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Marburg

Freitag, 22. September

XieCutrljrflifdK Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Lonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.26 Jl (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitnngsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 Jl frei in! Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hiheroth), Markt 21. Telephon 55.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage*

Die Mawlkofrage.

Nach den offiziösen Telegrammen von fran­zösischer und deutscher Seite werden jetzt die Verhandlungen wieder mündlich weitergeführt, wodurchdie Schnelligkeit der Verhandlungen gewinnen" soll. Man scheint also anderer An­sicht geworden zu sein als Mitte August; denn damals wurde, als sich infolge der mündlichen Verhandlungen unliebsame Mißverständnisse herausstellten, beschloßen, schriftlich zu verhan­deln, umschneller" fertig zu werden. Auch in anderer Beziehung fordern die beiden offiziösen Telegramme zur Kritik heraus. Jede Regie­rung laßt erklären, daß noch Fragen prin­zipieller Natur offen stehen, in denen keine von beiden nachgeben kann, und trotzdem wird bis zum Uebermaß erklärt, daß eine Verständi­gung nahe sei. Wie ein roter Faden zieht sich diese Versicherung durch die Pressemeldungen, und man ist allgemein geneigt, die noch schwe­benden Fragen in denen keiner der beteilig­ten Teile nachgeben will als nebensächlich zu bezeichnen. So meint derPetit Parisien", daß die französisch-deutschen Verhandlungen einen beoeutenden Schritt vorwärts gemacht haben. Die beiderseitigen Standpunkte hätten sich ein­ander genähert und der Abstand zwischen ihnen wäre beinahe ausgefüllt. Die noch in der Schwebe befindlichen Artikel hätten nur neben­sächliche Bedeutung, von denen keiner wichtig genug sei, um einen Bruch der Verhandlungen oder auch nur eine Spannung zwischen den bei­den Ländern herbeizusühren.

Politik und Finanzwirtschaft.

Berlin, 20. Sept. Vor Beginn der heu­tigen Börse setzten sich die großen Bankinstitute mit dem Auswärtigen Amt in Verbindung. Draufhin wurden der Direktor der Berliner Handesgesellschast Fürstenberg, der Direftor der Deutschen Bank Helferich, ferner Vertreter der Nationalbank und des Hauses Bleichröder sowie andere Mitglieder der Finanzwelt auf dem Auswärtigen Amt vom llnterstaatssekretär Zimmermann empfangen, der in der Unter­redung erklärte, die Marokkofrage werde in zwei bis drei Tagen in günstigem Sinne er­ledigt fein. Er gestattete den Vertretern der Eroßfinanz, jeden beliebigen Gebrauch von seiner Erklärung zu machen. Durch diese Er­klärung des Unterstaatssekretärs wurde ein grö­ßerer Kurssturz verhindert.

Zu dieser Meldung schreibt das Wolff-Büro: Die von Berliner Blättern gebrachten Informa­tionen über die heutige angebliche Besprechung von Mitgliedern der Hochfinanz mit dem Unter- staatssekretar im Auswärtigen Amt Zimmer­mann, sind unzutreffend. Es hat eine solche Be­sprechung nicht stattgefunden, sondern es ist, wie wir hören, lediglich auf Anfrage die Mitteilung gemacht-worden, daß für eine von den Herren

41 (Rachdruck verboten.)

Die Atzmaims.

, Roman von Courths-Mahler. "

(Fortsetzung.)

Das kann lange Wochen dauern. Solange halte ich es nicht aus, in Unruhe über ihr Schicksal zu bleiben. Und Eewißheit will ich haben, ob sie mich liebt."

Peter Atzmann zuckte die Achseln.

Da kann ich dir fteilich keinen Rat geben."

Ernst ging sinnend auf und ab. Plötzlich blieb er stehen .

Ich will zu Bühren gehen, vielleicht hat sie ihm verraten, wohin sie gehen will."

Tue das und Glück auf den Weg."

Sie trennten sich mit festem Händedruck.

Bühren konnte Ernst auch keine Auskunft geben. Mit Bedauern hörte er, daß dieser zu spät gekommen war, Bettinas Abreise zu verhindern. Auch gab er Ernst den Rat, zu warten, bis Bettina ihr« Adresse angegeben hatte. Daz war aber nicht nach Ernsts ungestümem Sinn. Er fand jetzt nicht eher Ruhe, als bis er wußte, daß Bettina ihn so liebte, wie er von ihr geliebt sein wollte. Und seine Sehnsucht nach ihr wuchs mit jeder Minute, die ihn fern hielt von ihr.

Bettina hatte in der Pension der Frau Dr. Har­tung in Ilmenau Wohnung und freundliche Auf­nahme gefunden.

Frau Dr. Hartung war di« Witwe eines Arztes, der sich hier einen Wirkungskreis geschaffen hatte.

Bettina war ziemlich spät abends bei ihr einge­troffen und hatt« um Aufnahme gebeten. Die alte Dam« hatte sich im Laufe der Jahre im Berkehr I

angekündigte Erregung der Börse der Stand der Marokko-Frage keinerlei Anlaß biete, nament­lich nicht zu einer Börsenpanik. Die Verhand­lungen seien auf gutem Wege und es dürfe bin­nen kurzem eine befriedigende Lösung erwartet werden. Die Phrase von zwei oder drei Tagen ist also gar nicht gefallen."

DieKöln. Ztg." verbreitet sich an leitender Stelle in einem längeren, ersichtlich inspirierten Artikel über die Lage der Verhandlungen. Sie erklärt gegenüber dem Bestreben gewisser fran­zösischer Kreise, die Frage der Deutschland zu gewährenden Entschädigungen auf fremdes Ge­biet hinüberzuspielen: Ein Zusammenhang zwischen Politik und Finanzwirtschaft ist zwei­fellos vorhanden, aber wenn die Politik auch wünschen muß, die Finanzwirtschaft nicht zu stören, so kann sie sich in wichtigen großen Fra­gen ihr doch nicht unterordnen. Mit der politi­schen Beeinflusiung durch finanzielle Manöver ist es also nichts, und die Franzosen täten besser, auch auf solche zwecklose Versuche zu verzichten.

Französische Nervosität.

Der Pariser Mitarbeiter derLeipziger Neuesten Nachrichten" schreibt:Angesichts des langen Hinzögerns der Berliner Verhandlungen wird diehiestge Stimmung immer nervöser, ver­ärgerter und erbitterter. Man spricht offen von einer deutschen Schikane und einem absichtlichen Erzeugen künstlicher Hindernisse, worunter ganz Europa, am meisten aber Deutschland selbst zu leiden habe. Kiderlen habe die Fi­nanzkrise verschuldet und sei im Be­griffe, Deutschland zu ruinieren. Frankreich könne es aushalten ttnfr erfreue sich der Sym­pathien aller Mächte. Zwischenhinein erschallen verhüllte Kriegsrohungen, falls Frankreichs Ge­duld erschöpft sei. Aus alledem geht klar her­vor, daß die peinliche, von deutscher Seite ver­langte Stipulierung der wirtschaftlichen Rechte Deutschlands in Marokko die Monopolhoffnun­gen der hiesigen Jnteresienten bedroht. Daher droht man mit der gereizten öffentlichen Mei­nung in Frankreich und sucht Deutschland damit einzuschüchtern. In Kreisen, die der Regierung nahestehen, herrscht dagegen eine besonnene Sprache vor, doch wird darauf hingewiesen, daß die Verhandlungen noch lange dauern können."

Reue Kämpfe.

Fez, 20. Sept. General Dalbiez zerstreute im Süden die aufrührerischen Aitjussi und ver­folgte sie bis zur Kasbah Masdun, die er zer­störte. Der Führer der Aufständischen, Sidi Hasian, ist gefallen. Auf französischer Seite wurden zwei senegalesische Schützen und zwei Marokkaner verwundet. Dalbiez ist nach Sefru zurückgekehrt.

Köln, 20. Sept. DerKöln. Ztg." wird aus Abda in Marokko unterm 15. September ge­meldet:Die im Hinterlande von Saffi an der Karawanenstraße nach Marakesch gelegene

mit Personen aller Stände eine scharfe Menschen­kenntnis angeeignet. Das schlanke blonde Mädchen mit dem traurigen Gesicht und dem schwarzen Kleid gefiel ihr sehr. Sie bekam ein schönes, helles Zim­mer mit einem reizenden Ausblick auf den Kickel-- hahn, und die alte Dame half ihr selbst, sich wohnlich einzurichten.

Bettina teilte ihr mit, daß sie sich einige Wochen hier aufzuhalten gedenke. Der Pensionspreis war nicht gar zu hoch, wenn er auch bedeutend das über­stieg, was Bettina an Zinsen von ihrem kleinen Vermögen zu verbrauchen hatte. Sie ttöstete sich je­doch mit dem Gedanken, daß sie sich später sparsamer einrichten und auf irgend eine Weise noch etwas hinzuverdienen konnte. Vorläufig atmete sie auf, daß sie wieder ein schützendes Dach über dem Kopfe hatte. Sie war sehr bedrückt und verzagt gewesen auf der Fahrt hierher, und ihr Kopf schmerzte von allem Denken und Sinnen, was nun aus ihr werden sollte.

Sie fand die erste Nacht einen Hefen festen Schlaf, da sie von allen Aufregungen erschöpft war. Am anderen Morgen wurde sie von fröhlich plaudernden Stimmen unter ihrem Fenster geweckt. Sie erhob sich schnell und kleidete sich an. Verstohlen blickte lle durch die Gardinen hinab. Ein kleiner hübscher Garten lag vor ihren Augen. Darinnen saßen an verschiedenen sauber gedeckten Tischen Herren und Damen beim Frühstück. Ihre Penfionsgenosien. Es waren meist "Here Ehepaare, einige in Beglei­tung junger Mädchen, und einzelne Junten in ver­schiedenen Altersstufen. Man rief sich von Tisch zu Tisch fteundlich guten Morgen zu und wechselte einige höfliche Redensatten über das Wetter, ge­plante Ausflüge und ähnliche Älgemeinheiten. Die typische Sommerftischen-Unterhaltung. Für Bettina

Mannesmannsche Farm Krakra wurde tn letzter Nacht angegriffen. Auf der Farm befanden sich Mannesmann und sechs andere Deutsche. So­wohl das Gehöft wie das aus sieben Zelten be­stehende Zeltlager der Deutschen wurde lebhaft beschoßen. An der Abwehr des Angriffs betei­ligten sich die Deutschen mit den eingeborenen Farmarbeitern. Man behauptet, diese sowie ähnliche Unruhen seien aus französische Wühle­reien zurückzuführen. Damit erklärt die ara­bische Bevölkerung der Umgebung, die den Deut­schen sofort zu Hilfe kam, die unerhörte Frech­heit eines Angriffs auf sieben gutbewaffnete Deutsche."

Zum Tode Stolypins.

Petersburg, 19. Sept. Zahreich ein­treffende Meldungen beweisen, daß das tragische Ende des Ministerpräsidenten Stolypin überall eine erschütternde Wirkung hervorgerufen hat. In vielen Theatern wurden die Vorstellungen abgesagt, lleberall wurden in den überfüllten Kirchen Bittgottesdienste zelebriert. Nach Kiew reisen zahlreiche Deputationen, um Kränze an dem Sarge des Verschiedenen niederzulegen. Die Witwe des Verstorbenen erhält fortdauernd Beileidsdepeschen, die die Entrüstung über das Verbrechen zum Ausdruck bringen. Der all- ruy.iche Nationalverband beschloß, im ganzen Reiche eine Sammlung für ein Stolypin-Denk- mal zu eröffnen

Kiew, 20. Sept. Die geplante Sammlung zur Errichtung eines Etolypin-Denkmals wurde nach Erteilung der Erlaubnis eröffnet. Die Stadtduma beschloß in einer Sondersitzung die Straße, in der Stolypin starb, Stolypinstraße zu benennen, am Hospital eine Gedenktafel anzu­bringen und 10 000 Rubel für das Denkmal zu zeichnen. Der Kaiser verlieh dem Kiewer Eene- ralgouverneur Trepow den Alexandrewsky- Orden.

Berlin, 20. Sept. Heute mittag fand in der russischen Botschaft anläßlich des Ablebens Stolypins ein Trauergottesdienst statt. Der Feier wohnten neben dem gesamten Personal der russischen Botschaft unter anderen bei: Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter, Unter- staatssekretär Zimmermann, Gesandter Graf v. Wedel, Geheimer Legationsrat Zahn, Abord­nungen des Kaiser-Alexander-Earde-Erenadier- Regiments, des 2. Eardedragoner-Regiments Kaiserin Alexandra von Rußland und viele Mitglieder des diplomatischen Korps. Mit Rück­sicht auf die anwesenden deutschen Gäste wurden die Gebete in deutscher Sprache verlesen.

Politische Umschau.

Oberpräsident Echwartzkopff.

Berlin, 20. Sept, lieber die Ernennung des Unterstaatssekretärs Echwartzkopff zum Oberpräst-

war das ganz neu sie kannte derartiges Leben und Treiben nicht. Onkel Peter und Tante Adolphine hatten zwar jedes Jahr auf einige Wochen irgend ein Bad oder eine Sommerfrische aufgesucht, aber Eroßtanttng war nie mehr gereist, seit Bettina im Haus- war, und so war sie nie mit herausge­kommen.

Als Frau Dr. Hartung später das junge Mädchen in den Garten führte und sie den übrigen Herrschaften oorstellte, richtete sich natürlich aller Aufmerksamkert aus sie. Bettina war verlegen, al äch so viele Blicke aus ihr Gesicht richteten, aber gerade diese Verlegen­heit ließ sie nur um so reft nder erscheinen Die Traucrkleidung tat das übrige. Man kam ihr gleich herzlich und freundlich entgegen und war sehr nett zu ihr.---

Nun war sie schon .änger als acht Tage hier. Man hatte fie verschiedentlich aufgefordert, Ausflüge mitzumachen. Sie war einigewale mit oben auf dem Kickelhahn gewesen, hatte auch einen verträum­ten Sommernachmittag oben i;i der Nähe d-s Goethe- Häuschens gefeßen und ihre traurigen Gedanken in di« alte Heimat schweifen laßen zu ihm den ihre Seele aller Vernunft zum Trotz nicht laßen konnte.

Auch hinüber nach Paulinzella war sie mitgefahren und hatte mit staunenden Augen die Klosterruine be- ttachtet. Von Paulinzella fuhr man mit der Bahn noch Schwarzburg. Uederwälttgend und in aller Lieblichkeit bezaubernd erschien ihr das herrliche Landschaftsbild, das fie vom Tttppstein aus durch das Fenster der Borkenhütte vor fich sah. Ringsum ttefgrüne Wälder auf den Bergen, und drunten auf einer Hügelinsel das Schloß mit seiner malerischen Wirkung. Um den Schlotzberg streckte die Schwarz»

deuten von Posen schreibt dieKreuzztg.": Die Er­nennung des Unterstaatssekretärs D. Echwartzkopff zum Oberpräsidenten von Posen kommt der Presse meist überraschend und wird vielfach als ttn Akt von besonderer politischer Bedeutung aufgefaßt. Wtt können diese Auffassung nicht recht teilen; uns war schon länger fceÄmnt, daß D. Echwartzkopff den Wunsch hatte, das durch die Versetzung des Oberprä­sidenten v. Waldow freiwerdende Oberpräsidium zu übernehmen, und da an seiner Geeignetheit für die­sen Posten nicht der geringste Zweifel sein kann auch die liberale Preße läßt der Bedeutung seiner Persönlichkeit und seinen staatsmännischen Eigen­schaften volle Gerechtigkeit widerfahren, so sprach eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit für die jetzt ein­getretene Lösung. Der Wunsch, nach einer über 20- jährigen angesttengteu und erfolgreichen Tätigkeit an der Zentralstelle eines wenn auch so wichtigen Emzelreßorts in das pulsierende Leben des Lande» hinauszutreten und die Leitung einer Provinzial« Verwaltung zu übernehmen, ist an sich so begreiflich, daß er keines weiteren Kommentars bedarf. Nur sei bemerkt, daß D. Echwartzkopff auch durch Grundbesitz der Provinz Posen angehört. Die Richtung der Polenpolitik wird in Berlin, nicht in Posen be­stimmt, und dabei muß es bleiben. Der neue Ober- prästdent bringt nicht nur aus seiner bisherigen Stellung die genaueste Kenntnis der Absichten der leitenden Persönlichkeiten in die neue mit hinüber, sondern er wird sie auch sicherlich mit lleberzeugung vertreten, denn andernfalls würde er das Amt nicht übernommen haben.

Deutsches Reich«

Der neue preußische Gesandte in München. Berlin, 20. Sept. DieRordd. Allgem. Ztg." schreibt: Dem Vernehmen nach ist für die Wie­derbesetzung des Postens des Gesandten in Mün­chen der derzeitige Gesandte in Christiania, von Treutler, in Aussicht genommen.

Aus den Ministerien. Berlin, 20. Sept. An Stelle des am 1. Oktober in den Ruhestand tretenden Direktors der Medizinalabteilung im Ministerium des Innern, Wirklichen Geheimen Regierungsrat Dr. Förster ist der Geheime Obermedizinalrat und vortragende Rat Pro- feßor Dr. Kirchner zum Ministerialdirektor und wirklichen Geheimen Obermedizinalrat ernannt worden.

Die Novelle zum Strafgesetzbuch«. Berlin, 16. Sept. Eine der Aufgaben, die der am 10. Oktober wieder zusammentretende Reichstag wird erledigen müssen, ist die Durchberatung de« Novelle zum Strafgesetzbuch«. Es handelt sich bei dieser Novelle bekanntlich um strafgesetzliche Ver­schärfung der Beleidigungsstrafen. Die Novelle ist in einer der letzten Etatsreden des Fürsten Bülow angekündigt worden, und die Ankündi­gung weckte lebhafte Zustimmung. Immer und immer wieder tauchte neuerdings die Mitteilung in der Preße auf, daß die maßgebenden Par­teien des Reichstages und die verbündeten Re­gierungen keinen besonderen Wert auf die Er­ledigung des Entwurfes legten. Das ist nicht

die schlanken, silberhellen Arme. Die springende» Weilchen blitzten im Sonnenschein.

Bettina atmete auf. Wie schön war die Welrl und rings um sie her fröhliches Lachen und Plau­dern, köstliche Daseinsfreuden, Herzen, die sich suchten und fanden. Rur sie war allein. Am liebsten blieb fie auch für fich, nur trenn man fie ganz drin­gend aufforderte, schloß fie sich den anderen an Waren sie alle fort, bann saß sie still für sich im Garten und ließ ihre Blicke ins Weite schweife». Oder fie stieg hinauf auf den Kickelhahn, auf den Aussichtsturm, von dem das ganze Panorama de» Thüringer Waldes zu übersehen war. Da stand fi« und schaute und schaut« bis ihr die Augen brannten.

Da draußen irgendwo da weilte ei, der ihrem Herzen so teuer war und den fie nicht ver­geßen konnte, an den sich all ihre Gedanken klammer­ten. Vergeblich suchte fie fich davon loszumachen. Sie mußte doch nun ernstlich ihre Zukunft ins Auze faßen. So konnte fie nicht lange weiterleben, erstens weil es zu teuer war, und bann fehlte es ihr auch an einer Tätigkeit, bie ihre Zeit ausfüllte, fie in Anspruch nahm, damit sie etwas anderes zu denke« hatte als immer nut an das eine. Eines Tages ver­traute fie sich Frau Dr. Hattnng an. Sie sagte ihr, daß sie verwaist sei, bis jetzt bei Verwandten gelebt hab- und nun versuchen wolle, auf eigenen Füßen M stehen. Eie sei im Besitz rnes kleinen Kapital», dessen Zinsen nicht reichten, ihren Lebensunterhalt M bestreiten. Sie wollte auf ltgen' eine Weise hinzn- verdienen. Ob ihr Frau Dr. Hartung eine« guten Rat geben tonne.

Die alte Dam« hatte ruhig MDchätt. Run sah sie lächelnd in Bettina» Seficht.

(Fortsetzung folgte