mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen. „Nach Feierabend". „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
Marburg
Dienstag, 12. September
Die „OberheMche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch __ _ . . die Post bezogen 2.25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen ■ Jwo 214 und der Expedition (Markt 21) 2.00 Jf frei ins Haus. (Für unver. 6,1=* * (angt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der llniv.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 55.
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46. Jahrg.
1911.
Die Marokkoftage.
Die deutschen Gegenvorschläge.
Die Aufstellung von Gegenvorschlägen seitens der deutschen Regierung wird in der Presse größtenteils dahin kommentiert, daß die französischen Forderungen abgelehnt worden sind. So schreibt die „Kreuzzt.": „Daran ändert all der künstlich aufgeblasene Optimismus der deutschen Börsenpresse nichts. Die von Cambon übermittelten Beschlüsse der französischen Negierung sind von Deutschland zurückgewiesen und mit Gegenvorschlägen beantwortet worden. Die Verhandlungen stocken von neuem, der Eintritt einer Pause, deren Ende unabhängig von dem Willen der deutschen Regierung ist, ist unbestreitbar."
Demgegenüber steht eine offiziöse Auslassung in der „Köln. Ztg." Einem Berliner Telegramm dieses Blattes zufolge werden die von dem französischen Botschafter Cambon überreichten Vorschläge Frankreichs von Deutschland als Grundlage zum weiteren Verhandeln angesehen. Sonst würde Deutschland sie a limine zurückgewiesen und Gegenvorschläge überhaupt nicht aufgestellt haben. Jedenfalls könne aus der Abfassung der deutschen Gegenvorschläge nicht geschlossen werden, daß die französischen Vorschläge von Deutschland als unannehmbar abgelehnt würden. Bis zur Antwort Frankreichs wird naturgemäß einige Zeit vergehen. Zwischen der ersten Mitteilung der französischen Vorschläge und der Ueberreichung der deutschen Gegenvorschläge liegen vier Tage. Es ist anzunehmen, daß auch die französische Antwort nicht lange auf sich warten lassen wird.
Welcher Art die deutschen Gegenvorschläge sind, läßt sich nur vermuten. Man darf die Hoffnung hegen, daß sie den deutschen Ansprüchen, soweit sie wirtschaftlicher Natur sind, so weit wie möglich genügen. Das geht auch aus folgender Notiz der „Post" hervor: „Wir können auf Grund gewissenhafter und bester Auskünfte sagen, daß es der Berliner Regierung darauf ankommt, den deutschen Industriellen und Kaufleuten in Marokko die nötigen rechtlichen Grundlagen zu schaffen, die den Grundsatz der offenen Tür in Marokko in vollem Umfange aufrechterhalten. Weitestgehende Ausdehnung unseres Konsularwesens in Marokko und nötigenfalls die Vorsehung eines Schiedsgerichtes zur Entscheidung schwieriger Fälle würden mit dazu beitragen, die Marokkoangelegenheit endlich einmal dahin zu bringen, daß sie aufhört, die Quelle von Ungewißheiten zu sein. Aus dieser Grundlage wird sie Frankreich nicht allzu große Schwierigkeiten machen. Nur muß Deutschland Punkt für Punkt mit Festigkeit zu
35 (Nachdruck verboten.)
We Aßmanns.
/ ' Roman von Lourths-Mahler.
(Fortsetzung.!
„Gut — mir ist es gleich. Ein« angenehme Auseinandersetzung wird das nicht. Wenn er sie rehabilitieren will, muh er sie heiraten und zur Heiratskaution langt das Geld nicht, wie sie von Großtante ergattert hat. Na — schließlich nutz er so oder so den Abschied nehmen — es bleib ihm kaum etwas anderes übrig," erwidert« Georg gleichmütig.
Seine kalten Worte reizte» Ernst, aber er schwieg. Er war jetzt nicht in der Stlmn-ung, sich mit dem Bruder zu streiten. Seine Gedanken flogen wieder zu Bettina. Armes liebes Din»! Wie mußte sie sich mit ihrem zärtlichen weichen Herzen um den Geliebten gebangt haben? Und gerade heute war er nicht zu Hause gewesen. Vielleicht hätte sie den Mut gefunden, sich ihm anzuvertrauen und er hätte ihr helfen können. Aber dazu war es noch nicht zu spät. Eroßtanting hatte sie ihm ans Herz gelegt, er sollte ihr Schützer und Hüter sein. Jetzt war er an der Zeit, sein Wort einzulösen, wie ein Bruder für sie zu sorgen. Nun er Gewißheit hatte, daß sie Bühren liebte, mußte er seine Neigung für sie unterdrücken und wenigstens ihr zu ihrem Glück verhelfen. Für ihm war sie verloren, aber er wollte dafür sorgen, daß sich ihre Liebe zu Bühren nicht scheu im Dunkel verbergen mußte und daß sie rehabilitiert wurde. Bühren war trotz Georgs Verdammungsurteil ein anständiger Kerl, et würde wissen, was er Bettina schuldig war, wenn er erfuhr, daß sie mit ihm gesehen worden war. Um aus diesen Menschen ein glückliches Paar zu machen, fehlt« nicht» als Geld — und davon besaß er mehr als er je brauchen würde. Es würde ihm kein Opfer sein, die Heirats- kaution zu stellen. Äet daß er sie eine« anderen
erhandeln verstehen. Eine günstige Lösung der | ganzen Frage ist als sicher anzusehen."
Der französische Botschafter Cambon hat den Text der deutschen Vorschläge durch einen besonderen Kurier dem Minister des Aeußern in Paris übermittelt und erwartet von seiner Regierung weitere Informationen. Weiter meldet die offiziöse „Agence Havas": Paris, 10. Sept. Die deutschen Gegenvorschläge über Marokko sind gestern abend angekommen; sie werfen gewisse Fragen grundsätzlicher Natur aus und erfordern eine ernsthafte und eingehende Prüfung. — Nach Meldungen verschiedener Blätter werden der Minister des Aeußern und der Ministerpräsident sich bereits am Dienstag im Ministerrat mit der Angelegenheit der deutschen Gegenvorschläge befassen. Es macht sich der Eindruck geltend, daß eine Einigung zustande kommen wird.
Paris, 9. Sept. Präsident Fallitzres traf heute ftüh von Rambouillet hier ein und empfing den Minister des Aeußern de Selves, der darauf mit Marinepräsident Caillaux eine Unterredung hatte.
Eingabe der Hamburger.
Hamburg, 8. Sept. Hier tagte eine Versammlung von Handelsfirmen, die teils nach Marokko arbeiten, teils dort einige Filialen unterhalten. Zweck der Zusammenkunft war eine Beratung über die bei der Reichsregierung zu unternehmenden Schritte, damit die Interessen der Farmen wahrgenommen werden. Es wurde beschlossen, an den Staatssekretär des Auswärtigen eine Eingabe zu richten, in der ersucht wird, die Regierung möge sich bei den Verhandlungen nicht auf die rein formale wirtschaftliche Gleichberechtigung beschränken, denn die französische Praxis habe gelehrt, daß diese zwecklos sei. Die Regierung wird ersucht, Vorkehrungen zu treffen, damit die tatsächliche Gleichberechtigung auch nachdrücklichst sicher gestellt werde.
Ein neuer Hetzartikel der „France Militaire".
Das offiziöse militärische Organ Frankreichs nimmt in seiner letzten Nummer zu der Marokkofrage Stellung und zwar in einem anmaßenden Tone, der alle bisherigen Hetzereien des Blattes übertrifft, das schreibt:
„Deutschland ist isoliert. Man kann zwar seine Macht nicht ableugnen; die Armee ist zahlreich, gut bewaffnet, im allgemeinen auch gut geführt, trotzdem der Kaiser an der Spitze steht. Tatsächlich ist die französische und deutsche Armee numerisch gleichwertig. Wir können jedem deutschen Bataillon ein unsriges entgegenstellen trotz der größeren Bevölkerungsziffer in Deutschland, weil unsere Reserven besser und vollzähliger find. Und wenn man alle Personen, die der allgemeinen Wehrpflicht in beiden Ländern unter-
in die Arme führen mußte — das war ein Opfer, welches ihm Herzblut kosten würde. Aber für ihn war sie doch verloren — da sie einen anderen liebte. Und wie mußte sie ihn lieben, daß sie alle weibliche Scheu beiseite gesetzt hatte und heimlich zu ihm gegangen war. Nur die Angst um sein Leben konnte sie so weit getrieben haben. Armes liebes Geschöpf — so allein, so schutzlos in der Welt. Er wollte ihre Sache führen — und nicht nur, weil er Eroßtanting versprochen hatte, für sic zu sorgen, sie zu schützen. Aber leichter wurde ihm bei alledem nicht zu Mute. Ihm war, als habe er einen köstlichen Schatz verloren, der ihm durch nichts ersetzt werden konnte.
Nur mit Mühe konnte er sich im Klub beherrschen und scheinbar unbefangen und vergnügt sein. Die anderen Herren schienen die beid.n jungen Menschen zum Glück nicht erkannt zu haben. Sie gaben sich zu harmlos und unbefangen. Ernst war ftoh, als er aufbrechen konnte. Georg schloß sich ihm auch auf dem Heimweg an. Aber sie sprachen kein Wort mehr über die Angelegenheit. Ernst nicht, weil er es nicht mit anhören konnte, wie geringschätzig Georg von Bettina sprach, und Georg nicht, weil er sich vor genommen hatte, gleich morgen früh seiner Mutter von dem „ffar" "'en Vorfall" Bericht zu erstatten und weil et fr :e, Ernst würde ihm sein Wort abfordern, den Gi ern nichts zu sagen.
Sie trennten sich zu Hause mit flüchtigem Gruß und suchten ihre Zimmer auf.
Ernst sand nicht viel Schlaf in dieser Nacht. Bettinas Schicksal und seine vernichtete Liebehoffnung ließen ihn nicht zur Ru«»« kommen.
Bettina hatte ihr Zimmer erreicht, ohne jemand im Hause begegnet zu sein. Schnell ging sie zu Bett. Erst jetzt überkam sie die Furcht. Es war doch ein Wagnis gewesen, Bühren in seiner Wohnung aufza- suchen. Wenn sie gesehen worden wüte? Sie schauerte
| zusammen und schloß die Augen. 6o lange sie von
liegen, vergleicht, so findet man, daß Frankreich etwa 500 000 Mann mehr besitzt als Deutschland, nämlich rund 5 Millionen in Frankreich gegen 41/2 Millionen in Deutschland. Zu unseren eigenen Streitkräften kommt dann auf das erste Signal eine englische Armee, großartig bewaffnet, und nach japanischem Muster organisiert, die ungerechnet der Reserven etwa 4 Armeekorps darstellt. Dies sichert uns in unserer ersten Linie die absolute Ueberlegenheit, selbst wenn unsere afrikanischen Truppen nicht erscheinen. Aber sie werden erscheinen, denn die absolute Herrschaft des englisch-französischen Bündnisses über das Mittelmeer gibt uns hierfür die Gewißheit. Und schließlich im Osten von Europa wartet die enorme Masse des verbündeten Rußlands nur auf das Zeichen, sich in Bewegung zu fetzen, wenn Deutschlands Unklugheit uns zum Kriege zwingt."
Der Artikel wendet sich dann an Belgien:
„Bravo, Belgien! Vergeßt nicht, daß Eure Existenz von dem Ausgang des kommenden Kampfes abhängt, daß dieser sich vollziehen wird morgen oder in 10 Jahren, und daß das einzige Mittel, sich gut zu verteidigen im gegebenen Moment der Angriff ist."
Zum Schluß wird an die Heeresleitung die dringende Mahnung gerichtet, für den Fall, daß die Verhandlungen sich noch in die Länge ziehen, die Reserven nicht zu entlassen, denn man solle nicht vergessen, daß Deutschland stets in brutaler und überraschender Weise vorzugeben pflegt.
Es ist wirklich ein starkes Stück, daß ein als offiziös geltendes Blatt sich derartige Unverfrorenheiten erlauben darf.
Keine Zurückbehaltung der französischen Reserven.
Paris, 9. Sept. Bezüglich der von mehreren Blättern veröffentlichten Aeußerungen des Kriegsministers Messimy über die Heimsendung oder Zurückbehaltung der Dienstklasse von 1908 erklärt der „Temps", daß der Fall einer Zurückbehaltung nicht ins Auge gefaßt worden fei. Die Heimsendung dieser Klasse und der Reservisten könne dieses Jahr wie in früheren Jahren vor sich gehen, ohne daß die französische Regierung ihre Haltung nach der deutschen zu richten haben werde und ohne daß eine ihrer Maßnahmen von Deutschland als ein Zeichen des Mißtrauens inmitten der Verhandlungen ausgelegt werden könnte.
Französische Hoffnungen auf Belgien.
Der belgische Ministerpräsident de Brogue- ville stattete in Paris dem Ministerpräsidenten Caillaux einen Besuch ab, in dessen Verlauf er dem Wunsche Belgiens nach guten Handelsbeziehungen mit Frankreich Ausdruck gab. Ministerpräsident Caillaux erwiderte, daß dieser
dem Drange beseelt gewesen war, zu helfen, einem Menschen das Leben zu -etten, hatte sie Mut gehabt. Nun ihr Werk gelungen war, malte sie sich erst in furchtsamer Scheu aus, welche Folgen ihr Schritt hätte für sie haben können. Gottlob, daß sie unbemerkt wieder in ihr Zimmer gelangt war. Warum war ihr nun doch so bange zu Mute? Sie konnte doch froh und zufrieden sein, Bühren war gerettet und man hatte zu Hause nichts von ihrem Vorhaben gemerkt. Und nie würde jemand erfahren, daß sie bei Bühren war. Er hatte ihr sein Ehrenwort gegeben und sie würde das ihre kalten und niemand verraten, daß sie ihm das Geld gebracht hatte. Nun war ja alles gut.
Aber sie fand lange den gewöhnten Schlaf nicht. Einmal richtete sie sich auf und sah in das helle Mondlicht hinaus. Es war so schön und klar, wie an jenem Abend, als Eroßtanting starb. „Eroßta.i- ting! Nicht wahr, du heißt »» gut, was ich heute getan habe," flüsterte sie und sah mit großen Augen in die glänzende Mondscheibe. Dann legte sie sich zurück und faltete die Hände.
„Wirs ab, Herz, was dich kränket Und was dir bange macht."
Lächelnd schlief sie ein.
Als sie aber am nächsten Morgen aufwachte, waren ihre Gedanken gleich wieder bei ihrem Er- lebnis von gestern abend.
Und in das Frohgefühl, ein gutes Werk vollbracht zu haben, mischte sich doch immer wieder die nachträgliche Unruhe Über den ungewöhnlichen Schritt, den sie getan hatte. Gleichwohl sagte sie auch jetzt noch, daß sie im gleichen Falle genau so handeln würde. Schnell kleidete sie sich an und ging ihren häuslichen Geschäften nnch. Tante Adolphine sagte ihr mürrisch wie sonst guten Morgen und bemerkte: „Es ist gut, daß du wieder gesund bist, es gibt heute viel Arbeit."
Am Frühstückstisch ging es meist schr still »Nh
Wunsch auch von Frankreich geteilt werde, «nd daß die französische Regierung in dieser Hinsicht von bestem Willen beseelt sei. Das „Echo de Paris" behauptet: Man messe diesem Besuch des belgischen Ministerpräsidenten gewisse Bedeutung bei. Die beiden Ministerpräsidenten hätten zweifellos auch von den französisch-belgischen Handelsbeziehungen gesprochen, aber man brauche sich nur an die Meldungen über die militärischen Verteidigungsmatznahmen Belgiens zu erinnern, um zu der Ueberzeugung zu gelangen, daß beide sich auch über die möglichen Folgen der deutsch-französischen Unterhandlungen unterhalten haben.
Die spanischen Kampfe in Marokko.
Madrid, 9. Sept. Der Marineminister erhielt von Melilla ein Telegramm, nach welchem eine feindliche Harka bei Tagesanbruch die spanische Vorhut angegriffen habe; der Kampf dauerte den ganzen Tag. Schließlich wurde de, Feind mit großen Verlusten zurückgeschlagen; die Verluste der Spanier sind gering. Gegen Ende des Kampfes wurden zwei Dörfer bei Alhucemas, in welchem die Stämme wohnen, die die Harka bildeten, bombardiert.
Folgen der Ungewißheit.
Königsberg i. Pr., 9. Sept. Die Abhebungen von der städtischen Sparkasse haben sich gestern auf ungefähr 240 000 M bezifefrt. Auch heute war der Andrang wieder stark, sodaß annähernd der gleich Betrag in Frage kommen dürfte. Die Sparkassenverwaltung erließ diesen Abhebungen gegenüber eine beruhigende Erklärung.
B e r l i n, 9. Sept. In der Nachbargemeinde Friedrichshagen kam es heute zu einem Run auf die Kreissparkasse. Die Erregung der Einwohner wurde dadurch hervorgerufen, daß gestern ein Lehrer im Geschichtsunterricht übet die Marokkofrage gesprochen hatte, die Kinder aber die Ausführungen mißverstanden und durch falsche Wiedergabe zu abenteuerlichen Kriegs- gerüchten Anlaß gaben.
17. Alldeutscher Verbandstoff.
Düsseldorf, 10. September.
Unter überaus zahlreicher Beteiligung feiner Mitglieder aus ganz Deutschland trat heute hier der Al' utsche Verband zu seinem 17. Verbandstage zusammen. Die Hauptversammlung wurde von Rechtsanwalt Claß (Mainz) mit einer längeren politischen Rede eröfnet. Er kritisierte die Verfassung der Reichslande, die Behandlung der Polen. Das Erbiet der auswärtigen Politik stand unter dem Zeichen Marokko. Eine Politik, die ntjt nur auf Landerwerb in Marokko, sondern s gar auf politische B« tätigung im Scherifenreiche verzichtet, kann richt d« Zustimmung derjenigen Teile ‘ es deutschen Volkes finden, die die zuverlässigsten T'i.ger des Staates ruhig zu; aber heute schien eine besondere Verstimmung auf allen zu liegen. Onkel Teter hatte schlecht geschlafen, — vielleicht hatte ihn die Angelegenh.it mit Bühren doch ein wenig beklemmt. Tante Adolphine hatte Hauspuhfieber und trommelte nervös auf dem Tischtuch herum.
Georg warf Bettina hämische Seitenblicke zu uns um seinen Mund lag ein gehässiger, verkniffener Zug und Ernst, der sonst immer einige freundliche Blicke und Worte für sie hatte, hob die Augen nicht von seiner Tasse, trank sie hastig leer und ging mit einem allgemeinen flüchtigen Gruß schnell davon. Er sah blaß und übermüdet aus und über der Nasenwurzel hatte sich auf der Stirn eine düstere Falte zusammen- gezogen, als leide er heimliche Schmerzen.
Was mochte mit ihm fein? War er krank? Di« Sorge um ihn ließ Bettina alles andere vergesse:». Eine bange Unruhe um ihn erfüllte ihr Herz.
Georg pflegte sonst gleich nach Ernst aufzubrechen. Heute blieb er noch ruhig fitzen, bis Bettina das Frühstücksgeschirr hinausgetragen hatte und draußen an ihr« Arbeit gegangen war. Seine Mutter sah ihn erstaunt an. , „„„
„Nun, Georg — gehst du nicht in die Fabrik?
Georg richtete fich auf, als habe er nur auf diese Frage gewartet.
„Ich habe euch etwas mitzuteilen — etwas sehr Unangenehmes."
Er betrachtete aufmertfam seine krallenartigen Fingernägel.
„Es betrifft Bettina. Wißt ihr, daß sie gepetw abend ausgegangen ist?"
Frau Adolphine sah sehr erstaunt aus.
„Bettina? Bewahre — du weißt doch, M® s« zeitig vom Abendtisch ging, um sich niederzulegen.
Georg schnippte wegweffend mit den Fingern.
„Schwindel. Sie ist aus gewesen, wir haben üe gesehen, Ernst und ich."
(Fortsetzung folgt.)