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RechM Jeilmg

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage"

M 270

TieLbertzeffische Zeitung" erlcheiat täglich mit Susnahme der Senn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 X lohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 X frei in» Haus. (Für unver­langt zuzesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. L. Rod) (Inh.: Dr. Hiberoth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Donnerstag, 16. November

Der Anzeigenpreis bet tagt für die 7 gespaltene Zeile oder deren Raum 15 <$., bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 40 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bet Äonfutl kein Rabatt. Verbindlich- kett für Platz-, Datenvorschrist und Beleglieierinu' ausgeschlossen. Zahlungen im Postschecknerkehr «chne Portokosten unter Rr S015 des Postscheckamtes frrnnffert «. M.

46. Jahrg.

1911.

Erstes Blatt.

Nach der Schlacht.

Die aufregenden Tage der Marokko- Verhandlungen sind vorüber, und es ist nötig, daß man zu einer ruhigeren Betrachtung des Ab­kommens und seiner Begleiterscheinungen ge­langt. Verbitternde rückschauende Kritik ist eines selbstbewußten Volkes nicht würdig. Wir haben kein Fischblut in den Adern und finden auf unberechtigte Vorwürfe eine treffende Ab­wehr-Antwort. Aber der Zweck jeden Kampfes ist doch der Friede auf Grund der gewonnenen Klärung. Was nun?

lleber die Wunden, die die Marokko-Ver­handlungen unserer inneren Politik geschlagen haben, wird man sich kaum zweifelhaft sein. So sinnlos es ist, daß die Leute (Genossen und bür­gerliche Radikale), die ständig die Autorität unserer Regierung untergraben, nunmehr die von den Rechts-Parteien gepflegte Ueberzeugung von der Regierungs-Autorität benutzen, um de teit vaterländische Gesinnung zu verdächtigen, ste werden es doch tun, sie werden ganz einfach für einige Zeit zu Autoritäts-Gläubigen. Das wird freilich die Rechtsparteien am wenigsten anfech­ten. Roch immer hat auch in der Politik auf die Dauer die offene ehrliche Wahrhaftigkeit gesiegt. Den Konservativen speziell kann es gar nicht einmal so unangenehm sein, daß das freilich nur noch bei Kindern geglaubte Märchen, sie seien eine Regierungspartei sans phrase, so widerlegt ist. Mit ihm wird nun auch der schwarz-blaue Block verschwinden, der noch immer im Munde einiger kundiger Bierbanftwlitiker ein kümmer­liches Dasein fristen soll. Wenn auch die Kon­servativen erklärt haben, daß sie im Reichstage weiter sachliche Politik treiben wollen, so dürfte es sich doch von selbst ergeben, daß ste einem Kanzler gegenüber, der mit den Genosien die elsaß-lothringische Verfasiungsfrage geregelt hat, und nun ihrer nationalen Gesinnung Mo­tive unterschiebt, die man sonst nur in der radi­kalen Presse der Linken findet, einiges Miß­trauen entgegen bringen. Die Nationalliberalen werden durch die Art, wie mit ihrem Führer Basscrmaun verfahren ist, gewiß nicht zu größe­ren Freunden des Kanzlers geworden sein. Und die radikale Linke in ihrer verschiedenen röt­lichen Tönung dürfte kaum gewillt dem Ueber- agrarier und Brotwucherer v. Bethmann Gefolg­schaft zu leisten. Sie sind Herrn v. Bethmann nur da-lbar für die gewiß nicht gewollte Bereiche­rung ihres Hetzmaterials, nachdem der schwarz- blaue Block und die Finanzreform namentlich in Zeiten patriotischer Erregung doch nicht mehr ganz zu genügen schienen, den Parteihader des Bürgertums aufrecht zu erhalten. Das Zentrum verhält sich abwartend. So steht Herr von Beth- Uütttn im Reichstag allein auf weiter Flur, nach- aem er nach allen Seiten seine Schläge ausge­teilt hat. Mag die Situatian nicht ergötzlich fein, schlimm ist es nicht, und die Bekundung des Willens, eine Politik über den Parteien zu führen, hat sogar etwas Bestechendes ebenso wie der Mut des Kanzlers, seine politische Meinung auch so scharf zu verfechten, wo es ihm nicht leicht geworden sein mag. Wesentlich ernster ist, daß der Kanzler sich in der Art seiner Kritik so stark ver­griff. Jedermann weiß, daß einem Regierungs­vertreter im Reichstag dem Ausland gegenüber Grenzen gezogen sind. Gr kann nicht sprechen wie ein Volksvertreter. Was man von ihm aber verlangen muß, ist, daß er anerkennt, daß ein Volksvertreter nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hat, dem Empfinden des Volkes Aus­druck zu geben. Es wird wichtig fein, daß der Kanzler darüber keinen Zweifel läßt, daß sein Vorstoß gegen Herrn von Heydebrand nicht in einer Mißachtung der Volksvertretung über­haupt beruht, die in unserer konstituftonellen Verfassung keinen Boden fände.

Das Ausland hat die Verhandlungen mit einigem Staunen ausgenommen. Das ist natür- ktch. Es hat feine Kenntnis über die politischen Verhältnisse unseres Landes aus Blättern wie demBerliner Tageblatt" oder demVorwärts" And glaubt infolgedessen an die angeblich absolu­tistisch-russischen Zustände in unserem Vaterland.

8t diese Leute war die Rede v. Heydebrands ne Sensation. Daß ste in der gewollten Ver- nnung unserer Zustände weiter von einer riegspartet in Deutschland faseln, ist selbstver­

ständlich. Aber England schlägt bereits das Ge­wissen, und wir hören auf einmal von über dem Kanal her sanfte Friedensklänge, die wir frei­lich immer hören, wenn man uns einen Verzicht auf irgend etwas abgenötigt hat. Lassen wir die Einzelheiten. Was bringt zu Ehren, sich wehren. Und wenn die Verhandlungen den ein­mütigen Ausdruck gebildet haben, daß das deutsch« Volk seinen Platz an der Sonne nicht nehmen lassen will, so wird das nur einen gün­stigen Einfluß.auf unsere auswärtigen Bezieh­ungen haben. Freilich waren die Verhandlun­gen getragen von einer starken Kriftk der Lei­tung unserer auswärtigen Politik. Aber es heißt die Lage völlig verkennen, wenn man an­nehmen wollte, daß diese Kritik etwas anderes bezweckte als den Weg zur Besserung zu zeigen. Ist doch auch die Erregung des Volkes während der Marokkoverhandlung weniger auf den Unwillen über einen Mißerfolg zurück zu führen, so wäre sie in ihrer Allgemeinheit über­haupt nicht zu verstehen. Seit den Tagen Ca­privis hat man im Volke die Ueberzeugung, daß um unser Ansehen in der Welt zu erhalten und um entsprechend der wachsenden Bedeutung un­seres Volkes in jeder Hinsicht vorwärts zu kom­men fassche Weg« eingeschlagen find. Wir haben uns ständig für internationale Interessen her­umgeschlagen. Wir haben uns bald hier, bald dort engagiert, haben die Phrasen der andern blutig ernst genommen um schließlich selbst leer auszugehen. Statt Dank für unsere Selbstlofig- keit haben wir uns noch Verdächtigungen als des eigentlichen Störenfriedes gefallen lassen müssen. Die Geschichte des Marokkohandels ist dafür ja ein klassisches Beispiel. Wir haben um ein nichts Ding« inszeniert, wie die Tangeifahrt des Kaisers, die Entsendung desPanther" nach Agadir, die als Drohungen aufgefaßt wurden, und da ihnen weitere Schritte nicht folgten al» Rückzug gelten mußten. Wovor? Vor der Ueber- macht der andernLa Prusse cane". Im Volke aber arbeitet man still und rastlos und liebt die erfolglosen Inszenierungen nicht. Man erwartet denn auch mehr und ist enttäuscht. Die Regierung aber klärt das eigne Volk nicht auf über da», was man vorhat. In England und Frankreich geht das, die Verbindung mit der Presse ist stets intakt, bet uns nicht. So mußte es kommen, wie es gekommen ist, die Verhand­lungen um Marokko, nicht zum wenigsten auch, daß wir im Dunkeln trpyten, während die Fran­zosen so ziemlich immer wußten, worum es sich drehte, die immer anmaßendere Sprache franzö­sischer und englischer Minister uns gegenüber, mußten schließlich zu einer Erregung über die Mißerfolge nach außen führen, für die sich die Volksvertreter zum Anwalt machten. Was nutzt es, sie zu verschweigen. Zweifellos haben gerade die jetzigen Führer am wenigsten Schuld an allem. Sie haben ein schlimmes Erbe übernom­men und geglaubt, aus der verfahrenen Situa­tion gerettet zu haben, was zu retten war. Das berechtigt aber nicht dazu, sich darüber zu be­schweren, daß der Finger auf eine Wunde gelegt wird, die baldige Heilung erheischt. Das deutsche Volk will weder mit dem Säbel rasseln, noch daß damit gerasselt wird, es will gerade eine ge­räuschlose, aber stetige und erfolgreiche Polittk die frei ist von Phantomen wie Wlkerverbrüde- rung usw. Es weiß, daß seine Schwäche das Signal zum Kriege wäre und wird einer selbst­bewußten Regierung gerne folgen. Aus der Er­regung des Augenblickes erheben sich die allge­meinen treibenden Gesichtspunkte. Auch dem Kanzler werden die Verhandlungen gezeigt ha­ben, was oie Stimmung des Volkes will. Hat er auch das jetzige Resultat nicht so heraus holen können, daß es dem Volke gerecht wurde, und kann man ihm darauf einen Teil seiner Er­regung zugute rechnen. Es ist begründete Aus­sicht, daß die Regierung auch den Aeußerungen des Unwillens die Bedeutung zumißt, die sie v^dienen.

Uebcr die Kritik hinaus wollen wir hoffen, daß der Kanzler der wahren Stimmung des Vol­kes weiterhin gerecht wird, hat er doch gerade auch in den letzten Verhandlungen gezeigt, daß die sachlichen Gesichtspunkte bei ihm die wesent- luijen find.

Marokko

Hu» bet BNdgetkommisslmt des Reichstages.

Berlin, 14. Nov. In der Budgetkommission des Reichstages gab heute Staatssekretär Dr. Del­

brück namens der verbündeten Regierungen eine Erklärung ab, in der es heißt: Die Reichsleitung ist im Einvernehmen mit den verbündeten Regierungen auch nach erneuter Prüfung der Ueberzeugung, daß die deutsch-französischen Abkommen vom 4. November zu ihrer Gültigkeit di« Zustimmung der gesetzgeben­den Körperschaften nicht bedürfen. Kein Artikel greift in di« deutsche Zoll- und Handelsgesetzgebung ein. Richtig ist, daß einzeln« Bestimmungen der Algeciras-Att« abgeändert worden sind, nicht aber, daß jene Bestimmungen von dem Bundesrat und dem Reichstag genehmigt worden wären. Der Bundes­rat stimmt« niemals, der Reichstag nur aus Ver» sehen ien der zweiten, nicht aber auch in der dritten Lesung über die Algeciras-Akte selbst ab. Das Aus­führungsgesetz zur Algeciras-Akte wird durch das Abkommen überhaupt nicht getroffen, auch die deutsche Konsulargertchtsbarkeit in Marokko wird nicht ein- geschränkt. Die Frage, ob bei Erwerbung und Ab­tretung von Kolonialbefitz das Mitwirken der gesetz­gebenden Körperschaften erforderlich ist, muß verneint werden. Die Reichsleitung hält es daher nicht für erforderlich, die Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaften zu den Vertrügen nachträglich zu er­bitten. Auf der anderen Seite ist nicht zu verkennen, daß die Bestättgung des Reiches auf dem Gebiete der Kolonisation eine Entwickelung und Richtung genom­men hat, di« bei Schaffung des bestehenden Rechts­zustandes niemand vorhersehen konnte. Insbesondere lassen es die großen Aufwendungen für die Ein­richtung und den Ausbau der Kolonien gerechtfertigt erscheinen, daß zur Abänderung des bestehenden Rechtszustandes die gesetzgebenden Körperschaften in weiterem Umfange als bisher zur Mitwirkung bei dem Erwerb und der Abtretung von Kolonialge­bieten berufen werden. Bon den gestellten Anträgen erscheint der des Abg. v. Hertling am zweckmäßigsten. Die verbündeten Regierungen sind daher geneigt, unter Vorbehalt näherer Erörterung über bi« Fas­sung der Vorschrift den Wünschen der Reichstages auf diesem Wege entgegenzukommen. Im weiteren Verlauf der Beratungen bemerkte Staatssekretär von Kiderlen, daß das französische Eelbbuch über das deussch-franMsche Abkommen bisher nicht veröffent­licht wurde. Ob die deutsche Regierung ein Weiß­buch vorlegen werde, vermöge er nicht zu sagen. Das Material dazu werde sehr mager fein, denn di« Ver­handlungen seien mündlich geführt worden. Viel­leicht werde später durch eine Denkschrift eine histo­rische Darstellung der Verhandlungen gegeben. Nach der juristisch-staatsrechtlichen Debatte wies ein nationalliberaler Abgeordneter darauf hin, daß es ein Att politischer Klugheit ist, wenn der Reichskanzler den Reichstag nachträglich um Genehmigung zu dem Abkommen ersucht. Staaisserketär Dr. Delbrück er­klärt«, der Bundesrat hege die Auffassung, daß die Mitwirkung bet gesetzgebenden Faktoren nicht er­forderlich ist. Der Vertrag gelte ohne Genehmigung des Reichstage» nach außen hin. Es sei zu überlegen, gb es ratsam wäre, einem Anträge zuzustimmen, der für die Zukunft unabsehbare Folgen herbeiführen könne. Hierauf vertagte sich das Haus.

Au» bet französischen Kammer.

Paris, 14. No». Der Minister des Aeuheren de ©eines erklärte vor dem Kammerausschusse für aus« wärtige Angelegenheiten, daß auf Spanisch-Guinea und bas Desinteressement Deutschlands an den fran­zösisch-spanischen Verhandlungen bezügliche Klauseln beständen, wengleich sie nicht veröffentlicht worden seien. Sie seien in dem erklärenden Briefe infolge eines Uebereiickommens bet beutchen und französischen ©taatskanzleien nicht aufgenommen worden. Auf Befragen über den gegenwärtigen Stanb der fran­zösisch-spanischen Angelegenheit erklärte der Minister nicht antworten zu können, da er bis zum Schluß der Verhandlungen zum Schweigen verpflichtet sei. Dar­über befrag', ob es nicht ratsam sei, die Entscheidung des Ausschusses übet das deutsch-französische Abkom­men hinauszuschieben, bis alle Mch'e ihre Zustim­mung erteilt haben würben, antwortete be Seines, daß bie noch fehlenden Zustimmungen bald gegeben werden. Er bot den Ausschuß schließlich noch drin­gend, ihm bi« vorliegende Aufgabe sobald als mög­lich zu erledigen.

Einigung bet Maroktointeressenteu.

Paris, 14. Rov. Zwischen den Brüdern Mannes­mann und der Union des Mines ist eine Einigung erfolgt, auf Grund deren beide Teile alle ihre berg­baulichen Anrechte und Ansprüche in Marokko ein­werfen. In bet neuen Gesellschaft sind die Brüder Mannesmann und bie Union des Mines zu je 40 Prozent beteiligt. Zur Uebernahm« der restlichen 20 Prozent erklärten sich französische Banken bereit. Durch eine besondere Abmachung ist bett deutschen Abnehmern bas Vorzugsrecht auf 40 Probat bet Eisenerzausbeutung gesichert.

Der Krieg um Tripolis.

Tripoli», 14. Rov. (Agenzia Stefani.) In der Nacht zum 13. Nov. gab die feindliche Ar­tillerie Schüsse gegen Eidi Mesri ab. Kleinge­wehrfeuer folgt«. Die Italiener erwiderten es. Später sah men hier und dort sich Arabertrup- |

pen nähern. Die» ließ auf die Vorbereitung eines Nachtangriffes schließen, der jedoch aus­blieb. Der Feind ist überwiegend auf der Seite von Sidi Mesri tätig, wie wenn er beabsichtigte die linke Flanke zu umzingeln. Am 13. Novbr. mittag» war zwischen feindlicher Artillerie bei dem kleinen Fort Mesri und der italienischen Stellung in Sidi Mesri ein Feuergefecht. Eine Kompagnie Infanterie, die zum Schutze der Aus­räumungsarbeiten auf dem Schußfelde von Sidi Mesri auseinander gezogen war, wurde unter lebhaftes Feuer genommen, das aus einem ge­genüberliegenden Gebäude kam. Das Gebäude wurde von der italienischen Artillerie zerstört. Auf italienischer Seite hatte man zwei Verwun­dete. Trotz der unaufhörlichen Regengüsse hält die Gesundheit der Truppen an. In Ben-Ghast, Derna, Tobruk und Hom» ist die Lage unver­ändert.

Konstantinopel, 14. Nov. Die Redif- bw"ion in Ben-Ehasi wurde mobilisiert. Die aus Ven-Ghasi eingetroffenen türkischen Beam­ten wurden aufgefordert, zurückzukehren.

Konstantinopel, 14. Nov. Die Nach­richt, daß italienische Kriegsschiffe bei der Insel Nikaria erschienen seien, erweist sich als falsch. Bis gestern Abend ist kein italienisches Schiff tu den Gewässern des Archipels gesehen worden.

Syrakus, 14. Nov. (Agenzia Stefani.) An Bord des von Tripolis kommenden Damp­fersEgadi" zeigten drei Personen türkischer Nationalität verdächtige Haltung. Auf Befra­gen behaupteten sie zuerst, Kaufleute zu sein, ga­ben sich aber schließlich als Divifionsgeneral Muckil Bei, Stabsarzt Ahmed Teufik Abdullah und Jnfintterieoberft Mohamed Teufik Abdullah zu erkennen. Sie erklärten, aus Cyrenaika aus­gewiesen worden zu sein, weil sie Parteigänger des alten Regimes gewesen seien. Da sie weder Pässe noch andere Legitimationsporiere besitzen, wrden sie bis zum Eintreffen weiterer Anord­nungen überwacht.

Deutsches Mich.

Konservative Reichstagskandidatur. Bres­lau, 13. Nov. Zm Wahlkreise Namslau-Brieg stellten die Konservativen und der Bund del Landwirte anstelle des krankheitshalber zurück­tretenden Amtsgerichtsrates Perniok als Reichs­tagskandidaten den Chefredakteur derDeut- scheu Tageszeitung" Dr. Oertel-Berlin, auf.

Der Reichskanzlerüber den Parteien". Diese Ueberschrift gibt nicht unwitzig dieFrff. Ztg." folgender Meldung: Johannisthal, 14. Nov. Das LuftschiffSchwaben" ist heute vor­mittag um 11 Uhr 13 Min. bei schönem Wetter zu einer dreistündigen Fahrt in der Richtung Potsdam-Spandau aufgestiegen. An Bord be­finden fich 18 Passagiere, darunter der Reichs­kanzler und Gemahlin und Unterstaatssekretär Wahnschaffe.

Alsbezeichnende Tatsache" weiß die Ber­linerRational-Zeitung" mitzuteilen, daß der Staatssekretär des Auswärtigen Amts v. Ki- derlen-Wächter im Verlauf der gestrigen Reichs­tagssitzung den Abgeordneten Erzberger um ein« Unterredung bitten ließ, die nahezu eine Stund« dauerte. Der Staatssekretär machte dem Ver­treter der Zentrumspartei vertrauliche Mittei­lungen über die Stellungnahme des Reichskanz­lers zum Verfassungsabänderungs-Antrag de» Frhrn. v. Hertling und ließ fich vom Abgeordne­ten Erzberger über die Art, wie fich das Zentrum die weitere Behandlung des Antrags denkt, un­terrichten. Zm Anschluß an diese Mitteilung gab der Staatssekretär Herrn Erzberger verschie­dene Ausschlüsse über schwebende Fragen, die fich auf die auswärtige Politik beziehen. Die Unter­redung war streng vertraulicher Natur.

Zur Schließung des bayerischen Landtags. München, 14. Nov. Der Landtagsabschied, der heute nach Beendigung der Kammerfitzung den Abgeordneten übergeben wurde, zählt die Be­schlüsse beider Kamern des Landtags auf, sowie die Verabschiedung derselben durch die Krone. Er erwähnt besonders, daß die Staatsregierung auch weiterhin allen Streikbestrebungen in den Betrieben der Verkehrsanstalten mit allen br zur Verfügung stehenden Mitteln entgegentrete» werde. Der Landtagsabschied schließt: Die jüng­sten Vorgänge in der Kammer der Abgeordneten nötigen uns, von dem uns verfassungsmäßig zn- stehenden Rechte der Auflösung be» Landtag, Gebrauch zu machen. Unser Bestreben wird, wie