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Marburg
Mittwoch, 18. Oktober
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Erstes Blatt.
Der Krieg um Tripolis.
Rom, 16. Okt. Der „Messagero" meldet aus Tripolis: Der frühere Konsul Pestalozza ist hier angekommen und wird die Leitung der Zivilverwaltung übernehmen. Beamte der Ministerien des Innern und der Finanzen sind angekommen, die letzteren mit zwei riesigen Kisten italienischen Geldes, das bestimmt ist, das türkische Geld zu ersetzen, das allmählich aus dem Umlauf zurückgezogen werden soll.
Hamburg, 16. Okt. Wie der Deutschen Palästinabank von ihrem Korrespondenten in Tripolis telegraphiert wird kehrt die geflüchtete Kaufmannschaft wieder nach Tripolis zurück. Der Dokumenten-, Wechsel- und Jnkassodienst funktioniert wieder.
Rom, 16. Okt. „Eiornale d'Jtalia" meldet aus Tripolis: Gestern ergaben sich dem italienischen Generalkommando 150 türkische Offiziere und lieferten die Waffen ab. Dies machte tiefen Eindruck. Andere Offiziere der türkischen Truppen, die als Araber gekleidet sind, weilen hier und warten, überwacht von der Polizei, ihre Einschiffung nach Konstantinopel ab.
Tripolis, 16. Okt. In der vergangenen Nacht eröffneten die Türken, deren Zahl nicht festgestellt werden konnte, aus einer großen Entfernung das Feuer in der Richtung auf den Brunnen Vumeliana und nach Westen, in der Hauptsache mit Geschützen. Das Feuer blieb ohne Wirkung. Von den Italienern wurde ein Mann leicht verletzt. Gegen Mitternacht zogen sich die Türken zurück.
Rom, 16. Okt. „Eiornale d'Jtalia" meldet aus Tripolis: Nachrichten aus Bengast zufolge ist man besorgt über das Schicksal des Paters Humbert, eines sehr bekannten Geistlichen, der in seinem Institut etwa 900 Sklavenkinder ausgenommen hat. Gerüchtweise verlautet, er sei von Fanatikern ermordet worden. Man hofft, daß er das Institut verbarrikadierte und warten kann, bis italienische Truppen eintreffen.
Konstantinopel, 16. Okt. „Sabah" zufolge ist der Mutessarif von Fezzan, sowie der Hauptmann Dschami mit 30 000 Mann in Dsche- bel Eharb eingetroffen, wo sie die Ankunft des Kommandanten abwarten, worauf sie gegen Tripolis marschieren werden. Der Scheik Sunusi proklamiert in Kufra den heiligen Krieg gegen die Italiener. Einige Stämme, die aus Aegypten vorrücken, sollen bei Ben-Ehasi eingetroffen sein.
Rom, 16. Okt. Der „Corriere d'Jtalia" meldet aus Caserta: Einige türkische Offiziere legten, als sie Kunde von ihrer Freilasiung erhielten, große Freude an den Tag und gaben ihren Kameraden, die noch in Caserta bleiben werden, ein Diner. Türkische Offiziere und Soldaten tauschen mit den italienischen Offizieren und Soldaten Freundschaftsbeweise aus. Sie find erfreut über die brüderliche Behandlung, deren sie teilhaftig werden.
Rom, 15. Okt. Der „Corriere d'Jtalia" veröffentlicht ein Telegramm aus Smyrna des Inhalts, daß die 10 000 Personen umfassende italienische Kolonie immer beunruhigendere Nachrichten erhalte. 200 Italiener, größtenteils Arbeiter, seien von der Eisenbahngesellschaft, bei der sie arbeiteten, entlasten worden, wodurch der Verkehr in Unordnung geraten sei. Alle italienischen Arbeiter im Hafen würden boykottiert, die Segelboote neapolitanischer Fischer seien beschlagnahmt worden, zahlreiche Familien seien ins Elend geraten. Die Kolonie, sowie die italienischen Vereine find bemüht, den Brüdern zu helfen und der dringendsten Not zu steuern. Man fürchtet infolge des Fanatismus der Bevölkerung für die vielen italienischen Arbeiter imJnn ern Anatoliens. Die Türken beschlagnahmten auf dem Zollamt auch für Italiener bestimmte Waren.
Saloniki, 15. Okt. Das hiesige jungtürkische Komitee ist von Konstantinopel dahin verständigt worden, daß die Negierung entschieden ihre Zustimmung zur Anwendung von Gewaltmitteln gegen Italiener verweigere. Mithin sei die Ausweisung nicht durchführbar. Man solle danach trachten, das mohammedanische Element nicht weiter aufzuregen, sondern kaltes Blut zu bewahren und Geduld zu zeigen. Dagegen wird anempfohlen, alle Geschäftsverbin
dungen mit Italien abzubrechen sowie Angestellte und Arbeiter zu entlasten. Der Kriegsminister befahl, während der Dauer des Krieges den Reservisten nicht mehr zu erlauben, sich vom Militärdienst loszukaufen. In Saloniki waren bereits 12 000 Pfund Befreiungsgelder von wohlhabenden Reservisten bezahlt. Aus Janina wird gemeldet: Alle Kirchen und anderen festen Gebäude werden als Militärdepots eingerichtet. Neue Truppentransporte sind eingetroffen.
Berlin, 16. Okt. Am Sonnabend fand eine längere Besprechung zwischen dem Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter und dem italienischen Botschafter Pansa statt.
Der Aufstand in China.
Peking, 15. Okt. Infolge der über die chinesische Presse verhängten Zensur ist die Oef- fentlichkeit ohne alle Nachricht über die Lage, aber die beständigen Truppenbewegungen rufen große Erregung hervor. Die chinesischen Banken werden gestürmt. Die Einleger tragen ihr Geld in ausländische Banken. Der holländische Finanzexperte Vissering ist im Zusammenhang mit der internationalen Anleihe von 10 Millionen Pfund zum Beirat ernannt worden, doch hat er keine Kontrolle über die Ausgaben. Alle Theater Pekings sind geschlossen. Eine ganze Division der Kaiserlichen Garde ist hierher zurückgekehrt. Die Truppen von Honan haben sich den Rebellen angeschlossen. In Hankau liefert das in den Händen der Rebellen befindliche Arsenal täglich 25 000 Patronen und 140 Feldgeschütze stehen bereit. Der Telegraph ist in den Händen der Aufständischen.
P e k i n g, 15. Okt. Auf dem hiestgen Geldmarkt setzt eine Panik der chinesischen Banken ein, darunter auch der Staatsbank. Die Sparkasse ist von Klienten, die ihre Einlagen zurückfordern, überfüllt. Viele Privatbanken stellen ihre Tätigkeit ein. Der telegraphische und der Eisenbahnverkehr von hier nach den Provinzen Hupe, Hunan, Kiangsi, Szetschuan, Kweitschou und Junnan ist eingestellt. Fünf Züge mit Truppen sind nach dem Süden abgegangen.
P e k i n g, 16. Okt. Puanshikai hat das Amt eines Vizekönigs von Hukwang angenommen.
Peking, 16. Okt. Die Regierung ließ bei den fremden Banken indirekt sondieren wegen Gewährung eines Därlehns von fünf Millionen Tael. Das Finanzministerium beschloß, eine Million Tael auszugeben, um dem Mangel an barem Gelbe entgegenzuarbeiten. Der Reispreis ist auf zwanzig Prozent gestiegen.
Peking, 16. Okt. Das Finanzministerium bewilligte der Pekinger Handelsgesellschaft zur Unterstützung der Privatbanken eine Million Taels. — Ein Erlaß weist die Händler unter Androhung von Strafen an, Papiergeld gleich Metallgeld anzunehmen. Die Leihkassen verweigern die Annahme von Pfandobjekten, ausgenommen Gold und Kleinodien. Die Lebensmittel werden teurer.
Nanking, 16. Okt. In Kanton wurden verschiedene Truppen entwaffnet. Die Bewachung der Stadt wurde der Gendarmerie anvertraut.
London, 16. Okt. Aus Schanghai wird telegraphiert, die Rebellen sollen ein chinesisches Kriegsschiff erobert haben.
London, 16. Okt. Die weslayanische Misstonsgesellschaft erhielt aus Hankau ein Kabeltelegramm, nach dem der britische Konsul angeordnet hat, daß alle britischen Untertanen Wutschang, Hanyang, Hankau und Kwangtsi verlassen sollten.
Berlin, 16. Okt. Der Chef des Kreuzergeschwaders erhielt von dem vor Hankau befindlichen Kanonenboot „Tiger" die Nachricht, daß der Admiral der in Ostasten befindlichen amerikanischen Seestreitkräfte den Oberbefehl über die vor Hankau versammelten internationalen Machtmittel übernommen hat. Der rangälteste Kommandant, ein japanischer Kapitän zur See, trat das Kommando über das vereinigte Landungskorps der fremden Mächte an. Die von der revolutionären Bewegung eingesetzte provisorische Regierung versicherte die fremden Niederlassungen in Hankau ihres Schutzes. Gefahr droht den letzteren nur seitens des Pöbels bei eventuellen Kämpfen zwischen den Regierungstruppen und den Aufständischen. Admiral Sah wird mit einem Kreuzer vor Hankau erwartet. Er hat den Auftrag, das Hankau gegenüberliegende Wutschang, das Sitz der Regierung ist,
zu beschießen. Der Chef des Kreuzergeschwaders ist mit der „Eneisenau" und dem Torpedoboot „S. 90“ über Nanking nach Hankau in See gegangen. Die dort versammelten Seestreitkräfte haben funkentelegraphische Verbindung mit dem Schutzgebiet Kiautschou und dem Chef des Kreuzergeschwaders.
M u k d e n, 16. Okt. Der Vizekönig erhielt den Befehl, die in Mukden und den nächstliegenden Bezirken stehenden Truppen in der Mandschurei zusammenzuziehen, und schleunigst Maßnahmen zur Erhaltung der Ruhe in der Mongolei zu ergreifen.
Politische Umschau.
Aufzeichnungen Pros. v. Bergmanns über beit) Tod Kaiser Friedrichs.
Berlin, 15. Okt. Das „Berliner Tageblatt" ver- öfentlicht aus den demnächst erscheinenden Tagebuchblättern und Briefen Prof. v. Bergmanns Einzelheiten. Hervorzuheben ist aus Briefen, die Bergmann aus San Remo nach der Berufung an das Krankenlager des späteren Kaisers Friedrich an seine Frau geschrieben hat, wie die Aerzte Mackenzie, Krause usw. dagegen protestierten, daß Bramann die Operation unter Chloroformierung vornehme. Als Bramann erklärte, daß er ohne Chloroformierung nicht operieren werde, wurde festgestellt, daß auch keiner der anderen Aerzte operieren wollte. Jeder erklärte, er könne es nicht. Sodann erteilte Bramann die Zustimmung zur Chloroformierung. Bergmann stellt in seinem Schreiben fest, daß Bramann bei seiner Operation so gut wie keine Hilfe gehabt hatte, da Krause gleich beim ersten Hautschnitt den Kopf fallen ließ. Mackenzie selber gestand, während der Operation mehr tot als lebendig gewesen zu sein. Das Vergehen liege darin, daß absichtlich nichts geschah, die schwere und gefährliche Operation durch Hinzuziehung von mehr als einem geschulten Chirurgen zu erleichtern. Bergmann schreibt: „Stolz bin ich auf Bramann, aber es ist doch, seitdem es Könige und Operateurs gibt, nicht geschehen, daß der nächst dem Kaiser mächtigste Mann auf Erden von einem Sekundärarzt hat operiert werden müssen? Der deutschen Chirurgie und meiner Berliner Klinik gereicht das Handeln Vramanns zur höchsten Ehre. Daß aber die mit der Behandlung des Kronprinzen betrauten Aerzte es auf diese Kunstprobe ankommen ließen, das würden sie noch unter Friedrich dem Großen am Galgen zu bereuen gehabt haben." Die Briefe enthalten an verschiedenen Stellen die schwerste Verurteilung Mackenzies, der Bergmann eine unbrauchbare Kanüle aufdrängen wollte und dabei so verfuhr, daß Bergmann ihm Lug und Trug in den Briefen vorwirst. Er sagt, er versuche wenigstens sein möglichstes zu tun, um diesen entsetzlichen Kollegen in den Grenzen ärztlichen Anstandes zu halten, die er in wahrhaft zynischer Weise täglich in der Presse überschritt. Trotz vorausgegangener Abmachungen hätte Mackenzie am 24. Februar seine Kanüle eingeführt aber auf die Bitten des Kronprinzen, ihn nicht weiter zu quälen, dann wieder entfernt. Erst nach der Untersuchung Kußmauls ließ sich Mackenzie herbei, anzuerkennen, daß Krebs vorliege, was er trotzdem am 3. April nochmals bestritt. Am 12. April fand der eiligst herbeigerufene Bergmann zusammen mit Bramann Kaiser Friedrich beinahe am Ersticken wegen Schwierigkeiten mit der Kanüle. Schließlich erbat Professor Bergmann während der fortwährenden Reibung mit Mackenzie seine Entlassung aus der Reihe der behandelnden Aerzte und wurde am 30. April durch Bardeleben ersetzt.
Der neue Becker-Prozeß.
Stettin, 16. Oktober.
Unter außerordentlich großem Andrange des Publikums begann heute vor der ersten Strastammer des hiesigen Landgerichts die erneut«. Verhandlung in dem Prozeß gegen den Rittergutsbesitzer Beck-r (Bartmannshagen), der unter der Anklage steht, in Eingaben an verschieden« Behörden den s.üheren Landrat des Kreises Grimmen, Frhrn. v. Maltzahn, und die Mitglieder des Kreisausschusses Grimmen beleidigt zu haben. Die Angelegenheit hat bereits zweimal die Gerichte beschäftigt und endete das zweite Mal mit der Berurtetlung Beckers zu einem Jahre Gefängnis. Das Reichsgericht hat auf Revision des Angeklagten hm das Urteil aufgehoben und zwar aus formellen Gründen, als auch ous dem srch- lichen Grunde, daß dem Angeklagten z: Unrecht de: Schuh de» 8 193 versagt worden ist. Gegenstand der
Vernehmung des Angeklagten sind im wesentlichen die Eingaben und Beschwerden, die der Angeklagte vor und nach seiner auf dem Disziplinarwege erfolgten Enthebung von seinem Amte als Gutsvorstehrr in Bartmannshagen an den Landrat, den Regierungspräsidenten und den Minister gerichtet hat. Auf eine Beschwerde des Angeklagten beim Regierunzo- präsidenten hat dieser geantwortet, daß der Landrat ihm, Becker, außerordentlich entgegengekommen sei. Der Angeklagte bemerkt hierzu: Damals verstand ich diese Wendung nicht, jetzt weiß ich, daß der Versuch, mich politisch zu beeinflußen, mit Wissen und Willi, des Regierungspräsidenten erfolgt ist. (!) Becker bezeichnet ein Disziplinar-Urteil, ?as irn Namen des Königs gesprochen worden sei. als eine dreiste Ma,e- stätsbeleidigung, als ein Pamphlet und wertlose» Stück Papier. Es komme darin der üble Wille der Reaktion zum Ausdruck, die fiter das Recht kraß zur Tagesordnung übergehe. Auf Vorhalten verwahrt sich der Angeklagte dagegen, daß et ein Querulant fei. Das schlimmste, was in dem Disziplinarurteil stehe, fei die Behauptung, er habe es dem verflossenen Landrat von Osteroth gegenüber an Hochachtung fehlen lassen. Dabei habe sich aber dieser Herr eines Vergehens aus § 175 St.G.B schuldig gemacht. — Hierauf beantragt der Verteidiger, Rechtsanwalt Berndt, eine Reihe weiterer Zeugen zu laden, darunter den Reichstagsabgeordneten Gothein für die Tatsache, daß die Landräte durchweg ihre Stellung in den Dienst der konservativen Partei stellen. Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende, daß di« Beweisanträge abgelehnt seien. Der Wahrheitsbeweis erscheine innerhalb eines so allgemeinen Ausdruckes wie „Agent des agrarischen Demagogentums", wie schon das Reichsgericht festgestellt habe, nicht zulässig.
DeutWsZ Reich.
— Eine schwere ehrenrührige Anklage gegen den Abg. Müller-Eagan (freis. Vpt.) veröffentlicht Frau Gertrud Wertheim in einem Berliner Montagsblatt. Die in letzter Zeit vielgenannte Dame sucht in spaltenlangen „Enthüllungen aus dem Berliner Eesellschaftsleben" ihre Glaubwürdigkeit im Metternich-Prozeß zu beweisen. An sich wäre diese Veröffentlichung recht gleichgil- tig, wenn die Verfasserin in ihrem Artikel nicht ein Parlamentsmitglied offen des Diebstahls beschuldigen würde. Da es nötig ist in dieser Angelegenheit im Interesse der Würde und des Ansehens unserer parlamentarischen Körperschaften die Wahrheit zu erfahren, muß man von diesem Elaborat Notiz nehmen. Frau Wertheim schreibt: „Man fürchtet mich auch! Man zittert vor meinem Buch „Tammany", das kein Roman ist, dessen Anfang durch Indiskretion meinen deutschen Lesern bekannt, so ergötzlich wiedergibt, daß, während der Kampf im Reichstage tobt« und Müller-Sagan seine Hymne auf die Warenhäuser gegen Kanitz anstimmte, (wes Brot ich esse, des Lied ich finge), durch das größte Berliner Warenhaus ein stiller Mann schlich, der unentwegt „mauste" und als man den Edlen dingfest machte, da war es Eugen Richters stolzer Erbe, Herr Müller-Sagan!? Die liberale Partei, die just durch Herrn Rosenow 3000 JA für di« „Freisinnige Zeitung" kassiert hatte, und welch« wahrscheinlich nicht undankbar ist, hat es vorgezogen, diesen Herrn, dem Absolution erteilt war, weiter das deutsche Volk vertreten zu lassen!? Ich muß sagen, meine Wenigkeit war anderer Ansicht. Ich finde, „der Gipfel der Geschmacklosigkeit" wurde nicht errichtet, ein Asyl für Kleptomanen zu sein. Der Deutsche Reichstag, noch nicht so weit, seine Mitglieder von Wertheims Gnaden zu beziehen. Als ich's erfuhr, flog Herr Müller-Sagan, trotz Dr. Wiemer» Briefe, trotzdem Herr Fischbeck bippernd bei uns erschien!" Zu diesen Anschuldigungen bemerkt die „Freisinnige Zeitung", daß die Ermittelungen der Freisinnigen Volkspartei, nachdem sie von Herrn Wolf Wertheim darauf aufmerksam gemacht worden sei, tatsächlich ergeben haben, daß Herr Dr. Müller-Sagan Ende 1906 sich im Hause Wertheim einen Gegenstand angeeignet habe. Damals sei Müller-Sagan schwer nervenkrank gewesen und außerdem habe er unter der Einwirkung starken Morphiumgebrauchs gestanden. Er hat 1907 nicht mehr zum Reichstage kandidiert und am 9. Juni 1910 brachte die „Freis. Ztg." die Mitteilung, daß er sein Landtagsmandat am Schlüsse der Tagung niederlegen werde. Daß Herr Rosenow 3000 JA. für die „Freis. Ztg." bei Wertheim kassiert habe, wird von dem Herrn bestritten.
Leute, die schwer nervenkrank und Morphinisten find, sollte man eigentlich sofort <m» den Parlamenten entfernen.