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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

und den Beilagen:Nach Feierabend". «Fürs Haus" undLandwirtlchaftliche Beilage"

M 271

AltLvervesuiche Rettung- er>qemt taglicy mit Xiutoci;.iie ocr L nn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich tarch die Post bezogen 2.25 <X (ahne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <Ä frei inS HauS. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt dir Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Nniv.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hiheroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Freitag, 17. November

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die geile 40 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Feder Rabatt gilt al« Barrabatt. Bei Konkurs ton Rabatt. Verbindlich­keit für Platz-, Datenvorschrist und Beleglieferung auSaeschloffen. Zahlungen im Postsä'eckverkehr ohne Portokosten -- unter Nr 5015 beS PoftsikieckamteS Tronkfurt o. M.

46. Jahrg.

1911.

Erstes Blatt.

Nachlese.

DerMatin" veröffentlicht über ein von England seinerzeit angeblich geplantes llltima- tuin die folgende eigenartig anmutende Mel­dung:Der deutsche Botschafter in London, Graf Wolff-Metternich stieß bei Sir Edward Grey auf eine Haltung, die deutlich zum Ausdruck brachte, daß England dieEeste von Agadir" tadle und nötigenfalls mit seiner ganzen Macht Frank­reichs Sache gegen Deutschland unterstützen werde. Da Deutschland, auch nachdem Sir Ed­ward Grey seine Bemerkung gegenüber dem Bot­schafter wiederholt hatte, die einzige Antwort, die der englische Minister erwartete, nicht er­teilte, also vor allem denPanther" nicht abrief, wurde die Lage sehr gespannt. In jenem Augen­blick das soll verbürgt sein schrieb der Zar an den Kaiser, und höchstwahrscheinlich tat Kö­nig Georg von England dasselbe. Beide Herr­scher lenkten die Aufmerksamkeit des deutschen Kaisers auf die Gefahren der Lage. Die im englischen Ministerrat beschloßene und genau j festgestellte Rede des Ministers Lloyd George stellte die letzte feierliche Warnung dar. Wenn die Lage sich damals nicht aufgeklärt hätte, so i wäre England nur die Absendung des Ultima- ' tums nach Berlin übriggeblieben."

Man mag das, was derMatin", der nie zu _ den Freunden Deutschlands gehört hat, schreibt, als Phantasie betrachten. Es zeugt aber davon, für wie selbstverständlich die Ansicht gehalten wird, daß Deutschland einem Drucke Englands nachgegeben hat. So hat ein englisches Unter­hausmitglied, Ponsoley, in einem Club eine Rede gehalten in deren er ausführte, daß Deutschland V und Großbritannien im September dieses Jah­res bereits hart vor dem Ausbruche eines Krie­ges standen, so daß die Nordseeflotte bereits kampfbereit gemacht wurde und die Torpedonetze ausgehängt hatte, weil man allnächtlich einen plötzlich Angriff der deutschen Torpetoflotte be­fürchtete. Eben dort erzählt ein anderer, er habe vor einiger Zeit eine Unterredung mit einem alten Freunde gehabt, der von Kaiser Wilhelm in Audienz empfangen worden war. Der Kaiser sagte zu ihm bei dieser Gelegenheit:Ich bin vielleicht der einzige Freund, den England in Deutschland gegenwärtig hat?" Etwas deut­licher wird ein dritter. Der frühere Eeneral- gouverneur von Südafrika, Lord Selborne, nahm in einer Rede in Newcastle-Bezug auf die i englandfeindlichen Aeußerungen im Reichstage \ und den Wunsch nach einem Kriege, der darin zutage getreten sei. England habe das Recht, eine Erklärung zu fordern. Es sei entweder zu­viel oder zuwenig gesagt: man muffe wiffen, wel­ches das berechtigte Streben des deutschen Volkes I sei, dem England angeblich ständig hartnäckig Widerstand entgegensetze.

Sehr richtig gibt dieD. T." dem Herrn fol­gende Antwort:In Deutschland will und wünscht niemand einen Krieg mit England, aber das deutsche Volk wünscht nicht immer England s als Hindernis auf seinem Wege zu sehen, wenn V es mit dritten über die Wahrung seiner Inter­essen ii/der Welt zu verhandeln hat!"

Im Unterhause ist nun auch im Anschluß an den Reichstag die Angelegenheit Lloyd George l zur Sprache gekommen, ob Lloyd George die Rede mit voller Zustimmung der Regierung ge­halten hat, welches die Beweggründe für die Rede gewesen seien und warum auf die Vorstel­lung der deutschen Regierung über die Rede keine Antwort erfolgt sei. Asquith erwiderte: die Frage betrifft eine Reihe von ernsten, deli­katen Angelegenheiten (Beifall), die man un- | möglich in angemessener Weise durch die Beant­wortung der Anfrage erledigen kann. T Staatssekretär des Auswärtigen wird über di ganze Angelegenheit in kurzer Zeit, wie ich hoffe, x in der in der nächsten Woche stattfindenden De­batte eine volle Erklärung abgeben.

Ueber die afrikanischen Gebiete, die durch das Marokkoabkommen in unseren Besitz gekom­men sind, gibt Auguard. der französische Bischof des Kongo, der 34 Jahre in Zentralafrika zu­brachte, folgendes Urteil ab:Was die Deutschen im Kongogebiet finden werden? Steile Berge und unzugängliche Wälder. Sie werden dort k auch Bevölkerung vorfinden, die einen regen Appetit nach Menschenfleisch hat, denn man darf

sich trotz der Anstrengungen unserer Mission nicht einbilden, daß die Menschenfreffer dort ver­schwunden sind. Die Deutschen werden wohl binnen kurzem wahrnehmen, daß die Gebiets­teile des Ubangi, die wir ihnen abtreten werden, daß die 20 Kilometer, die an zwei Punkten den Zugang zum Strome schaffen, beinahe dauernd überschwemmt und folglich für den Handel unbe­nutzbar sind. Es wird ihnen jedoch nicht gezieh- men, uns die Bedeutungslosigkeit unserer Frei­gebigkeit vorzuwerfen, da auch sie es sich haben angelegen sein laffen, uns bei der Abtretung der Spitze des berühmten Entenschnabels nur pesti­lenzerregende Sümpfe anzubieten, was mir das 5?echt gibt zu behaupten, daß Deutschland und Frankreich lediglich Sümpfe ausgetauscht haben." Sehr tröstlich ist das nicht.

Mit dem Konflitk des Reichskanzlers mit Herrn v. Heydebrand beschäftigt sich der Abg. Frhr. v. Zedlitz imTag". Er meint, es zeuge von einem ungewöhnlichen Mangel an Fühlung mit den Regungen der Volksseele, wenn der Reichskanzler annehme, daß Lloyd Georges Her­ausforderung durch die an das britische Kabinett gerichtete Note befriedigend erledigt sei. Das mindeste, das zu verlangen war, sei die alsbal­dige öffentliche Zurückweisung der Lloyd Eeorge- schen Anmaßung gewesen. Den Vorstoß des Reichskanzlers gegen Herrn v. Heydebrand be­trachtet er als einen politischen Fehler von noch nicht zu übersehender Tragweite. Daß Herr von Heydebrand in der konservativen Partei nicht allein steht, dürste folgende Meldung bestätigen. Berlin, 14. Nov. Auf einem konservativen Abend in Anklam, auf dem Buchdruckereibefltzer Eraef über unsere auswärtige Politik sprach, nahm auch Graf Schwerin-Löwitz das Wort und führte nach derAnklamer Ztg." u. a. aus:Wenn es nun Leute gebe, die mit Bezug auf den Rückzug der deutschen Regierung bei den Marokkover­handlungen von einem zweiten Olmütz sprechen, so meine er, daß, wie nach der Olmützer Nieder­lage eine Reorganisation des Landheeres folgte, so jetzt die Niederlage bet den Marokkoverhand­lungen Deutschland veranlassen müße, seine Flotte zu verstärken. Er glaube, daß eine neue Flottenvorlage bei allen bürgerlichen Parteien sympathisch ausgenommen werden würden. Im übrigen miiffe man sich mit der Hoffnung abfin­den, daß, wie einst auf Olmütz Königgrätz und Sedan, so auch aus unsere jetzige Nachgiebigkeit dereinst eine gründliche Abrechnung mit unseren Gegnern folgen werde, wenn anders diese nicht nachließen, uns in den Lebensbedürfniffen unse­res Volkes zu beschneiden. (Stürmischer Beifall.)

Der Krieg um Tripolis

Tripolis, 15. Nov. (Agenzia Stefani.) Die Einrichtung der verschiedenen Verwaltungs­dienste macht Fortschritte. Man sorgt regel­mäßig für die Verteilung von Lebensmitteln an die Eingeborenen. In Ben-Ehafi entdeckte Ka­vallerie während eines weiteren Erkundigungs­rittes nach dem Innern noch eine Niederlage von Waffen und Munition, die die Türken während ihres Rückzuges eingegraben haben. Während der Nacht vom 13. auf den 14. Nov. wurde Derna vom Südwesten angegriffen. Der Feind wurde mit Verlusten zurückgeschlagen. Die Italiener hatten zwei pcrwundete.

Tripolis, 15. Nov. (Agenzia Stefani.) Ueber den vorgestrigen Kampf bei Sidi Mesri sind noch folgende Einzelheiten nachzutragen. Nachdem die Artillerie das Haus, in welchem der Feind verschanzt lag, zerstört hatte, machte Major Kisani mit zwei Kompagnien einen Ge­genangriff und warf die Araber aus ihren Ver­stecken heraus. Während diese Kompagnien in ihre Stellung zurückkehrten, wurden sie von meh­reren Arabern, die hinter dieser Stellung ver­steckt lagen, beschaffen und verloren einige Ver­spundete. Vom Feinde hat man wenig Nach- ichlen, da weder durch Aeroplane noch durch Ballons Erkundungen ausgeführt werden konn­ten. Wie versichert wird, dauern die Nachschübe an Lebensmitteln und Munition von der tunesi­schen Grenze her an: sie stellen den Hauptvorrat des Feindes an Lebensmitteln dar und erklären den Einsluß der Türken auf die Araber.

Konstantinopel, 15. Nov.Ikdam" erfährt, die italienische Flotte sei mit 18 Schif­fen in den Dardanellen angekommen und habe vor Seddilbahr und Kunkalefi Aufstellung ge­nommen. Eine amtliche Bestäftguvg der Mel­dung fehlt noch.

Politische Umschau.

Au« der Budgettommisfion.

Berlin, 15. Nov. Die Budgetkommission des Reichstages setzte die Beratung des deutsch- französischen Abkommens betreffend Marokko und Aequatorialafrika fort. Das Zentrum sprach den Wunsch aus, den Antrag Baffermann, der di; Genehmigung des Reichstags zu dem Abkom­men fordere und tu seinen Folgen einen staats­rechtlichen Konflikt zwischen dem Reichstag und dem Bundesrat bedeute, abzulehnen. Weshalb solle die Regierung nachträglich um Indemnität nachsuchen? Bester sei, die Vergangenheit ruhen zu laffen und für die Sicherung der Parlaments­rechte in Zukunft zu sorgen. Staatssekretär Del­brück erwiderte nochmals auf die gestrige An­frage der Sozialdemokraten, weshalb die Regie­rung, obschon sie nicht durch Verfaffungs- und Gesetzesbestimmungen gehindert war, die Ver­träge dem Reichstage nicht zur Genehmigung vorgelegt habe. Die Regierung sei außerstande gewesen, dies zu tun, weil ein solcher Schritt der ganzen Konstruktion unserer Verfaffungsverhält- niffe und der Ueberlieserung widersprochen und ein Präjudiz von unabsehbarer Tragweite ge­schaffen hätte. Die Budgetkommission nahm einstimmig den Antrag Hertling-Müller (Mei­ningen) an, nach dem der 8 1 des Schutzgebiets­gesetzes folgenden Absatz 2 erhält: Zum Erwerb und zur Abtretung von Schutzgebieten oder Tei­len eines solchen bedarf es eines Reichsgesetzes. Diese Vorschrift findet auf Grenzberichtigungen keine Anwendung. Die Anträge der liberalen Parteien und Sozialdemokraten auf Lenehmi- gung des Abkommens durch die gesetzgebenden Faktoren wurden mit 16 gegen 10 Stimmen durch die Rechte und das Zentrum abgelehnt.

Derchchss Reich«

Bom Kaiser. Berlin, 15. Nov. Das Kaiserpaar traf Heute vormittag vom Neuen Palais kommend, im Automobil im Königlichen Schlöffe ein. Um 11 Uhr begann im Lustgarten die Vereidigung der Rekruten der Garnisonen von Berlin und Umgebung. Die jungen Mann­schaften hatten wie immer in weitem Viereck den Platz umstellt. Gegenüber dem Königlichen Schlöffe war ein Feldaltar errichtet, umgeben von Blattpflanzen, Geschützen und Trommeln. Nachdem die Fahnen und Standarten an den Altar gebracht worden waren, hielten die Mili­tärgeistlichen beider Konfessionen Ansprachen, worauf die Vereidigung brigadeweise erfolgte. Der Kaiser verschob seine Reise nach Baden- Baden und Donaueschingen wegen Erkältung vorläufig auf Sonntag Abend.

Erklärung der Konservativen Partei. Der Herr Reichskanzler v. Bethmann Hollweg hat seinen Reden im Reichstage noch einige Erklä­rungen in derNorddeutschen Allgemeinen Ztg." hinzufügcn laffen. Es wird darin die Meinung vertreten, daß er es als seine Pflicht habe er­achten müffen, das Land und die Parteienzur Besonnenheit zurückzurufen", schädlichen Wir­kungen angeblicherchauvinistischer Aussprüche" vorzubeugen und das Marokko-Abkommen von phantastischen Ansprüchen und wahltaftischen Rücksichten" freizumachen, die bei mehr als einer Partei zu der ungünstigen Aufnahme des Wer­kes bcigetragen hätten. Was die konservative Partei anlangt, so hat ihr Redner an dem Ab­kommen selbst nur eine das Maß de.s sachlich Zu­lässigen mit keinem Worte überschreitende Kritik geübt. Sie empfindet es als eine schwere Krän­kung, wenn ihr vorgeworfen wird, sie habe eine nationale Angelegenheit zum Anlaß eines wahl- tattischen Manövers benutzt. Nach ihrer Ver­gangenheit sollte die konservative Partei gegen solche Vorwürfe geschützt sein. Wenn der leitende Staatsmann es als unberechtigt erklärt, daß auch der Redner der konservativen Partei im Namen seiner politischen Freunde gegen die unser natio­nales Existenz- und Selbstbestimmungsrecht ein- engende und von der deutschen Regierung jeden­falls öffentlich nicht mit genügender Deutlichkeit beantwortete Kundgebung der englischen Staats­männer aus dem nationalen Eewiffen heraus Abwehr übte, so muß nochmals lebhaft bedauert werden, daß der durch unser Volk gehende natio­nale Schwung so wenig erkannt und benutzt wird. Wir wiffen aus zahlreichen Kundgebun­gen, daß die Mitglieder der konservativen Ee- samtpartei im Deutschen Reiche den Standpunkt der Reichstagsfraktton vollkommen teilen.

Die Landtagsersatzwahl in Düffeldorf. Düffeldorf, 15. Nov. Bei der Wahlmännerwahl zur Landtagsersatzwahl für den verstorbenen Ab­geordneten Kirsch wurden sämtliche 351 Wahl­männer des Zentrums gewählt. Die andere« Parteien stellten keine Wahlmänner auf. Der Zentrumskandidat ist Bürgermeister a. D. David.

Der Wert des deutsche« Spezialhandels im reinen Warenverkehr belief sich im Oktober d. I. auf 864.0 Millionen <M in der Einfuhr und 710.9 Millionen M in der Ausfuhr, im abgelaufenen Zahresteil auf 7792.1 in der Einfuhr gegen 7296.6 in der Ausfuhr und auf 6609.7 gegen 6108.8 im Vorjahre. Außerdem erreichte die Einfuhr an Gold und Silber im Oktober d. I. einen Wert von 16.6, im abgelaufenen Iahres­tei l einen solchen von 227.2 gegen 324.2 im Vor­jahre, die gleichzeitige Ausfuhr an Eold und Silber einen Wert von 9.3 und 97.1 gegen 154.1 Millionen «AI im Vorjahre.

Zielbewußte! Unter dieser Spitzmarke berichtet dieD. T." über skandalöse Vorgänge bei einer konservativen Versammlung in Fried­land. Halb betrunkene sozialdemokratische Ar­beiter störten die Persammlung derart, daß die Anführer schließlich aus dem Saale verwiesen wurden. Mit großem Lärm verließen etwa 20 Genoffen den Saal, zertrümmerten zwei große Türscheiben, sangen die Arbeiter-Marseillaise und stießen Drohungen gegen den Polizeibeam­ten aus, dem es nicht möglich war. die Menge zu zerstreuen. Schließlich wurde mit Ziegel­steinen und mit Pflast er st einen auf den Beamten geworfen. Die Aufforderung des Bür­germeisters. deu Platz zu räumen, hatte keinen Erfolg. Erst dem herbeigerusenen berittenen Gendarmeriewachtmeister gelang es, die Ruhe wieder Herzustelken.

Kriegstagebücher aus dem südwestasrikanische« Kriege. Wie im Anschluß an die Nachricht von Sammlung der Kriegstagebücher aus dem Jahre 70 mitgeteilt wird, sind vom Generolstab bereits die Feldzugsbriefe und Kriegstagebücher aus hem, süd­westafrikanischen Kriege und von der ostastatischer! Expedition gesammelt worden. Den Inbo^rn bet Briefe ist die Geheimhaltung innerhalb von 30 Jahren zugesichert worden. Diese Briefe und Tage­bücher werden geordnet und es wird ein Verzeichnis der einzelnen Stücke feriiggestellt, damit leicht über­sehen werden kann, wo sich das Material für eine spätere Forschung befinde'. Der Gedanke wurde zu­erst in Dänemark von Profeffor Larsen verwirklicht, der die Kriegstagebücher des Jahres 1R64 mit großem Erfolge sammelte und darüber ein Merk ver­öffentlichte. Im übrigen sind die Regierungen be­auftragt, bis zum 1. Dezember d. Js. einen kurzen Sonderbericht jeder Abteilung zu liefern, ob Beamte sich im Besitz von Briefen, Aufzeichnungen oder Tage­büchern befinden, die die Ereignisse der letzten 3 großen Kriege behandeln. Die Aufzeichnungen können in Urschrift oder in beglaubigter Abschrift ringe liefert werden.

Die Mecklenburger Bersaffunasfrage. Schwerin, 14. Nov. Die Negierung ließ dem Landtage die Grundzüge für die Vorlage bett, die Aenderung der bisherigen Verfaffungrent- würfe zugehen. Die Regierung ist zu dem Er­gebnis gekommen, daß als möglicher Weg. weite Kreise der Bevölkerung unter Vermeidung all­gemeiner Wahlen an der Landesvertretung zn beteiligen, der bleibe, anstelle der Wahlen d« Gesamtbevölkerung Wahlen der Landgemeinden und städtischen Bürgerschaften treten zu laffen. Wenn auf Grund dieses Vorschlages eine Eini­gung' über die Verfaffungsfrage mit beiden Ständen zu erreichen sei, würde die Regierung gegenüber diesem Erfolge, die nicht weiter auf­schiebbare Versaffungsreform im Einvernehmen mit beiden Ständen durchführen können und sich auch mit einer weniger vollkommenen Erledi­gung der Frage zufrieden geben. Der Landtag soll für Mecklenburg-Schwerin aus 80 Abgeord­neten bestehen, ein Entwurf für Mecklenburg- Strelitz ist nicht eingegangen.

Herr Haußmann und die Fortschrittler. DasV. T." kanzelt den demokratischen Abgeord­neten Haußmann, der sonst bei ihm sehr beliebt ist, folgendermaßen ab:Wenn dann später Herr Konad Haußmann, der schon in Revue-Artikeln seinem schwäbischen Landsmann Kiderlen-Wäch- ter Lorbeeren gestreut, andere Töne anschlug, so war das mehr ein Privatvergnüngen dieses launigen und oft amüsanten Abgeordneten, der sich von Zeit zu Zeit auch einmal auf das Gebiet der auswärtigen Politik verirrt, und der Vor­fall, der an sich bedeutungslos ist, hat am wenig­sten eine Bedeutung für die Beurteilung bet Fortschrittlichen Volkspartei. Den Standpunk'