„Gern, Eroßtanting, wenn es dich nicht anstrengt."
„Gewiß nicht. Nur «in Lied möchte ich höre» — du weißt — mein Lieblingslied."
Bettina küßte liebevoll den weißen Scheitel und ging hinaus. Die alte Dame sah ihr nach und lauschte in stiller Andacht, als die präludierenden Töne an ihr Ohr klangen. Und dann fiel Bettinas Stimme ein mit warmen Herzenstönen:
Es ist still geworden,
Verrauscht des Abends Wehn, Nun hört man aller Orten Der Engel ftüfce gehn.
Rings in die Tale senket
Sich Finsternis mit Macht: —
Wirf ab, Herz, was dich kränket
Und was dir bange macht!
Es ruht die Welt im Schweigen,
Tosen ist vorbei,
Stumm ihrer Freude Reigen
Und stumm ihr Schmerzensschrei
Hat Rosen ste geschenket, Hat Dornen st« gebracht: Wirf ab, Herz, was dich kränket Und was dir bange macht!
Nun stehn im Himmelkreis«
Die Stern' in Majestät, In gleichem, festem Gleise Der goldne Wagen geht. Und gleich den Sternen lenket Er deinen Weg durch Rächt: Wirf ab, Herz, was dich kränket Und was dir bang« macht! — —
Das Lied war verklungen. Bettina kam still wieder herüber und setzte sich neben Eroßtanting t*
einen Stuhl. Die alte Dame sah wie verklärt hinaus in das Mondlicht.
„Wirf ab, Herz, was dich kränket und was dir bange macht!" sagte ste leise vor sich hin.
Bettina faßt« ihre Hand und streichelte ste.
„Willst du noch ein Stündchen hier liegen. Bon meinem Bett aus kann ich den Mond nicht sehen. Und er ist so schön heute abend "
„Soll ich dir vorlesen, Eroßtanting?"
„Nein, Kind. Bleib nur so still bei mir sttzen. Laß mir deine Hand. Sie ist so warm."
„Ist dir kalt, Liebe, Gute?"
„Nein, nein."
So saßen ste still beieinander und sahen in das Mondlicht hinaus. Eroßtanting schloß aber nach einer Weile müde die Augen.
Bettina wurde das Herz schwer. Wie lange würde ste diese liebe Hand noch in der ihren halten dürfen? Bor ihrem geistigen Auge zog alles vorüber, was ihr die alte Dam« Liebes und Gutes erwiesen hatte. Ach — es war so viel, so viel, nie konnte ste es ihr genug danken, nie. Wie zart und liebevoll hatte ste ihr bedrücktes Gemüt aufgerichtet, damals, als ste hier ins Haus kam. Wie fein und taktvoll hatte ste ihre Stellung im Hause gebestert und ste gegen Tante Adolphines Härte in Schutz genommen. Welche' unermeßlichen Schätze für Geist und Gemüt hatte sie in ihr aufgesammelt und damit ihrem Leben einen höheren Wert gegeben. Was wäre ste heute, hält« Eroßtanting sie nicht liebevoll an ihr Herz genommen?
Zn ihre Gedanken hinein tönte ein schwerer Seufzer aus Eroßtantings Brust. Bettina fuhr zusammen und sah sie an. Die alte Dam« hatte di« Augen aufgeschlagen und versuchte sich aufzurichten.
„Ich habe Durst, Betttna — gib — mir zu trinken." (Fortsetzung folgt)
AechW Mtmg
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den BeUagen. „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
Jti 202
ver-
ner Süd-Marokko ein für Deutschland stimmtes handelspolitisches Reservat bleibt drittens die territoriale Entschädigung in angedeuteten Umfange geleistet wird."
restlosen Erledigung kommen. Die politische Vormachtstellung, die Frankreich sich durch seine militärischen Operationen gesichert hat, wird Deutschland anerkennen, wenn einmal, wie schon dargelegt wurde, die freie Ausübung des deutschen Handels in Marokko garantiert wird, fer-
uns natürlich keinen Eindruck machen. Unter der lleberschrift: „Fest bleiben!
be- und dem
wenig zu furchten. Die sechs Panzerschiffe der Klasse „Patrie" besäßen eine Geschwindigkeit von 19 Knoten, während die deutschen Panzerschiffe der Klaffe „Deutschland" nur eine Ge- schwingigkeit von 18 Knoten besäßen. Desgleichen seien die Dreadnoughts der „Danton- klaffe" mit 19,7 Knoten Geschwindigkeit bedeutend schneller als die deutsche „Naffauklaffe". Gegenüber der österreichischen und italienischen Flotte würden die französischen Dreadnoughts ebenfalls im Vorteil fein, da mehrere französische Dreadnoughts 21 Knoten Geschwindigkeit erzielten. Die österreichischen und italienischen Schiffe besäßen außerdem nur zwei schwer- kalibrige Geschütze. Das englische Fachblatt schließt hieraus, daß Frankreich gegebenenfalls die Oberherrschaft im Mittelmeer gewinnen und gleichzeitig in der Nordsee dem englischen Geschwader eine wichtige Unterstützung leisten könnte.
Diese kindliche Zusammenstellung dürfte in Deutschland Heiterkeit erregen, sie zeigt aber, was von den Friedensbeteuerungen der französisch-englischen Koalition zu halten ist. Ihre wesentliche Taktik scheint aus Säbelraffeln und Einschüchterungsversuchen zu bestehen, die auf
46. Jahr-.
1911.
Du willst meine Ansicht über Marokko wiffen? Hier ist sie in aller Kürze. Zch halte jede „Kompensation", die außerhalb der marokkanischen Grenzen liegt, für eine unmögliche und unmoralische Sache, welche das Reich schleunigst aus dem Bannkreise seiner Berechnungen ausmerzen sollte. Bleiben wir in Agadir, errichten wir eine Kohlenstation und tun wir möglichst viel Gutes an diesem Lande, wie es der Kaiser früher versprochen hat, und pfeifen wir auf England und Frankreich. Wollen sie wegen Agadir einen Krieg mit uns: habeant. Diese beiden Mächte haben sich, von der werdenden E 7^:nacht Deutschlands unbehelligt, nach Herzenslust des Erdkreises „bemächtigt" — wollen r" wegen des bisher brach gelegenen Agadir einen Krieg mit uns anfangen, so wäre dies nicht nur ein Akt neiderfüllter, hundsmiserabler Bosheit, sondern auch eine große welthistorisch« Dummheit. Sie sollen froh sein, wenn wir uns mit derartigen Bagatellen begnügen.
Georg Hirth.
Paris, 26. Aug. Der Minister des Aeußern hat heute nachmittag dem Präsidenten der Republik in Rambouillet über den Stand der deutsch-französischen Angelegenheit Bericht erstattet.
Paris, 26. Aug. Die „Agence Havas" veröffentlicht folgende Note: Alle heute abend in den Blättern erschienenen Mitteilungen über die deutsch-französischen Verhandlungen, besonders über die beabsichtigten Eebietsaustausche, sind tendentiös oder unrichtig.
Mamers, 27. Aug. Bei einem von dem hiesigen Landwirtschaftlichen Verein gegebenen Festmahl hielt der Ministerpräsident Caillaux eine Rede, in der er u. a. sagte: Ihnen, mein« liben Freunde, die mich seit langer Zeit kennen, habe ich kaum nötig zu sagen, daß Sie bei bei Regierung, deren Präsident ich bin, vollkommen darauf rechnen können, daß sie Ihnen die Ordnung im Innern sichern wird. Sie wiffen auch, daß alle unsere Anstrengungen und daß all« meine Anstrengungen auf die Aufrechterhaltung eines ehrenvollen Friedens abzielen werden. Es versteht sich, eines Friedens, der mit eifersüchtiger Sorge über die Würde, Rechte und wesent- ilchen Jntereffen Frankreichs wacht.
öffentlicht die „Nationalliberale Korrespondenz", anscheinend partetoffiziell, eine Auslassung, in der zunächst ansgeführt wird, daß in der Tat die Stimmung in allen national empfindenden Kreisen des deutschen Volkes eine äußerst erregte ist. Die unverhüllten Drohungen leitender englischer Minister, die anmaßende und provozierende Sprache offiziöser französischer Zeitschriften ließen in manchem die Frage entstehen, ob das Ansehen des Deutschen Reiches denn in den letzten Jahren eine merkbare Einbuße erlitten habe, so daß man sich eine solche Sprache gegenüber dem Deutschen Reiche überhaupt herausnehmen dürfe. Kein Diplomat dürfe an solchen Volksregungen achtlos vorübergehen. Nicht um Marokko handelt es sich allein, sondern um die Frage der weltpolitischen Stellung der führenden Kulturvölker, die für die Zukunft entscheiden wird. Eine Milliardenlast hat das deutsche Volk jahrzehntelang auf sich genommen, um sich in Heer und Flotte eine Rüstung zu schaffen, die der Erhaltung des mit den Waffen gewonnenen Deutschen Reiches und der Wahrung seiner Jntereffen gelten sollte. Man wird im Volke erwarten dürfen, daß das Schwergewicht dieser Rüstung auch bei diesen Verhandlungen in die Wagschale geworfen wird, und man täte auch im Auslande gut, darauf Rücksicht zu nehmen."
Das gibt in der Tat die Ansicht des deutschen Volkes aufs beste wieder.
Die Münchener „Jugend" enthält folgende treffenden Bemerkungen ihres Herausgebers:
Die Mtnokkoverhandlungen.
Das in Berlin erscheinende „Journal d'Alle- magne" stellt in einem angeblich inspirierten Artikel die deutschen Forderungen dar:
„Augenblicklich sind wir von der Verständigung noch entfernt. Der strittige Punkt ist die Größe des Hinterlandes von Kamerun, das Frankreich aus Teilen vom Congo francais, Eabon und des Territoire militaire du Tschad zur Arrondierung der deutschen Kolonie Kamerun abtreten soll. Für Deutschland find zwei Dinge von besonderer Wichtigkeit: ein aus- reichens Stück Küstenland mit einem brauchbaren Hafen und der ungehinderte Zugang zum belgischen Kongostaat sowie zum Kongofluß selbst. Diese Möglichkeit erwächst Deutschland aus dem Gebiet, das die natürliche Ver.Indung zwischen Kamerun und Kongo schaffen würde. Wenn wir uns schon mit der Konzesfion des französischen Hinterlandes zufrieden geben wollen, muß die Abgrenzung in dem Umfange erfolgen, daß die Kolonie Kamerun ihre Arrondierung längs des Scharifluffes südlich erfährt, in der Fortsetzung des Flußsystems bis zum llbangi, der die Grenze gegen den Kongostaat bildet.
Die Abtretung des sogenannten Entenschnabels, der Nordspitze von Deutsch-Kamerun am Tschadsee, die um des Prestiges willen von Frankreich verlangt wird, kann um so weniger erfolgen, weil in diese vorgeschlagene Arrondierung das Gebiet von Binder, Lera und Lai, das unmittelbar an den „Gntenfchnabel" an- stößt, miteingeschloffen ist. Im Süden von Kamerun müßte die Grenze bis Corisco-Bai gehen (über die Abtretung der spanischen Kolonie Rio Muni ließe sich ebenfalls noch reden), um dann im Hinterland von Französisch-Kongo auf den Ogowefluß zu stoßen und in dessen Flußsystem direkt südlich bis Brazzaville an den Kongo zu gehen. Somit behielte Frankreich die Küste und ein immerhin breites Hinterland nebst dem Zugang zum schiffbaren Kongo. Der Sangafluß würde dann etwa die Mitte des abzutretenden Gebietes bilden. Die Konzession mag auf den ersten Blick außerordentlich groß erscheinen. Man darf aber nicht vergeffen, daß es sich zum größten Teil um unkultivierte und kaum unverworfene Gebiete handelt, die erst in Jahrzehnten erschlaffen werden können. Ist dieser Preis zu hoch dafür, daß Frankreich Mittel- und Ost-Marokko nls politischen Jntereffenbereich erhalten wird, in dem es inerhalb des Rahmens der Algeciras-Akte schalten und walten kann? Man soll in Frankreich nicht vergeffen, daß seine Rolle als „Mandatar Europas" in Marokko ausgespielt wäre, wenn ihm nicht nachträglich Indemnität für die zahlreichen Ueberschreitun- gen seiner Kompetenzen erteilt wird.
i^gte marokkanische Frage muß jetzt zu einer
Eine Unverschämtheit!
Die deutschfeindliche Treiberei, der „Neuen Freien Preffe", über die wir berichteten, findet eine überraschende Aufklärung. Das Interview, das der Berichterstatter des Blattes mit einem hohen englischen Diplomaten gehabt haben will, soll wirklich stattgefunden haben. Die unerhörten Frechheiten über das Deutsche Reich sollen nach einer Meldung der „Rassischen Ztg." von dem englischen Botschafter in Wien Sir Lighton F. Cartwright stammen.
Die „Lberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Senn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <H frei ins Haus. (Kür unverlangt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. «. Koch (Inh.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Dienstag, 29. August
Was hiervon Kombination ist, weiß man nicht. Das Wichtigste dürfte natürlich sein, festzustellen, wie die Garantien für das handelspolitische Reservat für Süd-Marokko beschaffen sind. Wie überhaupt die Vorschläge ja recht unsicher gefaßt sind. Von verschiedenen deutschen Blättern wird zur Sicherung des deutschen Handels nicht mit Unrecht die Beschränkung des Polizeimandates Frankreichs auf Marokko gefordert, da man sonst von der Innehaltung der Verpflichtung seitens Frankreichs nicht viel hält.
-♦ —
So töricht und kindisch die Preßtreibereien englischer und französischer Blätter gegen uns sind, es ist doch wichtig, sie zuweilen niedriger zu hängen, um volle Klarheit über den Geist zu schaffen, in dem man gegen uns arbeitet. So erklärt der „Daily Expreß", aus San Sebastian erfahren zu haben, daß dort in der letzten Woche inkognito hohe diplomatische Persönlichkeiten gewesen seien, die sich über die durch die durch die Unterbrechung der deutsch-französischen Der- handlungen geschaffene gespannte Lage sehr beunruhigt gezeigt hätten. Sie seien inzwischen wieder abgereist und hätten den Trost mit nach Hause genommen, daß die Geschichte nicht so gefährlich sei, wie sie aussehe. In bet Wilhelm- straße habe man alle Lust verloren, bie Dinge auf bie Spitze zu treiben, feitbem man durch den Spionagedienst erfahren habe, daß Frankreichs Flotten im Mittelmeer und Atlantischen Ozean durchaus „archiprAt“, und deren Schiffe in der Bestückung und Geschwindigkeit den deutschen nicht unbeträchtlich überlegen seien. Außerdem aber habe man die Gewißheit bekommen, daß England unter allen Umständen mit Frankreich Zusammengehen werde, und daß auch noch einige kleinere Staaten die Abficht hätten, sich auf bie Seite Frankreichs zu stellen.
Aus Lonbon wird nach der „Poft" folgendes berichtet: In Marinekreisen ist man sehr befriedigt über bie Feststellung bes Fachblattes „Raval and Military Record", worin von einem Fachmanne hervorgehoben wird, daß bie deutschen Kriegsschiffe, welche augenblicklich im Dienste stehen, nur Geschütze von 280 Millimeter besitzen, währenb bie französischen Panzerschiffe solche von 305 Millimeter besitzen. Außerbem seien bie französischen Kriegsschiffe bester gepanzert und hätten von Deutschland in einem Gefecht auf große Entfernung von desten Schiffen
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2$: (Nachdruck verboten.)
Die Aßmanns.
Roman von Courths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Ernst war gegen alle jungen Damen von der gleichen kühlen Liebenswürdigkeit — am kühlsten aber gegen die, welche ihm die Mutter als künftige Lebensgefährtin ausgesucht hatte. Er merkte sehr wohl all die kleinen Manöver und hakt« nur ein Achselzucken dafür. Seine Mutter kannte ihn wahrlich schlecht, wenn sie glaubte, ihn auf diese Weise In Fesseln schlagen zu können. Fräulein Wendheim mochte einen biederen Durchschnittsmenschen mit ihrer Huld beglücken. Er würde niemals Geschmack en einet Frau finden, deren Gedankenkreis sich um Putz und Modetorheiten drehte und die, mehr aufdringlich als mädchenhaft, einem Mann schöne Augen machte, der ihr durch sein Berhalben deutlich zu verstehen gab, daß sie ihm gleichgiltig sei.
Vom Kasinoball erhoffte Frau Adolphine viel Dieser hatte, als letzter der Saison, fast jedes Jahr einige Verlobungen gezeitigt. Vielleicht erfüllten sich ihr» heimlichen Wünsche an diesem Abend. Jeden- falls würde ste alles aufbieten, den jungen Leuten eine ungestörte Aussprache zu ermöglichen, denn nach dem Ball wurden die geselligen Zusammenkünfte sehr selten.
So brachen Aßmanns am Abend des S März mit sehr gemischten Gefühlen zum Kaflnoball auf.
Ernst war noch einen Augenblick zu Eroßtanting tzereingekvmmen, um ihr Adieu zu sagen. Sie lag •uf dem Diwan, weil ste sich matt und müde fühlte, fsgte ihm aber lächelnd, daß ihr sehr wohl und behaglich zumute fei, und wünscht« ihm vi«l Skt. tätigen.
Ernst sagte auch Bettina Adieu und ging. Bettina sah mit leuchtenden Augen hinter ihm her. Wie stolz und stattlich sah er aus in dem elegant sitzenden Frack, der die Schultern noch breiter als sonst erscheinen ließ. Ehe Ernst die Tür schloß, sah er noch einmal ins Zimmer zurück. Sein Auge umfing einen Augenblick die schlanke, anmutig« Mädchengestalt, die durch den roten Lampenschleier von rosigem Licht überstrahlt war. Trotzdem verließ ihn dies friedliche Bild den ganzen Abend nicht, und in all dem lauten, glänzenden Treiben sehnte er sich nach Größt rntings stillem Stübchen.
Betttna war nun ganz allein mit Eroßtanting, wie so viel Abende. Die Mädchen waren schon in ihre Kammern hinaufgegangen. Es war still im ganzen Hause. Draußen über dem Fluß stand der Mond in einer großen, leuchtenden Scheibe und goß sein mildes Licht über die weißbeschneite Erde. Der Sterne Glanz verblaßte gegen ihn. Die alte Dame hatte lange reglos durch das Fenster auf die Mondscheibe geblickt.
Wie schön ist das, Bettina. Welch stillen Ftte- den löst solch eine Mondnacht im Menschenherzen aus."
Bettina trat ans Fenster und sah hinaus.
„Wunderschön, Eroßtanttng. Nur wollte ich, der Schnee wäre für diesmal zu Ende. Ich hoffe, so viel für dich vom Frühling. Wenn du erst hier in der Sonne sitzen kannst, am offenen Fenster, dann wirst du wieder kräftiger werden"
Eroßtanting läckwlte und sah wehmüttg zu dem schlanken Mädchen hinüber. Eine Weile blieb es still. Endlich legte sich Eroßtanting auf die Seite.
„Betttna — ich hab dich so lange nicht fingen hören — fing mir ein Lied. Wenn du hier meine Zimmertür ausstehen läßt, und drüben die vom
I Salon, dann höre ich dich sehr gut. Willst du?"