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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Mndwirtschastliche Beilage".
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Tie „Oberhessifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Senn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 * (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 M frei ins Haus. (Für unter« langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.«Buchdruckerei I. 8. Koch (Inh.:
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Marburg
Freitag, 25 August
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46. Jahrg. 1911.
Studenten als Landarbeiter.
Man schreibt uns:
Jüngst ging durch die Press« eine Notiz, nach welcher einige Studenten der Berliner Universität für die Zeit der Sommerserien sich als Landarbeiter verdungen hätten gegen die Gewährung freier Station und einen Tage lohn von 75 Pfennigen. Mancher tn der Erotzstadtkultur ausgewachsene Zcitungsleser n.ag diese Meldung mit ungläubigem Lächeln ausgenommen haben, weil es ihm vielleicht für unwahrscheinlich dünkte, daß junge Leute, die in einem akademischen Lehrgänge stehen, zu ihrer Ferienerholunz nach der Beschäftigung als Tagelöhner auf dem Lande streben könnten. Nun ist es ja richtig, daß die sommerlich« Erntezeit als eine Erholung im landläufigen Sinn« der Städtebewohner für einen vollbeschäftigten pflichtgetrcuen Arbeitsmann wohl nicht angesehen werden kann. Anderseits ist zur Genüge bekannt, daß ein nicht geringer Teil unserer akademischen Jugend durch die Kärglichkeit seiner Existenzmittel.dazu genötigt ift, nach einer gewissen Auffrischung seines Geldbeutels während der vom Semesterstudium nicht beanspruchten Zeit sich umzu- tun. Bei der Wahl der Mittel zur Aufbesserung der materiellen Verhältnisse ist der junge Student schließlich auf die Nachfrage des Arbeitsmarktes angewiesen, und da auf leljfetem in den Sommermonaten stets ein sehr starker Bedarf an Arbeitskräften für ländliche Arbeiter vorherrscht, so wär« am End« der Gedanke weder fe-nliegend, noch' unklug, auf ein vorliegendes Arbeitsangebot zuzugreifen, selbst wenn die Art der Beschäftigung mit den akademischen Wissenschaften wenig oder gar nichts zu tun hat. Es ließ ftch vermuten, daß für eine Arbeitsbetatignng mit besseren Verdienstaus- fichten oder auf Gebieten, die dem Sohne der Alma mater näher belegen sind, eine Gelegenheit nicht vor lag. Doch brauchte nicht einmal die bitterste Notwendigkeit den Entschlust gezeitigt zu haben, zeitweilig als Landarbeiter sich zu verdingen. In der gesamten deutschen Jugend ist der Drang nach einem Ausarbeiten ihrer körperlichen Kräfte als Gegengewicht gegenüber einer übermäßigen Anspannung ihrer geistigen Potenzen in neuerer Zeit so entwickelt, daß in besonders energischen Jungmännern die Jde- fehr wohl Wurzel schlagen könnte, dem Körper eine zwar anstrengende, dafür aber gesundheitlich bekömmliche Arbeit zuzumuten, von der Erwägung heraus, daß solche körperliche Strapazen zur nachfolgenden Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit nicht weniger dienlich sein dürft-n, als z. B. anstrengende Hochgebirgstouren oder wochenlange Sportübungen.
Der Gedanke der Landarbeit erscheint bei den hier »»gedeuteten llebetlegungen jedenfalls nicht als eine widersinnige Verkehrtheit. Als «ine Ungeheuerlichkeit muß aber wohl di« Absicht der Studenten, in ihrer Ferienzeit den Bauerknecht zu spielen, manchem städtischen Asphalttreter erschienen sein. Wenigstens hat einer derselben sich derart beunruhigt gefühlt, daß er die Müde ft di nicht verdrießen ließ, drei der akademisch gebildeten Landarbeiter zu ermitteln, um sie zu befragen, weshalb sie sich dazu hergeben wollen, für einen Tagelohn von 75 Pfennigen „in Sonnenschein und Staub zu graben — von früh bis spät, übers Feld gebeugt, unter dem knurrigen und schnau-
20 (Nachdruck verboten.)
Die Aßmaims.
Roman von Courths-Mahler.
(Fortsetzung.)
„Ja min leine Jung — du siehst auch schon so schwach aus. Wir werden dich gleich ein bißchen bedauern." neckte Eroßtanting.
Er sprang auf und faßte sie bei den Schultern.
„Du — ich zerdrück dich, wenn du mich verspotten willst.
„Mit deinen „schwachen" Armen?"
Run lachten sie alle drei. Ueberhaupt wenn Ernst in Großtantings Zimmer war, gab es immer zu lachen. Er konnte sehr witzig und ausgelassen sein und freute sich, wenn Bettina Über seine Tollheiten lachte. Irgend etwas trieb ihn immer dazu, ihr eine Freude zu machen, ihr etwas zu Lieb« zu tun, sie zu verwöhnen. Sie konnte sich so innig freuen über die kleinste Aufmerksamkeit, ihr Gesicht rötete sich dann vor Entzücken, und die Augen strahlten so warm und dankbar in die seinen. Und so übet- zeugungsvoll klang es, wenn sie sagte: „Du bist so gut, Ernst."
Am Ballabend selbst brachte er ihr einige prachtvolle Rosen, eh« sie hinabging
„Passen fie gut zu deiner Toilette?" fragte et und hielt sie prüfend gegen ihre Schulter. Dann nickte er befriedigt und sah lächelnd zu, wie sie die Blumen besesttgte.
Frau Adolphine war sehr unmutig als fie erfuhr, daß Ernst Bettina zum Souper-Walzer engagiert hatte.
„Das geht doch nicht, Ernst. Dafür hatte ich dir Fräulein Wendheim bestimmt," sagte fie ärgerlich. »Ich werde mit Bettina reden, sie muß natürlich zu- rMtreten.“
zenden Befehl des Aufsehers zu stehen!" Die Ergebnisse dieser Ausforschung sind natürlich umgehend journalistisch «-erarbeitet und als besondere Delikatesse in der Sauregurkenzeit in einem demokratische Blatte dem Publikum serviert worden. Dies« Vekentnisse der akademischen Bürget sind zwar nichts weniger als sensationell, immerhin aber bemerkenswert genug, um von ihnen Notiz zu nehmen.
Zwei von den jungen Leuten erklärten sofort rund heraus, daß sie nur deshalb unter die ländlichen Tagelöhner gehen wollen, weil sie hoffen, bestimmte ander« Plön« dadurch am besten ihrer Verwirklichung nähetbtingen zu können. Der eine Jüngling möchte in seiner Eigenschaft als Landarbeiter das Material für eine Doktordissertation zusammenbringen. Der zweite Akademiker will sogar nur aus dem Grunde als Arbeiter aufs Land gehen, um Studien für einen Roman zu sammeln. Dem Ausfr.ger wird bei diesen Bekundungen vermutlich ein Stein vom Herzen gefallen fein. Denn aus seinen Auslassungen klingt so. etwas wie eine leise Besorgnis hervor, ob nicht etwa eine verstohlen« Neigung zur Erdscholle und den wunderlichen Leuten, die auf ihr und an ihr ihren Lebensberuf betätigen, wie ein atavistischer Rückfall in überwundene Anschauungen in der sonst vom Modernismus erfüllten akademischen Jugend empor zu glimmen beginne. Da ist es denn beruhigend, di« Versicherung der studierenden Landarbeiter zu vernehmen, daß die Landarbeit und Uten Träger für fie nur Studienobjett sein sollen. Die Idee hat nicht einmal den Reiz der Neuheit, denn der Büchermarkt Deutschlands ist bereits reichlich versehen mit bisweilen stark gewürzten Schilderungen der „persönlichen Erlebnisse", die bald der eine, bald der andere Detailmaler bei seiner freiwilligen Einreihung in eine von ihm aufs Korn genommene Arbeitergruppe gemacht haben will. Auch dir Landarbeit hat bereits wiederholt auf dem Seziertisch der sozial- pattttfchen Entdeckungsreisenden gelegen. Der anfangs absonderlich erfdfeinenbe Einfall der LaÄ>- arbeitermaskierung entpuppt sich nach der prosaischen Aufklärung der Motive in ein keineswegs einwandfreies Kundschastermanöver. Ob es unter Umständen nicht mißlich sein könnte, Ausspäher in Landarbeiterkleidung in Haus und Wirtschaft zuzulassen, ist demnach nicht so einfach zu entscheiden. Für die Allgemeinheit ist die Sache interesselos.
Ein dritter Landarbeiterstudent gesteht, daß in Anbetracht seiner argen Mittelsfigkeit für ihn das Angebot der Landarbeit geradezu „einen materiellen Eliicksfcll" bedeutet. Den» 75 Pfennige Lagelohn bet freier Station und Essen seien immer noch mehr, als er durch Stundengeben und dergleichen in der Regel verdienen könne. Das ist eine trübe Illustrierung zu den Daseinsbedingungen eines akademischen Proletariats; di« Landarbeit soll hier ein lästiger Notanker fein, nicht ein willkommenes Haltet«». Von innerer Erwärmung für den heimischen Ackerbau ober gar von einer Hilfsaktion akademischer Bürger zur Ausfüllung der Lücken im Bestände der Landarbeiter während der bedrängten Arbeitszeit kann auch hier nicht die Rede sein. Die Flucht aufs L'nd wird den Horsälen feinen Abbruch tun.
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Ernst hielt seine Mutter am Arm zurück.
„Auf keinen Fall, Mutter. Weshalb Bettina kränken? Fräulein Wendheim wird es als „mehr facher Millionärstochter" nicht ar Kavalieren fehlen fie wird auch ohne mich zum Eouper-Malzet engagiert werden. Bettina bleibt meine Tischdame."
Sie biß sich auf die Lippen.
„Du vergreifst dich Bettina gegenüber im Ton, Ernst, bist viel zu vertraulich mit ihr. Daran ist Tante Emma schuld."
„Bettina gebärt doch zur Familie, fie ist mir so gut wie eine Schwester, und ich will nicht, daß sie sich zurückgesetzt fühlt."
„Ach — ihr macht zu viel Aufhebens von ihr, du und Tante Emma. Nimm dir ein Beispiel an Georg, et trifft immer den rechten Ton für fie "
Ernsts Augen flammten dunkel auf.
„Das heißt, er benimmt sich Bettina gegenüber wie ein Flegel," sagte er zornig.
„Aber Ernst!"
„Jawohl, Mutter. Bettina lebt im Schutz unseres Hauses. Sie ist arm und verwaist. Das ist ein Grund, besonders ritterlich gegen fie zu sein, aber nicht, sie wie einen Dienstboten zu behandeln. Jedenfalls werde ich mir Georg nicht in dieser Beziehung zum Beispiel nehmen — und du solltest lieber deinen Einfluß geltend machen und ihm zum Bewußtsein bringen, daß es eine traurige Heldentat ist, ein armes Mädchen zu verletzen, das keinen Schützer und Hüter auf der Welt hat?
Frau Adolphine zog die Stirn zusammen.
„Man merkt, daß Tante Emma viel Einfluß auf dein« Entwicklung gehabt hat. Du bist ein Idealist," sagte fie, sich zu einem Lächeln zwingend.
Er legte den Atm um ihre Schultet.
„Cafe mich nach meiner Form selig werben, Mutter. Und versprich mir, baß du Bettina kein
Die Marokkiwerhandlungen.
Köln, 23. Aug. Die „Köln. Zeitung" verbreitet sich unter der Ueberschrift „Zwischen den Schlachten" an leitender Stelle über die gegenwärtige Lage und erklärt, es ließe sich nicht leugnen, daß augenblicklich unter einem großen Teile der deutschen Parteien eine äußerst erregte Stimmung herrscht, in der sich die seit Jahren erwachsene Anschauung ausdrückt, daß Deutschland wesentlich durch Schuld seiner Diplomatie in jeder internationalen Verwicklung von vornherein als der zurückweichende Teil gekennzeichnet sei. Es wäre besser, wenn die deutschen verantwortlichen Stellen rechtzeitig die Oeffentlichkeit in gebührendem Umfange über den Verlauf der deutsch-französischen Unterhandlungen unterrichtet hätten. Allem Anschein nach seien diese auf dem toten Punkt angelangt. Man werde abwarten müssen, ob es gelingt, weitere Vesprechungen in die Wege zu leiten. Zu einer Ueberstllrzung liege aber für Deutschland kein Grund vor. Wir können ruhig abwarten, unsere Interessen zwingen uns nicht zur Eile, die politische Lage ist nicht derartig, daß Deutschland von heute auf morgen seine endgültige Entscheidung übet seine Haltung zur marokkanischen Frage zu treffen genötigt wäre. Wir können die Dinge an uns herankommen lassen, und vielleicht liegt sogar ein Vorteil darin, daß der Aufschub die Möglichkeit gewährt, die öffentliche Meinung in Deutschland sich klären zu lassen.
Paris, 23. Aug. Nach einer Zeitungsnote werden die Besprechungen der Minister mit dem Botschafter Combo» fortgesetzt werden, bis die. Deutschland zu unterbreitenden Vorschläge und Zugeständnisse festgestellt sind. Uebermorgen findet unter dem Vorsitz Caillaux ein Kabinettsrat statt.
Berlin, 23. Aug. v. Kiderlen-Wachter wird Ende August wieder in Berlin eintreffen.
Politische Umschau.
Bei dem deutsch-russischen Abkommen wirb vielfach vermißt, baß von den allgemein beutsch- rnsfischen Beziehungen, übet die bet Reichskanzler im Dezember vorigen Jahres sprach, baß nämlich die deutsche und russisch? Regierung sich in keinerlei Kombinationen einlassen würden, die eine aggressive Spitze gegen den anderen Teil haben könnte, nichts gesagt ist. Die „R. P. K." schreibt dazu: „Es liegt kein Grund vor, die Erklärungen, die der Reichskanzler am 10. Dezember des vorigen Jahtes im Reichstage abgegeben hat, für gegenstandslos zu betrachten. Diese Erklärungen sind in vollem Einverständnis mit der russischen Regierung abgegeben worden, und es ist nichts geschehen, was fie aus der Welt zu schaffen vermöchte. Ferner ist zu beachten, daß der Kanzler damals den Worten, daß keine der
böses Wort sagst wegen dieses Tanzes. Sie wollte durchaus nicht — ich hab ihn mir ertrotzen müssen."
„Also siehst du doch, daß sie selbst das Gefühl hat, nicht am richtigen Platz zu sein."
„Ach, sie ist verschüchtert und ängstlich. Also nicht wahr, du zankst sie nicht aus?“
Er sah die Mutter so bezwingend an, daß sie lächelnd seufzte.
„Man ist dir gegenüber einfach machtlos."
Er küßte fie auf die Wange und führte fie in de» Saat, wo bi« Gäste schon zu plaudernden Gruppen vereint waren.
Sehr stolz schritt Frau Adolphine am Arm ihres Sohnes dahin, hie und da stehen bleibend und einige Worte plaudernd. Ernst versprach ihr, Fräulein Wendheim zum Kotillon zu engagieren und steuerte auf diese junge Dam« los. Sie war eine hübsche, temperamentvoll« Brünette, und ihre Augen blitzten ihn feurig an. Sie saß zwischen mehreren jungen Damen, deren Tanzkarten fich Ernst nun auch ausbat.
Während er mit ihnen scherzte, sahen seine Augen suchend umher. Wo war Bettina?
Da sah er fie mit Herrn von Bühren drüben am Fenster stehen. Sie unterhielt fich lebhaft mit ihm, und ihr blondes Köpfchen leuchtete wie gesponnenes Gold zu ihm herüber. Langsam ging er quer durch den Saal auf fie zu. Halbwegs khrte er aber wieder um. Was wollt« er? Wenn fie Bühren liebte, war es doch zu spät, und wenn nicht — dann» mochte fie ruhig mit ihm plaudern.
Aber er sah immer wieder zu ihr hinüber, bis sie fich von Bühren verabschiedete und Großtanttng aussuchte, die mit ihren Getreuen wieder zusammen- k°ß.
Da wurde ihm ordentlich leicht um» Herz, al» wüßte er fie nun geborgen vor Gefahren.
Einig« Minuten später stand et neben Bühren
beiden Mächte sich an einet Kombination gegen di« andere beteiligen wolle, die Redewendung vorausschickte: „Das Ergebnis der Entrevue ist, daß von neuem festgestellt wurde, daß usw." und am Ende seiner Erklärung, die sich auf die deutsch-russischen Beziehungen bezog, sprach der Kanzler von dem alte* vertrauensvollen Verhältnis zwischen Deutschland und Rußland, das erneut und gekräftigt worden sei Aus diesen Worten geht unzweifelhaft hervor, daß ein neuer Vertrag bezüglich der allgemeinen Bezieh- ungen zwischen den beiden Ländern nicht ausgearbeitet werden sollte."
Zur Befreiung des Ingenieurs Richter.
Wie wir gestern schon meldeten, ist der von griechischen Räubern gefangen gehaltene Ingenieur Richter endlich aufgefunbe i worden. Bei der Firma Karl Zeiß ist ein Telegramm des Auswärtigen Amts eingegangen, nach dem der deutsche Konsul in Saloniki bestätigt, daß der Ingenieur Richter befreit ist und sich in Elassona befindet. Die Auffindung erfolgte an der griechischen Grenze.
Von unterrichteter Seite wird dazu weiter g» schrieben: Die Rettungsaktion zugunsten des gefon genen Ingenieurs Richter ging von zwei Seiten aus, nämlich erstens von der türkischen Regierung, um zweitens vom deutschen Konsul. Die türkische Siegte rung stellte rund 5000 Mann zur Verfügung, die sick. auf die Spur der Räuber begaben. Der Führer wa> der bekannte Hauptmann Hamid-Bey, der beft Kenner des Olymp-Gebirges. Er wurde darin ooi dem Major Halim-Bey unterstützt. Ihre Rettnngs aktion ging streng stystemaiisch vor. Man wußte so wohl an türkischer, sowie an deutscher zuständige! Stelle, daß dem Leben des Ingenieurs Richtet keim Gefahr drohe, und daß seine Spur tatsächlich gefunden sei. Jetzt ist die kurze Mitteilung von seiner Befreiung gekommen. Schon vor mehreren Tagen., als gerade gemeldet wurde, daß noch immer keine Spur von Richter gesunden sei, hatten die Verfolger nicht nur die Spur entdeckt, sondern fie tpuftten gzyz genau, wo fich Richter befindet. Es wurden sogar schon Unterhandb-.ngen mit den Räubern eingeleitet, da man das größte Interesse daran hatte, den Zn- genieur lebend aus den Händen seiner Räuber zu be. freien. Wie diese Befreiung nun tatsächlich erfolg'e, wird wobl in kurzer Zeit aufgeklärt werden.
Weiler wild bekannt: Vor einigen Tagen wurde aus türkischer Quelle bekannt, daß Ingenieur Richtet in Tyrnovo im Hause eines bekannten ehemaligen Briganten versteckt gehalten werde. Die griechisch« Regierung stellte daraus Nachforschungen nach Richter an. Die Freilassung Richters erfolgte gegen Erlegung eines Lösegeldes von 4000 türkischen Pfund, welcher Betrag aus in Deutschland veranstalteten Sammlungen gedeckt wird. Außerdem erhielten die Räuber vier goldene Uhren, vier goldene Kelten und vier Leibbinden. Die Verhandlungen wurden mit den Räubern unabhängig von den Behörden durch nne geeignete Mittelsperson des deutschen Konsulats geführt. Richter soll sehr niedergeschlagen sein. Richter begibt fich nach Saloniki.
Deutsches Reich.
— Keine Reichstagsersatzwahl in Konstanz? Nach einer Mitteilung der „Frankfurter
und verstrickte ihn in eine längere Unterhaltung. Er wußte noch nicht, wes Geistes Kind dieser war, und der junge Mann interessierte ihn, Bettinas wegen. Er machte ihm auch einen ganz sympathischen Eindruck. Aber im Grund« ;>at er doch froh, daß aus Bühren und Bettina kein Paar werden konnte. Warum, wußte er selbst nicht, es war ihm nur sicher, daß es ihm ein unangenehmes Gefühl gewesen wär«, wenn Bettina Bührens Braut geworden wäre.
Bei der Quadrille a la tour stand später Bühren mit Bettina Ernst und Frä «‘ein Hagemann gegenüber, Ernst war sichtlich zerstreut und machte verschiedene Fehler. Die Damen riefen ihn lachend zur Ordnung. Da nahm er sich zusammen. Aber er sah immer zu Bettina hinüber. Ihr Gesicht schien rote von einem heimlichen Glück verklärt. Wem mochte dieser Ausdruck get‘cn? Wer hatte ihn hervorgezaubert? Er ahnte nicht, daß er selbst es war, dem das Leuchten ihrer Augen galt. Ob sie doch Bühren liebte?"
Bei Tische, als et neben ihr saß, bracht« er das Gespräch auf den jungen Offizier. Bettina ging lebhaft auf das Thema ein und sprach sich sehr roatm und lobend über Bühren au».
„Du hast ihn sehr gern, Bettina, nicht wahr?" frug et dann.
Sie nickte unbefangen.
„Sehr, et ist ein so lieber Mensch und immer sehr nett zu mir. Er gefällt mit viel besser al» alle anderen."
„Auch besser als ich?" frag et scheinbar neckrach, aber nicht absichtslos.
Ihr Hetz klopfte schneller bei seiner Frage, aber fi« zwang fich, ihn ruhig lächelnd anzusehen.
„Du bist mit den anderen gat nicht zu vergleichen."
Er lachte.
^Fortsetzung folgt.)