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46. Jayrg

1911.

Marburg

Mittwoch, 29. November

Minister Grey fuhr fort: Sm 21. Juli sei Lloyd George zu ihm gekommen, um sich zu in­formieren, da er an demselben Abend zu sprechen habe. Es wurde mit dem Premierminister be­raten, was gesagt werden sollte, infolgedessen nahm Lloyd George in der bekannten Rede be­zug auf die auswärtig« Lage. Die Bedeutung der Rede Lloyd Georges war:daß, wo die bri­tischen Interessen berührt würden, wir nicht be- handelt werden dürften, als ob wir nicht mit­zählten. Wenn die Zeit je kommt, wo das nicht gesagt wLrden darf, werden wir aufgehört haben zu existieren, wenigstens als eine Großmacht. Aber der Wortlaut der Rede war bald vergessen und eine Art Legende wuchs um fie empor. Zum Beispiel hörte ich einige Wochen später von einem Deutschen, der zu seinem englischen Freunde gegen die Rede protestierte. Als man ihm aber den Bericht zu lesen gab, sagte er, daß dasjenige, wogegen man stch in Deutschland ge­wandt habe, nicht die Rede selbst sei, sondern die Tatsache, daß fie zu einem Zeitpunkt gehalten ist, als Frankreich und Deutschland im Begriffe wa­ren, zu einem Einverständnis zu kommen, und datz sie die Verhandlungen gestört hat. Gerade das Gegenteil war wahr. Drei Tage nach der Rede des Schahkanzlers Lloyd George besuchte mich der deutsche Botschafter und teilte mir mit, daß die deutschen Absichten bei der Entsendung eines Schifes nach Agadir sich nicht geändert hät­ten. Nicht ein Mann sei dort gelandet worden."-

Die weiteren Tatsachen schildert er entsprech­end der Ktderlenschen Erklärung. Den Borstel­lungen über die Rede Lloyd Georges gegenüber sagte er:Die Tatsache, datz fie in Deutschland lleberraschung hervorgerufen haben, sei an sich eine Rechtfertigung der Rede, denn fie hätte keine Ueberraschung Hervorrufen können, wenn nicht in Deutschland eine gewifie Neigung zu dem Gedanken bestanden hätte, daß man uns nicht zu beachten brauche.,, Es folgt eine weitere ausführlichere Aufzählung der bekannten Tat­sachen. Unter anderem sagte er:Der deutsche Botschafter und ich hatten noch einige weitere Gespräche allgemeiner informativer Natur, in deren Verlauf er einiges Bedauern über die Art und Weise ausdrückte, in welcher unsere öffent­liche Meinung zu feindlichen Schlüffen über das deutsche Vorgehen verleitet worden sei. Zch fragte ihn, was denn anderes erwartet werden könnte, wenn die deutsche Regierung plötzlich ein Schiff nach Agadir sende, einem geschliffenen Ha­fen, der an der Westküste von Marokko der ge­eignetste Platz für eine Flottenbasis sein soll. Natürlich habe diese Aktion die britische öffent­liche Meinung in Bewegung gesetzt. Die Diffe­renzpunkte haben stch dann erledigt. Damit ist tatsächlich das Ende meines Berichtes erreicht ' und die einzige Erklärung, die ich dazu zu machen habe ist, datz in den Enthüllungen, die im Reichs­tag durch den deutschen Staatssekretär des Aus­wärtigen erfolgten, ich eine Anführung finde, datz die Absicht, einen Hafen in Marokko zu neh­men, in Deutschland nie bestanden habe. Er sagte, er habe ausdrücklich zu gegebener Zeit einem wohlbekannten Alldeutschen dies mitge­teilt, der in Rede stehende Herr habe es aber nicht geglaubt. Wenn nach der Erklärung des Kabinetts, die wildem deutschen Botschafter am 4. Juli übermittelten, diese Absicht uns als end­gültige anvertraut worden wäre, so würde, wie ich glaube, ein gut Teil Mißverständnis vermie­den worden sein. (Bsiftall.) Was den weiteren Verlauf der Verhandlung betrifft, so brauche ich nur zu sagen, datz die französische Regierung uns über jeden Zeitpunkt zu Rate zog.

Es ist wirklich, als ob die Welt in einem Zustand von politischem Alkoholismus wäre (Beifall und Hetterkeit). Ich erwähne die Rede, die kürzlich Oberst Faber hielt, weil diese Rede auch in der Budget- kommission des Reichstages Gegenstand von Erörte­rungen war, und wie mir von zuverlässiger Sette mitgeteilt wurde, die Erbitterung des deutschen Vol­kes verstärkt hat. Ich weiß wohl, daß es für uns leicht möglich wäre, zu erwidern, daß eine oder zwei im Reichstage gehaltene Reden nichtamtliche, und auch Faber ist kein amtliches Mitglied (Heiterkeit) uns genau soviel Grund geben, hier zu erklären, daß unsere öffentliche Meinung dadurch beleidigt würde. Natürlich war eine zwar nicht ständige, aber zeit­weilige diplomatische Besorgnis vorhanden und zu Zeiten eine sehr beträchtliche Besorgnis, ob es Frank­reich und Deutschland gelingen werde, eine Lösung durch die Verhandlungen zu finden. Diese^ , Ver­handlungen waren sehr schwierig für die beiden Län­der, und hätte sie einer von ihnen abgebrochen, und es gab Tage, wo es so «ussah, als ob sie zum killftand komme» Müßte». wäre es sehr schwierig

britischen Jntereffen direkter berühren, als sie | bisher berührt worden feien und daher könnten wir keine neuen Arrangements anerkennen, zu denen man ohne uns gelangen könnte. Ich machte es ganz klar, datz diese Mitteilung und die von mir gebrauchten Worte genau diejenigen von Se. Majestät Regierung feien. Nun folgte eine Periode des Schweigens. Der deutsche Bot­schafter hatte keinen Auftrag, mir irgendeine Be­merkung bezüglich meiner Mitteilungen zu ma­chen, und wir erhielten keine Mitteilung von der deutschen Regierung über das, was ihre Wünsche und Ziele seien, oder woran sie gedacht habe, als fie von einer definitiven Lösung des marokkani­schen Problems sprach. Das war die wirklich wichtige Frage. Aus anderen Kreisen gelangten einige Mitteilungen an uns, was uns besorgen lief), datz die von Deutschland ins Auge gefaßte Regelung eine Teilung Marokkos fein könnte und zwar durch Iserhandlungen, zrt denen man uns nicht hinzuzuziehen beabsichtige.

Es ist natürlich vollständig richtig, daß wir uns in Marokko durch das Abkommen mit Frankreich vom Fahre 1904 politisch desinteressiert hatten. Aber bei dem Abschluß des Abkommens hatte die frühere bri­tische Regierung gewiffe wirtschaftliche und strate­gische Bedingungen stipuliert. Diese hätten durch eine Neuregelung bezüglich Marokkos gestört werden können, und da, war der Grund, warum wir uns über da» beunruhigten, was geschehen könnte. Der britische Botschafter in Berlin hatte am 12. Juli Ge­legenheit, den deutschen Staatssekretär des Auswär­tigen über einige weniger wichtige Fragen zu spre­chen, uitb ergriff die Gelegenheit zu sagen, daß einmal von einer Unterhandlung zwischen Dreien, zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien gesprochen wor­den sei, woraus zu schließen wäre, daß wir davon aus­geschlossen werden sollten. Der Staatssekretär sagte unserem Botschafter, er möge uns mitteilen, daß nie- mal» irgend ein Gedanke an eine solche Unterhand­lung existiert habe. Aber ausgeschlossen diese nega­tive Erklärung erhielten wir von der den scheu Re­gierung keine weiteren Mitteilungen. Etwas später hieß e» in der Presse, daß die deutsche Regierung mit Bezug auf Französisch-Kongo Forderungen von einer Ausdehnung gestellt habe, daß offenbar weder dir französische Regierung noch die französische Kammer - hüllen zustimmen können, und ich wurde besorgt wegen der zukünftigen Entwicklung der Marokkofrage.

Ich sprach daher am 21. Juli mit dem deutschen Botschafter und sagte ihm, ich möchte keine Zweifel darüber bestehen laffen, daß unser Stillschweigen so verstanden werden dürfte, al, ob wir an ter marok­kanischen Frage nicht das Interesse nehmen würden, das in unserer Erklärung vom 4. Juli ausgesprochen worden war. Wir hätten gewußt, daß eine Berich­tigung der Grenze von Französisch-Kongo als Grund­lage für die Verhandlung mit Frankreich vorge­schlagen worden sei. Wir hielten es für möglich, daß auf dieser Basis eine Verständigung zwischen Deutsch­land und Frankreich erreicht werden könnte, welche die britischen Jntereffen nicht berühre. Wir würden uns sehr freuen, wenn dies gelingen sollte, und in der Hoffnung, daß dies gescheehn, hatten wir uns bisher beiseite gehalten. Aber ich sei ängstlich geworden durch Mitteilungen, die tags zuvor über die von der deutschen Regierung an die französische gestell en For­derungen erschienen seien, Forderungen, welche tat­sächlich keine Grenzberichtigung, sondern eine Ab­tretung von Französisch-Kongo bedeuteten und denen offenbar die französische Regierung unmöglich zu­stimmen könnte.

Ich hatte gehofft, daß die Verhandlungen noch andauern, und ich hoffe noch, daß sie zu eitlem befrie-, digenden Resultat führen werden. Aber ich konnte keinen Zweifel hprüber laffen, daß eine sehr ver­wirrende Situation entstehen würde, wenn sie erfolg­los verlaufen würde. Ich bemerkte dem deutschen Botschafter, daß die Deutschen in dem geschlossenen Hafen von Agadir sich befänden, daß sie nach Gerüch­ten, die unter den Eingeborenen verbreitet seien, Mannschaften landeten und mit den Stämmen ver­handelten, sodaß sie nach allem, was wir wüßten, Kce^eigonen daselbst erwerben wollten, und daß so­gar die deutsche Flagge in Agadir gehißt sein könnte, das der passendste Hafen für eine Flottenbasis an jener Kstüe sei. Es laste sich nicht sagen, bis zu wel­chem Grade die Situation zu unserem Nachteil sich ändern könnte, und wenn die Verhandlungen mit Frankreich scheiterten, würden wir gezwungen sein, etwas zum Schutze der britischen Jntereffen zu tun und unsererseits an den Verhandlungen teilzunehmen. Je länger die Deutschen in Agadir blieben, umso größer sei die Gefahr, daß dies einen Stand der Dinge schaffe, der es für sie noch schwieriger machen würde, sich zurückzuziehen und für uns noch notwendiger, irgendeinen Schritt zum Schutze der britischen Jnter- effen zu unternehmen. Ich hätte all die» sagen wollen, (o lange wir noch die Hoffnung hegten, daß die Ver- Handlungen mit Frankreich erfolgreich sein würden. Wenn ich das jetzt nicht täte, könnte es später zur Er­bitterung führen, wenn die deutsche Regierung durch unser Stillschweigen zu der Annahme verführt wor­den wär«, daß wir kein Interesse an der Sache hätte».

Die Rede Sir Edward Greys.

Die mit Spannung erwartete Rede Sir Ed­ward Greys ist gestern gehalten worden. Wir berichten ausführlicher darüber. Soviel kann schon jetzt gesagt werden, datz fie die Erwartun­gen, die vielfah an sie gestellt wurden, nicht er­füllt hat. Der Minister hat geschäftsmäßig die einzelnen Phasen der hinter uns liegenden Ent­wicklung vorgetragen und allgemein friedfertig« Anschauungen geäußert, die man erwarten konnte. Seine Auffassung der Rede Lloyd Georges wird in Deutschland nicht auf Verständ­nis stoßen, ebenso wie über den tatsächlichen Stand der Rüstungen im September noch sehr viel zu sagen übrig bleibt.

London, 27. Nov. Im Unterhaus« begann heute die Debatte über die auswärtige Politik. Sir Edward Grey führte u. a. aus: Der deutsche Staatssekretär des Auswärtigen Amts hat be­reits, wenn auch nicht eine vollständige, aber eine ausgedehnte Aufklärung Über das gegeben, was in der Unterredung zwischen dem deutschen Botschafter in London und mit vorgegangen ist. Im diplomatischen Verkehr ist es sehr unge­wöhnlich, ohne vorher Bericht Über Unterredun­gen zu veröffentlichen, ohne vorher den anderen Teilnehmer zu befragen. In diesem Falle wußte . ich nichts, bis ich den veröffentlichten Bericht zu lesen bekam. Ich verstehe, datz die Anforderungen der Lage in Deutschland es unmöglich gemacht haben, daß ich vorher befragt wurde. Wenn ich befragt worden wäre, so würde ich sicherlich keine Einwendung erhoben haben. Ich erhebe keine Beschwerde darüber, aber es wurde mir dadurch die Notwendigkeit auferlegt, aufzuklären, was nach meiner Ansicht dem Hause Über den Anteil den wir an der Angelegenheit genommen haben, mitgeteilt werden mutz. Der deutsche Reichskanz- ker und der deutsche Staatssekretär des Auswär- tigen Amts haben bereits ein Mißverständnis erledigt. Man hatte in einigen Kreisen ange­nommen, datz Deutschland gegen die französische Aktion, das heißt gegen den Marsch nach Fez Überhaupt protestiert und daß Frankreich ange­sichts dieses deutschen Protestes auf dem Marsch bestanden habe. Die deutsche Regierung hat dar­gelegt, wie die deutsche Ansicht wirklich gewesen ist, und ich habe keinen Kommentar dazu zu ge­ben und keine Kritik daran zu üben. Meine Er­zählung beginnt also mit dem 1. Juli. An die­sem Tage kam der deutsche Botschafter auf das Auswärtige Amt und machte folgende Mittei­lung (das bereits in der Budgetkommisfion des Reichstags bekanntgegebene Aide-Memoire vom 30. Juni). Der ..Panther" war, glaube ich auf dem Wege nach Agadir, aber in der Erläuterung des Botschafters, welche diese Erklärung beglet- tete, war noch mehr enthalten. Diese Mitteilung war begleitet vo neinet Erläuterung, die erken­nen ließ, datz die deutsche Regierung eine Rück­kehr zum stntus quo in Marokko als zweifelhaft, wenn nicht als unmöglich betrachtete, und daß, was sie ins Auge faßte, eine definitive Lösung der marokkanischen Frage zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien war. Die Mitteilung wurde am Sonnabend gemacht und ließ darauf schließen, datz das ins Auge gefotzte wirkliche Ziel eine definitive Lösung der ganzen marokkani­schen Frage war.

Am folgenden Montag teilte ich dem deut­schen Botschafter mit, daß ich mit dem Premier- minister Asquith gesprochen habe, und daß wir die durch die Entsendung desPanthers" nach Agadir geschaffene Situation als so wichtig be­trachteten, daß sie in einer Sitzung des Kabinetts erörtert werden mutzte. Ich wollte bts zu dieser Kabinettssitzung nichts weiter sagen, aber ich möchte, datz die deutsche Regierung sofort erfahre, daß nach unserer Ansicht die Lage ernst und wich­tig sei. Ich sah den deutschen Botschafter am 24. Juli wieder und sagte, ich müßte ihm mitteilen, daß unsere Haltung bezüglich Marokkos keine un- kninteressierte feilt könne. Wir müßten unsere Vertragsverpflichtungen gegen Frankreich und unsere eigenen Jntereffen in Marokko in Be­tracht ziehen. Wir seien der Ankickt, daß durch die Entsendung eines deutschen Kriegsschiffes Nach Agadir eine neue Situation geschaffen sei. Dr« künftig« Entwickelung könnte vielleicht die

gewesen, zu sagen, wie die nächsten Folgen gewes«» wären. Wir waren in beständigen intimen Be­ziehungen zu Frankreich. Ich erwartete niemals eine» jähen Abbruch, aber es war ein- oder zweimal im Sommer so, als ob die Verhandlungen auf einen toten Punkt kommen konnten. Natürlich -würbe der nächste diplomatische Schritt für eine an der Alge- cha safte beteiligten Macht der gewesen fein, eine Konferenz vorzuschlagen. Das wäre ein Schritt ge­wesen, den zu tun wir bereit gewesen wären. Ich hatte di« deutsche Regierung im Juli daraufhin son- diert, ob der Vorschlag einer Konferenz ihr annehm- bar erscheinen würde, im Falle die Verhandlungen auf einen toien Punkt kommen sollten. Die Ant­wort, welche ich erhielt, war zwar nicht schlüssig, den- tete aber an, daß der Vorschlag nicht annehmbar er­scheinen dürfte. Das war das bedenkliche an der diplomattschen Lage. Wir haben die geheimen Ar­tikel des englisch-französischen Abkommens veröffen- tlcht. Andere geheime Verpflichtungen gibt es nicht. Außerdem ist unsere Freundschaft mit Frankreich und Rußland an sich eine Garantie dafür, daß keine der beiden Mächte eine herausfordernde oder aggressive Poniik gegen Deutschland verfolgen wird, das ihr und unser Nachbar ist. Jede Unterstützung, die wir Rußland ober Frankreich in schwierigen Zeiten leisten würden, würde gan zünd gar von der Stimmung de» Parlaments und der öffentlichen Meinung abhängen. Sowohl Frankreich wie Rußland wiffen sehr wohl, daß die britische öffentlich« Meinung einem heraus- fordernden ober aggressiven Vorgehen gegen Deutsch- lvnb keine Unterstützung leisten würbe. Eine der Ulsentlichen Bedingungen der Freundschaft mit Frankreich und Rußland in den letzten paar Jahren ist die Ueberzeugung gewesen, daß weder sie noch wir den Wunsch hegen, eine herausfordernde ober aggres­sive Politik zu verfolgen. Laffen Sie mich nun fol- genbes sagen: Deutschlands Stärke gibt in sich selber eine Garantie, daß kein anberes Lanb einen Streit mit ihm suchen wird. Das ist eine Seite des Schilde», auf den Deutschland wohl stolz sein kann. Aber die deutsche öffentliche Meinung sollte daran denken, daß es eine ar.dere Seite des Schildes gibt. Wenn eine gfc.icn die größte Armee in der Welt besitzt, wenn sie eine- sehr große Flotte schon besitzt und im Begriff« steht, ein« noch größere zu bauen, bann muß sie alle­in ihrer Macht Stehende tun, um die sehr natürliche» Bcfürchtungen anderer zu verhindern, di« keine ag- gressiren Absichten besitzen, daß diese Macht mit ihrem Heer und ihrer Flotte aggresive Tendenzen gegen sie verfolgen könnte. (Beifall.)

Jede Großmacht, welche heutzutage versuche» würde, eine Politik der glänzenden Isoliertheit an- zunehmen, würde al» ein nationaler Schaden ange­sehen werden. Eine solche Haltung von unserer Seit« würde uns auch nicht die Freundschaft Deutschlands verschaffen, weil man sich dadurch keine neuen wert­vollen Freundschaften verschafft, daß man die alten verläßt. (Beifall.) Lassen Sie uns mit allen Mit­teln neu« Freundschaften schließen, aber nicht auf Kosten derer, die wir haben. (Beifall.) In der deut­schen Presse heißt es, daß es ein Teil unserer Politik sei, in Deutschlands Wegen zu stehen und die deutsche Ausdehnung zu hindern. Es ist gewiß ein unglück­licher Umstand, daß die marokkanische Frage so oft aufgetaucht ist, weil sie speziell ein Fall ist, in wel­chem wir eine Abmachung haben, und spezielle Inter­essen, denen wir Wichtigkeit beimessen, und die vo» dieser Abmachung durchbrochen wird, und es ist mein« persönliche Ueberzeugung, daß es die richtige Politik für England ist, seine afrikanischen Besitzungen künftighin so wenig als möglich auszudehen.(Beifall.)

Wenn ich offen über die beiden Reden des deut­schen Kanzlers sprechen soll, so müßte ich sagen, daß sie, während sie die deutsche Ansicht auftechterhalte», im Ton und Geist derartig find, daß fie uns den Glauben einflößen, der Kanzler wünsibe baffes Land stark, aber nicht aggressiv zu sehen. Wenn das der Geist der deutschen Politik ist, so bin ich gewiß, daß in zwei ober bret Jahren bas Gerede von einem großen europäischen Kriege aufhören wirb. (Beifall.)

Wir können nicht nach den Reibungen ber letzten Monate eine günstige Brise bet öfentlichen Meinung in Deutschlanb und England erzwingen. Augenblick­lich ist die Brise alles andere als günstig. Mitunter kann die Brise so ungünstig sein, daß eine Regierung, so günstig fie auch gesinnt sein mag, nicht imstande sein tarnt, einen günstigen Kurs zu steuern, ohne z» kreuzen. Aber wir wollen nicht aufhören, einen gün­stigen Kurs zu steuern und geradeaus steuern, wen» immer wir können. (Beifall.)

Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, daß der Horizont sich aufhellt. Sir Edward Grey be­rührte dann das Wort des Reichskanzlers, vom reine» Tisch und hieß diese Erklärung willkommen, weil der Reichskanzler sowohl Frankreich wie England in fie eingeschloffen hat.

London, 27. Nov. Mehrer« Blätter be­tonen die Bedeutung der heutigen Parlaments­debatte.Daily Chronicle" hofft, Greys Rede werde zu dem Beginn eines neuen Kapitels der englisch-deutschen Beziehungen führen, und er­wartet, Grey werde der Zukuft mehr Aufmerb- famteit schenken als der Vergangenheit. Die 6*

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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