mit dem Kreisblatt
für die Kreise Marburg und Kirchhain
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1911.
das
(Nachdruck verboten.)
2.i
war halt immer ein „Gemütsmensch"."
Viel schlimmer erscheint uns freilich rühmlichst bekannte
„Berliner Tageblatt",
vor allem auch, weil es im Auslande am meisten verbreitet ist und daher im wesentlichen dazu dient, über die wirklichen deutschen Verhältnisse völlig falsche Vorstellungen zu erwecken. Dies in deutschen Lettern gedruckte Blatt brachte kürzlich einen Artikel, in dem es heißt: „Wenn auch diesmal wieder das allgemeine Mißvergnügen noch mehr uns als den Franzosen gilt, so ist weniger als je die Streitfrage selbst daran schuld, denn niemand leugnet, daß Frankreich die Algecirasakte allzu ungeniert verletzt. Ganz wie in jedem ähnlichen Fall tritt eben
ist sehr stark in ihrem Herzen ausgeprägt. Du sollst nur hören, wie fie von Eroßtanting spricht."
„Natürlich — die hat fie auch verwöhnt und verhätschelt, mit Schmuck behängt, ihr ein Vermögen vermacht, was von Rechts wegen euch zukam. Da ist es freilich kein Kunststück, dankbar zu sein."
Ernst biß fich auf die Lippen, um die schaffen Worte zurückzudrängen, die der Mutter Verhalten tadeln wollten. Er dachte an Bettinas Bitte und bezwang fich.
„Sie ist auch um kleines dankbar, Mutter. Hättest sie nur sehen sollen, wie dankbar sie mir war, daß ich sie ins Freie geführt hatte. Nicht wahr, du bist im Gründe gar nicht so bös? Stellst dich nur so. Sei gut, Mutter, und erlaube, daß ich Bettina jeden Tag ein Stündchen mit hinausnehme in den Wald."
Er hatte sebr warm und herzlich gesprochen. Seine Mutter sah ihn plötzlich sehr scharf und nnß- ttauisch an.
„Wie kommst du dazu, dich zu ihrem Ritter aufzuwerfen? Was geht dich Bettina an?"
Er merkte sofort ihre mißtrauische Unruh« und nahm einen leichten Ton an.
„Ich hab' Eroßtanting versprochen, mich ihrer anzunehmen und du wirst mir doch helfen, mein Wort zu halten."
Frau Adolphine zuckt« ärgerlich die Schultern.
„Tante Emma hat einen idealen Schwärmer aus dir gemacht, wie sie selbst bis zu ihrem Tod« eine sehr sentimentale Person war. Aber was ihrem altjüngferlichen Wesen hingehen mochte, ist bei einem Manne nicht am Platze. Mach du nun nicht auch noch solch ein Aufhebens mit Bettina. Ihr ist viel gesünder, wenn sie ein wenig rauh angefaßt wird. Sie kann ja nicht immer bei uns im Hause bleiben.
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Die Aßmarrns.
Roman von Eourths-Mahler.
k Fortsetzung.)
Als sie verschwunden war, wandte er fich seiner Mutter zu, die ihm ärgerlich in das Gesicht blickte.
„Was soll das heißen, Ernst?"
„Zuerst will ich dir sagen, daß ich es war, der Bettina zu diesem Spaziergang verleitete."
„Wie kommst du dazu?"
„Run — eigentlich müßte es keiner besonderen Veranlafiung bedürfen, aber ich kann dir ja sagen, daß ich Bettina sehr blaß aussehend find«. So ein junges Mädchen braucht doch frische Lust zum Gedeihen. Seit Eroßtantings Tod ist fie nur aus dem Hause gekommen, wenn sie Besorgungen für dich zu machen hatte. Zank doch nicht immer mit ihr, Mutter. Wenn du zu ihr sprichst, geschieht es nur in diesem harten, scheltenden Tone."
„Der ist sehr gesund. Sie ist ohnedies von Tante Emma viel zu sehr verwöhnt worden und es ist kein Wunder, wenn fie sich wie eine Prinzessin aufspielt."
„Davon habe ich nie etwas gemerkt, Mutter. Bettina ist so still und bescheiden und nimmt es stets ruhig hin, wenn du fie ausschiltst. Sei doch ein bißchen gut zu ihr, Mutter — fie würde dir dankbar sein."
Frau Adolphpine lachte brüsk.
„Dankbar — dankbar! Dies Wort existiert wohl kaum in ihrem Sprachschatz, sonst würde fie schon Gebrauch davon gemacht haben."
„Da irrst du, Mutter. Wenn fe auch das Wott nicht im Munde führt — das Gefühl der Dankbarkeit
Marburg
Dienstag, 5. September
E. C." übet Cartwright selbst mitteilen kann. Sein Vater, William Cornwallis Cartwright, ist ein englischer Gutsbesitzer, der in zweiter Ehe, der der Botschafter entstammt, die deutsche Gouvernante seiner Kinder, Klementine Gaul, heiratete. Und seine Großeltern waren Sir Thomas Cartwright, der 1850 als britischer Gesandter am schwedischen Hof starb, und die Gräfin Marie von Sandizell, eine Tochter des Oberst-Hofmeisters des Königs Maximilian II. von Bayern! Erbliche Belastung mit „Eer- manophobie" könnte Sir Fairfax Cartwright also nicht als mildernden Umstand für sich in Anspruch nehmen.
Eine besondere Beachtung verdient auch das Verhalten derjenigen Deutschen rosa und roter Färbung, die auch in den jetzigen ernsten Tagen dem deutschen Reiche in den Rücken zu fallen beließen. Der „Vorwärts" z. B. sieht ausgerechnet jetzt die Gelegenheit gekommen zu dem Rufe: „Rieder mit der Kriegshetze, nieder mit dem volksaussaugenden Rüstungswahnsinn, freie Bahn für den friedlichen Wettbewerb der Ra- tio.-.en auf wirtschaftlichem Gebiete, freie Bahn für den wirklichen Kulturfortschritt! Hoch die internationale Böllersolidarität!*
Für diesen Blödsinn, der in der gestrigen sozialdemokratischen Versammlung einen Widerhall fand, kann man freilich nur ein Lachen übrig haben. Treffend führt ihn die „Germania" ab: „Der „Vorwärts" leidet an einer chronischen Humorlosigkeit. Und er hat das persönliche Pech, daß sie just dann sich glänzend bewahrt, wenn er die großartigste, die heroischste Pose einnehmen will. So wandelt er jetzt im weißen Gewand des Friedensapostels würdevoll einher, und die einzigen Augenblicke, in denen sich seine wahre Natur offenbart, sind die freilich zahlreichen Momente, in denen er, der „Friedfertige", die bürgerlichen Parteien Deutschlands begeifert. Er ist eben ein solch enragierter „Friedensfreund", daß et am liebsten allen denen, die zwar auch für den Frieden, aber für einen ehrenvollen Frieden sind, sofort den Schädel einschlagen möchte. Der „Vorwärts"
auch diesmal bei den vorwärtssttebenden Völkern die Antipathie gegen ein Staatswesen hervor, das den demokratischen Ideen den Weg zu versperren sucht und inmitten eines längst modernisierten Europa seinen bureaukratischen, polizeilichen und kr autju nker lichen Charakter wahrt. Schmeichler und Ausbeuter des gegenwärtigen Regimes lügen dem deutschen Spießbürger vor, die anderen Völker neideten ihm nur die Macht, und ihr Groll sei nichts als Eifersucht, aber man könnte wohl fragen, warum denn die gleiche Abneigung nicht das machtlüsterne und rücksichtslose England trifft. Rein, die Völker Europas vereinigen sich bei solchen Gelegenheiten nicht nut deshalb gegen Deutschland, weil seine Macht so fürchterlich erscheint. Sie finden sich zusammen, weil das preußisch-deutsche Regime mit seiner Bevormundung und seiner Streberzüchtung all ihren Anschauungen und Empfindungen widerspricht."
Dor „D. Tagesztg.", die diese Leistung unter den Stichworten „Unwürdig und unverfroren" nichtiger hängte, gingen mehrere Zuschriften auch aus Kreff : zu, die der „D. Tagesztg." ferner stehen. In einer Zuschrift des Herrn Rechtsanwalt Fraenkl heißt es sehr treffend: „Auch derjenige, der nicht auf das konservative Programm eingeschworen ist und sich nicht zu jedem der von Ihnen gebrauchten Ausdrücke zu bekennen vermag, darf Sie seiner Zustimmung zu der Gesinnung und Tendenz Ihres Artikels versichern. Es ist in der Tat eine ungeheuerliche Leistung einer sich deutsch nennenden Zeitung, in einem so kritischen Augenblick das eigene Nest zu beschmutzen und sich zu unterfangen, eine „Abneigung" der fremden Staaten gegen das eigene Vaterland verständlich zu finden?"
In der Tat, wenn das deutsche Volk in der auswärtigen Politik vorwärts kommen will, ist es eine Hauptsache, diese Politiker, die aus innerpolitischen Gründen ihre Hauptaufgabe in dem Beschmutzen des eigenen Nestes sehen, von sich abzufchütteln. Sie schädigen uns fortgesetzt aufs schwerste.
Die Lane.
Paris, 2. Sept. Die „Agence Havas" meldet unterm 31. August aus Fez: Moinier langte hier mit einet Eskorte von 2500 Mann an. Et bricht nach Sefrou auf, wo er eine fchetifische Garnison aufstellt.
Paris, 2. Sept. Ministerpräsident Cail- laux hatte heute vormittag mit dem Kolonial- ministet eine Besprechung.
S a n S e b a st i a n, 2. Sept. Der Minister des Aenßern konferierte heute mit dem französischen und englischen Botschafter.
Di« Spanier in Marokko.
M a d r i d, 2. Sept. Eine offiziöse Note be-
Die Marokko-Verhandlungen.
Aus der Unterredung zwischen Herrn Carn- hon und v. Kidetlen ist am Samstag nichts geworden, weil Herr Cambon unpäßlich sei. Nach einet anderen Meldung des „Matin" wollten die Franzosen nicht gerade am 2. September, diesem Unglückstag, beginnen. Die
erste Verhandlung
finbet demnach am heutigen Montag statt. Daß man von deutscher Seite nicht an einen Landerwerb in Marokko selbst gedacht habe, bestätigt die „Köln. Ztg.": Unsere Diplomatie habe niemals diesen Gedanken verfolgt. Das Erscheinen des deutschen Kriegsschiffes vor Agadir wurde durch das Bedürfnis veranlaßt, die bedrohten deutschen Staatsangehörigen im Sus zu schützen, es war kein Eingreifen in dem Sinne der Vorbereitung eines etwaigen Erwerbes von marokkanischem Gebiete. Es wird von den Bürgschaften abhängen, die Frankreich für die Wahrung der Gleichberechtigung in Marokko gibt, ob man zu einet Verständigung kommt. Cambon hat bisher auf dem Berliner Auswärtigen Amte noch nicht vorgesprochen. Der Pariser Korrespondent des „Journal de Genöve" glaubt mitteilen zu können, daß die nördliche Grenze des Gebietes von französisch Kongo, welches Frankreich abzutreten bereit fei, von Libreville bis zur Mündung des Shanghaflusies geht. Die östliche Grenze wird durch das Kongoufer und das Ufer des Ubanghi gebildet und reicht bis zu einem Punkte, der noch genauer festzustellen wäre, aber jedenfalls zwischen Jbenza und Lo- bai) zu suchen sei. Das hierdurch gekennzeichnete Gebiet stößt bei dem Kundeschnabel an Kamerun. Nördlich von Kunde wird Deutschland ein weiteres Dreieck erhalten. Derselbe Korrespondent bestätigt — angeblich auf Grund bester Informationen —, daß für den Fall, daß diese französischen Vorschläge von Deutschland als nicht hinreichend betrachtet würden, die Unter» Häufungen in Berlin ihr Ende fänden. Die französische Regierung würde dann an das Parlament appellieren ^md diesem einen genauen Bericht der Lage geben.
Dee Fall Eartwright
hat, wie die „N. E. Corr." mttzuteilen in der Lage ist, die deutsche Regierung inzwischen zu sehr ernsten Vorstellungen in London und Wien veranlaßt. Eine Sofortige Abberufung wäre im völkerrechtlichen Verkehr eine zu ungewöhnliche Sache. Jedenfalls dürfte das deutschfeindliche Treiben des Herrn Botschafters durch die Auslassung doch so grell beleuchtet sein, daß seine Stellung in Wien so wie so unmöglich ist. Einen Botschafter, der mit solcher zynischen Frechheit seine Pläne enthüllt und bei einem deutschen Bundesgenossen gegen Deutschland selbst zu Hetzen wagt, wird kaum eine Regierung an s^nem Platze lasten. Niedlich ist, was die„N.
(Eine glänzende Partie wird sie einmal nicht machen, bQv ist jo gut wie sicher. Und rornn wir alten ßeute sterben, oder verheiratet euch — da tann fich vieles ändern — dann ist ihr bester, :n fie nicht so verzärtelt ist." .
T>as mag sehr klug bedacht s tn, Mutter. Aber ich 'meine, ein bißchen Sonnenschein schadet keinem Menschen etwas. Und überdies — wenn ihr eure schützende Hand nicht mehr über Bettina halten könnt, dann bin ich ja auch noch da."
Wieder flog ihr Blick scharf und mißtrauisch zu ihm hinüber.
,T)u? Willst du fie vielleicht als Inventar mit in deine zukünftige Ehr nehmen?"
Er mußte lachen, der Schalk blitzte ihm aus den Augen. Wenn die Mutter geahnt hätte, wie er fich heut« seine „zukünftige Ehe" auszemalt hatte. Sie durfte vorläufig um keinen Preis davon wissen, schon Bettinas wegen. Er mußte fich unbefangen stellen.
„Warum denn nicht, Mutter?"
„Du bist unklug geworden, Ernst. Meinst du, eine junge Frau nimmt so ohne weiteres eine dritte Person mit in die Ehe?"
„Vielleicht doch. Wenn ich nun eine Frau finde, die fich gut mit Bettina versteht?"
Frau Adolphine dachte an Magda Wendheim und zuckte die Achseln.
„Ich bitt« dich, schlag dir so etwas aus d«m Sinn, dafür würde fich jede Frau bedanken."
„Aber warum? Eroßtanting war doch auch hier im Hause als du Baters Frau wurdest."
Seine Mutter lächelt« höhnisch.
„Glaubst du, dies wäre mir jo sehr erwünscht gewesen. Und Tante Emma war tvmetfrta fein junge» Mädchen."
und den Beilagen: «Rach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage
Tie „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Senn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vietteljährlich durch __ _ „ « die Post bezogen 2.25 <* (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen JWo und der Expedition (Markt 21) 2.00 <X frei in» HauS. (Für unver»
*'-* fangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei
Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 55.
treffend die Besetzung von Ifni besagt, daß ein« Konvention, nach der die marokkanische Regierung dieses Gebiet an Spanien übergeben müsse, bereits seit 50 Jahren bestehe, aber nicht zur Ausführung gekommen sei und daß sich die spanische Regierung seit 1908 bemühte, die Ausführung durchzusetzen. Spanien habe den Maghzen wisten lasten, daß es die Fortdauer dieses ungeklärten Zustandes nicht zulasten könne: es habe allerdings keine Prinzipienfrage bei den spanisch-marokkanischen Verhandlungen daraus gemacht. Bei den letzten Verhandlungen habe sich der Maghzen feierlich verpflichtet, die Konvention vor dem 1. Mai 1911 zur Ausführung zu bringen. Nachdem aber trotz wiederholter Vorstellungen der Maghzen vier Monat« habe verstreichen lasten und morgen der der marokkanischen Regierung bewilligte Aufschub zur Ernennung der Delegierten ablaufe, könne man dem Madrider Kabinett nicht vorwerfen, daß es vorschnell gehandelt oder keine Mäßigung gezeigt habe. Spanien habe im übrigen Frankreich in freundschaftlicher Weise hiervon verständigt. Die betreffende Bestimmung der Konvention von 1860 sei von dem spanisch-französischen Abkommen von 1904 ausdrücklich ausgenommen. Die Note stellt zum Schluß in Abrede, daß die spanischen Projekte wenig freundlichen Charatter gegen Frankreich erkennen ließen oder irgendwie mit dem französisch-deutschen Streit in Zusammenhang ständen.
Paris, 3. Sept. Die von Spanien geplante Besetzung Ifnis hat hier, wie in einer anscheinend offiziösen Mitteilung versichert wird, eine so große Verstimmung hervorgerufen, daß in gewissen Kreisen die Forderung laut w'rd, die französische Regierung möge den spa- nisty-französischen Marokko-Vertrag von 1904 kündigen und ihre Akttonsfreiheit Spanien gegenüber wieder aufnehmen. — Der „Temps" schreibt: Diese in ihrer Form unkorrekte Besetzung eines Punktes, der von den Spanier» selbst als wertlos angesehen wird, läßt sich nur dadurch erklären, daß die Spanier von eifersüchtiger Feindseligkeit gegen Frankreich erfüllt sind und in den Besitz eines Pfandes gelangen wollen. Man wird bald sehen, ob Spanien gut daran getan hat, ein solches Spiel zu spielen.
Paris, 2. Sept. Zn einer sichtlich offiziösen Zeitungsmitteilung wird erklärt: Die Nachricht, daß Spanien die Absicht hat, in einem so ungelegenen Augenblick Ifni, südlich von Agadir, zu besetzen, ist in Frankreich mit lebhafter Verstimmung ausgenommen worden. Das spanische Unternehmen wird in den verschiedensten Kreisen als eine unfreundliche Haltung angesehen, die in ernster Weise die Vorteile beeinträchtigen wird, welche die spanische Regierung aus den Verhandlungen ziehen konnte, die sie demnächst mit Frankreich anzuknüpfen wünscht. — Der „Figaro" schreibt: Während Frankreich in schwierigen Verhandlungen steckt,
„Wenn Bettina nun meine Schwester wäre? Fast ist es doch so. Meinst du nicht, daß sich meine junge Frau in spe ganz gut mit ihr vertragen würde, wenn sie wüßte, es geschähe mir ein Gefallen damit."
„Ach, laß die Phantastereien, dahin wird es ja gottlob nicht kommen. Wir haben Bettina bisher eine Heimat gegeben und werd es auch ferner tua, wenn fie sich so beträgt, als ich es von ihr erwarten kann. Und was die Spaziergänge anbetrifft — ja mag Bettina meinetwegen alle "age eine Stund« gehen — aber nicht mir dir — man würde darüber sprechen."
„Wer soll denn darüber spreo^_? Wir sind doch wie Geschwister — kein Mensch wird etwas dabet finden. Und ich hab's ihr einmal versprochen, daß ich mit ihr gehen will und werde mein Verspreche« halten. Uebrigens werden mir diese Spaziergänge auch sehr wohl tun, denn ich muß jetzt sehr angestrengt arbeiten. Um mir meine Zeit nicht zu zerreißen, gehe ich gleich nach Tisch mit ihr. Willst w aber ganz beruhigt sein, so schlag« ich dir vor, geh« mit uns. Sollst mal sehen, wie nett das wird.
Frau Adolphine machte «in sehr verdrießliche, Gesicht.
„Du weißt, daß ich nach Tisch an meinen Mittag» schlaf gewöhnt bin, wie Mn Vater auch. würde mir nicht bekommen, müßte ich daraus verzichten."
In Ernsts Augen zuckte der Schalk. Er hälfe dies:n Mittagsschlaf wohlweislich in Berechnung g» zogen.
„Ach richtig - verzeihe, daran dacht« ich at£ Schade! Aber natürlich geht betne Bequemlichfell vor. Du kannst ja auch ganz unbesorgt sein, es wirt niemand «infallen, fich darüber auszuhalten."
(Fortsetzung folgt)