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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage"
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Marburg
Mittwoch, 1. November
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46. Jahrg
1911.
Erstes Blatt.
Der Krieg um Tripolis.
Eine Wendung zugnnsten der Türkei?
Auf dem Kriegsschauplatz scheint es in den letzten Tagen ziemlich heiß hergegangen zu sein. Es sieht aus, als ob der „Operettenkrieg" doch für die beteiligten Parteien ernster wird als es zunächst aussah. Es liegen mehrere Meldungen aus Tripolis vor, die, je nachdem, ob sie von türkischer oder italienischer Seite kommen, von , einem Sieg oder einer Niederlage der Türken zu melden wissen. Wie nun aus italienischer Quelle verlautet, seien infolge der Kämpfe am 23. und 26. Oktober die arabischen Hilfstruppen der Türken sehr entmutigt. Einige Stämme beabsichtigten, die Türken zu verlassen und sich den Italienern anzuschließen, namentlich soll dies der Chef Sahels kundgegeben haben. Es ist dies eine der vielen tendenziösen Nachrichten, die nur allzuleicht den Zweck erraten lasten, denn es ist nicht einzusehen, warum stch die Eingeborenen jetzt von den siegreichen Türken abwenden wollten. Und stegreich sind sie gewesen:
L o n d o n, 30. Ott. Der Korrespondent des „Daily Telegraph" in Rom meldet seinem Blatte, er erfahre, daß dort sehr ernste Nachrichten aus Tripolis eingetroffen sind. Europäische Flüchtlinge bezeichnen die Lage der Italiener in Tripolis als absolut kri- ' 'M iffch und Berichte, Ne von dort kommen, melden, daß alle Ziffern, die überdie italienischen Verluste veröffentlicht werden, durchaus falsch seien, weil der Zensor die Wahrheit nicht durchlasse. Eine sehr bedeutende Ueber- macht von Türken und Arabern stehe den Italienern gegenüber, stark genug, die italienische Front an verschiedenen Stellen zu durchbrechen und die Italiener in die größte Bedrängnis zu bringen. Die Konsuln fürchten, daß es zu einer Hinschlachtung der Europäer kommen Wnnte und sie haben daher bereits alle Vorkehrungen getroffen, um ihre Schützlinge in Sicherheit zu bringen.
Konstantinopel, 30. Ott. „Sabah" veröffentlicht eine Depesche aus Tripolis vom 29. nach welcher die italienische Division von den Türken angegriffen wurde. Als diese durch Freiwillige verstärkt, kräftig vorgingen, hätten die Italiener aus Furcht, ihre Rückzugslinien könnten abgeschnitten werden, sich in Unordnung in die Stadt zurückgegangen. Die Meldung beziffert die Verluste der Italiener auf 300 Tote, darunter einige Offiziere und 700 Verwundete. Einige italienische Verschanzungen sollen in die Hände der Türken gefallen sein. — „Jkdam" erfährt über die Kämpfe bei Tripolis: In den setzten fünf Tagen hätten die Türken zahlreiche Stellungen besetzt, Verschanzungen aufgeworfen und von Artillerie unterstützt, die in vier Kolonnen im Vormarsch befindlichen Italiener angegriffen. Diese seien geschlagen worden und hätten zahlreiche Gefangene, darunter drei Hauptleute und mehrere andere Offiziere verloren.
Die türkische Presse jubelt natürlich über die Erfolge in Tripolis. „Sabah" sagt, der Krieg enthülle die große Kraft des Ottomanentums, nämlich die Treue der Araber gegenüber dem Khalifat. Den Blättern wurde verboten, Meldungen über die Durchreise der türkischen Offiziere durch Aegypten nach Benghast und über die Entsendung von Geld und Lebensmitteln durch Aegypten zu veröffentlichen.
Die Verluste der Italiener bei den letzten Kämpfen läßt folgende Meldung erkennen:
Rom, 30. Ott. Der Oberkommandant des tripolitanischen Operationskorps teilt heute hierher telegraphisch die Verluste mit, welche die unter seinem Kommando stehenden Streitkräfte vom 23. bis einschließlich 26. Ottober in den Kämpfen vor Tripolis erlitten. Demnach wurden 13 Offiziere und 369 Mann getötet, 16 Offiziere und 148 Mann verwundet. Das Mißverhältnis zwischen der Zahl der Toten und Verwundeten ist dadurch erklärlich, daß einige Abteilungen, darunter das 11. Bersaqlieri-Regi- »ent aus allernächster Nähe angriffen. Die Lücken In den verschiedenen Heeresabteilungen iWr Tripolis find übrigens bereits ergänzt.
Diese Nachrichten klingen etwas anders üls die ersten berauschenden „Sieges"nachrichten der Italiener. Auch folgende Meldung dürste ein eigenartiges Licht auf die bestehenden Verhält- niste werfen.
Bologna, 30. Ott. Der Reservist Eätano Masetti vom 30. Infanterie-Regiment gab in dem Augenblick, als er mit seiner Kompagnie nach Tripolis abgehen sollte, auf dem Kasernenhof einen Flintenschuß gegen eine Gruppe von Offizieren ab und verwundete den Oberstleutnant Stroppa an der Schulter. Masettt wurde nur mühevoll vor der Empörung der anderen Soldaten geschützt. Die Abreise der Kompagnie verlief ohne Zwischenfall. Es scheint, daß Masetti eine antimilitaristische Kundgebung beabsichtigte.
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Konstantinopel, 30. Ott. Die Kretamächte antworteten auf die Schritte der Pforte in Bezug auf die Verhandlungen in der Abgeordneteilkammer von Kreta mit einer Note, in welcher sie erklärten, daß den Konsuln auf Kreta die nötigen Instruktionen zur Beruhigung der öffentlichen Meinung erteilt seien. Die Mächte fügen hinzu, daß gegen gewisse Agitatoren, die dem Exekutivkomitee Schwierigkeiten bereiten, die notwendigen Maßnahmen ergriffen wurden.
Berlin, 30. Okt. Die „Nordd. Allgem. Ztg." meldet: Die türkische Eeneralzolldirektion ordnete zur Ausführung des Gesetzes, nach welchem seit dem 29. Ottober von allen italienischen Waren eine Zollgebühr von 100 Prozent vom Werte zu erheben ist, an, daß alle Waren, die vom 2. November 1911 ab aus europäischen Ländern, aus deren Besitzungen im Mittelmeer, aus Marokko und Aegypten ausgeführt werden, bei der Einfuhr in die Türkei von einem Ursprungszeugnisse begleitet sein müsien, widrigenfalls sie bis zum Gegenbeweis als italienische Waren angesehen werden. Das Ursprungszeugnis kann von der zuständigen Lokalbehörde des Ausfuhrhafens sowohl auf die Originalfattura gesetzt als auch besonders erteilt werden. Die Legalisation des Zeugnisies durch einen türkischen Konsul ist nicht erforderlich.
Der neue elsaß-loihrmaWe Landtag ist gewählt und seine 60 Sitze find besetzt. Die neue Kammer, di« erste, die nach dem von der Sozialdemokratie mit zustandegebrachten neuen reichsländischen Wahlrecht gewählt worden ist, besteht aus 26 Zentrumsanhängern, 10 Mitgliedern des lothringischen Blocks, 7 Liberal-Demokraten, 11 Sozialdemokraten und 6 Unabhängigen. Da der lothringische Block und die meisten Unabhängigen auf der Seite des Zentrums stehen, so hat diese Partei eine vollkommen sichere Mehrheit. Das Erotzblockabkommen, das die Wahlkreis« zwischen Liberalen und Sozialdemokraten vor der Stichwahl roch verteilte, hat seinen Zweck nicht erreicht. Der Erotzblock hat eine glänzende Niederlage erlitten und nur einig« Sozialdemokraten haben daraus Vorteil gezogen. Di« „Kln. Ztg." bemüht sich, di«sen Reinfall zu verdecken und meint, wenn der Erotzblock, „dessen Berechtigung im politischen Leben wir nur anerkennen, wenn er Zwecke verfolgt, die nicht nur den Parteien als solche, sondern auch der staatlichen Entu cklung stammen", auch die Bildung einer klerikalen Mehrheit nicht verhindert habe, so habe er doch eine Ausmerzung des Ratio ia- lismus herbeigeführt. Leider ist auch das falsch, wenn auch die reinen Nationalisten nicht gewählt find, hat doch, wie die „Post" hervorhebt, der Ausfall bei Wahlen keineswegs gezeigt, das, das Deutschtum besonders gewachsen sti. Es ist auch ein schlechter Trost, daß man dem Zentrum jetzt vorwirst, es habe selbst ein Wahlabkomm«n mit der Sozialdemokratie gewünscht. Die Angabe ist aufs strikteste von Zentrumsseite bestritten worden.
Treffend schreibt die „Kceuzztg": „Jedenfalls ist das Wahlergebnis so ausgefallen, wie es nach einem so radikalen Wahlrecht wie dem neuen reichsländischen nicht anders ausfallen konnte. Das Zentrum triumphiert und der Liberalismus bezahlt die Zeche. Die Sozialdemokratie jedoch hat für die nächsten Wahlen der bürgerlichen Linken gegenüber gewonnenes Spiel. Ob die Liberalen nun nicht endlich etnsehen werden, datz fie mit der Demokratisierung unserer inneren Einrichtungen nur der Sozialdemo- Katie Vorschub leisten und sich selbst auf den Aussterbeetat setzen? Den Konservativen kann der Wahl- ausfall, der keineswegs ein Zeichen dafür ist, daß die elsaß-lothringische Verfassungsreform eine versöhnende Wirkung auszuüben geeignet wäre, nur Genugtuung insofern bereiten, als er ein« glänzende Bestätigung der Anschauungen darstellt, die für die konservative Reichstagsfraktion bei der Ablehnung der mit sozialdemokratischer Hilst zustande gebracht« Verfassungsreform maßgebend gewesen find."
I Die Revolution in China.
Peking, 29. Okt. Aus Hankau wird vom 29. Okt. gemeldet: Die Aufständischen stellten in der Nacht unterhalb Wutschang eine Batterie auf und beschossen bei Tagesanbruch die vor der Stadt ankernden Kanonenboote, die das Feuer nur langsam und unregelmäßig erwiderten. Es heißt, General Pintschang wolle um Enthebung von seinem Posten nachsuchen. Ein Editt befiehlt, daß der Vizekönig von Naking zu verhaften sei. Die Soldaten in Taiyanfu haben gemeutert. Die Stadt Tschengtu ist ziemlich ruhig, aber in der Umgebung greift das Räuberwesen immer mehr um sich. In Sinyangchan und Skirmisching werden täglich zahlreiche kaiserliche Soldaten getötet.
Peking, 30. Okt. In einem kaiserlichen Erlaß, der heute veröffentlicht wurde, rechtfertigt der Thron seine bisherige Untätigkeit, kündigt den sofortigen Erlaß einer Verfassung und die Bildung eines Kabinetts an, von dem der Adel ausgeschlossen ist und sichert den Aufrührern und poluqu) Schuldigen Verzeihung zu.
Hankau, 30. Okt. Ueber das Gefecht am 27. Okt. werden nachträglich noch folgende Einzelheiten bekannt: Zehntausend Mann Regierungstruppen griffen heute früh die Aufständischen an, die in einer Stärke von 5000 Mann sich erneut verschanzt hatten. Die Verteidiger behaupteten die Stellung hartnäckig, obschon die überlegene Artillerie des Angreifers fie mit heftigem Shrapnellfeuer überschüttete. Die Batterien der Aufständischen erwiderten das Feuer, vermochten jedoch keine Wirkung zu erzielen. Der Kampf war völlig ungleich. Die gut ausgebildeten Regierungstruppen warfen die bewaffneten Haufen mit Shrapnell-, Mafchtnengewehr- und Eewehrfeuer zurück.
Peking, 30. Okt. Die Tätigkeit der Aufständischen in Taiguanfu, die stch eines Abschnittes der Bahn Peking-Hankau bemächtigt haben, erregte in Regierungskreisen Bestürzung. Man entsandte in großer Hast die Truppen nach Schanst. Eine andere Verteidigung der Hauptstadt wurde bereitgestellt. Unter den Man- dschubeamten ist eine Panik eingetreten. Viele bereiten die Flucht vor.
Deutsches Reich-
— Graf Posadowskq Reichstags-Kandidat. Bielefeld, 30. Okt. Im hiesigen Reichstagswahlkreise haben nach längeren Verhandlungen Ratio n a lli b e r al e, Konservative, "Christlich-Soziale und Zentrum beschlossen, von der bis dahin beabsichttgten Aufstellung eigener Kandidaten abzusehen, und, einer Anregung des Zentrums folgend, den Grafen v. Posadowsky-Wehner als gemeinsamen Kandidaten aufgestellt. Graf Posa- d o w s k y hat die Kandidatur auch bereits angenommen. Er wird für den Fall seiner Wahl fraktionslos werden.
— Der Erlaß an die Landräte. Berlin, 30. Okt. Die „Nordd. Allg. Ztg." wendet sich gegen die von verschiedenen Blättern verbreitete Nachricht, wonach an die Landräte eine Anweisung ergangen sei, die diest zur nachhaltigen Orientierung über schwerwiegende Angriffe gegen die Regierung in der Presse oder in Flugblättern, die auf die Neichstagswahlen einwirken könnten, auffordert. Die „Nordd. Allg. Ztg." stellt demgegenüber fest, daß der preußische Minister des Innern lediglich die Regierungspräsidenten und zwar bereits am 12. September ersucht hat, ihm über die in der Provinz gegen die Polittk der Staatsregierung gerichteten, auf wirkliches oder angebliches Tatsachen- oder Zahlenmaterial gestützten Angriffe schwerwiegender Natur, welche die kommenden Reichstagswahlen zu beeinflussen vermögen, Bericht zu erstatten, um so eventuell Gelegenheit zu haben, in sachlicher Form gehaltene Erwiedrungen zu veranlassen. Von einem Ersuchen um Angabe der Kosten der betreffenden Erwiderungen, sowie von einem Rat an die Landräte, sich die Flugblätter der Parteien auf vertraulichem Wege zu beschaffen, enthalte der Erlaß kein Wort. Wie man der Regierung wegen dieses Erlasses ein unzuläsfi- ges Eingreifen in die Neichstagswahlen zugunsten besttmmter Parteien vorwerfen könne, sei unverständlich. Es sei nicht nur das gute Recht der Regierung, die auf unrichtiges Tatsachenoder Zahlenmaterial gestützten Angriffe gegen ihr« Polittk sachlich zurückzmveisen, sondern, so
bald solche Angriffe nach Att und Inhalt die» erforderlich machten, auch ihre Pflicht.
— Das Bataillon Lippe-Detmold. Detmold, 30. Ott. An den Fürsten Leopold zu Lippe hat der Kaiser heute folgendes Handschreiben gerichtet: „Es gereicht mir zur besonderen Freude. Eure Durchlaucht benachrichtigen zu können, daß ich das 3. Bataillon des Infanterie-Regiments Graf Bülow v. Dennewitz (6. Westfälisches) Nr; 55, das in Euerer Durchlaucht seinen erhabenes Chef verehrt, zum Träger der Ueberlieferungen d:s ehemaligen Füsilierbataillons Lippe bestimmt und dessen Stiftungstag auf den 20. Juni 1697. festgestellt habe. Eurer Durchlaucht mir geäußertem Wunsch entsprechen zu können, hat mir eine um so größere Genugtuung gewährt, al- ich dadurch die erwünschte Gelegenheit gefunden habe, die Erinnerung an die von den Lippi- schen Truppen ruhmvoll bestandenen Kämpfe, insbesondere an die Hingebung und Tapferkeit, die sie in dem Mainfeldzug des Jahres 1866 bewiesen haben, zu beleben und in meinem Heer für alle Zeiten wachzuhalten. Ich benutze diesen Anlaß, um die Versicherung oer freunvschafk- lichen Gesinnungen zu erneuern, womit ich verbleibe Eurer Durchlaucht freundwilliger Vetter Wilhelm R."
— Verstorbener Parlamentarier. Mülhausen im Elsaß, 30. Ott. Heute Nachmittag 12 Uhr verschied im Hospiz Sankt Peter auf dem Ottilienberge Prälat Kanonikus Ladolin Winterer, Stadtpfarrer der Sankt Stefanienpfarrei in Mülhausen. Prälat Winterer war eine der markantesten Persönlichkeiten im elsässischen politischen Leben. Er vertrat seit einer langen Reihe von Jahren den Bezttk Altkirch im Reichstag und im Landesausschuß.
— Aus der brandenburgischen Provinzialsynode. Berlin, 30. Ott. Die brandenburgische Provinzialsynode nah min ihrer heutigen Sitzung eine von den Positiven eingebrachte Resolution mit 132 gegen 19 Stimmen an, in der gesagt wird, die Provinzialsynode halte entgegen den Bestrebungen, die die Gemeinden einer schrankenlosen Lehrfreiheit preisgeben wollen, an der evangelischen Landeskirche als der einheitlichen Bekenntnisgemeinschaft fest, deren unveräußerliche Grundlagen in der heiligen Schrift gegeben und in den evangelischen Bekenntnis- schriften bezeugt sind. Den Geistlichen und den EeWHndemitgliedern legt die Resolution dringend xtns Herz, sich verletzender, unwürdiger Angriffe und Agitationen gegen die pflichtmäßige Wahrung des Bekenntnisstandes zu enthalten. Seitens der Liberalen wurde eine Erklärung zu dieser Resolution abgegeben, in der bestritten wird, daß in der gegenwärtigen starken Bewegung, in der das evangelische Volk nach Verwirklichung der ttrchlichen Freiheit ringe, eine Gefahr für die Landeskirche zu erblicken sei. Die Liberalen betonen in der Erklärung weiter ihr gutes Recht in der evangelischen Landeskirche.
— Reue Amtsrichterstelle«. Wie die „Kreuzzeitung" hört, werden im preußischen Etat für 1912 weitere Stellen für Amtsrichter angefordert werden. Durch Erweiterung der Zuständigkeit der Amtsgerichte ist bei der Mehrzahl derselben eine derartige Eeschäftszunahme eingetreten, daß die bisher in Ansatz gebrachten Stellen nicht ausreichen. Außerdem ist aber durch die von Jahr zu Jahr wachsende Zahl von Prozessen gerade in den untern Instanzen eine stärkere Belastung eingetreten. Die Wirkungen des Gesetzes von 1909 wurden zuerst im Etat für 1910 bemerkbar. Es wurden neue Stellen bei 105 Amtsgerichten angefordert. Im letzten Etat wurden die Stellen für 12 Landgerichtsdirettoren, für 22 Landrichter und 59 Amtsrichter eingesetzt. Nach Bewilligung des Etats für 1910 waren 1359 Landrichter und 3563 Amtsrichter vorhanden, und diese Zahl erfuhr durch die Forderungen des letzten Etats eine Vermehrung auf 1381 Landrichter und 3623 Amtsrichter.
— „La Lorraine Sportive". Leipzig, 30. Okt. Im Prozeß gegen die drei Vorstandsmitglieder des Vereins „La Lorraine Sportive" erkannte das Reichsgericht auf Verwerfung der Revision. Der Hausfriedensbruch fei einwandsfrei festgestellt, die Angettagten waren sich der Rechtslosig- keit ihres Vorgehens bewußt.
— Verbot journalistischer Tätigkeit der Bolksschullehrer. Aus Weimar wird gemeldet: Durch eine soeben erlassene Verfügung der groß- herzoglichen Staatsregierung wird den Volkr- | fchullehrern des Erotzherzogtums aufs strengste,