Marburg
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46. Jahrg, 1911.
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der gestern abend vom Botschafter Cambon über» brachte französische Vertragsentwurf über Ma» rokko im wesentlichen den Wünschen der beider Regierungen Rechnung, wenn auch in den Nm zelheiten noch einige redaktionelle Aenderungen • vorzunehmen sein werden.
Europa, hab' Acht!
-r Konstantinopel, 24. Sept.
Mitten in das Ringen der Konstantinopeler Regierung um die Aufrechterhaltung der gefährdeten türkischen Souveränitätsrechte in Kreta schlägt wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Ankündigung des Eewaltstreiches Italiens, der nichts Geringeres bezweckt, als der eben wiedergeborenen Türkei ein weiteres Glied mit der afrikanischen Provinz Tripolis zu amputieren. Das vor langen Zähren von England inaugurierte, von Rußland und Frankreich allmählich fortgesetzte Zerstörungssystem des Osmanen- reiches wird jetzt auch von Italien ausgenommen, nachdem Oesterreich-Ungarn erst vor wenigen Jahren zwei türkische Provinzen annektiert hat. Die Türkei hat wohl oder Übel stille halten müsien, wenn die autokratischen Sultane und Khalifen in ihrer, durch keine Volksstimme eingeschränkten Selbstherrschaft, von geschickten diplomatischen Künsten in die Enge getrieben oder durch Waffengewalt gezwungen, ein Stück nach dem anderen von dem einst so gewaltigen Reiche abtrennen lasten mußten. — Was war die Türkei gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als die Janitscharen vor den Toren Wiens hielten! Was ist von diesem mächtigen islamitischen Staate heute in Europa übrig geblieben? Serbien, Rumänien, Griechenland, Montenegro, Bulgarien, Ostrumelien gingen in Europa, Aegypten in Afrika, Malta, Eypern, der Archipel im Mittelmeer verloren. — „Und so wäre es bei der Verrottung der Verhältniste unter dem althergebrachten, absolutistischen Regime Schritt um Schritt weitergegangen. Aber die Wiedergeburt der Türkei zu einem modernen konstitutionellen Staatsgebilde schob dem wetteren Verfall des Osmanenreiches durch die Vaterlandsliebe der neuen Machthaber einen Riegel vor."--So schreiben die zeitgenössi
schen Historiker. Daß dem aber nicht so ist, lehren uns bereits die Annektion von Bosnien und Herzegowina. Es wurde dabei nur etwas mehr Geschrei gemacht, als wenn sich dieselbe noch zu Abdul Hamids Zeiten vollzogen hätte. Kreta muß als für die Türkei verloren erachtet werden. Die vier Schutzmächte der unglücklichen Insel werden die erste neue Schwächung der Türkei dazu benutzen, ihr Sorgenkind definitiv an Griechenland anzugliedern, um den ewigen Klagen und Noten aus Konstantinopel wegen Kreta ein für allemal ein Ende zu machen.
Italiens Gelüste auf Tripolis und auf Albanien sind längst bekannt. Daß italienische Agenten in Albanien seit Jahren am Werke sind, im Auftrage von Rom zu arbeiten, ist offenes Geheimnis. Wenn die italienische Re-, gierung angeblich die Earibaldischen Freischaren während des letzten Albanesenaufstandes daran „verhinderte", die Adria zu überschreiten, so ist
8 (Nachdruck verboten.)
Die Geschwister.
Roman von H. Eourths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Gabriele untersucht« den Schaden sofort und strich dann, beruhigend lächelnd, über den kurzgeschorenen Knabenkopf.
„Es ging noch gut ad, Mutter. Den Riß stopfe ich so fein, daß er nicht zu merken ist. Wie kamst 0« denn dazu, Walter?"
Der Knabe haschte verstohlen nach der Hand der Schwester und drückte sie, so fest er konnte. Er wußte sehr gut, daß Gabriele der gute Engel im Hause war und für alles einen Ausweg fand. „Ich blieb am Zaune hängen, als ich darübersprang."
„An welchem Zaune?"
„An dem vom Schulgarten."
„Konntest du nicht durch die Tür gehen, wie die anderen Jungen?"
„Ich wollt« doch schnell nach Hause. Hast du sehr viel Arbeit damit, Gabi?"
„Nein, nein. In einer Viertelstunde ist es getan. Wer es konnte schlimmer ablaufen, und du weißt, et fällt Mutter schwer, dir immer wieder neue Anzüge zu schaffen."
Walter sah betrübt von der Schwester zur Mutt« und zurück.
„Bist du böse, Gabi?"
„Rein, mein Walti. Aber Mutft bitt« um Ver- zeihung für dein Ungestüm."
Walter umfaßte die Mutt«. „Ver^ih mir, Mama."
Fra« von Eoßegg zog ihn an sich. Ihre Auge» wurde« feucht. Daß sich ihr Kiiw wegen ein« Risse» fcho« i« seinen jungen Jahren sorgen mußte, tat ihr
dies einfach so zu verstehen, daß die maßgebende Stelle in Rom aus Furcht vor den drohenden Fingern anderer europäischer Kabinette das von den Earibaldianern erwartete mot d’ordre nicht aussprach.
Wird man in Rom auch jetzt den vorläufig ganz leise erhobenen warnenden Finger befreundeter Regierungen beachten? Oder wird man „die Dummheit" begehen, rücksichtslos gegen die wirtschaftlichen Jnteresien und freundschaftlichen Beziehungen anderer Mächte seiner Begierde auf Tripolis alle Zügel schießen zu lasten? Ist Italien materiell wirklich in der Lage, alle Konsequenzen, die sich aus einer solchen Abenteuerpolitik ergeben könnten, auf sich zu nehmen? Man mochte weiter fragen, ob man in Rom überhaupt die ganze Tragweite des gegen Tripolis geplanten Unternehmens zu übersehen imstande ist? Man sollte dort doch wisten, was man den Bundesgenosten schuldig ist. Man sollte Deutschlands Beziehungen zur Türkei kennen. Man sollte wisten, daß die türkische Regierung den Besitz von Tripolis bis auf den letzten Tropfen Blut verteidigen muß, wenn das jungtürkische Regime weiter bestehen will. Man sollte in Rom auch dafür Verständnis haben, daß der italienische, durch keinen Schein des Rechts begründete Zug nach Tripolis die Fackel des Aufruhrs von neuem nach Albanien, ebenso wie nach dem fernen tragen wird, daß Bulgarien, müde der ewigen Unruhen auf dem Balkan, den lange verhaltenen Kriegsgelüsten gegen die Türkei freien Lauf lasten, und daß schließlich ein europäischer Krieg entbrennen könnte, für den Italien wahrlich die Verantwortung nicht wird übernehmen dürfen.
Die Türkei wird den Kampf um Tripolis aufnehmen, auch wenn sie von ganz Europa im Stiche gelosten wird. Italien hat sich mit Frankreich bezüglich Tripolis ins Einvernehmen gefetzt, und am Quai d'Orsay hat man die lieben befreundeten Revolutionäre am Bosporus schnöde verleugnet. Man überläßt es Deutschland, der Türkei mit Rat und Tat gegen den Dreibundgenosten zur Seite zu stehen.
Frankreichs Freundschaft ist für Italien, besonders in Nordaftika, wertvoller, als diejenige Deutschlands. Der Aliierte Frankreichs aber, der von den Ufern der Newa aus die nordafrikanischen Gelüste des römischen Königs durch den Schwiegervater in Cetinje kitzeln läßt, reibt sich als tertius gandens schließlich die Hände. Er schlägt den islamitischen Feind mit dem Stelzfuß des Dreibundes tot — und ruiniert sie beide.
Europa aber habe Acht! Ohne Parteinahme für oder gegen die Türkei sollten die Verantwortlichen in den Staatsregierungen Europas nach allen Seiten hin erwägen, was für den ganzen Erdteil aus dem abenteuerlichen Zuge der Italiener nach Tripolis entstehen kann, ehe Europa sich den vollzogenen Tatsachen gegen
weh. Ach, Armut, verschämte Armut mit dem ängstlichen Aufrechterhalten des äußeren Scheins, wie bitter bist du doch!
„Nun geh' nur an dein Befperbrot, mein liebe: Junge. Du wirst in Zukunft vorsichttger fein, Gabi heilt den Schaden wieder."
Walter sah forschend auf Mutter und Schwester. So jung er war, wußte « doch, wie schwer es die beiden hatten, für alles Rat zu schaffen. Er träumte davon, einst durch Fleiß und Arbeit ein reicher Mann zu werden. Dann sollten es die beiden lieben Menschen gut bekommen. Und Friedel bekam dann ganz sicher ein weiße» Kleid von ihm, mit Stickereien und blauen Schleifen, wie Kurt Hanbolds Schwester. So eins hatte sie sich immer gewünscht.
Während er mit den kräftigen weißen Zähnen ein Butterbrot nach dem anderen stillschweigend zermalmte und kühne Luftschlöster für die Zukunft baute, plapperte Friedel unaufhörlich in ihrer etwas burschikosen Ausdrucksweise.
„Du, Gabi, die Else Lüders ist ein Schaf, kann nicht mal die leichtesten Exempel rechnen und schreibt von mir ab. Heute macht sie mir einen Tintenfleck auf mein Buch und läßt es ruhig zu, daß ich dafür eine Strafarbeit bekomme, gemein, nicht?"
„Und du hast es dem Lehrer nicht verraten?" „Ree du — ich petze nicht."
Gabi küßte di« frische und runde Wange.
„Recht so. Maust, das ist brav."
„Aber ich hab« ihr in bet Paus« ein« Ohrfeige reingehauen," gestand sie kleinlaut.
Gabriele lachte.
„Das ist zwar etwas grob, aber es war dein gutes Recht."
Friedel kramte noch allerhand Schul«lebniste aus und dabei verschwand «t» Buttttbrot nach dem andere».
Lbergestellt sieht, ehe es zu spät ist für den Mahnruf: Europa braucht Ruh!
Ueber den Konfliktfall liegen folgende Nachrichten vor:
Saloniki, 25. Sept. Obwohl die Stimmung in den Kreisen des hiesigen jungtürkischen Komitees bezüglich der Tripolisftage sehr erregt ist, werden doch die strengsten Weisungen erteilt, alles zu vermeiden, wodurch die italienischen Interessen verletzt werden könnten.
P a r i s, 28. Sept. Der türkische Botschafter Rifaat Pascha erklärte einem Mitarbeiter des „Temps": „Ich kann sagen, daß es sich nicht bloß um eine tripolitanische Frage handelt. Denn eine Landung in Tripolis würde sich völkerrechtlich nicht von einer Landung in Smyrna oder Saloniki unterscheiden. Unter diesem Eesichts- puntt muffen die öffentliche Meinung und die Regierungen Europas die Frage betrachten. Wir fasten nicht allein die Notwendigkeit eines lokalen Widerstandes ins Auge. Falls aus den Drohungen Wirklichkeit würde, so müßte die Türkei ihre Existenz als souveräner und unabhängiger Staat gegen diese Methode aus einem anderen Zeitalter verteidigen."
Konstantinopel, 26. Sept. Der italienische Stationär „Galilei", der sich in den Piräus begab, um den neuen italienischen Botschafter hinzubringen, wurde nach Tarent beordert. Dies wird hier als eine Verschiebung der für den 6. Oktober festgesetzten Ankunft des Botschafters ausgelegt.
Rom, 26. Sept. Die „Agenzia Stefani" meldet: Die Versuche der Sozialisten in Rom, Mailand, Como, Varese und anderen Städten, den Generalstreik zu erklären, um gegen das Vorgehen in Tripolis zu protestieren, find an der einmütigen Haltung der öffentlichen Meinung gescheitert. Das Zentralkomitee der Eisenbahner fordert diese auf, sich jedem Streike fernzuhalten, mit der Erklärung, daß diese Kundgebung der Ernsthaftigkeit entbehren und nur eine dekorative Handlung sein würde.
Köln, 26. Sept. Die „Köln. Ztg." meldet aus Berlin: Nach einer auch in deutsche Blätter Übergegangenen Mitteilung soll die deutsche Regierung den in der türkischen Armee dienenden deutschen Offizieren die Nachricht haben zugehen lasten, daß sie an einem eventuellen Krieg gegen Italien sich keinesfalls beteiligen sollten. Auch England soll bereits einen gleichen Schritt unternommen haben. Was Deutschland anlangt, lag zu einer derartigen Mitteilung schon aus dem Grunde kein Anlaß vor, weil die deutschen Offiziere im türkischen Heere nicht als Truppen- führer, sondern als Instrukteure angestellt sind.
Deutsches Reich-
— Die Berliner Verhandlungen. Berlin, 26. Sept. Das Wolff-Büro verbreitet folgende Meldung: Unseren Informationen nach trägt
„Du, Gabi, schneid« mir noch eine Scheibe ab, ich bin noch immer nicht satt."
„Aber Friedel, willst du dich zum Riesenfräuleilt ausbilden? Du gleichst schon jetzt einer gutgefüllten Schlummerrolle."
Friedel reckte sich in den Hüften und machte sich so schlank wie möglich.
„Lilly Peters ist noch viel dicker als ich."
„Das ist immerhin ein Trost, daraufhin kann ich dir ja noch eine Scheibe geben. Dann ist es aber wirklich genug für heute, sonst hänge ich dir einen Sinnspruch über dein Bett."
Frieda lachte fröhlich.
„Was denn für einen?"
„Vielfraß nennt man dieses Tier, Wegen feiner Freßbegier."
„O, das ist eklig, Gabi, ich bin dir bitterböse," schmollte die Kleine.
Gabriele zog sie an fich.
„Nicht schmollen, Maust, es war doch nur ein Scherz."
„Aber du mußt mich nicht mehr damit necken."
„Ich will es mir abgewöhnen."
Der Frieden war geschloffen.
Gerade, als Gabriele den Kaffeetisch abräumen wollte, kam Fred von Eoßegg. Der bildhübsche, schlanke Leutnant begrüßte Mutter und Geschwister und setzte sich mit an den Tisch.
„Hast du noch eine Taste Kaffee für mich, Gabi?"
Sie holt« ihm schnell eine Taste herbei und schenkte fie voll.
„Da hast du Glück gehabt, Fred, die Kanne ist ausnahmsweise noch nicht leer. Willst bu auch ein Butterbrot haben?"
„Cern, wenn du mit eins zurecht machen willst. Ei» Soldat hat imm« Hunger."
Sie legte ihm vor und « ließ e» fich gut schmecke».
— D« Prozeß Soxhlet contra Thüngen. München, 26. Sept. Am Montag mittag wurde das Urtel, in dem Privatbeleidigungsprozeß verkündet, den de«, bekannte Agrikulturchemiker der Münchener Univerfi- töt, Geheimer Rat Professor Dr. v. Soxhlet gegen den bayettschen Reichsrat Freiherrn v. Thüngen hl München vor dem Schöffengericht München gefühtt ' hat. Durch den Vorwurf, den Freiherr v. Thüngen im bayerischen Landwirtschaftsrat erhob, Professor v Soxhlet sei dem Düngerausschuß der Deutschen , Landwirtschaftsgesellschaft mit feiner Kritik der Kali- > vertrüge in den Rücken gefallen, hat fich Professor v. Soxhlet beleidigt gefühlt, weil er den Vorwurf ■' einer geheimen Handlungsweise darin erblickte. In mehrtägiger Verhandlung wurden die geheimen Vertragsbestimmungen des Kalisyndikats mit der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft öffentlich erörtert. Professor v. Soxhlet ist bei feiner Kritik geblieben, daß die Zahlung von Propagandageldern seitens des Kalisyndikats an die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft dieser unwürdig und für die Bauern schädlich । fei, die ja als Konsumenten schließlich doch die Kosten eines derartigen Verfahrens zu tragen hätten. Das Urteil lautete auf Freisprechung des Freiherrn von Thüngen und Aufbürdung sämtlicher Kosten auf Pro- , seffor v. Soxhlet. Die Zeugenaussagen waren eine Würdigung der Rechtschaffenheit Prof. v. Soxhlet», wie seiner Verdienste um die deutsche Landwirtschaft. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt, daß die Angriffe des Freiherrn v. Thüngen auf Soxhlet durchaus unbegründet gewesen seien, aber Freiherr v. Thüngen habe doch in Wahrnehmung berechtigt--.! Interessen gehandelt.
— Bebel-Ent«». Wir hatten schon berichtet, daß sich die Mitteilung des „Vorwärts" von einer angeblichen Konfiskation eines Telegramms an Bebel auf dem Jenaer Parteitag als unrichtig herausge- stellt hat. Der „Vorwärts" hatte weiter erzählt, daß Bebel und sein Genosse Dietz bei ihrer Abreise von Jena polizeilich überwacht worden seien. Auch das ist Phantasie. Der Jenaer Mitarbeiter der „Leipz. Neuesten Nachrichten" schreibt, daß er zufällig Zeuge gewesen fei, als Bebel obreifte; er habe dabei nicht wahrnehmen können, daß irgend jemand seiner Spur gefolgt fei; es seien ganz sicher Gespenster gewesen, die Bebel am Bahnhof gesehen habe. Die Jenaer Polizei hat außerdem die Erklärung abgegeben, daß sie mit einer Ueberwachung Bebels nichts zu tun gehabt habe.
Ausland.
** Streiks in England. London, 26. Sept. Im Zusammenhang mit dem Ausstand der Arbeiter der Waggonfabriken in Swansea kam es dort gestern abend zu ernsten Unruhen. Die Menge richtete großen Schaden an. Die Polizei war machtlos; erst als Verstärkungen eintrafen, wurde die Ruhe wiederhergestellt. Zehn Polizeibeamte wurden verletzt. — Auf den Londoner
Seine Mutter sah voll freudigem Stolz in das frische,. gebräunte Soldatengesicht, das nur durch einen weichlichen Zug um den Mund etwa: verlor.
„Wie geht es dir, Fredy?"
„Danke Mama, man schlägt sich so durch. Wenn es bejfer ginge, wäre es kaum auszuhalten," scherzte et.
Er neckte sich mit Frieda und Walter und sah zuweilen mit einem Seitenblick in Eabrielens ernste» Gesicht. Bildschön sah die wieder aus; es war wahrhaftig schade, daß ihre Schönheit keinen besseren Rahmen erhielt. Auch Fred hatte Wendheims Bemühungen bemerkt und, egoistisch wie er war, machte et sich einige Hoffnungen darauf. Wenn man selbst arm ist, dann ist ein reicher Schwage- gar nicht zu verachten. Nachdem er gegessen hatte, sagte et, seine Schwester lächelnd betrachtend:
„Ich bringe übrigens dir und Mutter eine Einladung, Gabi. Wir sind alle drei morgen abend zu Konsul Haller geladen. Große Gesellschaft. Soup«, musikalische Genüsse und auch zum Schluß ein Tänzchen. Fein, nicht wahr?"
Gabrieles Gesicht rötete sich freudig. Sie kam selten genug zu solchen Geselligkeiten, und bei Hall«»1 war es immer sehr nett. Von der Schule ous wat fie mit Jngeborg Hallet, d« einzigen Tochter des Konsuls, befteundet. Wenn fie fich auch nicht sehr gut mit dem verwöhnten, launischen Mädchen verstand, ein gewisses Freundschaftsverhältnis hatte doch fort- bestanden. Gabriele und ihr Bruder, auch Magda von Eoßegg, bevor fie die Stelle einer Eesellschaftert« auswärts annahm, waten stets gern gesehen im Hause bes Konsuls. Außerdem wußte Gabriele gau- genau, baß sie bei Hallet» auch Heinz von Röm« treffen würde, und das trieb ihr die Röte freudig« I Erregung ins Gesicht. Sie sah bittend zur Muttes 1 hinüber. (Fortsetzung folgt.)