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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage"
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Marburg
Donnerstag, 16. November
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46. Jahrg.
1911.
Erstes Blatt.
Nach der Schlacht.
Die aufregenden Tage der Marokko- Verhandlungen sind vorüber, und es ist nötig, daß man zu einer ruhigeren Betrachtung des Abkommens und seiner Begleiterscheinungen gelangt. Verbitternde rückschauende Kritik ist eines selbstbewußten Volkes nicht würdig. Wir haben kein Fischblut in den Adern und finden auf unberechtigte Vorwürfe eine treffende Abwehr-Antwort. Aber der Zweck jeden Kampfes ist doch der Friede auf Grund der gewonnenen Klärung. Was nun?
lleber die Wunden, die die Marokko-Verhandlungen unserer inneren Politik geschlagen haben, wird man sich kaum zweifelhaft sein. So sinnlos es ist, daß die Leute (Genossen und bürgerliche Radikale), die ständig die Autorität unserer Regierung untergraben, nunmehr die von den Rechts-Parteien gepflegte Ueberzeugung von der Regierungs-Autorität benutzen, um de teit vaterländische Gesinnung zu verdächtigen, ste werden es doch tun, sie werden ganz einfach für einige Zeit zu Autoritäts-Gläubigen. Das wird freilich die Rechtsparteien am wenigsten anfechten. Roch immer hat auch in der Politik auf die Dauer die offene ehrliche Wahrhaftigkeit gesiegt. Den Konservativen speziell kann es gar nicht einmal so unangenehm sein, daß das freilich nur noch bei Kindern geglaubte Märchen, sie seien eine Regierungspartei sans phrase, so widerlegt ist. Mit ihm wird nun auch der schwarz-blaue Block verschwinden, der noch immer im Munde einiger kundiger Bierbanftwlitiker ein kümmerliches Dasein fristen soll. Wenn auch die Konservativen erklärt haben, daß sie im Reichstage weiter sachliche Politik treiben wollen, so dürfte es sich doch von selbst ergeben, daß ste einem Kanzler gegenüber, der mit den Genosien die elsaß-lothringische Verfasiungsfrage geregelt hat, und nun ihrer nationalen Gesinnung Motive unterschiebt, die man sonst nur in der radikalen Presse der Linken findet, einiges Mißtrauen entgegen bringen. Die Nationalliberalen werden durch die Art, wie mit ihrem Führer Basscrmaun verfahren ist, gewiß nicht zu größeren Freunden des Kanzlers geworden sein. Und die radikale Linke in ihrer verschiedenen rötlichen Tönung dürfte kaum gewillt dem Ueber- agrarier und Brotwucherer v. Bethmann Gefolgschaft zu leisten. Sie sind Herrn v. Bethmann nur da-lbar für die gewiß nicht gewollte Bereicherung ihres Hetzmaterials, nachdem der schwarz- blaue Block und die Finanzreform namentlich in Zeiten patriotischer Erregung doch nicht mehr ganz zu genügen schienen, den Parteihader des Bürgertums aufrecht zu erhalten. Das Zentrum verhält sich abwartend. So steht Herr von Beth- Uütttn im Reichstag allein auf weiter Flur, nach- aem er nach allen Seiten seine Schläge ausgeteilt hat. Mag die Situatian nicht ergötzlich fein, schlimm ist es nicht, und die Bekundung des Willens, eine Politik über den Parteien zu führen, hat sogar etwas Bestechendes ebenso wie der Mut des Kanzlers, seine politische Meinung auch so scharf zu verfechten, wo es ihm nicht leicht geworden sein mag. Wesentlich ernster ist, daß der Kanzler sich in der Art seiner Kritik so stark vergriff. Jedermann weiß, daß einem Regierungsvertreter im Reichstag dem Ausland gegenüber Grenzen gezogen sind. Gr kann nicht sprechen wie ein Volksvertreter. Was man von ihm aber verlangen muß, ist, daß er anerkennt, daß ein Volksvertreter nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hat, dem Empfinden des Volkes Ausdruck zu geben. Es wird wichtig fein, daß der Kanzler darüber keinen Zweifel läßt, daß sein Vorstoß gegen Herrn von Heydebrand nicht in einer Mißachtung der Volksvertretung überhaupt beruht, die in unserer konstituftonellen Verfassung keinen Boden fände.
Das Ausland hat die Verhandlungen mit einigem Staunen ausgenommen. Das ist natür- ktch. Es hat feine Kenntnis über die politischen Verhältnisse unseres Landes aus Blättern wie dem „Berliner Tageblatt" oder dem „Vorwärts" And glaubt infolgedessen an die angeblich absolutistisch-russischen Zustände in unserem Vaterland.
8t diese Leute war die Rede v. Heydebrands ne Sensation. Daß ste in der gewollten Ver- nnung unserer Zustände weiter von einer riegspartet in Deutschland faseln, ist selbstver
ständlich. Aber England schlägt bereits das Gewissen, und wir hören auf einmal von über dem Kanal her sanfte Friedensklänge, die wir freilich immer hören, wenn man uns einen Verzicht auf irgend etwas abgenötigt hat. Lassen wir die Einzelheiten. Was bringt zu Ehren, sich wehren. Und wenn die Verhandlungen den einmütigen Ausdruck gebildet haben, daß das deutsch« Volk seinen Platz an der Sonne nicht nehmen lassen will, so wird das nur einen günstigen Einfluß.auf unsere auswärtigen Beziehungen haben. Freilich waren die Verhandlungen getragen von einer starken Kriftk der Leitung unserer auswärtigen Politik. Aber es heißt die Lage völlig verkennen, wenn man annehmen wollte, daß diese Kritik etwas anderes bezweckte als den Weg zur Besserung zu zeigen. Ist doch auch die Erregung des Volkes während der Marokkoverhandlung weniger auf den Unwillen über einen Mißerfolg zurück zu führen, so wäre sie in ihrer Allgemeinheit überhaupt nicht zu verstehen. Seit den Tagen Caprivis hat man im Volke die Ueberzeugung, daß um unser Ansehen in der Welt zu erhalten und um entsprechend der wachsenden Bedeutung unseres Volkes in jeder Hinsicht vorwärts zu kommen fassche Weg« eingeschlagen find. Wir haben uns ständig für internationale Interessen herumgeschlagen. Wir haben uns bald hier, bald dort engagiert, haben die Phrasen der andern blutig ernst genommen um schließlich selbst leer auszugehen. Statt Dank für unsere Selbstlofig- keit haben wir uns noch Verdächtigungen als des eigentlichen Störenfriedes gefallen lassen müssen. Die Geschichte des Marokkohandels ist dafür ja ein klassisches Beispiel. Wir haben um ein nichts Ding« inszeniert, wie die Tangeifahrt des Kaisers, die Entsendung des „Panther" nach Agadir, die als Drohungen aufgefaßt wurden, und da ihnen weitere Schritte nicht folgten al» Rückzug gelten mußten. Wovor? Vor der Ueber- macht der andern „La Prusse cane". Im Volke aber arbeitet man still und rastlos und liebt die erfolglosen Inszenierungen nicht. Man erwartet denn auch mehr und ist enttäuscht. Die Regierung aber klärt das eigne Volk nicht auf über da», was man vorhat. In England und Frankreich geht das, die Verbindung mit der Presse ist stets intakt, bet uns nicht. So mußte es kommen, wie es gekommen ist, die Verhandlungen um Marokko, nicht zum wenigsten auch, daß wir im Dunkeln trpyten, während die Franzosen so ziemlich immer wußten, worum es sich drehte, die immer anmaßendere Sprache französischer und englischer Minister uns gegenüber, mußten schließlich zu einer Erregung über die Mißerfolge nach außen führen, für die sich die Volksvertreter zum Anwalt machten. Was nutzt es, sie zu verschweigen. Zweifellos haben gerade die jetzigen Führer am wenigsten Schuld an allem. Sie haben ein schlimmes Erbe übernommen und geglaubt, aus der verfahrenen Situation gerettet zu haben, was zu retten war. Das berechtigt aber nicht dazu, sich darüber zu beschweren, daß der Finger auf eine Wunde gelegt wird, die baldige Heilung erheischt. Das deutsche Volk will weder mit dem Säbel rasseln, noch daß damit gerasselt wird, es will gerade eine geräuschlose, aber stetige und erfolgreiche Polittk die frei ist von Phantomen wie Wlkerverbrüde- rung usw. Es weiß, daß seine Schwäche das Signal zum Kriege wäre und wird einer selbstbewußten Regierung gerne folgen. Aus der Erregung des Augenblickes erheben sich die allgemeinen treibenden Gesichtspunkte. Auch dem Kanzler werden die Verhandlungen gezeigt haben, was oie Stimmung des Volkes will. Hat er auch das jetzige Resultat nicht so heraus holen können, daß es dem Volke gerecht wurde, und kann man ihm darauf einen Teil seiner Erregung zugute rechnen. Es ist begründete Aussicht, daß die Regierung auch den Aeußerungen des Unwillens die Bedeutung zumißt, die sie v^dienen.
Uebcr die Kritik hinaus wollen wir hoffen, daß der Kanzler der wahren Stimmung des Volkes weiterhin gerecht wird, hat er doch gerade auch in den letzten Verhandlungen gezeigt, daß die sachlichen Gesichtspunkte bei ihm die wesent- luijen find.
Marokko
Hu» bet BNdgetkommisslmt des Reichstages.
Berlin, 14. Nov. In der Budgetkommission des Reichstages gab heute Staatssekretär Dr. Del
brück namens der verbündeten Regierungen eine Erklärung ab, in der es heißt: Die Reichsleitung ist im Einvernehmen mit den verbündeten Regierungen auch nach erneuter Prüfung der Ueberzeugung, daß die deutsch-französischen Abkommen vom 4. November zu ihrer Gültigkeit di« Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaften nicht bedürfen. Kein Artikel greift in di« deutsche Zoll- und Handelsgesetzgebung ein. Richtig ist, daß einzeln« Bestimmungen der Algeciras-Att« abgeändert worden sind, nicht aber, daß jene Bestimmungen von dem Bundesrat und dem Reichstag genehmigt worden wären. Der Bundesrat stimmt« niemals, der Reichstag nur aus Ver» sehen ien der zweiten, nicht aber auch in der dritten Lesung über die Algeciras-Akte selbst ab. Das Ausführungsgesetz zur Algeciras-Akte wird durch das Abkommen überhaupt nicht getroffen, auch die deutsche Konsulargertchtsbarkeit in Marokko wird nicht ein- geschränkt. Die Frage, ob bei Erwerbung und Abtretung von Kolonialbefitz das Mitwirken der gesetzgebenden Körperschaften erforderlich ist, muß verneint werden. Die Reichsleitung hält es daher nicht für erforderlich, die Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaften zu den Vertrügen nachträglich zu erbitten. Auf der anderen Seite ist nicht zu verkennen, daß die Bestättgung des Reiches auf dem Gebiete der Kolonisation eine Entwickelung und Richtung genommen hat, di« bei Schaffung des bestehenden Rechtszustandes niemand vorhersehen konnte. Insbesondere lassen es die großen Aufwendungen für die Einrichtung und den Ausbau der Kolonien gerechtfertigt erscheinen, daß zur Abänderung des bestehenden Rechtszustandes die gesetzgebenden Körperschaften in weiterem Umfange als bisher zur Mitwirkung bei dem Erwerb und der Abtretung von Kolonialgebieten berufen werden. Bon den gestellten Anträgen erscheint der des Abg. v. Hertling am zweckmäßigsten. Die verbündeten Regierungen sind daher geneigt, unter Vorbehalt näherer Erörterung über bi« Fassung der Vorschrift den Wünschen der Reichstages auf diesem Wege entgegenzukommen. — Im weiteren Verlauf der Beratungen bemerkte Staatssekretär von Kiderlen, daß das französische Eelbbuch über das deussch-franMsche Abkommen bisher nicht veröffentlicht wurde. Ob die deutsche Regierung ein Weißbuch vorlegen werde, vermöge er nicht zu sagen. Das Material dazu werde sehr mager fein, denn di« Verhandlungen seien mündlich geführt worden. Vielleicht werde später durch eine Denkschrift eine historische Darstellung der Verhandlungen gegeben. — Nach der juristisch-staatsrechtlichen Debatte wies ein nationalliberaler Abgeordneter darauf hin, daß es ein Att politischer Klugheit ist, wenn der Reichskanzler den Reichstag nachträglich um Genehmigung zu dem Abkommen ersucht. Staaisserketär Dr. Delbrück erklärt«, der Bundesrat hege die Auffassung, daß die Mitwirkung bet gesetzgebenden Faktoren nicht erforderlich ist. Der Vertrag gelte ohne Genehmigung des Reichstage» nach außen hin. Es sei zu überlegen, gb es ratsam wäre, einem Anträge zuzustimmen, der für die Zukunft unabsehbare Folgen herbeiführen könne. — Hierauf vertagte sich das Haus.
Au» bet französischen Kammer.
Paris, 14. No». Der Minister des Aeuheren de ©eines erklärte vor dem Kammerausschusse für aus« wärtige Angelegenheiten, daß auf Spanisch-Guinea und bas Desinteressement Deutschlands an den französisch-spanischen Verhandlungen bezügliche Klauseln beständen, wengleich sie nicht veröffentlicht worden seien. Sie seien in dem erklärenden Briefe infolge eines Uebereiickommens bet beutchen und französischen ©taatskanzleien nicht aufgenommen worden. Auf Befragen über den gegenwärtigen Stanb der französisch-spanischen Angelegenheit erklärte der Minister nicht antworten zu können, da er bis zum Schluß der Verhandlungen zum Schweigen verpflichtet sei. Darüber befrag', ob es nicht ratsam sei, die Entscheidung des Ausschusses übet das deutsch-französische Abkommen hinauszuschieben, bis alle Mch'e ihre Zustimmung erteilt haben würben, antwortete be Seines, daß bie noch fehlenden Zustimmungen bald gegeben werden. Er bot den Ausschuß schließlich noch dringend, ihm bi« vorliegende Aufgabe sobald als möglich zu erledigen.
Einigung bet Maroktointeressenteu.
Paris, 14. Rov. Zwischen den Brüdern Mannesmann und der Union des Mines ist eine Einigung erfolgt, auf Grund deren beide Teile alle ihre bergbaulichen Anrechte und Ansprüche in Marokko einwerfen. In bet neuen Gesellschaft sind die Brüder Mannesmann und bie Union des Mines zu je 40 Prozent beteiligt. Zur Uebernahm« der restlichen 20 Prozent erklärten sich französische Banken bereit. Durch eine besondere Abmachung ist bett deutschen Abnehmern bas Vorzugsrecht auf 40 Probat bet Eisenerzausbeutung gesichert.
Der Krieg um Tripolis.
Tripoli», 14. Rov. (Agenzia Stefani.) In der Nacht zum 13. Nov. gab die feindliche Artillerie Schüsse gegen Eidi Mesri ab. Kleingewehrfeuer folgt«. Die Italiener erwiderten es. Später sah men hier und dort sich Arabertrup- |
pen nähern. Die» ließ auf die Vorbereitung eines Nachtangriffes schließen, der jedoch ausblieb. Der Feind ist überwiegend auf der Seite von Sidi Mesri tätig, wie wenn er beabsichtigte die linke Flanke zu umzingeln. Am 13. Novbr. mittag» war zwischen feindlicher Artillerie bei dem kleinen Fort Mesri und der italienischen Stellung in Sidi Mesri ein Feuergefecht. Eine Kompagnie Infanterie, die zum Schutze der Ausräumungsarbeiten auf dem Schußfelde von Sidi Mesri auseinander gezogen war, wurde unter lebhaftes Feuer genommen, das aus einem gegenüberliegenden Gebäude kam. Das Gebäude wurde von der italienischen Artillerie zerstört. Auf italienischer Seite hatte man zwei Verwundete. Trotz der unaufhörlichen Regengüsse hält die Gesundheit der Truppen an. In Ben-Ghast, Derna, Tobruk und Hom» ist die Lage unverändert.
Konstantinopel, 14. Nov. Die Redif- bw"ion in Ben-Ehasi wurde mobilisiert. Die aus Ven-Ghasi eingetroffenen türkischen Beamten wurden aufgefordert, zurückzukehren.
Konstantinopel, 14. Nov. Die Nachricht, daß italienische Kriegsschiffe bei der Insel Nikaria erschienen seien, erweist sich als falsch. Bis gestern Abend ist kein italienisches Schiff tu den Gewässern des Archipels gesehen worden.
Syrakus, 14. Nov. (Agenzia Stefani.) An Bord des von Tripolis kommenden Dampfers „Egadi" zeigten drei Personen türkischer Nationalität verdächtige Haltung. Auf Befragen behaupteten sie zuerst, Kaufleute zu sein, gaben sich aber schließlich als Divifionsgeneral Muckil Bei, Stabsarzt Ahmed Teufik Abdullah und Jnfintterieoberft Mohamed Teufik Abdullah zu erkennen. Sie erklärten, aus Cyrenaika ausgewiesen worden zu sein, weil sie Parteigänger des alten Regimes gewesen seien. Da sie weder Pässe noch andere Legitimationsporiere besitzen, wrden sie bis zum Eintreffen weiterer Anordnungen überwacht.
Deutsches Mich.
— Konservative Reichstagskandidatur. Breslau, 13. Nov. Zm Wahlkreise Namslau-Brieg stellten die Konservativen und der Bund del Landwirte anstelle des krankheitshalber zurücktretenden Amtsgerichtsrates Perniok als Reichstagskandidaten den Chefredakteur der „Deut- scheu Tageszeitung" Dr. Oertel-Berlin, auf.
— Der Reichskanzler „über den Parteien". Diese Ueberschrift gibt nicht unwitzig die „Frff. Ztg." folgender Meldung: Johannisthal, 14. Nov. Das Luftschiff „Schwaben" ist heute vormittag um 11 Uhr 13 Min. bei schönem Wetter zu einer dreistündigen Fahrt in der Richtung Potsdam-Spandau aufgestiegen. An Bord befinden fich 18 Passagiere, darunter der Reichskanzler und Gemahlin und Unterstaatssekretär Wahnschaffe.
— Als „bezeichnende Tatsache" weiß die Berliner „Rational-Zeitung" mitzuteilen, daß der Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. Ki- derlen-Wächter im Verlauf der gestrigen Reichstagssitzung den Abgeordneten Erzberger um ein« Unterredung bitten ließ, die nahezu eine Stund« dauerte. Der Staatssekretär machte dem Vertreter der Zentrumspartei vertrauliche Mitteilungen über die Stellungnahme des Reichskanzlers zum Verfassungsabänderungs-Antrag de» Frhrn. v. Hertling und ließ fich vom Abgeordneten Erzberger über die Art, wie fich das Zentrum die weitere Behandlung des Antrags denkt, unterrichten. Zm Anschluß an diese Mitteilung gab der Staatssekretär Herrn Erzberger verschiedene Ausschlüsse über schwebende Fragen, die fich auf die auswärtige Politik beziehen. Die Unterredung war streng vertraulicher Natur.
— Zur Schließung des bayerischen Landtags. München, 14. Nov. Der Landtagsabschied, der heute nach Beendigung der Kammerfitzung den Abgeordneten übergeben wurde, zählt die Beschlüsse beider Kamern des Landtags auf, sowie die Verabschiedung derselben durch die Krone. Er erwähnt besonders, daß die Staatsregierung auch weiterhin allen Streikbestrebungen in den Betrieben der Verkehrsanstalten mit allen br zur Verfügung stehenden Mitteln entgegentrete» werde. Der Landtagsabschied schließt: Die jüngsten Vorgänge in der Kammer der Abgeordneten nötigen uns, von dem uns verfassungsmäßig zn- stehenden Rechte der Auflösung be» Landtag, Gebrauch zu machen. Unser Bestreben wird, wie