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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Vellage"

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und Feiertage. Der Bezugspreis betrvierteljährlich durch die Post bezogen 2.26 JL (ohne Bestellgelds, oti unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 M frei ins Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:

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Marburg

Freitag, 10. November

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46. Jahrg.

1911.

Magüzinsiationen dienen sollen. Lindequist hat bis

Erstes BlKtt.

Der Krieg um Tripolis.

Bon» Kriegsschauplatz«.

T r p o l i s, 8. Nov. Gestern mittag fand ein weiterer kleiner Angriff auf die 8. Kom­pagnie des 13. Infanterieregiments statt, die von Hamidie zur Rekognifzierung einen Vorstoß nach Ccharafchat unternommen hatte. Die Kom­pagnie, die plötzlich auf dem rechten Flügel an­gegriffen wurde, machte Front gegen den Feind, während gleichzeitig auch von rechts die 7. Kom­pagnie desselben Regiments gegen die Flanke des Feindes vorrückte. Alsbald war auch der Rest des Bataillons in den Kampf verwickelt, wobei die Truppen von je einer Batterie Ge­birgsgeschützen, Schnellfeuerkanonen und von der Schiffsartillerie unterstützt wurden. Der Kampf war sehr lebhaft und dauerte über eine Stunde, bis der Feind sich zurückzog. Er ließ etwa 80 Tote auf dem Platz. Die Italiener hatten 15 Verwundete.

Rom, 8. Nov. DieAgenzta Stefani" mel­det aus Kairo: Die türkischen Offiziere, die sich auf dem Wege nach der tripolitanischen Grenze befanden, sind angewiesen worden, umzukehren.

Wie der Berichterstatter derFranks. Ztg." meldet, wütet die Cholera unvermindert fort; täglich kommen Hunderte von Neuerkrankungen und ungefähr 200 Todesfälle unter der Bevöl- ßerung 50 unter den Truppen vor. Alle Spitäler find überfüllt und keines cholerafrei. Die Epi­demie wächst den Behörden vollständig über den Kopf. Neben der Cholera nimmt der Typhus zu. Wie ernst die Lage von unbeteiligten Mächten beurteilt wird, zeigt, daß der amerikanische KreuzerChester" vor Tripolis eingetroffen ist, um den Konsul und die amerikanische Kolonie einzuschiffen.

Di« Grausamkeiten der Italiener.

Im österreichischen Abgeordnetenhaus fragte der Abg. Ryber den Präsidenten, ob er geneigt sei, sein Bedauern über die Ereueltaten der Italiener auszusprechen. Der Präsident er­widerte, wenn Ereueltaten vorgekommen seien, so seien sie unter allen Umstanden zu bedauern. In diesem Falle liege kein authentischer Bericht vor, daher könne er sich nicht äußern. Uebrigens habe der Abgeordnete Breyter heute eine Inter­pellation derselben Angelegenheit beim Minister­präsidenten eingebracht. Die Regierung werde also Gelegenheit haben, darauf zu antworten.

In der türkischen Kammer antwortete der Minister des Aeußern auf die Interpellation be­treffend die italienischen Grausamkeiten in Tri­polis. Der Minister erklärte, die ersten Nach­richten über die Grausamkeiten der Italiener, die von der Presse gebracht wurden, seien durch amtliche Berichte bestätigt worden. Die Pforte richtete an die Mächte eine Protestnote gegen die Grausamkeiten, die für Italien einen unaus­löschlichen Schandfleck bedeuteten, und bat ein Ende zu machen. Am 3. November habe die Pforte eine neue Protestnote an die Signatar­mächte der Haager Konferenz gerichtet. Es sei zu hoffen, daß dieser Schritt auf Entgegenkommen stoßen und den Grausamkeiten der Italiener ein Ende machen werde, die in der ganzen zivili­sierten Welt lebhafte Empörung hervorgerufen hätten.

Die Italiener leugnen natürlich immer wie­der die Ereueltaten, die von ihren Soldaten in Tripolis begangen worden sind, ab. So erklärt die italiensche Botschaft in Berlin, daß nach dem bei der Regierung in Rom eingeaangenen Be­richt des Oberbefehlshabers tn Tripolis kein Befehl erteilt worden ist, daß alle Araber, die berechtigt verdächtig erschienen, gegen die Ita­liener die Waffen geführt zu haben, erschosien werden sollten, vielmehr seien dank dem Edel­mut der italienischen Truppen sogar die Araber, die Waffen führten, nur festgenommen und nach Italien deportiert worden. Eine Anzahl der in Freiheit gesetzten Araber hätten wieder die Ita­liener hinterrücks beschosien.

Gegenüber derartigen Ableugnungsversuchen mutz denn doch darauf hingewiesen werden, daß drei Kriegskorrespondenten, der Vertreter des Reuterbüros, der Vertreter derMorningpost" «unb ein dritter sich bereit erklärt haben, unter Did ihre Bekundung dahin zn machen, daß sie |

selbst Augenzeugen von unglaublichen Greuel- . taten der Italiener gewesen seien, die unschul­dige Araber, Männer, Weiber und Kinder, auf offener Straße erschosien. Außerdem ist auch fest­gestellt worden, daß der Kawaß des deutschen Konsuls, der einen verwundeten Araber erdolcht haben sollte, lediglich auf das ungenaue Zeugnis eines kleinen Mädchens hin zum Tode verurteilt wurde, und wie ist diese Todesstrafe vollstreckt worden! Nach der ersten Salve stand der Delin­quent noch, nach der zweiten stürzte er verwundet zusammen und erst der Gnadenschuß eines Offi­ziers beendete die grausame Exekution.

Die Annektion.

Am Dienstag wurde in Tripolis das Dekret betreffend die Annektion von Tripolitanien offi­ziell bekannt gegeben. Die Bekanntgabe wurde, entgegen anderslautenden italienischen Berich­ten, ziemlich gleichgültig ausgenommen. Die Pforte erklärt in der an die Großmächte gerich­teten Protestnote, sie betrachte die Annektion für null und nichtig und ohne jede Bedeutung, weil sie den elementarsten Grundsätzen des Völker­rechts zuwiderlaufe. Die Türkei und Italien befänden sich noch in vollem Kriegszustände. Die Pforte beabsichtige, ihre unverjährbaren und un­veräußerlichen Souveränitätsrcchte über die bei­den Provinzen mit den Waffen zu behaupten und zu verteidigen.

Politische Umschau.

Lindequist.

DieKöln. Ztg." erklärt, daß die Angriffe auf Herrn v. Lindequist nicht auf Regierungs­stellen zurückzuführen sind, und dieDeutsche Tageszeitung" bestätigt das, weil sie meint, daß es nicht schwer sein würde, die Hintermänner derK. Z." nach Art und Namen zu ermitteln: es handelt sich offenbar um alte Gegner der Lindequistschen Kolonialpolitik, die mindestens nicht fern vom Lager der Landgesellschaften zu suchen wären.

DieNationalzeitung" bringt aus Bundes- ratskreisen eine Darstellung des Rücktritts von Lindequists. Es heißt da:

Als Lindequist im Laufe des Sommers di« Ab­sicht des Auswärtigen Amtes erkannt«, die Verhand­lungen mit Frankreich ohne Heranziehung des Kolonialamtes zum Abschlusie zu bringen, überreichte er sein Abschiedsgesuch. Der Reichskanzler allerdings erblickte in dem Verlangen des Kolonialstaats- sekretärs eine Ueberschreitung seiner Befugnisie, da nach der Reichsverfassung die Entscheidung über die Mitwirkung von Reichsämtern ausschließlich dem Reichskanzler zusteht, erklärte sich aber trotzdem be­reit, dem Wunsche des Kolonialstaatssekretars zu entsprechen. Lindequist zog aus Grund dieser Zu­sicherung sein Abschiedsgesuch zurück, nachdem ihm die Erundzilge des beabsichtigten Abkommens mitgeteilt wurden. Nach eingehendem Studium des Entwurfs und Beratung mit seinen fachkundigen Herren versah ihn Lindequist mit einer großen Anzahl von Be­merkungen, die Forderungen enthielten, di« der Staatssekretär vom Standpunkt seines Resiorts als unerläßlich bezeichnete. Herr von Kiderlen-Wächter sucht« im Lauf« der Verhandlungen die Wünsch« seines Kollegen bei der französischen Regierung durchzudrücken, was ihm aber nur zum kleinsten T«il gelang. Zur Zeit, als Lindequist seine Zustimmung gab, die Gerücht« über seine Rücktritsabsichten zu dementieren, war der Vertrag iroch nicht perfekt, und es bestand noch immer die Aussicht, daß die fran­zösische Regierung bezüglich einiger von Lindequist als unumgänglich notwendig bezeichneten Forde­rungen Entgegenkommen zeigen werde. Diese Hoffnung erfüllt sich aber nicht, Lindequist wurde vor eine vollendet« Tatsache gestellt und bestand auf seinem Rücktritt."

Das Blatt erfährt noch, daß der Reichskanzler die offiziöse Anrempelung des scheidenden Staatssekretärs entschieden mißbillige. Der Kaiser soll das Verhalten des früheren Staats­sekretärs, der nach seiner Auffasiunq durch sein unzeitgemäßes Ausscheiden btr Reichspolitik einen sehr schlechten Dienst erwiesen, also sich ge- wisiermaßen derFahnenflucht" schuldig gemacht habe, tadeln.

In diplomatischen Kreisen werden di« bisherigen Mitteilungen über die Ursachen zu dem plötzlichen Rücktritt Lindequists für sallch erklärt. Der tatsäch­liche Grund für den plötzlichen Entschluß Lindequists soll der Artikel VIII. des Marokko-Vertrages sein, in dem bestimmt wird, daß die französische Regierung unter besonderen Bedingungen längs des Benue und bfr: Mayo-Kebi, sowie der Richtung auf den Logon« zu von der deutschen Regierung Grundstück« von 50 Hektar pachten wird, di« der Errichtung einet Etappenstraße und für Verproviantierung und

zum Tage seines Abschiesgesuches von dieser Ab­machung keine Kenntnis gehabt und wollte nicht di« Verantwortung dafür übernehmen, daß auf deutschem Gebiete eine französische Militärabteilung «inen Platz erhält, da dies« Abmachung nicht nur vom nationalen, sondern auch vom militärischen Stand­punkte aus schwer« Bedenken zu erzeugen imstande ist.

Di« Präfid«nt«nwahl in der sächsischen Kammer.

In bet 2. sächsischen Kammer hat vorgestern eine Präsidentenwahl stattgesunden, die in jeder Hinsicht interessant ist. Die Kammer zählt 91 Abgeordnete. Die stärkste Partei in ihr bilden unter Zurechnung zweier Reformer die Konser­vativen mit 29 Mitgliedern. Die Nationallibe­ralen und die Sozialdemokraten find je 26 Mann stark, während die Fortschrittliche Volkspartei über 8 verfügt. Zu den Liberalen kommen noch zweiWilde", zwei ehemalige Nationallibcrale. Den gerechten Anspruch der Konservattven, als bei stärksten Partei, auf bie Präsidentschaft in bet Kämmet haben die Liberalen vermöge ihrer relativen Mehrheit mißachtet. Die Folge war di« Nichtbeteiligung der Konservativen an der Präsidentenwahl. Die Sozialdemokraten aber unterstützten hierbei die Liberalen nicht, weil diese ihnen einen Vizeprästdentenposten nur unter der Bedingung zugestehen wollten, daß sich bet Gewählte verpflichte, an bet feierlichen Er­öffnung des Landtages durch den König teilzu­nehmen. Die Bedingung hatten die Roten ob» gelehnt. So kam es, daß die nationallibcrale Kammerpräsident nut bet Vertreter bet aus den beiden liberalen Fraktionen zusammengesetzten Minderheit ist. Die Wahl fand am 8. November statt. Der bisherige (nationalliberale) Präsi­dent Dr. Vogel erhielt 35 Stimmen, die Sozial­demokraten gaben 25 Stimmen für denGe­nossen" Fraeßdorf, die Konservativen weiße Zettel ab. Bei bet Wahl bes ersten Vizepräst- bentcn entfielen auf den konservativen Abgeord­neten Opitz 33 Stimmen, auf Fraeßdorf 27 Stimmen. 28 weiße Zettel wurden wiederum abgegeben. Opitz dankte für das Vertrauen, lehnte aber infolge einmütigen Beschlußes seiner Fraktion die llebernahme des Amtes ab. Es ent­spann sich eine Eeschäftsordnungsdebatte, in der bet Abg. Opitz den Standpunkt einnahm, daß die stärkste Partei nach Parlamentsbrauch auch den Präsidenten stellen müsie. Nach einer halb­stündigen Pause erklärten die Freisinnigen, daß sie mit bet Wahl eines Sozialdemokraten einverstanden seien und für den Abg. Fraetz- borf stimmen würden, und nun ergab sich das wundervolle, aber Höch st bezeichnende Schauspiel, daß die Freisinnigen den Sozial­demokraten wählten, während die Nationallibe­ralen dem freisinnigen Abg. Bär ihre Stimm« gaben. Die Freisinnigen haben also ihren eigenen Fraktionsgenosien im Stiche gelasicn. Es folgte die weitere Konstituierung die Prä­sidiums. Es besteht, abgesehen von den stell- »ertretenben Sekretären, ans zwei Nationallibe­ralen, einem Freisinnigen und zwei Sozialdemo­kraten. Die Konservativen im Direktorium sind also durch Sozialdemokraten ersetzt worden. Das Beklagenswerte an diesen Vorgängen ist, daß der Riß zwischen den bürgerlichen Parteien nur immer größer wirb.

Ctn englisches Urteil Über den Uuierschied deutscher und französischer Kolonialarbeit,

bas aus englischen Kausmannskreisen stammt, ist be­sonders geeignet, jetzt, nach Abschluß bes Marokko- obkommens, durch das ein Teil von Französisch- Kongo zu unserer Kolonie Kamerun gekommen ist, in weitesten Kreisen Jn'eresie zu erregen. Die be­treffende englische Firma, die sowohl im südlichen Teile von Kamerun, als im jetzigen Kompensations­gebiet Handelsniederlasiungen besitzt, schreibt wört­lich:Wir find sehr froh, daß die deutsche Kolonie Kamerun durch einen Teil von Französisch-Kongo diesen Gebietszuwachs erfährt, und würden es von unserem Standpunkte aus mit Freuden begrüßen, wenn ganz Französisch-Kongo an Deutschland fiele, denn wir können aus ureigenftet Erfahrung sagen, daß wir unter der deutschen Flagge in Kamerun stets Gerechtigkeit, Freiheit und Unparteilichkeit ge­funden haben, in Franzöfisch-Kongo ober nicht. Dort sind solche Berwaltungseigenschaften gänzlich unbe­kannt." Die englische Firma spricht nicht pro domo in diesem Falle, sondern bestätigt nur di« bekannte Tatsache, die jeder Kenner französischer Kolonien immer wieder unterstreicht, nämlich, daß Frankreich für die fachgemäße Erschließung feiner Kolonien und richtig« Behandlung der Eingeborenen und Erwerbs- gestUschaften nur sehr geringes Verständnis gezeigt hat. Dieses Urteil über deutsch« kolonial« Arbeit mögen sich diejenigen besonder» merken, die nicht

müde werden, unsere Kolonialpolitik in Grund und Boden zu verdammen.

Deutsches Reich-

Der Reichstag wird heute bie Besprechung des Marokkovertrages beginnen. Rach bem Reichskanzler, bei etwa zwei Stunden fpteche« bütfte, wirb zunächst Freiherr v. Hertling für das Zentrum sprechen.

Die Handelshochschulen gegen Prosefior Max Weber. Köln, 7. Nov. Auch bie Studie» renben bet hiesigen Handelshochschule haben eine Lntschließung gefaßt, in welcher sie gegen die be­kannten Angriffe Max Webers energisch Ein­spruch erheben.

Bon den preußischen Lehrerseminare«. Amtlicher Nachweisung zufolge betrug bie Zahl der Zöglinge der preußischen staatlichen Lehrer­seminare am 1. Mai 1911 insgesamt 16 923, wo­von 10997 evangelisch und 5926 katholisch wa­ren. Der Besuch der Präparandenanstalten be­lief sich auf 22 003, wovon 14 687 evangelisch und 7316 katholisch waren. In den staatlichen und nicht staatlichen Volksschullehrerinnenscminaren und außerordentlichen Kursen zur Ausbildung von Volksschullehrerinncn waren zum gleichen Zeitpunkte 4211 Zöglinge, und zwar 1639 evan­gelische, 2572 katholische, in den Präparandin- nenanstaltell 3078, davon 836 evangelische und 2142 katholische. In den außerordentlichen Ne- benkutfen bei den Lehrerseminaren wurden 994, davon 418 evangelische und 576 katholische, in den außerordentlichen Präparandenkursen 1564, davon 920 evangelische und 944 kaiho' '^e Zög­linge unterricht«!.

Eine für die Unsallversicherungsbeitriige der Landwirte wichtige Entscheidung hat das Reichs-Versichetungsamt getroffen. Bekanntlich ist im landwirlfchastlichen llnfallversichetungs- gesetze bestimmt, daß den von den Berufsge- nossenschaften gebildeten Reservefonds iäbrlick bei der Umlegung des Iahresbedarfs 2 selben zuzuschlagen sind, solange sie nicht vu-^ Doppelte bes jeweiligen Jahresbedarfs erreichen. Nun find mit dem Reichsfinanzgesetz von 1909 sämtlichen Berufsgenosienschaften, also auch der landwirtschaftlichen, durch die Zahlung des oft betriebsfonds und Zinsen und Tilgung der schwe benden Schuld neue Ausgaben erwachsen, und ee handelte sich darum, ob diese neuen Ausgaben zu dem Iahresbedars zu rechnen seien, wie er für die Zuschläge zu dem landwirtschaftlichen Re­servefonds in Betracht kommt. Das Reichs-Der- stcherungsamt hat entschieden, daß dies nicht der Fall ist. Bei der Feststellung desIahresbe- darfs" im Sinne der oben erwähnten Vorschrif­ten und bei der Berechnung des Refetvefondszu- schlages sind vielmehr nach dieser Entscheidung abgesehen von den Verwaltungskosten und Hebe- gcbiihten die gesamten Entschädigungen, die iir Rechnungsjahre an die Post ober unmittelbar durch die Verufsgenosienschaft gezahlt worden sind, anzusetzen. Der Postbctriebsfonds und di« auf die schwebende Schuld zu zahlenden Beträge ?vt< Zinsen und Tilgung bleiben dagegen jetzt und auch später unberücksichtigt. Nach dieser Entscheidung erhöhen sich die von den Verufsgo- nossen aufzubringenden Zuschläge zu bem Re­servefonds nicht, auch verzögert sich nicht der Zeitpunkt, zu dem infolge Erreichung bes Dop'* pelten des Iahresbedarfs die Zuschlagserhebun­gen für die Reservefonds bei den landwirtschaft­lichen Berufsgenosienschaften überhaupt einge­stellt werden können.

Die Iungliberalen und bie Reichstags­wahlen. Karlsruhe, 4. Nov. Bei bet Tagung der Iungliberalen führte der jungnationallibe- rcle Stuttgarter Rechtsanwalt '"r. Kau ff mann über die bevotstehcnben Reichstagswahlen u. a. folgendes aus:Unser Ziel muß es sein, eine ausschlaggebende Stellung des Liberalismus im neuen Reichstag zu erkämpfen. Es ist ganz rich­tig. daß die Liberalen durch ein prinzipielles Zu­sammengehen mit der Sozialdemokratie bie Kon­servativen und das Zentrum in ihrem Mandats­bestand sehr erheblich schwächen könnten, aber elmntq sicher ist, daß der Manbatsgewinn dabei mindestens im gleichen Umfang der Sozialdemo­kratie wie dem Liberalismus zugute kommen würde. Was aber wäre die Folge davon? Wer­den die Konservativen bis auf 50 Mandate her­untergebracht, und das liegt durchaus im Be­reich der Möglichkeit, und kommt der Libe­ralismus auf 140 und mehr Mandate, so ergibt