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Die£?beri)rfltfd)t Zcuun«" er'ch^mt tagtlcy mil «lu«nat;.iie Cer tevnn. und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 Jt (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei inS Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. Sl. Koch (Inh.:

Dr. Hiheroth). Markt 21. Telephon 55.

46. Jahrg.

1911.

Marburg

Freitag, 13. Oktober

Der Änzeigenprers Betragt für Cie 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 4-, bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 40 Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt all Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlich­keit für Platz-, Datenvorschrift und Belegliefernng ausgeschlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Rr. 5015 deS Postscheckamtes Frankfurt a. M.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

und den Beilagen:Nach Feierabend«,Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage 7

Der Krieg um Tripolis.

London, 11. Okt. WieDaily Telegraph" «us Tripolis meldet, versuchten mehrere tausend Türken in der Nacht auf den 10. d. M. einen An­griff auf die Stadt, wurden aber gegen Morgen von den Scheinwerfern der Kriegsschiffe entdeckt und durch heftiges Feuer der Besatzungstruppen, das von den Schiffen mit Eranatfeuer unterstützt wurde, zurückgeworfen.

Rom, 11. Okt. lieber den Angriff der tür­kischen Truppen auf Tripolis in der Nacht zum 10. Oktober bringt dieAgenzia Stefani" fol­gende ausführliche Mitteilung: Gegen %2 Uhr morgens wurde der italienische Posten beim Vu- milianabrunnen von den Türken angegriffen. Nach einem etwa eine halbe Stunde währenden Gefecht zogen sich die Angreifer unter Verlusten und unter Zurücklasiung von Toten, Verwun­deten und mehreren Gewehren zurück. Ein ver­wundeter Türke, der gefangen genommen wurde, erklärte, daß die angreifende Streitmacht aus zwei Abteilungen Infanterie und einer Abtei­lung Kavallerie, im ganzen aus 300 Mann, be­stand. Am Kampfe nahmen auch die Schiffs­geschütze derSardegna" und desCarlo Al­berto" teil, die nach vorher verabredeten Sig­nalen feuerten. Die italienischen Matrosen leg­ten Proben von großem Mute und großer Kalt­blütigkeit ab. Die Kommandanten Cagni und Borelli waren auf dem Kampfplatz anwesend. Eine bei Morgengrauen ausgeführte Rekognos­zierung ergab, daß im Gelände vor der ganzen italienischen Front vom Feinde nichts zu sehen war.

Mailand, 11. Okt. DerCorriere della Sera" meldet aus Tripolis vom 7. Okt.: Der Rückzug der türkischen Truppen glich einer plan­losen Flucht. Der Oberkammandierende, Gene­ral Munir Pascha, schlug mit dem Eeneialstabs- chef, dem Obersten Kiemal, und dem Befehls­haber der Artillerie mit einigen hundert Mann zunächst den Weg nach Sania an der tunesischen Grenze ein, er wandte sich dann aber nach Süden. Es hat den Anschein, als ob die Türken beab­sichtigten, sich in die die Ebene von Tripolis um­gebenden Gebirge zurückzuziehen. Die Wagen und Kanonen sind in den Oasen zurückgelaffen worden. Die Proviantvorräte reichen höchstens noch 20 Tage aus. Die Ergänzung ist wegen des Mangels an Zufuhrstraßen sehr schwierig. Der erste Anschein, als ob die Türken nach einem be­stimmten Kriegsplan handelten, bestätigt sich angesichts der völligen Zerstreuung der Truppen augenscheinlich .nicht. Viele türkische Offiziere, die in Tripolis zurückgeblieben sind, haben um Schutz nachgesucht.

Rom, 11. Okt. DerMessagero" veröffent­licht eine Proklamation des Admirals Faravelli an die Einwohnerschaft von Tripolis, in der er von der Besitzergreifung Mitteilung macht und

15 druck verboten.)

Die Geschwister.

Roman von H. Tourths-Mahl««.

(Fortsetzung.)

Wendheims Verlobung mit Gabriele Eoßegg bil­dete das Tagesgespräch. Einig« gönnten, viele nei­deten der armen Hauptmanntochter das Glück.

Heinz von Römer erhielt die Verlobungsanzeige in seiner Wohnung. Obwohl er darauf vorbereitet war, traf ihn der Schlag doch bis ins Innerste. All der Schmerz der letzten Tage wurde wieder lebendig in ihm und drückte ihn nieder.

Stumpf brütend saß er in der schmucklosen, nüch­ternen Kasernenwohnung und schaute auf den Exer­zierplatz hinunter, auf dem einigen schwer begreifen­den Rekruten im Nachexerzieren allerlei Kunstgriffe beigebracht wurden. Das Leben ekelte ihn an. Er hätte es am liebsten von sich geworfen, wie ein wert­loses Ding. Er war in einer trostlosen Berfasiung. Da trat Fred Eoßegg bei ihm «in.

Tag Heinz!"

Tag Fred!"

Nanu, wie siehst du denn aus, was ist denn los *tt dir?"

Nichts, nichts."

Hast du Schulden?"

Die hab' ich immer."

Ich meine besonders drückende?"

Nein."

Na, also, dann sei doch vergnügt. Bist jetzt immer st» elegisch. Sei kein Frosch. Nimm di« Inge, dann bist du fein raus. Komm heut« abend eine Flasche Sekt mit mir trinken. Was sagst, du zur Verlobung meiner Schwester? Fein, was? Das schafft Kredit, sage ick dir."

bekanntgibt, daß die durch das Bombardement entstandenen Schäden ersetzt werden. Die Aus­hebung von Rekruten wird abgeschafst. Wirt­schaftliche Verbesierungen werden durchgeführt. Die Ausübung der Religion sowie die Frauen und das Eigentum werden respektiert.

Malta, 11. Okt. Heute vormittag 10 Uhr wurden 3 italienische Panzerschiffe, 1 Kreuzer, 8 Torpedoboote und 19 Transportschiffe gesichtet, die in der Richtung auf Tripolis fuhren.

Rom, 11. Okt. Wie derAgenzia Stefani" unterm 10. Oktober aus Skutari gemeldet wird, wurden dort alle Italiener auf das Polizeibüro gerufen, wo sie unter schweren Drohungen davon in Kenntnis gesetzt wurden, daß sie alle als otto- manische Untertanen betrachtet würden und sich im Falle einer Zuwiderhandlung gegen Ge­richtsanordnungen vor dem Kriegsgericht zu ver­antworten hätten.

Paris, 11. Okt. DerPetit Parifien" kündigt einen Eesamtschritt der Großmächte zur Vermittlung zwischen der Türkei und Italien an. Das Blatt schreibt: Die Großmächte haben begonnen, ihre Ansichten auszutauschen. Sie werden von beiden Kriegführenden genaue An­gaben ihrer Absichten, ihrer Wünsche und der Opfer, denen sie zustimmen könnten, verlangen.

Die Marokkofrage.

Berlin, 11. Okt. DieNordd. Allgem. Ztg." meldet: Der auf Marokko bezügliche Teil des deutsch-französischen Abkommens ist heute para­phiert, d. h. mit den Zeichen der verhandelnden Diplomaten unterzeichnet worden. Die damit zusammenhängenden Kompensationsverhandlun­gen sind wieder ausgenommen morden.

Damit ist über den ersten Teil der lang­wierigen Marokkoverhandlungen eine Einigung erzielt, das heißt über den Teil, der sich mit der politischen Machtstellung Frankreichs in Marokko befaßt. Die beiden Parteien müssen nun noch über die Deutschland zu gewährenden Kompen­sationen im französischen Kongo verhandeln. Dies wird wiederum geraume Zeit in Anspruch nehmen, besonders da jetzt in Frankreich in der Presse und in parlamentarischen Kreisen Stim­mung gegen eine Abtretung fanzösischen Kolo­nialgebietes gemacht wird. Nur sehr wenig Stimmen werden laut, die uns Deutschen die Kompensationen zugestehen. ,

Paris, 11. Okt. DerFigaro" schreibt: Man muß hoffen, daß die Regierung weder den Auf­forderungen der Sozialisten, noch dem Verlangen des Herrn Charles Benoist entsprechen, sondern es ablehnen wird, die Kammer vor Abschluß des deutsch-französischen Abkommens einzuberufen. Zur gegenwärtigen Stunde muß man sich aus­schließlich mit den deutsch-französischen Be­sprechungen beschäftigen und ihren glücklichen Ausgang erleichtern, indem man so rasch als

Römer konnte sich nicht länger beherrschen. Er sprang auf und lief rote wild irt Zimmer umher.

Nanu, Kerl, was ist nur in dich gefahren?"

Sei froh, daß du es nicht roeißt," sagte Römer gepreßt.Vielleicht verdürbe es dir den Geschmack am Sekt heut« abend."

Fred sah ihn betreten an. Etwas in Römers Worten gab ihm zu denken. Und da sah er auch im Fensterbrett, da, wo Heinz vorhin gesesien, di« Ver­lobungsanzeige seiner Schwester liegen. Ein leiser Verdacht stieg in ihm auf.

Du, Heinz mir kommt da ein sonderbarer Ge­danke aber nein. Oder doch Heinz, hängt dein eigentümliches Verhalten vielleicht gar hiermit zu­sammen?"

Er faßte nach der goldgeränderten Verlobungs­kart« und hielt sie dem Freunde hin.

Der lacht« schneidend auf.

Hast du das wirklich schon herausgefunden?" fragte er heiser.

Freds frisches Soldatengefichi verfärbte stch nun doch ein wenig. Er verstand plötzlich alles alles.

Heinz meine Schwester ist eine auffallend bleiche und traurige Braut. Mensch, Mensch, du hast ihr doch nicht etwa Raupen in den Kopf gesetzt?"

Was du darunter verstehst, weiß ich nicht. Da du nun aber so viel weißt, kannst du auch alles wissen. Lieb habe ich deine Schwester, lieb zum Verrückt­werden. Und sie liebt mich auch, trotzdem sie den andern genommen hat. Ja, fleh mich nur an. Es ist so. Und leicht ist es ihr nicht geworden, das glaube mir. Aber sie opfert sich für Euch für dich, für deine Mutter, für Euch alle. Damit Ihr sorgen­loser leben könnt, deshalb gibt sie sich dem reichen Manne zu eigen, und weil wir beide so arm, so jämmerlich arm find und uns doch nie, irie angehören

möglich auf die Kongokarte die versprochenen Kompensationen, die wir als Entgelt für unsere Freiheit in Marokko schuldig sind einzeichnet. Die nervös machenden Interpellationen der Kammer und die fieberhaften Diskussionen in den Wandelgängen würden nur genieren oder eine Gefahr darstellen und nicht dazu angetan sein, die Verhandlungen zu beschleunige« und das Ansehen der Unterhändler zu stärken. Unsere Würde kann mit unnützen Worten nichts gewin­nen. Möge Herr Caillaux, wie vor der größten Gefahr, sich davor hüten, die Kammer vor Ab­schluß des Akkordes einzuberufen.Le Journal" schreibt: Wir glauben zu wißen, daß das Par­lament nicht vor dem 7. November einberufen wird.

Schüler und Lehrer.

Der Mordanfall eines Schülers gegen feinen Lehrer in Magdeburg hat einen Gymnasiallehrer Schneider veranlaßt, in einer Berliner Zeitung eine Zuschrift zu veröffentlichen, die sich grausig liest und, falls sie zu allgemeinen Urteilen ver­leiten sollte, direkt als gefährlich bezeichnet wer­den muß. Er schreibt:

Derartige Schülerattentate find keine Sel­tenheit. An einem mitteldeutschen Gymnasium geschah es vor ein paar Jahren, daß ich und ein Kollege durch zufällige Auffindung von Briefen, die sich Schüler untereinander geschrieben hatten, einer Verbindung auf die Spur kamen, die keinen anderen Zweck hatte, als den, den Direk­tor des Gymnasiums zu erschießen. Es handelte sich um eine reguläre Verschwörung gegen das Leben des Schulchefs, unternommen von drei­zehn- und vierzehnjährigen Knaben! Man hatte beschlossen, einen aus der Verbindung als Atten­täter auszulosen. Und ich bin überzeugt, daß die jungen Hitzköpfe ihr Vorhaben zur Ausführung gebracht hätten, wenn wir ihm nicht rechtzeitig auf die Spur gekommen wären. In einer Lehrerkonferenz wurde dann beschloßen, dir Sache mit Rücksicht auf die Familien, denen die Schüler angehörten, vor der Oeffentlichkeit tot­zuschweigen. In Halle an der Saale haben vor 56 Jahren Schüler einem Restaurateur den durch Sammlungen zustande gebrachten Betrag von 300 «M angeboten, falls er ihnen gestatten wolle, am Büffet in den Abendschoppen des Mathematiklehrers einenSchnaps" hineinzu­gießen. Dem Restaurateur kam die Sache nicht geheuer vor und er meldete den Vorfall vorher dem Lehrer. Das Bier wurde untersucht, und derSchnaps" entpuppte sich als eine starkpro­zentige Arseniklösung. Es gibt ein deutsches Gymnasium, dessen Direktor mir erklärte:Wir alle sind hier unseres Lebens nicht sicher!" lieber« fälle weniger ernsten Charakters sind ja nament­lich in Berlin an der Tagesordnung. Der Turn­lehrer eines Berliner Gymnasiums wurde vor

können. So nun weißt du alles nun geh' und laß dir den Sekt recht gut schmecken, hörst du?"

Fred sah ihn erschrocken an. Die unterdrückte Hef­tigkeit Römers und der verzweifelte Ausdruck in seinen Augen machte ihn ernst und betreten. Nun verstand er mit einem Male alles. Und ein herz­liches Mitleid mit dem Freund und der Schwester er­faßte ihn.

Heinz, all das habe ich nicht geahnt. Armer Kerl, nun verstehe ich freilich, wie dir zu Mute sein muß. Aber wir armen Schlucker dürfen uns nun mal nicht solche Luxusgefühle gestatten. Nein wie Ihr mir leid tut, Ihr beiden. Aber ändern läßt sich nun daran nichts mehr. Heinz es ist ja jetzt vielleicht nicht der paßende Zeitpunkt aber vernünftig wäre es doch von dir, wenn du dich mit der kleinen Haller trösten wolltest."

Römer sah ihn an, als sähe er ihn zum ersten Male.

Muß das gleich heute sein, oder hat es noch Zeit?" fragte er voll einschneidender Schärf«.

Du brauchst doch nicht so höhnisch zu fragen. Ich meine es gut mit dir. Sie ist so übel nicht, die Jngeborg Haller."

Dann heirate du sie doch in Dreiteufelsnamen."

Mich will sie nicht, sonst hätte ich nicht deine Aufforderung abgewartet. Sie ist ja greulich in dich verschoßen. Möchte nur wißen, was di« Weiber an dir haben, daß sic so vernarrt in dich sind. Unsereiner ist doch schließlich auch nicht von Pappe."

Römer war wieder herumgelaufen. Nun blieb er mit gerötetem Gesicht vor Fred stehen.

Du etwas in deiner Art kann ich heute nicht »ertragen. Es wirkt auf mich, wie ein rotes Tuch auf einen Stier. Ich wäre dir sehr dankbar, wenn da mich allein lassen wolltest."

einiger Zeit (auch ein wohl im Interesse der Autorität,,! geheimgehaltener Fall!) buchstäb­lich im Angesicht der Klasse blutig geschlagen." Emnasiallehrer Schneider schließt:Auf unseren deutschen Gymnasien wogt eine erotge Schlacht zwischen Lehrern und Schülern, eine Schlacht, in der es manchmal buchstäblich auf Leben und Tod geht!"

Auf eine Anfrage hat der Kultusminister ge­antwortet, es sei bekannt, daß an vielen Idealen eine Animosität der Schüler gegen die Lehrer bestehe. Das System sei nicht schuld daran. Auch bei den Untersuchungen über dieSchülerselbst­morde" habe sich eine Verfehlung der Schule nicht herausgestellt.

Der Psychiater Geh. Rat Eulenburg gibt die Schuld de: auf das Materielle gerich­teten Gesinnung unserer Jugend, die durch die fortschreitende wirtschaftliche Entwick­lung bewirkt sei und damit dürfte er das rich­tige getroffen haben. Dadurch würden die natür­lichen Beziehungen gelockert, Mißtrauen und Verachtung trete an die Stelle des natürlichen Vertrauens. Der Schüler werde dadurch gereizt, fühle sich zurückgefetzt, werde von Wahnideen verfolgt und begehe schließlich eine unentschuld­bare Tat. Daß unser Schulsystem für die Miß­stände verantwortlich gemacht werden solle, halt Eulenburg auf Grund seiner Erfahrungen für absurd.

Die Ausführungen des Herrn Schneider sind jedenfalls als ungeheure schädliche Ilebertreibun- gen zu bezeichnen. Der Fall des Gymnasiasten Koch in Magdeburg ist Gott sei Dank vereinzelt, wenn er auch als Zeichen der Zeit voll gewertet werden soll.

Deutsches Reich .

3«t Frankfurter llniversitätssrage wird derD. Tagesztg." berichtet, daß die Verhand­lungen bisher zu keinem Ergebniße geführt haben und daß es sehr zweifelhaft ist, ob sie bis zum Zusammentritte des Landtages abgeschloßen sein werden. Der Plan der kommunalen Stif­tungsuniversität scheine begraben zu sein, es solle jetzt eine staatliche Universität aus kommu­nalen Mitteln vorgeschlagen werden.

Sozialdemokratie und Reichstagsbeginn. Berlin, 10. Okt. DerVorwärts" veröffentlicht einen Aufruf, aus dem hervorgeht, daß die So­zialdemokratie am Tage der Wiedereröffnung des Reichstages Demonstrationen plant. Worin diese bestehen, wird noch nicht verraten. Es heißt in dem Aufrufe u. a., bei dem Zusammen­tritte des Reichstages werde sich auch das arbei­tende Volk Berlins zu wuchtigen Protestkund­gebungen zusammenfinden, um Einspruch gegen die Politik des Brot- und Fleischwuchers zu er­heben; mit unzweideutiger Schärfe werde auch das Berliner Proletariat fein Urteil über die

Fred zuckte die Achseln und griff nach seiner Mütze.

Auch gut. Ich nehme dir heute nichts übel, du bist nicht ganz zurechnungsfähig, armer Kerl. Adieu!«

Römer erwiderte seinen Gruß nicht. Er starrte ihm mit finsterem Gesicht nach.

Das ist nun ihr Bruder. Für den hat sie sich auch verkaufen müßen. O, mein armes, süßes Mädel, mein verlorenes Glück wenn ich doch nicht mehr daran denken müßte!"

Eabrielens Hochzeit war für den zweiten Ostertag festgesetzt worden. Sie hatte sich in alle Bestimmun­gen gefügt, die ihr Verlobter nut ihrer Mutter ge­troffen hatte.

Frau von Eoßegg hatte sich, der Sorgenlast ledig, sehr erholt. Auf Wendheims dringenden Wunsch war sie vier Wochen in ein Sanatorium gegangen und hatte sich einer Kur unterzogen. Das hatte ihren bösartigen Husten beseitigt. Magda hatte die Stelle bei Frau von Berkow aufgegeben und war nach Hause gekommen während der Abwesenheit der Mut­ter. Sie wollte nun bis nach Eabrielens Hochzeit zu Hause bleiben und dann ihren Lieblingswunsch ausführen, Diakonissin zu werden.

Als ihr Gabriele davon abriet, sagte sie ruhig:

Ich will dir was sagen, Gabi. Für das still« Leben zu Hause paße ich nicht mehr. Da Mama sich nächstens ein Dienstmädchen biüt, wüßte ich gar nicht, was ich hier anfangen soll. Nichts ist mit schrecklicher, als ein überflüssiges nutzloses Dasein zu führen. Ich muß einen Wirkungskreis haben, der mein Leben ans- füllt."

Aber als Diakonissin wirst du furchtoar gebunden sein, Magda. Es wird dir jede Gelegenheit fehles dich ju verheiraten." (Fortsetzung folgt.)