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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage* -

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mib Feierlage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch ü:e Post bezogen 9.26 Jk lohne Bestellgelds, öet unseren ZeitunoSstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 «Ä frei ins Hau». (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.> Druck der Univ.-Buchdruckerei I. ®. Koch (Inh.: Dr. Hitz-rothl. Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Freitag, 24 November

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gierung beabfichtige, an den gegenwärtigen Berhand- lungen mit Deutschland unmittelbar oder aktiv fich zu beteiligen. Die Beränderungen in den Disposttionen

46. Jahrz.

1911.

Erstes Blatt.

Die SZettfertiflimq der Regienmq.

An anderer Stelle unseres Blattes veröffent tichen wir ausführlich das Expose unserer Re­gierung zu den Marokkoverhandlungen, das in vieler Beziehung außerordentlich interessant ist. Es ist in der Tat geeignet, manchen Vorwurf gegen unsere Regierung zu entkräften. Man sieht, daß sie mit Energie und Geschick ihre Ziele verfolgt hat. Diese Anerkennung wird man Ferrit v. Kiderlen nicht versagen, insbesondere wird man das feste Verhalten gegenüber den englischen Ansprüchen im deutschen Volke durch­aus billigen. Unsere heutigen deutschen Staats­männer haben, das sieht man heute noch mehr, hi dem Unwillen des Volkes die Schuld früherer Tage getragen. Sie haben aus einer verfahrenen Situation herausgcholt, was herauszuholen war, eine Vermutung, der wir bereits früher Aus­druck gaben. Wir haben auch bereits darauf hin- tzswiesen, daß die Erregung unseres Volkes we­niger dem, was in Marokko jetzt erreich! ist, zu- tzufchreiben ist, als was seit langen Jahren in der Haltung nach außen hin verschuldet ist. Darin können uns die Ausführungen des Staats­sekretärs nur bestärken. Einer der schlimmsten Fehler aber war, daß die Regierung dem Volke nichts darüber sagte, wie sie dem eng­lischen Verhalten gegen uns entgegen getreten ist. Die ruhige selbstverständliche Art unserer Auf­tretens in London, wie sie jetzt bekannt wird, findet unsere vollste Zustimmung. Warum hat die Negierung gegenüber den öffentlichen Frech­heiten des Herrn Lloyd George nicht auch öffentlich Protest erhoben? Dann wußten wir, woran wir waren und wußte das Ausland auch, daß wir uns nicht unseren Willen von London aus diktieren lasten. Was man uns bei unserer stillen Art der Verhandlungen zu bieten wagte, ersteht man ja aus den geradezu zum Kriege drängenden Forderungen Sir Edward Greys und in der Art, wie die Herren Franzosen dis Wahrung der Geheimhaltung für gut befun­den haben. Die Regierung kann fich also nicht beschweren, wenn das Volk an ihr irre geworden ist. fie trägt mit Schuld. Im einzelnen ist wohl in Zukunft üv-r die optimistische Auftastung des Herrn v. Kiderlen über den Kongo und Ma- rokko noch manches zu sagen.

Am dankenswertesten erscheint es, daß die Unterhandlungen mit England jetzt endlich in breiterer Form der Oeffentlichkeit zugänglich ge­macht worden sind. Es kann sich jeder sein Ur. teil bildsn. Die Vermutung der Deutschen, daß wir uns mit Frankreich bequem und ruhig über die strittigen Punkte ohne England geeinigt haben wurden, geht daraus klar hervor. Als allgemeine Ueberzeugung aber müsten wir aus dieser Erkenntnis und aus dem, was wir letzthin aus den englischen Enthüllungen über ihre Kriegsabstchten erfahren haben, mit nach Hause nehmen, daß alles Gerede von der Völkerverbrüderung, von der Friedensliga usw. hohle Phrasen sind. Unter einem demokratischen Regime, angeblich den berufenen Beschützern de» Weltfriedens, sieht sich England durch die Macht seiner vermeintlichen Interessen genötigt, direkt auf einen Krieg mit uns loszusteuern. Anders läßt es sich gar nicht bezeichnen, wie 6h Grey und Lloyd George uns zu behandeln wagten. Diesem Verhalten gegenüber gibt es nur «in« Forderung: Auf der Hut sein und die Wehrmacht so auszubauen, daß sich jeder hütet, uns ftevent- fich anzugreifen! Daß man es tun wird, wenn der Augenblick günstig ist. werden heute selbst di« nicht mehr leugnen wollen, denen eine starke auswärtige Haltung ein Greuel ist, weil fie einer allzuweit gehenden innerpoluischen Verhetzung des Volkes einen Riegel vorschiebt. Zum hun- dertsten und tausendsten Male sei « gesagt: Wir wollen keinen Krieg und ken­nen keine Kriegspartei. Wir kennen nur Deutsche, die fich durch einen Schwall von Phrasen noch nicht über di« wirkliche Weltlage htnwegtäuschen lassen und nur zum Schutze Unser« Vaterland« eine starke Wehrmacht Deutschland« |tt Wasser und zu Lande fordern.

Das Expois des Staatssekretärs v. Kiderlen-Wächter.

(Fortsetzung aus dem Zweiten Blatt.)

Lloyd George.

An demselben 21. Juli habe Lloyd George im Manshionhouse die bekannte Rede gehalten.

Es sei nicht möglich gewesen, der inzwischen «inge- gangenen Anregung des englischen Ministers stattzu­geben, und ihn zur t'eiwcrlung unserer Mitteilung, daß wir keine Absichten aus marokkanisches Terri­torium hätten, im Parlamerrt zu ermächtigen. Die» hätte den Schein hervorgerufen, als fei diese Er­klärung als Folge der Lloyd George'sch« Rede abge- geben worden.

Am 24. Juli sei der Botschafter in London beauf- tragt worden, darauf hinzuweisen, daß in einem großen Teil der englischen Presse und in der gesam­ten französischen Presse die soeben im Wortlaut be­kannt gewordene

Rede de» englische« Schatzkanzlers

Anlaß zu heftigen Angriffen auf Deutschland gegeben habe. E» könne dahingestellt bleiben, rote weit dies« Wirkung von dem englischen Minister beabsichtigt gewesen sei.

Wenn England, obwohl seine Interessen weder direkt noch .indirekt berührt seien, Wünsche aus­sprechen zu sollen glaube, so könnte e» diese ja auf dem üblichen diplomatischen Wege übermitteln. Wenn statt dessen di« englische Regierung durch eine» ihrer Mitglieder öftentliche Erklärungen abgeben lass«, die zum mindesten al» Warungen an unsere Adresse gedeutet werden können, und von englischen und französischen Blättern tatsächlich al» eine an eine Drohung grenzende Warnung gedeutet worden seien, so falle e» schwer, hierfür Gründe zu erkennen.

Bei dem seit einiger Zeit von einem Teil der englischen und fast sämtlichen französischen Blättern gegen Deutschland angeschlagenen Töne hätte die englische Regierung über die von der Siebe des Schatz­kanzlers zu erwartende Wirkung nicht im unklaren fein können. Sollte die englische Regierung die Ab­sicht haben, di« politische Lage zu verwickeln und zu verwirren und einer gewaltsamen Entladung «t- gegrnzuführen, so hätte sie allerdings kein besseres Mittel wählen können, als die Rede des Schatzkanz­lers. Daraufhin habe der Botschafter gemeldet, Sir Edward Grey habe zwar zugesagt, die Mittei­lungen über die Absichten Deutschlands, ein Gebiet in Marokko zu erwerben, parlamentarisch nicht zu verwenden, aber bemerkt, er habe dann auch kein Mittel, hinsichtlich unserer angeblich« Absicht« auf Agadir die öffentliche B«nruhigung zu beschwich­tigen. Die Rede de« Schatzkanzlers habe der Minister als maßvoll verteidigt, und behauptet, es sei durch­aus richtig gewes«, daß sie gehalten wurde. Sie «t- hielte keine Drohung gegen Deutschland. Der Bot­schafter habe dann den Minister eineut auf die Tatsache hingewiesen, daß die englisch-französische Presse die Rede des Schatzkanzlers als eine Drohung gegen Deutschland hinstellte. Der Minister habe her­vorgehoben. daß D«tschlands eventuelle Absicht, die Wiederherstellung des Status quo ante allein vorzu­nehmen, geeignet sei, der Marokkofrage noch eine ernstere Bedeutung zu geben. Gegen die Auffassung, daß die englische Regierung die d«tsch-französtschc Vereinbarung nicht wünsche, habe fich der Minister verwahrt. Er müsse aber auch darauf Hinweisen, daß, falls englische Interessen im Laufe der Marokkofrage tangiert würden, die englische Regierung sie wahr- nehm« müsse. Der Botschafter habe daraufhin be­tont, daß niemand England dieses Recht bestreite. Wir hätten niemals beabsichtigt, über englische In- te ressen oder Rechte zu verfügen. Diese Absicht be­stehe nur in der mglischen Imagination. Die eng­lische Regierung habe keinen Grund zu diesem Verdacht, der auch aus der Rede de, Schatzkanzlers spreche, und die deshalb provokatorisch gewirkt habe. Gegebenenfalls würde Deutschland die Mitwirkung der anderen Signatarmächte zur Widerherstellung des status quo Willkomm« sein. Rur wenn diese ausbliebe, würde es sein Recht allein durchsetzen. Drohende Warnungen würden Deutschland nur zum Festhalt« an seinem Recht ermuntern.

In einer neuen Instruktion vom 26. Juli sei Sir Edward Grey mitgeteilt worden au» b« offiziell« Mitteilungen habe er erseh« können, daß englische Interessen bei d« Verhandlungen mit Frankreich nicht berührt würden. Man erwarte, daß er dem im Parlamente Ausdruck gebe. Mit dem Wunsche, die Verhandlungen zwischen D«tschland und Frankreich zu einem guten Ende kommen zu lass«, sei es schwer zu vereinigen, wenn von «glischer Seite ohne Kennt, ni» unserer Geg«leistung auf politischem Gebiet ansere Forderung« auf kolonialem Gebiet al» uner­füllbar bezeichnet würden.

England könne zu einem guten Cerlauf der Cer- Handlungen beitragen, wenn e» die aufgeregte Stimmung in Frankreich besänftige, die durch fastche Ausstreuung« und halbe Indiskretion« hervorge- ruf« sei. Am 27. Juli sei dann ein« offenbar in- spirierte Mitteilung durch Reuter, Telegraphen- Bureau veröffentlicht worben. E» hieße darin, e» wäre verfehlt, au» den Beratung« «glischer Minister den Schluß zu zieh«, daß bte englische Re­

der Heimaftlotte und der Atlantisch« Flotte hält« mit den marokstlnisch« Ereignissen nicht» zu tun.

Von diesem Zeitpunkt an sei« unsere Verhand­lungen mit Frankreich besser vorwärts gekommen.

Der Siaatssekretär betonte dann noch daß wir un» mit einer Gebietserweiterung in Marokko «in große Last aufgebürdet hätten.

In bezug auf

die schwarze Gefahr

erklärte der Staatssekretär, Frankreich werde im Falle eines Kriege, mehr Truppen nach Marokko schicken müssen, als es herauszieh« könnte. Auch ließe sich dort die allgemeine Wehrpflicht schwer durchführen. Höchst wahrscheinlich würde ebenso wie bisher in Algerien zu bedenken bleiben, daß man die Armee gegen sich selbst schaffe. Endlich werde immer gesagt, die deutsche Montanindustrie werde in zwanzig bi» dreißig Jahren nicht mehr genügend Rohmaterial zur Verfügung haben, und in Marokko namentlich im Susgebiete, gäbe es reiche Erdschätze. Mr diesen Fall habe man sich entsprechend gesichert.

Die deutsche Politik hat in jeder Beziehung ihr Ziel erreicht, das von vornherein darauf gerichtet war, unter Anerkennung des politischen Einflusses der Franzos« in Marokko bessere Garantien für die offene Tür" zu erlangen, für den durch die Ver­letzung der Algecirasakte begangenen Rechtsbruch Frankreichs tut» Kompensation« durch die Abtre­tung kolonialen Gebiete» zu sichern.

Politische Umschau.

Nu» der Budgetkommisfion.

Berlin, 21. Roo. Gouverneur Dr. Soff stellte fest, da» Gerücht, et sei mit dem Kongoabkommen nicht einverstanden, «tsoräche nicht den Tatsachen. Ein ganz zutreffende» Urteil über den Wert der Kolonie könne noch nicht abgegeben werden. Vor­läufig würd« 2% Millionen Mark in den Etat ein­gesetzt werden. Staatssekretär Wermuth teilte mit, der französische Kongoetat weise eine Einnahme von 6 Millionen aus der Kolonie und einen Zuschuß des Mutterlandes von 1% Millionen Franks auf. Außer­dem habe Frankreich für den Kongo die bisher teil­weise begebene Anleihe von 21 Millionen Franks ausgeworfen. Staatssekretär von Kiderlen-Wächter gab eine Darstellung de» Ganges der Verhandlungen. Zunächst habe Frankreich nur wertvolle Grenz- regulierung« in Kamerun angeboten, D«tfchland aber Hobe Wert darauf gelegt, an den Kongo heran­zukommen, um bei den künftig« Beränderungen in Zentralafrika mitzusprechen. Frankreich habe jetzt zugefichert, fich bei den Berhandlungen Über das interne Kongobecken mit Deutschland zu verständigen. Deutschland habe erreicht, roa» erreicht werden konnte, ohite d« Vertrag zu gefährd«, von Kiderlen- Wächter teilt mit, daß das rechtliche Eigentum am neuen Besitz irn Augenblick der Ratifikation über­gehe, in dem Zustande, in welchem fich da, Gebiet im Moment der Ratifikatton befindet. Die Lasten der Schulden Übernimmt die deutsche Regierung nicht. Die Einnahmen verbleiben der französisch« Re­gierung solange fie die Verwaltungsausgaben trägt. Staatssekretär von Kiderlen-Wächter gab Auskunft über die Erhöhung der Kosten im Etat für ftanzösisch- Kongo um 2 Millionen Franks. Der Grund dafür sei. daß das Kriegsoebiet östlich von Baghimi dazu gehöre, dadurch würde eine Verstärkung der Truppe und die Erhöhung der Ausgab« veranlaßt. Wir hab« ein Recht, unsere Bahnen durch ftanzösisches Gebiet weiterzubauen, dazu ist di« Verständigung mit Frankreich nötig. Die Hoheit über die Insel richte sich in der Regel nach dem Uferbesitz. Die dem deutschen Ufer vorgelagerten Inseln gehören zu deut­schem Gebiet. In den Abmachungen mit Frankreich ist vorgesehen, daß wir am Kongo selbst 6 bis 12 Kilometer je nach Eignung des Landes für unsere Zwecke aussuch« können. Der Staatssekretär des Reichsschatzamtes sprach aus, er werde mit großer Entschiedenheit dafür sorgen, daß große Ausgaben­forderungen nicht erhoben würden. Von Kiderlen- Wächter sagte über bas Vorkaufsrecht Frankreichs auf Belgisch-Kongo, daß Frankreich von dem Vorkaufsrecht jetzt nicht meljt Gebrauch machen wird, sondern zu­nächst fich mit der deutsch« Regierung besprechen will. Es handelt fich dabei nicht um einen notariel­len Akt und um einen klagbar« Beitrag, sondern um eine Abmachung, die zwischen zwei Großmächten von großer Bed«tung ist.

lieber die Etappenstraßen äußerte Staatssekretär von Kiderlen-Wächter: Die Etappenstrah« sollen noch dem Muster der französischen Straßen durch da» englisch« Nigeria angelegt werden. Frankreich er­halte das Recht, Terrains von höchstens 50 Hektar zu mieten und Proviantmagazine anzulegen. Dort darf nur ein Aufseher mit seiner Familie und den Dienst- boten sich aufhalten: es darf kein Kleinhandel, und kein Getränkeverkauf betrieben werden, e» dürfen Bant« rott entsprechend den deutschen Vorschriften errichtet und die französische Flagge nicht gehißt wer­de«. Die gepachtet« Grundstücke, die zur Cer» meidun» de» Schmuggel» eingezSunt oder umwallt

werden, bleiben durchaus unter deutschem Recht und deutscher Hoheit. Die franzöfischen Truppen bflrf« die Etappenstraße nicht unter tlingenbem Spiel nick mit wehender Fahne benutz«, sie passieren da» d«tsche Gebiet al» Privatpersonen mit den Waffen als Gepäck und unter Führung von Weißen, wenn e» fich um Schwarze handelt, unter deutscher Begleitung, falls es erforderlich ist. Damit ist die Beratung beendet.

Deutsches Reich»

Keine Altersgrenze für Richter. Von Berlin aus war eine Meldung in der Presse verbreitet wor­den, daß die Einführung einer Altersgrenze für Richter beabsichtigt sei. Wie demgegenüber verlautet, ist die Nachricht unrichtig. An zuständiger Stelle ist von irgendwelchen Verhandlungen oder Erwägungen Über Einführung einer Altersgrenze für Richter nichts bekannt.

Erhebung« über Vergrößerung der Beamten» unterstiitzungsonds. Wie mitgteilt wird, sind die von derRordd. Allgem. Zeitung" angekündigten Be­ratungen über Aufbesserung der Beamtenunter- stützungsfonds zwischen dem Ministerium des Innern, dem Finanzministerium und den anderen beteiligten Stellen bereits im Gange. In Preußen find weg« der ungünstigen Finanzlage die Fonds zur Unter­stützung von Beamten eirtsprechend der gestiegen« Beamtenzahl nicht auf der erforderlichen Höhe ge­halten worden. Dieses Versäumnis wird jetzt nach­geholt. Die Beratungen stehen übrigens in keinem Zusammenhänge mit der Teuerung. Die Aufbesserung der Unterstützungsfonds war schon früher unabhängig von der Notstandsdebatte beabsichtigt.

Das Teufelszeug der Ismen." DasPerl. Tageblatt" fällt in Nr. 575 vom 10. November über unseren Kronprinz« her, dersich noch etwas Wind um die Nase wehen lassen wird, ehe et seine politi­schen Anschauungen zu verwirklichen suchen kann". Zu diesem dreist« Ausfall fühlt sich das freisinnige Blatt wegen derManifestation" des Kronprinzen im Reichstage veranlaßt. DasTageblatt" gebüh­rend in die Schranken zu verweisen, erübrigt sich; so etwas hängt man einfach niedriger. Wir wollen uns hier nur mit einem anderen Satze beschäftigen, den sich die Berlinerin leistet. Es heißt da:Aller Ehauvinismus und Nationalismus, und wie da» Teufelszeug der Ismen heißen mag, ist dem Herzen des deutschen Volkes heute noch so fremb wie je." Wir glauben es demTageblatt aufs Wort, daß ihm die Ismen ein Greuel sind, denn unter ihnen befindet sich auch das Wort Patriotismus. Bismarck sagte am 26. November 1884 im Reichstage:Deutsch- freisinnig" das kann ich wirklich nicht Über meine Lippen bringen, ich schäme mich der Unwahrheit, die ich jedesmal ausspreche, wenn ich das niederschreibe oder sage. Ich halte die Partei weder für deutsch, noch für freisinnig; ich halte sie für eine Gefahr für das Deutsche Reich und für unduldsam, für den Gegensatz für freisinnig." Mir geben zu, daß auf manche freisinnige Kreise dies Wort Bismarcks nicht mehr paßt, auf da»Berl. Tageblatt" paßt es ganz sicher.

Ausland.

** Die Einfuhr von überseeischem Fleische nach Oesterreich. Wien, 21. Nov. Die Abgeord­neten lehnten in namentlicher Abstimmung mit 268 gegen 189 Stimmen den Antrag ab, in dem die Regierung aufgefordert wird, ohne weitere Verhandlungen mit Ungarn jedes Ansuchen um Zulassung der Einfuhr überseeischen Fleisches zu bewilligen und die Einfuhrbewilligung weder der Zeit noch der Menge nach zu begrenzen.

** Taillaux über das deutsch-französische Ab­kommen. Paris, 21. Nov. Der Ministerpräsi­dent und der Minister des Aeutzern berieten mit der Kommission für auswärtige Angelegenheiten über das deutsch-französische Abkommen. Der Ministerpräsident Eaillaux erklärte auf eine An­frage, die Kammer sei nur zur Ratifizierung de» den Kongo betreffenden Teiles des Abkommen» berufen, der allein die Zustimmung des Parka- . mente» vom konstitutionellen Standpunkt au» ' erfordere. Auf eine Anfrage, welches die Lag« ' Frankreichs hinsichtlich der Zone von Marokko, die Spanien reserviert sei, nach der Ratifikatioe sein werde, faßte Eaillaux den Fall ins Auge, daß Spanien fich weigern würde, die Verpflich­tungen zu erfüllen, die Frankreich für Spanien übernommen habe. Es würde sich bann in eine sehr viel schlechtere Lage bringen, und da» sek unwahrscheinlich, oder, e» würde, nachdem es di« französischen Verpflichtungen übernommen hab«, fich weigern, sie zu erfüllen, und dann roütbt Frankreich nach seiner (Eaillaux') Meinung fich mit den besten Aussichten an da» Haager Schiedsgericht wenden. Der Minister drängt« auf möglichst schnelle Erledigung de» Kong-'