Einzelbild herunterladen
 

i amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, sur Reklamen in CVzthvA Bei Wiederholungen entivrechender Rabatt. Jeder Rabat» *v« yJUyiy-

»0 x79 und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei ins Haus.

ye~ langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Reda

1911

fig für ausgeschlossen halten müsse, daß Herr von Kiderlen-Wächter sich so geäußert habe, da er nicht annehmen könne, daß der Staat.sekretär so unverantwortlich und offensichtlich wahrheits­widrig verfahren könnte. Er erklärte jedoch den Inhalt des letzten Satzes der angeblichen Aeuße- rungen des Staatssekretärs für unwahr und for­dere eine amtliche Richtigstellung der Ausfüh­rungen des Staatssekretärs.

Ohne auf die Rechtsfrage einzugehen, mutz man sagen, dah der augenblickliche Zeitpunkt nicht geeignet ist, der Regierung S5"rtorig- keiten zu machen. Angesichts der Lags sollte man mehr vorwärts als rückwärts schauen.

Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hitzerotbi. Markt 21. Telephon 55.

zu deuten sind. Unsere festgefügte militärische und dipolmatische Maschinerie hat in der Kon­fliktszeit die Belastungsprobe voll und ganz be­standen. Es haben das Auswärtige Amt, das Reichsmarineamt, der Admiralstab, das Kriegs­ministerium, der Eeneralstab der Armee, das Reichsschatzamt und das Präsidium der Reichs­bank in engster Fühlung zueinander gearbeitet. Der Führung des Staatssekretärs des Auswär­tigen Amtes find die anderen Instanzen stets und mit vollem Vertrauen gefolgt."

Eine dem belgischen Ministerium nahe steh­ende Persönlichkeit hat jetzt ausgeplaudert, daß taftuchlich im August die belgische Negierung von Frankreich dahin verständigt wurde, datz bei Ausbruch eines deutsch-französischen Krieges England auf Grund eingegangener Verpflich­tungen 150 000 Soldaten nach dem Kontinent entsenden werde. Frankreich habe ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, datz es nicht un­wahrscheinlich sei, datz die Truppen an der belgi­schen Küste gelandet würden, aus diesem Grunde erklärten sich, so wird behauptet, auch die Vorbe­reitungen, die damals Holland und Belgien tra­fen, und die pessim'^'-''"n Andauungen leiten­der Kreise beider Staaten, über die damals mehrfach berichtet wurde.

Das ist ja für die Belgier eine sehr nette Auf­klärung.

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespnliene Zeile ober bereu Raum 15 bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen

Blattes.Morning Leader" meint: die Geheim» artikel müßten den deutschen Eindruck verstärke», datz Großbritannien Deutschland mit anderem Maße messe als die andern Mächte. Greys Auf­gabe am Montag muffe fein, ihn durch größte« Freimut zu beseitigen.

Was die Perfidie angeht, daß die Mächte auf der einen Seite in der Älgecirasakte einen Ver­trag schließen, um ihn oletch'"ftia durch Gcheim- klauseln wieder aufzubeben, so ist es nötig, die» besonders zu unterstreichen. Der Umstand zeigt, wie wenig auf die von Fr' tze"r''^nsucht und Vertragstreue triefenden Reden der Diplomaten zu rechnen ist und sehr richtig bemerkt dieReue Freie Presie":Diese geheimen Vereinbarungen sind der klarste Beweis, datz die beiden Staaten nie die Absicht gehabt haben, sich dauernd an die Akte von Algeciras zu halten und sie ernst zu nehmen. Sie haben die Intearität von Marokko und die Souveränität des Sultans feierlichst durch ihre Unterschrift bekräftigt, während sie durch die Unterschriften auf ihren Ge^'mverträ- gen tatsächlich diese Intearit"t und Souveräni­tät bereits vernichtet batten. Bei diesem Man­gel an Anfrichtiakeit ist es ein reines Münder, datz die Marokkokrise nicht wirklich zu einem blu­tigen Kampfe ausqeartet ist. Das Vertrauen auf das Völkerrecht und die birtr>m',it.f'en Ver­träge, wird durch diese Geh imklauseln tief er­schüttert werden."

.tu.Luer;itiii|d:e yciuiiig" eigchrlM tugiio) mit nu= . ... <- an»

und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich titrch die Post bezogen 5.25 * (ohne Bestellgeld!, Det unseren Zeitungsstesten ..... - ' - - (Für unser» Redaktion feine: k»

Hebet die Rede, die heute Sir Grey halten wird, hört inanviiber- all, daß sie sehr friedliebend ausfallen werde. Einstweilen aber hat Herr Lloyd George schon eine Rede gehalten in Bath. Hier be'tzt es:Ich begnüge mich in diesem Augenblick zu sagen, ich hoffe, datz niemand die Auskünfte, die in der Presie veröffentlicht werden, als vollständig an­sieht, und datz man, um ein Urteil zu gewinnen das ganze Kefüge von Tatsachen abwarten wird, das am nächsten Montag in seiner ytebe Sir Edward Erey geben dürfte."

In Frankreich verlangt man jetzt mit Unge­stüm. datz die ..Berlin" wieder abdampft. Herr de Selves soll selbst Stritte bei Herrn v. Kider- len in diesem Sinne übernehmen.

Leider nehmen nun auch in der deutschen Presie die Zwistigkeiten zwischen unseren all­deutschen Politikern und dem Auswärtigen Amte ihren Fortgang.Tgl. Rundschau" und Rhein.-Westf. Ztg." greifen Herrn von Kider- len wegen seiner Haltung gegenüber dem Ber­liner Schriftstel'erklub heftig an, und Rechtsan­walt Clatz seht sich in einem längeren Artikel mit Herrn v. Kiderlen auseinander. Letzterer hat in der Kommission behauptet, er habe die BroschüreWestmarokkg deutsch!" gekannt und ausdrücklich vom Druck obgeraten . Die Bro­schüre würde übrigens anders beurteilt worden sein, wenn sie vollständig erschienen wäre, denn weiter habe darin z. B. gestanden, wir sollten nicht nur Marokko, sondern auch das Rhone-De­partement uns friedlich aneignen.

Hierzu bemerkt Clatz. datz er es vorlau-

Zur Lage.

Ein Berliner Telegramm derKöln. Ztg." beschäftigt sich mit der Stimmung in England. Man habe dort eine falsche Anschauung, wenn man annehme, daß man bei uns die Beseitigung des Ministers Sir Edward Grey wünsche und diese als einen besondern Triumph Deutschlands betrachten würde. Deutschland mische sich nicht in die innere Politik fremder Länder, es inter­essieren weit weniger die in England leitenden Persönlichkeiten, als vielmehr die Politik, die von England uns gegenüber betrieben wird. Keine starke Nation würde sich einen Eingriff in seine Rechte gefallen lasien. Zu Unrecht weise man auf den Sturz Delcasiös hin. Das fei durch­aus irreführend, denn nicht Deutschland habe Herrn Delcassg gestürzt, sondern die französische Kammer, die seine Politik mißbilligte.Das Ziel Deutschlands kann auch nicht darin liegen, zutriumphieren", sondern eine verständige Po­litik zu treiben, welche die berechtigten Znter- esien keines Volkes verletzt, die deutschen aber selbstverständlich wahrt." Besonders ausgedehnt wird, die Frage der Kriegsbereitschaft der ein­zelnen Länder in den Blättern erörtert. Der Pariser Korrespondent derKöln. Ztg." erfährt von sehr vertrauenswerter französischer Seite, datz die wichtigsten politischen Stellen der Rede Lloyd Georges zwischen Lloyd Gorge und dem französischen Botschafter- in London besprochen und festgestellt wurden. Die Pariser Banken hatten im Hochsommer alle Borkebrungen für den Kriegsfall getroffen. An der Grenze stan­den zahlreiche Züge tagelang unter Dampf, um die Kasienbestände der Banknebenstellen nach Paris zu bringen. Vielleicht hat Sir Edward Grey die Güte, sich am Montag auch hierüber zu äußern?

Deutschlands Kriegsbereitschaft.

Don einer hochgestellten militärischen Persön­lichkeit wird der Militärisch-Politischen Korresp. geschrieben:

In Verbindung mit den Erörterungen über die akute Kriegsgefahr des Hoch- und besonders des Spätsommers erscheint es nützlich, darauf hinzuweisen, datz unsere lebenden Stellen in Heer und Marine andauernd aus die Möglichkeit des plötzlich ansbrechenden Konfliktes abge­stimmt waren. So haben sich u. a. die Beweg­ungen in der Hochseeflotte in steter Verstän­digung mit den sübrenden Sto"t«männern voll­zogen: ihr Verschwinden zu kritischer Zeit in die Ostsee spricht laut für den starken Willen Deutsch­lands. bis zum äutzersten den Frieden zu erhal­ten, beim die englischen Absichten und die Mög­lichkeit eines Ausbruchs der Feindseligkeiten ohne vyrberoebendg Kr'ggserk^rung waren uns vollauf bekannt. Ebenso wisien wir, datz ganz neuerdinos gewisie Neubesetzungen in den Fach- resiorts des Londoner ^^tfenemts lediglich als auf die Be^feunigung einer weiterhin denk­bar WnWfmo-inna f ---vfceitenb

Marburg

Dienstag, 28. November

Der englisch-französs'che Vertrag über Aegypten und Marokko.

Paris, 24. Nov. Der Text des englisch- französischen DekkaraUon über Aegypten und Marokko vom 8. April 1904 lautet: Artikel 1: Im Falle, daß eine der beiden Regierungen sich durch die Gewalt der Umstände gezwungen sehen würde, ihre Politik gegenüber Aegypten oder Marokko zu andern, sollen die Verpflichtungen, welche sie gegeneinander in den Artikeln 4, 6 und 7 der heutigen Deklaration eingegangen sind, unberührt bleiben. Artikel II: Die englische Re­gierung beabsichtigt für den Augenblick nicht, den Mächten eine Abänderung der Kapitulationen und der Eerichtsverfasiung in Aegypten vorzu­schlagen. Sollte die englische Regierung sich ver­anlaßt sehen, in Aegypten in dieser Hinsicht Re­formen ins Auge zu f^n, die dahin zielen, die ägyptische Gesetzgebung der der anderen zivili­sierten Länder ähnlich zu gestalten, so würde dir französische Regierung es nicht able^nen, die Vorschläge zu prüfen, aber unter der Bedingung, datz die britische Regierung si b batet vergeht, bie Vorschläge zu prüfen, welche bie frani'r:We Re­g'erung ihr macken 1* in Marokko Re­formen der gleichen Art einzuführen. Artikel IH: Die beiden Regierungen ter* "en übere'n. daß ein bestimmter Teil des marKkanischen Gebietes der an Melilla. Eo"»a "pd b! Vresidios aparenzt, an dem Tage, an w"^chem der S'sttan aufhören sollte, seine Autorität darüber auszu­üben, an die spanische E''s-"tz'one fallen soll,

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwittschaftliche Beilage"

die Zeile 40 -. !__________, ......

gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschlosien. Zahlungen im Pon­scheckverkehr ohne Portokoiten unter Nr. 5015 deS Postscheckamtes Frankfurt a. M.

lHel'eimverträge.

Die Marokkofrage ist voller Ueberraschungen. Jetzt wird das französisch-englische Geheimab­kommen. an dem Herr Delcossü beteiligt war, veröffentlicht und nun stellt sich heraus, daß auch hier wieder England, diesmal Frankreich gegen­über, den Hinterlistigen gespielt hat. In Paris herrscht darüber große Bestürzung. In dem Ar­tikel Hr des Abkommens, das wir an anderer Stelle veröffentlichen, hat nämlich England zu­gleich für Spanien gesorgt und es hat es jetzt in der Hand, durch Spanien, das ja nur ein Vasall Englands ist, auf einen Küstenstrich Marokkos die Hand zu legen. In den nun folgenden Ver­handlungen Frankreichs mit Spanien steht bin- ter Spanien England, mit dem es Frankreich zu tun haben wird. Darum trat auch Spanien bis­her so herausfordernd auf.

Der Deputierte Graf de Mun berichtet dem Echo de Paris", der französisch-englische Ee- heimvertrag von 1904 habe im Kammerausfchuß für auswärtige Angelegenheiten große Verblüf­fung hervorgerufen, insbefondere der Artikel 3, durch welchen die Verwaltung der marokkani­schen Küste von Melilla bis zum rechten Sebu- Ufer den Spaniern anrerfreut werden soll. Klan begreife jetzt, warum Frankreich habe,

dem englischen Auswärt^en die erläutern­den Briefe zu übermitteln, in welchen die deut­sche Regierung Frankr"'^« Protektorat über ganz Marokko bis zvm Rio be"'ro anerkenne.

Der .,Tempo", der bisher mit aller Entschiedenheit die Räumung von Larrasch und ETsar seitens der Spanier gefordert hat, meint heute in Erörterung des französisch-englischen Eeheimver rages: Man hat den Spaniern ein grotzes Stück der Küste versprochen: mögen sie es behalten. Aber im Hinterland sollten sie Ovfer an Gebiet bringen, welches Frankreich braucht, um die Freiheit seiner Verbindungen zwischen Fez einerseits und Algerien, Tanger und Casablanca andererseits zu sichern. In dieser Rich ung könnte sich wohl die freundschastliech Vermittlung Englands geltend machen.

Man ist in Frankreich England gegenüber sehr bescheiden geworden. Man^t sich alles bieten, weil es die einzige Möglichkeit ist, so England an sich zu fesseln.

Nicht uneben ist das Urteil eines englischen

10 t°' ''mir verboten.)

Asinetll Alias.

Roman von Anna Baadsgaard.

Deutsch von Bernhard Man«.

lstorttetznng.)

Die erleuchteten Fenster schienen durch das bunfle Geflecht der Zweige. Und Agnete fand etwas Trau­tes, etwas menschlich Warmes in dem rötlichen Schein aus den Fenstern des Hofes im Gegensatz zu dem kalten Mondlicht draußen.

Sie schritten langsam durch den Karten. In der Dunkelheit des Vorzimmers entzog sie sich leise sei­nem Arm.

Gute Nacht, Harald."

Gute Nacht, Agnete--schlaf« wohl."

Als Harald oben in seiner Stube anlangte, sah er Lottes rote Rose noch auf seinem Schreibtisch, und all« die alten Erinnerungen wollten über ihn herein­brechen.

Agnete warf sich auf einen Stuhl am Fenster und starrte hinaus. Die Stube war in dem hellen Mond­schein so licht wie am Tag«.

Man sah in diesem Lichte klar. Sah sie auch klar in ihr eigenes Herz? Was war es. das sie für Harald empfand? Warum war sie glücklich, als er sagte:Bleibe hier bei mir." Und dann was bedeutete der,Schwindel, der sich ihrer bemächtigte, als er sie in feinen Arm nahm? Seine Nähe wirkte auf sie so süß und beruhigend, als müsse es so sein.

Liebte sie ihn? Sie hast« ja aber ihre Lieb« &n einmal in ihrem Leben sortgegeben. Und sie te geglaubt, daß sie nie wieder lieben würde. Wie

eine Witwe wollte sie leben wie eine Nonne, deren Gedanken immer rein und weiß sind.

In der Erinnerung sah sie einen englischen Kirch­hof vor sich. Hoch oben lag er über der hügeligen, wellenförmigen Gegend, wo der Fluß sich zwischen Wäldern und Kornfeldern durchwand, und wo im­mer. selbst beim klarsten Wetter, ein leichter Nebel über dem Horizont lag. Die Kirche stand auf dem höchsten Punkt, alt und grau, mit ihren viereckigen Turm und den eufeuumrankten Mauern. Unter den Gräbern befand sich eins, das sie kannte. Sie bog die Zweige der Schlingrose auseinander, sie las auf dem Kreuz: Artur Freernann.

Artur und sie ja, ste waren glücklich gewesen. Gemeinsame Arbeiten und gemeinsames Interesie hatte sie miteinander verknüpft. Ah, sie erinnere sich des großen lichten Ateliers in Süd-Kensington, wo sie zusammen gemalt hatten die Säle in der Nationalgalerie und im British-Museum hatten sie auch gesehen, Seite an Seite. Und dann die Ruderpartien auf der Themse, und die stillen, warmen Sommernachmittage im Schatten der Eichen- bäume im Richmond Park. Ein Leben in Arbeit und Genuß, in Jugend und Hoffnung.-----

Sie hatte Artur Genie bewundert. Er wäre sicher einer der Großen geworden. Agnete mußte an ein kleines Bild mit weißen Lilien denken. Das waren keine tBIumenJtms waren weihe Engel, weiße Heilige.---?

Schließlich kam die Krankheft und der Tod. Schwere, schwere Zeiten. Im Laufe einiger weniger Jahre hatte sie alle ihr« Lieben Baier, Mutter und Artur verloren. Und fi« selbst war dem Tod« nahe gewesen. *

Als sie anfing, sich zu erhoben. als sie fühlte, daß das Leben noch gelebt werden konnte und muß'e. fielen ihr Tante Gertrud und Harald ein. Wie lieb hätte sie ihn schon als Kind gehabt! Und jetzt schien es ihr, als habe sie die Liebe nie vergeßen, als habe sie das ganze Leben lang auf dem Grunde ihres Herzens geschlummert, so ganz anders als die Be­wunderung, die sie zu Artur zog!

Und jetzt kehtten ihre Gedanken zu den alten Sei en zurück, so selbstverständlich, als folgten sie einem unwiderstehlichen Gesetz. Sie beugte sich vor Harald wieder wie in alten Tagen, sie fühlte, daß sie kommen mußte, wenn er rief. Wäre er jetzt glück­lich, so könnte, sie vielleicht auf ihn verzichten. In all seiner Sorge mußte sie ihm aber näher stehen als di« anderen. Das war ihr Recht und ihre Pflicht das war ihre Lebensaufgabe.

Langsam senkte ste den Kops auf den Schoß. Dann küßte ste ihre eigene Hand, weil er sie in bet feinen gehalten haft«.

Alles, selbst das geringste, hatte wieder Wert für ste bekommen. Ein Glück, ein Reichtum war es, zu lieben, wenn auch di« Liebe nie erwidert wurde.

4.

Eonntagmorgen, ein herrlicher Septembertag, Luft voller schwebender Spinngewebe, große, weiße Wolken ganz still am tiefblauen Himmel. Nicht ein Windhauch rührt sich. Das Sonnenlicht liegt goldig auf den bronzefarbenen Wäldern. Alles kommt in der klaren, hohen Lust eigenartig nahe ferne Kirchen und Höfe, die man sonst kaum unterscheidet, stehen plötzlich in scharfen Umrtffen, von Wäldern und Hügeln umrahmt, da. Unten vom Fluß erschallt leises Plätschern von Rudern, und die Glocke« der

Kühe läuten drinnen im Dickickü. Dann verlieren sich alle Laute in der großen Sonntagsstille.

Agnete stand auf der Veranda und blickte zwischen den Ranken des wilden Weines hindurch. Harald trat an ste heran und legte seine Hand auf ihren Arm.

Willst du mit zur Kirche fahren. Agne-'' Richt in die Kreisstadt, sondern in die eine Meile ent- fernte Dorfkirche?"

.Fährt Tante Gertrud mit?"

Nein, die Fahr' ist ihr zu lang. Und sie fürchtet sich "außerdem vor Lise. Aber du du vertraust dich mir doch an?

Sie blickte zu ihm aus, warm und voll Vertrauen, gerade so, wie die kleine Agnete zu dem Knaben Harald emporgeblickt hatt.Gewiß, Harald! ant- wertete sie.

Danke. Dann mach« dich fertig. Wir fahren in einigen Minuten."

Der Braune tänzelte vor dem Wagen. Der Weg führte durch taufrische, grüne Wiesen und blaßgoldene Stoppelfelder. Ringsum war der Gesichtskreis von fernen Wäldern eingeschlossen.

Sie trafen nur wenige Menschen, Kirchgänger, di« langsam und ruhig ihres Weges dahinschritten, fest­lich geschmückt in ihrem Sonntag sstaa'. Die Frauen trugen schwarze Kleider und weihe Schürze«: in den Hand hielten sie das Gesangbuch mit dem gestickten Taschentuch und bisweilen einen kleinen Anbra zweig, um daran zu riechen, wen« die Pred" r- lange dauern sollt«.

(Fortsetzung folgt).