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Jeo *2il O und der Expedition (Markt 21) 2.00 <X frei in» Haus. * langt zngefandte Manuskripte übernimmt die Reda
1911
Erstes Blatt
Der Krieq um Tripolis.
Konstantinopel, 17. Nov. Die in den letzten Tagen verbreiteten angeblichen Telegramme des Kriegsministeriums über Kämpfe bei Tripolis, Benghasi und anderen Orten sind völlig erfunden. Das Kriegsministerium erhielt feit Tagen keinen Bericht über irgend welche Kämpfe.
Tripoli». 17. Nov. (Agenzia Stefant.) Das schlechte Wetter bauert auf dem Land« und dem Meere an, fobaß di« Kriegs» und Handel»»
Verantwortung.) Druck der Vniv.-Buchdruckerei I. S. »och (Inh.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 65.
und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich turch die Post bezogen 2.25 Jl (ohne Bestellgeld), btt unseren Zeitungsstellen - --- .... . . . (gür unser«
Redaktion keinerlei
Deutschland ihr nach wie vor zum Nachgeben rät. I Zum mindesten wird di« Türkei bei solcher politischer Konstellation leicher französischen und englischen Einflüsterungen Gehör schenken!
italienisch-türkischen Kriege ist korrekt Italien gegenüber als Dreibundsmacht. Datz sie andererseits in der Türkei zu argen EnttäuschmMN führt, darf nicht verkannt werden. Es ist nicht das erst« Mal, bah di« Türkei ihre Hoffnungen, die sie auf der deutschen Freundschaft aufbanen zu könn«n glaubt«, fich nicht erfüll,«," sah. In bezug auf Kreta, bei der Annexion von Bönnien und Herzegowina, ebenso wie bei Erledigung anderer Fragen von größerer Bedeutung riet das befreundete Deutschland stets zu weisem Nachgeben, um keine Komplikationen von schwerwiegender Tragweite zu schaffen.
Es ist in der Tat viel verlangt von der Türkei, wenn man nach so häufiger Wiederholung derselben freuirdlchaftlichen Ratschläge, die immer wieder im „Nachgeben" gipfelten, von ihr erwartet, datz sie dauernd in solchem Ratgeber ihren besten Frennd erblicken soll. Mit Recht fragt sich die Türkei, ob es noch weiterhin in ihrem Interesse liegen kann, einer Dreibundmacht als ihrem politischen Pfadfinder zu folgen, naivem Oesterreich-Ungarn ihr zwei Pro« »inzen abgenommen, Italien ihr in blutigem Krieg« Tripoli« und vielleicht noch mehr entreißt und
Es u t'c-t leicht - Abdul Slera
Die heutige Nummer umfaßt 1?. Seiten.
Marburg
Sonntag, 19. November
schiffe die Reede verlassen und die hohe See aufsuchen. Auf der Ostfront kam es zu einem kleinen Zusammenstoß. Es wurden einige Schüsse gewechselt. Die italienische Arttllerie brachte eine Kamelkarawane, die die Wüste von Osten nach Westen durchzog, durch ihr Feuer in Unordnung. (Hört, hört!) Patrouillen, die die Oase durchstreifen, entdeckten an verschiedenen Stellen etwa 10 000 Patronen. Zahlreiche andere Patronen explodierten bei der Verbrennung eines großen Haufens Unrat. Die Arbeiten dauern fort, besonders die Unterbringung der Truppen.
Wie Kundschafter melden, sammelten fich bei Zansur ungefähr 2000 Araber und 100 Sorten mit zwei Kanonen. Der Gesundheitszustand der feindlichen Streitkräfte soll schlecht sein. Die Araber sollen immer mehr des Krieges müde werben. Deshalb erließ bas türkische Obertom- manbo eine Kundgebung, in der alle, die die Türken verlassen, um die Arbeit aufzunehmen, mit Strafe bedroht werden. — Aus Homs liegen keine Neuigkeiten vor.
Berlin, 17. Nov. Für die von der türkischen Staatsschuldenverwaltung einkassierten (.'»nahmen liegen jetzt die provisorischen Ausweise für die ersten sieben Monate des laufenden Finanzjahres also bis Ende September vor. Insgesamt bettägt die Zunahme der sämtlichen von der Dette Publique einkassierten Einnahmen 481432 türkische Pfund. Von dieser Zunahme entfallt auf den fogenannteK Revenus roncedos allein der Betrag von 368 876 Pfund. Zn absoluten Zahlen betrugen die Ergebnisse der Revenus concedos in den ersten Monaten des laufenden Finanzjahres 3170 531 gegen 2 801 665 und 2 700 067 türkische Pfund im gleichen Abschnitt der beiden Vorjahre.
Tripolis, 17. Nov. (Agenzia Stefant.) Dreitägige Regengüsse ließen den Uedmedjenin anschwcllen. Der Flutz, der einen großen See bildet, schwemmte italienische Schanzgräben weg. Die Wassermassen strömten durch die Stadt zum Meer. Die Truppen find genötigt, zurückzugehen und die Postenlinie hinter Bumeliana aufzustellen.
Ausland.
“ Peter von Serbien in Paris. Pari», 17. Roo. Bei dem Diner im Elrssöepalaft zu Ehren des Königs von Serbien sagte Präsident Fak» lidres in einem Trinkspruch, baß Serbien in frieblicher Arbeit nach bet Entfaltung von Macht unb Wohlstand strebe. Frankreich und Serbien unterhielten herzliche Beziehungen der Freundschaft, die täglich enger würden. Der König dankte in seiner Erwiderung für das traditionelle Wohlwollen, das Frankreich für Serbien hege. Serbien sei glöücklich zu vernehmen, daß es auf die kostbare Unterstützung Frankreichs rechnen dürfe, wenn es in der Arbeit des Friedens die Entwicklung feiner Zukunft suche. Die Pflege der Entwicklung der herzlichen Beziehungen der Freundschaft mit Frankreich gehöre zu Serbien» teuersten Traditionen.
*• Französisches. Lorient, 18. Nov. Di« beim Bau des Panzerkreuzers „Eourbei" beschäftigten Arbeiter, die mit der Werftleitung wegen der Arbeitszeit in Differenzen geraten sind, verfammelteo fich auf dem Verdeck eines Dreadnoughts, wobei einige von ihnen eine rote Fahne entroll en und die Internationale anstimmten. Der Marinepräfekt begab sich mit zwei Kompagnien Seesoldaten und Gendarmerie an Bord, worauf die Arbeiter zu singen aufhörten und die rote Fahne zusammenroll en. Si« durchschnitten aber die elektrischen Leitungsdrähte und hüllten dadurch das Schiff in völlige Dunkelheit. Die SeesolkxLen entfernten die Ausständigen mit Gewalt von dem Deck des Schiffes.
Deutsches Reich.
— Spende de» Kaisers. Karlsruhe, 16. Nov. Der Kaiser hat der badischen Laubwirtschaftskammer 5000 M. für bte durch das große Unwetter geschädigten Landleute im Taubertal überweisen lassen.
— Bom Reichstage. Berlin, 17. Nov. Dem Reichstag ging ein Gesetzentwurf zu, nach dem der Reichsbrnzler ermächtigt wird a) die durch den Etat des ostafrikanischen Schutzgebietes zur Fortführung der llsambarabahn und zum Ausbau des Hafens von Tanga bereitgestellten Mittel auch zu Ergänzungs- und Neubauten auf der Stammstrecke Tanga-Momba, sowie b) die durch den Etat für dasselbe Schutzgebiet bereitgestellten Mittel zur Gewährung eines Darlehens an die ostafrikanische Eisenbahngesellschaft zur Fortführung der Eisenbahn Dar-es-Salam-Moro- goro bis Tabora und zu Vorarbeiten für die Fortführung von Bafko bis an den Tanganjikasee und zur Gewährung eines Darlehens an die ostafrikanische Eisenbahngesellschast zur Fortführung der Eisenbahn Dar-es-Salam-Morogara bis an den Tanganjikasee, sowie zu Ergänzungsund Umbauten an der Stammstrecke Dar-es- Salam-Morogora.
— Hessische Landtagsstichwahlrn. Bei den 33 Wahlen find im ganzen gewählt worden: 6 Na- tionalliberale, 10 Vauembündler, 5 Fortschrittliche Volkspartei, 6 Zentrum und 6 Sozialdemokraten. Mithin wird sich die neue Zweite Kammer, die 58 Abgeordnete gegen früher 50 zählt, folgendermaßen zusammensetzen: Nationalliberale 16, Bauernbund 16, Zentrum 9, Fortschrittliche Volkspartei 9 Sozialdemokraten 8; die Na- t-onalliberalen verlieren 2 Sitze, der Bauernbund gewinnt 2, das Zentrum gewinnt einen, die Sozialdemokraten gewinnen 3 und die Fortschrittliche Vslkspartei 4 Sitze.
— Die mecklenburgische Perfassung. Sternberg (Mecklenburg), 17. Nov. Das Landtags- Plenum beriet, ob in die Beratung der neuen Verfassungsentwürfe bei Schweriner Regierung einzutreten sei. Nachdem die Landschaft unter sich beraten hatte, lehnte sie die Vorlage ab. Die Ritterschaft nahm bte Vorlage im Prinzip an.
Die Marokkofrage
Eine vertrauliche Verhanblung über bte Marokkoangelegenheit fand in der Budgetkommission statt. Der Abg. Vassermann richtete an den Staatssekretär zwei Fragen. Erstens: Es ist uns mitgeteilt, daß wir bei den französisch-spanischen Verhandlungen nicht interessiert find. Wenn von Spanien infolge von Vereinbarungen mit Frankreich das Protektorat über Teile von Nordmarokko ausgeübt wird, haben wir bann kraft der Algecirasakte mitzureben? Zweitens: Der französische Ministerpräsident Hai eine Redx gehalten, in der er die Frage der „schwarzen Gefahr" angeschnitten hat. Müssen nicht da auch diese Fragen in der Kommission verhandelt werden? Das Kriegsministerium wird ersucht werden müssen, sich darüber zu äußern.“ Nach telephonischer Rücksprache erklärt Staatssekretär van Kiderlen, daß ein Vertreter des Kriegsministers die gewünschte Auskunft erteilen werde. Der Abg. Ledebonr bemängelte, daß der Reichskanzler nicht da sei. Ei« Antrag, ihn besonders zu laben, wurde abgelehnt. In der Beratung meinen die Sozialdemokraten, die deutsche Regierung hätte Frankreich und England gegenüber noch friedliebender sein sollen. Das Zentrum erklärt sich im allgemeinen mit der Haltung der deutschen Diplomatie einverstanden, bemängelt aber mit den liberalen und konservativen Rednern besonders, daß die offiziöse Presse versagt " habe, und baß bas deutsche Volk über die tatsächlichen Vorgänge zu sehr im unklaren gelassen sei. Deshalb habe die Volksvertretung das Recht und die Pfficht gehabt, dem patriotischen Unmut der deutschen Bevölkerung Ausdruck zu verleihen. Tie Sitzung dauerte den ganzen Tag, Sie wird cm Montag fortgesetzt. Herr v. Kiderlen hat über eine «tunde allein Akten material verlesen, ans diesem geht hervor, daß er auf die Lloyd Estorgesche Rede in einer Form geantwortet hat, die der Schärfe nicht entbehrt und die als zweckentsprechend von der Kommission empfunden wurde. Leider aber hat sie diesen Zweck eben doch nicht erreicht, und die Kommission machte dem Staatssekretär gegenüber kein Hehl daraus, daß es gänzlich verfehlt gewesen sei, dieses Schriftstück im Kasten zu behalten. Ein Vertreter des Kriegsministeriums wird am Montag vor der Kommission erscheinen und über die von Vassermann angeschnittene Frage sich auslassen, insbesondere über die Zukunftsbedeutung der schwarzen Armee.
Paris, 17. Nov. In der gestrigen Sitzung des Kammerausschusses für auswärtige Angelegenheiten wies der frühere Minister Millerand darauf hin, daß Frankreich durch Artikel 5 des deutsch-französischen Abkommens verpflichtet sei, dafür zu sorgen, daß in Marokko keine Ausfuhrzölle auf Erze eingeführt werden dürfen, und frug, was geschehen würde, wenn die Spanier in den von ihnen besetzten Häfen einen derartigen Zoll erheben wollten. Würde Deutschland da nicht bas Recht haben, von Frankreich die Rückerstattung dieser Zölle zu verlangen? Das Ausschußmitglied Bluysen machte darauf aufmerksam, daß die Erörterung dieser und anderer Fragen ganz platonisch sei, da das Parlament nicht das Recht habe, an den einzelnen Artikeln etwas zu ändern. Die Kommission könne das Abkommen in seiner Gesamtheit nur entweder annehmen, oder ablehnen. Denys Cochin wies zum Schluß darauf hin, daß der Kreuzer „Berlin" noch immer vor Agadir liege.
K ö l n , 17. Nov. Die „Köln. Ztg.“ veröffentlicht etwa 45 Zusti mmungsunterfchriften aus Handels- und Industriekreisen zum deutsch-französischen Vertrag.
Aufgabe war, di« gewaltig« Schwenkung aus Hamids Zeiten in die neue konstitutionelle hinein anstandslos durchzuführen. Auster Deutschland hat kein« europäische Macht dies diplomatische Kunststück versucht. Sämtliche fremden Botschafter und Gesandte in Konstantinopel wurden abgelöst; nur Frhr. Marschall v. Bieberstein blieb auf seinem Posten. Zweifellos gehört auf den deutschen Botschafterposten in Konstantinopel ein Mann wie Herr v. Marschall, der mit diplomatischer Elastizität sich jeder Neuerung anzupassen versteht. Datz die Lage unserer äußeren Politik zurzeit für unsere Beziehungen zur Türkei nicht gerade günsttg ist, muß ohne weiteres zugegeben werden. Unsere Haltung im
Marburg und Umgegend.
(9tad;t>;;..j aller Cnginalarhtel tst gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Cuc!Tenangabe .Oberhess. Zig.' aektott-t.,
„ .Marburg, 18. Nov.
* Universität. In üblicher Weise fand heute mittag in der Aula der Universität die endgil- tige Immatrikulation der Studierenden des diesmaligen Wintersemesters statt. Der derzeitige Rektor, Prof. Dr. Schenck verband mit seinen Begrüßungsworten den Wunsch, daß die Studierenden die akademische Freiheit in rechter Weise verstehen und benutzen möchten. Die akademische Freiheit bedeute nicht etwa Schrankenlosigkeit, sondern in eigener Entschließung den rechten Weg zu suchen, um als nützliches Glied sich der Gesellschaft einfügen zu können. Die Arbeit, welcher sich die Studierenden jetzt widmeten, möchte ihnen wie dem Vaterland zum Segen ge reichen. Der Hauch der Poesie, welche unsere alt« Hcssenuniversttät, die Gründung Philipps des Großmütigen, umschwebe, möchte auch auf die jungen Kommilitonen seinen Einfluß nicht verfehlen, damit der Aufenthalt in Marburg ihnen stets eine liebe Erinnerung fei und bleibe. Die Studierenden traten dann einzeln vor und nahmen unter Handschlag ihre Matrikel in Empfang.
* Universität. Zum Oberarzt der chirurgischen Klinik der Universität Marburg wurde der Privatdozent für Chirurgie und Dr. med. Friedrich Hohmeier von der Universität Greifswald berufen. Hohmeier war schon als Student und später als Volontärassistent am pathologischen Institut in Marburg.
* Major von Abercron. Gestern hielt Major von Abercron im Physikalischen Institut den ersten seiner Vorträge. Herr Stud. med. Friedrich erwähnte in den Worten, mit denen er die Sitzung eröffnete, daß der Vortragende einem von den Studierenden allgemein gefühlten Bedürfnis Folge leiste, da an unserer Universität nicht wie an anderen begünstigteren ein Lehrstuhl für Luftfahrt errichtet sei. In dem ersten Teile seines Vortrages sprach Major v. Abercron in äußerst lehrreicher Weise über die äro- nautische Meteorologie unb zeigte insbesondere an der Hand von Wetterkarten, woran die für Lustschiffer so gefahrdrohenden Gewitter vorauszuerkennen seien. Im zweiten Teil seines Vortrages entwickelte der Vortragende die Grundsätze der Ballonführung, wobei von besonderem Interesse die Mitteilungen aus seiner eigenen, reichen Erfahrung waren, durch die Vortrag ungemeinlebendig wurde. Es seien besonders erwähnt die interessanten Erfahrungen bei einer improvisierten Alleinfahrt mit Ueberquerung der Hohen-Tauern und Landung in Steiermark, das rapide Fallen am Schluß der Fahrt von St. Louis nach Kanada, das zur Erreichung der Bahnnähe erforderlich war, die zur rechten Zeit, vor herannahenden Gewitterböen im Siebengebirge angetretene Rückkehr einer von ihm vo« Köln an» geleiteten Parsevalfahrt. Ferner bte
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Bellagen: „Nach Feierabend“, „Fürs Haus" und „Landwittfchastliche Beilage“
Deutschland und die Türkei.
Zu des Sultans Abdul Hamid Zeiten hörte man oft den Ausspruch, die guten Beziehungen zwischen Tüikei und Deutschland ruhten mir auf >wn Anger; Deutschland habe in der Türkei nur -ine., wahren Ft,und, und das fei Abdul Hamid. Es >t'itz>e kies umsomehr befremden, als Kaiser Wilhelm II. zweimal persönlich in Konstantinopel die augenscheinlich ehrlich gemeinten Ausbrüche türkischer Begeisterung für seine, in den Augen der Moslems die Macht Deutschlands verkörpernde Person entgegennehmen konnte. Inwieweit obige, keineswegs müßiget Plauderei en'Jpringenbe These mit der angeblich allgemeinen türkischen Verehrung für Deutschland in Einklang zu bringen ist, bleibe dahingestellt. Jedenfalls sollten in maßgebenden politischen Kreisen gewisse Symptome nicht ganz unbeachtet bleiben, die dem Laien wohl entgehen können, deren Tragweite aber nicht zu unterschätzen ist. .
Seit langen Jahren stehsn deutsche ausgewählte Offiziere als Instrukteure und hervorragende deutsche Zivilbeamte als Reformer in türkischen Diensten. Alljährlich gehen etwa 20 türkische Offiziere zu ihrer militärischen Ausbildung auf mindestens drei Jahre nach Deutschland, so daß dauernd ehoa 60 bis 70 türkische Leutnants in der deutschen Armee verteilt find. Trotz alledem fühlt man in Konstantinopel, mit Ausnahme von gewissen Offizierskreisen, kaum irgendwo ein überzeugtes Vertrauen zu Deutschlands ehrlicher Freundschaft für die Türkei. Die Türken vermeiden gern, sich über Deuffchland zu äußern, stimmen aber jedem Franzosen gegenüber begeisterte Iubelhymnen auf Frankreich an Auch England kann leichter Druck und Anerkennung für nie geleistete Dienste in der Türkei ernten, als Deutschland. Den Engländern und Franzosen verzeihen die Türken verhältnismäßig leicht die durch sie eingeleitete und mit Erfolg durchgeführte allmähliche Zerstückelung ihres Vaterlandes, während sie nicht anerkennen wollen, datz Deutschland bisher der Zerstückelung des otto- manischen Landes vollständig uninteressiert gegenübergestanden hat. Selbst gegen Rußland, den Erbfeind, macht sich niemals eine wirklich feindliche Stimmung bemerkbar.
Das „Warum" sollten die deutsch« Regierung und deren berufene Vertreter in der Türkei zu ergründen suchen. Diejenigen Mittel, die den Engländern, Franzosen und anderen heilig sind, wenn sie, trotz Verfolgung recht einseitiger Interessen, gute Beziehungen mit den jeweils maßgebenden Stellen auf- rechtzuerhalten wünschen, sollten auch deutscherseits nicht verschmäht werden, um zu erreichen, daß für die großen Opfer, die mir der Türkei seit langen Jahren bringen, wenigstens unsere materiellen Jnteress n gefördert werben. Wo „Trinkgeld" nicht verboten ist. * muß man aber Trinkgeld geben, um gut bedient zu werten!
soll keineswegs verkannt werden, datz '■> für tirlor. atifche Vertretung in t>e.- Türkei leite
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