mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Vellage"
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1911
Die „Qderhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch
Marburg
Mittwoch, 20. September
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Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 70.
Die Straßenkämpfe in Wien.
Zu der Eottesgeißel der heurigen Dürre und Teuerung, die ganz Europa Heimsucht, gesellt sich Allenthalben die Menschengeitzel, geschwungen von gewissen- und vaterlandslosen Gesellen.
Seit Jahren exerzieren die Führer der Sozialdemokratie ihre Arbeiterbataillone in Versammlungen und Stratzenkundgebungen. Unter den Augen der Polizei, mit Einwilligung der Obrigkeit, die den Ordnern mit der roten Armbinde vertraut, veranstaltet man Manöver als Hebungen für den Ernstfall. So war es bei den Wahlrechtsdemonstrationen, so war es beim Marokkoprotest im Treptower Park. Während Männer der Regierung die Führer als „Ritter" ansprachen, bewunderte die freisinnige Presse die Disziplin und die Ruhe der sozialistischen Gefolgschaft. Und Moabit? Die demolierten Läden, die zertrümmerten Scheiben, die gestürzten Laternenpsähle? Das taten der nichtsnutzige Pöbel und die schuldige Polizei, versichert die Presie der gesamten Linken, und viele ließen sich davon überzeugen. Auch den Aufruhr in Wien möchte man wieder dem Mob, dem lichtscheuen Gesindel der Großstadt in die Schuhe schieben. So forderte ein Aufruf der sozialdemokratischen Parteileitung unter Hinweis, daß nach der ruhigen Arbeiterkundgebung disziplinlose Elemente die die Kämpfe mit der Polizei und dem Militär begonnen hätten, die Arbeiter auf, sich jeder weiteren Demonstration zu enthalten und am Montag früh wie gewöhnlich die Arbeit aufzunehmen. Mit derartigen Redensarten wird sich die Sozialdemokratie diesmal nicht von ihrer Schuld befreien können. Sie allein ist es gewesen, die diese Revolte heraufbeschworen hat. Ihre Führer waren es, die immer und immer wieder die Masien aufstachelten und aufpeitschten, bis diese nicht mehr ihrer Sinne mächtig waren. Mag sich auch unter die Demonstranten verbrecherischer Pöbel gemischt haben, nur aus Gesindel bestanden jedenfalls die Masien nicht, die sich auflehnten gegen die Staatsautorität und die den Truppen u. Schutzleuten Widerstand leisteten. Dazu ist dieses Gelichter denn doch zu feig. Und wer will beweisen, daß diese „disziplinlosen Elemente" die Kämpfe begonnen hätten? Und wenn es wirklich so wäre? Wer hätte ihnen Gelegenheit dazu gegeben, und wer hätte ihrem verbrecherischen Treiben Vorschub geleistet? Lediglich die roten Hetzer, die Verführer der Massen!
42 (Nachdruck verboten.)
Die Aßmarrns.
Roman von Courths-Mahlee.
(Fortsetzung.)
Ernst atmete tief auf und lief aufgeregt hin und her. Schließlich blieb er vor Bühren stehen und drückte ihm die Hand.
„Sie wisien nicht, "ras Cie mir Gutes a statt haben mit dieser Erklärung," rief er mit bebender Stimme.
'Kühren sah ihm ernst und rffen die Augen.
„Doch — ich weiß es. Und w .. ich es weiß, will ich Sie bitten, gehen Sie schnell nach Hause. Fräulein Sörrensen braucht Ihren Schutz."
Ernst fuhr auf.
„Meinen Schutz? Was ist geschehen?"
„Als ich zu Ihren Eltern kam, war bereits Gericht über Fräulein Sörrensen gehalten worden. Ihr Bruder Georg hatte Ihren Eltern gleich heute Morgen erzählt, daß Sie die junge Dame mit mit meine Wohnung verlassen sahen?
Ernst ballte die Hände zusammen.
„Er ist ein Waschweib," knirschte er zornig zwischen den Zähnen hervor. „Abe" bitte, sprechen Sie »eiter, was geschah?"
„Ihre Frau Mutter verlangt, daß Fräulein Sör- rensen das Haus verläßt, und ich fürchte, da sie meine Werbung nicht annahm, wird Ihre Mutter auch jetzt noch darauf bestehen. Ich bat Fräulein Sörrensen, Ihren Eltern alles erklären zu dürfen, aber sie wollte nicht und behaustet. diele Erklärung würde sie nicht entlasten in den Augen Ihrer Eltern. Jedenfalls | »III sie das Haus verlasien, und da sie annahm, daß I zwischen Ihnen und ihr vielleicht kein Wiedersehen ! wehr stattsinden würde, bat sie mich. Ihnen ihren I
Das ist die Lehre vom blutigen Sonntag in Wien, der sonst so ruhigen Donaustadt. Von Schuld darf man auch die Wiener Regierung nicht freisprechen. Wer die Feuerwerke der Sozialdemokratie duldet auf die Gefahr hin, daß gewisie Strohköpfe Feuer fangen, wer Schutzleute und Militär erst alarmiert, wenn alles drunter und drüber geht, der kennt den Revolutionsinstinkt der Masien nicht.
80 000 Mann hatte die Sozialdemokratie in Wien auf die Beine gebracht. 500 Post- und Telegraphenangestellte machten in Uniform mit und brachen ihrem Kaiser die gelobte Treue. Bezeichnenderweise fehlten diesmal die „Ordner". Daß sie fehlten, ist der erste Beweis für die große Schuld der Sozialdemokratie. Prompt wurde das Signal gegeben wie im Felde: 30 Abgeordnete sprachen auf dem Rathausplatze so wild, so maßlos wie nie. Die Führer liefen, und die Kerntruppen kamen, die Führer (hinter der Front) kommandierten, und die Kerntruppen „gingen los". Zunächst ohrenbetäubendes Pfeifen und Schreien, um sich Mut zu machen. Dann Steinbombardement gegen das Rathaus und sonstige öffentliche Gebäude. Wie 1848 wurden zwei Signalschüsse abgefeuert, Barrikaden gebaut, wozu als modernes Kampfmittel Stacheldraht gegen — Kavallerie trat. Brandstiftung, Plünderung, Vandalismus auf der ganzen Linie. Die Geister der Revolution waren heraufbeschworen, und nun rangen die Führer, wie Goethes Zauberlehrling, die Hände. Und da erging es einigen recht Übel, als sie bremsen wollten, nachdem sie Volldampf gegeben hatten. Das sozialdemokratische Mitglied des Reichsrats David trug eine klaffende Schädel- wunde davon durch den Steinwurf eines — Genossen. Seine Leute waren empört, daß er sie beschwichtigen wollte, sie waren empört, daß er sich hinter die Front retten wollte nach dem Grundsatz aller Demagogen: „ihr laßt den Armen schuldig werden, dann überlaßt ihr ihn der Qual". Andern Führern, wie z. B. Forstner, ging es ähnlich. Nur einer hatte „Glück". Der Abg. Winarsky wurde von einem oberen Polizeioffizier aufgefordert, die Menge zu beruhigen. Zwei Polizisten hoben ihn auf einen Steinblock, und der ehrenwerte Führer, bei dem es allmählich dämmerte, was die Parteileitung angerichtet hatte, tief: „Um Eotteswillen, seid ihr denn wahnsinnig? Könnt ihr das Blutvergießen verantworten? Sie haben ja Gewehre, und wir haben nichts! Geht nach Hause!" Diese Ansprache wendet sich an die falsche Adresse. Sie paßt Wort für Wort auf die Führer der Partei in allen Ländern. Das vergossene Blut in Wien klebt an ihren Händen und kein Leugnen und keine Rechtfertigung kann es entfernen. Der zurzeit in Berlin weilende Wiener Bürgermeister Dr. Neumayer hat ausdrücklich bestätigt, daß die Schuld an den
Dank auszusprechen für alle Güte und — Sie sollen ihr nicht böse fein, daß sie meine Frau nicht werden kann. Weiter brauche ich Ihnen wohl nichts zu sagen."
Ernst riß seinen Hut vorn Haken herab.
„Nein — ich weiß genug. Und meinen herzlichsten Dank — aber jetzt muß ich Sie verlasien — Bettina darf nicht fort."
Damit stürmte er hinaus, unbekümmert, ob ihm Bühren folgte oder nicht. Dieser sah ihm mit trübem Blick nach.
„Der Beneidenswette — er hat alles, was ihm das Leben zu bieten hat. Einen Beruf, der ihn aus« füllt und ihm Ruhm und Reichtum einbringt — ererbtes Vermögen — und nun auch noch die Liebe dieses einzigen Mädchens. Das Schicksal teilt seine Lose recht willkürlich aus," dachte er wehmütig, als er langsam seine triste Iunggesellenwohnung wieder aussuchte. Mit freudigem, unruhigem Hoffen war er fortgegangen, vor sich ein rosiges Zukunftsbild. Arm und enttäuscht kehrte er zurück. Grau und nüchtern lagen seine Tage wieder vor ihm. Die „Arme- leutnantsmisere" hüllte ihn wieder ein.
♦ «
Ernst kam atemlos zu Hause an. Er trat aufgeregt in das Wohnzimmer, wo sich seine Eltern stumm gegenübersaßen und den Kaffee einnahmen, den sie nach Tisch hier zu trinken pflegten. Georg hatte nur hastig zu Mittag gegessen und war wiederum fortgegangen. Er fühlte dunkel, daß et keine glänzende Rolle in der Affäre gespielt hatte, und wollte Ernst vorläufig aus dem Wege gehen.
Bei Ernsts unerwartetem Eintritt sahen die Eltern unbehaglich auf.
„Wo ist Bettina?" rief dieser ohne alle Einleitung.
Seine Mutter sah ihn vorwurfsvoll an.
Revolten einzig und allein den Führern der Sozialdemokratie zuzuschreiben fei, die tagelang die Bevölkerung aufgehetzt habe. Hoffen wir, daß in Oesterreich die Staatsanwaltschaft oder das Standrecht fest hineingreift in das Wespennest der Führer und rücksichtslos die Schuldigen zur Verantwortung zieht. Den Verführten Schonung, den Verführern die unnachsichtliche Sttenge des Gesetzes!
Von den Ausschreitungen in Oesterreichs Hauptstadt werden noch folgende Einzelheiten bekannt:
Wien, 18. Sept. Die gestrigen Demonstrationen trugen einen ganz anderen Charakter als gewöhnlich. Diesmal fehlten die Ordner und die Massen waren daher ganz auf sich und ihr Verantwottlichkeitsgefühl angewiesen. Man sah zumeist Männer im Demonstrations- zuge, aber auch viele Frauen und sogar Kinder beteiligten sich an den Kundgebungen. Auf der Ringstraße, vor der Parlamentsrampe, vor dem Rathause und am Burgtheater war der Andrang am größten. Von den einzelnen Rednern konnte man infolge der allgemeinen Unruhen nichts vernehmen. Doch fanden die Schlußsätze, die mit Hoch- und Pfuirufen ausgenommen wurden, in der Ringstraße ein stürmisches Echo. Mitten in die Menge eingekeilt, standen die Straßenbahnwagen. Einige Demonstranten hatten die Dächer der Waggons erklettert und verbreiteten von dort Flugzettel. Nach Schluß der Versammlung auf dem Rathausplatz wollte die Menge ins Innere der Stadt ziehen. In der Menge erschollen höhnende Ruse und schrille Pfiffe; die Stöcke wurden drohend geschwungen. Aus der Menge flog ein Vierkrug gegen den Polizeirat, der dort zu Pferde hielt; er wurde aber, nicht getroffen. Auf dem Ning an der Ringstraße wurde ein Wagen der Wiener Molkerei angehalten; die Demonstranten schlugen nach dem Kutscher mit Stöcken und rissen ihn vom Bock. Die Hiebe fielen hageldicht auf den Kutscher, der sich flüchtete. Im Stadtpark, wohin die Menge nacheilte, und auch vor dem Rathause kam es zu Ruhestörungen. Plötzlich hieß es, daß aus den Fenstern des Rathauses auf die Demonstranten Steine geschleudert worden seien. Im nächsten Augenblick flogen Steine gegen die Parterrefenster des Rathauses. Alle Fenster im Parterre und Hochparterre wurden eingeschlagen. Nach diesen Sturmszenen begab sich die Menge vor das Gebäude des Verwaltungsgerichtshofes, wo ebenfalls das Gerücht verbreitet war, daß aus einem Fenster auf die Menge geschossen worden sei. Tatsächlich hatte man auf der Straße eine leichte Detonation gehört. Nun kehrte sich die Wut der undisziplinierten Menge gegen das Gebäude und
„Aber Ernst — ist das eine Art einzutreten. Du solltest doch etwas Rücksicht nehmen. Man erschreckt sich ja "
Er fuhr sich durchs Haar.
„Verzeihe, Mutter. Aber wo ist Bettina?" Frau Adolphine machte ein hochmütiges Gesicht.
„Sie hat unser Haus verlassen und ist bereits ab- gereist. Georg hat uns erzählt, daß sie Bühren in seiner Wohnung besucht hat, und nach diesem konnte ich sie natürlich nicht mehr tm Hause dulden."
„Georg ist ein infamer Schwätzer," fuhr Ernst zornig auf.
„Mein Sohn, du solltest dich besser beherrschen und nicht in diesem Ton von deinem Bruder sprechen."
Ernst bewahrte nur mit Mühe seine Ruhe.
„Wo ist Bettina hin?"
„Das weiß ich nicht."
„Das weißt du nicht? Mutter, du läßt das arme Mädchen schutzlos in die Welt hinausgehen und weißt nicht einmal, wohin sie ihre Schritte lenkt?"
Adolphine machte ein unnahbares Gesicht.
„Das arme Mädchen ist eine leichtfertige Person. Außerdem ist sie alt genug, un sich selbst zu schützen."
„Eine leichtfertige Person? Das soll Bettina sein? Rein, Mutter, sie ist ein großherziges, gütiges Geschöpf. In ihrer Herzensgute und in Angst und Sorge um ein gefährdetes Menschenleben ließ sie sich zu einem Schritt hinreihen, den allerdings die gestrenge Moral verbietet. Ja, sie hat Bühren ausgesucht und ihm das Geld gebracht, das er brauchte, um eine Ehrenschuld einzulösen. Ein Zufall hatte ihr seine Rot verraten. Ohne ihre großherzige Tat wäre heute ein Menschenleben ausgelöscht gewesen. Eie sah Bührens Schicksal mit vom Leid geschärften Augen vor sich, als sie hörte, daß ihm Vater die Summe verweigerte, die er brauchte. Sie sah ihn
seine Umgebung. Die Fenster wurden zertrümmert und auch die Fenster der umliegenden Gasthäuser und Cafss zerschlagen. Viele Laternen der nächsten Straßen und auf dem Platz um das Rathaus find dem Vandalismus der Menge zum Opfer gefallen. An der Schmidtstraße hinter dem Rat- haufe wurden die Fenster eines Milchgeschäftes und eines Geschäftes gemischter Waren eingeschlagen. Hinter dem Rathause an der Ecke zur Stadivngasse stand ein Bierwagen. Als die Kavallerie anrückte, rollte die Menge Bierfässer auf die Straße, um die Soldaten am Weitergehen zu hindern. Die Zerstörungswut der Menge kannte keine Grenzen. Auch Garten- anlagen wurden zerstört. Von einem Automobil, das der Stadt Wien gehört und in dem Schwestern vom Roten Kreuze saßen, wurden die Fenster eingeschlagen. Die Menge warf Feuerwerkskörper, sogenannte Frösche, gegen die Pferde der Kavallerie, um sie zum Scheuen zu bringen. In dem Handgemenge wurden mehrere Polizeikommissare durch Stockhiebe verletzt. Im Bezirk Ottakring wurden aus Brettern, eisernen Schiebkarren und Fässern, die aus der Markthalle genommen wurden, und aus den Bänken der öffentlichen Anlagen Hindernisse errichtet. Die Menge stürmte das Hilfsschulgebäude, das sich in der Hoferstraße befindet. Die Gittertüren wurden ausgerissen und auf die Straße geworfen. Aus allen Klassenzimmern wurden die Kataloge, Bücher, Hefte und Formulare herausgerissen und in Fetzen zerrissen und auf die Straße geworfen. Aus den Papierfetzen und aus den Holztturn- mern wurde ein Haufen errichtet, der von der Menge angezündet wurde. Die Flammen schlugen lichterloh bis zu beträchtlicher Höhe empor. Das Schulgebäude bietet ein Bild größter Zerstörung, alle Fensterscheiben sind zertrümmert, selbst die Uhr am First des Gebäudes ist vernichtet. Militär rückte zur Unterstützung der Wachen heran. Die Straßen und Plätze der Umgebung des Hoferplatzes wurden nicht ohne Mühe gefäubert. Die Straßenzüge, die in den Hoferplatz münden, wurden militärisch besetzt. Patrouillen räumten von Zeit zu Zeit die Straßen. Gegen 11 Uhr trat Ruhe ein. Ein Hof- wagen, in dem ein Bediensteter sich befand, wurde von der Menge mit großem Geschrei attackiert, die Scheiben des Wagens wurden eingeschlagen. Auch zu Plünderungen kam es gestern. Die Demonstranten erstürmten und plünderten die Niederlage der Argentor-Werke im 7. Bezirk, erbeuteten verschiedene Silber- waren und zogen damit fort. Abends
gleich ihrem geliebten Brud - mit durchschossener Brust im Geiste vor sich. In ihrer Angst nahm ste von ihrem Gelbe und suchte mich auf. Ich sollte 'S Bühren bringen. Sie fand mich nicht und mußte nun selbst gehen, wollte sie nicht zu spät kommen mit ihrer Hilfe. Schwer genug mag es ihr geworden sein. So — das ist die „leitfettige" Person. Mutter. Ich kann Betttna nur höher achten dafür."
Peter Aßmann war blaß gerooiber. bei der Erklärung Ernsts. Er fühlte sich nicht ganz schuldlos bei dem Gedanken an Bühren. Hätte er ihm doch helfen sollen?
Frau Adolphine aber blieb unbewegt.
„Das kann ich mir denken," sagte sie schneidens. „So etwas imponiert dir, solch eine Handlungsweise. Wie unweiblich Bettina sich dabei benommen, kommt dir gar nicht zur Einsicht."
„llnweiblich — Mutter — nennst du das un- weiblich? Wäre es dir weiblicher erschienen, sie hätte mit Seelenruhe in der Sicherheit ihres Zim- me : die Nachricht abgewartet, daß Bühren sich erschossen hat. Dann hast du einen schlechten Begriff von Weiblichkeit, Mutter."
Frau Adolphine fuhr empört auf.
„Ich muß sehr bitten, mein Sohn, daß du nicht in diesem Tone zu mir sprichst. Deine Erziehung ist leider durch mancherlei Einflüsse eine sehr mangelhafte geworden, das beweist dein Benehmen. Bettinas Verhalten hat gegen die gute Sitte verstoßen — aus welchem Grunde ist Nebensack" — und ich dulde zweifelhafte Personen nicht in meiner Umgebung. Uebrigens scheint r nur höchste Zeit, drß dieses Mädchen aus dem Hause kommt. 8b wirfst dich in einer Weise zu ihrem Ritter auf, ~4e mit bedenklich erscheint."
(Fortsetzung folgt.)