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1911
Erstes Blatt
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wollten einige einflußreiche Personen den $et< such zur Wiederherstellung des alten Regime» machen. Der Versuch scheiterte. Die betreffenden Personen wurden unter guter Bedeckung nach Lissabon geschickt. Es wird, schreibt der Ministerpräsident, keinerlei Zensur geübt. Alle Telegramme, selbst diejenigen, die große Ungenauigkeiten enthalten, dürfen frei passieren.
L i s s a b o n, S. Okt. Der bisherige Ehef der Lissaboner Polizei, Oberst Albert Silviera, ist anstelle Pimento Castro, der vom Amte zurückgetreten ist, zum Kriegsminister ernannt worden. Nach hier eingelaufenen Nachrichten herrscht in allen Teilen des Nordens Ruhe. Nur wenige Monarchisten sind im Distrikt Braganza zurückgeblieben.
Die Lage in Portugal.
Gibraltar, 8. Okt. Mehrere englische Kreuzer treffen Vorbereitungen, um heute nach Lissabon abzugehen.
Lissabon, 8. Okt. Halbamtlich wird gemeldet: Banden von Monarchisten verließen Vinhaes in dem Augenblick des Eintreffens der republikanischen Truppen. Sie flohen nach allen Richtungen. Einige wurden erschaffen, andere ließen sich gefangen nehmen. Die Republikaner hatten zwei Verwundete. Die Verfolgung der Flüchtlinge bis an die Grenze war erfolglos.
Berlin, 9. Okt. Die hiesige portugiesische Gesandtschaft erhielt von dem. Minister des Aeußern aus Liffabon Mitteilung, in der es heißt: Die Ordnung ist im ganzen Lande vollständig hergestellt. Man kann alle revolutionären Versuche der Royalisten als gescheitert betrachten. Fast 500 Personen sind verhaftet worden und werden in kurzer Zeit vor Gericht erscheinen. Die Regierung erteilte strenge Anweisungen, daß man in der Nähe der spanischen Grenze keine Kämpfe liefern solle.
P a r i s, 9. Okt. Aus Liffabon telegraphiert der Ministerpräsident an den „Matin": Es ist wahr, daß eine Bande von beinahe 2000 Mann vorgestern in den portugiesischen Bezirk Braganza eingebrochen war. Beim Herannahen bet von uns gesandten Truppen hat diese Bande sich über die Grenze zurückgezogen. Die Garnison von Braganza wurde verstärkt. Die Regierung verfügt über alle notwendigen Mittel für di« Verteidigung und Unterdrückung. Zn einigen großen Städten de» Distrikt» Castello Branco
Konstantinopel, 9. Okt. Die Blätter melden: Die türkische Garnison von Tripolis unter Oberst Neschet zog sich nach Vehare und Kirchcharisch zurück, wo sie Verteidigungsstellung einnahm. Eine italienische Kompagnie versuchte bis Vehare vorzurücken, mußte sich aber infolge des Widerstandes der türkischen Truppen zurückziehen. Die einheimische Bevölkerung nahm am Kampfe teil. ,^kdam" erfährt: Einige Großmächte schlugen der Pforte vor, die Besetzung Tripolitaniens anzuerkennen, wogegen die Mächte die Kretafrage zugunsten der Türkei regeln würden.
Malta, 9. Okt. Flüchtlinge aus Tripolis behaupten, daß sich im Innern des Landes rund 40000 kriegerische Muselmanen befinden.
M a l t a, 9. Okt. Es ist beschloffen worden, dem italienischen Terpedobootzerstörer „Borea", der hier eingetroffen ist, keinen Proviant zu verabfolgen.
Konstantinopel, 8. Okt. Die Meldung über eine neue Note der Pforte an die Großmächte ist dahin richtig zu stellen, daß die Pforte nicht die Vermittlung der Großmächte zur sofortigen Einstellung der Feindseligkeiten anruft, sondern nur ihre Botschafter beauftragt, die Großmächte zu befragen, unter welchen Voraussetzungen die Mächte glauben, daß eine Einstellung der Feindseligkeiten möglich sei. — Ein Communiqus des Ministeriums des Aeußern bezeichnet die Blättermeldung als unzutreffend, wonach die Pforte unter gewiffen Bedingungen über die Anerkennung der Okkupation von Tripolis mit Italien zu verhandeln bereit fei. Der Beschluß des Ministeriums betreffend die Ausweisung der Ztaliener aus der Türkei ist zwar im Prinzip gefaßt, bisher sind aber keine Maßnahmen zur Ausführung getroffen.
R o m, 9. Okt. Die türkische Regierung schob auf Bitten des deutschen Botschafters in Konstantinopel die Maffenausweisung der Italiener auf. Sie werde wahrscheinlich nicht mehr stattfinden.
Athen, 8. Okt. Die Korinthkanalgesellschaft beschloß im Einverständnis mit der Regierung, den Kanal während der Dauer des Kriegs für die Schiffe der Kriegführenden zu sperren.
Saloniki, 9. Okt. Wie der Mali von Skutari meldet, gelang es angesichts der kritischen Lage, die katholischen Malifforen mit den mohammedanischen Arnauten zu versöhnen. Alle seien bereit, das Land gegen jeden Feind zu verteidigen; die Regierung möge den Arnauten unbedenklich Waffen ausfolgen. — Das jungtürkische Komitee ist davon verständigt worden, daß Imam Jahia im Jemen infolge der Besetzung von Tripolis durch Italien um Gnade gebeten habe, da er gegen die Ungläubigen ziehen wolle.
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hervor; man hat die Empfindung, daß diese Leute, nicht zum wenigsten infolge ihres Reichtums, der sie geistig verflachte und ihrer aller ernsten und hohen Interessen baren Seele ungesunde Eitelkeiten einimpfte, im Grunde recht beklagenswerte und unglückliche Menschen sind. Nabobs mögen in der Wahl ihres Verkehrs nicht bloß auf den Namen sehen, sondern auch sehr genau auf den Menschen, der unter dem Namen steckt. Einen unseres Wissens neuen, aber sehr praktischen terminus technicus brachte die Gerichtsverhandlung aufs Tapet in dem Worte: „Bewegungsgelder". Darunter sind die Gelder verstanden, die ein abgebrannter Kavalier braucht, um standesgemäß aufzutreten und einrr etwaigen reichen Braut und iyren Eltern Sand in die Augen zu streuen. Für die Kurmacherei im Hause Wertheim hat der Graf ziemlich viel Vewegungs- gelder aufwenden muffen, allein die Lieblingsblumen der Frau Dolly, japanische Nelken, machten ein bedauernswertes Loch im Portemonnaie. Unter den Gläubigern Metternichs erweckte am meisten Jn- tereffe eine Tänzerin namens Elvria Eomero, die in Wirklichkeit Eustke heißt und in Lebeweltzirkeln al; „Vrillantenmieze" bekannt ist. Sie hat im Automobil mit dem Grafen Sektreisen durch Berlin gemacht und hat ihm, wie sie behauptet, gegen Wechsel Geld gepumpt, während der Angeklagte erklärt, jener Wechsel sei der Liebe Lohn gewesen. Wie das Urteil des Gerichtshofs auch ausfallen mag, als Mensch steht Gras Metternich am Pranger — und nicht er allein.
Der Krieg tim Tripolis.
Rom, 8. Okt. Die „Tribuna" meldet aus Malta: Von hier angekommenen Schiffen wird berichtet, daß die Türken in der Umgebung von Tripolis gegen 10 000 Soldaten und ebenso viele mit Gewehren bewaffnete Araber konzentrierten. Ob dieses Heer gegen Tripolis marschieren oder sich auf die Verteidigung beschränken solle, wiffe man nicht.
R o m, 8. Okt. Heute morgen 4 Uhr 10 Min. liefen die Schiffe des ersten Geschwaders in den Hafen Marsa Tobruk ein, wo sie kein türkisches Schiff vorfanden. Auf die Aufforderung, sich zu ergeben, verweigerte die türkische Garnison die Einziehung der türkischen Flagge. Darauf eröffnete der Panzer „Vittorio Emanuele" das Feuer. Mit den ersten Schüffen legte er die Fahne nieder und schoß eine breite Bresche in die Umwallung. Dann ließ der Admiral Aubry einige Kompagnien Matrosen landen, die nach Ueberwindung des von der kleinen türkischen Garnison geleisteten Widerstandes das Fort besetzen, die italienische Flagge hiffen und einige türkische Soldaten, die den Kampfplatz nicht ver- laffen wollten, gefangen nehmen.
Rom, 9. Oft. Die „Tribu^a" berichtet über die Besetzung von Tripolis am 5. Oktober eine Reihe von Einzelheiten. Danach wurden während der Ausschiffung der Matrosen, die vom Bombardement der italienischen Schiffe begleitet und bei Sonnenuntergang beendet war, längs der Küste weiße Fahnen gehißt. Araberhäupt- linge kamen zu den italienischen Offizieren und baten um Gnade. Haffun Pasche, der Bürgermeister von Tripolis .ein Abkömmling der Ca- ramanli, übergab die Stadt dem Kommandanten Cagni, der Vizekonsul übergab im Beisein von angesehenen Persönlichkeiten die Büros der Regierung. Die Zahl der auf Aufforderung des Schiffskommandanten gegen eine Entschädigung von zwei Megedie abgelieferten Gewehre betrug in einigen Stunden mehr als 2000. Das Blatt meldet weiter: Die Araber seien erfreut über die Besetzung der Italiener, denen sie begegnen, wünschen sie die Hand zu küffen und sie sagen: Die Italiener find gut und tapfer. Sie bäten die Soldaten, die Frauen nicht zu berühren, da die Türken tendenziöse Gerüchte über die Gewalttätigkeit italienischer Soldaten ausgestreut hätten. Die Zahl der bei der Besetzung der inneren Stadt Getöteten wird auf 9 beziffert. Die Türken hatten in der Festung viele Verluste, dann seien sie erschreckt in das Innere des Landes geflohen. Die Araber — heißt es weiter — seien dankbar dafür, daß keine Moschee beschädigt worden sei. Während der Nacht beleuchteten die Schiffe mit Scheinwerfern die Stadt und beschaffen mit Granaten den Wüsten- rand, um die Stadt zu schützen. Gruppen von Räubern bedrohen die Stadt, nähern sich aber nicht den vorgeschobenen Posten. 25 Türken, die 21 Maschinengewehre bewachten, wurden gefangen und die Maschinengewehre von den Italienern weggenommen.
Deutsches Reich-
— Sam Evangelischen Bund. Dortmund, 8. Okt. Nach dem gestern abend in Fredenbaum, einem der größten Säle Deutschlands, eine von etwa 4000 Personen besuchte evangelische Volksversammlung abgehalten worden war, in welcher Professor Dr. v. Wenckstern und Stadtpfarrer Fikenscher (Nürnberg) über „Protestantismus und die deutschen Volksschichten" und „Protestanttsmus und die deutschen Volksstämme" sprachen, fand heute vormittag in acht Kirchen gleichzeitig Festgottesdienst statt, die ausnahmslos zahlreich besucht waren. In der feierlichen Hauptversammlung der General-Versammlung des Evangelischen Bundes gedachte der Vorsitzende Dr. Wächtler des jüngst verstorbenen Geheimrats D. Meyer und des Mitbegründers des Evangel. Bundes, Seniors Bärwinkel. Hierauf überreichte der Vorsitzende des Festausschuffes die in Westfalen gesammelte Festgabe von 31 000 M, die der D. Friedrich Meyer-Stiftung zugefügt wurden. Daraus wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der der Evangelische Bund gegen die Borro- mäus-Enzklika als eine friedenstörende Herausforderung entschieden Einspruch erhebt und den festen Zusammenschluß aller Protestanten fordert. — An dem Festzug anläßlich der Dortmunder Tagung des Evangelischen Bundes beteiligten sich etwa 15 000 den evangelischen Arbeitervereinen, den Gewerkschaften, den Knappschaften, den evangelischen Jünglings- und Männervereinen angehörende Teilnehmer, der sich unter dem Vorantritt vieler Musik- und Bläserchöre sowie 226 Bannern und Fahnen durch die Straßen der Stadt bewegte. Der Zug endete am Fredenbaum, wo in dem größten Saal der Stadt und einem etwa 6000 Personen fassenden Zelt gleichzeitig zwei Ve.f. mrnlungen stattfanden. Eine dritte Versammlung mußte für etwa 2000 Personen, die keinen Platz gefunden hatten, improvisiert werden.
— Die Neuordnung der direkten Staatssteuern in Sterken. Berlin, 9. Okt. Die „Norddeutsche Allgem. Ztg." teilt mit: In der Tages- preffe ist die Nachricht verbreitet worden, der Entwurf betreffend die organische Neuordnung der direkten Staatssteuern in Preußen werde in der nächsten Session dem Landtage nicht zugehen. Diese Nachricht ist unzutreffend. Es wird vielmehr eine entsprechende Gesetzesvorlage, wie im Gesetz betreffend die Bereitstellung von Mitteln zu den Diensteinkommensverbefferungn vom 26. Mai 1909 vorgesehen, in der kommenden Session im Landtag eingebracht.
— lleberfall auf Deutsche in Böhmen. Chemnitz, 9. Okt. Das „Chemnitzer Tagebl." meldet: Der sächsische Ballon „Ilse", der gestern in Schwarzenberg im Erzgebirge aufgestiegen war, wurde bei seiner Landung in Turnau in Böhmen von Tschechen angegriffen. Die Angreifer schleuderten Steine gegen den Ballon und überschütteten die Jnsaffen mit Schimpsworten. Die beiden Luftschiffer, von denen einer durch einen Steinwurf int Kopfe verletzt wurde, Übergaben die Angelegenheit dem Gericht. Es erfolgten zwei Verhaftungen.
— Zollrückvergütung. Eine merkwürdige Nachricht meldet die „Deutsche Tagcsztg." aus Wiesbaden. Es heißt da: „Ein Wiesbadener Großhändler schloß mit einer Anzahl dortiger Kleinkaufleute einen Lieferungsvettrag für Kartoffeln ab, auf Grund dessen er in Holland 400 Waggons zu 200 Zentnern kaufte. Die Kleinhändler bezahlen ihm 800 'M. pro Waggon, dazu noch die volle Fracht in Betrage von 130 <K. Auf diese Weise verdient der Großhändler an jeder Wuggonladung au^r dem Handelsgewinne, bet 50 «X beträgt, noch dis Fracht»
Marburg
Mittwoch, 11. Oktober
- x- Wolff-Mctteinich.
In Berlin findet, wie gemeldet, z. Zt. ein Prozeß flatk-. bei dem modernen Sensationsbedürfnis den weitesten Spielraum gibt, der Prozeß Wolff- Metternich. Wie üblich wird das Intimste aus dem Leben des Angeklagten beleuchtet, ja nicht nur aus feinem Leben sondern aus dem der von beiden Seiten geladenen Zeugen. Die häßlichsten und unerquicklichsten Dinge werden dabei mit einer Selbstverständlichkeit an die Oeffentlichkeit gezerrt, daß man wirklich oft irre werden kann, wer eigentlich der Angeklagte, wer der bloße „Zeuge" ist.
Wolff-Metternich, der Sproß eines stolzen Hauses hatte nach einer abenteuerlichen Jugend in Berlin dank seinem vornehmen Namen in den besten Kreisen und denen die es zu sein scheinen, Eingang gefunden und war in das Leben der großen Welt hineingeraten. Da er nur einen ganz geringen Zuschuß von seinem Vater erhielt, und et auch nichts verdiente, kontrahierte er Schulden in der Höhe von er. 80 000 'M.. Die Staatsanwaltschaft nimmt nun an, daß er sich verschiedene Gelder auf betrügerische Art verschafft habe, außerdem soll er noch mit der berüchtigten Falschspielergesellsch ft Stallmann-Korff-König Beziehungen gehabt haben. Der Angeklagte und seine Rechtsbeistände suchen die Anklage abzuschwächen, indem sie des langen ’unb breiten beweisen, daß der Graf Wolff-Metternich auf Grund seines Namens jederzeit eine Millionen- heirat habe eingehen können, so unter anderem auch mit der geschiedenen Frau Dolly Landsberger, der Tochter der Frau Wolf Wertheim. , Graf Metternich ift der Neffe des deutschen Botschafters in London, und es ist auch versucht worden, diesen in den Prozeß zu verwickeln.
Es liegt kein Grund vor, über den Prozeß, der eigentlich nur wieder einmal die Schattenseiten eines luxuriösen Eesellschaftslebens, wie es zur Zeit in Berlin gong und gebe ist, an die Oeffentlichkeit bringt, eingehender zu berichten. Es ist ein trauriges Bild der geistigen Verflachung und Verödung sittlicher Begriffe, das sich vor uns auftut. Leute mit schnell erworbenem Reichtum, die den Verkehr in ihrem Hause mit einigen altadligen Namen schmücken wollen, ja sogar gegen eine Verbindung mit einem abgebrannten Kavalier nichts haben, wenn derselbe nur einen Namen trägt, der einen äußeren Glanz zu verbreiten im stände ist. Da find Leute, die ganz offen den Zweck der Ehe als Rangier' ngsmittel für verfahrene Verhältniffe aussprechen. Mit einem Wort, ein Wust von Verwirrung ethischer Begriffe, wie er nur auf dem Sumpfboden der Großstadt so Üppig gedeihen kann. Daß Graf Wolff-Metternich Mitglied des Adels ist, ist ja eigentlich ganz gleichgültig, denn derartige Existenzen gibt es eben in allen Ständen und wenn bürgerliche Geldkreise einen altadlichen Namen so hoch einschätzen, daß sie fich von einem Manne wie Wolff-Metternich schröpfen laffen, so ist das auch rein ihre Sache. Es ist nicht erst seit gestern, daß der gesellschaftliche Vorsprung des Adels früherer Jahrhunderte nicht mehr besieht. Wir leben in einer Zeit, die derartige Unterschiede nicht mehr anerkennt. „Nobleffe oblige", „Adel verpflichtet", hieß es früher, verpflichtet auch heute noch, aber nicht anders, als jeden Bürgerlichen der Sinn für die Ehre seiner Familie verpflichtet. Graf Wolff-Metternich hat diese Rücksicht mit Füßen getreten, das moralische Urteil übe. seine Person ist darum bei Adel oder Bürgertum geschloffen.
Die sittlichen Grundsätze die in dem Prozeße zu Tage treten, erhalten noch eine besondere Beleuchtung durch einen Brief den Herr Wolf Wertheim dem „Kleinen Journal" aus Meran zusendet. Er enthält eine lange Erklärung, in der et die schärfsten Angriffe gegen alle als Ehemänner seiner Stieftochter Dolly in Frage gekommenen Personen richtet. Der eine habe sich gegen Ersatz der Kosten für die Entführung Dollys in Höhe von 70 000 ,M zum Schweigen verpflichtet. Der zweite, ein Offizier, habe sich monatlich 1000 M von der Mutter Dollys geholt und beim Abschied diese „Rente" in eine einmalige Zahlung umgewandelt sehen wollen. Metternich habe sich an jenem Weihnachsabende selbst zum Tischherrn der Dolly gemacht, da et als Vertreter bet erkrankten Hausfrau auftrat.
Das „Kleine Journal" vermutet, daß durch diese Mitteilung der Prozeß leicht eine neue Wendung nehmen könnte, was nicht einzusehen ist, da diese Aufrührung von neuem Schmutz nur einen noch unangenehmeren Geruch verbreitet, und bas Gericht erst recht genötigt ist, mit fester Hand in dieses Gewirr von Protzenturn und Halbwelt einzugreifen. Im Lbttgen wird auch der Name des Offiziers genannt, der die „Abfindung" bekommen hat. Es soll ein Oberleutnant von Vetter sein. Es ist natürlich, daß eine derartige Handlungsweise sich mit bet Stellung eines Offiziers in keiner Weife verträgt.
lieber den Prozeß schreibt die „Köln. Ztg":
„In dem Bilde, das vor Gericht entrollt wurde, tritt kein einziger versöhnlicher und milbernber Zug
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