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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaMche Beilage?

M 226

i'teLberheffischr Zeitung" er)cheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Mark 21) 2.00 <X frei ins Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:

Dr. Hiheroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Dienstag, 26. September

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene geile oder deren Raum 15 4» bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 40 4-. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt all Barrabatt. Bet Konkurs kein Rabatt. Verbinolich- keit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 deS Postscheckamtes Frankfurt e. M.

46. Jahrg,

1911.

Die Marokkosrage.

Die Verhandlungen scheinen sich jetzt rasch ihrem Ende zu nähern. Am Sonnabend fand ein Ministerrat in Paris statt, der sich mit der von dem Minister des Aeutzeren bearbeiteten französischen Antwortnote befaßte und sie geneh­migte. Die neuen Formeln unterscheiden sich ein wenig von dem in Berlin festgesetzten Wort­laut, halten sich aber an die allgemeinen Ge­sichtspunkte, über die v. Kiderlen-Wächter und Cambon sich bei ihrer letzten Unterredung ge­einigt haben. Nach einer Meldung aus Paris schlägt de Seines einen neuen Text für die Kon­trolle vor, die Frankreich für Bergbau und Ver­kehrsmittel annimmt. Man hofft, daß diese Verschiedenheiten sich ziemlich leicht ausgleichen taffen werden. Der Ministerrat beschäftigte sich noch nicht mit der Kongofrage.

Paris, 23. Sept. Die vom heutigen Mi- nisterrat angenommene Note wird durch Kabi­nettskurier nach Berlin gesandt. Botschafter Eambon wird dieses Schriftstück voraussichtlich am Montag dem Staatssekretär v. Kiderlen- Wächter vorlegen. Die Note weicht nur wenig vom Text der deutschen Antwort ab, welche Cambon nach Paris gesandt hat. Sie spricht den Wunsch nach präziserer Fassung aus in den Fragen der öffentlichen Arbeiten und Konzes­sionen, sowie des Schutzrechtes über die Einge­borenen und der Konsulargerichtsbarkeit. DerTemps" scheibt über den Inhalt der Note folgendes:Der vom Ministerrat gebilligte Text hat den Zweck, jedes Mißverständnis für die Zu­kunft zu vermeiden und gewisse Punkte für die Uebergangszeit genau festzustellen. Unter der Uebergangszeit ist jene Frist zu verstehen, die zwischen dem Abschluß des Marokkoabkommens und der Zustimmung verstreichen wird, die sei­tens der Unterzeichner der Algeciras-Akte den an diesem internationalen Vertrag vorzuneh­menden Aenderungen erteilt werden muß."

Berlin, 24. Sept. DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt in ihrer Wochenrundschau:Bei den Marokkoverhandlungen wurden in den letz­ten Besprechungen Kiderlens mit dem französi­schen Botschafter die Vorschläge zur Ausgleichung der noch verbliebenen Streitpunkte formuliert. Diese von den Unterhändlern vereinbarten Ver­mittlungsvorschläge liegen den Regierungen vor, die Rückäußerung der französischen ist für die nächsten Tage erwartbar. Sollte der Ant­wort Frankreichs eine abschließende Bedeutung im Sinne der Verimttlungsvorschläge zukom­men, würde, da die beiderseitigen redaktionellen Wünsche für den Marokko betreffenden Teil der Vereinbarungen bereits erörtert sind, noch eine nach genauen Vorarbeiten nicht mehr fang«

1 sN---s>drucl verboten.)

Die Geschwister.

Roman von H. Courths-Mahler.

Frau von Eoßegg saß mit sorgenvoller Miene über ihr Haushaltbuch gebeugt. Wieder unb wieder rechnete sie die Zahlenreihe herunter. Es blieb im­mer das gleiche Resultat.

Seufzend legte sie die Feder beiseite. Dann über­zählte sie die Keine Summe, die sie ihrem Geldtäsch­chen entnahm.

Vier Mark und sechzig Pfennige. Damit sollte sie noch zehn Tage auskomnren, sollte für sich und drei Kinder den Lebensunterhalt bestreiten. Bei den ver­teuerten Lebensmitteln war das ein schwieriges Unternehmen.

Verzagt ließ sie ihren Blick in dem einfachen Wohnzimmerchen umherschweifen. Es war mit we­nigen, sehr schlichten Möbeln ausgestattet. Trotz­dem verriet es in vielen Kleinigkeiten das Walten folgsamer, geschickter Frauenhände. Es war sauber »nd behaglich, und ein Hauch von Distinktion lag über dem kleinen Zimmer. Frau von Eoßegg rech­nete noch einmal von neuem mit einem mutlosen, bedrückten Gesicht. Plötzlich horchte sie auf. Draußen im Schloß der Korridortür dreht sich ein Schlüssel herum. Wenige Sekunden später trat ein schlanker Mädchen ein. Sie trug «in schlichtes Kleid au- dunkelblauem Cheviot, sah aber darin so bildschön und vornehm aus, daß Frau von Eoheggs Augen in zärtlichem Stolz aufleuchteten.

Gottlob, daß du da bist, Kind, ich sitze wieder einmal über meinem Rechnungsbuch und kann nicht zu Ende kommen."

Gabriele von Eoßegg trat zu ihrer Mutter heran und blickte über deren Schulter tn das kleine Buch. Fhr ernstes, junges Gesicht mit den klugen, dunklen £ugen und feingeschnittenen Zügen hatte sich einen toment verdüstert. Nun lächelte sie aber freundlich zur Mutter herab. |

wierige Verhandlung in der Kompensations­frage Übrig bleiben."

*

Melilla, 22. Sept. Eine feindliche Harfa beunruhigte während der ganzen Nacht vom 20. zum 21. September die vorgeschobene Stellung der Spanier am rechten Ufer des Kertflusses. Unter dem Schutze des herrschenden Nebels setzte der Feind über den Fluß und eröffnete das Feuer auf die linke Flanke der spanischen Trup­pen. Nach heftigem Kampfe zersprengten die Spanier den Feind, der zahlreiche Tote und Ver­wundete zurückließ. Die Verluste der Spanier betrugen acht Soldaten, unter denen sich zwei Eingeborene befinden. Ein Major, neun an­dere Offiziere und 38 Soldaten, unter denen sich acht Eingeborene befinden, wurden verwundet.

Paris, 23. Sept. DieLiberty" meldet aus Madrid, daß Mauren am 18. d. M. bei Zegudsam am Heb Kert einen spanischen Zug von 80 Maultieren mit Munition und Lebens­rnitteln weggenommen und 15 Führer getötet und verbrannt haben. (Eine fliegende Kolonne, die den Zug frei zu machen suchte, hat an 100, Mann verloren.

Italien und Tripolis.

Rom, 23. Sept. Nach einer offiziellen An­kündigung im Militärblatt wird ein Teil der Jahresklaffe 1888 einberufen, um den Bestand der Regimenter zu ergänzen, da das Kontingent der unter den Fahnen bleibenden Soldaten nicht genügt.

Konstantinopel, 23. Sept. Hier geht das Gerücht, alle italienischen Dampfer, die den Levantedienst versehen, hätten ihre Fahrten ein­gestellt, angeblich weil sie von der italienischen Regierung in Anspruch genommen worden find. Der heute hier erwartete DampferSocieta Na­tionale" fei von dem italienischen Konsul in den Dardanellen aufgehalten und nach Italien zu- rllckgefchickt worden.

3t o m, 24. Sept. DieTribuna" meldet aus Tripolis: In der italienischen Kolonie der Stadt herrscht Panik. Man fürchtet, daß es bei der Ankunft der türkischen Dampfer, die Waffen, Munition und Soldaten an Bord haben, zu einem gegen die Italiener gerichteten Ausbruch des Fanatismus der Bevölkerung komme. In diesem Falle find die Italiener unvermeidlich einem Massaker ausgesetzt. In dieser Lage wandte fich die italienische Kolonie an die ita­lienische Regierung und ersuchte um energische Maßnahmen zur Sicherung der Staatsangehöri­gen. DieTribuna" fügt hinzu:Man weiß, daß die italienische Regierung bereits eine ge-

QuSIe dich doch nicht immer wieder damit, Mama, « wird ja doch nichts dadurch geändert. Daß du nur das Nötigste ausgibst, ist gewiß, und was übrig bleibt, wird durch da« angestrengteste Rechnen nicht vermehrt."

Die alte Dame sah mit dem frühverwelkten, sorgenvollen Gesicht zu ihrer Tochter auf.

Damit hast du leider recht. Ach, Kinder, ich weiß diesmal nicht, wie ich bis zum Ersten aus­kommen soll."

Das junge Mädchen strich liebevoll das grau­melierte Haar aus der Mutter Stirn.

Sorge dich doch nicht soviel, Mama. Du reibst dich auf dabei und kannst doch nichts ändern."

Sie zog ein Keines Portemonnaie hervor und schüttelt« den Inhalt vor der Mutter auf den Tisch.

Da hier ist Geld in Menge. Sechsundzwanzig Mark. Damit kommen wir sehr gut aus, nicht wahr?"

Frau von Eoßegg wehrte erschrocken ab.

Nicht doch, Gabi. Die« Geld hast du dir ver­dient, und es war doch für eine neue Winterjacke be- ftimmt. Du brauchst sie so notwendig."

Gabriele lacht« leise.

Sollst sehen, wie fein ich zu einer neuen Winter­jacke komme."

Sie packte aus einem Papier etwas aus und legte es der Mutter hin.

Was willst du mit diesen Bleiüxn. Gabi?"

Damit besetze ich meine alte Jacke, ganz nach einem neuen Modell, da» ich im Schaufenster sah. Die schadhaften Stellen werden verdeckt und zugleich wird meine Jacke modern und elegant. Sollst sehen, es geht ganz gut."

Liebes, gutes Kind, ich weiß fe$i wohl, daß es durchaus nicht so gut geht, wie du mir glaubhaft machen willst. Ich weiß auch, daß du dich sehr auf eine neue Jack« gefreut hast."

Aber, Muttchen daraus, daß ich di« Blend«« schon gekauft hab«, kannst du doch ersehen, daß dein Geldmangel ohne Einfluß auf meinen Entschluß

nfigenbe Anzahl Schiffe zur CEntfenbung tn bie ottomanischen Häsen bereithält, für ben Fall, baß es sich als notroenbig erweisen sollte, Leben unb Eigentum bet Italiener zu schützen.

Daß bas ganze Unternehmen Italiens von Deutschlanb keine Unterstützung erwarten kann, infolge ber mehr als zweideutigen Haltung Ita­liens ihm gegenüber unb infolge ber beutsch- freunblidjen Haltung ber Türkei, haben wir be­reits ausgeführt. Für uns geht bie Marokko­affäre voraussichtlich aus wie bas Hornberger Schießen, bie braven Bewohner bes Makkaroni- fanbes aber holen sich habet fa nebenher eine wertvolle Kolonie.

Politische Umschau.

Die Wahlen in Kanada haben einen merkwürbigen Ausfall gehabt inso­fern, als sie eine geschlossene konservative Majo­rität gegen bie jetzige liberale Mehrheit schufen. Eine besonbere Bedeutung erhalten die Wahlen dadurch, daß bas Volk durch sie zugleich fein Ur­teil gesprochen hat über den in Aussicht stehen­den Reziprozitätsvertrag mit Amerika. Amerika wollte Kanada durch diesen wirtschaftlich ins Schlepptau nehmen unb bies war einer ber Hauptprogrammpunkte bes jetzigen Präsibenten Taft, ber durch einen Erfolg auf diesem Gebiete sich auch die Wiederwahl bei ber nächsten Prä­sidentenwahl sichern wollte. Kurz vor der Wahl hat er noch eine Agitationsreise bis ganz in die Nähe der kanadischen Grenze unternommen, um für seine Idee Propaganda zu machen.Ich bin sehr enttäuscht", soll Herr Taft geäußert haben, als et von dem Resultat hörte. Die amerikani­schen Blätter betrachten bie Wahlen ausschließ­lich vom Stanbpunkte ihrer Wirkung für Ame­rika und sind natürlich gleichfalls wenig erfreut. Eveningpost" schließt seine Betrachtungen mit den Worten:Jedenfalls sind die gestrigen Wahlen in Kanada ein schwerer Schlag für Taft unb feine Politik. Sie bebeuten einen Wenbe- punkt für bie Geschichte bes ganzen amerikani­schen Kontinents."

Zn ben schuhzöllnerischen konservativen Krei­sen Englands frohlockt man natürlich.

Deutsches Reich.

Unterstaatssekretär Böhmer -si. Berlin, 24. Sept. Unterftaatsfefretär im Reichskolonial­amte Böhmer ist gestorben.

Teuerungszulage« an die Staatsbeamten. Berlin, 23. Sept. Im preußischen Finanzmini­sterium schweben Erwägungen wegen Gewäh­rung einer einmaligen Teuerungszulage an die Staatsbeamten.

blieb. Ich hätte mir auch ohnedies keine Jacke ge­kauft. Die Idee mit den Blenden leuchtete mir auch so ein."

Und außerdem wußtest du ganz genau, daß ich, wie immer, zum Monatsschluß deine Hilf« brauchte. Du bist ein gutes, liebes Kind, meine Gabi. Ich weiß, du bringst uns, wie so oft, mit lächelndem Ge­sicht ein Opfer. Aber obgleich ich es weiß, ich muß es annehmen, wenn ich keine Schulden machen will."

Gabrieles Gesicht wurde ernst und blaß.

Hm Gotteswillen, keine Schulden mehr, Mama. Du weißt, wie schwer es uns wird, abzuzahlen, was wir für Fred aufnehmen mußten. Lieber die äußer­sten Einschränkungen auferlegen."

Jadoch, ja! Beruhige dich, Gabi. Wenn du mir noch zwanzig Mark gibst, komme ich gut aus. Freilich, ich hätte dich gar zu gern in einem hüb­schen, neuen Paletot gesehen."

Gabriele beugte sich nieder und küßte die Mutter.

Sin ich dir nicht ohnhin schön genug?" fragte sie scherzend. Ihre Augen sah«-, aber dabei recht kummervoll über den Kopf der Mutter hinweg.

Die alte Dame streichelte sie zärtlich.

Mir bist du immer gleich lieb und schön, meine Gabi. Aber sieh, ein bißchen eitel ist jede Mutter auf ihre Tochter. Wenn ich mir manchmal ausmale, wie du in eleganten, vornehmen Toiletten aussehen müßtest ach, Kind ich glaube, es gäbe keine größere Wonne für mich.

Mutterle, unvernünftiges, liebes Mutterle, willst du mich mit Gewalt eitel machen? Schäme dich doch, schäme dich. Und nun packe schleunigst dein dummes Rechenbuch ein, und da nimm das Geld."

Nicht alles, Gabi. Nur zwanzig Mark. Das übrige verwende wenigstens für dich."

Gabriele steckte die übrigen sechs Mark wieder in ihr Portemonnaie und nahm es an fich.

Auch gut, kaufe ich mir eine neue Aktie dafür," scherzte fie.

»Hast du neue Arbeit mitbekommen, Kind?"

3a, Mama. Zwei Läufer und eine Tischdecke.

Die Reichseinnahme«. Berlin, 24. Sept Wie dieBerk. Pol. Nachr." hören, hat sich die Einnahme an Zöllen, Steuern und Gebühren für die ersten fünf Monate des laufenden Rech­nungsjahres auf 703 Millionen Mark belaufe«. Davon kamen auf die Zölle 324 Millionen, auf die Branntweinsteuer 82 Millionen, auf die Zuckersteuer 71 Millionen, auf die Brausteuer 48,8 Millionen, auf die Börsensteuer 37,8 Mil­lionen, auf den Grundstücksübertragungsstempel 16,6 Millionen, auf die Erbschaftssteuer 17 Mil­lionen Mark, der Rest auf die übrigen Ein­nahmezweige.

Die Stichwahl in Düsseldorf. Der Wahl­kreis Düsseldorf dürfte den Sozialdemokraten kaum mehr streitig gemacht werden können, um­soweniger als die Nationalliberalen vollkom­mene Stimmenthaltung praklomiert haben, weil fie für die kommenden Reichstagswahlen keinen Präzedenzfall schaffen möchten. Der Sozial­demokrat Haberland hatte in der Hauptwahl rund 34 000 Stimmen, der Zentrumskandidat Friedrich rund 29 000 erhalten. Da die 3500 Wähler Breitscheids für Haberland in der Hauptwahl eintreten, wird dieser voraussichtlich eine starke Mehrheit gewinnen.

Argentinisches Eeftierfleisch. Die deutsche Regierung hat sich infolge der allgemein zutage tretenden Teuerung und auf Eingaben verschie­dener Kommunen hin veranlaßt gesehen, bei der schweizerischen Regierung um Auskunft über Er­fahrungen mit dem dort zur Einführung zuge- laffenen argentinischen Gefrierfleisch anzufragen. Auch an die österreichische und italienische Re­gierung wurde diese Anfrage gerichtet, sobald in diesen Ländern Erfahrungen darüber vorliegen.

Nachklänge zum Jenaer Parteitage. Jena, 23. Sept. Anläßlich des Parteitages sollte ein Telegramm aus Belgien, das an Bebel gerichtet war, von der Postbehörde konfisziert, dabei aber weder dem Absender nach dem Adressanten da­von Mitteilung gemacht worden sein. Die Jenaer Postbehörde gibt jetzt folgende Auf­klärung:Das betreffende Telegramm ist dem Adressat behändigt worden, allerdings mit er­heblicher Verspätung. Es war nach rechtzeitigem Eingänge beim Postamte in Jena durch das Verhalten eines wegen des sozialdemokratischen Parteitages von der Behörde dorthin entsandten Hilfsbeamten int Drange der Geschäfte nicht zum Bestellen gelangt und wurde erst, nachdem we­nige Tage später von Brüssel aus nach dem Telegramm geforscht worden war, ermittelt. Dem Adressaten wurde nach dem Abschluß der Untersuchung eine ausführliche Mitteilung von dem Sachverhalt gemacht."

Bom Streik In Düsseldorf. Düsseldorf, 24. Sept. Auf dem Hofe eines Fuhrgeschäfts wurde

Du kannst die Läufer sticken, die find nicht gar M fein. Ich arbeite die Decke. Es ist ein besonders lohnender Auftrag. Zwanzig Mark bekommen wir für die drei Sachen."

So viel?"

Ja, es ist eine ^xtrabestellung. Du weißt, die Direktrice legt mir solche Sachen immer zurück. Sie ist so sehr freundlich gegen mich."

Daß nur kein Mensch etwas davon merkt. Du bist doch vorsichtig, Kind?"

Eabrielens Lippen umspielte ein bitteres Lächeln, das gar nicht in das junge Gesicht hineinpassen wollte.

Sei ohne Sorge, Mama. Ich weiß ja, daß ss nicht bekannt werden darf, daß die Schwester und Mutter eines Leutnants von Goßegg für Geld Stickereien für ein Geschäft liefern. Wenn ich dar­auf nicht immer Rücksicht zu nehmen hätte, könnt« ich Sprachstunden erteilen und würde mühelos mehr Geld verdienen."

Ja, Kind, als Tochter eines Hauptmanns und als Schwester eines Leutnants hast du Rücksichten zu nehmen."

Außerdem würde man es sonst auch sehr sonder­bar finden, daß Fred Kroßegg Champagnerfrühstück« gibt, sagte Gabriele bitter.

Frau von Eroßeggs Gesicht nahm einen gequäl­ten Ausdruck an.Es war doch nur das «ine Mal, Gabi, weil er ein« Wette verloren hatte."

Er hat kein Recht, eine solche Wette einzugehen, da er weiß, wie schwer es uns wird, ihm die nötig« Zulage zu geben. Seine Schwester Mazda lebt tu abhängiger Stellung bei einer boshaften, launische« Dame, um unserem Etat wenigstens Etwas aufzu­helfen, du und ich, wir sitzen tagaus, tagein hinter dem Stickrahmen, und für Walter können wir nicht einmal das Gymnasium erschwingen, ttotzdem er sehr begabt ung fleißig ist. Auch unser Nesthäkchen Friedel muß manches entbehren. All« zusammen sparen und knausern wir, und et macht solche Streiche." lFortsetzung folgt.) ,