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TieOberheffischr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Lenn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 '<X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expästtion (Markt 21) 2.00 <K frei ins Hau». (Für unver» langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. St. Koch (Inh.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Donnerstag, 31. August

46. Jahrg.

1911.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 40 Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder RabÄt gilt al» Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlich­keit für Platz-, Datenvorschrist und Belegliefcrung ausgeschlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 beS Postscheckamtes Frankfurt a. M.

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für den Monat September 1911 aus dieOberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi­tion (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, EbS- darf, Hachborn, Heskem-Mölln, Lei- denh"fen, Dreihausen, Wittelsberg, Elnhausen, Niederweimar, Nie» dcrwalgern, Damm. Lohra und G i s s e l b e r g sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern entgegengenommen.

Wenn mobil gemacht wird.

Wenn mobil gemacht wird, dann werde die Ge­sellschaft etwas erleben, bramabaf:rte lürzlich überall in ihren Versammlungen die Sozialdemokratie. Dies­mal laste man es nicht mehr, wie 1870, bei Worten bewenden. Die Sozialdemokratie werde vielmehr, um den Krieg zu verhindern, den politischen Masten­streik erklären und auf die Mittel der alten bürger­lichen Revolution zurückgreifen. Radikale und Revistonisten find in dieser Beziehung einig. In Berlin hat cs Ledebour, in Mannheim hat es Franck verkündet.

Für die Franzosen, deren Geschäfte damit wieder einmal diedeutsche" Sozialdemokratie besorgt, ist das ein gefundenes Fressen. Ihnen schwillt der Kamm nun noch einmal so sehr, da sie auf innere deutsche Wirren oder wenigstens die Angst davor bei unserer Regierung rechnen. Die französisch« Volkszahl erreicht noch nicht zwei Drittel der deutschen. Aber in Paris will man nun erst recht die ganze Welt für sich und für die Deutschen kein Fleckchen. Aber das grosse Publikum tobt, zu­nächst müsse Deutschland den Franzosen völlig freie Hand in Marokko lasten, so sehr freie Hand, dass auch die Idee eines deutschen Einspruches i;n« möglich sei, wenn es Frankreich beispielsweise be­liebe, das ganze Scherifenreich einfach zu annektieren. Damit wäre natürlich dieoffene Tür" zugeklappt, unser Handel erledigt. Die deutsche Industrie ver­löre ein schon jetzt bedeutendes und überdies sehr zu­kunftsreiches Gebiet, und die deutschen Arbeiter könnten sich bei den Herren Ledebour und Franck für die Verringerung der Arbeitsgelegenheit bedanken.

Wenn mobil gemacht wird, verläuft die Sache bei uns zum Glück aber ganz anders, als die Sozial­demokratie dreht und als Frankreich es erhofft. Dann hat nämlich das Militär das Wort. Zunächst werden alle waffenfähigen Bürger auch die roten Heerscharen etugezogen, und wer sich etwa drücken wollte, der ist im nächsten Moment doch gefasst. Zweitens wnd allen Schreiern mit Blitzgeschwindig­keit Ruhe beigebracht, und ebenso können alleZahl­stellen" und sonstigen Stelldichein« im Handumdrehen geschlossen sein, ein Posten unter Gewehr davor. Alle öffentlichen Gebäude sind besetzt. Di« Eisen-

)' (Nachdruck verboten.)

Die Aßrnauns.

Roman von Eourths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Durch Bühren hatte er auch seine Eltern benach­richtigen lassen, dass Bettina Botschaft geschickt hatte und dass er nach Hause gehe und sie bald erwarte. Frau Adolphine war sehr ärgerlich. Muhte ihnen gerade dieses Fest gestört werden, von dem sie viel erwartet hatte. Diese Bettina war ein zu törichtes Geschöpf, sie alle zu alarmieren. Wenn Tante Emma wirklich wieder eine ihrer Ohnmächten hatte das ging doch vorüber. Und wenn nicht dann hätte man es bei der Heimkehr noch früh genug er­fahren. Am liebsten wäre sie geblieben, aber Peter Assmann sah ihr so c'nst und dringend in die Augen, dass sie keinen Widerspruch wagte, als er den Wagen zur Heimfahrt bestellte.

Aber Georg streikt- entschieden. Er amüsierte sich gerade ausgezeich «et und hatte keine Lust, sein Ver­gnügen ohne triftigen Grund zu unterbrechen. Wenn es unbedingt sein muß, daß ich heimkomm«, dann kannst du ja nach mir schicken. Ich komme dann immer noch früh genug. Helfen kann ich ja doch nicht," sagte er gemütsruhig zu seiner Mutter.

Was lag ihm an dem Leben der alten Dame sic galt ihm nichts er hatte ni- etwas für sie emp­funden.

Seine Eltern trafen mit dem Arzt zu gleicher Zeit ein. Dieser konnte nur den eingetretenen Tod konstatieren und cnt'ernte sich bald wieder. Peter Assmann stand schmerzlich erschüttert an Erosstantings Leiche. Es tat ihm herzlich leid, dass er zu spät ge­kommen war, einen letzten Gruß mit Tante Emma zu tauschen. Bettina mußte ihm über die letzte Stunde berichien. Sie tat es mit bebender Stimme nb verweinten Augen. Alle waren fassungslos ob- I wohl man das Ende hatte kommen sehen. Nm Frau

bahn hat vom zweiten Mobilmachungstage an Militärfahrplan und ist von Soldaten bewacht. Werden in Zeitungen oder Flugblättern Aufrufe zum politischen Massenstreik und zur Verweigerung der Dienstpflicht veröffentlicht, so kommen Urheber und Verbreiter wegen Hochverrats unter Umständen nicht einmal vor üas bürgerliche, sondern vor das Kriegs­gericht.

Im übrigen vergißt di« Sozialdemokratie ganz das deutsche Volk, das in wirklichen Nöten bisher stets einig war. Wir würden keinem raten, allzu auffällig zu werden, wenn erst die Begeisterung patriotisch gepackt hat.

Das ist übrigens auch eine Sorge unserer Demo­kraten. Mit bemerkenswerter Offenheit beschäftigt sich dieFrkf. Ztg." mit dem eventuellen Widerstand des Volkes gegen die Mobilmachung. Natürlich ist es ihr unangenehm, daß dieKriesgefahr der Will­kür und Ungeschicklichkeit einzelner Personen nicht völlig entrückt ist und daß unter Umständen auch im zwanzigsten Jahrhundert noch ein Dutzend Personen in der Lage sind, einen Weltkrieg heraufzubeschwören." Komisch, die Entscheidung werden doch in Republiken auch immer Einzelne fällen müssen.

Dem Blatte ist aber dann die offene Drohung der Sozialdemokraten höchst un. igenehm. Sie mahnt gütig zur Besonnenheit. Die Frage dürfenur mit größter Besonnenheit aus dem Bereich der rein theoretischen Erörterung hinausgerückt werden, wenn nicht unter Umständen unendlicher Schaden ange­richtet werden soll."

Weshalb? Nun der Angelpunkt für ihre Ansicht liegt wieder wie für jeden Demokraten in der inner­politischen Situation, die darf durch patriotische Reg­ungen nichtverpfuscht" werden. Das Blatt schreibt wörtlich:Es könnt« ein allzu heftiges Vorgeben, das ja gewiß durch die Hetze der Alldeutschen provoziert wäre, als Reaktion leicyt eine chauvinistische Massen­stimmung wecken und so die innerpolitische Situation verpfuschen."

Für diese Offenheit darf man dem demokratischen Blatte durchaus dankbar sein. Rur keine patrioti­schen Aufwallungen und Gefühle! Das muß alles richtigbehandelt" werden.

Wir glauben, daß jede derartige Diskussion un­fruchtbar ist. Das deutsche Volk wird sich von den internationalen Drahtziehern jeder Eouleur nicht gängeln lasten. Kriege werden heute nicht mehr von einzelnen Leuten gemacht. Sie werden immer nur geführt werden um die nationale Ehre und um nationaler Interessen willen. Dann aber wird das ganze deutsche Volk hinter seiner Regierung stehen und dann klappt alles, trotz Ledebou-, Frank und der frommen Wünsche derFranks. Zeitung".

Die Situation.

Die Marokkoverhandluugen.

Zu den Marokkoverhandlungen wird jetzt ge­meldet, daß die Regierung eine feste Haltung einnimmt: die Franzosen haben es mit ihrem Preßklüngel glücklich fertiggebracht, daß es schien, als ob sie an uns allerhand Forderungen

Adolphine bewahrte ihre kühle Ruhe und erledigte klar und bestimmt, was in solchen Fällen nötig ist. Sie sandte nun auch nach Georg. Es ging doch nicht, dass er länger auf dem Balle blieb. Aber är­gerlich, sehr ärgerlich war es ihr, daß Tante Emma gerade heute sterben mußte, gerade jetzt, da ihr so viel daran gelegen war. auf dem Balle zu bleiben. Für sie war Großtantings Tod nichts als eine vor­übergehende Verdriesslichkeit wegen der damit ver­bundenen Rücksichten. Zugleich --rupfend sie aber auch ein Gefühl heimlicher Befreiung, denn sie wusste, Großtanting war mit ihren klugen Augen bis in ihr innerstes Wesen eingedrungen und hatte sie besser gekannt als sonst ein Mensch. Und wenn sie auch nie kritisiert hatte, Adolphine hatte stets ganz genau gewußt, wenn Großtanting ihr Tun und Lassen miß­billigt hatte. Das war ihr immer unbehaglich ge­wesen.

»

Die Maiensonne fiel zum Fenster herein und hüllte Bettinas schwarzgekleidete Gestalt in helles Licht. Doppelt ernst und düster wirkte das Trauer­gewand gegen das goldschimmernde Haar und zart­gerötete Gesicht des jungen Mädchens.

Bettina besserte Wäsche aus. Vor ihr lag eia kleiner Berg solcher Arbeit. Ihre schlanken Finger schafften emsig und unermüdlich. Sie sah aber sehr traurig und betrübt aus. Noch hatte sie den schmerz­lichen Verlust, der sie betroffen, nicht verwunden. Zuweilen blickte -ie seufzend in den lachenden Früh­lingstag hinaus . Sie wäre so gern einmal wieder in den Stadtwald gegangen, dessen Bäume zartgrün über den Fluß herüberschimmerten. Aber Tante Adolphine versorgt« sie imm«r sehr reichlich mit Ar­beit, und Bettina kam nur aus dem Hause, wenn sie Besorgungen in der Stadt zu machen hatte.

Es war alles so ganz anders geworden seit Groß- tantings Tod.

Sie versenkt« ihr« Gedanken, wie so oft, in die schöne Zeit, da sie zu den Füßen ihrer liebevollen

zu stellen hatten. Frankreich nimmt sich sans fa$on das schönste Kolonialreich, durchbricht die Algecirasakte ohne Eewissensskrupel und glaubt sich in Marokko einige Armeekorps mehr gegen Deutschland zu sichern. Deutschland erhebt in aller Form rechtens Einspruch, indem es für den Schutz seiner Untertanen in Marokko selbst sor­gen will. Bei dem internationalen Preß- klüngel, zu dem leider auch rote und rosarote Blätter unsres Vaterlandes zu gehören scheinen, heißt es,Deutschland, nicht etwa Frankreich, treibe eine Gewaltpolitik, die Panzerplattenpatrioten" schüren das Feuer usw." Leider schien es einige Zeit, als ob die Regierung aus Furcht vor den internationalen Phrasen eine weniger klare Stellung einnehme, jetzt scheint das anders geworden zu sein, wie folgende Aeutzerung derBraunschweigischen Landeszeitung" zeigt:

In den marokkanischen Verhandlungen ist die Situation für Deutschland nach Erkundigung an hervorragender Stelle gegenwärtig folgende: Die neuen französischen Vorschläge sind bis heute in Berlin unbekannt. Falls dieselben Deutsch­lands Bedingungen wider Erwarten nicht er­füllen, hält Deutschland sich an den Vertrag von Algeciras für nicht mehr gebunden und geht unter Verstärkung seiner Kriegsschiffe in den marokkanischen Häfen selbständig zu Maß­nahmen in Südmarokko vor."

B e r l i n, 29. Aug. Staatssekretär v. Kider- len-Wächter ist heute vormittag in Berlin ein- getroffen.

Paris, 29. Aug. Der Botschafter Eambon, der sich morgen nach Berlin zurückbegibt, wird vor seiner Abreise noch eine Besprechung mit dem Ministerpräsidenten Eaillaux haben. Im Laufe einer Unterredung, die der Botschafter gestern mit dem Minister de Selves hatte, er­hielt er die Weisungen betreffs der zu Ende dieser Woche in Berlin wieder aufzunehmenden Verhandlungen. DerMatin" erklärt gegen­über anderslautenden Meldungen, daß diese Weisungen nicht schriftlich erteilt worden sind.

Man glaubt's nicht.

Der englische Botschafter hat wenig Glück. In der gesamten Presse lacht man über die ge­wundene Erklärung, die niemand glaubt. Die Reue Freie Presie" selbst schreibt:

Der Einsender des Artikels ist ein Publi­zist, dessen Zuverlässigkeit, Ehrenhaftigkeit und Gewissenhaftigkeit nicht bloß in journalistischen, sondern auch in diplomatischen Kreisen allge­mein bekannt ist und dessen Ruf den leisesten Zweifel an irgendeinen, wie immer gearteten Mißbrauch ausschließt. Die Redaktion der

gütigen Schüheriii sitzen und alles vom Herzen heruntersagen konnte, was sie drückte. Jetzt konnte sie zu niemand von dem reden, wa ihr Herz bewegte. Tante Adolphine war ihr gegenüber fast noch stren­ger und härter geworden. ' ie war außer sich ge­wesen, daß Großtanting Bettina fünfnndzwanzig- tausend Mark vermacht hatte, und verlangte allen Ernstes, daß ihr Mann das Testament anfechten sollte, Bettina habe sich das Erbe durch allerlei Schmeicheleien erschlichen. Als sie dann hörte, daß Peter gan j genau gewußt hatte, was das Testament enthielt, und daß er nur voll und ganz billigen könnte, daß Tante Emma der armen Waise für ihre aufopfernde Pflege einen kleinen Teil ihres Ver­mögens vermacht hatte, war sie einfach fassungslos.

Du bedenkst wohl nicht, daß dieses Geld unseren Söhnen entzogen wurde, Peter?"

^.Doch, das bedenk' ich wohl, Adolphine. Es macht für jeden nur zwölfeinhalbtaufend Mark, ich denk«, das können sie beide leichten Herzens verschmerzen. Es bleibt ihnen auch so noch ge..ug. Ich hoffe, ihr denkt wie ich," wandte er sich an seine Söhne, die die­ser Unterredung beiwohnten.

Georg zog einen schiefen Mund.

Ra ich hätte mb ja ein Automobil dafür leisten können," sagte er mit einem Versuch zu scherzen. Es klang aber auch etwas Aerger mit durch. Ernst sah ihn groß und flammend an.

Ich bin ganz und gar Vaters Ansicht. Mir wär« es ebenso recht gewesen, wenn Großtanting die Summe für Bettina verdoppelt hättd."

Adolphine lachte hart auf.

Ihr seid ideale Schwärme^. Mit euch ist nicht vernünftig zu reden," sagte sie ärgerlich und ging hinaus.

Bettina gegenüber ließ sie aber deutlich genug ihr Missfallen über di« zugefallene Erbschaft durch­blicken.

Das junge Mädchen war ganz fassungslos ge­wesen, als es davon erfuhr und al« ihr Onkel Peter,

Reuen Freien Presse" kennt auch den Name» desenglischen Diplomaten in wichtiger Stel­lung". Die Redaktion wird aber ohne Rücksicht auf die vorliegenden Erklärungen das Geheim­nis der Persönlichkeiten, die sich ihr anvertraut, nicht preisgeben."

Dazu schreibt diePost":

DieReue Freie Presse" hat wohl alle Ver­anlassung, den Schuldigen zu verschweigen. Es ist geradezu lächerlich von ihr, der Mitwelt über die Mittelsperson große Erzählungen über dessen Ehrenhaftigkeit zu machen. Die ganze Art, wie die Sache behandelt wird, zeigt aufs deutlichste, daß Eartwright hinter der Geschichte steckt."

Die WienerArbeiterzeitung" bespricht die Haltung der Alldeutschen zur Regierung in Ma­rokkofrage und sagt:

In diesem Zusammenhänge gewinnen die unglaublichen Auslassungen Cartwrights in der Neuen Freien Presse" besondere Bedeutung. Eartwright wollte Minen legen, und dieNeue Freie Presse" bot freundlich Platz dazu. Ob er es war? Er dementiert so, daß er es viel­mehr bestätigt. DieNeue Freie Presse" gibt ihn unter Redensarten über das Redaktions­geheimnis zwischen den Zeilen preis."

DieGermania" wendet sich voll Zorn gegen die kapitalistischeNeue Freie Presse", der sie, für jeden Kenner der Verhältnisse nicht zweifel­haft, versteckte intensive Feindschaft gegen Deutschland zuschreibt. Daß das Blatt eine große Bedeutung hat,bleibt eines der trau­rigsten Kapitel der Geschichte Oesterreichs und der Geschichte seiner Bureaukratie. Wie die Wanzen in gewissen alten Wiener Häusern, so hat sich dieN. Fr. Pr." in jedem Ministerium, in jedem öffentlichen Amte, in jeder Botschaft eingenistet und ist nicht auszutreiben, so lange man sich nicht zu sehr energischen Maßregeln entschließt."

DieDossische Zeitung" läßt in ihren Spal­ten H. Friedjung (Wien) zu Worte kommen:

Es gibt also jetzt eine neue Gattung von journalistischen Angriffen: neben den Brand­artikel ist dank dem kühnen Vorstoß des eng­lischen Botschafters in Wien, Eartwright, das Brandinterview getreten. Seine Wirkung ist auch in den politischen Kreisen Oesterreichs nach­haltig, und es ist so gut wie ausgemacht, daß im österreichischen Abgeordnetenhause die Anfrage gestellt werden wird, ob es nicht dem diplomati­schen Brauche widerspreche, wenn der bei Kaiser Franz Josef beglaubigte Vertreter die Politik seines Bundesgenossen, des Deutschen Kaisers, verhöhnt und gegen sie den Vorwurf fortgesetzter Provokationen erhebt. Es gibt im Parlament und in den Delegationen noch Anhänger des

wie es die Verstorbene gewünscht hatte, in einem eisernen Kaffettchen die fünfundzwanzigtausend Mark überreichte und ihr den Gebrauch der Zins­kupons erklärte, die den Wertpapieren bei gefügt waren. Sie wußte nicht, ob sie sich darüber freuen sollte, und Frau Adolphines Verhalten überzeugte sie fast, daß ihr dos viele Geld nur mit Unrecht gehörte. Erst Ernsts Ermahnungen, Großtantings Fürsorge für si« mit frohem Herzen anerkennen und sich durch nichts in dem Glauben irre machen zu lassen, daß ihr Großtanting dies Geld mit dem Recht ihrer Liebe hinterlassen hatte, machte st« ruhiger.

Großtanting hatte ausdrücklich bestimmt, daß Bettina das Geld in sicheren Papieren sofort ausbe­zahlt bekommen sollte und daß es zu ihrer freien Verfügung stand. Niemand sollte ihr dreinzureden haben. Das hatte die alte Dame so ingeorbnet, weil st« Bettina einigermaßen unabhängig von Adolphine machen wollte.

Das junge Mädchen hatte die eisern« Kasett« mit heiliger Scheu in ihren Schrank geschlossen, und wenn sie abends allein in ihrem Zimmer war. dann strich si« wohl leise darüber hin mit den Händen al« wäre es ein Teil der geliebten Verstorbenen.

Mit Ernst kam Bettina fetjr _menig zusammen, nun sie sich in Großtantings Stübchen nicht mehr zum Dämmerplausch zusammengefunden. Nur bet Tisch sahen sie sich und zuweilen im Vorübergehen. Manchmal kam Ernst zu Tisch gar nicht nach Hause, denn et hatte sehr viel zu tun. Immer neue Auf. träge erhielt er. Seine Entwürfe waren so ganz eigenartig und künstlerisch vollendet, dabei ptakttsch leicht durchführbar, daß jeder, der zu bauen hatte, zuerst zu ihm kam. Er mußte Hilfskräfte engagieren, obwohl er eine ganze Menge Arbeiten zurückwets«» mußte. Dazu nahm ihn der Theaterbau stark t» Anspruch, und nach Berlin mußte er febe Woche ein­mal fok-ren.

(Fortsetzung folgte