reaktion auf Sonne, Mond und Sterne, Konservative und Witterungsverhältnisse" wäre ebenfalls ein dankenswertes Thema für ein Preisausschreiben dieser Herren geworden. Alle Hoffnung ist nun dahin. Zum ersten nämlich hat das Departement of Commerce and Labor (Han­dels- und Arbeitsministerium) in Washington eine interessante Veröffentlichung überdiePreisbewegung bzw. Preis- Preissteigerung der Lebensmittel in den Vereinigten Staat.en von Amerika für das letzte Jahrzehnt gemacht, der wir folgendes entnehmen. Setzt man den Durchschnittspreis 18901899 gleich 100, bann stellen sich die Grosshandelspreise der Farmpro­dukte für die Jahre 1900 bis einfchl. 1900 wie folgt:

1900: 109,5 1904: 126,2 1908: 133,1

1901: 116,9 1905: 124,2 1909: 153,1

1902: 130,5 1906: 123,6 1910: 164,1

1903: 118,8 1907: 137,1

Wir sehen also, dass die Farmprodukte i n der Union eine fortgesetzte Stei­gerung erfahren, die ganz besonders scharf von 1908 auf 1909 einsetzte und bann auf 1910 noch weitere Steigerung erfuhr.

Auch aus bei Schweiz kommen Nachrichten, bie von bieten Teuerungen sprechen. So bringt bieBasler Zeitung" vom 20. Oktober 1911 einen Bericht aus Zürich über bie einige Tage vorher avgehaltene 11. Konferenz bes Verbanbes Schweizer Konsumvereine, in bei übet Umfang unb Wirkung bei bestehenden Teuerung gespro­chen würbe. Wir wollen aus dem Bericht nur bie Angaben bet zahlenmässig nachgewiesenen Preissteigerungen herausgteifen:

Zucker, per 120 kg,

Herbst 1910:

28 Frs.

Herbst 1811: 64 Frs

Milch, per L ter,

1905:

1920 Cts ,

vom 1. 11. 1911 ab: 27-39 Cts

Kaffee, per 50 kg,

1909:

35 - 40 Frs.

Herbst 1911: 8185 Frs.

Rüben, 50

1908:

4-5

1911: 12 13

Weißkraut '

1910:

3

1911: 14-15

Sauerkraut, per 5D kg,

1910:

16

1911: 50

Kartoffeln, per 100

1908:

4,80 5

1911: 910

Käse, per 100 kg,

1998:

150

1911: 208210

Der Referent in ber genannten Versammlung berechnete bie Mehrbelastung durch die Teuerung dieses Jahres auf rund 100 Fr. für den Kopf der Bevölkerung. Als Ursache der Teuerung wurde in erster Linie die schlechte Ernte genannt, bie kleine Vorräte bebingt, bie bann von bet Speku­lation von weiteren Steigerungen benutzt wür­

ben. Soweit bie Tatsachen, sie sinb nicht neu, sonbern reichlich vier Wochen alt, bis jetzt aber hat bie linksstehenbe Presse es noch nicht für nötig gehalten, von bieser äussetst interessanten Tatsache Notiz zu nehmen. Es beruht das natür­lich nur auf einem Versehen. (!?)

Der Krieg n n Tripolis

DieWiener Reichspost" veröffentlicht ein Telegramm, nach bem eine Nundnote bet ita­lienischen Regierung ben Entschluss notifiziere, infolge bei llmftänbe auf dem tiipolitanischen Ktiegsschauplatze bie militärischen Operationen auch auf nichtafrikanisches Gebiet bet Türkei auszudehnen. Diese Nachricht scheint bestätigt zu werben burch bie Massnahmen, bie bie tür­kische Regierung in ben Dardanellen und bei Saloniki gegen einen Angriff der Italiener trifft. Vom eigentlichen Kriegsschauplatz liegen keine weiteren Meldungen vor. DieAgenzia Stesani" meldet:

Tripolis, 4. Dez. In der Nacht zum 3. Dezember ereignete sich nichts neues. Ein sehr wirksames Feuer zerstörte ein Dorf voll­ständig. Eine Erkundung, bie am Morgen bes 3. Dezember von einem Flieger unternommen wurde, ergab, bass keine merklichen Aenberungen in bei bestehenben Lage eingetieten sind. Der Allgemeinzustand bes Korrespondenten Cartäre ist anbauetnb ausgezeichnet.

Konstantinopel, 4. Dez. Voi Smyrna ist bet KhebivialdampferSeibje" auf eine von den Türken gelegte Mine gelaufen. Die Schraube verfing sich in der Ankerketter der Mine und wurde so beschädigt, dass der Dampfer nach dem Hafen von Smyrna gebracht werden mutzte. Die Mine explodierte nicht.

Persien

In ihrer letzten Wochemundschau schrieb, wie schon gemeldet, dieNordd. Allg. Ztg.", daß eine Besetzung Persiens durch Rußland kaum verhin­dert werden könne. Zu einem ähnlichen Resul­tat kommt auch dieKölnische Ztg.", wenn sie schreibt:Bei der vollkommenen Zerrüttung des Persischen Staates ist an einen erfolgreichen

Widerstand gegen den russischen Einmarsch nicht zu denken, und da England allem Anschein nach mit dem russischen Vorgehen c'nrerstanden ist, so hat Persien auch auf europäische Hilfe nicht zu rechnen." Das Blatt weist bann weiter barauf hin, bass bie persische Politik Sir Ebwarb Greys in England selbst keineswegs durchweg Anerken­nung finde. Es macht darauf aufmerksam, dass dieDaily News" sich gegen die ganze russen- frcunbliche Politik, die nur dadurch erklärlich sei, datz Sir Edward Grey sich lediglich von ber Rücksicht leiten lasse, andere Staaten so zu be­handeln, dass sie von einer Annäherung an Deutschland abgehalten würden, wen­den. DieK. Z." schliesst ihre Betrachtung: Da England, wenn Russland Nordpersien be­setzt, im Süden nicht untätig bleiben wird, so rückt die Möglichkeit immer näher, dass beide Staaten sich in ihren Landesgrenzen immer näher kommen, ein (Ergebnis, bas bisher in Englanb als äußerst bebenklich betrachtet würbe. Die Frage, wie es mit ber verbürgten Unabhängigkeit Persiens werben soll, scheint ber englischen Regierung vorläufig kein Kopfzerbrechen zu machen, als beruhigenbes Element kann bie gegenseitige Entwicklung ber persischen Frage j ebenfalls nicht angesehen werben."

Politische Umschau.

Bülow und Chamberlain.

Ein Lonboner Blatt will von einem diplo­matischen Mitarbeiter folgende angebliche Rich­tigstellung der Mitteilung erhalten haben, dass Chamberlain als Kolonialsekretär dem Deut­schen Reiche die Teilung Marokkos vorgeschlagen habe. Gegen Ende Oktober 1899 habe Fürst Bülow, der mit Kaiser Wilhelm nach London gekommen war, Lord Salisbury, dem damaligen Premier, bei einem Besuch bei ihm den Beitritt

Englands zum Dreibund vorgeschlagen. Sails» | bury habe erwidert, England sei bereit, Ab­machungen über besondere Gegenstände abzu­schließen, töne aber nicht an das Risiko denken, sich in einen Krieg verwickeln zu lassen, wenn seine Interessen nicht berührt wären. Fürst Bülow habe darauf Chamberlain den gleichen Vorschlag gemacht und eine ganz ähnliche Ant­wort erhalten. Einen Monat danach habe Chalberlain seine Rede zu Leicester gehalten unb Deutschlanbs Anerbieten zu etwas mehr als bloßer Freunbschaft gemacht, sei aber von Bü­low, ber mit ber burenfreunblichen öffentlichen Meinung in Deutschland abgeschwenkt fei, ab­gefertigt worben. Chamberlain habe bies sehr übel genommen, worauf es 1902 zu dem scharfen Konflikt zwischen beiden Ministern in ihren er­bitterten Reden gekommen sei. Weiter sei an der ganzen Behauptung nichts.

Die Wahlparole der Demokraten.

Herr v. Eerlach legt in derHess. Landes- zeitung" Wert darauf, dass er an dem bekannten Beschluß ber Frankfurter Demokraten, für den Genossen Quarck gegen den Fortschrittler ein­zutreten, nicht beteiligt sei, da er nicht zu der Frankfurter Wahlkreisorganisation gehöre. Na­türlich. Er will auch in der Diskussion nicht zugunsten der einen ober anberen Auffassung ge­sprochen haben. Dann aber heißt es weiter:

Kenntnis gegeben habe ich lebiglich der Versammlung von bem Stichwahlabkommen zwischen bem Zentrum und ben Nationallibe­ralen Rheinlanb-Westfalens. sowie von den Tendenzen, nach den Wahlen eine Fusion zwi­schen Fortschritt und Nationalliberalismus her­beizuführen. Ausserdem habe ich erzählt, wie ich mich selbst auf eine .Anfrage in öffentlicher Versammlung in Bonn über die Stichwahlent­scheidung zwischen Fortschritt und Sozialdemo­kratie geäußert hätte. Ich habe erklärt, dass ich diese Abstimmung frei geben würde, wenn ber fortschrittliche Kandidat sich verpflichte, nie an einem Block mit Konservativen und Anti­semiten teilzunehmen und im Falle einer Stich­wahl zwischen Sozialdemokratie und einer rechts von ihm stehenden Partei die Losung für die Sozialdemokraten auszugeben."

Wir geben bie Worte roieber, um zu zeigen, baß Herr v. Eerlach nach diesen Worten sich mit der Stichwahlparole in Frankfurt vollständig einverstanden erklärt. Freisinn unb National- liberale haben sich, so viel wir sehen, mit Aus­nahme von einzelnen Kreisen geeinigt. Sie werben auf biese Einigung wegen der paar de­mokratischen Stimmen nicht verzichten wollen. An Herrn v. G.'s Stellung ist jetzt noch inter­essant, dass er noch bei der vorigen Wahl sich energisch dagegen wandte, eine Wahlparole für ben Sozialdemokraten gegen ben Antisemiten Dr. Böhme gegeben zu haben. Es ist bemnach immerhin eine erfreuliche Klärung zu ver­zeichnen. Unsere Leser werben sich erinnern, baß Herr v. Eerlach wegen ber Affäre uns ba= mals an benSchandpfahl" schlug, was uns freilich recht gut bekommen ist. Die Frankfurter Stichwahlparole ist ein weiterer Schritt auf dem Wege zu einer erfreulichen Klärung des Ver­hältnisses bes Herrn v. Eerlach zur Sozialdemo- kratie, unb auch ber verklausulierte Rückzieher ändert an ber Tatsache nichts, bass Herr v. Eer­lach alle seine Sympathien ber Sozialbemokratie zuwenbet, bem Fortschritt nut sehr wenig und bedingt.

P-Mimmen.

Zur Reichstagskandidatnr des Grase« Posadomsky schreibt di«Vossische Zeitung":Allerdings ist auch bei uns hin und wieder vorgekommen, dass ein früherer Minister ein Reichstagsmandat annahm, um für das zu kämpfen, was er für recht und heilsam hielt. Rudolf Delbrück scheute sich nicht, als Abge­ordneter selbst dem Fürsten Bismarck entgegenzu­treten. Bismarck ließ sich ebenfalls nach seinem Sturz in den Reichstag wählen, hat aber feinen Sitz nie eingenommen. Wogegen fein Sohn Herbert zwar als Abgeordneter mehrfach sprach, aber vom Glück nicht gerade begünstigt war. (?) Hie und da ist auch noch ein anderer Minister a. D. als Kandidat aufge­treten oder zeitweilig im Reichstag erschienen. Eine Rolle von Belang hat nur einer als Parlamentarier gespielt, bas ist Hobrecht, der kurze Zeit Finanz­minister unter Bismarck war und den Beweis führte, dass er einen eigenen Willen selbst gegen eine übermächtige Persönlichkeit zu behaupten wusste. Also hie und da eine Ausnahme,,die die Regel be­stätigt, und die Regel ist hier: wer gegangen, kehrt

nicht wieder, weder als Minister noch als Partei­führer im Parlament. Dass jetzt Graf Posadowsky, ber lange ben Schweiger gespielt hat, nach einem Mandat verlangt, ist somit ein bemerkenswertes Er­eignis, das vom Standpunkt des parlamentarischen Regierungssystems, nur willkommen geheißen werden kann. Und er steht nicht einmall allein: auch der frühere Minister des Innern, Herr von Moltke, der in etwas wunderlicher Weise über Bord geworfen wurde, will Abgeordneter werden, was er besser Jn einem Kreise würde, wo er mit einem Reaktionär, nicht mit einem Fortschrittsmann zu ringen hätte. Durch die parlamentarische Tätigkeit entlassener Minister wird nicht von heute auf morgen der Parlamentarismus heraufgeführt werden. Aber es ist ein Schritt zum Ziel. Und über kurz oder lang wird das Ziel erreicht sein, ob Krone, Minister und Rechte wollen oder nicht.«

Die Ministerverantwortlichkeit.

Gegen die formelle Reichsministerverantwortlich­keit wendet sich der Abg. Frhr. v. Zedlitz imTag«, indem er u. a. ausführt: Diese Boraussetzung ist eine feste, in sich geschlossene Mehrheit, mit der bie Regierung rechnen muß, auf die sie sich andererseits aber auch stützen kann. Eine solche Mehrheit besteht im Reichstage nicht. Der schwarzblaue Block spukt nur in Wahlaufrufen und Wahlreden, in Wirklich­keit besteht eine feste klerikal-konservative Mehrheit wenigstens im Reichstage nicht. Das hat sich bei der Verabschiedung der elsass-lothringischen Verfassung klar gezeigt und tritt auch jetzt bei der Marokkosrage hervor. Der Reichstag würde daher mit noch so fe.n ausgestalteten Bestimmungen über die Verantwort­lichkeit der Minister nichts von Belang haben an­fangen können. Dasselbe gilt von allen Bestrebungen auf Erweiterung der Befugnisse des Parlaments. Das parlamentarische Regiment setzt mit unbeding­ter Notwendigkeit eine regierungsfähige Mehrheit voraus. Sonst bleibt es leerer Schall oder wird zur Karikatur. Wenn aber der Reichstag auch jetzt keine feste Mehrheit hat, so könnte er doch vielleicht in Zukunft eine solche aufweisen. Aber für die nächste Zeit ist jedenfalls damit nicht zu rechnen. Auch wenn es gelingt, in dem neuen Reichstage eine Mehrheits­bildung aus den Rechtsparteien tjjtb dem Zentrum unmöglich zu machen. Mag ber" Eroßblockgedank« bei den Wahlen noch so sehr an Boden gewinnen, an eine feste Mehrheit von Bassermann bis Bebel ist keineswegs zu denken. Darauf geht die Wahl- spekulation ja auch keineswegs aus; man erstrebt für die Liberalen, insbesondere die Nationalliberalen, die Stellung, welche das Zentrum bis 1907 inne hatte. . . Ungleich wahrscheinlicher ist das Gegenteil und dann sähe das Zentrum fester im Sattel beit.*, je. Die Beklemmungen, in welchen der letzte jung- nationalliberafe Parteitag dieferhalb ausklang, sinb sehr bezeichnenb, aber auch nur zu gerechtfertigt. Es wäre ja auch nicht bas erstemal, dass eine grosse liberale Aktion zu einem Triumphe bes Zentrums führte. Wie immer aber auch ber neue Reichstag zu­sammengesetzt sein mag, eine feste Mehrheit, wie sie bas parlamentarische Regiment erheischt, wirb et sicher nicht aufweisen.

Deutsches Reich-.

Wo es angebracht ist. In einer von der so­zialdemokratischen süddeutschen Volksbuchhandlung in München zum Vertrieb gelangten Broschüre über die Versammlungspraxis ist auf Seite 31 folgendes zu lesen:Der Leiter .. . eröffnet die Sitzung . . . und endet mit dem Wunsch für einen guten erfolg­reichen Verlauf bet Veranstaltung, wo es angebracht ist auch mit einem Hoch auf ben Kaiser, den Landes­herren ober sonstigen Protektor." Diese köstliche Anweisung gibt einen Begriff davon, wie unsere radikalen Herren auf dem Lande arbeiten. Da ge­braucht man bei unserer monarchisch gesinnten Be­völkerung bie alten Formen, sodaß bie Leute glauben, sie hätten es mit einem tönigstreuen Manne zu tun. Das nennt man Taktik, wenn auch eine verlogene. Nicht wahr! Wo es angebracht ist, kann man auch einmal den Kaiser hochleben lassen. Ja, ja wo es angebracht!

DieKöln. Ztg.« dementiert. Köln, 4. Dez. DieKöln. Ztg." meldet aus Berlin: DieTägliche Rundschau" erhält trotz halbamt­licher Widerlegung die Meldung aufrecht, daf die Entscheidung über die Ernennung des Gou­verneurs von Rechenberg zum Staatssekretär des Kolonialamtes gefallen fei, und zwar in der Form, dass bis zur Stunde von Rechenberg erst vorgeschlagen sei und daß die*kaiserliche Ent­scheidung über den Vorschlag nach der Rückkehr des Kaisers jedenfalls also etwa am 15. d. M. erfolgen werde. Auch diese Nachricht ist un­richtig. Der Reichskanzler hat bis zur Stunde dem Kaiser in dieser Angelegenheit keinen Vor­schlag unterbreitet.

Zweckverband Erossberlin. Berlin, 4. Dez. Die erste Sitzung des Zweckverbandes Eroh- berlin wurde heute in dem Stadtverordneten« Sitzungssaal vorn Oberbürgermeister Kirschner