mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Frankreich dessen sicher ist. daß es auf Großbritannien und Rußland rechnen kann, die ih« ihre Mitarbeit zugesichert haben, falls es M mäßigt. Jedermann kennt die Moral der ganzen Angelegenheit. Wenn England feint Stimme mit einigem Erfolg hat hören lassen, so ist das darauf zurückzuführen, daß es über eine Macht verfügt, deren Bedeutung im Falle einer Störung des europäischen Friedens groß fein würde. Es ist die englische Marine, die uns vor einem nationalen Unglück bewahrt, und uns gestattet, den Schwierigkeiten mit Ruhe entgegen zu sehen."
Diese beiden Preßstimmen mögen genügen. Köstlich nimmt sich daneben die Meldung aus, daß das deutsch-englische Berständigungskomite« zur Zeit eine Resolution verbreitet, in der es heißt: „Das Komitee halte an der unerschütterlichen Ueberzeugung fest, daß ein friedliches und gutes Einvernehmen zwischen Deutschland und England nicht bloß im wohlverstandenen Interesse beider Nationen liegt, sondern auch im Interesse der Zivilisation und der gesamten Kulturwelt gefordert werden muß." Hoffentlich findet diese Ansicht in England viel Anklang. Bei uns denkt niemand daran, die guten Beziehungen zu stören. Rur lassen wir uns nicht über die Ohren hauen.
Rußland marschiert nicht.
Der Petersburger Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt seinem Blatte: „Niemand wird von Rußland erwarten, daß es in den Krieg geht, um carte blanche für Frankreich in Marokko zu erhalten. Die russischen Staatsmänner sagen: das kann man billiger haben, da kann gekauft werden, Frankreich soll dafür bezahlen: wir werden ihm beistehen, damit es so billig wie möglich davonkommt. Aber daß wir uns in einen Krieg stürzen sollten usw. . .. Das ist die russische Auffassung."
Deutschland, England und Frankreich im Sus.
Tanger, 5. Sept. Das hiesige englische Blatt „Al-Moghreb al-Aksa" schreibt: „Der Gang der Dinge weist auf die Wahrscheinlichkeit, daß Deutschland ein führender Anteil an der Entwicklung der Sus-Provinzen zufallen wird. Und warum auch nicht? Keine andere Nation hat sich die Mühe gegeben, diese gewaltigen, als Marokkos reichste Teile bekannten Bezirke zu erschließen? Frankreich mit seinem vorherrschenden Einfluß im Lande hat keine erkennbare Anstrengung gemacht, die Ausdehnung des Handels südlich vom Atlas zu ermutigen. Nun erscheint Deutschland auf dem Plane mit einem wohldurchdachten Plane für Offene Tür- Handel und -Industrie im Sus. Und dünkt, daß es die Pflicht jedes vernünftigen, an der Wohl
tiger wirtschaftlicher Intere en handelt, so müssen zu Wiederholtenmalen Sachkundige befragt und für verschiedene Punkte ins einzelne gehende Aufstellungen gemacht werden, was besondere Sorgfalt und entsprechende Zeitaufwendung erfordert. Es ist aber bereits bisher soviel sachliche Vorarbeit geleistet, sowohl in der Frage der Bürgschaft für unsere wirtschaftliche Betätigung in Marokko, wie für die Gebietsentschädigungen, daß bei beiderseitigem guten Willen auf ein baldiges Ergebnis der Verhandlungen gehofft werden darf."
Die Stellung der Parteien.
In der gesamten bürgerlichen Presse wird angesichts des sozialdemokratischen Marokkotreibens darauf hingewiesen, daß das ganze Volk hinter der Regierung stehe. So die „Freisinnige Ztg.", die ihrer Natur nach nicht anders kann, als dabei von einem alldeutschen Kriegsgeschrei zu reden, von dem wohl außer ihr niemand etwas gehört hat, so auch die „Konservative Korespondenz": „In wohltuendem Gegensätze zu den unhaltbaren und antinationalen Ansichten der Sozialdemokraten steht die Haltung aller bürgerlichen Parteien und ihrer Presse, insbesondere auch der Zentrumspresse, die in maßvoller und fester Art die mit der Marokkoangelegenheit unlösbar zusammenhängenden wichtigen nationalen Notwendigkeiten stets betonen und dabei auch den letzten Konsequenzen ruhig ins Auge sehen. Daß die konservative Presse nie einen anderen Standpunkt eingenommen hat und einnehmen konnte, ist selbstverständlich. Wenn auch in nationalen Kreisen hier und da Zweifel. Bedenken und Sorge in ' dieser Richtung zum Ausdruck gelangt sind, so entbehren diese doch wohl, soweit wir die Sach- , läge überschauen, jeder tatsächlich berechtigten Unterlage. Es ist selbstverständlich, daß die Re- gieruvG wenn sie auf dem Standpunkt der Festigkeit aeb der Entschiedenheit unbeirrt verharrt, die konservative Eesamtpartei bis zum Äeußersten hinter sich haben wird."
Nicht mit Unrecht betont die „D. T." in diesem Zusammenhänge, daß die deutsche Regierung, falls sie in ihrer Nachgiebigkeit zu weit gehen würde, das Vertrauen des deutschen Volkes verlöre.
Keine Berwickelungen?
Die brennende Frage, ob es angesichts des Verlaufs der marokkanischen Verhandlungen zu kriegerischen Verwickelungen zwischen Deutschland und Frankreich kommen könne, behandelt die „Kölnische Zeitung" heute in längeren Ausführungen, wobei sie die Ueberzeugung ausdrückt, daß Frankreich es nicht zum äußersten treiben werde und daß sich das fran-
Die Lage.
Die Verhandlungen.
Die Note der „Nordd. Allg. Ztg." über den „glatteren Fortgang" der Besprechungen hat nichts weniger als eine Beruhigung der Gemüter herbeiführen können, wie aus der Presse zu ersehen ist. Sehr richtig schreibt die „D. T " im Anschluß an die offiziöse Auslassung: „Das sagt allerdings höllisch wenig. Der Fortgang der Unterhandlungen vor der Pause war so wenig glatt, daß es so gut wie nichts bedeuten will, wenn man jetzt darauf rechnet, daß er glatter sein werde. Im übrigen ist der Ausdruck „glatter Fortgang" so vieldeutig, daß man damit nichts anfangen kann. Wir sind der Meinung, daß es vielleicht besser gewesen wäre, wenn man bei dieser Sachlage überhaupt darauf verzichtet hätte, etwas über die neu aufgenommenen Verhandlungen zu sagen. Denn das, was hier gesagt wird, ist nicht geeignet, die leider zunehmende Ungeduld und Nervosität im Deutschen Reiche zu unterdrücken oder auch nur zu milder n."
Die „Kreuzztg." glaubt sogar, daß jener Ausdruck gewählt worden sei, um darauf vorzubereiten. daß aller Voraussicht nach die deutsch- französischen Verhandlungen auf der Basis der von Eambon übermittelten Beschlüsse der französischen Regierung ergebnislos verlaufen werde. Das Blatt fährt fort: ..Uns ist bisher nichts bekannt geworden, um unsere Auffassung der Lage trotz anderer sich offiziös gebender Meldungen irgendwie zu erschüttern." Man kann mit dieser Auslegung der offiziösen Worte kaum eMoer» standen fein. Sie ist aber sehr bezeichnend für die verschiedenartige Beurteilung, die der Ausdruck „glatter Fortgang" in der Presse findet.
Die „Köln. Ztg." meldet aus Berlin: „Den deutsch-französischen Verhandlungen lag von Anfang an der Gedanke zugrunde, daß Deutschland für die wirtschaftliche Betätigung in Marokko, namentlich für die Erhaltung und Fortentwicklung seines Handels mit dem scherifischen Reich sichere Bürgschaften erhalten solle und daß Frankreich für die Einräumung politischer Bewegungsfreiheit in Marokko uns auf kolonialem Gebiet entschädigen müsse. Zur Erfüllung dieser Bürgschaft hat die französische Regierung nunmehr einen schriftlichen Vertragsentwurf aufgestellt und ihn am Montag vormittag hier durch den Botschafter Eambon überreichen lassen. Die Prüfung der französischen Vorschläge, gibt Anlaß zu deutschen Gegenvorschlägen. Da es sich für Deutschland in Marokko wesentlich um ausreichende Sicherstellung wich
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leit für Platz-, Datenvorschrist und Beleglieferung ausgeschlossen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 beS Peftscheckamtes Frankfurt e. M.
zösische Volk schließlich von der Erkenntnis leiten lassen werde, daß der Marsch nach Fez über Berlin eine zu gefährliche Reise sei. Daß Frankreich Marokko nach tunesisch-ägyptischem Verfahren einstecken möchte, verdenft ihm in Deutschland niemand (!). Anders sind die Empfindungen England gegenüber. Die englischen Versicherungen, das englische Volk denke nicht an eine Benachteiligung Deutschlands zugunsten Frankreichs, finden hier wenig Gläubige, da die Absicht der englischen Diplomatie zu offenkundig ist. Die deutscherseits von Frankreich beanspruchten Bürgschaften für die Wahrung deutscher Interessen seien jetzt Gegenstand der Verhandlungen, deren Berechtigung Frankreich einleuchtet, da es sich sonst nicht auf auf Verhandlungen eingelassen hätte. Die von Eambon nach Berlin gebrachten Mitteilungen werden gegenwärtig von deutscher amtlicher Stelle geprüft, woraus alsdann der französische Botschafter von der deutschen Antwort verständigt wird." Gewiß „verdenken" wir Frankreich die Absicht Marokko einzustecken nicht, aber umgekehrt darf in Frankreich es uns niemand „verdenken", wenn wir dies mit allen Mitteln zu verhindern suchen. Unsere Interessen stoßen hier eben aufeinander.
Englische und französische Hetzereien.
Typisch ist jetzt wieder bei dem Beginn der Marokkoverhandlungen das Verhalten der französischen und englischen Presse. Das Säbelrassekn nimmt gar kein Ende. Das „Echo de Paris" hetzt z. B. in folgender Weise: „Das Spiel Deutschlands besteht darin, uns weiter an der Rase herumzusühren, und UNS bis zum 20. September hinzuhal.rn, wo eine Iahresttasse unserer Soldaten zur Entlassung gelangt. Die ftanzösische Regierung würde unwürdig handeln, wenn sie auf diesen Leim ginge. Energisch von Rußland und England unterstützt, befindet sich Frankreich in vorzüglicher Lage. Die Konzentration unserer ganzen Flotte im Mittelmeer ist ein Beweis dafür, daß England uns Versicherungen gegeben hat, die uns gestatten, die Offensive in diesen Gewässern zu ergreifen. Wir müßten direkt auf unser Ziel lossteuern, und nachdem wir einmal proklamiert haben, daß dies unser letztes Wort sei, dürfen wir uns nicht in das Labyrinth der Berliner Verhandlungen zurückbegeben."
Die englischen Blätter unterstützen selbstredend diese Hetzereien, so schreibt z. B. der „Daily Telegraph": „Wenn Frankreich bei seinen Unterhandlungen mit Deutschland sich zuversichtlich auf der Bahn weiterbewegt, die seine Diplomatie bis jetzt einaeschlagen hat, so geschieht dies zum größten Teile deshalb, weil
Die „Obetheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.26 X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen _..l L_. - edition (Markt 21) 2.00 X frei in« Haus. (Für unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der llniv.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 66.
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage'
Marburg
Freitag, 8. September
32 (Nachdruck verboten.)
Die Aßrnanns.
Roman von Courths-Mahler.
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Bettina erschrak. Was nun? Sie hatte so fest auf Ernst gerechnet. Nun kam er nicht. Und daß die Nacht nicht verstreichen durfte, ehe Bühren geholfen wu'de, das fühlte sie mit Sicherheit. Im Laufe des Tages ba'te er vielleicht noch einige Versuche unternommen. das Geld zu erhal n. Wenn es aber vergeblich war und er saß dann mutlos und verzweifelt allein zu Hause — dann — wenn die Nacht anbrach — dann geschah das Schreckliche. Oh — nie würde sie wieder froh sein können, renn sie das nicht verhinderte. Sie mußte es tun — um jeden Preis, — mußte verhindern, daß Bühren wegen einer leichtsinnigen Stund als Opfer der in seinem Stand herrschender. Vorurteile sein Leben lassen mußte. Aber wie — wie sollte sie helfen'' Hier zu Hause durfte sie nichts davon sagen, man roür ■ sie ausschelten und nicht fort lassen, wenn sie ihr Vorhaben beichtete uno Ernst aufsuchen wollte im Bu u. Aber gescheh-» mußte es — und gleich — sofort nach Tisch, sonst war es o't spät.
Sie hafte sich Bührens Adresse notiert und trug schon seit dem Nachmittag die dreitausend Mark in Wertpapieren bei sich, immer hoffend. Ernst würde kommen. Sie vermochte kaum einen Bissen hinunter zu bringen und sah sehr blaß aus. Peter Aßmann frag sie freundlich, ob sie sich nicht wohl fühlte. Da stotterte sie etwas von Kopfweh hervor und bat Tante Adolphine, sich in ihr Zimmer zurückziehen, zu dürfen.
Die Erlaubnis wurde ihr erteilt.
„Leg' dich lieber gleich zu Veit, damit du morgen wieder frisch bist. Jetzt mitten im Hausputz könnte es mir gerade noch fehlen, daß du krank würdest," jagte Frau Adolphine verdrießlich.
Bettina ging in ihr Zimmer. Eine Weile stand |
sie regungslos und sah vor sich hin. Was sollt« sie tun? Wenn sie sich jetzt heimlich hinausschlich, um Ernst aufzusuchen? Man würde sie nicht vermissen, sie schlafend glauben. War sie erst draußen, dann war alles gut. Und wenn fb zuräckkam und bann gesehen wurde — das war nicht so schlimm, bann konnte sie sagen, sie habe ihres Kopfwehs wegen noch einen kurzen Spaziergang gemacht. Nur erst unbemerkt hinaus. — Jetzt *am Leben in ihre Gestalt. Sie setzte schnell «in schlichtes schwarzes Strohhütchen auf, fühlte in ihre Taschen, ob ihr Schatz noch richtig vorhanden war und öffn t« leise die Tür ihres Zimmers. Draußen war alles still. Sie huschte hinaus und schloß zur Sicherheit ihr Zimmer ab, den Schlüssel zu sich steckend.
Nun eilte sie leise Über den langen Korridor, glitt die Treppe hinab, durch den stillen Hausflur. Jetzt noch durch die Tür und dann ins Frei«. Die Haustür war stets verschlossen, aber jeder Hausbewohner besaß einen Schlüssel dazu. So war es ihr leicht, hinauszukommen und auch vielleicht unbemerkt heimzukehren. Nur schnell jetzt zu Ernst. Es war schon ein Viertel nach acht Uhr. Sie mußte eilen.
Voll Unruhe und Sorge um ein gefährdetes Menschenleben legte sie den Weg zurück. Der arme Bühren — wie würde er in Not und Verzweiflung die Stunden verbracht haben — so wie ihr armer Bruder Hans damals. O — Ernst mußte sofort zu ihm eilen und ihm das Geld bringen, und er würde cs tun, wenn sie ihn dringend darum bat. Wie lang doch der Weg war — wie lang. — Aber endlich war et doch zurückgelegt; sie stand mit klopfendem Herzen am Ziel — aber was war das? Das Bureau geschlossen — kein Mensch anwesend, der ihr hätte Auskunft geben können, wohin sich Ernst gewandt hatte. Sie lehnte sich mit zitternden Änieen an die Tür und starrte vor sich hin. Was nun? Sollte sie unverrichteter Dinge wieder heimkehren, Bühren seinem Schicksal überlassen? Nein — nein — da« auf keinen Fall. ______*..
Wenn es denn nicht anders ging, wollte sie selbst ihm das Geld bringen. Sie erschrak zuerst vor diesem Gedanken, aber dann sah sie im Seifte Bühren kalt und starr aus seinem Bett liegen — wie ihren Bruder Hans. Der liebenswürdige, lustige Bühren, der seine Armut bisher tapfer getragen hatte und immer so freundlich und gut zu ihr gewesen war. Sie schüttelte sich im namenlosen Grauen. Sott im Himmel n-tn, bas barf nicht sein. Sie mußte selbst zu ihm. War ein junges blühendes Menschenleben nicht wert, baß man sich einmal über die gesellige Form hinwegsetzte. Und es wurde ja schon bunte!, man würde sie nicht sehen, wenn sie in sein Haus schlüpfte. Und er würde ihr sein Ehrenwort geben, niemand etwas von ihrem Besuch zu oerrraten. Ach — w"zu überhaupt so kleinliche Bedenken — wie ein Verbrechen würde es ihr erscheinen, wollte sie barüber ein Menschenleben zu Grunde gehen lassen. Vorwärts also — und schnell, sonst war es doch schließlich noch ;u spät.
Entschlossen machte sie sich nun von neuem auf den Weg. Bührens Wohnung war zum Glück nicht weit entfernt. Sie befand sich in einer stillen Querstraße. Viel Menschen begegneten ihr nicht und es war schon so dunkel, daß man niemand erkennen konnte. Gerade, als sie Bührens Wohnung erreicht hatte, sah sie, daß die Straßenlaternen angezündet wurden. Mit einem bangen Blick an bet schlichten Fassade hinaus trat sie in d s Haus. Zwei Fenster im ersten Stock waren erleuchtet gewesen. Ob das Bührens Zimmerfenster waren?
Mit stürmisch klopfendem Herzen stieg sie die Treppe empor. An einer Tür im ersten Stock fand fie Bührens Namen. Sie preßte die Hände gegen die Brust, als wollte fie den Aufruhr darinnen beschwich- tigen. Dann zog fie tapfer entschlossen die Klingel. Run, stand fie lauschend. Aber es wurde ihr nicht aufgetan. Eie erzitterte. War es schon zu spät — lag schon ein Toter da drinnen? Die Angst schnürte ihr die Kehle zusammen. Eie riß verzweifelt noch einmal an bet Klingt. Und da hörte fie dttnnen
eine Tür gehen, vernahm einen langsamen, zögern- den Schritt — die Tüt wurde geöffnet. Im Halbdunkel erkannte fie nicht, wer vor ihr stand.
,Letr von Bühren?" frag fie leise.
Er war es selbst. M°t einem Ruck öffnete er die Tür zu dem Zimmer, welches er eben verlassen hatte, das Licht der Lampe fiel hell auf ihr Gesicht. Er erschrak.
„Gnädiges Fräulein — Sie?". frag er erstaunt, bestürzt. Et vergaß, zurückzutreten, tim ihr den Eintritt freizugeben.
„Bitte, lassen Sie mich eintreten, ich habe Wichtiges mit Ihnen zu besprechen," sagte sie, froh auf« atmend, daß fie ihn lebend vor sich sah.
„Pardon," sagte er und l ß sie an sich vober ins Zimmer treten. Sie selbst zog die Tüt hinter stch M.
Erst jetzt, als fie das maßlose Erstaunen tn seinem Gesicht sah, kam ihr das Peinliche dieser Situation zum Bewußtsein. Sie »chloß einen Augenblick die Lider wie ein furchtsames Kind und lehnte sich ermattet an den Türpfosten. Et schüttelte seine eigene furchtbare Stimmung ab und schob ihr trtig einen Stuhl hin.
„Bitte, nehmen Sie Platz, gnädiges Fräulein, und entschuldigen Sie, daß ich Sie warten ließ. Ich habe meinen Burschen für heute beurlaubt und wollte erst nicht öffnen. Ich konnte ja nicht ahnen, daß Sie Einlaß begehrten. Es kann ja nur etwas ganz Ungewöhnliches sein, was Sie r mit führt."
Sie ließ sich in den Stuhl gleiten und sah statt auf ein schwarzes Kästchen, bas halb verdeckt von Papieren auf dem Schreibtisch sta'td. Der Lauf einet Pistole blitzte im Lampenlicht auf. Eie schüttelte sich wie im Frost und biß die Zähne zusammen. Er war ihrem Blick gefolgt : nb schob halb unwillkürlich bie Papiere vollends übet ben Pistolen- kästen.
Sie sah ihn an unb faßt« sich mühsam.
(Fortsetzung folgt.)