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AßechsW Iälmg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen'.Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage"

M. 247

46. Jahrg.

1911.

Marburg

Freitag 20 Oktober

IieCbtrurihfd)« Zcuung er,ch.inl laglicy mit nutnjt; ne t>er e- nu­ll nb Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich Nirch die Post bezogen 2.25 M lohne Bestellgeld), bei unseren Rettungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 X frei inS Haus. <Für unver- liingt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Nniv.-Buchdrntkerei I. 91. Koch (Inh.: Dr. Hihcroth). Markt 21. Telephon 55.

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Erstes Blatt.

Tie Marokkofrage.

Die Verhandlungen über die Kompensation in der Marokkofrage scheinen auf Schwierigkei­ten zu stoßen. Die Franzosen wollen natürlich möglichst wenig geben. DerMatin" berichtet: Von einem Abschlüsse des Uebereinkommens könne vorläufig noch keine Rede sein, da zwischen Deutschland und Frankreich bezüglich der Kongo­kompensationen noch bedeutende Differenzen be­ständen." In Berlin heißt es, daß die Regierung von den Kompensationsangebot der Franzosen durchaus nicht entzückt sei. Frankreich habe wis­sen lassen, daß es zur Abtretung eines gewissen Gebietsstückes am mittleren Kongo und im Scharitale geneigt sei, aber die Abtretung des rechten Ubanghi- und Kongo-Ufers ablehnen müsse, um keine Trennung zwischen seinem Aequatorialreiche und Cabon herbeizuführen. DerPetit Parisien" schreibt:Man weiß, daß die deutsche Regierung einen glatten Weg bis zum Kongoufer haben will, daß aber die franzö­sische Regierung ihre Besitzungen in diesem Ge­biet von Afrika nicht in zwei Teile zerschneiden lasten will. Die deutsche Regierung weiß, daß sie mit einem Abkommen, das uns nicht gewal­tige Vorteile am Kongo sichert, nicht vor das deutsche Volk zu treten braucht.

England und Frankreich.

Paris, 18. Ott. Der ehemalige Minister, fetzige Senator Pierre Baudin, schreibt in der radikalen Artton: Marokko ist für uns eine der Bedingungen unserer allgemeinen Verständig­ung mit England gewesen. Mit dem Augen­blick, wo diese Verständigung abgeschlosten wurde, nahm Frankreich Partei zwischen den beiden großen industriellen Wettbewerbern. Frankreich ist der Gehilfe Englands auf dem Festland ge­worden. Alle Ereigniste, die daraus folgten, ha­ben sich aus dieser neuen Lage logisch ergeben. Diese Lage legt uns Verpflichtungen auf, sie for­dert von uns beständige Anstrengungen. Wenn England das klare Gefühl dieser Lage verlöre, so würde die öffentliche Meinung in Frankreich gezwungen sein, die Vorteile und Gefahren, die aus dieser Verständigung mit England hervor­gehen, gegeneinander abzuwagen. Daraus könn­ten sich sehr große Aenderungen in der Vertei­lung der Kräfte ergeben und, soweit man es aus der Entfernung beurteilen kann, würden diese Aenderungen nicht zum Vorteil Englands aus­schlagen.

Der Krieg u n Tivolis.

Vom Schauplatz der Ereigniste.

Rom, 17. Oft Munir Pascha trat, wie die Tribuna" aus Tripolis meldet, den Oberbefehl an Oberst Nimsciat-Bey ab. Das türkische La­ger, das bis gestern in Luri ben Adia war, wurde nach Ageria, wenige Stunden von Tri­polis vertegt. Ahmed-Bey hält mit Kavallerie noch immer Earian besetzt. Die Türken bemühen sich vergeblich, die einheimische Bevölkerung auf­zuwiegeln, die im Gegenteil an mehreren Orten die Türken angegriffen hat.

Rom, 17. Okt.Giornale d'Italia" berich­tet, man erwartet während der Nacht einen neuen Angriff seitens der Türken. In der Tat sind Kundschafter auf einige türkische Patrouillen gestoßen, doch wurden während der Nacht nur einige Schüsse in der Richtung des Bumeliana- Brunnens gewechselt. Bei den Vorposten wer­den fortgesetzt Verhaftungen arabischer Träger vorgenommen, die Waffen durchzuschmuggeln versuchten. Türkischs Offiziere, die sich im größ­ten Elend befänden, schickten ihre Pferde zum Verkauf in die Stadt.

R o m, 18. Okt.Giornale d'Jtalia" meldet aus Tripolis: Der Gouverneur kaufte 4500 Sack Mehl und beauftragte den Vizegouverneur Hassuna Pascha, sie unter den ärmeren Arabern zu verteilen. Diese begreifen jetzt, daß sie nicht mehr als Sklaven betrachtet werden und bekun­den ihre Dankbarkeit gegen Italien. Ein tür­kischer Militärarzt bat die italienischen Vor­posten um Verbandszeug für türkische Soldaten, Me bei bett letzten Gefechten verwundet wurden. Man führte ihn mit verbundenen Augen in ein Lazarett, wo man ihn reichlich mit allem versah, was er brauchte. DerMessagero" meldet: In den letzten 24 Stunden ergaben sich wieder meh­

rere türkische Soldaten, die den italienischen Vorposten bestätigten, daß es im türkischen Lager an Proviant fehle. Die türkischen Gefangenen sollen nächstens nach Italien geschickt werden, da­mit sie nicht etwa Spionage betreiben und damit die Vewachungsmau,:stl,Lfieii frei werden.

Tripolis, 18, Okt. Ein Regiment Ber- saglieri ist nach Homs abgegangen. Die Vor­postenketten wurden verstärkt, die Türken flnv in der Richtung auf Djcbel zurückgegangen. Der Gesundheitszustand der Truppen ist ausgezeichnet

Konstantinopel, 18. Okt. WieJk- dam" erfährt bereiten die Türken einen Sturm­angriff auf Tripolis vor. Nach Blättermeldun­gen ist eine amerikanische Eskadre, aus sechs grö­ßeren Kriegsschiffen und einigen Torpedoboots­zerstörern bestehend, vor Mytilene eingetrofsen. Die italienischen Torpedoboote, die zwischen den Archipelinjeln kreuzten, sind seit dem Erscheinen der amerikanischen Schiffe verschwunden. Sabah" meldet einen neuen Angriff der türki­schen Truppen von Dschisan aus gegen die Ita­liener.

Das türkische Parlament.

Konstantinopel, 17. Okt. Das Amts­blatt veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung, wonach die aus Italien stammenden Waren vom Tage der Kriegserklärung an einem 100 Prozent. Zoll unterworfen werden soll. Die jungtür­kische Kammerpartei beschloß," nach Verlesung des Regierungsexpos^s in der heutigen Sitzung der Kammer für die Vertagung der Beratung über das Vertrauensvotum einzutreten. Die Parteien der Kammer und des Senats wurden zu gemein­samer Beratung eingeladen, um ein Einverneh­men in der Frage der Bildung des Kabinetts zu erzielen. Die Opposition erklärt eine Koalition mit der Majorität für möglich unter der Beding­ung der Bildung eines außerparlamenta'ischen Kabinetts, das nur dann das Vertrauen genie­ßen solle, wenn es weder eine kleinmütige noch eine demonstrative auswärtige Politik verfolge.

Konstantinopel, 18. Okt. Ein Antrag der Deputierten von Tripolis, in dem die Er­hebung einer Anklage gegen das frühere Kabi­nett verlangt wird, bemängelt in den schärfsten Ausdrücken die Nachlässigkeit des früheren Ka­binetts, das eine Reform der Verwaltung und der Verteidigung von Tripolis gänzlich unter­lassen und selbst die von der Kammer bewillig­ten Maßregeln nicht ausgeführt habe. Außer­dem habe es das Wilajet ohne Mali und Mili­tärkommandanten ohne Instruktionen zur Ver­teidigung gegen die Italiener gelassen. Der Abgeordnete von Benghafi, Iassuf Schetwan, soll bereits über 8 000 Freiwillige, die gegen die Italiener kämpfen wollen, verfügen. Mechmed- Bey, ein Enkel Abd et Kaders, soll in Tuansien ein Freiwilligenkorps von 30 000 Mann gebildet und die Grenze von Tripolis überschritten ha­ben. Die für Aegypten gebildete Freiwilligen­abteilung ist an der Grenze von Venghasi einge­troffen.

Konstantinopel, 18. Oki. In der De­putiertenkammer verlas der Großwesir ein Pro­gramm über die innere und äußere Politik des Kabinetts. Er verlangte für Aufklärungen über die Tripolisfrage eine geheime Sitzung, die so­gleich angeordnet wurde.

*

Konstantinopel, 18. Okt. WieSa­bah" meldet, beschloß der Ministerrat, keine Ler- mitttungsaktion anzunehmen, sondern den Krieg fortzusetzen, bis Italien auf der Grundlage des Standpunktes, den die Pforte einnimmt, auf Verhandlungen eingehe.

Toulon, 17. Okt. Der Panzerkreuzer Leon Eambetta" ist nach den Küsten der Türkei und Tripolitaniens in See gegangen, um die französischen Interessen zu schützen.

Die Revolution in China.

Berlin, 18. Ott. Der Kommandant der ^Leip­zig" meldet aus Hankau: Tag und Rächt sind ruhig verlaufen. Die Ausständischen zogen sich zurück. Der britische Admiral traf hier ein und übernahm al» rangältester Offizier den Oberbefehl auf dem Wasser und am Lande über die vor Hankau versammelten Seestreitträfte. Es fehlen weitere Rachrichten über den Zusammenstoß des deutschen Landungskorps mit dem chinesischen Pöbel. Dies läßt darauf schließen, daß di« Schutzaktion nur kurz und erfolgreich und ohne größere Bedeutung war.

Berlin, 18. Ott. Der Chef des Kreuzerge. schwatze« ist an Bord derLneiseuau" tu Rmttiug

eingetrofsen. DieGneisenau" bleibt wegen des fallenden Wasserstandes in Nanking. Admiral von Krosigk setzt auf dem Kanonenboot3Itis" die Fahrt nach Hankau fort, wo er am 19. Oktober eintrifft.

Peking, 18. Okt. Offiziös wird mitgeteilt, daß General Yintschang gesterrn nach einer längeren Besprechung mit Puanshikat auf seinem Gute in der Provinz Honan den Houng-ho überschritten habe.

Hankau, 18. Okt. Das Gefecht entwickelte sich heute morgen zwischen 2000 Mann Regierungs­truppen und 10 000 Aufständischen. Admiral San Tschen Ping gab seinen Kreuzern den Befehl, Ab­teilungen zu landen. Die Aufständischen rückten von Wutschang her vor und eröffneten sofort das Feuer: die Geschütze der Kreuzer antworteten. Die fremden Kriegsschiffe setzten Detachements an Land.

Hankau, 18. Okt. Das Gefecht ist bisher un­entschieden geblieben. Die Aufständischen trieben die Angreifer vorübergehend zurück, dann aber begann sich der Mangel an Patronen fühlbar zu machen. Die Aufständischen ziehen sich jetzt auf Wutschang zurück. Einige von ihnen erkundigten sich bei den Fremden, ob sie in der Fremdenniederlassung Schutz finden würden. Eine Abteilung der Aufständischen, welche gestern den Hanfluß aufwärts rückte, unternahm den Versuch, das in der Nähe der belgischen Nieder­lassung aufgeschlagene Lager der kaiserlichen Generäle druch einen Angriff von rückwärts zu nehmen. Augen­blicklich finden Verhandlungen zwischen einem kaiser­lichen Admiral und dem Führer der Aufständischen stat'

Hongkong, 18. Okt. Während der Feier des Geburtstages Confucius' wurde in einigen Läden, die mit Fahnen in den kaiserlich"» Farben geschmückt waren, gerufen:Nieder mit d n Mandschus!" Menge wiederholt« diese Rufe so lange, bis die Fah­nen eingezogen wurden.

Tokio, 18. Okt. Die Presse weist mit Ent­rüstung die Insinuationen in den Pekinger halbamt­lichen Zeitungen zurück, welche argwöhnen, Japan habe ir China den Ausstand angestiftet und fördere ihn aus Eigennutz.

London, 18. Okt. Wie das Reutersche Bureau erfährt, wird sich die Politik Englands während der augenblicklichen chinesischen Wirren darauf beschrän­ken. alle Maßregeln zu ergreifen, die zum Schuhe von Leben und Eigentum britischer Staatsanghöriger für notwendig angesehen werden. Sollte sich die Landung von Marinesoldaten notwendig erweisen, so werden die erforderlichen Anordnungen an Ort und Stelle getroffen.

Auf die Meldung von dem Zusammen­stoß des deutschen Landungskorp^ mit dem Hankauer Pöbel hat ein Londoner Blatt sofort wieder eine Verdächtigung gegen Deutschland zur Hand. Ts schreibt:Wenn die ftemden Niederlassungen in Ge­fahr gewesen wären, so hätten sicherlich auch die britischen und die anderen aus'ändischen Offiziere eingegriffen." Das Blatt sieht in dem Vorfall ein neues Symptom derPolitik der eisernen Faust". Diesen englischen Verdächtigungen tritt in einem Berliner Telegramm dieKöln. Zig." mit der Er­klärung entgegen:

Das Eingreifen der deutschen Streitkräfte sei lediglich zum Schutze der bedrängten Deutschen erfolgt, darüber hinaus habe der Vorgang keinerlei internationale Bedeutung. Da das Eingreifen der deutschen Marine in London groß-s Aufsehen erregt habe, so könne uns nur mit Genugtuung erfüllen, daß, wo der deutschen Mari ie sich Gelegenheit bieten würde, zu beweis n, daß sie nicht zum Vergnügen auf dem Meere herumfährt, sondern die Deutschen im Auslande, wo eine Ge­fahr für sie besteht, mit Nachdruck beschützt.

Es ist ein Verfahren, das man von den Eng­ländern gewohnt ist, immer w.nn Deutsck.lend sich genötigt sieht, zum Schutze seiner Interessen im Aus­lande etwas schärfer aufzutreten, wird es verdächtigt, Politik der eisernen Faust" zu treiben. Es macht mit der Zeit nervös, daß gerade En-land ii .mer, so­bald von den Deutschen irgend ein fester Schritt unternommen wird, an den deutschen Handlungen ung -echte Krit - übt.

Der Kai er in Aachen.

Aachen, 18. Ott. Der Kaiser mit Gefolge ist im Sonderzug um y212 Uhr hier eingetroffen. Er stieg am Bahnhof zu Pferde und zog in die Stadt ein unter dem Jubel der Bevölkerung und dem Läuten der Glocken. Eine Schwadron Deu- tzer Kürassiere eskortierte den Zug. Am Denk­malsplatz versammelten sich die Ehrengäste. Ge­führt von Oberbürgermeister Seltmann traf der Kaiser um %12 Uhr am Denkmal ein, ritt die Front der Ehrenkompagnie ab und hielt vor dem Kaiferzelt. Er begrüßte die anwesenden Fürst­lichkeiten und ließ durch den Oberpräsidenten von Rheinbaben die fremden Deputationen vor­stellen. Hierauf hielt Oberbürgermeister Velt- mann die Begrüßungsrede. Der Kaiser gab dann das Zeichen zum Fallen der Hülle. Rach der Ent­hüllung unterhielt sich der Kaiser mit dem Schö­

pfer des Denkmals Prof. Lederer und begab sich bann zu Pferde nach dem Münster. Das Denk­mal, eine bronzene Reiterstatue -des Kaisers Friedrich auf marmornem Sockel, macht einen vorzüglichen Eindruck. Das Haupt ziert ein Lor­beerkranz.

Um 12 Uhr 20 Min. zog der Kaiser in das Münster ein. Der Domchor sang einen lateini­schen Begrüßungschor Vor dem Hauptaltar rich­tete Stiftsprobst Bellesheim an den Kaiser eine Ansprache. Der Kaiser dankte herzlich und sprach seine Freude und Zufriedenheit aus Über die Arbeiten, die am Münster im Laufe der letzten Jahre geleistet worden seien. Er besichtigte iann die ausgestellten kostbaren Domschätze, das Modell der letzten Ausgrabung am Münster und die Kartons der Mosaik- und Marmorbeklei- burg, mit welchen das Sechzehneck des Münsters ausgestattet werden wird. Nach etwa einer Stunde Aufenthalt verließ der Kaiser das Mün­ster und begab sich zu F"ß na* dem Rathause. Im großen Rathaussaale war die Tafel gedeckt, bas berühmte Ratssilber und prachtvolle Blumen schmücken sie. An der Ehrentafel saßen ca. 40 Personen, zum Festmahl waren ca. 270 Einla­dungen ergangen. Später hielt der Kaiser Cercle und trat dann auf den Ausbau des Rathauses nach dem Marktplatz hinaus, von stürmischen Hochrrfen des Publikums begrüßt. Die vereinig- t»n Mannergesangvereine Aachens hatten auf uua Markte Ausstellung genommen und sangen T>at deutsche Lied" von Hegar undDie Str.rm- oescha örung" von Dürrnrr. Um 3% Uhr verließ der Kaiser im Automobil Aachen, während die Sänger die Nationalhystine anstimmten. Innun­gen >'i.d Vereine bildeten wieder Spalier. Die Fahrtging über Kornelimünster, Montjoie und Gmünd nach Bonn. Der Kaisri Hai Prof. Lede­rer die große goldene Medaille für Kunst ver­liehen. Üm 4 Uhr erschien das LuftschiffSchwa­ben" aus Düsseldorf über Aachen.

Bonn, 18. Ott. Der Kaiser ist abends 7 Uhr 30 Min von Aachen kommend, zum Besuch des Prinzen und der Prinzessin zu Schaumburg- Lippe hier eingetroffen. Die Stadt ist festlich geschmückt.

Politische Umschau.

Freiherr ». h. Goltz undJung-Deutschland".

Eeneralfeldmarschall Frhr. v. der Goltz hat sich mit Kaiserlicher Genehmigung mit den Ober­kommandos in Verbindung gesetzt, um deren Unter­stützung bei der Durchführung der geplanten Ver­einigungJung-Deutschland" zu erhalten. Di« Generalkommandos find gebeten worden, innerhalb ihres Bereiches einen höheren aktiven oder inaktiven Offizier oder eine Zivilperson vorzuschlagen, die die Einrichtung und Leitung bet Ortsgruppen über­nimmt. Gleichzeitig ist die Bitte geäußert, die unter­stellten Kommandeure dahin zu beeinflussen, daß sie ihren Offizieren die Mitarbeit gestatten und auch die nötigen Plätze und Uebungsmittel zur Verfügung stellen. Für eine Mitwirkung kommen außer ben Offizieren des Dienststandes a"ch die Offiziere des Beurlaubtenstandes in Betracht. Es ist geplant, in jeder Garnison eine Persönlichkeit in größeren auch mehrere zu gewinnen, welche die Leitung der Ortsgruppe in die Hand nimmt. Jedem Leitenden soll unbedingte Handlungsfreiheit gelassen werden. Für die Offiziere, die bereit sind, ihre dienstfreie Zeit der Mitarbeit zu widmen, würden im allgemeinen nur die Sonnabend-Nachmittage und die Sonntage in Frage kommen, wodurch der Truppe keine Kräite entzogen werden. Es ist cmxunehmcdaß uie Truppe auch einen mittelbaren Nutzen durch die Be­teiligung ihrer Organe haben kann, indem diese in ihrer vielseitigen Betätigung als Lehrer Selbständ.g- feit und Selbsttätigkeit sich aneignen können, die ihnen im Rahmen der Truppe nicht immer zute.l werden. Das Ziel der Bereinigung ift bekanntlich, die Jugend unter Ausschließung aller Politik wehr­haft und wahrhaft zu machen und der Armee das Herz der Jugend zu gewinnen Aus diesem Grunde ist es erwünscht, daß sich auch die Armee in den Dienst dieser Sache stellt. Geeignete Persönlichkeiten sollen mit den Jungen Wanderungen unternehmen, die Liebe, zu Volk und Heimat erwecken, Kriegs- und Sportspiele, Geländeerkundungen, Marsch- und Lagerübungen unternehmen. Sie sollen lehren, den Feind zu finden, zu sehen, zu hören, zu handeln, ihren Mut zu stählen, Kameradschaft zu pflegen, deutsche Lieder zu singen: si« sollen mit der Jugend turnen und schwimmen, ihnen von Preußen Helden er­zählen usw. Daß der Kaiser dieser Gründung seine freudige Zustimmung gegeben hat, ist bereits mitge- teilt. Eine Zentralstelle in Berlin soll die gemein­samen Interessen aller Vereine wahrretmen, ihm Erfahrungen übermitteln, ihre Tätigkeit verfolge« und Verbindungen mit den Staatsbehörden halt«.