RechsW ZMU mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen: „Nach Feierabend". „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
200
Tie „Oberheffifchr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Senn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <M, frei ins HauS. (Für unver« langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:
Dr. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Lomiabend, 26. August
Der Anzeigenpreis betrügt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 16 4-, bei auswärtigen Anzeigen 20 für Reklamen die Zeile 40 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt oll Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbinvldh- keit für Platz». Datenvorfchrift und Beleglieferung außgeschloflen. — Zahlungen im Postsckeckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 beS Postscheckamtes Frankfurt a. M.
46. Jahrg, 1911.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 64.
Die Marokkoverhandlungen.
Die französischen Minister, über deren gemeinsame Beratungen mit Herrn Cambon wir verschiedentlich berichteten, sind anscheinend zu einem endgültigen Resultat darüber gekommen, was sie Deutschland an Kompensationen bieten sollen. Es wird gemeldet:
Paris, 24. Aug. Mehreren Blättern zufolge sind bereits in der gestrigen Unterredung der Minister mit den drei Botschaftern endgültige Beschlüsse über die Regelung der deutschmarokkanischen Angelegenheit gefaßt worden. Es bestände diesbezüglich auch nicht die leiseste Meinungsverschiedenheit. Es heißt, daß der Botschafter Cambon dem in Rambouillet weilenden Präsidenten Fallidres die gefaßten Beschlüße heute vorlegen werde. Diese sollen im morgigen Ministerrat endgültig genehmigt werden.
Die deutsche Auffassung gibt folgende Zuschrift an die „Post" wieder, die das Blatt als von einer Seite bezeichnet, die über die Auffassung der politischen Lage in maßgebenden Kreisen wohl unterrichtet ist:
Da in der französischen Preße seit einiger Zeit das Bestreben zutage tritt, die französische Regierung auf den Standpunkt zu verankern, daß als Basis für eine Weiterführung der Verhandlungen völlig freie Hand für Frankreich in Marokko verlangt werden müße, so mag demgegenüber festgestellt werden, daß ein solcher Standpunkt von den verhandelnden französischen Staatsmännern niemals vertreten worden ist. Im Gegenteil steht seit Beginn der Verhandlungen durchaus fest, was jede der beiden Parteien von der anderen fordern wollte; die Verzögerung und Verschleppung der Verhandlungen erklärt sich lediglich daraus, daß keine Partei sich dazu verstanden hat, ebenso klar auszusprechen, was sie der andern zu gewähren geneigt war.
Frankreich scheint zu glauben, daß die Forderungen durch ein Hinauszögern der Verhandlung eine Ermäßigung erfahren könnten. Demgegenüber muß heute bereits mit allem Nachdruck erklärt werden, daß eine solche Anahme der französischen Regierung durchaus irrtümlich sein würde. Die deutsche Regierung ist seit Beginn der Verhandlungen niemals von ihren ursprünglichen Forderungen zurückgewichen und wird ihren Standpunkt auch in Zukunft nicht aufgeben. Trotz dieser Schwierigkeiten darf man immer noch auf ein befriedigendes Resultat hoffen. Voraussetzung würde dafür freilich sein, daß die französische Regierung in keiner Weise durch den ebensowenig sachlichen wie zweckentsprechenden
21 (Nachdruck verboten.)
Die Aßwarms.
Roman von Courths-Rahlrr.
(Fortsetzung.)
„Da habe ich also die Wahl, mich liebenswürdiger oder unausstehlicher als die anderen zu finden. Du bist eine kleine Diplomatin, Bettina. Ich bin aber gar nicht zufrieden mit deiner Antwort."
„Nein? Das tut mir leid."
„Dann antworte mir klipp und klar. Wer gefällt dir bester, Bühren oder ich?"
Die Röte schlug ihr ins Gesicht.
„Erlaß mir die Antwort," bat sie leise.
Er verneigte sich nur stumm und griff dann ein anderes Thema auf. Aber sie merkt«, er war ein klein wenig verstimmt. Warum nur, Was konnte ihm daran liegen, zu wißen, ob er ihr bester gefiel als Bühren. Eitel war er doch nicht, das wußte st« genau. Warum war ste aber auch so töricht gewesen, ihm nicht ruhig zu antworten: „Du gefällst mir bester."
Sie sah ihn von der Seite an. Er fing ihren Blick auf und lachte. Ste sah aus wie ein kleine» gescholtene» Schulmädel, das den Herrn Lehrer erzürnt hat und ihn versöhnen möchte. Es war unrecht von ihm, st« zu quälen. Sicher gefiel ihr Bühren bester, und ste hatte es nicht sagen wollen, um Ihn nicht zu kränken.
„Warum stehst du mich so ängstlich an, kleine Bettina?" frug er weich.
„Ich fürchte, du bist mir böse."
Er drückte ihre Hand.
„Nein Böschen — dir kann ich gar nicht böse sein."
Da war ste wieder von Herzen froh.
Georg saß ihnen schräg gegenüber mit Fräulein |
Ton der französischen Preße sich beeinflußen läßt. Im gegenteiligen Falle würde die Situation zweifelsohne eine sehr ernste werden. Die Tageszeitungen in Paris, speziell auch solche, die der französischen Regierung nahe stehen, überschreiten bereits in ihrem Tone gegen Deutschland weitaus das Maß des Erlaubten, und wenn die französische Regierung sich auch nur im geringsten durch diese Preßstimmen beeinflußen laßen würde, die die deutsche Regierung bisher nur als eine Ausgeburt gallischen Hochmutes betrachtete, so würde die politische Lage zwischen Frankreich und Deutschland dadurch sehr ungünstig beeinflußt werden."
Die deutsche Regierung hat alle Ursache durch die französischen Preßtreibereien keine falschen Anschauungen über den Gang der Verhandlungen und die leitenden Gesichtspunkte aufkommen zu laßen. Die Franzosen sind darin geübt. — Wenn Herr Cambon in Paris eine genaue Fixierung seiner Wünsche herbeigeführt hat, so ist diese hoffentlich so ausgefallen, daß eine Zustimmung Deutschlands auch erfolgen kann. Herr Cambon ist ja über das, was man in Deutschland verlangt, hinlänglich unterrichtet. Die deutsche Presse behandelt die Angelegenheit weiter mit besonnener Ruhe.
Die .Deutsche Tageszeitung" schreibt unter dem Titel: Ruhig und bereit. Aus Wien und London, selbstverständlich auch aus Paris haben wir in diesen Tagen erfahren, daß die französische Regierung entschloßen sei, dem Deutschen Reiche, wenn man so sagen darf, ein Ultimatum zu stellen. Der Ausdruck „Ultimatum" ist in diesem Falle recht schlecht gewählt. Gewiß, die französische Regierung hat nicht nur dos Recht, sondern auch die Pflicht, endlich den deutschen Staatsmännern zu sagen, was sie dem Deutschen Reiche zu bieten gedenkt. Dann werden die deutschen Staatsmänner prüfen, ob die Zugeständ- niße genügen. Dabei kann für sie selbstverständlich nicht anders bestimmend sein als das deutsche Interesse und als die Frage, ob das, was Frankreich zugestehen will, gleichwertig sei mit dem, was wir den Franzosen überlaßen, wenn wir damit einverstanden sind, daß ste in Marokko bleiben wie bisher
Eines aber möge wiederholt werden. Allzulange verträgt auch der besonnene Teil des deutschen Volkes die jetzige Unstcherheit und Unklarheit nicht mehr. Kommt der französische Gesandte nach Berlin zurück, unterbreitet er den deutschen Staatsmännern die Vorschläge Frankreichs und sind diese Vorschläge ungenügend, so wird die deutsche Regierung sie ablehnen müßen und gegebenenfalls Gegenvorschläge machen. Dann aber ist es notwendig, die Verhandlungen über die neuen Vorschläge zeitlich zu begrenzen. Darin kann Frankreich keine Unfreundlichkeit sehen. Und wenn die französische Preße jetzt
Hagemann. Er blickte aber immer an ihnen vorbei. Es war ihm unverständlich, daß Ernst Bettina zu Tisch geführt hatte. Ueberhaupt ein merkwürdiger Mensch, sein Bruder. Was die Damen nur all« an ihm hatten, daß st« ihn so verhimmelten. Es war unausstehlich, daß man ihm sein Lob in allen Tonarten sang. Er körnte es schon gar nicht mehr mit anhören.
Großtanting war in den letzten Monaten sehr schwach und hinfällig geworden. Cs war, als ob mit Ernsts Heimkehr ins Vaterhaus ihr Lebensziel erfüllt sei, als habe sie all ihre Kraft in Erwartung dieser Heimkehr aufgebraucht. Jetzt brauchte sie Bettinas Hilfe ernstlich. Das junge Mädchen wich kaum noch von ihrer Seite. Spaziergänge konnte bü alte Dame überhaupt nicht mehr unternehmen, weil sie häustg von Ohnmächten und Schwächezuständen befallen wurde.
Bettina trug immer ein Fläschchen mit Riechsalz bei sich. Sobald Eroßtanting ohnmächtig wurde, mußte sie den scharfen Geruch einatme«, damit ihre Lebensgeister wieder geweckt wurden. Das Alter verlangt seinen Tribut. Die sonst so frischen Farben der Greisin wichen und machten einer wachsfarbigen Bläße Platz.
Ernst und Bettina sahen betrübt die traurig« Veränderung und wetteiferten in Liebesbeweisen für die alte Dame.
Eines Sonntags nachmittags trat Ernst gerade in Eroßtantings Zimmer, al» eine tiefe Ohnmacht sie befallen hatte. Sie lag in einem Sessel, und Bettina mühte sich mit angstvollem Gesicht um sie. Er trat schnell heran. „Schon wieder?" frug er schmerzlich besorgt.
Sie nickte traurig.
„Die Ohnmächten werden immer länger, und der Arzt sagt, man kann nicht» dagegen tun, flüsterte sie leise und verzweifelt.
Gleiches verlangt, so ist uns das ganz recht. Rur darin müßen wir ihr aufs Entschiedenste widersprechen, daß ste den bisherigen langsamen Gang der Verhandlungen dem deutschen Staatssekretär des Auswärtigen Amtes zum Vorwurf macht. Hier liegt der alte Irrtum vor, daß Deutschland irgendwie Eegenzugeständniße machen müße. Das ist nicht der Fall.
Unvorteilhaft heben sich die französischen Renomistereien mit der Kriegsbereitschaft ihres Heeres ab. Wer denkt dabei nicht an die Behauptung des französischen Kriegsministers von 1870, die Armee sei völlig bereit (archipröt). — Es wird jetzt gemeldet:
Paris, 24. Aug. Das Finanzministerium beschloß für den kürzlich anberaumten Termin zum Verkauf von 100 000 alten Militärkarabinern einen späteren Termin festzusetzen und überhaupt jeden Verkauf von ausrangierten Waffen bis nach Beendigung der marokkanischen Expedition aufzuschieben.
Die „Rowoje Wremja" veröffentlicht folgende Alarmnachricht aus London: Aus zuverlässiger Quelle kann folgendes über die gegenwärtig in Frankreich herrschende Stimmung mitgeteilt werden: Trotz aller äußeren Ruhe verdient die Tatsache vollste Aufmerksamkeit, daß man in Frankreich entschloßen ist, in keinem wesentlichen Punkte nachzugeben, und sich demgemäß zum Kampfe gerüstet hat. Selbst die Sozialisten haben dem Kabinette ereklärt, daß ihm ihre Unterstützung gewiß sei. Die Offiziere haben aus eigenem Antriebe aufgehört, Urlaubsgesuche einzubringen, und die beurlaubten kehren eilfertig vor dem Ablaufe ihres Urlaubes nach ihren Garnisonen zurück. Obwohl noch kein Mobilmachungsbefehl erlaßen wurde, befindet sich die französische Armee in voller Kriegsbereitschaft und ist auf jenen Stand gebracht, der dieser Bereitschaft entspricht. Ebenso ist auch in England die Kriegsflotte in Kriegsbereitschaft, die diesbezüglichen Vorbereitungen sind bereits vor einiger Zeit in Angriff genommen worden.
Wir Deutschen sind ruhige und gemütliche Leute. Die Herren an der Seine glauben gar nicht, wie wenig Eindruck dieses kindische Säbel- geroßel auf uns macht. Wenn es zu einem Waffengange kommen soll und muß, so weiß bei uns jedes Kind, daß alles klappt. Davon zu reden ist völlig unnötig. Es nutzt auch garnichts. Der deutsche Standpunkt ist so klar und wahlberechtigt, daß uns auch ein schlechtes Gewißen nicht ängstlich zu machen brauchte. Aber man darf hoffen, daß Frankreich einsieht, was es bei einer Verständigung mit uns zu gewinnen und zu verlieren hat. Auf dieser Grundlage ist ein Ausgleich möglich. Für einen solchen scheint sich jetzt, nachdem der Bluff nichts gefruchtet hat, England einzusetzen, wie folgende Nachricht zeigt:
„Nicht so ängstlich, Bettina," sagte er beruhigend, obwohl ihm selbst nicht hoffnungsvoll zu mute war
Sie erzitterte.
„Was soll aus mir werden, wenn ste mir genommen wird? Dann bin ich erst ganz verwaist."
Es lag ein tiefer Schmerz in ihren Worten. Am liebsten hätte er ste ttöstend in feine Arme genommen, aber er war ihr gegenüber nicht so ganz unbefangen. Die herzliche, innige Neigung, die er für fi« fühlte, war doch nicht mehr ganz brüderlich. Wilde Wünsche weckte dieses reine, holde Geschöpf nicht in ihm, keine auflodernde Leidenschaft verwirrt« ihm die Sinne, ober er war doch ihr gegenüber nicht mehr ruhig genug, um unbefangen zu sein. E» war eben ein ganz eigenartiges Gefühl, das sie in ihm weckte. Er wußte nicht, daß eine tief«, starke Liebe zu ihr in ihm keimt«, denn was er bisher für Liebe gehalten hatte, trug ein ganz anderes Gesicht. Was er für sie empfand, hatte er noch für kein Weib empfunden, deshalb hielt er es noch immer für brüderliche Zättlichkeit. Daß er sie zu feiner Fran machen könnte, der Gedanke kam ihm gar nicht.
Ehe er antworten konnte, hob ein tiefer Atemzug Eroßtantings Brust, und sie schlug die Augen auf. Mit mattem Lächeln sah sie in die beiden jungen besorgten Gesichter.
„Wieder einmal eine Mahnung, daß es zu Ende geht mit mit. Nun macht nicht solche trüben Gesichter, ihr beiden. Bei meinem Alter muß man täglich gefaßt fein, abgerufen zu werden."
Bettina arg das Gesicht in ihren Schoß.
„Eroßtanting — Eroßtanting — verlaß mich doch nicht," murmelte sie verzweifelt.
Die alte Dame strich ihr liebevoll über das Haar.
„Armes Blondchen — ja, du wirst mich am schwersten entbehren, ich weiß es, du mit deinem liebebedürftigen Herzen — für dich wäre ich gern noch etn paar Jahre hier geblieben."
London, 24. Aug. Die „Westminster ®e> zette" betont in ihrem heutigen Leitartikel, Deutschland habe Anspruch auf Kompensationen, wenn Frankreich ihm freie Hand in Marokko gewähre. Deutschland verfolge eine rein geschäftsmäßige Politik, Frankreich müße sich klar machen, daß es für das, was es haben wolle, zahlen müße. Ein Freund Frankreichs könne ihm nur dringend raten, die vorteilhafte Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen zu laßen, weil es nicht eine angemessene oder sogar anständige Kompensation zahlen mag. Das Blatt weist die Idee zurück, daß England Frankreich aufreize, eine aggressive oder unvernünftige Haltung ein- Verständigung verhindere, um Deutschland im zunehmen. Der Gedanke, daß England eine eigenen Interesse in Westafrika vom Meer abzuschließen, sei ebenfalls völlig grundlos.
-* —
Paris, 24. Aug. Wie die Agence Havas aus Mogador unterm 22. Aug. meldet, sind die Unruhen in der Nähe von Tarudant beendet. Die Deutschen, mit Ausnahme eines einzigen, verließen Tarudant. Der Kaid bereitete zwei Franzosen, welche dort eintrafen, einen guten Empfang.
Deutsches Reich-
— Stapellauf. Wilhelmshaven, 24. Aug. Auf der Kaiserlichen Werft lief heute kurz vor 12 Uhr der kleine Kreuzer „Ersatz Condor" glücklich vom Stapel. Bürgermeister Dr. Schwander- Straßburg hielt die Taufrede und taufte da» Schiff auf Befehl der Kaisers „Straßburg".
— Der 2. deutsche Richtertag. Am 13. und 14 September findet in Dresden der 2. deutsche Richter» tag statt, für den folgendes Programm festgesetzt ist: Der Oberlandesgerichtsrat Staffel, Dresden wird über die Stellung des Richters gegenüber dem ®efei sprechen. Staatsanwalt und Privatdozent Dr. Kl« in Berlin hat folgenden Vortrag angekündigt: „Bilden die gesetzgeberischen Vorarbeiten zum neue» Strafgesetzbuch (Vorentwurf, Gegenentwurf, Kom missionsbeschliiste) eine geeignete Grundlage für dir Neuregelung des Strafrechts?" Den dritten Vortrag hält Landgnichtsdirektor Reichert aus Augsburg Über folgendes Thema: „Inwiefern empfiehlt sich ein weiterer Ausbau des Eerichtsverfassungsgesetzes Über die Unabböngigkeit der Richter?"
— Erlaß über Prüfung der Eisenbahngehilfinnea. Der Eisenbaynminister hat in einem Erlaß eine Neuregelung der Vorbeschäftigung vor der Prüfung der Eisenbahnoehilfinnen vorgenommen. Er hat verfügt, daß in Zukunft der Prüfung eine 7 monatliche Vorbeschäftigung in den hauptsächlichsten Eisenbahndienstbetrieben vorausgehen muß. Die Eisenbahnge- hilfin muß wälrend 2 Monat« bei der Fahrkartenausgabe und Gepäckabfertigung beschäftigt sein, wo- bei die Beschäftigung an diesen beiden Dienststellen einen gleichen Zeitraum einnimmt. Ferner wird eine zweimonatliche Beschäftigung im Telegrafendienst
„Und für mich Großtanting?" sagte Ernst schmerzlich.
Sie sah mit klar gewordenen Augen zu ihm aus und lächelte.
„Du, min leiv« Jung, du bist ein Mann geworden und brauchst mich nicht mehr. Aber nun seid doch nicht so leirübt. Das Hilst all nichts, es kommt an jeden die Reihe, und ich habe meine fieberig Jahre auf dem Rücken."
Sie hob Bettina» Gesicht empor und lächelte sie ermutigend an
„Nur Mut, Bettina — ganz verlaßen wirst du nicht fein. Nicht wahr, min leine Jung, du versprichst mir, das, du dich ihrer annirnmp? Du wirst ihr Schutz und Schirm sein, denn sie ist nicht stark und selbständig wie du."
„Sei ruhig, Eroß anting, Bettina soll mir lieb und teuer sein wie eine Schwester. Hoffentlich bleibst du uns noch lange erhalten. Wenn du aber eines Tages tcn uns gehst, werde ich Bettina al» dein teuerstes Vermächtnis betrachten," erwiderl« Ernst bewegt und legte feine Hand wie zum Schwur auf das blond« Köpfchen.
Bettina sah selbstvergessen zu ihm auf, al» müßt« ihr alle» Herl der Welt von ihm kommen, Ein Ee> fühl süßen Gebcrgenseins erfüllte ihr« Brust. Croß tanting streichelt« ihre Wange.
„Hörst du es, Bettina? An Ernst wirst du ein» Stütz« haben. Er ist stark und gut."
Bettina atmete tief auf.
„Ja, Eroßtanting, stark und gut," sagte fi« voll gläubigen Vertrauens, und etn süßes Lächeln huscht« über ihr trauriges Gesicht.
Ernst sah auf fi« herab. Ihr süßer Liebretz macht« ihm bas Herz warm. Eine Hefe Zärtlichkeit für bas schlanke blonde Mädchen erfüllte seine Seele. Daß sie seines Schutzes bedürftig war, machte sie ihm doppelt teuer. — — (Fortsetzung folgt.)