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Marburg

46. Jahrg

1911.

Sinne seine Ansprüche den Algeciras-Mächten unterbreiten in dem Bewußtsein, dabei die ge­samte Nation hinter sich zu haben.

M o g a d o r, 11. Sept. Das hier eingetrof­fene spanische SegelschiffAguila" wird, bevor es nach Zfni abgeht, die Weisungen des spa» nischen Konsuls empfangen und Eingeborene des Sus-Gebiets an Bord nehmen.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 68.

pathie gegenüber der deutschen Sozialdemokratie und erteilte dann nach einigen geschäftlichen Mitteilungen dem früheren Vorsitzenden des Seemannsverbandes, jetzigen Parteisekretär Müller (Berlin) das Wort zum Geschäftsbericht. Bezüglich der Marokkoftage fei zu konstatieren, daß vie Aktion der Sozialdemo, krati« gegen die Kriegshetzer von bestem Erfolge be­gleitet gewesen sei. (In diesem Augenblicke erscheint Zeppelins LuftschiffSchwaben" über Jena und schwebt langsam über dem Delkshause dahin, wes­halb viele Genossen und Genossinnen den Saal ver- lassen.) Sodann erstattete Parteisekretär Ebert (Berlin) den Kassenbericht.

In der Nachmitta^ssitzung wurde in die Debatte über die verschiedenen Berichte eingetreten. Es liegen dazu verschiedene Anträge vor, die sich r. a. gegen den sog.Marokkorummel" richten. Als erste Dis­kussionsrednerin betritt Rosa Luxe.rburg die Tri- bül.e, um sich dagegen zu verwahren, dass der Partei­vorstand den Delegierten in ein« besonderen Denk­schrift seinen Streit mit der Rednerin in der Marokkofrage unterbreitet hat. Bekanntlich hatte Rosa Luxemburg in der Leipzig r Volkszeitung einen Brief des Parteivorstands-'itgliedss Molken- buhr veröffentlicht, in welchem dieser dem Inter­nationalen Bureau mittcilte, dass die deutschen Ge­nossen eine internationale Protestaktion in Sachen der Marokkofrage zur Zeit nicht mitmachen könnten. Der P rteivorstand habe sich eher grossen Pflicht­verletzung schuldig gemacht, al- er nicht sofort «ine Marokkoaktion einleitete, und ihre, der Rednerin Sünde, habe nur darin bestanden, dass sie eine Unter- lassungssünde des Parteivorstandes aufdeckt.. Es sei doch nicht unwahrscheinlich gewesen, dass der Partri- vorstand aus Rücksicht auf die Reichstaaswahlen die Marokkoaktion unterlassen habe. Der Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung Dr. Lensch meint, die Art und Weise, wie gegen Luxemburg in der Denkschrift polemisiert werde, sei einfach skandalös. Der Partei- vorstand scheine zu verlangen, daß die Parteiredak- tionen die Schlafmützen über die Ohren behalten. Die Veröffentlichung des Molk n. hrschen Brief:s sei nicht ein Verbrechen, sondern ein Verdienst. August Bebel verteidigt in sehr temperamentvoller Weise das Vorgehen des Parteivorstandes RoM Luxemburg habe sich erlaubt, Veröffentlichungen tii die Presse zu bringen, di« alle Beteiligten als Indis­kretion auftassen mußten und zwar in einer Weife, die nicht immer der Wahrheit entsprach. Bebel wirft dann der Genossin Luxemburg Verdrehung und ganz infame Entstellung vor. Man verlange vertrauliche Besprechung mit wem denn? CcLmx mit Rosa Luxem­burg? Ich danke. (Grosse Heiterkeit.) Er werde der Genossin Luxem arg nur noch Briefe schreiben, von denen sie nicht später womöglich gebrauch mock-n könne. Man möge den Parteivorlland ruhig kritisieren, das sei das gute Recht des Parteitage-, und wenn er nicht f äst im Parteivorstand fasse, würde er auf diesen womöglich noch mehr schimpfen. Wenn der Parteitag nach der tilgen Seite schiebt, lässt fich der Vorstand gern schieben. Grünbach (Colmar) polemisier, ebenfalls heftig gegen den Vorstand, weil er nicht mit der Internationale zu­sammengegangen sei. (Bebel ru erregt: Ra, zum Teufel, warum ist denn Iaures nach rgentinien abgereist?) Grünbach reibe-1 dass sich Iaures da­mals bereits vorher nach Argentinien verpflichtet hatte. Der Gewerkschaftsführer Robert Schmidt

Sozialdemokratiscl'er Parteitag.

Jena, 11. September.

Die geschäftlichen Sitzungen des diesjährigen so­zialdemokratischen Parteitages wurden heute früh kurz nach 9 Uhr durch den Vorsitzenden Reichs- und Landtagsabgeordneten Dietz (Stuttgart) eröffne:. Rach Konstttuierung der Kommission unter Ver­lesung einer langen Reihe von Begrüssungstelr- grammen aus dem In- und Ausland« erhielten zu­nächst die Vertreter der ausländischen Organisationen das Wort zu ihren Begrüssungsansprachen.

Der Vorsitzende Reichs- und Landtagsabgeordnete Dietz (Stuttgart) dankte den Rednern für ihre Syin-

Die Marokkofrage.

Prüfung der deutschen Gegenvorschläge.

Heber die Marokkofrage liegen naturgemäß jetzt wenig tatsächliche Meldungen vor. Das Hauptinteresse konzentriert sich auf die Gegen­vorschläge Deutschlands und ihre Aufnahme durch Frankreich. Sie sollen von beiden Regie­rungen streng geheim gehalten werden. So gibt Marcel Hutin imEche de Paris" folgende Mitteilungen, die er aus guter Quelle erhalten haben will:Die beiden Regierungen sind über­eingekommen, über die Unterhandlungen ein vollkommenes Geheimnis zu bewahren. Die deutschen Gegenvorschläge, die Herr Zules Cam­ion der französischen Regierung in einem chiffrierten Telegramm übermittelt hat und die seit gestern abend y212 Uhr in den Händen des Herrn de Seines sind, werden ebenfalls geheim- gehalten werden. Während des ganzen heutigen Tages wird der Minister der auswärtigen An­gelegenheiten de Seines gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten Caiqaux das Schriftstück durchprüfen und marokkanischen Sachnerstän- digen vorlegen, vor allem dem französischen Ge­sandten in Tanger, Herrn Regnault."

Etwas anders schreibt derMatin", der gar wissen will, daß Herr de Seines gestern bereits den ganzen Tag hindurch die deutschen Gegen­vorschläge gekannt und nicht nur mit dem Mi­nisterpräsidenten Caillaux, sondern sogar schön mit dem Präsidenten Falliöres gesprochen habe. Hedemann geht ebenfalls in seinem heutigen Leitartikel non der falschen Boraussehung aus, daß Deutschland Extrawürste für seinen Handel und seine Industrie gebraten haben wolle, und klagt in diesem Sinne.

Sie französische und englische Presse.

Trotz der von den beiden beteiligten Regie­rungen beschlossenen Geheimhaltung der Ver­handlungen scheint doch ab und zu einiges durch­zusickern und in die Presse tangiert zu werden. Einen längeren Artikel widmet Jules Hede- mann imMatin" der Marokkoangelegenheit, der anscheinend von London her ganz gut unter­richtet ist:Der deutsche Gegenvorschlag besteht nicht aus einem dicken Buche, wie man das immer hier dargestellt hat, sondern es sind nut einige Bemerkungen und Einwürfe zu den fran­zösischen Vorschlägen. Die deutschen Vorschläge beschäftigen sich mit nichts anderem als mit Ma­rokko und kommen auf die Eebietsentschcidigun- gen im Kongo gar nicht zu sprechen. In seinem Gegenvorschlag beschäftigt sich Deutschland nut mit der Frage der Anerkennung der vollstän­digen Handlungsfreiheit Frankreichs in Ma-

3. Deutscher StSdtetag.

Posen, 11. September.

Unter Beteiligung von etwa 500 Delegierten der grösseren und mittleren Kommunen des Deutschen Reiches trat hier der im Jahre 1903 gegründete Deutsche EtStetag zu seiner dritten Tagung zusam­men. Oberbürgermeister Kirschner (Berlin) eröffnete die Verhandlungen. Der erste Punkt betrafDen Bericht des Vorstandes über die Prüfung der Kredit- verhältnisft deutscher Städte". Der erste Bericht­erstatter Oberbürgermeister Ebeling (Dessau) gab einen Ueberblick über das v rliegende Zahlen­material, 1907 entfielen auf den Kopf der Bevölke­rung 407 Mark Gesamtschulden und zwar Reichs­schulden 66, Bundesstaaten 220 und Kommunen 121. Im gleichen Jahre entfielen in England pro Kopf 557, in Frankreich 718 Mark. Bei Prüfung der Fr ob die gegenwärtigen Formen und Wege zur Befriedigung des Kreditbedarfs ausreichen könnten, ist ftstzustellen, dass es den Städten im allgemeinen leW geworden ist, zu günfttgen Bedingungen An­leihen zu erhalten. Der Redner kommt nach ein­gehenden Ausführungen zu dem Schluß: Ein An­schluss an di« von den preußischen Landkreisen in Aussicht genommene preußische Komunalbank wird nicht empfohlen, da die berechnete Rentabilität be­b' ckltch sei und weg«, des jederzeitigen Austritts der Mitglieder eine Wirksamkeit nick1 zu erwarten steht. Es sei nicht anzunehmen, daß der Kommunalbank gestattet werde, mündelsichere Papiere herauszugeben. Für die Begründung ei.,es einheitlichen Geldinsti­tutes sei bisher »in gangbarer Weg noch nicht ge­schaffen. Die Verhandlungen hätten aber den Erfolg gezeitigt, daß die Bankwelt einen tieferen Einblick in die städtische Finanzmach gewonnen hätte und dass die Beseittgung einer Anzahl Mängel Angewiesen seien. Durch das bereits mit Mut und Glück begonnene Zu- famnenfaffen der verfügbaren Gelder in einet Geld- vermittelungsstelle der deutschen Städte zeige sich ein neuer Weg zum Zusammenschluß, der langsam, aber sicher zum Ziele führe.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Rach Feierabend",Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage". ___

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rokko und der nötigen Sicherstellung, die Frank­reich dem deutschen Handel und der deutschen Industrie in Marokko zu geben hätte. Deutsch­land verlangt Sondervorrechte für seinen Han­del und seine Industrie. Frankreich ist daher gezwungen, in Marokko der Verteidiger der Gleichheit der wirtschaftlichen Rechte aller Län­der zu fein. Die französische Regierung wird wahrscheinlich am nächsten Dienstag in einem Kabinettsrate die deutschen Gegenvorschläge be­raten und am Donnerstag Frankreichs Antwort in einem Mtnisterrat feststellen. Im Grunde aber ist der deutsche Vorschlag wir bedauern dies lebhaft für uns unan­nehmbar."

Roch weniger wohlwollend als die franzö­sische Presse zeigt sich die englische. DieTimes" schreiben:Die französische Regie­rung kann Deutschland keinen Vor­zugsvertrag zugestehen."

Französische Quertreibereien.

Der Korrespondent derKöln. Ztg." berichtet aus Mogador über Teneriffa:Ich habe mehr und mehr den Eindruck gewonnen, daß Frank­reich im Süden durch gewaltsamen Druck auf die Eingeborenen gegen die Anwesenheit des deut­schen Kriegsschiffes zu wirken sucht. Der Scheich Koreni, dessen Vertreter dem Kriegsschiffe einen Besuch abstattete, wurde durch den Kaid Mtuggi im französischen Auftrage abgesetzt. Ein an­derer Eingeborener, der vom Kapitän Löhlein an Bord derBerlin" empfangen wurde, ist hier verhaftet, auf deutsche Bemühungen aber freigelassen worden. Die Franzosen suchen in Mogador Grundstücke für große Kohlenlager zu erwerben.

Emsige Tätigkeit.

Berlin, 11. Sept. Staatssekretär von Kiderlen-Wächter hatte gestern einen längeren Vortrag bei dem Kaiser im Reuen Palais. Darüber schreibt dieRordd. Allg. Ztg.":Der Kaiser berief am Sonntag vormittag Herrn von Kiderlen nach Potsdam, um sich vor seiner Ab­reise ins Manöver über die Einzelheiten der marokkanischen Verhandlungen Vortrag halten zu lassen. Der Staatssekretär nahm darauf an der Frühstückstafel teil."

London, 11. Sept. Der französische Bot­schafter Paul Eambon ist gestern von London nach Paris abgereist und in den Abendstunden dort eingetroffen.

Spanien in Marokko.

Paris, 11. Sept. Aus San Sebastian wird demRew-Pork Herald" gemeldet, daß die spanische Regierung beschlossen habe, für ihre Einflußsphäre in Marokko genau dieselben Rechte zu verlangen, welche Frankreich für seine Machtsphäre beansprucht. Welchen Ausgang die deutsch-französischen Verhandlungen immer neh­men mögen, jedenfalls werde Spanien in diesem

86 (Nachdruck verboten.)

Die Aßmarms.

Roman von Conrths-Ruhler.

l Fortsetzung.)

Frau Adolphine erhob fich.

Aber bas ist doch nicht möglich, da will ich Bet­tina gleich"

Georg hielt sie fest.

Bleib noch, Mutter, höre erst alles. Bettina hat Leutnant von Bühren gestern abend in seiner Woh­nung besucht. Wir sahen st« mit ihm bas Haus ver­lassen unb folgten ihr, um uns zu überzeugen, daß sie es war, unbemerkt."

Jetzt fuhr auch Pert r Aßmann aus feinem Stuhl empor.

Das ist unmöglich," rief er ungläubig.

Es ist boch so. Ein Irrtum ist ausgeschlossen."

Jetzt fanb Frau Adolphine bie Sprache roieber. Jeber Zoll an ihr war sittliche Entrüstung. Unb zu­gleich frohlockte sie innerlich. Das war eine gute Gelegenheit, Bettina los zu werben.

Das ist ja -mpörenb ich bin außer mir solch eine Person in meinem Hause. Ich fir.be keine Worte vor Entrüstung. So etwas muß man erleben für seine Gutmütigkeit ah ich habe längst ge­ahnt, baß ihre scheinheilige Miene nur Verstellung »ar. So eine Person so eine Person."

Georg lachte ingrimmig.

»Ja, sie hat uns all- büpiert."

Sie muß aus bem Hause, sofort, ich bulbe lle keinen Tag länger in meiner Umgebung. Wer weiß, wie oft sie schon bei ihm war. Wenn das jemand gesehen hat, dieser Skandal nein, sofort sage ich ihr, daß sie aus dem Hause muss."

Sie wollte hinaus. Peter hielt sie zurück.

Nichts übereilen, Adolphine. Ich meine, man müsste Bettina erst hören, ehe man sie verurteilt."

,Zch bitte dich, wenn unsere Söhne mit eigenen Augen sahen, wie sie mit Bühren aus dem Hause kam?"

Gleichviel man richtet niemand, den man nicht gehört hat. Erst frage sie, ob sie schuldig tft

Sie lachte schneidend auf.

Natürlich wird sie leugnen.

,/Dann kann man sie überführen."

Nun gut ich werde sie rufen.

Adolphine schritt zur Tür ganz strenge Rich­terin ganz Erbarmungslosigkeit. Georg rückte fich bequem in einem Sessel zurecht, als wolle er mit Be­hagen ein interessantes Schauspiel geniessen, und Peter Aßmann setzte nervös seinen Kneifer zurecht. Ihm war die ganze Angelegenheit sehr peinlich und er wünschte, daß Senina sich rechtfertigen möchte.

Auf Frau Adolphines Ruf erschien Bettina sofort. Ahnungslos, was man von ihr wollte, blickte sie auf. Drei forschende, scharfblickende Augenpaare sahen ihr entgegen. Betroffen flogen ihre Blicke von einem zum anderen. __

Was wünschest du, Tante Adolphine."

Dies« rückte sich steif empor.

Ich wünsche zu wissen, wo bu gestern abend ge­wesen bist, als du dich angeblich wegen Kopsschmerzen auf dein Zimmer zurückgezogen hattest?"

Bettina zuckte zusammen und wurde glühend rot. Ihre Hände krampften fich zusammen und gleich dar­auf wich bie Röte einer fahlen Blässe. Aber kein Wort kam über ihre Lippen. Zu unerwartet tarn ihr diese Frage. Sie rang nach Fassung.

Nun du antwortest nicht? Also ist es wahr, was ich mit Entrüstung von ®*org hören musste. Du hast Leutnant von Büren tz» seiner Wohnung be­sucht?"

Noch immer vermochte Bettina nichts zu sagen. Sie zitterte am ganzen Körper und warf hilfeflehende Blicke um fich.

So antworte doch," herrschte fie Frau Adolphine an.

Georg lachte zynisch auf.

Ich denke, eine bessere Illustration für das böft Gewissen kann niemand abgeben als fie."

Bettina sah ihn schmerzlich an. Seine Worte gaben ihr jedoch die Fassung wieder, fie wusste jetzt, woher der Schlag kam, bet fie traf. Georg mußt« fie gesehen haben.

Ich habe kein böses Gewissen, denn ich habe nichts Böses getan, fügte fie leise.

Georg fuhr auf.

Was, bu willst leugnen, bei Büyren gewesen zu fein? Das spare dir nur. Ernst und ich, wir haben dich mit eigenen Augen mit ihm aus seinem Hause kommen sehen."

Bettina griff schwankend nach einer Stuhllehne.

Ernst auch?" frag sie erschauernd und wußte nun mit einem Male, weshalb et sie ijeute morgen gar nicht angesehen, weshalb er so finster geblickt hatte.

Ja, Emst auch," äffte ihr Georg nach.Willst du nun noch mehr leugnen?

Bettina atmete tief auf. Groß und offen sah fie ihre drei Richter an. 9-6er fie wat pl"tzlich seht ruhig geworden. Was konnte ihr nun noch Schlim­meres geschehen. Ems! wußte, was sie getan und er verurteilte fie, stumm, aber um so schärfet, ohne sie nur zu fragen, ob fie schuldig wat.

Ich habe nicht bie Abficht gehabt, zu leugnen. Ja ich bin gestern abenb bei Herrn von Bühren gewesen."

Frau Adolphine hat dicht an sie heran unb bebte vor sittlicher Entrüstung.

Schamloses Geschöpf pfui übet dich. Roch heute

packst du deine Sa'jen und oerläjt unser Haus. Ich mag dich nicht mehr sehen 2e1j

Jetzt griff Peter ßmann ein. Bettina machte ihm so gar nicht den Eindruck einer schamlosen Person.

Sag doch, wie bu dazu gekommen bist, Ber- ttna. Was wolltest du bei Bühren?"

Darüber kann ich nicht sprechen, Onkel Peter. Ich hab' mein Wort »««»eben."

Wieder lachte Georg zynisch auf.

Galante Abenteuer plaudert man nicht aus," sagte er boshaft.

Bettina sah ihn groß und ernst an.

Wcs hab' ich dir denn getan, daß du mich so frentft? frug sie traurig.

Schweig' sttll," fuhr Frau Adophtne zornig auf sie los.Es ist eine himmelschreiende Frechheit von dir, daß bu nicht vor Scham zu Boden sinkst. Ich will nichts mehr hören wir sind fertig mitein­ander. Für Personen deines Schlages ist unter un­serem Dach kein« Heimat mehr. Geh'."

Bettina erbebte. Sie empfand die Schmach, bie man ihr antat, wie einen körperlichen Schmerz. Aber sie war machtlos liefen Schmähungen gegenüber. Der Schein war gegen sie und diese Menschen würden ihr nie glauben, daß ihr Besuch bei Bühren harmloser Natur gewesen war. Auch Ernst nicht Ernst. Sie hätte aufschreien mögen vor namenlosem Jam­mer. Hilflos soh sie von einem zum andern. D« Onkel sah aus, als wäre ihm etwas sehr Wider­wärtiges begegnet. Georg behaftete sie mit unver­schämt frechen, durchdringenden Blicken und Tante Adolphine sah aus, wie die personifizierte sittliche Entrüstung. Was half da alles Wehren. Sie mußt« wie e*ne Geächtete in die Verb nnung gehen.

Niemand hielt fie zurück, als sie fich langsam zu« Gehen wandte. (Fortsetzung folgt.)

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