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Die Marokkofrage.

Part», 5. Okt. Das Ministerium bei Leutzern beobachtet die größte Zurückhaltung Uber das Ergebnis der letzten Unterrsbung zwi­schen Cambon und v. Kiderles-Wächtet und über den Stand der Verhandlungen zwische« Frank­reich und Deutschland. Ebenso erfolgte keine Mitteilung über den Ausgang des Ministerrats, der sich heute vormittag mit den auswärtigen Angelegenheiten beschäftigte. Die Verschiebung des nächsten ursprünglich aus inorgen angesetzten Ministerrats auf Samstag, erweckt die Vermu­tung, daß eine neue Unterredung zwischen Cam- bon und v. Kiderlen-Wächter für notwendig ge­halten wird um eine Ueberetnstimmung über die letzten strittigen Punkte herbeiznführen. Man wird also erst am Samstag wissen, ob alle die kleinen Schwierigkeiten des ersten Tettes der Verhandlungen endgültig ausgeglichen find.

Aus dem Wiener Abgeordnetenhaus.

Wien, 5. OK. Das Abgeordnetenhaus ist heute wiebä zu samengetreten. Vor Beginn der Sitzung erschien eine Massendeputation tschechi­scher Eltern, um gegen die Schließung der tsche­chischen Schulen im dritten Wiener Gemeinde­bezirk zu potestieren. Hierbei kam es zwischen deutschen und tschechischen Abgeordneten wieder­holt zu heftigen Zusammenstößen, die zu Tätlichkeiten anszuarten drohten.

Das Abgeordnetenhaus begann dann die Be­ratung der Teuerungsanträge. Der Sozialdemo­krat Adler griff den Justizminister Ritter rwn Hohenburger wegen der harten Urteile in dem Prozeß gegen die Ottakringer Demonstranten heftig an. (Lebhafte Protest« und Unterbrech« ungsrufe seitens der Sozialdemokraten.) Wäh­rend der Lärmszenen feuerte plötzlich ein Jndi- viduum von der linken Seite der zweiten Ga­lerie gegen die Ministerbank, auf der sich der Justizminister und der Unterrichtsminister be­fanden, vier Schüsse ab. Es wurde niemand ge­troffen. Des Hauses bemächtigte fich eine un­glaubliche Aufregung. Es «nrden sofott sämt­liche Ausgänge des Hauses geschloffen und die Suche nach dem Täter ausgenommen. Die Sitz­ung wurde unterbrochen. Der Täter wurde schließlich in der Person eines 26jährigen Dal­matiners ermittelt. Rach de, Festnahme des Täters wurden die Galerien geräumt. Rach über einstündiger Pause wurde die Sitzung wie­der ausgenommen. Es folgen neuerliche lär­mende Kontroversen zwischen Sozialdemokraten und Abgeordneten der deutschen Starteten. Der Präsident unterbricht neuerdings die Sitzung und beruft eine Obmännerkonserenz ein. Nach Wiederaufnahme der Sitzung nach 3 Uhr nach­mittags setzte der Abg. Adler seine Rede unter immerwährenden stürmischen Echlußrufen bei den Deutschen und Ehristlichsozialen fett. Mi­nisterpräsident Gautsch weist auf die täglich in öfentlichen so-'aldem<Eratischen Versammlungen gehaltenen aufreizenden Reden hin. Er könne fich schließlich nicht wundern, wenn es zu solchen verbrecherischen Attentaten komme.

In derselben Sitzung des Abgeordneten­hauses brachte de, Deutschs Rationalverband eine Interpellation an den Ministerpräsidenten wegen des dem englischen Botschafter Tart- wright zugeschriebenen Marokko-Interviews in derReuen Freien Presse" ein. Die Inter­pellanten wünschen, der Minister des Aeußern möge den englischen Botschafter in geeigneter Weise darauf aufmerksam machen, daß Wien nicht der Ott ist, von dem ans eine dem verbün­deten deutschen Reiche feindselige Politik betrie­ben werden dürfe. Der Ministerpräsident er­klärte darauf, die Regierung sei nicht in der Lage zu der in Rede stehenden Angelegenheit Stellung zu nehmen.

Deutsches Reich-

Born Bundesrat. Berlin, 5. Okt. Heute fand die erste Plenarsitzung des Bundesrats statt.

Der neue ÜnterstaatssekretiK des Aelchskolo. nialamts. Berlin, 5. Ott. Zum llnterstaaissekretär des Reichskolonialamts ist Ministerialdirettor Dr. Conze ernannt worden. Zu seinem Nachfolger ist Geh. Oberregierungsrat Dr. Schnee bestimmt worden.

Darlehen an Landwirte pp. aus Postscheck­geldern. Durch Verordnung des Reichskanzlers vo.n Oktober 1909 ist die Verwendung der Postscheckgelder dahin geregelt worden, daß die Gelder für die Kreise, aus denen sie stammen, wieder nutzbar gemacht wer- den sollen, und zwar ». a. in der Form von Darlehm an Genossenschaften, Vereine und sonstige Einrich- tungen zur Förderung von Landwirtschaft, Handel und Industrie. Wie mitgeteilt wird, find von be.t dafür in Betracht kommenden Geldern, die am Ende, des Jahres 1910 in einer Summe von 51130 000 M durch Ueberweisung an die Reichshauptkass« ange­legt waren, 11 Millionen Mark zur Gewährung von Darlehen an Einrichtungen der Landwirtschaft, Han­del und Industrie berettgehalten worden.

Lin deutscher Beamter der vagdadbahn über- fallen. Frankfurt,!. Ott. Wie dieFrankfurter Zeitung" aus Konftanttnopel meldet, wurde der Oberbuchhalter Oberlannd von der Bagdadbahn auf einem Ritt von Bagtsche nach Aisan von einem Ee- richtsbeamten und mehreren Türken Überfällen. Ober­land sei entkommen. Er habe mehrere Schüsse auf seine Verfolger abgegeben und einen Türken schwer verletzt. Abends sei Oberland in Bagtsche im Sek- tionshaus der Bagdadbahn von dem Kaimakmn und sechs Gendarmen unter Mißhandlungen verhaftet

worden. Der deutsche Konsul in Adana habe sofott einen Konsulatsbeamten nach Bagtsche gesandt. Der Kaimakam habe ihm die Anerkennung verweigert.

Zusammeutrttt der Jmmediatkommiffion. Wie mitgeteilt wird, tritt am Sonnabend, den 7. Oktober die Jmmediatkommiffion wieder zu einer Sitzung zusammen. In erster Reihe dürfte eine Reihe von Fragen aus dem Bereich der Handhabung, der Staatsaufsicht über die .kommunalverbönde insbe­sondere di« Frage der BestSttgung und einer generel­len Begrenzung dieses Aufsichtsrechts verhandett «erden. Auch die Arbeiten des Ausschusses, der ent der Vorbereitung der Reorganisation der landwirt­schaftlichen Verwaltung betraut ist, stehen gleicher­weise auf der Tagesordnung wie die Arbeiten übe, die Vereinfachung der Rechtsnittel und des In­stanzenweges. Es ist jetzt noch nicht |U bestimmen, welche Fragen zm eingehenderen Verhandlung kommen werden.

Bebel und die frankfurter Zeitung". Berlin, 4. Ott. Im zweiten Teil seines Memoiren werke» Aus meinem Leben" erwähnt der Abg. Bebel auch die frankfurter Zeitung", die ihm am 1. April 1875 bei seinem Verlassen des Zwickauer Gefängnisses Gruß und Glüwünsch darbrachte, wobei der verstör- bene Eigentümer derFrankfurter Zeitung", Leopold Sonuemann, ebenfalls gratulierte,' der, wie Bebel er­zählt, ihm einige Monate zuvor zwanzig Flaschen Wein ins Gefängnis geschickt hatte, die aber erst spä­ter ausgetrunken wurden. DieFrankfurter Zeitung" bringt das wieder in Erinnerung und schreibt?Seit Bebel darf es derFrankfurter Zeitung,, glauben, daß fie noch demokratisch genug ist, um ihm aus sol­chem Anlaß wie damals denselben $ri< zu schreiben, wie vor 36 Jahren, wobei sie nur in seinem Interesse hoftt, daß der Anlaß nicht eintreten wird, und sie kann ihm auch versichern, daß es auf zwanzig Flaschen Wein gar nicht ankäme." Das ist ja recht freundlich von d«c Frankfutterin. Alte Liebe rostet nicht.

FilrsorgezSglinge und Landgemeinden. Die letzten Aufstellungen im Ministerium des Innern haben ergeben, daß die Zahl der Fürsorgezöglinge auf den kleinen Gemeinden, namentlich den unter 2000 Einwohnern, einen Rückgang aufweist. In Großstädten mit über 100 000 Einwohnern wohnten 2310 FürsorgezöglinM, in Gemeinden mit über 20000100600 Einwohnern wohnten 1904, in Ge­meinden von 500020 000 1328 und in kleineren Ge­meinden 1829. Im Jahre 1906 stammten aus Ge­meinden unter 2000 Einwohnern 1278 Zöglinge, während im letzten Berichtsjahre nur 1206 Zög­linge gezählt wurden. Auch Berlin hat einen Rück­gang zu verzeichnen, da im Jahre 1908 von hier I 866 Zöglinge stammten, die im letzten Berichtsjahre auf 637 zurückgingen. Eine Zunahme der Zöglinge beiderlei Geschlechtes ist eingetreten in Oftpreuß n. Brandenburg, Pommern, Schlesien, Sachsen, Wies­baden, Westfale«, nnd der Rheinprovinz, eine Ab­nahme bei beiden Geschlechtern nur in Schleswig Holstein. Die männlichen Zöglinge haben zag» nommen in Cassel und Westpreußen, die weiblichen in Berlin, Posen, Hannover nnd Lauenburg. Eine Abnahme der männlichen Zöglinge haben zu ver­zeichnen Berlin, Posen, Hannover und Lauenburz; eine Abnahme der weiblichen Zöglinge West- »reußen und Hohenzollern.

eeucheustattstlk. Berlin,. 3. Okt. Nach den Veröffentlichungen im MinistettaMatte für Medizinalangelegenheiten find im preußischen Staate in der Zeit vom 6. August bis zum 9. Sep. tember d. I. nachstehende Erkrankungen (Todesfälle) an übertragbaren Krankheiten amtlich gemeldet worden: Diphtette 8013 (490), Fleckfieber 2 (), übertragbare Genickstarre 7 (3), Kindbettfieber 434 (105), spinale Kinderlähmung 34 (2), Körnerkrank­heit 782, Lungen, und Kchlkopstuberkulese 3187, Milzbrand 42 (), Pocken 8 (), übertragbare Ruhr 206 (17), Echarlachfieber 6613 (238), Tollwut 2 (2), Unterleibstyphus 3644 (255), Fleisch., Fisth. und Wurstvergiftung 173 (), Bißverletzungen durch tolle oder tollwutverdächtig« Tiere 22. Von den Erkrankungen (Todesfällen) an Genickstarre ent­fielen 2 (1) auf Schlesien, 1 () aus die Rhein­provinz und 4 (2) auf die übrigen Provinzen.

Ausland.

* Nachklänge zur Libertikatastrophe. Paris, 5. Oktober. In derAttion" schreibt BLrangar: Alle Personen, die an der Trauerfeier in Toulon teilge­nommen haben, haben von dott den Eindruck mit» gebracht, daß diese Stadt in einer Atmosphäre von fortwährenden Katastrophen lebt. Das l tzte Beispiel wurd! durch die Panik geliefert, bet der der Präsident der Republik bis zum bescheidenen Teilnehmer herab unter dem Einfluß eines, man weiß nicht, woher kommenden Schreckens standen. Toulon ist ein wah­rer künstlicher Vulkan geworden, dessen Ausbruch man in schreckhafter Starrheit erwartet. Tonlos, 5. Ott. Eine Fra», die während des Leichenbegäng­nisses der Opfer der ,Mberti" niedergeworfen und getreten wurde, ist gestorben. Der Zustand der an­deren Verletzten ist befriedigend. Potis, 5. Ott. Vizeadmiral Le Bries in Toulon hat heute an die Direktion der Arttllerie geschrieben, man solle ihm Schleppschiffe senden, weil er die Pnlver- und Mu­nitionsvorräte. die älter als vom Jahre 1906 find, nicht mehr auf feinen Schiffen haben will.

** Portugal. Madrid, 5. Ott. Die Zeitungen in den Städten an der portugiesischen Grenze veröffent­lichen Näheres über die monarchische Erhebung tn Portugal. Danach sollen 3 Divisionen auf dem Marsche nach Oporto sein: diese Stadt werd« als Hauptstadt und Hauptquartier erklärt. Ein Blatt versichert, König Manuel werde selbst unverzüglich nach Portugal zurückkehren. Lissabon, 5. Ott. Die ar. englischer Quelle stammenden Meldungen von einer Besetzung Nordportugals durch monarchistisch» Elemente wieder hier als unbegründet bezeichnet. Oporto, 5. Okt. Die Verhaftungen von Personen, di« d«r Teilnahme an der monarchistischen Verschwörung verdächtig sind, dauern fort, ebenso die Haussuchu«. ungen. Neunzehn Polizeibeamte und mehrere Polt- ttter, die aus der Hast entlassen wurden, wurden ausgewiesen. In der Stadt herrscht völlig Ruhe. Die Festlichkeiten am Jahrestage der Erklärung der

Republik sind glänz-nd verlaufen. Der Ftianzmknt- ster wnrde bet seiner Ankunft in Lissabon von den Behörden empfangen und mit Begeisterung von der Bevölkerung begrüßt.

** Russisches. Petersburg. 5. Ott. Die politisch« Geheimpolizei etflärt, daß sie noch am Vormittag der Ermordung Stolypins an die Kiewer Polizei eine telegraphische Warnung geschickt habe, mit der ie Bragow als verdächtig bezeichnete und ausdrücklich forderte, daß er nicht zur Galavorstellung zugelassen werden soll«. Aus welchen Gründen die Weisung nicht befolgt wurde, konnte nicht ermittelt werden.

Marburg und Umgegend.

(Rachdri:.! aller Criginaiartltel Ist gemäß § 13 de« Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe -Obe ehest. 8tg.e »ttattet.)

Marburg, 8. Okt.

Universität. Wie man hört, hat Professor Dr. Friedrich König, Direktor der chirurgi­schen Klinik und Piliklinik in Greifswald den Ruf an die hiesige Universität definitiv ange­nommen. Er wird bekanntlich Nachfolger des nach Königsberg i. Pr. berufenen Geh. Rats Prof. Friedrich.

* Dr. Hedebrand f. DieHalberstätder Zei­tung" widmet nnfetm verstorbenen Landsmann Dr. Hebebrand folgenden Nachruf: Der Vor­steher des hiesigen Chemischen Untersuchungs­amts, zu dem fett einiger Zeit auch die Städte Aschersleben und Quedlinburg gehören, Dr. phil. August Hebebrand, ist gestern früh nach kurzem Leiden verstorben. Der Genannte kam im Win­ter 1906/07 aus Marburg, wo er fich als Che­miker großer Beliebtheit erfreut hatte, hierher »ach Halberstadt und übernahm zunächst das chemische Laboratorium von Dr. Cohn. Später wurde ihm die amtliche Rahrungsmittelurtter- ftlchung überttagen, und dieser ebenso schwieri­gen wie undankbaren Aufgabe hat fich Dr. Hebe­brand mit seltener Hingabe und Gewissenhaftig­keit unterzogen. Die Bestimmtheit und Klarheit seiner gerichtlichen Gutachten ist allgemein be­kannt. In den letzten Jahren wuchs der Wir­kungskreis des Chemischen llntersuchungsamts immer mehr an, und die Arbeitslast des Vor­stehers wurde so groß, daß bei der außerordent­lichen Pflichttreue des nun Verstorbenen di« llebercmstrengung gut Beschleunigung feines Endes beigetragen hat.

* Bestanden« Prüfungen. Von den Schülern des Instituts Echellenberg (Dr. Engels, Sybel- straße 14) bestanden im Michaelistermin bisher ein Einjähriger und alle 4 Abiturienten.

* Für Rekruten. Die jungen Leute, welche jetzt zum Militär einrücken, find darauf aufmerk­sam zu machen, daß sämtliche Gemeinde- und Staatssteuern bis zum 1. des Einrückungsmo- nats bezahlt werden müssen, andernfalls werden fie beim Militär von der Löhnung abgezogen.

Unsere Kirchenchöre. Wer em Sonntag Ge­legenheit genommen, an den arnäßlich des Jahres­festes des evangelischen Bundes veranstalteten Fest­gottesdiensten und Festversammlungen teikzunehinen, wird sicherlich auch an den Geist und Gemüt er­freuenden Vorträgen unserer beiden Kirchenchöre sein« Freud« gehabt haben. Umsomehr dürste » am Platze sein, diese nützlichen Eerneindeein- richtungen mehr wie seither zu unterstützen. Es gibt doch in beiden Gemeinden nach so viele stimm- begabt« Damen und Herren, bte dazu beitragen könnten, daß die Chöre immer leistungsfähiger wür­den. An diese Fernstehenden sei bte Bitte gerichtet, bi« Kirchenchöre durch Beitritt zu unterstützen.

* Zn den Stabilsten fand gestern abend ein Konzett des erblindeten Pianisten Carl Bosse statt, das fich eines sehr guten Zuspruchs er­freute. Das Programm des Abends zeichnete fdh durch eine sorgfältige Auswahl der einzelnen Nummern aus. Die Konzertstücke wurden von Herrn Bosse mtt innigem Verständnisse vorge- ttagen und fanden bei den Zuhörern den wärm­sten Beifall. Abgelöst wurden die Darbietungen des Pianisten durch die Konzertsängerin Frl. Ida Stammler aus Gießen, die einige Lieder, darunter ,Heimatglück" von H. Studte-Mar- 6urg, fesselnd vortrug. Die Stimme der Dame wirkt besonders in der Mittellog« sehr sympa­thisch, was durch eine gute Technik noch mehr zur Geltung gebracht wird. Der reiche Beifall, der der Borttagenden gestern Abend zu teil wurde, zeugte am besten für ihr Können.

* Für Arme. Unterstützungsbedürftige Ein­wohner, welche eine Unterstützung aus der Ni­kolausstiftung ober für die Dauer des Winters eine Brot- oder Kohlenunterstützung wünschen, wollen dies« Montag, den 9. Oktober d. Js., non 3 bis 6 Uhr nachmittags auf dem Armen- atm (Kilian, Zimmer Nr. 7) beantragen.

* Achtung beim Traubengenuß. In Rüdes- heirn ertranfte ein Einwohner nach dem Genuß von Trauben. Wie es sich später herausstellte, waren die Trauben gespritzt und vor dem Genuß nicht gewaschen worden. Es ist dringend anzu­raten, die Weinbeeren vor dem Essen zu waschen.

* ®ine mysteriöse Sache. Laute Hilferufe wurden gestern abend gegen 1H8 Uhr in der Nähe des Klärbeckens gehört. Bald darauf sah man auch einen Mann ohne Kopfbedeckung nach der Stadt zu laufen. Der Betreffende gab aus Anrufen keine Antwort. Eine sofort von der Polizei vorgenommene Nachforschung am Lahn­ufer hatte keinen Erfolg. Diejenigen, die irgend etwas über den Vorfall wissen, werden gebeten, der Polizei Mitteilung zu machen.

* Erschossen hat sich gestern ein hiesiger 6t* bent. Der junge Mann stammt aus Limburg, i K. Die Witterung ist Monat September 1911. Wie in den 6eiben vorausgegangeneU Sommermonaten so war auch im September bi< Witterung von bent im R. unb NO. Europa« unbeweglich lagernben Hochdruckgebiet beein­flußt unb eshalb in ben ersten 21 Monatstage« abnorm warm unb regenlos. Erst mit dem Aequinoktium (21. September) kündigte das rasche Sinken unb Schwanken der Quecksilber­kuppe des Barometers eine entschiedene Beweg­ung int Luftmeere und damit einen Abkühlung und Niederschläge bringenden Witterungswechsel an. Der Luftdruck, dessen Maximum am 1. mik 768,6 mm gegenüber dem Minimum von 21. mit 751,7 verzeichnet würbe, betrug im Mittel 762,7 mm, unb lag somit um nur 0,3 mm Über bem normalen Stanb von Marburg. Obgleich bi« größte Tageswärme an 17 Tagen 20 Gr., an 1 Tagen 25 unb an 1 Tag 30 Er. überstieg, so waf bte mittlere Monatswärme mit 14,8 Gr. nur um einen Grab höher als bas langjährige Septem­bermittel. Wie im Juli unb August so trat wäh- tenb bet Hitzeperiode des Septembers stets eine verhältnismäßig starke Abkühlung während der Nacht ein durckffchnittlich 9,1 Gr. Bei einer mittleren Dampfspannung von 7,9 mm unb einer relativen Luftfeuchtigkeit von 56 % war auf lange ersehnte reichliche Nicberschlägc nicht zu rechnen. Es fiel an 7 Tagen mit Regen (1 mit Ferngewitter) nur eine Niederschlagsmenge von 28,8 mm. Dies ist bei dem vollständig aus­getrockneten Boden sehr wenig, aber doch genü­gend, daß der Ende September gesäte Roggen keimen und aufgehen kann. Die mittlere Be­wölkung betrug nur 45 %, der Monat war also reich an Sonnenschein.

* Strafkammer. Ein junger Bursche, der von einem Waldausseher beim Fischen erwischt wor­den war, hatte sich einer Bedrohung des bett. Beamten schuldig gemacht. Während das erst­instanzliche Urteil auf Freisprechung gelautet hatte, erkannte heute bas Gericht auf 2 Tage Gefängnis. Ein Mann aus der Schwalm- gegenb wurde beschuldigt, in Schönstadt einen Sack He« gestohlen zu haben. Die Verhandlung mußte zwecks näherer Feststellung des Sachver­halts ausgesetzt werden.

Versammlungen. Konterte, Theater, BrrqnSqungs» Nochrichten uiw.

* Im Viophontheatet im Hildemannschen Saale Hegt für die nächsten Spieltage folgendes Programm vor: Vater kaust Bier. Eine Flucht nach Texas Im deutschen Afrika. Der verliebte Dragoner. Für bte Ehre ber Familie. Drei Bräute für einen Bräutigam.

4- Wehrshause«, 5. Okt. Das vor einigen Tage« tnbiesem Blatte erwähnte Häuschen ist wleber an feine Stelle, nämlich an bas Wohnhaus eines hie- figen Einwohners gestellt worben. Tin Insasse des letzteren hatte sich auch einmal einen Spaß leisten wofleit und bas Letrrfsenbe Häuschen an bje Dork- straße gestellt.

1 Münchhausen, 5. Okt. Dieser Tage brannte hier- «in kleines Häuschen ab.

* Kleinseelheim, 5. Ott. Dem Gemeinberechner Heinrich Heimlich würbe dar Allgemeine Ehren­zeichen verliehen.

©» Treys« 5. Ott. Herr Regierungsrat Klocke ist an die Generalkommisfion nach Cassel versetzt wor­den. ' An seine Stelle ist Herr Dr. Ebersbach als Oekonomiekommissar getreten.

Ho Ziegenhain, 5. Okt. Anter der Leitung b'es Herrn Turninspektors Lehrer Buchenau aus Cassel würbe heut« hierselbst ei« Turn- unb Spielkursus er- Sffnet, an dem fich 30 Lehrer beteiligen. Bor etwa 1% Jahren hatte Herr Eeminaroberlehrrr Sanber aus Rotenburg a. b. F. einen ähnlichen Kursus in unser« Stadt abgehalten.

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Steinfurth, 5. Okt. In voller Blütenpracht stehen gegenroättig unsere Rasenkulturen bei bem hüben Herbstwetter bieser Tage ein ungewöhnlicher Anblick. Biel« Rosen blühen in biesem Jahre zum zweiten unb bnttenmat

Fulda, 6. Ott. Das 20. Ja^resfest des Lanbes- vereins für Innere Mission im Konsistorialbezirk Cassel wirb am 15. und 16. Oktober in unserer Stadt gefeiert.

Flieden, 5. Ott. Nach 21 jähriger Abwesenheit kehrte bei Arbeiter H. aus Töngesmühle zu seiner Familie zurück. Da man ihm bte Aufnahme verwei­gerte, so nahm er sich durch Erhängen bas Leben. "

Vermischtes.

Zurückgewiesene Millionen. Die Staatsregierung ber Bereinigten Staaten machte vor kurzer Zett öffentlich bekannt, baß sie als Erbin in ben Br itz mehrerer Millionenerbfchasten «intrat, bte sie einzeln aufführt. Die Mtllionenvermögrn waren von ben Erben in allen biesen Fällen aus mannigfacher Grünben zurückgewiesen worben. Ein Mitarbeiter vonSmitt's Magazin" unterzog fich bei Mühe, bte Erben nach ben Gründen auszuforschen, bte sie zu bem Verzicht auf bie Millionen veranlaßt hätten. Das Hauptvermogen bestanb in einer Erbschaft von 6 Millionen Dollar, bte bet junge Millionär James Wyner zurückgewiefen hatte. Als Grunb gab er ba* ür an, baß bas Gelb feinem Onkel gehörte, bet es aus bem Betrieb einet Brauerei gewonnen unb ihm nach seinem Tobe hinterlassen hatte. Er selbst sek aber jo überzeugt bavon, baß ber Alkohol eine Ge­fahr füt bie Menschheit bebeutet, daß et diese« Sündengeldes nie stoh gewotden mäte. Dazu kam noch bet Umstand, baß er eines Tages vor bet