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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage"
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Tie „Cbtrljefiifdje Zeitung" er)chemt täglich nut «uSnahaie der <Lvnn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <* frei in« Hau». (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:
Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Dienstag, 19. September
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46. Jahrg, 1911.
kine reichhaltige Zeitung
ist die bette Auteehaltmig!
Die Gberhefstsche Zeitung unterrichtet schnell und genau über alle Ereignisse in Reich und Ausland, Stadt, Umgebung und Provinz und nimmt zu ihnen sofort und selbständig Stellung. Mehrere
Unterhallirngs-Kettagert und ein interessantes Feuilleton ergänzen den Nachrichtenteil bestens, lieber die
Reichstag«- ««d Kandtagsveehaadlaage« haben wir ferner einen umfangreichen Bericht eingeführt, ohne den Stoff der Zeitung dadurch zu beschränken.
Wer eine gut unterrichtete Zeitung lesen will, die einzig der Unterhaltung und Belehrung deS Publikums und nicht der politischen Agitation dienen will, abonniere fosort auf die in Stadt und Land am weitesten verbreitete ..Oberhesfische Zeitung"
die mit ihrer nachweislich ständig wachsenden Auflage zugleich das zugkräftigste Iuserttousorga« ist.
Die Oberhefstsche Zeitung mit dem Kreisblatt, für die Kreise Marburg und Kirchhain und der landwirtschaftlichen, sowie den beiden Unterhaltungsbeilagen kostet vierteljährlich bei den Agenturen 2 Mk., durch die Post bezogen (ohne Bestellgeld) 2.25 Mk.
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Umschau im Auslande.
Man müßte noch nichts von der traurigen Organisation des b e l g is ch e n Heerwesens gehört haben, wollte man sich über die Hast und fieberhafte Aufregung verwundern, mit der die Belgier sich für den Fall eines Krieges anläßlich der Marokkoaffäre „vorbereiten". Der belgische Kriegsminister kann den Marokkoparteien nur tief dankbar dafür sein, daß den maßgebenden Stellen jetzt das Gewissen über die seit Jahren fortgeschleppte Verwahrlosung der Armee schlägt, denn ohne diese Kriegsbefürchtungen wäre die sonnige Lethargie, der man sich bisher hinge- tzeben hat, nicht gestört worden. Jnteresiant ist aber vor allem ein anderes Moment. Durch ausländische Zeitungsartikel allein wäre das belgische Kriegsblut nie in Wallung geraten: hier sprechen Tatsachen, die man mit offenen Augen beobachtet hat, so die Mobilisierung des 6. französischen Armeekorps, die Inspizierung der Festungen der Ostdepartements u. a. m. Die Ver- legonheitserklärungen der französischen Regie- ,
41 (Nachdruck verboten.)
Die Aßmimns.
Roman von Eourths-Rahler.
(Fortfehung.)
Eie rief Tante und Onkel herbei, damit sich Bühren verabschieden konnte. Die alten Herrschaften gaben sich sehr kühl und benommen und erwiderten auf Bührens Bitte um Verzeihung wegen der bereiteten Unannehmlichkeiten nur wenige steifklingende Worte.
Bühren küßte Bettina ehrerbietig die Hand und ging, um sofort Ernst aufzusuchen und ihn $u Bettinas Schutz nach Hause zu schicken. Er wußte, dieser vermochte mehr für sie zu tun als er.
Bettina wandte sich nach seinem Fortgehen an Frau Adolphine und Peter.
„Gestattet mir, daß ich euch setzt gleich Lebewohl sage. Ich muß sofort aufbrechen, wenn ich meinen Zug erreichen will," sagte sie leise.
Peter Aßmann sah sie bekümmert an.
„Mußtest du uns oas antun? Konntest du Bührens Werbung nicht ani h .en? Dann war Alles gut."
„Ich konnte nicht anders handeln als ich getan habe. Seid mir nicht böse, las mich in Frieden scheiden. Ich bin nicht schuldig in dem Sinne, ole ihr glaubt, ich war nur unbesonnen und wußte mir nicht anders zu helfen."
„Du möchtest uns natürlich eine romantische Erklärung ouftischen für deine Leichtfertigkeit," sagte Frau Adolphine giftig.
„Rein, Tante, das will ich nicht. Es hat ja auch keinen Zweck. Du hast ein Recht, mich aus deinem Hause zu weisen, denn ich habe gegen die Regeln verstoßen, die dir maßgebend sind. Auch habe ich lange genug eure Güte in Anspruch genommen. Ich j UW«. «»mW üttttü tfl* «0m mag ihr ■
rung ändern an der Sache nichts und es ist daher nicht zu verwundern, daß man in dem benachbarten Belgien diesem französischen Säbelgeraffel eine ernstere Bedeutung beilegt, als verdient. Denn die Franzosen sind doch durch und durch friedlich gesinnte Leute, wer wollte daran zweifeln —? Daß auch Holland sich von derlei Befürchtungen hat anstecken laffen, ist schon erstaunlicher, da es als Durchzugsgebiet einer deutschen oder französischen Armee nicht in Frage kommt. Es werden dadurch die bisherigen Vermutungen zur Gewißheit verstärkt, daß zwischen Belgien und Holland ein Abkommen zur gegenseitigen Unterstützung im Falle einer internationalen Kriegsgefahr, eine Art Defenfiv- bündnis besteht.
Die manchmal schier unglaublichen Leistungen der amerikanischen Jurisdiktion in Ehescheidungssachen haben dem Präsidenten endlich Veranlaffung gegeben, kurz vor seiner neuesten Agitationstour „zu 12000 englischen Meilen", seine die Veränderung liebenden verehelichten Untertanen durch die Ankündigung eines einheitlichen, für alle Staaten der Union gültigen Ehescheidungsgesetzes in Aufregung zu versetzen. In kirchlichen Kreisen findet die Anregung großen Anklang und man vertritt die Ansicht Tafts, daß den Behörden gesetzliche Handhaben geboten werden müffen, die Wiederverheiratung von Personen in einem Staate zu untersagen, denen sie in einem anderen verboten war. In der letzten Session des Kongreffes ist bereits ein dahingehender Antrag gefaßt und ihm auch von den Gouverneuren der meisten Staaten zugestimmt worden. An die Annahme dieses oder eines ähnlichen Gesetzes glauben wir so ohne weiteres allerdings noch nicht, denn das ethische Empfinden in derartigen Dingen ist bereits bei dem größten Teile des amerikanischen Volkes und insbesondere in den Kreisen bet Dollarier leider zu sehr abgestumpft. Die Ehescheidungen machen sich außerdem sehr gut bezahlt und Geschäft bleibt Geschäft.
Die allbeglückenden Versprechungen der p o r - tugiesischen Republikaner sind bis jetzt auch nur Versprechungen geblieben, oder solche geworden, deren Erfüllung von Tag zu Tag unwahrscheinlicher wird. Die Führer liegen sich in den Haaren, begeifern sich um die Erlangung der fetten Staatspfründen, und der Präsident der großen republikanischen Partei sitzt auf einem höchst wackeligen Parteithrone. Für die Stelle des Ministerpräsidenten hat man sämtliche bürgerlichen Berufe durchprobiert und ist jetzt glücklich bei dem Journalisten Chagos angelangt, der aller Voraussicht nach mit seinem sogenannten „Ministerium der Gemäßigten", die den echten, rechten Revolutionär natürlich nie befriedigen,
mir Gutes getan habt. Alt genug bin ich ja, um mich auf eigene Füße zu stellen "
„Und wo willst du hingehen jetzt?" fragte Peter besorgt und sah seine Frau h-nrnlich forschend an, ob sie ihren strengen Richterspruch nicht rückgängig machen wollte. Adolphine schien jedoch ungerührt.
„Ich begebe mich zunächst in eine Pension nach Thüringen. Vorläufig nehme ich nur meine nötigsten Sachen mit. Weiß ich erst, wo ich dauernd bleibe, dann schreibe ich dir, Tante Adolphine, und bitte dich, mir meine übrigen Sachen nachsenden zu laffen."
„Es ist gut,“ erwiderte Adolphine kalt.
Kalt war auch ihre Hand, die steif und reglos einen Augenblick in der Bettina lag. Onkel Peter drückte jedoch warm die Hand des jungen Mädchens.
„Wenn du je in Not kommen solltest, ich werde dir immer beistehen," sagte er bewegt.
Sie sah ihm mit feuchten A«gen in das Gesicht und beugte sich schnell über seine Hand, diese mit ihren Lippen berührend. Dann ging sie schnell aus dem Zimmer, ohne sich noch einmal umzusehen.
Peter Aßmann sah ernst in das Gesicht seiner Frau.
„Adolphine — warst du nicht zu h--rt?"
Sie kniff die Lippen zusammen. Dann sagte sie kalt:
„Der Handkuß hat dich wohl schwach gemacht? — Ja — sie versteht es, sich einzuschmeicheln. Ich sehe weiter als du. Bettina muß aus dem Hause. Denke daran, daß du z^ei erwachsene Söhne hast. In welchem Verhältnis sollten sie in Zukunft mit ihr stehen, nachdem sie sich durch ihren Leichifinn selbst in Mißkredit gebracht hat.'
Peter sah nachdenklich aus.
„Daran habe ich freilich noch nicht gedacht. Aber ich meine, wir hätten die ganze Angelegenheit erst aufklären sollen. Bettina macht mit in keiner Weise den Eindruck einer Schuldigen."
Ur» to tolimmer. Laß dir tagen, daß Ernst eine
das Land den extremradikalen Parteien ausliefern wird. Ehrgeiz und Habsucht einzelner unfähiger Schreier werden daher das unglückliche Portugal bald genug als politische Macht gänzlich von der Landkarte streichen, wirtschaftlich ruinieren und auch die guten Anfänge zu einem geordneten Staatswesen, die das monarchische Regiment wenn auch erst zuguterletzt geschaffen hatte, wieder vernichten. Der rechte Mann zur rechten Zeit und die Wiederaufrichtung des monarchischen Regimes ist für Portugal kein Phantom. Zuerst mutz es sich allerdings an der eigenen Unnatur seiner republikanischen Herrschaft innerlich aufreiben, und daß dies geschieht, darüber können keine Zweifel mehr bestehen.
Der türkische Parlamentarismus hat die „arabische Frage" geboren. Die 60 arabischen Abgeordneten haben sich kürzlich zu einer politischen Partei zusammengeschloffen und unzweifelhaft dadurch eine nicht zu unterschätzende Ak- tionskraft erlangt. Die wenigen Jahre der Verfassung haben diesen bisher heterogenen Elementen parlamentarische Erfahrung beigebracht, und ihren politischen Blick geschärft und solche lieblichen Episoden, datz arabische Abgeordnete das Haus um die Erklärung des Begriffes „Akttengesellschaft" bitten müssen, wie das tatsächlich passiert ist, dürften der Vergangenheit angehören. Leicht werden sie der Regierung bei den scharfen Gegensätzen, die zwischen Türken und Arabern namentlich im Süden de« Osma- nenreiches bestehen, die Arbeit nicht machen, und es wird ihrer ganzen Energie und auch ihres liebevollen Entgegenkommens bebürfen, um die Gegensätze zu mildern, und ein durchaus kulturfähiges Volk und kulturreiches Land den nationalen Eesamtinteressen zu gewinnen.
Bebel der Schlauberger.
Wer die Verhandlungen des Jenaer Parteitages verfolgt hat, wird sich eines erhebenden Eindruckes nicht haben erwehren können. Er wird sich aber auch gefreut haben, daß die deutsche Sozialdemokratte und voran der alte Fuchs Bebel so „pairiottsche" Töne angeschlagen hat. Eeneralstteik? Nicht zu machenl Und Überhaupt: „Wir sind ruhige Leute und pro- testteren nur gegen die „Panzerplattenpatrioten". Das ist billig und macht einen forschen Eindruck. Außerdem aber verletzt es den Freisinn nicht, der den Genossen im nächsten Wahlkampfe seine „Scharen" zuführen soll. Dieser Freisinn aber würde bas nicht so einfach können, wenn die Sozialdemokratie sich immer so zeigte, wie sie in Wahrheit ist, nämlich revolutionär und antimonarchisch. Diese Mitläufer sollten gewonnen werden. Kaum ein Parteitag hat so sehr unter dem Schatten der Wahlen gestanden, wie der letzte. Schade nut, daß sich feinet mehr fangen läßt. Zu oft haben die Herren ihre Karten
bedenkliche Vorliebe für Bettina an den Tag legt. Bleibt sie im Hause, ist es nicht unmöglich, daß sich da eine Liebelei entwickelt — deshalb war ich so „hart", wie du es nennst. Ich nenne es nur „vernünftig"."
Dagegen konnte Peter nichts mehr einwenden.
Und so verließ Bettina das Haus, in dem sie lange Jahre eine Heimat gefunden hatte. Um ihren Hals trug sie unter dem Kleid das Eoldkettchen mit dem Türkisen-Medaillon, das ihr Eroßtanttng einst mit Segenswünschen geschenkt hatte. Ehe sie es umlegte, hatte sie es geküßt, „Mein Talisman," flüsterte sie dabei leise, und eine große Ruhe tarn über sie. Sie war um ein Jahr gereift in diesen Stunden der Not.--
Bühren fand Ernst noch im Voubureau. Dieser hatte es noch nicht über sich vermocht, nach Hause zu gehen, wo nach seiner Meinung ein glückliches Brautpaar auf feine Gratulation wartete. Erstaunt und Betroffen sah er auf, als er Bühren mit ernstem nichts weniger als frohem Gesicht vor sich sah. Sofort erhob er sich.
„Nun?" fragte er erwartungsvoll. „Ist alles in Ordnung? Darf ich — darf ich gratulieren?"
Bühren schüttelte den Kopf.
„Nein. Fräulein Sörrensen hat mich mit meiner Werbung abgewiesen."
Ernst zuckte zusammen.
„Abgewiesen — abgewiesen? Das — nein, das verstehe ich nicht."
Bühren stellte seinen Helm auf die breite Zeichentafel, an der Ernst lehnte.
Fräulein Sörrensen liebt mich nicht und will keinem Mann angehören, den sie nicht liebt."
Ernst fuhr sich aufgeregt durch das Haar und konnte nur mit Mühe seine Fassung bewahren.
„Bettina liebt Sie nicht? Ja, um Himmelswillen — warum ist sie dann bei Ihnen gewesen? Was soll das alles heißen?"
Jim Ihnen alles zu erklären, bin ich zu Ihnen
aufgedeckt, und wenn sie jetzt in lieblichen sanften Tönen vom Generalstreik und anderen nichts wissen wollen, so hängen ihnen eben die Traubne zu hoch. Auch die Herren Genossen wissen, was geschieht, wenn mobil gemacht wird. Weiter aber ist die Haltung auch deshalb so erfreulich, weil sie ein Beweis ist, daß die Erkenntnis seiner eigensten vitalen Interessen tm deutschen Volke im Steigen ist.
Das deutsche Volk schließt sich eng zusammen, wenn ihm von außen her Gefahr droht. Wenn andere Länder ihm den Platz an der Sonne streitig machen wollen und es, wie jetzt, mit Hohn und Spott verfolgen. Daß derartige Gefühle den sozialdemokratischen Predigten vom Klaffenhaß nicht günsttg find, wissen eben auch die roten Herrschaften. Daß man mit dem Generalstreik dagegen nichts ausrichten würde, ebenfalls. Darum und nur darum soll der deutsche Michel, soweit er rot und rötlich angehaucht ist, in einen Phrasendunst vor internationalem Frieden, an den in der politischen Welt kein ernsthafter Mensch glaubt, eingehüllt werden. Das, was Bebel über Marokko sagte, genügte vollstänoig. Er meinte: „Man könne sich nicht auf ein bestimmtes Programm festlegen, habe aber beschlossen, „alles aufzubieten, um durch die Anwendung wirksam erscheinender Mittel den Ausbruch des Krieges zu verhindern und nach dem Ausbruche für rasche Beendigung einzutreten und die Krifis zur Aufrüttelung des Volkes auszunutzen und dadurch die Beseitigung der kapitalistischen Herrschaft zu beschleunigen." Das heißt, daß die Sozialdemokratie in den kritischsten Stunden unseres Volkes mit den Mitteln, die sie für durchführbar hält, unsere nationale Kraft zu lähmen fich bemühen wird. Ein anderer Genosse, Herr Däu- mig empfahl neulich den Massenstreik im Falle eines Krieges; denn bei einem Krieg: stehe die Existenz der sozialdemokratischen Partei auf dem Spiele.
Bebel und Säumig denken offenbar hierin ganz gleich. Sie kennen den Volkscharakter genau. Nur nichts, was von aueßn her das deutsche Volk festigen könnte. Der schlaue Fuchs Bebel wählt nur die andere Methode. Er hält es für geschickter, das deutsche Volk über den wahren Charakter der Partei zu täuschen, soweit ihm das möglich ist. st
Die Presse beschäftigt sich vielfach mit der Rede Bebels Über die Marokkofrage. In llebereinstim- mung mit unseren Ausführungen schreibt die „Post": „Warum Bebel diese Stellung seinerzeit in Statt» gart und heute in Jena eingenommen hat, liegt klar auf der Hand. Würde sich die Sozialdemokratie heute offen zum Generalstreik beim Kriegsausbruch bekennen und die Propaganda dafür schon jetzt aufnehmen, dann wäre es selbst bei der versöhnlichen Haltung unserer augenblickliche Regierung nicht ausgeschlossen, daß man mit scharfen Gesetzen diesem landesverräterischen Treiben zu Leibe ging. Es ist auch nicht ausgeschlossen, da ffbas Ehrgefühl und die Vater, landsliebe, die sich glücklicherweise im größten Teile der auch sozialdemokratisch wählenden Arbeiterschaft bis auf den heutigen Tag erhalten hat, bargen sich auflehnen würde. Daß man in Deutschland, wenn die Sozialdemokratie beim Kriegsausbruä, zu solchen Eewaltschritten überging, mit den Führern und ihren Zeitungen kurzen Prozeß machen würde, weiß Bebel ganz genau, und deshalb sagt der prak'ische, vor- gjj==^=BE====ji====ä --
gekommen. Auf meine Bitte hat mit Fräulein Sörrensen mein Wort zurückgegeben. Ihnen soll ich alles sagen, denn von Ihnen verkannt zu werdm, schien ihr bas Bitterste."
Ernst sah Büren mit dunklen Blicken an.
„So sprechen Sie — ich bitte — sprechen Sie," stieß er erregt hervor.
Bühren sah den gequälten Ausdruck in den Augen dieses Mannes. Und es wurde ihm nun zur Gewißheit, daß Ernst Aßmann und Bettina Sörrensen fich liebten. Er holte tief Atem und erzählte dann alles, was sich am vergangenen Abend zuge- tragen hatte, auch, daß Bettina so dringend gewünscht hatte, Ernst zu ihm zu schicken und ihn nicht gefunden hatte.
Der Baumeister hörte reglos zu, nur in seinen Augen zuckte heißes, flammendes Leben. Zn» Schluß sagte Bühren:
„Ich gestehe offen, daß ich auch von dem Wahn befangen war, Fräulein Sörrensen hege ein tieferes Interesse für mich. Gleich Jh en glaubt ich, so etwas tut eine Frau nur, wenn sie liebt. Aber wir haben beide die schlichte Seelen^öße der jungen Dame nicht begreifen können. Aus rein menich- lichem Erbarmen ist sie zu mir gekommen, um mich vor dem Schicksal zu behüten, welches ihren Bruder einst betroffen hat. Mit heißen Wünschen klammerte ich mich ans Leben, das mit plötzlich doppelt hold und schön erschien, als ich Fräulein Sörrensen sah und an ihre Liebe glaubte. Ich nahm das Geld rx — sie bat mich so dringend und herzlich darum. Und dabei wat sie so ängstlich und unruhig dabei, wett sie wußte, daß sie einen Verstoß gegen die gut« Sitte beging. Es war ihr nicht leicht geworden, aber sie hatte fich nicht anders zu helfen gewußt. Ich wollte fie nicht allein in bet Dunkelheit nach Hause gehen lassen und begleitete sie. Da» ist alles/
(Fortsetzung folgte