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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Betlagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Amdwktschastllche Beilage".
1911
der
Marburg
Freitag, 15. September
Maghsenbehvrden, die Befehle des Sultans aus- zuführen. Man befürchtet, daß das Borgehen der Spanier unter den Stämmen des CharbgebieteS einen Allfstand Hervorrufen werd«, der sich rasch anSbreiten könnte. El Mokri bestätigte einem Mit- arbeitcr des „Temps* diese Meldung auf Grund eines Telegramms El Gebbas, welcher bereits im Namen des Sultans beim spanischen Gesandten und beim Doyen des diplomatischen Korps in Tanger entschieden Einspruch gegen die Verletzung der Souveränität des Sultans erhoben habe. El Mokri bemerkte, daß die unverzeihlichen Treibereim der spanischen Behörden geeignet seien, einen allgemeinen Aufstand im Djeballegebiet zu vernrsachm.
Nene Kämpfe.
Madrid, 12. Sept. Der Kriegsminister erhielt heute Abend während einer Sitzung des Ministerrates von dem Gmeralkapitän von Melilla, Mdava, ein Telegramm, daß eine feindliche Harka neuerdings die spanischen Truppen angegriffen habe, die auf dem rechten Ufer des KertflusseZ lagern. Zur zeit der Absendung des Telegramms finde ein heftiges Ge- wehrfener statt. Die Spanier haben bereits Verluste erlitten, über die aber in der Meldung keine
„Erklärung* hinfichtlich des Interviews in der „Neuen Freien Presse* abgebm lassen. Genau dieselbe AnSführungm wurden nun auch dem Wiener Vertreter der „Münch. Nmest. Nachr.* gemacht. Die „Nme Freie Presse* antwortet mm auf diese „Erklärungen*. Sie bemst fich auf daS ZmgniS des erprobten Journalisten Dr. Münz und behauptet, Sir Cartwright hätte sich genau so geäußert, wie eS in dem Interview steht. Die „Nene Freie Presse* bezichtigt damit den Botschafter der Lüge, indem et daS Interview abzustreiten sucht.
gefundenm gefallenen Marokkaner beträgt 132. Der Kampf war sehr erbittert und endete mit einem vollständigen Siege der Spanier.
Paris, 13. Sept. Aus Fes wird unter dem 9. bs. gemeldet: Die Aitjussi haben nach dem Abmarsch der franzöfischm Truppm wieder mit Plünderung begonnen. Ein Leutnant mit 600 Mann scherifischer Truppen, der Sefru besetzt hielt, wurde von bett Aitjussi angegriffen und schlug ste nach ernstlichem Kampfe zurück. Die Aitjusfi haltm aufs neue die Umgebung der Stadt besetzt. Sie habm d!e Lerbindung mit FeS abgeschnitten und die Poftläufer angehaltm. Oberst Bremond brach am Morgm mit 1500 Mann nach Sefru auf.
Böswillige Erfindungen.
Berlin, 13. Sept. Ein großes New-Yorker Blatt veröffmtlicht ein Kabeltelegramm seines Pariser Korrespondentm, ein erstes Pariser Institut verweigerte der Deutschen Bank, einen Vorschuß von sechs Millionen Frankm zu erneuern. — Gegenüber solchen böswilligen AuSstrenungm erklärt die Deutsche Bank, daß sie keinerlei Vorschüsse von mglischm oder ftanzösischen Banken, Firmm oder Personm genommen habe, sondern dauernd bedeutende kurzfristige Guthaben im AuSlaude unterhalte.
Der Fall Cartwright.
Wie schon geftern berichtet hatte der mglische Botschafter Cartwright im Wiener „Vaterland* eine
Das Kmsermanöiier.
Boitzenburg, 13. Eept. Der Kaiser begab fich heute morgen um 5 Uhr ins Manövergelände. Er gedenkt, nach Manöverschlutz im Automobil zum Reuen Palais in Potsdam zurückzukehren.
W o l d e g k, 13. Sept. Der Kaiser traf um 6 Uhr morgens per Automobil bei Helpt ein und stieg dort zu Pferde. Die blaue Armee überschritt um 6i/2 Uhr die Linie Kreckow-Helpt- Plath mit ihren Spitzen, um die Verfolgung von Rot energisch fortzusetzen und mit der Absicht, überall sofort anzugreifen. Die Gardekavalleriedivision schlug die Richtung nach Brohm und Golm ein. Das Eardekorps ging über Kreckow auf Golm und Kublank vor, das 20. Korps über Woldegk auf Cöplin und Dewitz. Die rote Armee wollte ihren Widerstand auf der gestern abend erreichten Linie fortsetzen. Das 2. Korps hatte also Verteidigungsstellung bei Helpt eingenommen, während das 9. Korps auf dem roten rechten Flügel einen Gegenstoß machte. Nachdem schon ein langer Artilleriekampf vorangegangen war, erreichten um 8 Ahr die Spitzen der Garde Helpt. Der tote Lenkballon „M 3“ wat gleichfalls in Tätigkeit, et wurde von blau beschossen. Der linke tote Flügel ging in nördlicher Richtung zurück. Um 10 Uhr zeigte der Ballon der Manöverleitung das Signal „Das Ganze Halt!" Das Kaisermanöver wat zu Ende. Der Kaiser hielt Kritik ab und begab sich nach kurzem Aufenthalt nach Boitzenburg.
Woldegk, 13. Sept. Die Meldungen der Flugzeuge befriedigten. Die Manöverleitung war außerordentlich erfreut,' allerdings wat das Wettet für sie günstig. Sie leisteten kolossale Dienste. Der Kaiser sprach jedem einzelnen Flieget seinen Dank und Anerkennung aus. Beide Atmeefühtet äußerten sich dahin, daß sie ihre Operationen im wesentlichen auf die Meldungen der Flieget aufbauten. Oberleutnant Mackenthun fuhr am ersten Tage 35 Minuten die feindliche Front ab und erstattete Meldung, wozu die Kavallerie etwa vier Stunden'nötig gehabt hätte. Nachdem gestern der Entschluß gefaßt worden wat, das Manöver heute zu be-
näheren Angaben gemacht werden.
Melilla, 13. Sept. Die Verlust« spanischen Truppen in dem Gefecht am lieb Kett betragen 18 Tote unb 77 Verwundete, herunter brei ober vier Offiziere. Die Verluste bet Marokkaner belaufen sich auf 600 bis 700 Verwundete und Tote. Die Zahl ber nach bem Kampf auf»
Die Lage.
Der Ministerrai.
Am Dienstag Nachmittag von 4 bis 7 Uhr waren im Ministerium des Innern zu Patts die Minister unter dem Vorsitze des Ministerpräsidenten versammelt, um über die deutschen Gegenvorschläge und die französische Replik zu beraten. Heber da» Ergebnis der Zusammenkunft wird in einer sichtlich offiziösen ftanzösischen Note folgendes berichtet:
„Die Minister erörterten den ursprünglichen Text ber ftanzösischen Vorschläge, dann die Gegenvorschläge und schließlich den von be SelveS abgefaßten neuen Text, ber bie Antwort auf bie beutschen Bemerkungen bildet. Der Text enthält 20 Artikel, bie in ben Hauptzügen sich mit drei Punkten beschäftigen: 1. bie vollständige, unzweideutige politische Freiheit Frankreichs in Marokko, 2. bie vollstänbige wirtschaftliche Gleichheit für alle Mächte mit Einschluß Frankreichs, ohne Begünstigung, Vorteile oder Vorrechte für irgendwelches Land, 3. bie ernstesten, umfassendsten Bürgschaften, um bie wirtschaftliche Gleichheit in Zukunft zu sichern.*
Das „Wolff-Büro* verbreitet noch folgenbe Meldung:
Pari», 13. Sept. Nach einer anscheinend offiziösen Meldung bildet die neue französische Antwort eine Denkschrift, welche eine durchgesehene und umgestaltete Fassung deS französisch-deutschen Marokko« Vertragsentwurfs enthält, den der Botschafter Cambon am 4. September dem Staatssekretär v. Kiderlen- Wächter vorgelegt hat. Diese Denkschrift, welche auf den Arbeiten des Botschafters Cambon und des Gesandten Renault beruht, mürbe heute Vormittag von dem Minister be Selbes dem Ministerpräsidenten Caillaux unterbreitet. — Die Antwort, die in ihrem ablehnenden Teile ebenso höflich gehalten ist wie in ihrem zustimmenden, soll, wie von mehreren Seiten versichert wird, darin gipfeln, daß Frankreich bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge sich nach keiner Seite hin die Häu.de binden könne, daher auch keinem Vorschlag näherzutreten vermöge, der die Hoheitsrechte des marokkanischen Staates einzuschränken geeignet mare. Dies gelte ganz besonders von ben öffentlichen Arbeiten und den Grubenkonzesstonen, doch bestehe keine Gefahr, daß Frankreich alles monopolisieren wolle. Dem freien Wettbewerb ber anderen Algecirasmächte bleibe noch ein gutes Feld zur Betätigung übrig. Der Ministerpräsident war nach der Beratung sehr guter Laune.
Paris, 13. Sept. Minister be SelveS begibt sich heute nach Rambouillet, um bem Präsidenten Fallieres den neuen Wortlaut ber ftanzösischen Vorschläge zu unterbreiten. Falls ber Präsident ber Republik sofort seine Billigung erteilen unb nicht ben Wunsch anssprechen sollte, bieSbezüglich mit bem Ministerpräsidenten zu konferieren, der heute den Manövern bei Belfort beiwohnt, bann dürften die französischen Vorschläge morgen oder übermorgen dem
Botschafter Cambon nach Berlin gesandt werben. Die nächste Zusammenkunft zwischen Cambon unb Kiderlen-Waechter könnte am Sonntag ober Montag stattfinben.
Französische and englische Preßstimmen.
Paris, 13. Sept. Der „Matin* sagt: „Wir sind in ber Lage, bie amtliche Mitteilung folgendermaßen zu vervollständigen: Die Minister hatten sich zu beschäftigen: Ersten», mit dem Originaltext ber beutschen Gegenvorschläge; zweitens, mit bem Originaltext ber ftanzösischen Angebote an Deutschland; drittens, mit dem neuen vom Minister de SelveS als Antwort auf die deutschen Entwürfe abgesaßten Text. Bei ber Abfassung des neuen Textes ber französischen Vorschläge, bie Herr JuleS Cambon bem beutschen Staatssekretär von Kiderlen-Wächter überbringen wirb, hat Herr be Selbes sich davon leiten lassen, baß außer bem bisher schon Bewilligten ben Deutschen nichts zu gewähren fei. Der neue Text wirb über 20 Artikel erhalten.*
Das englische Auswärttge Amt hat an die Presse deS Jnselreichs gestern eine Note gehen lassen, durch bie bie Oeffentllchkeit allerlei über bie Kompensationen, bk Deutschland erhalten soll, ersähtt.
Danach soll dem beuffchen Reiche burch französische Abtretung im Kongo bie Schaffung einer graben Verblnbung ermöglicht werben. Frankreich würde außerdem im Süden des Rio Muni-Gebietes, etwas nördlich von Libreville, einen Weg nach dem Meere geben. Die französisch-deutsche Grenze würde un- gefähr den Sangafinß Hinanflanfen und dann in südöstlicher Richtung den Fluß entlang bis zu dessen Mündung in den Kongo geben. Die weitere Begrenzung würde tn Französisch-Ubangi den Ubangi hinauf bis. in bie au Kautschuk unb sonstigen Erzeugnissen reichen Gegenden im Osten von Französisch- Kongo sttn, eingeschlossen bas reiche Waldgebiet von Ost-Kongo. In dieser Gegend befindet fich kein militärischer Stützpunkt Frankreichs, dagegen find hier zahlreiche Handelsstätten und Faftoreien. Außer- dem sind bedeutende Polizttniederlaffnngen angelegt worden. Etwas mehr nördlich würde Deutschland einen Landstrich erhalten, ber bie deutsche Grenze ungefähr am 10. Breitengrade erreichen würde. Frankreich verlangt einen Teil des deutschen Gebietes im Norden von Kamenm.
Für die Richtigkeit dieser Mitteilungen muß man die zuständige englische Stelle verantwortlich halten, solange noch nicht von den direkt beteiligten Mächten bie Veröffentlichung des Standes ber Verhandlungen beschlossen worben ist.
Die Spanier in Marovo.
Paris, 13. Sept. Aus Tanger wirb ge- meldet: Die spanischen Behörden in El Ksar untersagten bem Kabl (Richter), bem Nadir (Verwalter ber frommen Stiftungen) unb bem Mochtasseb (Leiter ber Gemeindeverwaltung), irgendwelche Urteile und Entscheidungen ohne Genehmigung der spanischen Behörden zu fällen und verboten gleichzeitig den
Ler Änzelgenprei« bei ragt für tue 7gehaltene yc'tte oder deren Raum 16 jL, bei auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen in die Zeile 40 jL. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder lOUlfiy Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlich- kett für Platz«, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschlossen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Pottokosten — unter Nr. 5015 des Pesticheckamtes Frankfurt a. M.
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611 langt zugesandte Manuskripte übernimmt bie Redaktion keinerlei
Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchbruckerei I. «. Koch (Inh.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 56.
83 (Rachdruck verboten.)
Die Aßnmrms.
[ / Roman von Courths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Ernst fuhr fich wild durchs Haar. Die äußere Ruhe kostete ihn viel. Er lief einige Schritte auf unb ab. Dann blieb er vor Bühren stehen.
„Eigentlich dürften wir jetzt nur noch mit ben Waffen in ber Hand bie Angelegenheit behandeln. Aber ich will zuvor versuchen, ob wir nicht zu einem friedlichen Abschluß kommen. Sie bindet ein Ehrenwort, bas Ihnen jedenfalls Fräulein Sörrenjen ab« gefordert hat. Sie ist von einer geliebten Verstorbenen meinem Schutz anvertraut worben — und ich weiß — ich glaube bestimmt, daß fie nicht so schuldig ist, ab es den Anschein hat."
Bühren fuhr auf.
„Fräulein Sörrensen ist rein und schuldlos wie ein Engel. Ich zolle ihr die ehrerbiettgste Hochachtung, fie steht mir hoch über allen Frauen, glauben Sie mir das. Mein Ehrenwort, daß ich jeden •oi meine Waffen fordere, der es wagt, ihre Rein- heit anzuzweifeln," lief er mit Wärme und voll tiefen Empfindens.
Ernst atmete auf, als fei ihm eine schwere Last von der Seele genommen.
„Ich zweifle nicht an Ihr. Daß ,.e aber bet Ihnen war, steht fest, und es gibt für mich nur eine Erklärung. Ich verlange natürlich nicht, daß Sie Ihr Ehrenwort brechen. Aber ich will Ihnen sagen, wie ich mir das alles erklärt habe. Mein Bruder erzählte mir von Ihrer Kalamität. Sie hatten ehrenwörtlich eine bestimmte Summe zu beschaffen. Ich denke mir nun, Bettina erfuhr so» Ihrer Not auf irgend eine Weise. Sie Hebt Sie und die Angst um Sie trieb fie hierher. Ihr stand wohl das Schicksal
Ihres Bruders vor Augen, und Sie wagte das Aeuherste, Sie vor einem ähnlichen Schritt zu bewahren. So erkläre ich mir ihren unbedachten Schritt. Hätten Sie beide doch Bertrauen zu mit gehabt. — Sie find arm — Bettina besitzt nur wenig; eine Berbindung zwischen Ihnen wäre eine Unmöglichkeit gewesen. Rach dieser Affäre darf es keine Unmöglichkeit in diesem Sinne mehr geben. Ich hoffe. Sie wissen, welcher Weg Ihnen einzig und allein bleibt, um meine Base zu rehabilitieren. — Nein — sprechen Sie noch nicht — hören Sie mich noch eine Weile an. Es fehlt Ihnen beiden also nur an Geld, um glücklich werden zu können. Dies Hindernis will ich beseitigen. Ich stelle die Helratskaution. Meine Base ist mir teuer rote eine Schwester — ich bin reich genug, ihr von meinem Vermögen abzutreten, was ste zu ihrem Mücke braucht. Ich denke, mehr braucht es zwischen uns beiden nicht, um uns zu verständigen. Mein Baier ist von ein Uhr an zu Hause anzutreffen. Wenn Sie um Bettinas Hand anhalten wollen, werden Sie noch heute zu ihm gehen. Richt wahr?"
Bührens Gesicht hatte fich gerötet. Ein lockendes Zukunftsbild stieg vor ihm auf. Seit gestern Abend hatte er Bettinas süßes Gefichi nicht wieder vergessen können — und immer hatte er fich gefragt: Warum tat fie das? Er glaubte fast selbst, daß fie ihn liebte, und dieser Glaube erfüllte ihn mit unruhiger Freude, der sich stille Trauer beimischte, weil fie ihm unerreichbar war. Und nun wurde ihm plötzlich eine Möglichkeit geboten, fie fich fürs Leben zu eigen zu machen. Sollte er fich da noch lange bedenken? Rein — nein — da griff er zu mit beiden Händen, um das Glück festzuhalten.
„Ich werde um ein Uhr bei Ihrem Herrn Sätet sein", sagte er bewegt. „Willigt Fräulein Sörrensen ein, meine Frau zu werden, so fühle ich mich glücklich
I und hochgeehrt, denn sie ist ein hochherziges Geschöpf,
und Ich habe fie sehr lieb gewonnen. Selbst wenn fie mir nicht so überaus gütig ihre pekuniäre Hilfe angeboten hätte, wäre ich nach diesem unseligen Zufall, der Sie an meiner Wohnung vorüberführte, sofort zu Ihrem Herrn Bater gegangen, um von ihm die Hand Fräulein Sörrensens zu erbitten. Freilich wäre mir bann nichts übrig geblieben, als den Abschied zu nehmen. Und es wäre mir schmerzlich gewesen, fie mit mir in eine ungewisse sorgenvolle Zukunft zu reißen. Mit bleibt keine Wahl — ich nehme Ihr großherziges Anerbieten an — Bettinas roegeu darf ich nicht kleinlich sein "
Ernst seufzte auf und reichte ihm die Hand.
„Ich danke Ihnen."
„Dazu habe ich mehr Veranlassung."
„Wenn Sie das glauben, so machen Sie Bettina glücklich. Dann sind wir quitt.“
Bühren sah forschend in Ernsts blasses, düsteres Gesicht. Eine Ahnung stieg in ihm auf, daß dieser Bettina wohl inniger zugetan sein könnte, als es sonst zwischen Verwandten üblich ist. Ernst bemerkt« seinen forschenden Blick und nahm sich zusammen.
„Wir find also friedlich ins Klare gekommen, Herr von Bühren. Ich will nun mein Bureau aufsuchen und hoffe, Sie heute mittag zu Hause als Bettinas Verlobten begrüßen zu können. Aber halt — noch eins. Ich wünsche nicht, daß meine Eltern erfahren, daß ich die Heiratskaution stellen will. Es würde unnötiges Her und Hin geben. Sagen Sie, durch eine unverhoffte Erbschaft — oder sonst einen Glücksfall — find Sie in Besitz der nötigen Summe gekommen. Da Sie gestern meinen Vater und meinen Bruder um ein Darlehen ang ngen, müssen Sie natürlich eine Erklärung über Ihre veränderten Vermögensverhältnisse abgeben.“
„Ich werde in Ihrem Sinne handeln, Herr Baumeister."
„Gut. Auf Wiedersehen denn."
Die beiden Männer sahen sich fest ins Auge und reichten fich die Hand. Dann ging Ernst.
Er war ruhiger geworden, nun er für Bettina getan hatte, was et tun konnte. Zugleich aber kam eine tiefe Niedergeschlagenheit über ihn, die er nicht hinweg philosophieren konnte. r vergrub sich förmlich in feine Arbeit. Sie brachte ihm aber heute keine Befreiung. Seine Gedanken ließen sich nicht abwenden von dem Verlust, der fein Herz getroffen.
Peter Aßmann war eben aun der Fabrik nach Hause zurückgekehrt, als ihm Bühren gemeldet wurde. Der alte Herr war in verdrießlicher Stimmung, seine Frau hatte ihm auf seine Frage nach Bettina, eben erklärt, daß fie fertig mit Packen sei und zwei Uhr dreißig Minuten abreifen würde. Sie blieb affo bei ihrem Entschluß, das junge Mädchen zu entfernen, und das gefiel dem alten Herrn gar nicht. Er empfing Bühren sofort in seinem Arbeitszimmer, hoffend, dieser würde Aufklärung in die Affäre bringen.
„Ich darf wohl hoffen, daß Sie gekommen find, um mir eine Erklärung zu bringen über das seltsame Vorkommnis. Meine Söhne haben unsere Ser« wandte mit Ihnen aus Ihrer Wohnung kommen sehen. Wie verhält sich das?“ fragte et sofort.
Bühren war erstaunt, daß Peter Aßmann bereit» von der Angelegenheit wußte. Wahrscheinlich hatte Georg geschwatzt. Ihm traute er es zu. Er nahm eine formelle Haltung an.
„Ich habe die Ehre, Sie um die Hand Ihrer Set» wandten, Fräulein Bettina Sörrensen zu bitten -* das ist meine Erklärung." j
Peter Aßmann riß die Augen auf und sah Bührech erstaunt an.
(Fortsetzung folgt.)
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