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1911

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Marburg

Sonntag, 29. Oktober

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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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DieCUerbcfitfrtie Zerrung" eqe^emt täglich mit Auenrhw.r Der emn« | und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 JC (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen Jwo 250 und der Expedition (Markt 21) 2.00 Jt frei ins Haus. (Für unver« w'- langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei

Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hitzerothl, Markt 21. Telephon 55.

Erstes Blatt.

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Rückblick.

Die Wahlen stehen vor der Tür, nur wenige Wochen trennen uns von demschicksalsschweren" 12. Januar. Daß man es unseren Radikalinskis niemals recht macht, zeigt sich auch hier. Schon beschwert sich derVorwärts", daß die Zeit zur Agitation zu kurz sei. Früher konnte man sich freilich nicht genug mit seiner Bereitschaft brüsten. Man wollte im Gegenteil die Wahlen möglichst früh und verdächtigte die Regierung, daß sie die Wahlen absichtlich hinausschiebe, um dieEmpörung des Volkes" im Sande verlaufen zu lasien. Im Frühjahr sagte Herr Ledebour im Reichstage, daß ihretwegen die Wahlen in sechs Wochen eintreten könnten, jetzt sind es elf. Das ganze Gerede zeigt eben bloß, daß man es den Herren nicht recht machen kann, und wie sie mit der Wahrheit umgingen, beweist die Behaup­tung desVorwärts", eine soausgiebige Wahlagitation" wie im Jahre 1907 sei diesmal nicht möglich, und doch sind vom 13. Dezember 1906 bis zum 25. Januar 1907 nur 6 Wochen.

Keine Partei hat bis jetzt so viel Wahlagi­tation getrieben als die Genossen. Ihre Be­schwerde kann nur heißen, daß sie sich ihres Er­folges nicht so sicher fühlen als sie vorgeben. Da heißt es denn: Entrüstungsmittel Herl Zur rechten Zeit hat man eine amtlicheWahlmache" entdeckt. Die Regierung soll die Landräte an­gewiesen haben, auf schwerwiegende Angriffe wider die Regierung aufmerksam zu machen, da­mit sachliche Erwiderungen gegeben werden können. Verhält es sich so, so erfüllt die Regie­rung nur eine ganz selbstverständliche Pflicht. Es gehört schon die ganze sozialdemokratische Verdrehungskunst dazu, hieraus eine Wahlmache zugunsten derherrschenden Parteien" zu kon­struieren. Nicht uninkeresiant ist auch, daß sich der Freisinn jetzt an diesem Treiben beteiligt, der eine kräftige Stellungnahme der Regierung bei den Blockwahlen, als sie ihm zugute kam, durchaus nicht für absonderlich hielt.

Ein besonderes Zugstück in der Wahlagi­tation sollte dieTeuerungsfrage" werden. Eine Woche lang hat man im Reichstage Reden zum Fenster hinaus gehalten. Wer sie einigermaßen aufmerksam liest, wird erkennen, daß sie weniger den Zweck verfolgten, wirkliche Mittel zur Lin­derung der teuren Preise vorzuschlagen, als eine Mißstimmung des Volkes, die bei hohen Lebens­mittelpreisen ganz natürlich ist, gegen die Re­gierung zu verwenden. Man hat ja auch gar kein Bedenken getragen, immer wieder auf die Wahl hinzuweisen und so seine eigenen Absichten zu demaskieren. Und kaum hatte der Reichs­kanzler sich für den Schutz unserer heutigen Wirtschaftspolitik eingesetzt, da hatte man die Wahlparole fertig. Der Erfolg der Debatte dürfte die Hetzer kaum befriedigen. Es hat sich gezeigt, daß zum Schutze unserer Wirtschafts­politik eine große Mehrheit vorhanden ist, die einen starken Rückhalt im Volke hat. Selbst der Freisinn und viele Sozialdemokraten wagen heute nicht mehr für den Freihandel einzutreten, das bleibt den radikalen Genossen und den Herren von der Demokratischen Vereinigung vorbehalten. Man wußte wohl, daß die Re­gierung vorübergehender Teuerung wegen unser ganzes Wirtschaftssystem nicht über den Haufen werden würde, man wollte sie deshalb in einer Lage zeigen, in der sie bei zweifellos vor- bandenen Mißständen geäußerten Wünschen ge­genüber nicht nachgab. Wenn aber Redner sich über den abweisenden Ton der Regierungsver­treter beschwerten, so wurde vom Regierungs­tische mit Recht erwidert daß die Art, wie ein Mißstand, der doch auf Einflüsse zuriickzu- führen ist, über die selbst der Reichstag nicht ver­fügt, im parteipolitischen Sinne hetzerisch aus­gebeutet würde, nichts anderes erwarten könne. Eine andere Frage ist, ob die Regierung sich unbeschadet ihrem Festhalten an unserem Schutz­zollsystem nicht doch zu zeitweiligen Konzessionen ßnbezug auf Zollerleichterungen hätte entschließen fallen. So schlagend die Ausführungen des Kanz­lers über die Nutzlosigkeit zeitweilige, Zoll- p«p«sionen war. Es hieße der Agitation im

Lande Boden entziehen, wenn der Beweis im eigenen Lande erbracht würde. Darin freilich muß man der Regierung recht geben, daß sie am Schutzzoll festhält und hierin findet sie auch im Volke einen starken Rückhalt.

Von wichtigeren Regierungsmaßnahmen auf innerpolitischem Gebiet sind die neuen Bestim­mungen des preußischen Kultusministeriums über das höhere llnterrichtswesen hervorzuheben. Der eine Erlaß bezweckt, einer einseitigen Wert­schätzung des sogenannten Extemporales, die zu einer Spannung und Beunruhigung der Schüler und Lehrer führte, entgegenzutreten. Ein ande­rer Erlaß behandelt die Stellung der Provinzial­schulräte zu den Lehrerkollegien im Jnteresie des erzieherischen Wirkens der Schule; die Provin- und dadurch in den Stand gesetzt werden, durch zialschulräte sollen von Vureauorbeiten entlastet häufigere Berührung mit den Lehrkörpern be­lebend und befruchtend aus deren Tätigkeit zu wirken.

Der Kabinettswechsel in England hat die Hoff­nung auf ein Abnehmen der englischen Flotten- rüstungen wachsen lasten, indem Minister Chur­chill als ein Gegner der energischen Flotten­politik des Herrn Mc.Kenna bekannt ist. Vor einiger Zeit hat aber Herr Churchill, schon im Hinblick auf seine jetzige Stellung, bereits eine Rede gehalten, in der auch er die Wichtigkeit einer starken Flotte hinwies. Nachdem von England aus uns während der Marokkovcr- handlungen eine Sprache geführt hat, die von Demütigung nicht weit entfernt war, versucht man es jetzt wieder mit lockenden Tönen. Die DailyNews" schreiben in einem ArtikelLos von Frankreich:Wir kamen mit fast blinder Loyali­tät unseren Verpflichtungen unter unserem Ab­kommen mit Frankreich nach. Unsere Hände sind nun jedoch frei, mit Deutschland zusammen zu arbeiten, wo nur immer unsere Interessen identisch mit den seinen sind. In der Aufrecht­erhaltung der offenen Tür sollte man Deutsch­land und England in allen Teilen des Erdballs zusammenarbeiten sehen. Daher kann und mutz das Ende der Marokkokontroverse das Ende der gespannten Beziehungen mit Deutschland sein."

Vor der Hand können die Herren versichert sein, daß wir nicht so dumm sind, uns durch diese Sirenengesänge locken zu lasten. Erst Beweise?

Französische Flottem kaudale.

In Frankreich sind wieder einmal die nieb« lichsten Skandale an der Tagesordnung. Zu­nächst beschuldigte Oberingenieur Maissin das Kriegsministerium, einen von ihm im Februar 1909 eingereichten Bericht über die Untauglich­keit mehrerer Pulversorten für die Sicherheit der Kriegsflotte unterschlagen zu haben. DemMa- tin zufolge ist außer dem Bericht Maissins auch ein Bericht Dejans verschwunden, der die Ver­legung Maissins und Louppes beantragt hate. Marineminister Delcastö, der heute die beiden letztgenannten Oberingenieure vernehmen wird, erteilte den Befehl, daß die Pulvervorräte der PanzerschiffeDemocratie" undErnest Renan", die desselben Ursprungs wie die derLiberty" sind, sofort ausgeladen werden sollen.

Die Erklärung Maisstns rief natürlich das größte Aufsehen hervor. Jetzt nun beschuldigt Oberingenieur Louppe seinen Gegner Maissin. daß er im Finisterre-Departement an einer mit deutschem Eelde gegründeten Fabrik zur Erzeu­gung von Schießbaumwolle beteiligt gewesen sei. Diese Fabrik, die seither in ein anscheinend fran­zösisches Unternehmen umgewandelt worden sei, habe vom Kriegsminister für fünf Jahre eine Bestellung von 500 000 Kilogramm Schießbaum­wolle erhalten. Maissin erklärt diese Enthül­lungen als Verleumdung. Während sich nun die beteiligten Kreise LiebenswürdigkMen an den Kops werfen, kommen aus Toulon neue Nach­richten über eigenartige Vorfälle auf Kriegs­schiffen.

Toulon, 26. Okt. An Bord des Linien­schiffesDiderot" ist infolge Kurzschlußes in der Abteilung der Dynamomaschinen Feuer ausge­brochen. Durch sofortige Maßnahmen wurde die Gefahr in wenigen Minuten beseitigt. Auch an Bord des LinienschiffesJustice" trat Kurz­schluß ein. Die Funken flogen in die Nähe der vorderen Pulverkammern, die sofort unter Was­ser gesetzt wurden. Zu den Vorfällen wird noch gemeldet, daß auf beiden Schiffen infolge de? Vorfalls eine lebhafte Panik entstand. Fünf

Matrosen, die durch ihr Geschrei zu der Panik aus derJustice" beigetragen hatten, wurden in Gewahrsam genommen. Der Marineminister hat den Seepräfekten telegraphisch um einen ein­gehenden Berichte über die beiden Vorkommniste ersucht.

P a r i s, 27. Okt. Der Kapitän des Panzer­schiffesJustice" erklärte, die Untersuchung habe ergeben, daß die gestern an Bord derJustice" von einigen Matrosen signalisierten Funken­erscheinungen weder durch einen Kurzschluß noch durch Entzündung des Pulvers verursacht wor­den seien. Man habe nur einen sehr scharfen eigenartigen Geruch wahrgenommen, der viel-. leicht den Schluß zulaste, daß die aus dem Pul­ver sich entwickelnden Aether- und Alkoholdünste sich in dem Aufzug der Pulverkammer entzün­deten und die Lichterscheinung hervorgerufen hätten.

Man sieht aus all diesen Vorgängen, wie weit in der gepriesenen französischen Republik die Korruption und Mißwirtschaft geht.

Der Krieg um T'ipolis.

Roch immer steht der italienisch-türkische Krieg im Vordergrund des Jniereff.s.

Bon einer weiteren Ausdehnung ihrer Opera­tionen gegen das europäische Gebiet der Türket haben die Italiener abgesehen. Sie haben auch alle Hände voll zu tun, um die Okkupation von Tripolis, die fie sich anscheinend viel zu leicht vorgestellt haben, durchzuführen. Die arabischen Stämme im Hinter­land haben zu den Waffen gegriffen und leisten im Verein mit den türkischen regulären Truppen er­bitterten Widerstand. Es ist schon zu heftigen ver­lustreichen Kämpfen gekommen, und fei den Rekognoszierungen nach dem Süden hat sich heraus­gestellt, datz die militärische Ausrüstung der Italiener für den Wüstenfeldzug wenig geeignet ist. Das jetzige Expeditionskorps genügt nicht, es sollen daher schleunigst weitere 10 000 Mann zur Ver­stärkung nachgesandt werden.

lieber die letzten Kämpfe um Tripolis meldet die Agenzia Stefani":

Tripolis, 27. Okt. Rach einer durchwachten, aber ruhigen Nacht, bemerkten die Italiener gegen 5 Uhr 20 Min gestern früh, daß die Türken, gestützt auf beträchtliche Araberkontingente einen neuen An- griff planten. Es handelt sich zweifellos um eine große Menge Bewaffneter; mehr als 6000.

Die Angreifer wurden unter Berlust zurückge- schlagen, kamen aber mit Unterstützung von regulärer Infanterie wieder zurück. Durch Flugzeuge wurde am Sonnenaufgang die feindliche Stellung erkundet, und nun konnte die italienische Artillerie in der Kampf eingreifen, worauf sich die Angreifer zurück­zogen. Einige Abteilungen des 40. Infanterie­regiments ließen die Araber bis an die Schützen­gräben kommen; dann eröffneten sie ein sehr heftiges Feuer auf die Araber, zwangen fie unter großen Verlusten zu fliehen und verfolgten sie mit dem Bajonett. Bon der türkischen Arttllerie wurde eine Batterie vernichtet. Verluste des Feindes find außerordentlich schwer; fie überschreiten sicherlich 1000 Tote und entsprechend viele Verwundete. Die italienischen Berluste dürsten 100 Tote und Ver­wundete nicht überschreiten. Einige Italiener fielen durch verräterischeSchüste der Araber von hinterrücks. Die Maßnahmen zur Säuberung der Oase werden energisch fortgesetzt.

Konstantinopel, 27. Okt. Nach einer der Pforte zugegangenen Meldung des türkischen Kom­mandanten von Tripolis vom 23. ds. hat die Garni­son von Demo den Italienern tapferen Widerstand geleistet und ihnen große Berluste beigebracht. Schließlich zogen sich die Türken in Ordnung nach einem früher ausgearbeiteten Plan zurück und nah­men eine sichere Stellung ein

Die Revolution in China.

Peking, 27. Okt. Der Führer der Aufftändischen, Liyuanhenq, teilte den fremden Konsuln in Hankau mit, er sei zum Präsidenten der chinesischen Republik prollamieri. Die hiesigen fremden Gesandten, denen die Ankündigung übermittelt wurde, ließen dieselbe unbeantwortet. Lihuanbeng machte ferner den Vor­schlag, daß er die Verwaltung der Zollämter in Tschangscha und der anderen im Besitz der Auf­ständischen befindlichen Häfen übernehmen wolle. Die Gesandten erhoben jedoch dagegen Einspruch und wiesen darauf hin, daß die Zölle zur Verfügung des Generalinspekteurs bleiben sollen. Die Gesandten antworteten also nur auf eine Anfrage LiyuanhengS, welche die Jnteresten der fremden Mächte blrett be­rührt. Indem die Mächte die durch die force majeure geschaffene Lage anerkannten, handelten fie in Gemäßheit mit den Bestimmungen der internatio­nale« Rechte für solche Fälle. Die Gerüchte über

den Tod des Kriegsministers Mntschang erhalten fich hartnäckig und versetzten die Beamten, wie die Mand- schuS in Peking in große Unruhe. Ihre Familie« wandern weiter in großer Anzahl auS. Die Fremden- niederlaffungen in Tientsin und im Süden füllen sich mit Flüchtlingen. Die hiesigen fremden Banken wäre» geneigt, der Regierung Beistand zu gewähren. Da sie aber zu der Ansicht kamen, daß die Lage rem politischen Charakter annahm, fo unterbreiteten sie die Frage ihren Oberleitungen in Europa und Amerika. Nach etwas unbestimmt gehaltenen amtlichen Berichte« sollen die Regierungstruppen die Aufständischen geftern geschlagen und Tschangtoefu eingenommen haben, wobei die Aufständischen 700 Tote haben sollen. Die Regierung erhielt jedoch keine Bestätigung dieser Nachricht.

Wladiwostock 27. Okt. In der Nordmandschurei drohen die Tschnntschusen mit Raub und Mord. Der Aufruhr ergreift die Bevölkerung der Provinz Mukden. Große Trnppenmassen werden auf Mukden konzen­triert, wohin sich das kaiserliche Hoflager und die kaisertreuen Truppen zurückziehen sollen, falls Peking Gefahr droht. In Charbin ist ein russischer Vieh­händler von den Tschuutschuseu ermordet worden.

Dos Exiemporale in den Schulen.

Berlin, 26. Okt. Gegen die Crux von Lehrern und Schülern an unfern höheren Lehr­anstalten, gegen die schriftlichen Klassenarbeiten und ihre ausschlaggebende Bewertung wendet sich, wie bereits gemeldet, in einem vom 24. Ott. datierten Erlaß der preußische Kultusminister. Ausführlich heiß es dort:

In den Lehrplänen von 1911 ist unter III, 6 Abf. 2 bestimmt, daß mit aller Entschiedenheit einer einseitigen Wertschätzung des sogenannten Extemporales entgegenzutreten ist. Trotz dieser Mahnung werden die vorgeschriebenen schrift­lichen Klassenarbeiten noch immer vielfach als Hauptwertmeffer der Leistungen der Schüler be­handelt und so von den Lehrern, den Schülern und den Eltern eingeschätzt. Bei solcher Auffas­sung hängt Wohl und Wehe der Schüler von dem Ausfall dieser Arbeiten ab, und bei ihrer durch Lehrpläne angeordneten häufigen Wiederkehr führen fie dann zu einer in vielen Hinsichten schädlichen dauernden Spannung und Beunruhi­gung der Schüler wie der Lehrer. Insbesondere ist die Erlernung der alten Sprachen durch un­zweckmäßigen Betrieb des lateinischen und grie­chischen Extemporales wesentlich erschwert wor- , den. Aber auch in andern Fächern, in den neuern Sprachen und in der Mathematik, wer­den die schriftlichen Klaffenarbeiten oft in den Mittelpunkt des ganzen Unterrichts gerückt, und die Gefahr liegt nahe, daß die Lehrer ihre Zeug- niffe nach dem Durchschnitt der diesen Arbeiten erteilten Prädikate geben. Dabei zeigen die Be­obachtungen bei Revisionen nicht selten, daß mehr als die Hälfte der schriftlichen Klaffenarbeiten nicht genügend ausfällt, sodaß sie keine geeignete Unterlage für eine richtige Beurteilung der Schüler bilden können. Das Urteil der Lehrer geht bann in der Regel dahin, daß die münd- Iia;en Leistungen der Schüler unverhältnismäßig besser seien als ihre schriftlichen Klaffenarbeiten. Hierin zeigt sich klar, daß ein solcher Betrieb dieser Arbeiten an einem innern Fehler leidet und grundsätzlich geändert werden muß.

Die schulmäßige Erlernung einer fremden Sprache ist nicht möglich ohne vielfältige schrift­liche Uebungen in der Sprache selbst, mögen sie in Uebersetzungen bestehen oder in freierer Ge­staltung gegebenen Stoffes. Unrichtig aber i.i es, wenn diese Uebungen, durch die Schüler lernen soll, schriftlich genau zu formen, was er durch Auge und Ohr ausgenommen hat, zur Prü­fung seiner Leistungen so benutzt werden, daß von dem Ausfall dieser Arbeiten das Zeugnis und die spätere Versetzung wesentlich abhängt. Bei solchem Verfahren arbeitet der Schüler unter einem Druck, der dem Erfolg des Unter­richts schädlich ist. Die Sicherheit in der An­wendung des Erlernten kann erst dann von ihm verlangt werden, wenn er durch häufige münd­liche und schriftliche Anwendung eine völlige Vertrautheit mit dem Sprachstoff erlangt hat, in dem er sich ausdrücken soll. Um eine diesen Erwägungen entsprechende Behandlung der schriftlichen Uebungen zu erreichen, hebe ich die Bestimmungen der Lehrpläne über die schrist^ lichen Klaffenarbeiten auf und ordne statt deffe« folgendes Verfahren an: -