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Marburg

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Erstes Blatt

bis aus drei Kilometer an die Stadt heran­gebracht.

Man wird auch diesen Ansichten von einer bevorsteheilden Eroberung von Tripolis skeptisch gegenuvcrtreten muffen, besonders da schon seit 8 Tagen von den Türken davon gesprochen wird. Daß es natürlich den Italienern in Tripolis nicht so wohl ist und sie sich nicht so sicher fühlen, als sie angeben, ist zweifelsfrei. Das bezeugt auch folgende Meldung:

M a i l a n d, 7. Nov. Der häufig in Kriegs- angelegenheiten gut unterrichteteAvanti" be- tiuytet, die Regierung werde noch zwei weitere Jahresklaffen der Reserve, nämlich 1887 und 1886, einberufen, um durch gewaltige nach Tri­polis geworfene Truppenmaffen den Gegner zu erdrücken.

Als symptomatisch gilt auch die Berufung des eifernen" Frugoni neben dem milderen Caneya.

. die Post bezogen 2.25 <M. lohne Bestellgeld),

M 2V4 und der Exved tion (Markt 21) 2.00 <X frei in» Hau». (Für unver- I

* langt zugesandle Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Q

Verantwortung. Druck der Univ.-Buchdruckerei I. «. Koch (Inh.: VtVVCmutl

und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch " "..... ", bei unseren Zeitungsstellen

worden, daß er an den Indiskretionen schuld sei, fof dern nur daß er dafür verantwortllch sei. Ist abe: dieser Vorwurf berechtigt? Wer mit den Vcrhäw | niffen im Reichskolonialamt vertraut ist, weist, dast' seit dem Amtsantritt Lindequist's ganz im Gegen­satz zu der Amtszeit Dernburg's sämtliche Ange­legenheiten des Reichskolonialamts auf ausdrückliche Aufforderung des Staatssekretärs vor seinem Amts­antritt« mit größter Zurückhaltung und Ver­schwiegenheit der Oeffentlichkeit und Prefle gegen­über behandelt wurden. DieAera Bülow" war eine Zeit der Gesprächigkeit, und den offiziösen Zeitungen und einer süddeutschen Korrespondenz wurde wöchent­lich mehrere Male über irgend einen Gegenstand Mitteilung gemacht. Bethmann-Hollweg ist hierin von seinem Amtsvorgänger durchaus verschieden. Die gleiche Verschiedenheit besteht zwischen Lindequist und Dernburg. Niemals war das Reichskolonialamt zugeknöpfter als unter ihm. Wenn tatsächlich vor- zeitig einige Mitteilungen veröffentlicht wurden, so ist er weder schuld noch verantwortlich.

46. Jahrg.

1911.

Verantwortung. ..... . ,

Tr <>itzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Wien, 6. Nov. Die vom Ballplatz benutzte Sonn- und Montags-Zeitung schreibt über die italienische Souveränitätserklärung:Italien übersieht bei diesem Schritte, daß es ihm bisher nicht gelungen ist, die Besetzung Tripolitaniens und der Kyrenaika durchzuführen, daß es nur einen schmalen Küstenstrich okkupiert hat, und daß daher außer diesem Küstenstriche der König von Italien durch seine Erklärung in Wahrheit nur ein Souverän in partibus infidelium ist. Der Kaiser von Oefterreicht hat seine Souve­ränität auf Bosnien ausgedehnt, nachdem er 30 Jähre im faktischen Besitz des Landes war, trotz­dem ist die Anerkennung dieses Schrittes seitens der Mächte ernsten Schwierigkeiten begegnet. Wie sollen sich die Großmächte nun der Tatsache gegenüberstellen, daß der König von Italien sich zum Souverän eines Landes erklärt, das er noch nicht erobert hat, um das noch blutig und schwer gekämpft wird, und das vom faktischen Besitzer tapfer verteidigt wird? Die Mächte müßten, wenn sie diese Souveränitätserklärung Italiens anerkennen, der Türkei, Tripolitanien und die Kyrenaika aberkennen, bevor es Italien geglückt ist, diese Länder faktisch in Besitz zu nehmen. Dabei ist nicht zu verkennen, daß durch einen solchen Schritt ein Präzedenzfall schlimmster Art geschaffen würde. Könnte nicht jede Macht einem schwächeren Gegner gegenüber so vorgehen? Seit den Raubkriegen Ludwigs XIV. ist eine solche Politik in Europa nicht mehr geübt wor­den, und es ist unmöglich, daß die Mächte die Erklärung Italiens zur Kenntnis nehmen, be­vor nicht durch den Krieg, eventuell durch einen Friedensschluß die Besitzfrage völkerrechtlich er­ledigt ist.

Kampf darf nicht erneuert werden, er könnte den Frieden gefährden. Darum muß das Parlament das Abkommen genehmigen ohne Zögern, aber auch ohne Begeisterung.

P a r i s, 7. Nov. Jauräs weist in derHu- manitö" darauf hin, daß in den vor einigen Tagen hier veröffentlichten Auszügen alle aus dem deutsch-französischen Abkommen erwachsen­den Schwierigkeiten durch das Haager Schieds­gericht geregelt werden sollten, während der amtliche Text kein Wort darüber enthalte. Das sei unbegreiflich. Er wolle nicht behaupten, daß man drei Tage die öffentliche Meinung Frank­reichs zum Besten gehalten habe: denn dies wäre zu ungeheuerlich, aber unverzügliche Aufklärun­gen feien durchaus notwendig.

Berlin, 7. Roo. Der bekannte Montan­industrielle Kommerzienrat Klöckner-Duisburg äußerte sich demBerl. Lok.-Anz." zufolge über das Marokkoabkommen folgendermaßen: Die Hauptsache sei, daß die augenblickliche großartige wirtschaftliche Entwicklung nicht durch einen Kriegsfall gestört worden sei. Wichtig sei fer­ner, daß Marokko unter die Kontrolle einer zivilisierten Macht komme. Er glaube, die Deut­schen könnten dort später ebenso ihre Geschäfte abwickeln wie seit Jahren in Frankreich. Den Erzvorkommen in Marokko mißt Klöckner eine nicht so große Bedeutung bei, wie es von man­cher Seite geschieht. Er stellt es in eine Parallele vielleicht mit den spanischen Gruben, glaube aber, Deutschland sei auch weiterhin hauptsäch­lich für seinen Erzbezug auf Lothringen, Schwe­den und Norwegen angewiesen. Im übrigen hat Klöckner das Vertrauen, daß die Regierung bei den Verhandlungen herausgeholt habe, was zu erreichen gewesen sei.

Der Marokkovertrag ist bisher anerkannt worden von der italienischen Regierung durch ihre Botschafter in Paris und Berlin und von der russischen Regierung durch Iswolsky in Paris. Außerdem ließ nach derAgence Havas" der Sultan von Marokko mitteilen, daß er dem deutsch-französischen Abkommen zustimme. (!) (Ra, nun ist's richtig! D. Red.)

Zum Marokkovertrag

liegen folgende Nachrichten vor:

Paris, 6. Nov. Die Veröffentlichung des Wortlauts des deutsch-französischen Abkommens bietet den Blättern Anlaß zu sehr eingehenden Erörterungen. DerTemps" schreibt: Alle die­jenigen, welche diesen Vertrag mit dem deut­schen Weißbuch von 1905 vergleichen, dürften zu der Ansicht gelangen, daß Frankreich ohne seine Jntereffen zu verletzen, Deutschland für seine Zustimmung ebenso entschädigen konnte, wie es vorher England entschädigte.Journale des Döbats" meint: Dem Abkommen fehle es an Klarheit, Bestimmtheit und Offenheit. Alles zeuge davon, daß jeder Arttkel das Ergebnis eines mühseligen Ausgleichs sei. Besonders be­dauerlich sei die Fassung der beiden ersten Ar­tikel, nach welchen Frankreich sich vorher mit der marokkanischen Regierung verständigen müffe. Caillaux hätte diese Klausel niemals annehmen dürfen. Er glaubte offenbar, daß der gegenwär­tige Sultan und seine Nachfolger niemals im Stande seien, etwaige Meinungsverschiedenhei­ten zu äußern. Wer verbürgt das? Frankreich könnte eines Tags einem übelgesinnten oder Lbelbeeinflußten Sultan gegenüberstehen. Frank­reich ist also ermächtigt, die politische Schutzherr­schaft ausüben unter dem Vorbehalt der ständi­gen Zustimmung seines Schützlings. Was Fran- zösisch-Aequatorialafrika onlangt, so geht es aus dem Abkommen verstümmelt hervor. Unsere Folgerung ist auch heute die, daß wir beschränkte Rechte sehr teuer bezahlen, Rechte, welche uns keineswegs vor Ueberrafchungen in der Zukunft schützen. Wir haben einen hartnäckigen, diplo­matischen Kampf kämpfen müffen, um zu einem mittelmäßigen Ergebnis zu gelangen. Dieser

Aus dem Reichstage.

Der Reichstag, der nach seiner voraussichtlich letzten Pause heut den allerletzten und doch noch so wesenffichen Tagungsabschnitt begann, behandelte zunächst den Handels- und Schiffahrtsvertrag zwischen Deutschland und Japan, der zur ersten Lesung stand und geraume Zeit in Anspruch nahm. Sein Hauptvorteil liegt nach Ansicht der Regierung, die Staatssekre'är Delbrück vertrat, auf deutscher Seite. Als in der Diskuffion prinzipielle Fragen der Zollpolitik zur Sprache kamen, wies der Staats­sekretär hin auf das freihändlerische Irland, das auch nicht mehr erreichen konnte. Unser Zolltarif sei grabe unsere Waffe beim Abschluß von Handelsver­trägen, ohne ihn hätten wir nichts zu gewähren und zu versagen. Zn der Debatte sprachen die Abgg. Dr. Piper (Zentr), Dr. Stresemann (ntl.). Kämpf (Fr. Bp.), Dr. Südekum (Soz.), Dr. Werner (Wirtsch. Vgg.). Dr. Roesicke (kons.), Dr. Oeser (Fortsch. Volksp.) Bis zu den Freisinnigen und Sozialdemo­kraten wurden Fortschritte zugegeben. Die Wünsche der Redner betrafen natürlich vor allem die deutsche Textilindustrie. Auch der Redner der Reichspartei, Abg. Linz, bedauerte die Unmöglichkeit, noch etwas ändern zu können, namentlich im Interesse der Sei- deuindustrie, deren gefährlichste Konkurrentin die japanische wegen ihrer niedrigen Löhne und kurzen Arbeitszeit sei. Eine Revision des augenblicklichen Vertrags- und Tariffnstems scheine nötig zu werden, damit man in Zukunft gegenüber den verschiedenen Staaten mehr individualisieren könne als jetzt bei der Meistbegünstigung, die das eben gegenüber allen Vertragsstaaten ausschließe. So habe man diesmal leider statt des beweglichen Tarifes eine Bindung der Zölle in einer bestimmten Höhe für wichtige japanische Artikel festgesetzt. Die deutsche Industrie bedürfe dem Ausland gegenüber der sorgfälttgen Aufmerksamkeit der Reichsregierung.

Der Vertrag wurde in erster Lesung angenommen. Morgen fallt die lang erwartete Sitzung aus, die Marokkodebatte beginnt erst Donnerstag, da den Ab- gcorbne en bisher der Text des Abkommens noch nicht zugestellt war: zu allgemeiner Befremdung ent­hält die bett, amtliche Drucksache weder Begründung noch Karte.

Politische Umschau.

Lindequist.

Die Angriffe, die gegen den bisherigen Staats­sekretär v. Lindequist gerichtet wurden, sind so un­gewöhnlicher Ra'ur, daß eine Darstellung der tat­sächlichen Verhältnisse am Platze sein dürfte. Zwar ist dem Staatssekretär nicht der Vorwurf gemacht

Der anjeigenpreiÄ Betragt für Cie ?gespaltene Zeile oder deren Raum 16 4-, bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 40 j.. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Feder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bei Konkur» kein Rabatt. Verbindlich­keit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieserung ausgeschlossen. Zahlungen im Postsckcckverkehr ohne Portokosten unter Rr. KOI 5 des Postscheckamtes Frankfurt e. M.

Deutsches Reich-

Deutschland attionsbereit? Kiel, 7. Nov. Kürzlich war die Behauptung aufgetaucht, der Staatssekretär des Reichsmarineamtes v. Tirpitz habe auf die Frage des Kaisers, ob Deutschland attionsbereit sei, Bedenken bezüglich der deut­schen Schlagfertigkeit zur See geltend gemacht. DieKieler Neuesten Nachr." sind jetzt dazu er­mächtigt, zu erklären, daß die Meldung glatt er­funden ist.

Die hessischen Landtagswahlen geben in Bezug auf die Stichwahltaktik ein äußerst inter­essantes Bild. In Offenbach beschloß der Wähler­ausschutz der sozialdemokratischen Partei ein­stimmig, die fortschrittliche Volkspartei in der Stichwahl nur dann zu unterstützen, wenn die Unterstützung auf Gegenseitigkeit beruht. Sonst werde für die Sozialdemokratie die Devise lauten: Gewehr bei Fuß. Der Bien muß also! Der Landesausschuß der Fortschrittlichen Volks- pirtei hat sich durch folgenden Beschluß aus der Klemme gezogen: In der Stichwahl sind zu unterstützen der nationalliberale Kandidat ge­genüber Antisemiten und Vauernbündlern. Bel einer Stichwahl zwischen Nationalliberalen und Sozialdemokraten wird keine Parole ausgegeben. Ob dieser außerordentlich vielsagende Ent­schluß wohl geeignet sein wird, den National­liberalen über die wahre liberale Natur des Freisinns die Augen zu öffnen?

Pfarrer Jatho ist zum Presbyter und Kir­chenältesten der Kölner evangelischen Gemeinde gewählt worden. Da das Konsistorf.'m die Wahl bestätigen muß, haben die positiven Kreise gegen die Wahl Einspruch beim Konsistorium erhoben.

Der Stand der Herbstsaaten. Berlin, 7. Nov. DerNeichsanz." berichtet: Der Stand der Herbstsaaten Anfang November 1911 im Deutschen Reich ist, wenn 2 gut, 3 mittel be­deutet, für Winterweizen 2,5, Winterspelz 2,0, Winterroggen 2,5. In den Bemerkungen heißt es u. a.: Die Witterung war während des Ok­tober für die Bchellung im großen und ganzen günstig. In vielen Gegenden reichten die Nieder­schläge nur gerade hin, daß der festgetrocknete Boden bearbeitet werden konnte und die aus­gesäten Körner die zum Keimen nötige Feuch­tigkeit vorfanden. Für die fernere Entwicklung der Saaten sind nach zahlreichen Berichten noch weitere kräftigere Niederschläge dringend erfor­derlich. Die Feldmäuse treten immer noch zahl­reich und schadenbringend auf. Roggen war bei Abgabe der Berichte durchweg ausgesät und auf­gelaufen. Die Weizensaaten sind noch nicht überall sichtbar, stellenweise auch noch nicht völ­lig in die Erde gebracht. Verschiedentlich wird berichtet, daß die Saaten infolge der Trockenheit ungleichmäßig aufgegangen sind. Der größere Teil der Saaten findet aber zur Zeit dock im all­gemeinen recht günstige Beurteilung. Der gleich­mäßige dichte Stand sowie die schöne und ge­sunde Farbe der Saaten werden öfters hervor- gehsben.

Die Wahlparole der Deutschen Mittek- standsvereinigung. Berlin, 5. Nov. DieDeutsche Mittelstands-Zeitung", das Organ der Deut­schen Mittelstandsvereinigung, veröfsentlicht folgende verständige Wahlparole:Der Feind steht links und zwar ganz links, es ist die revo­lutionäre Sozialdemokratie aller Schattierun­gen, und es sind diejenigen Parteirichtungen, welche entweder bei der Haupt -oder doch bei der Stichwahl mit ihr gemeinsame Sache machen, wenn auch nur, um Mandate zu erschachern. Wir wissen, daß uns diese Haltung gegenüber Par-

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage *

Der Krieg um Tripolis.

Es mutz auffallen, datz das offiziöse deutsche Telegraphenbüro fast ausschließlich Meldungen verbreitet, die es derAgenzia Stefani" ent­nommen hat, die, weil in italienischem Sinne tendenziös, wenig zuverlässig sind. Bon den Kämpfen, die nach türkischer Quelle in Tripolis stattgefunden haben und die, wie auch die Kor­respondenten der Zeitungen bestätigen, sehr ver­lustreich für die Italiener waren, wird äußerst wenig berichtet. Nur kleine unaufhörliche An­griffe um Tripolis werden gemeldet, bei denen natürlich die Italiener die Türken zuriick- fchlagen.Gegen Einbruch der Nacht zog sich der zurückgeworfene Feind übera in großer Unordnung und mit nicht geringen Verlusten zurück. Die italienischen Truppen sind mit der Herrichtung der endgiltigen Stellungen beschäf­tigt. Die Einwohner bekunden nunmehr ein größeres Gefühl der Sicherheit. Sie nahmen mit vollem Vertrauen die gewohnte Beschäftigung wieder auf, sodaß der Handel wieder aufzuleben beginnt, wie auch die Tätigkeit des Zollamts in Tripolis dies ausweist."

Eine andere Aufgabe sieht die italienische Berichterstattung darin, die Meinung zu ver­breiten, als ob die Araber sich von den Türken zu trennen beabsichtigten und sich den Italienern zu unterwerfen. So sollen die Araber, die sich in der Gegend von Zubzuan befinden, den Ita­lienern ihre Mausergewehre ausgeliefert haben. Außerdem sollen in einer Versammlung ihre Häuptlinge erklärt haben, daß sie wohl zum hei­ligen Krieg herbeigeeilt seien, jedoch gefunden hätten, daß die Türken sie allein gegen die Ita­liener kämpfen ließen. Obwohl nun auch die Erfolge nicht derart wären, daß sie auf eine Bes­serung der Lage in Zukunft hoffen könnten, so würden sie dennoch bereit fein, weiterzukämpfen, vorausgesetzt, daß d' Türken voran in die Front gingen. Der gegenwärtige Zustand könne nicht länger aufrecht erhalten werden. Er erheische ci!Iwebet die italienischen Stellungen unverzüg­lich anzugreifen oder das Feld zu räumen. Falls die Türken den zuletzt genannten Weg ein- schlügen, so wäre-' die Häuptlinge ter Araber cr.vtig, sie bis zur benachbarten tunesischen Grenze zu geleiten. Dies wollen angeblich die Häuptlinge, fährt der offiziöse Bericht fort, aber die Araber fangen ^on an, sich zu zerstreuen und in ihre Heimat zurückzukehren. Ein Teil von ihnen soll die Absicht geäußert haben, nach der Stadt Tripolis zu desertieren. Die Türken müßten den treu gebliebenen Arabern, um diese an sich zu fesseln, außer Lebensmitteln auch eine tägliche Löhnung von 45 Centimes geben.

Diese Art von Berichterstattung wirkt mit der Zeit lächerlich. Wie soll dies werden, wenn die Kriegsberichterstatter alle Tripolis verlassen haben, wie sie es als Protest gegen die ttalieni- fchen Grausamkeiten planen? Bisher konnte man sich wenigstens auf ihre sicheren Berichte verlassen. wenn diese auch oftmals etwas spät kamen. Nebenbei sei bemerkt, daß die von der Franks. Ztg." gebrachte und auch von uns wiedergegebene Meldung von einer Einnahme Dornas dahin richtig gestellt wird, daß es sich nur um einen erfolgreichen Angriff handelt.

SCeiier liegen vom Kriegsschauplatz noch fol­gende Meldungen vor:

Konstantinopel,?. Nov. Die Italiener ergänzen in fieberhafter die Befestigungen von Tripolis, um dem i-, chen Angriff ge­wachsen zu sein, wenn die J-otte die hohe See aussuchen mutz. Die türkische Belagerungsarmee hat weiteren starken Zuzug seitens bet Senusfi erhalten.

London, 7. Nov. DemStandard" wird unter dem 6. d. M. aus Malta gemeldet, daß die dortige britische Admiralität die Lage in Tripolis als äußerst kritisch erachte. Britische Kriegsschiffe werden bereit gehalten, um nach Tripolis abzugehen, falls es den Türken ge- kingen sollte, die Stadt wiederzunehmen, da be­fürchtet wird, daß die Araber in diesem Fall ein fürchterliches Blutbad anrichten würden, um sich für die italienischen ffireueltaten zu rächen. Die Türken sollen mit dem Bombardement der Stadt begonnen haben und viel Schaden anrichten. Sie ;laben während ein« Sandsturms eine Batterie