Marburg
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Erstes Blatt
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verboten.)
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im einzelnen richtig find, darf man füglich bezweifeln.
46. Jayrg.
1911.
Der Unzergenprers veiragi pit vir 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 j., bei auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 40 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt ole Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlich.
zwischen den italienischen Linien und der Stadt schossen. Diese Unterdrückung ist nicht von einzelnen Soldaten, sondern von Abteilungen (Kompagnien oder kleineren Abteilungen) unter dem Befehl von Offizieren vollzogen worden. Man erschoß auf der Stelle Personen, die mit der Waffe in der Hand angetroffen wurden. Diejenigen, die verdächtig waren, am Aufruhr teilgenommen zu haben, wurden vom Kriegsgericht abgeurteilt. Solche, bei denen belastendes Beweismaterial gefunden wurde, wurden er- schofien, die übrigen, ebenso die Frauen und Kinder, wurden in großer Anzahl nach den italienischen Deportationsinseln geschafft. Wenn Frauen- und Kinderleichname in der Oase gefunden wurden, so handelt es sich um Personen, welche Kugeln zum Opfer gefallen sind, die während der Angriffe oder Kämpfe abgeirrt waren, zu denen die oben erwähnte Unterdrückung Anlaß gab. Solche bedauerliche Vorkommnisie find unvermeidlich, die Folgen eines jeden Krieges.' Die Truppen bewiesen selbst bet den Unterdrückungsmaßregeln großen Edelmut.
Man wird diesem offiziösen Beschönigungsversuch sehr skeptisch gegenüberstehen müssen. Die gemeldeten Vorgänge find durch soviel zweifelsfreie Zeugen bestätigt worden, daß man es verantworten kann, derartige offiziöse Meldungen als unrichtig zu bezeichnen.
gen Herrn v. Lindequist geißelte, da klatschte der Kronprinz in die Hände.
Ein großer Tag! Schwieg auch das Parteigezänk nicht ganz und wußten auch die Radikalen ihrem Fraktionshaß gelegentlich Ausdruck zu geben, so bleibt doch das Bild, daß die Redner der großen bürgerlichen Parteien er verstanden, warme vaterländische Töne mit Glück zum Ausdruck zu bringen. Der Beifall, der ihren Erund- anschauungen ward, wird durch das ganze Volk gehen, und es ist bedauerlich, daß die offiziellen Leiter unserer Politik diesmal nicht davon getroffen werden.
mir ist so angst — ich weiß nicht, was plötzlich zwischen uns steht. Aber ich fühle — es ist da. Willst du nicht offen zu mir sein? Trifft mich irgend et* Verschulden? Sag' es schnell, damit ich es gut mache* kann"
„Mein, nein. Ich bitte dich, miß meiner 3$er« stimmung keine Bedeutung bei. Komm, ich bin schon wieder vernünftig. Zank mich aus, daß ich dir wie ein alter Griesgram das Leben schwer machte" —
Einige Tage später, als fie bei Tische saßen, fragte Wendheim plötzlich:
„Gabi — ich habe dich nie danach gefragt — ist der Mann, den du einst geliebt hast, in dieser Stadt anwesend?"
Sie wurde rot bei dieser Frage, sah ihn aber ruhig an.
„Warum kommst du gerade jetzt darauf?"
.Ich wollte dich schon immer einmal danach fragen, habe es jedoch immer wieder vergessen. Wen* du es mir nicht sagen willst — ich zwinge dich nicht."
„Doch, du kannst es wissen. Ja, er ist hier." „Kenne ich ihn?"
„Du kennst ihn sehr gut. Aber bitte, frag mich nun nicht weiter. Ich könnte dir ja seinen Name* ruhig nennen, es ist aber besser, du bleibst ihm gegenüber aber unbefangen."
„So — meinst du?"
Sie faßte plötzlich nach seiner Hand.
.Herbert — Liebster — hängt am Ende gar beim Mißstimmung mtt der alten Geschichte zusammen?"
Er lachte gezwungen.
(Fortsetzung folgt).
zahlte, daß Heinz kaum noch außerdienstlich für ihn zu sprechen wäre und sich von allen zurückzöge.
„Das ist wohl verständlich, Fred. Römer ist doch in Trauer um Ingeborg," sagte Gabi.
„Ach, das ist ja Unsttm. Deshalb braucht er sich nicht förmlich zu verkriechen. Er soll doch versuchen, wieder fröhlich zu werden im Kreise seiner Kameraden. So tief war doch seine Liebe zu Ingeborg nicht, da wollen wir uns doch nichts weiß machen. Hinter seiner Kopfhängerei muß doch noch etwas anderes stecken."
Fred sah dabei Gabriele forschend an. Sie erfaßte seine Gedanken und wurde glühend rot, sehr gegen ihren Willen. Und als sie in diesem Augenblick ihres Mannes Blick forschend auf sich gerichtet sah, wurde sie noch röter. Sie wußte selbst nicht, warum. Es war wohl Unmut über Freds deutlich zur Schau getragenen Verdacht, daß er Heinz Römers „Kopfhängerei" mit ihr in Verbindung brachte. Sie war ärgerlich auf sich und Fred.
Dieser war längst wieder zu einem anderen Thema übergegangen. Er neckte sich mit seiner Frau. Die beiden waren sehr glücklich in ihrer fröhlichen sorglosen Ehe. Für sie war alle Tage Sonnenschein. Von Sorgen und Aergerniffen waren fie verschont. Eie waren auch beide viel zu leichtlebig und wohlgemut, um fich das Leben schwer zu machen. Probleme gab es weder bei ihm, noch bei ihr zu lösen.
Wendheim war auffallend still und beteiligte sich nur wenig am Gespräch. Und Gabi fühlte fich sehr unbehaglich in Gesellschaft der beiden jungen Leute. Str war sehr froh, als diese sich, lachend und fröhlich wie immer, endlich verabschiedeten.
Herbert war ans Fenster getreten und ftmte düster hinaus. Gabriel« trat zu ihm.
Ein großer Tag.
stand gestern auf der Tagesordnung des Reichstags. Das Haus war bis auf den letzten Platz besetzt, die Tribünen überfüllt, Hof- und Diplomatenlogen von Uniformen glitzernd; in erster Reihe der Kronprinz, der jetzige Chef der Totenkopfhusaren, der eigens von Danzig herübergekommen ist. Und doch nicht ein Tag der Sensationen, sondern des bittersten Ernstes, der sich auch in der im Saale herrschenden Spannung bemerkbar machte. An anderer Stelle berichten wir heute ausführlicher als es sonst möglich ist, über die Verhandlungen. Hier möge mit einigen Worten das Fazit gestreift werden. Der Reichskanzler hat einen schweren Stand, als er sich erhebt, um das Verhalten der Regierung zu rechtfertigen. Trocken und fast ohne Beifall rauscht die Begründung der Haltung der Regierung, für die er kein Lob, aber auch keinen Tadel erwartet, vorüber, und nur da, wo er falsche Gerüchte über die Stellungnahme des Kaisers, über die Kriegsbereitschaft unserer Marine usw. richtigstellt, hat er Beifall. Wenn er als Verdienst der deutschen Politik in Anspruch nimmt, daß wir dem Anerbieten von Landerwerb in Marokko nicht nachgelaufen sind, erhebt sich schallende Heiterkeit. Ebensowenig Glück hat der Kanzler mit seiner Motivierung der Gesamthaktung. Seine Worte —über den Rücktritt des Herrn v. Lindequist, der - prinzipielle Einwände Legen eine Abtretung deutschen -Landes geltend machte, sind geeignet, weniger dem Reichskanzler, als Herrn v. Lindequist die Sympathie zuzuwenden. Sympatisch muß es berühren, daß er wenigstens die Tüchtigkeit v. Lindequists anerkennt.
Die Debatte wird den Reichskanzler belehrt haben, daß die Parteien eine andere Auffassung von der eigentlichen politischen Pflicht des Reiches in auswärtigen Dingen haben, und es mag ihm ein eigenartiges Gefühl gewesen sein, daß Bebel sich an seine Seite stellte, wie in den Tagen der elsaß-lothr. Verfassungsfrage. JDajj dieser alte Herr wieder einmal einen Kladderadatsch prophezeite, wenn die Rüstungen so fort gehen, mag nur nebenher erwähnt sein. So etwas erweckt nur Heiterkeit. Die Sprecher der Konservativen, des Zentrums und der Rational- liberalen polemisierten mit guten Gründen gegen die Ausführungen des Kanzlers. Besonders nahm sich Herr v. Heydebrand die angeblichen Tischreden englischer Minister heraus, und stürmische: Beifall folgte, als er erklärte, solche „Tischreden" verbitte sich das deutsche Volk. Der Kronprinz nickte dem Redner Beifall, als er erklärte, daß wir uns nicht durch Nachgiebigkeit, sondern durch das Scbwert den Frieden sichern, und als Herr v. Heydebrand das Verfahren ge
Ausland.
** Der Marokkovertrag in der französische« Kammer. Paris, 9. Rov. In der Kammerkommission für auswärtige Angelegenheiten begann die Beratung der Vorlage über die Ratifikation des deutsch-ftanzösischen Abkommens. Zu der Sitzung war auch der Minister des Aeußern erschienen, um entsprechende Aufklärungen zu geben.
** Konflikt zwischen Regierungskommissar und General. Paris, 9. Rov. Aus lldschda wird gemeldet: Zwischen dem interimistischen Regierungskommissar Kammerer und General Toutöe ist ein Konflikt ausgebrochen. Kammerer ließ die von den spanischen Behörden ausgelieferten eingeborenen Mörder des französischen Polizei- beamten Meyer in das Zivilgefängnis werfen. General Toutäe ließ jedoch durch Soldaten die beiden Verbrecher nach dem Militärgefängnis und sodann an einen bisher unbekannt gebliebenen Ort bringen. Kammerer erhob bei der Regierung Einspruch gegen das Vorgehen des Generals Toutöe.
** Der spanisch - französische Geheimvertrag. Paris, 9. Rov. Der spanisch-französische Geheim-
£te „Cuerufntfdje Zcuung' erjajetnt laatich mit tiu^nar ... üei und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch
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„„„ _______ _________,_J ins Haus. (Für unver
langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:
Dr. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 55.
Deutsches Reich-
— Reichskanzler und Teuerungszulage der Pe*- fionäre. Wie mitgeteilt wird, ist vorn Zentralverband pensionierter deutscher Reichs-, Staats- und Gemeindebeamten an den Reichstag und den Bundesrat eine Eingabe gerichtet worden, in der angesichts der gegenwärtigen Teuerung die Gewährung sofortiger Teuerungszulagen erbeten wird. Auch wird der Reichskanzler eine Deputation der Altpenfionäre in einer Audienz empfangen, in der ihm die Wünsche der Pensionäre vorgetragen werden sollen. Die Alt- penstonäre weisen darauf hin, daß ihre Pensionen noch nach den vor Jahrzehnten üblichen Gehälter* bemessen worden seien.
— Das Oberverwaltungsgericht über das Steuerprivileg der Beamten. Wie mitgeteilt wird, hat das Oberverwaltungsgericht vor kurzer Zeit eine bedeutsame Entscheidung über das Steuerprivilegium der Beamten gefällt. Es stellte nämlich fest, daß fich das Beamtenprivilegium nur auf birette Gemeindeabgaben, nicht aber auch auf indirekte oder auf Gebühren beziehe. Eine Stadt, oder eine Gemeinde habe nicht einmal das Recht, bei ihren Beamten auf die Erhebung von Gebühren durch Privatvertrag zu verzichten.
— Bo« der Flotte. Kiel, 9. Rov. Das erste Linienschiffs-Geschwader, von Wilhelmshaven kommend, ist heute nachmittag 2y2 Uhr im hiesigen Hafen eingelaufen. Die Aufklärungsschiffe kehren morgen von ihrer Uebungsreise hierher zurück, sodaß während der bevorstehenden Rekrutenvereidigung durch den Kaiser die gesamte Hochseeflotte im hiesigen Hafen versammelt sein wird. .
Politische Umschau.
- Kronprinz und Reichskanzler.
Die „Rattonalzeitung" schreibt: „Wie wir erfahren, ist der Kronprinz über die nach seiner Ansicht ««gliche Marokkopvltttk der Reichskanz-' lers und über den Rücktritt des Herrn v. Lindequist sehr bestürzt. Der Kronprinz hat, wie unzuverlässig mitgeteilt wird, mit seinen Brüdern sich von Danzig aus über diese Frage verständigt, um beim Kaiser darauf hinzuwirken, daß die Situation nicht noch weiter verfahren werde. Auch die Kaiserin soll für dieses gemeinsame Vorgehen interessiert werden. Selbst ein (in solchen Fällen ja immer parates) Dementi wird die Richtigkeit dieser Meldung nicht erschüttern."
Die „Post" schreibt dazu: „Wir können aus eigener Kenntnis der Dinge hinzufügen, daß bereits zur Zeit des Höhepunktes der Marokkokrise der Kronprinz und seine älteren Brüder (mit einer Ausnahme zwar) ihrem Bedauern über unsere amtliche Politik rückhaltlos Ausdruck gegeben und aus ihrer Ueberzeugung kein Hehl gemacht haben, daß unser ängstliches Zurückweichen gegenüber der anmaßenden Haltung Frankreichs den praktischen Bedürfnissen Deutschlands kaum entsprechen dürfte. Eine Aende- rung in der Ueberzeugung der Prinzen ist seitdem unseres Wissens nicht eingetreten."
Das Verhalten des Kronprinzen während der Reichstagsverhandlung scheint diese Ausführungen zu bestätigen. Ob allerdings die Meldungen
Der Krieg utu Tiipolis.
Die Kämpfe in der Nähe von Tripolis dauern fort. So fand nach dem Konstantinopeler Blatte „Sabah" am 7. November bei Suk el Djuma, 5 Kilometer südöstlich von Tripolis, ein Kampf statt, in dem die Türken Sieger blieben. Die Italiener hatten große Verluste. Sie machten einen Gegenangriff, wurden jedoch zurückgeschlagen. Die Türken besetzten vier artesische Brunnen, die von den Italienern außerhalb Tripolis gebohrt worden waren. Der Mutesarif und einige Beamte aus Benghasi sind in Konstantinopel angekommen.
Auch vom 8. und 9. d. M. sind wieder einige Scharmützel zu verzeichnen, bet denen der Feind das Gelände, das überall Gelegenheit zu Ueber- fällen aus dem Hinterhalt bietet, ausnützte, um die Aufklärungsarbeit der Italiener zu stören. Das 93. Infanterieregiment, das besonders stark engagiert war, hatte 2 Tode und 26 Verwundete. Die Araber wurden an verschiedenen 'Punkten von der italienischen Artillerie wirksam beschossen, worauf fie sich zerstreuten. Italienische Kundschafter berichten, im türkischen Lager herrschen außer der Cholera auch Blattern.
Zn Tripolis ist, wie schon gemeldet, der amerikanische Kreuzer „Chester" eingetroffe», um den amerikanischen Konsul an Bord zu nehmen wegen der Gerüchte in der türkischen Presse von der bevorstehenden Einnahme von Tripolis. Um diesen Gerüchten nicht neue Nahrung zu geben, lehnte der Konsul es ab, jetzt abzureisen, und versicherte seiner Regierung, in Tripolis sei alles ruhig, es bestehe keine Gefahr für die Europäer. General Caneva dankte dem Konsul für seinen Entschluß. Der Kreuzer „Chester" ging an demselben Abend weiter.
Die Nachrichten von den Grausamkeiten der Italiener in Tripolis werden jetzt von offiziöser italienischer Seite abgeschwächt. Die italienische Botschaft in Berlin erklärt: Bei den erschossenen Arabern handelt es sich nicht um diejenigen, welche mit den Türken zusammen vor den italienischen Truppen kämpften, sondern um solche Araber, welche, nachdem sie fich unterworfen hatten, dabei überrascht wurden, wie sie auf die italienischen Truppen in der Oase von Tripolis
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage"
Die Geschwister.
Roman von H. Eourths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Die Nachricht von Jngeborgs Tod hatte Gabriele tief erschüttert. Noch mehr war aber Wendheim dadurch betroffen. Er bedauerte Ingeborg sehr, aber unruhiger machte ihn der Gedanke, daß Römer nun wieder frei war. Wenn Gabi nicht seine Frau geworden wäre, jetzt könnte sie ftt$. mit dem einstigen Geliebten verbinden. Er war Jngeborgs Erbe, reich und unabhängig. Boll heimlicher AnM beobachtete er seine Frau. Hegte sie nun solche ober ähnliche Gedanken? Sie kam ihm ernster und stiller vor. Daß Gabriele sich um ihn selber sorgen könnte, fiel ihm nicht ein. Und doch war bas ber einzige Grunb zu Gabis stillem Wesen.
Sie merkte sehr wohl, baß Herbert sehr blaß aussah unb oft an nervösen Verstimmungen litt. Der glüchtrahlende Frohsinn, ber ihn seit ben seligen Tagen in Rocco bi Papa beherrschte, schien wie fortge» wischt. Ahnungslos, was in ihres Mannes Seele Vorging, suchte sie vergeblich nach dem Grunb zu seinem verstimmten Betragen.
Er trug die quälenden Zweifel still mit sich herum unb sein Benehmen Gabi gegenüber war sehr wechsel- Vvll. Ueberfträmte et sie heute mit zärtlicher Glut, s» hielt et sich morgen von ihr fern unb wich ihr aus. Fragte sie ihn mit liebevoller Dringlichkeit, was ihm ft$(e, so fertigte er sie mit Ausreden ab. Er wurde sogar einige Male unfteunblich zu ihr.
Eines Tages, als Fred mit seiner Frau bei ihnen W Tische «ar. sprach man übet Römer. Fred er»
„Herbert, was ist dir nur wieder?"
Er zog die Stirn kraus.
„Nichts, nichts."
„Du stehst so finster aus."
„Man kann doch nicht immer lachen wie dieses fidele Ehepaar."
„Sind dir die beiden unangenehm?"
.Rein doch. Herrgott — laß mich doch in Ruhe mit deinen Fragen."
Sie umfaßte seinen Atm unb sah traurig in fein Gesicht.
„Herbert, manchmal meine ich jetzt, du hast mich gar nicht mehr lieb."
Er sah fie an. Sein Blick wurde weich. „Hältst du es für möglich, daß man einen Menschen, den man geliebt hat, nicht mehr lieben kann?"
Sie ertötete leicht.
„Ja — unter gewissen Umständen."
„Und welche Umstände waren das?"
„Alles kann ich dir nicht aufzählen. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, daß man über einet zweiten Liebe die erste vergessen kann."
„Und schließlich vergißt man über bet ersten wieder die zweite, wenn fie von neuem ersteht," sagte er gepreßt
„Herbert, warum redest du so sonderbares Zeug?"
Sie hatte in haltlosem Schreck die Hände herabsinken lassen unb in ihren Augen stanben Tränen.
„Verzeih — ich wollte bich nicht kränken. Achte nicht auf mich, Gabi, ich bin ein wenig nervös unb verstiwmmt."
Sie zwang ihre Tränen hinunter.
„Herbert, noch nie warst bu so fremd unb so sonderbar zu mit, wie jetzt. Richt einmal bamats, als ich beinen Wert noch nicht erkannt hatte. Liebster,