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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend"Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage"

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TieOberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Senn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 Jl (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00<Ä frei ins Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Bilchdruckerei I. A. Koch (Inh.:

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Marburg

Dienstag, 10. Oktober

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46. Jahr,, 1911.

Rundschau.

Der Erziehung der Heranwachsenden Jugend vom Schulaustritt bis zur Militärpflicht wird von anderen Nationen eine viel größere Be­deutung beigelegt, als es bisher in Deutschland ge­schehen ist. Und mit Recht. Denn gerade in dieser Lebensperiode läßt die Ausbildung der körperlichen Kräfte und geistigen Fähigkeiten sich am besten be- cinfluffeii. Auf die Wichtigkeit dieser Frage wies Eeneralfeldmarschall Frhr. v. d. Goltz in einem hoch­interessanten Artikel derDeutschen Rundschau" hin, der als ein Weckruf an die Nation angesehen wer­den kann, alles aufzubieten, sich an Kriegstüchtigkeit und Wehrhaftigkeit nicht von anderen Völkern über­treffen zu lassen. Die Abneigung unserer militärischen Fachwelt gegen Jugendwehrcn und Kriegsspiele für die reifere Jugend sei nach und nach geschwunden. Die Angelegenheit dürfe nicht mehr, wie es leider der Fall gewesen, vom Parteistandpunkt aus beur­teilt werden, die ganze Nation müsse sich daran be­teiligen. Bei solcher Ausbildung komme es nicht vorwiegend auf das eigentlich Militär-Technische, sondern darauf an, daß der Körper gestählt, die Sinne geschärft, Entschlußfähigkeit anerzogen, die sittlichen und moralischen Eigenschaften gestärkt, Vaterlandsliebe und ©enteiltfinn belebt werden. Die­ses weitblickende Programm einer so bewährten militärischen Autorität verdient gewiß allgemeine Zustimmung und Unterstützung.

Wenn Italien wirklich, wie es erklärt hat, den Konflikt vom europäischen Gebiet der Türkei fern­halten will, so muß es dem tatendurstigen Herzog der Abruzzen schleunigst die Kandare anlegen, damit er durch Schießübungen an der albanesischen Küste nicht weiteres Unheil anrichtet, so gewaltig auch die Wellen kriegerischer Begeisterung das italienische Volk augenblicklich durchfluten. Unbeschreiblicher Jubel brach los, als am Donnerstag dieSieges­nachricht" einlief, daß die Flotte nach Niederbombar­dierung der altersmorschen Forts ein Korps gelandet und die italienische Flagge gehißt hatte. Das eigent­liche Vesetzungskorps wird nun unter stürmischen Ovationen aller Vevölkerungsschichten eingeschifft und nach seiner Ankunft auf afrikanischem Boden die sicher nicht leichte Aufgabe zu lösen haben, das weite Hinterland unter den schwierigsten Verhältnissen.m Kampfe mit feindlichen Arabern und dem Reste der türkischen Garnisonen zu erobern. Am Goldenen Horn sind die kriegerischen Vorbereitungen recht lästig betrieben worden, der Sultan und das neuge­bildete Kabinett setzten ihre Hoffnungen zunächst auf die Bereitwilligkeit der Großmächte oder einzelner Herrscher zu einer Vermittlunasaktion, die aber als noch nicht zeitgemäß überall abgelehnt wurde. Man ist nunmehr wenigstens zur Mobilisierung einzelner Armeekorps geschritten, die muselmanische Be­völkerung aber sucht ihrer Erregung durch den Boy­kott italienischer Waren Luft zu machen.

In den Marokkofrage sind die Verhandlungen über die letzten streitigen Punkte noch immer nicht abgeschlossen. Die deutsche Antwort auf die französi­schen Vorschläge traf bereits in Paris ein, wo der Ministerrat am Sonnabend sich damit befasten sollte. Es wird sich nun bald zeigen, ob die Schwierigkeiten

13 (ot. -.srl|f? oerkw!-ii.)

Die Geschwister.

Roman von H. Eou r t hs-M ahler.

(Fortsetzung.)

Sie zitterte in seinen Armen. Dann riß sie sich plötzlich los und lief davon, wie gejagt. Am Aus­gange der Allee blieb sie noch einmal stehen und sah zurück. Da stand er noch auf demselben Flecke und sah ihr nach. Es erfaßte sie wie ein Rausch. Sie wollte umkehren, wollte sich an ihn klammern und ihm sagen: Behalte mich mach mit mir, was öu willst nur laß mich bei dir bleiben.

Da erhob er sehnend die Arme, als wisse er, was ihren fliehenden Fuß aufgehalten. Das gab ihr die Macht über sich selbst zurück.

Tu's nicht, bring das Opfer ganz, damit es keinen Weg mehr gibt, der dich zu ihm führt. Du reißt ihn sonst mit hinab ins Verderben und zerstörst sein geliebtes Leben."

So sprach sie zu sich selbst. Weinend winkte sie noch einmal mit der Hand, er gab den Gruß zu­rück. Da floh sie davon sie floh vor sich selbst.

In unbeschreiblichem Zustande kam sie nach Hause. Ihre Mutter sah besorgt in die fieberhaft glänzen­den Augen und drang darauf, daß Gabriele zu Bett -ing. Sie öffnete ihr die Kleider, zog ihr Schuhe chnd Strümpfe aus und rieb die frosterstarrten kleinen Füße warm. Dann legte sie ihr eine Kom- -resse auf die heiße Stirn und streichelte immer wie­der die blaffen Wangen.

Walter und Frieda verhielten sich mäuschenstill. Es war fo eigen, sonderbar, daß Gabi krank sein sollte. Sie konnten es nicht fassen. Und Gabriele Fieß alles stumpf über sich ergehen. Die Stunde, die «hinter ihr lag, war ihr so furchtbar schwer geworden, daßße weinte, nicht, im Leben könnte sie härter ßroff«.

des ersten Teils des Verhandlungsprogromms aus­geglichen worden find.

Wieder hat sozialdemokratisch" Hetzarbeit schlimme Folgen gezeitigt. Für das Revolverattentat auf den Justizminister Hachenburger int österre'chlshen Ab­geordnetenhause haben die sozialdemokratischen Führer reichlich die moralische Verantwortung ztt tragen. Der dalmatinische Tischlergeselle, Rjegus, der fünfmal die Waffe auf den Ministertisch richtete, wurde hierzu durch die aufreizende Rede des Abg. Dr. Adler über die Verurteilung der Teilnehmer an den Ottakringer Sonntagsexzesten veranlaßt. Am Tage vorher hatte er in einer Volksversammlung aus dem Munde eines sozialdemokraffschen Führers gehört, für die Gerichtsurteile müsse Rache ge­nommen werden. Und als ©enoffe Dr. Adler d«n- selben Faden spann, konnte der Fanatiker sich nicht mehr halten, und das Verbrechen war geschehen. Ministerpräsident Frhr. von ©autsch hatte volle Be­rechtigung, nach dem Attentat bei Fortsetzung der Sitzung den sozialdemokratischen Abgeordneten zuzu- rufen die eigentlichen Schuldigen seien sie.

Der Krieg um Tripolis.

Die Lage.

In Italien herrscht eitel Freude und Be­geisterung über die erstenErfolge" der italieni­schen Waffen. Man ist allenthalben aus dem Häuschen, weil einige moderne italienische Kriegsschiffe ein paar altertümliche sogenannte Festungen zusammengeschoffen haben und weil die türkische Besatzung von Tripolis das einzig Vernünftige getan hat, was sie tun konnte, nämlich sich ins Innere von Tripolitanien zu­rückzuziehen. Diese Tatsache eröffnet die Aussicht auf einen längeren Kampf; denn obwohl man in Italien mit der Zeit einfieht, daß man den Bogen nicht Überspannen darf und daher zum Frieden geneigt ist, scheint man in der Türkei jetzt nicht mehr auf diesem Standpunkte zu stehen. Das türkische Volk ist zu ernstestem Widerstande geneigt und macht zunächst in wirtschaftlichem Boykott gegen die Italiener seinem Haffe Luft. Wie berichtet wird, haben sogar die Moham­medaner Indiens für die bedrängten Elaubens- genoffen am Goldenen Horn Partei ergriffen.

Paris, 7. Okt. DerMatin" hat den früheren Großwestr Hilmi Pascha über die Lage interviewt und von ihm folgende Antwort er­halten: Die Feindseligkeiten werden sicherlich noch lange Zeit fortgesetzt werden. Kein tür­kisches Ministerium kann die Möglichkeit ins Auge faffen, in Unterhandlungen mit Italien zu treten wegen Abtretung von Tripolis gegen eine Eeldentschädigung. Das Ministerium, das einen solchen Friedensvertrag unterzeichnen wollte, würde von der öffentlichen Entrüstung fortgefegt werden. Europa mutz der Macht des religiösen Bandes, das die mohammedanischen

Am nächsten Morgen aber stand sie auf, trotz aller Bitten der Mutter. Ihre gesunde Jugcndkraft bäumte sich auf gegen das Fieber, das sie hatte be­fallen wollen. Sie wollte nicht krank sein, well sie wußte, die Mutter war zu schwach, um sie zu pflegen und den Haushalt zu besorgen. Und es ging.

Die Wendheimsche Fabrik lag vor der Stadt am Fluffe. Das große, im Viereck gebaute Haus um­schloß ein stattlicher Hof, der weit mit Kisten und Ballen bedeckt war. Die eine Seite des Hofes war mit einem Glasdach überdeckt, damit bei Regen­wetter die Waren geschützt lagen. Reges Treiben herrschte hier von früh bis spät. Das Klappern der Webstühle drang heraus aus den hohen, luftigen Räumen, und das Schnurren und Sausen der Maschinen verursachte viel Lärm.

Deshalb waren wohl die Kontors nach dem Fluffe hinaus verlegt worden. Hier hatte auch Herbert Wendheim sein Privatkontor in der ersten Etage. Von dem mächtigen Schreibtische aus, der an einem der breiten Fenster stand, hatte her Fabrikherr eine weite Aussicht über Felder und Wiesen. Da, wo der breite Fluß ein Knie bildete, war diese Aussicht durch ein Stück Buchenwald begrenzt. Hinter die­sem Buchenwalde lag Wendheims Wohnung, eine hübsche, zweistöckige Villa, inmitten eines großen parkähnlichen ©artens. Seinem Hauswesen stand eine alte Dame vor. Diese hatte den innigen Wunsch, ihr Herr möge sich verheiraten; denn sie fühlte, daß ihre Kräfte nicht mehr ausreichen wollten zur Führung des großen Haushaltes.

Sie ahnte nicht, daß Wendheim im Begriff war, diesen Wunsch zu erfüllen.

Der junge Fabrikherr pflegte den Weg nach der Fabrik zu Pferde zurückzulegen. Eben war er in sein Privatkontor eingetreten, als ihm die Post gebracht wurde, die nicht an die Firma, sondern an ihn per­sönlich adressiert war. Während et die Handschuhe auszog, blickt« er daraus nieder und dann griff er

I Völker vereinigt, Rechnung tragen. Europa mutz intervenieren und eine gerechte Lösung für den Konflikt finden. Der Augenblick, anzudeuten, welche von unserem Gesichtspunkt aus diese ge­rechte Lösung sein könnte, ist noch nicht gekom­men. Wir bleiben in der Erwartung und wer­den bis zum Ende aushalten. Die Italiener ver­mögen übrigens nichts gegen uns, da unsere Flotte in Sicherheit ist. Wir können ihre An­griffe an allen Punkten außer in Tripolis zu­rückschlagen, aber auch dort wird ihre Landung sehr schwierig sein und die Besetzungsoperationen werden lange dauern. Wir können dann gegen die Italiener, die in der Türkei wohnen, alle Matzregeln ergreifen, zu denen wir durch die Macht der Umstände genötigt find, indem wir die Gesetze der Menschlichkeit beachten, und können dem italienischen Handel unwiederbringlichen Schaden zufügen. Dieser Zustand der Dinge kann lange dauern, wenn Europa nicht in aller Gerechtigkeit einschreitet, und er kann die größ­ten Gefahren für den Weltfrieden mit fich bringen.

«ine Rede Giolittis.

In Turin fand zu Ehren Giolittis ein Diner statt, bei dem Eiolitti sich über die italienische Politik äußerte. Nachdem er über die inner­politischen Fragen Italiens gesprochen hatte, wandte er sich der auswärtigen Lage zu. Er führte aus:Die großen Fortschritte des italieni­schen Volkes, von denen ich gesprochen habe, müs­sen uns gerade weil fie zeigen, welche bewunde­rungswürdigen verborgenen Kräfte das ita­lienische Volk besitzt, die Ueberzeugung verschaf­fen, daß wir erst am Anfang einer neuen Periode unserer Geschichte find, in welcher der höchste Grad der Kultur, des Wohlstandes, der sozialen Gerechtigkeit im Innern und eine Stellung in der Welt, die der ruhmreichen Vergangenheit der italienischen Raffe mehr entspricht, abhängen werden von der Art, in welcher Regierung und Volk es verstehen, ihre Pflichten gegen das Vaterland zu erfüllen. Ich persönlich bin öfters beschuldigt worden, mich nicht genügend mit der auswärtigen Politik zu befassen; das rührt da­her, daß ich mich immer bestrebt habe, so w e n i g als möglich über die auswärtige Politik zu sprechen, da mich die Erfah­rung gelehrt hat, daß es keinen Minister des Aeußeren jemals gereut hat, geschwiegen zu haben. Als sich das Ministerium dem Parla­ment vorstellte, beabsichtigte es eine Politik absoluter Bündnistreue zu befolgen und eine Politik herzlicher Freundschaft mit allen Mächten, die dahin zielte, den Frieden auf­recht zu erhalten, aber bei eifersüchtiger Wah­rung unserer Interessen und der nationalen Würde." Der Schluß des Passus über auswär­tige Politik lautete:In solchen Augenblicken

schnell nach einem schmalen Kuvert, das weibliche Schriftzüge trug.

Seine Hand zitterte ein wenig, als er den Brief öffnete. Er ahnte, daß dieses Schreiben von Gabriele Eoßegg kam. Brachte es ihm das heiß ersehnre Glück, oder eine Ablehnung feines Antrages?

Er hatte die Tage in Furcht und Hoffen verbracht. Der Zustand des Zweifelns schien ihm fast unerträg­licher als die schlimmste Gewißheit, doch zögerte er, den Brief zu lesen, den er in Händen hielt. Sein Blick umfaßte den Raum, in dem er den größten Teil des I'jes verbrachte. Die eine große Wand nahm ein mächtiges Bücherregal ein. Darauf standen, sauber geordnet, unzählige Fachwerke und kunstgewerbliche Zeitschriften.

Wendheims Blick flog diese Bücherreihen entlang, über die gediegene, vornehme Ausstattung des Raumes und dann zum Fenster hinaus Über den Fluß.

Endlich überwand er die mutlose Besonnenheit unJ begann den Brief zu lesen.

Sehr geehrter Herr Wendheim!

Ich will Sie nicht länger im Zweifel lassen über meine Antwort auf Ihren ehrenvollen Antrag. Ich bitte Sie zuvor herzlichst, mir nicht zu zürnen, daß ich sie Ihnen nicht sofort persönlich gab. Ich hätte Ihnen gleich dasselbe sagen können, wie heute aber es wurde mir zu schwer, auszusprechen, was ich Ihnen schreiben will. Um Sie nicht länger im Un­klaren zu lassen: Ja, ich will Ihre Frau werden, wenn Sie mich noch haben wollen, nachdem ich Ihnen ein Geständnis gemacht habe. Ich habe einen an­dern geliebt nein ganz ehrlich ich liebe ihn noch. Die Verhältnisse gestatten mir nicht, diesem Manne anzugehören, obwohl auch et mich liebt. Wir haben uns getrennt auf immer, schon ehe Sie mich zur Frau begehrten. Es gibt keine Möglichkeit, die uns eine Verbindung schaffen könnt«. Damit ist s ,u Ende für alte Zeit.

ist es Pflicht der Regierung, all« Verantwortung auf sich zu neh­men, weil ein Zögern oder ein Aufschub den Anfang des politischen Zerfall» bezeichnen können, der Folgen nach fich zieht, die das Volk während vieler Jahre bisweilen auch Jahrhunderte zu bedauern hat. Das Ministe­rium fühlte die ganze Verantwortung, die es in dem gegenwärtigen Kampfe dem Lande gegen­über übernommen hat, aber es hat sie mit ruhigem Geiste übernommen, weil es überzeugt ist, daß gegenüber der Hartnäckigkeit und Feind­seligkeit, die seit Jahren unsere wirtschaftlich« Tätigkeit in Tripolis hinderte, und gegenüber den fortwährenden Provokationen der türkischen Regierung jedes Zögern oder jeder Aufschub zu gleicher Zeit die Ehre des Landes, seine Politik und seine wirtschaftliche Lage gefährdet haben würde.

vor Tripolis.

Konstantinopel, 7. Okt. Nach einer hier verbreiteten Depesche des Kriegsmtni- steriums hatten die Türken infolge des Bom­bardements der Küstenbatterien von Tripolis durch die italienische Flotte am 3. Oktober zwölf Tote und 23 Verwundete. Einige italienische Kriegsschiffe sollen durch die Geschosse der türki­schen Batterien beschädigt worden sein. Einige Blätter melden: Gestern borbardierte ein ita­lienischer Kreuzer den kleinen Hafen von Suei- dije im Wilajet Aleppo, ohne Schaden anzu­richten. Gleichzeitig wird eine Depesche au» London veröffentlicht, nach der die dort an­sässigen Mohammedaner den Erlaß eines Jrades betreffend den Boykott der Italiener verlangen.

Rom, 8. Okt. Nachrichten, die Schiffe aus Tripolis nach Augusta überbracht haben, besagen: Die Beschießung von Tripolis erfolgte am Dienstag Die folgenden Tage wurde mit der Zerstörung bet Forts Hamidie und Sultania fortgefahren. Am selben Tage durchsuchte man die Batterie von Ha­midie und machte die Geschütze unbrauchbar. Am Donnerstag erfolgte westlich von Tripolis die Aus­schiffung von Matrosen, die Sultania und Hamidie besetzten. Die italienische Flagge ist auf Fort Sul­tania und Hamidie gehißt worden, zur selben Zeit wurden auf der Batterie Hamidie die Munitions­und Pulverlager in die Luft gesprengt, da diese für die Türken ein ©rund, die Rückkehr zu versuchen und Mittel zur Verteidigung bilden könnten. Unterdessen schritt man zur Durchsuchung der Leuchtturm-Batterie, die die anderen Batterien der Stadt beherrscht. Nach­dem die Möglichkeit der Besetzung festgestellt wurde, wurde diese Batterie von Matrosen besetzt. Inzwi­schen erschienen an Bord des PanzerschiffesBene- betto Brin" drei Araberhäuptlinge, um ihre Unter, roerfung anzuzeigen. Als Vertreter des Konfular- korps erschien der beutsche Konsul, der den Komman­danten bat, die Stadt zu besetzen. Dies geschah.

R o m, 8. Okt. Wie demMeffaggero" aus Augusta demeldet wird, erzählen dort aus Tripolis einge-

Daß ich mit dieser Liebe im Herzen dennoch Ihre Frau werden will, wird Sie befremden. Aber, da ich an eigenes Glück nicht mehr denken darf, will ich ver­suchen, es anderen zu schaffen. Vielleicht bringt mit bas Befriedigung. Wenn Ihnen etwas daran liegt, in mir eine Lebensgefährtin zu finden, die sich red­lich Mühe geben will, Ihre Zufriedenyeit z». erwer­ben, so will ich mein Geschick vertrauensvoll in Ihre Hände legen. Aber Sie werden nun nicht mehr wollen, nicht wahr? Seien Sie versichert, es tut mir sehr weh. Ihnen Leid zufugen zu müssen, aber icg kann nichts dafür. Unehrlich wollte ich nicht gegen Sie sein, bas märe schlecht von mir. Ich bitte wie auch Ihre Entscheidung ausfällt, zürnen Sie mir nicht und nehmen Sie sich's nicht zu sehr zu Herzen.

Ihre Gabriele ©oßegg."

Wendheim sah lange mit verdunkeltem Blick auf den Brief nieder. Hatte er auch le'ne ;o starke Liebe von Gabriele erhofft, wie sie in seinem Herzen für fie glühte, ein Weib zu freien, die im Herzen einem anderen Manne gehörte, das war nicht nach seinem Sinn.

Und doch ergriffen ihn ihre schlichten Worte und et empfand ein heißes Mitleid mit dem armen Mäd­chen. Er vergaß sein Leid über der Gewißheit, daß fie unglücklich war. Wie rührend war ihr stilles Ent­sagen, ihr Verzicht auf eigenes Glück!

Mußte fie denn darauf verzichten für immer? So ein junges Menschenherz glaubt so oft, an der ersten schwärmerischen Liebe zugrunde gehen zu müssen. UnJ dann öffnet es fich doch einer späteren Neigung und findet vielleicht ein tieferes, festeres Glück.

Konnte Gabriele, wenn fie seine Frau wurde, wenn er fie mit zärtlicher Liebe und Sorge umgab, nicht von ihrem Leide genesen? Würde fich ihm ba« nicht doch ihr Herz zürnenden? Er sprang auf u* li< unruhig auf und ab.

(Fortsetzung folgt)