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1911

Marburg

Donnerstag, 26. Oktober

Der Snzeigrnpreis verragr für die 7gespaltene Zeit« oder deren Raum 16 4-, bei auswärtigen Anzeigen 20 j., für Reklamen die Zeile 40 Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. 7 ' Rabatt gilt eil Barrabatt. Bet Konkurs kein Rabatt. Verbindlich, kett für Platz-, Tatenvorschrift und Beleglieferung ausgcschloflen. Zahlungen im Postschecknerkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Pestscheckamtes ttronkfurt a. M.

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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage"

Erstes Glatt.

Die Teuerungsdebatte.

ItzMkWWsLationsdebatten gleichen dem Wett­lauf zwischen dem Swinegel und dem Hasen. Gleich drei Interpellationen lagen vor, die den Anlaß geben sollten zu einer Debatte über die Verteuerung der wichtigsten Lebensmittel. Zwar wissen auch die Reichsboten und selbst die rötlichen Herren könnten es wissen, daß, wie in Aegypten die sieben mageren Jahre die sieben fetten verzehren, und wenn die Sonne alles ver­brennt, das Angebot an Früchten fällt und die Preise steigen. Mit dieser allgemeinen Erkennt­nis gibt sich aber niemand zufrieden. Die einen Überlegen, wie die Folgen des heißen Sommers, die gesteigerten Preise, gemildert werden können, und wie bekannt, ist durch Kommunen und Ver­waltung bereits vieles geschehen. Die anderen wißen, daß pekuniär so unerquickliche Lagen eine Stimmung der Unzufriedenheit erzeugen, die sie als günstigen Boden für eine Hetze gegen die Re­gierung gut gebrauchen können. Alle Not kann die Negierung ändern, sie ist nur bösartig und will nicht. Für die Preisbildung der Lebens- mittel spielt zwar der Zoll, der, wie längst nach- gewiesen, überhaupt nicht voll in die Erscheinung tritt, nicht eine bedeutende Rolle; viel wesent­licher wirken ganz andere Faktoren: die Ernte, die Spekulation des Welthandels u. a. Weiß man doch, daß die Preissteigerungen zu Zeiten des Freihandels noch bedeutender waren, als zu Zeiten des Schutzzolles. Aber man will ja im Reichstage überhaupt nicht ernstlich auf Mittel zur Linderung der hohen Preise sinnen, man will agitieren gegen die Regierung, die heute bett Schutzzoll vertritt, der in Deutschland einen großartigen wirtschaftlichen Aufschwung ermög­licht und begünstigt hat, obwohl er die Schatten- feiten einer gewißen Verteuerung der Lebens­mittel nun einmal an sich hat.

So werden unter den Händen der Opposition die Folgen des Sommere ;u einer Mißwirtschaft der Regierung, so hofft man viele rote Hasen bei dem nächsten Kesieltreiben der Relchstags- wahl einzusangen. Die Montagsdebatte im Reichstag bot in den Wünschen der Opposition nichts neues. Die kleinen Mittel, die vorgeschla­gen wurden, waren wochenlang vorher in den Leitartikel der großen Parteiorgane zu lesen. Daß die Regierung das Wirtschaftssystem nicht von heute auf morgen ändern kann, wißen die Herren selbst. Es handelt sich um Reden zum Fenster hinaus und um einige neue Schlagworte. Was Herr Oeser sich wohl dabei gedach hat, wenn er sagt:Die höheren Zölle schafften reiche Väter, aber arme Söhne." Herr, dunkel ist der Sinn.dieser Weisheit. Wenn die Teuerung ihm das gewollte Produkt der Wirtschaftspolitik ist, so kann man nur annehmen, daß er sich in einer Position befindet, auf die Sonnenschein und Regen keinen Einfluß hat; denn von den Verhältnißen dieser beiden im letzten Sommer hat er nichts gesagt. Von den Mätzchen der So­zialdemokraten wollen wir gar nicht reden.

In einer bedeutsamen Rede hat der Reichs- kanzler geantwortet. Wenn in Zeiten anor­maler Witterung, wie eben jetzt, die schutzzöll- nerifche Rüstung gewiße Härten mit sich zu brin­gen scheint, so muß den erwiesenen llebelständen mit angemeßenen Heilmitteln begegnet werden, man hütet sich aber vor der Anwendung von Ge­waltkuren, die ein akutes Leiden vielleicht lin­dern, zugleich jedoch den gesamten volkswirt­schaftlichen Organismus erschüttern könnten und müßten. Vor solchen verhängnisvollen Not­standsrezepten warnte der Reichskanzler, indem er eingehend darlegte, daß die jetzt so warm empfohlenen Breschenauf Zeit" im nationalen Zollgemäuer dieses selbst bis in seine Grund- vesten erschüttern würden. Die Rede wurde zu einer Verteidigung unseres Wirtschaftssystems, wobei sie, auf die Verhältniße eingehend, nach­wies, daß die vorgeschlagenen Zollerleichterungen an den Preisen nicht viel ändern würde«. Die Rede erscheint so klar und sachkundig, daß wir ste heute ganz zum Abdruck bringen. Zum Schluß erinnerte der Reichskanzler daran, daß der nächste Reichstag auch über Freihandel oder Schutzzölle zu entscheiden habe. Wie auf Kom- mando erklärt die Preße der Linken dies als WahlparoledesKanzler»!? Sehr ge­

schickt; denn wirtschaftliche Fragen sind immer eine schlechte Wahlparole, schon weil sie so schwie­rig sind, daß die gewerbsmäßigen Agitatoren auf ihren inneren Zusammenhang einzugehen sich ersparen können. Mit Schlagworten läßt sich hier trefflicharbeiten".

Daß bei einer Wahl auch die Zollpolitik zur Debatte steht, dürfte selbstverständlich sein, be­sonders bei einem Reichstage, der darüber ent­scheiden soll. Es ist aber in der Tat eine Frage von Bedeutung, ob die zeitweilig hohen Preise imstande sind, dem fast toten Manchestertum wieder neues Leben einzuhauchen.

Schluß der Rede des Reichskanzlers aus dem 2. Blatt.

Zahlreiche größere Stadtverwaltungen haben mit Erfolg Einrichtungen getroffen, oder in Aussicht ge­nommen, um im Hinblick auf eine etwa eintretende Fleischteuerung den Seefischrerkauf zu erleichtern. (Beifall.) Ich kann nur die Hoffnung ausfprechen, daß diese Einrichtungen Bestand haben werden über die Zeiten der Teuerung hin us. (Beifall! rechts.)

In Zeiten der Not heißt es doch: Zug^eifen, und ich glaube, derjenige tut mehr, der den Konsumenten beim täglichen Einkauf der Lebens littet zu billigeren Preisen zu verhelfen sucht, als derjenige, welcher sich immer nur theoretisch über das Ver­kehrte unserer Wirtschaftspolitik ausspricht. (Leb­haft« Zusttmmung! rechts, und in* Zentrum.) Aber, bei allem, was die Regierungen tun, auch bei der Vertretung ihrer Wirtschaftspolitik, wird von den Gegnern stets der Einwand entgegengehalten: Ja, wenn wir diese Wirtschaftspolitik nicht hätten, dann wäre keine Not entstanden, (Lachen rehts.) oder wir würden ste leichter Überstehen. Praktisch hat unser« Wirtschaftspolitik lange genug gewirkt, um die Ergebniffe beurteilen zu können. (Sehr richtig! Hechts und links.) Als ste eingelettet wurde, prophe- ,jelte man, daß sie das Grab unseres Exporthandels fein werde, und daß ste Handel und Industrie in Fesseln schlagen würde. Was ist aus der Prophe­zeiung geworden? Das gerade Gegenteil ist einge­treten. Handel und Industrie haben einen Auf­schwung genommen, um den uns das Ausland be­neidet. (Sehr wahr! rechts, Zuruf« bet den Sozial­demokraten) Die Landwirtschaft hat in ihrer Pro- dukttons-' und Kauf-Kraft stark zugenommen. (Sehr richtig! rechts.) Das sind Dinge, die unbeftteitbar sind und die keines Beweises bedürfen. Freilich sind gleichzeitig die Kosten der Lebenshaltung gestiegen. Diese Steigerung wird von den Gegnern unserer Wirtschaftspolitik, soweit sie bei landwirtsch'ftlichen Produkten eingetreten ist, eben auf diese Politik zu- rückgeführt. Die Herren Lbc^sehen dabei, dieses in den Zeiten des Freihandels, z B. in der Periode von 1871 bis 1897 die Eetreidepreise überhaupt höher ge­stiegen waren, als in den nachfolgenden Perioden. Di« Herren übersehen daß die Steigerung der Kosten der Lebenshaltung auf die gesamte Lebenshaltung, auf Wohnung, Kleidung usw. sich bezieht. Vor allen Dingen übersehen die Herren, daß die Steigerung der Kosten der Lebenshaltung die notwendige Be­gleiterin der Gesamtentwicklung ist, die in kurzer Zeit so rapide Fortschritt« gemacht hat, wie es bei uns in Deutschland der Fall gewesen ist.

Trotz des erhöhten Aufwandes, den der Einzelne für feine Lebenshaltung machen muß, ist nicht nur der Nationalwohlstand gestiegen, sondern auch die Lebenshaltung des Einzelnen verbessert worden, auch in den Kreisen der Arbeiterschaft. Sie scheinen dis zu bestreiten, ich will Sie nicht mit Aeußerunge.r Ihrer eigenen Parteigenossen zu widerlegen ver­suchen, vielleicht würden Sie sie verleugnen. Ich will Sie auch nicht Hinweisen auf das Anwachsen dec kleinen und kleinsten Sparkasseneinlagen, auf das Steigen der Einkommensteuerkurven. Ich will Sie nur eins fragen: Die Verelendungstheorie ist doch ein zu kräftiges Agitationsmittel. Hätten Sie die,e Theorie so beiseite geschoben, wie Sie es tatsächlich tun, wenn Sie noch in den sakrischen Verhältnissen Begründung fänden, und wenn sie nicht durch die Praxis widerlegt wäre? Und, weil gerade unsere auffteigende Entwickelung vor dem Arbeiterstande nicht Halt gemacht hach halte ich ihre Grundlage für gesund. Was besagen dieler Gesamtentwickelung gegenüber die alten Rechenexempel, die Sie auf­stellen, mit denen Sie dem Volke zeigen, um wieviel Pfennige das Pfund Brot, der Liter Petroleum und die Schach el Streichhölzer durch die angeblich der Profitgier der Kraut- und Schlotjunker entsprunge­ne.! indirekten Steuern gestiegen ist? Nach solchen Einzelheiten bemißt sich nicht der Wert oder Unwert des Wirtschaftssystems, sondern danach, ob er die Kräfte eines Volkes vermehrt oder verkümmert hat. Nun, nicht Darben und Hungern find es, di« di« Expanfionskraft und den Expanfionsdrang erzeugt haben, der in unserem Volke lebt. Aber Sie wollen cs einmal anders versuchen, verständliche Unmut über gesttegene Preise macht Ihnen im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen neue Hoffnung. Deshalb wird agitiert, und vielfach auch ohne Skrupel agi­tiert. Der nächst« Reichstag wird wichtige Ent­scheidungen über unsere Wirtschaftspolitik zu fällen

haben. Sollte es der Agitation gelingen, die Zu­sammensetzung des nächsten Reichstages durch Sttmmungen zu beeinflussen, die die Folg« der not­wendigen Schäden der diesjährigen Dürre find, bann werden wir die vorübergehende Teuerung mit der schweren und dauernden Schädigung unseres gesam­ten Wirtschaftslebens bezhlen. Es steht mehr auf dem Spiel als die Debatte ti'et dieses und jene» Mittel, mit dem wir über die gegenwärtigen be­drängten Zeiten Hinwegzukommen suchen. Von größerer Bedeutung ist die dauernde Sicherung der­jenigen Zustände, unter denen unser wirtschaftliches Leben in allen Volksschichten aufgeblüht ist.

Die Herabminderung der Lebensmittelpreise allein kann niemals das leitende Prinzip einer ver­ständig orientierten Wirtschaftspolitik sein. Lohnend« Arbeit ist für jeden sozialen Fortschritt die not­wendige Vorbedingung. Lohnende Arbeit hat unser Volk, das sich an Arbeitslust durch kein Volk der Erde übertreffen läßt, unter den gegenwärtigen Wirtschaftssystem reichlich gefunden. Sollen wir dies segensreiche Ergebnis in Frage stellen durch wirt­schaftliche Experimente, wie Sie ste wünschen? Sollen wir damit di« Grundlagen unserer Volksernährung, unsere Finanz- und unserer Wehrkraft erschüttern » Wer die Verantwortung für c:nen solchen Schritt fühlt, wird ihn nicht tun. Für mich ist die ent­schlossene Festhaltung an der bisherigen Wirtschafts­politik Pflicht gegen das Land und ich werde mich durch keinen Angriff in der Ueberzeugung irre machen lassen, daß ich damit auf dem richtigen Wege bin!

Politische Umschau.

Die Marokkofrage.

Paris, 24. Okt. Der hier weilende marok­kanische Gesandte El Mokri hat bei dem franzö- sischen Ministerium des Aeußern über die in lldschda ohne Teilnahme des Maghzen erfolgte Verhaftung von marokkanischen Beamten Klage erhoben.

DerTemps" meldet: Am Quai d'Orsey sei man der Ansicht, daß der General Toutöe nicht das Recht gehabt habe, ohne Einvernehmen mit dem scheriftschen Oberkommißar eine Prü­fung der Kassen vorzunehmen, welche marok­kanische Kassen seien.

Paris, 24. Ott. Aus Tanger wird ge­meldet, daß General Toutäe trotz des ihm von der Regierung ausgesprochenen Verweises einen Militärzahlmeister, einen Hauptmann und zwei Beamte mit der provisorischen Leitung des Kom­missariats von Udschda betraute. DerMatin" meldet: Der gegenwärtige Kommandeur des 10. Armeekorps, General Mutey, der der Vorgänger Toutäes als Oberkommandant des algerisch­marokkanischen Grenzgebietes gewesen war, er- ttärte, General Toutse müße für die von ihm getroffenen Maßnahmen gute Gründe gehabt haben. Er hätte an seiner Stelle wahrscheinlich ebenso gehandelt.

Der Krieg um T jpolis

Malta, 24. Okt. Nach Briefen aus Ben- ghasi richtete das Bombardement der Italiener große Verheerungen an und rief eine große Panik hervor. Zahlreiche Wohnhäuser und an­dere Gebäude wurden zerstört, die Malteserkirche ist teils eingestürzt, wobei 8 Personen getötet, 10 verwundet wurden. Das britische Konsulat ist schwer beschädigt, der englische Konsul verletzt worden. Mehrere jüdische englische Staats­angehörige, die in das Konsulat flüchteten, wur­den getötet oder verwundet. Nach Briefen be­trägt die Zahl der Getöteten unter den Ein­geborenen schätzungsweise 4000.

K o nt, 24. Okt. DieAgenzia Stefan!" mel­det aus Venghasi: Die italienischen Truppen sahen sich bei der Landung einer feindlichen Streitkraft von nicht weniger als 500 oder 600 regulären Soldaten gegenüber, die durch 4000 oder 5000 Araber verstärkt waren. Die Verluste der Türken, insbesondere der Araber, find be­deutend; die Zahl der Toten beträgt etwa 400 die Angaben über die Zahl der Verwundeten schwanken zwischen 800 und 1200. Die Verluste des Feindes wären noch größer gewesen, wenn der Einbruch der Dunkelheit nicht seine Flucht in das Innere des Landes begünstigte. In der Stadt zurückgeblieben waren während der Nacht sehr wenig Menschen, welche die Toten bestat­teten und die Verwundeten fortschafften. Da­raus erklärt sich, daß die Italiener am folgenden Morgen, als fie die Stadt besetzten, fast keinen Widerstand fanden.

Rom, 24. Ott.Agenzia Stefans" meldet ans Tripoli» unter« 23. Ott.: Auf den gestrigen

Angriff auf die Vorposten der Italiener folgte bald die Erhebung der Araber der Oase, welche einen Flankenangriff aus die Italiener cms- führten, der zweifellos seit einigen Tagen vor­bereitet war. Das Vorgehen wurde eingeleitet durch Scharen arabischer Reiter, die unter de« dunklen Uniformen der Türken durch ihre weißen Mäntel hervorstachen. Diese Reiter warfen sich mit großer Wucht gegen die italienischen Linien, wurden aber durch die Eewehrsalven der Ita­liener aufgehalten und mit Verlust zurückgetrie- ben. Zur selben Zeit griff die türkische reguläre Infanterie, gedeckt durch Mauern und Gärten auf der anderen Seite an und versuchte die Ita­liener durch ein heftiges, aber nicht sehr wirk­sames Feuer zurückzutreiben. Während dieses Kampfes griffen Arabertrupps aus der Oase, die sich hinter Bäumen verborgen hielten, an und gingen im Flankenangriff gegen die italienischen Linien vor. Die Italiener machten, ohne Ver­luste zu erleiden, auch gegen diese Seite durch ein schnelles Manöver Front und es gelang ihnen, einen Teil der aufständischen Araber zu umzingeln und ihnen große Verluste beizu­bringen. ' Die Feindseligkeiten der Araber, die sich in der Oase zerstreuten, hörten auch nach dem Kamps nicht auf. Man meldete während des ganzen Tages Gewehrschüsse an verschiedenen Orten, man verhaftete alle,, die mit der Waffe in der Hand angetroffen wurden. Die Zahl der Verhafteten beträgt ungefähr 300. Ein Erlaß setzt die Todesstrafe für alle diejenigen fest, die mit Waffen angetroffen werden.

London, 24. Okt. Das Unterhaus trat heute zusammen. Der Liberale Mason fragte den Premierminister, warum die britische Regie­rung Italien und der Türkei nicht ihre gute» Dienste zwecks Beendigung der Feindseligkeiten angeboten habe. Asquith erwiderte, die Regie­rung sei nicht der Ansicht, daß irgend eine öffent­liche Mitteilung über diesen Gegenstand in die­sem Augenblick das durch Masons Frage ange­deutete Ziel fördern würde. (Allgemeiner Bei­fall.)

Deutsches Reiche

Aus dem Reichsanzeiger. Berlin, 23. Ott. Der Reichsanzeiger meldet: Es wurden ver­liehen: Die zweite der zweiten Abteilung des Luisenordens Frau Emma Mumm v. Schwarzenstein geb. Passavant in Frankfurt a. M., die rote Kreuzmedaille zweiter Klasse Fra« Polizeipräsident von Schenck-Wiesbaden. Der Oberlandesgerichtsrat Dr. Schultz-Frankfurt a. M. wurde zum Reichsgerichtsrat ernannt. Der Reichsanzeiger meldet weiter: Die Rote Kreuzmedaille zweiter Klasse wurde die Fürstin Pauline Wied zu Neuwied verliehen.

DieLorraine sportive" vor dem Reichs­gericht. Die bekannte Skandalasfäre derLor­raine sportive" wird am 30. Oktober das Reichs­gericht beschäftigen. Es handelt sich um das Ur­teil des Landgerichts Metz vom 4. April, durch das der Kaufmann Alexis Samain und Genoßen wegen Hausfriedensbruches usw. verurteilt wor­den sind. Wie erinnerlich, handelt es sich um die Abhaltung einer Vereinsfestlichkeit in einem Hotel, dessen Besitzer die Hergabc der Räume zu diesem Zwecke verweigert hatte.

Steigerung der Militärtauglichkeit in einigen Provinzen. Wie mitgeteilt wird .ist die erfreuliche Tatsache festgestellt worden, daß die Militärtauglichkeit in einiaen Provinzen im Steigen begriffen ist und eine Zunahme zu er­fahren hatte. In erster Reibe kommt Schlesien und zwar Niederschlesien in Betracht, wo eine Zunahme um 4 Prozent festgestellt worden ist. Desgleichen hat Hannover (16. Armeekorps) eine geringe Zunahme aufzuweisen, auch Coblenz so­wie das 6. Armeekorps haben Steigerungen der Tauglichkeitsziffer um 25 Prozent erfahren. Württemberg und Bayern weisen Zunahme der Tauglichkeitsziffer um je 3 Prozent auf. Abge­nommen hat die Tauglichkeitsziffer ganz be­trächtlich beim 3. Armeekorps, und zwar von 41,47 auf 34,88, beim 1. Armeekorps von 63,82 auf 51,87,. beim 2. Armeekorps von 60,74 aus 51,68 und beim 18. Armeekorps von 53,35 auf 48,14.

Ausland.

** Ministerwechsel i« England. London, 23. Ott. Im Kabinett traten folgende Aenderunge« ein: Lord Earrington raube zum Lordgeheim-