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46. Jahrg.
1911.
Marvurg
Dienstag, 22. August
lung aller Parteien vorbereitet. Als Redner I völkerung, also die Arbeiter- und Kleinbürgerollen gewonnen werden Reichstagsabgeordneter können Hunderte von
Dr. Arning in Hanover, General A. Keim, Ab
nahmen heute Morgen die Beratungen über die Vorschläge der Regierung wieder auf, doch ist ein Uebereinkommen nicht sehr bald zu erwarten. Beide Parteien sind der Ansicht, daß, solange di< Verhandlungen im Gange sind, die Lage al« nicht vollkommen hoffnungslos anzusehen sei. Von Seiten der Arbeiter wird die Zahl der Ausständigen auf 250 000 geschätzt. Die Rorth-Lon- don-Eifenbahn ließ heute Morgen alle Züge ausfallen. Berichte aus der Provinz zeigen, daß der Ausstand sich außreordentlich schnell verbreitet Die Lage in Edinburgh und in Ost-Lancashir/ ist ernst. Die Fabriken in den Jndustriebezirkeü des Nordens stellten heute Morgen den Betritt ein. — Wegen des Löschens der Hochöfen infolge des Eisenbahnerausstandes feiern im Roth.r- Ham-Distrikt etwa 50 000 Berg- und Metc ll- arbsiter, in Middlesbrough ebenfalls mehrere tausend.
Politische Umschau.
Der Kaiser und die Jugend.
W i l h e l m s h ö h e, 19. Aug. Heute vormittag tt folgte die Ueoergade der neuen Fahne an die Prime des Casseler Friedericianums anstelle der alten Fahne. » welche Kaiser Friedrich der Prima geschenkt. Di- Schüler der Prima des Friedericianums stellten sich auf der Terrasse des Schlosses noch der Herkulesseit, zu auf, mit ihnen der Direktor, das Lehrerkollegium und einige Konabiturienten des Kaisers. Der Kaiser erschien in Hosjaaduniferm in Begleitung des Eeneraladjutanten von Plessen und des diensttuenden Flügeladjutanten und hielt eine längere Ansprache. Das Eyrni asium habe das Studium de; klassischen Altertums in sein Progamm ausgenommen. Beim Studium der Antike auf dem Gymnasium sei nicht auf die Einzelheiten des politischen Lebens, das von dem heutigen völlig verschieden sei, sondern auf die dem Eriechenvolk-- mehr als jedem anderen eigene, unserer Zeit ganz fehlend« Harmonie in Kunst, Leb en und Philo sophie den Hauptwert zu legen. Der Kaiser empfahl dann das Studium der vaterländischen Geschichte, die uns das Elend der jahrhundertlangen Zerrissenheit Deutschlands zeige, und mahnte, beim Einblick ins politische Leben solle jeder den Blick auf das Ganze richten und nicht durch die Partei einer. Borbang zwischen sich und dem Bolk ziehen lassen. Der Kaiser wies weiter angesichts des Nahens der Reifeprüfung auf die Schäden, hin, di« der Alkoholismus unterem Volke, nicht zuletzt bei akademischen Jugend, bringe, und bezeichnete 'ir überkommenen Tiinksitten als ungeeignet für eine Zeit, wo es gelte, Deutschland seine Stellung in de, Welt, besonders auf dem Weltmarkt, zu erhalten Er rühmte die den Alkoholgenutz ausschließende' Sitten der akademischen Jugend Amerikas, von derer Tüchtigkeit wir uns oft überzeugen konnten, unl mahnte, den Körper durch Sport, durch Fechten und Rudern zu stählen, statt darnach zu streben, eilen Rekord im Vertilgen alkoholischer Getränke aufzu- stcllen. Der Kaiser übergab dann eigenhändig denr primus omnium die neue Fahne und sprach dabei
(Nachdruck verboten.)
Die Ahmanns.
Roman von Courths-Mahler.
(ffortletzimg.)
Die Unterbrechung der Marokko- Verhandlungen
hat die französischen Chauvinisten In Harnisch gebracht, sie rasseln mit dem Säbel, freilich nur um Stimmung zu machen, anscheinend glauben sie damit Eindruck auf uns zu machen. Das „Echo de Paris" führt eine kriegerische Sprache und tritt energisch dafür ein, daß diesmal die ausgedienten Soldaten nicht entlassen, sondern bei den Fahnen behalten würden, wozu der Kriegsminister nach dem Gesetze von 1903 das Recht besitze. Es meint, daß mit der Entlassung der ausgedienten Soldaten der Effektivstand der französischen Armee um nicht weniger als 225000 Mann geschwächt werden würde, was eine ganz bedeutende Inferiorität zur Folge hätte. Das Blatt beteuert wiederholt, Frankreich würde sich auf keinen Fall einschüchtern lassen. Die Regierung könne gewiß sein, daß ein Appell an den Patriotismus im gegenwärtigen Augenblicke so zünden würde wie noch nie, und sie möge bedenken daß Rußland und England nur darauf warteten, auf den Wink Frankreichs sofort mobil zu machen, um mit Frankreich gegen dessen Feinde ins Feld zu ziehen. Der „Matin" aber schreibt: „Die Lehre, welche alle Großmächte aus den deutsch-französischen Verhandlungen ziehen können, ist die, daß man es überhaupt vermeiden muß, sich mit der Berliner Regierung in Verhandlungen einzulassen. Am besten ist es, man verläßt sich auf ein starkes Heer und eine starke Marine." Zm übrigen ist man in Frankreich mit der Unterbrechung der Verhandlungen nicht einverstanden. Man glaubt, daß bisher umsonst verhandelt sei, was man sehr zu fürchten scheint. Der „Frkf. Ztg." wird aus Paris telegraphiert: Während man in Berlin ganz selbstverständlich von einer Wiederaufnahme der Beratungen spricht, hegen die Franzosen Zweifel, daß eine erhebliche Modifikation in dem beiderseits eingenommenen Standpunkt eingetreten ist. Daraus ist zu schließen, daß der französische Botschafter Cambon das Maximum der französischen Zugeständnisse formuliert hatte, und daß Herr von Kiderlen-Wächter diese französischen Vorschläge unannehmbar fand. Wie vorgestern mitgeteilt wurde, hatte Herr von Kiderlen-Wächter bereits in der vorletzten Unterredung die deutschen Mindestforderungen festgesetzt.
Frankreich fordert scheinbar, daß Deutschland für ein Stück Eongo sich ganz aus Marokko zurückziehe, was Herr o. Kiderlen kaum zugestehen dürste. ,,, . ,
In verschiedenen Städten Deutschlands fanden große Versammlungen zu gunsten einer starken Marokkopolitik statt, so in Gelsenkirchen, wo Privatdoz. Dr. Wirth sprach und in München, wo Prof. Dr. Graf Du Moulin sprach. In Berlin wird eine große nationale Volksversamm-
Weile nach. Dann blickte et zu der alten Damr empor.
.Draußen in der Welt vergißt man, daß es solche Mädchen gibt, Großtanting. Der größte Zauber einer Frau ist doch ein reiner Sinn und echt weibliche , A mut."
Die Greisin nickte.
„Wohl dir, min keine Jung, daß dir die Welt den Geschmack am reinen Weibe nicht verdorben hat. Das war immer meine größte Sorge um dich, daß du mit deinem feurigen, ungestümen Wesen in dieser Hinsicht Schiffbruch leiden könntest. Die Welt bringt so viel Gefahren für einen Feuerkopf, wir du bist."
Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin. Dann seufzte er tief auf. „Ganz glatt und ruhig ist es natürlich nicht bei mir abgegangen, das kannst du dir denken. Das Weib tritt einem eben überall
in den Weg, wenn man nicht wie ein Einsiedler leben will. Und es sind die besten nicht, die man auf seinen Wegen findet. Aber — -s ging mir sonderbar, Eroßianttng — batte ich einmal Feuer gefangen — mich in eine Leidenschaft verstrickt, daß ich glaubte, sie schlüae mir über den Kopf zusammen — dann kam plötzlich die Ernüchterung. Und weißt du, wodurch'? Durch deine Briefe Du erzähltest mir darin so viel von Bettina — und sonderbar, jedesmal verglich ich mein ■ jeweilige Lie.! mit diesem blonden Böschen. Dann gefiel mir dies und das nicht mehr an der Angebeteten, und ich kühlte mich schnell ab. Wie kam da«? Run, du entwarfst mit in deinen Schilderungen von Bettina immer das Bild eines jungen Weibes, wie -ch es wohl halb unbewußt als Ideal im Hetzen trug. Und jetzt weiß ich auch bind« ich mich einmal auf Lebenszeit an ein Weil', so mutz es diesem Ideale gleichen. Sonst liefet '.vH“
(Fortsetzung folgt.)
So — und ich werde bei diesem Handel gar nicht gefragt?" sagte die alte Dame launig. „Jht bestimmt so übet meinen Kopf hinweg über meine Gefühle als hätte ich da gar nicht mitzureden.
f,ast du auch nicht, Großtanting. Wer sich in Gefahr' begibt, kommt darin um. Wessen Hetz am reichsten ist an Liebe, der ist immer der Sklave derer, die er liebt. Warte nur, wir wollen dich tyrannt- fier-n, daß dir angst wird," sagte Ernst übermütig.
Sie zauste sein Haar.
Du hast ja merkwürdige Weisheiten mit heim- gebracht, du Unband. Und das Rebellieren steckt dir noch immer im Blute."
Er hauschte nach ihrer zausenden Hand und küßte sie. v v ,
„Meinst du, ich bin zahmer geworden draußen in der Welt? — Eher das Gegenteil. Aber ich kann mich beherrschen - du sollst es bald merken"
Bettina mußte ihn immer wieder ansehen. Wie wenig hatte seine Photographie den Zauber dieses oeist- und lebensprühenden Gesichtes roiebergegeben. Sie fühlte, bet heutige Tag hatte übet ihr Leben entschieden. Es war so schön, so wunderschön, daß er nun da wat, daß sie ihn täglich würde sehen können. Wie ein heimlicher Glanz würde es auf ihren Tagen liegen, so lange et hier weilte Und ging et eines Tages wieder fort, dann war sie dennoch reicher gehörten um ein Köstliches, dem sie nicht Namen geben konnte. Aber jetzt nut nicht an sein Fortgehen denken, jetzt seine Gegenwart empfinden mit all ihrem Sein und Denken.
Sie wußte nicht, daß ihre Beete das Bild dieses
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
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Zum Streik in England wird aus London geschrieben, daß von einem allgemeinen Ausstand, auf den die Streikenden hofften, nicht die Rede fein könne. Immerhin haben die 250 000 feiernden Eisenbahner ein bedenkliches Durcheinander in den Verkehr gebracht. Die Verhandlungen drehen sich noch immer um denselben Punkt, die Leute weigern sich entschieden, eine Kommission von drei Mann anzuerkennen, welche damit beauftragt werden soll, die Klagen der Eisenbahner über die Ber- söhnungskomitees zu untersuchen, und andererseits wollen die Direktoren der Eisenbahn-Gesellschaften die Gewerkschaften nicht anerkennen. Die Lebensmittelpreise steigen fortgesetzt, besonders von Butter, Eier, Milch. Die Milchzufuhr beträgt nur ein Zehntel des sonstigen Verbrauchs. In den Provinzstädten ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen, wie die heutigen Meldungen zeigen.
In Liverpool ist nach wie vor der Mittelpunkt der revolutionären Erregung. Die Lage ist dort so verzweifelt, daß die Bürgerschaft stündlich dem Ausbruche einer förmlichen Revolution entgegen sieht, wozu die Massen durch den Hunger getrieben werden dürften, denn die Lebensmittel find infolge der Streiks so zusammen geschmolzen und teuer geworden, daß man nicht versteht, wovon sich die beiten Schichten der Ve-
Mannes schon längst umschlossen hielt, baß er burch Großtantings Einfluß zur Jbealgestalt für sie geworben war. Der Boben war für ihn bereit in ihrem Herzen, unb sieghaft hatte er, ohne es zu ahnen, feinen Platz baiin eingenommen. So stark ihr Empfinden aber auch war, sie verschloß es scheu in ihrer Brust. Unb keine begehrlichen Wünsche erfüllten sie. Mit bet Erkenntnis, daß Ernß Aßmann ihr Schickfal sein würde, kam ihr auch zugleich die Gewißheit, daß dieses Schicksal „Entsagen" heißen würbe. Sie, bie arme, verwaiste Majorstochter, bie man aus Enabe unb Barmherzigkeit ins Haus genommen, unb Ernst Aßmann, ber Sohn eines reichen, vornehmen Patriziergeschlechts, der bereits bie ersten Stufen auf ber Leiter bes Ruhmes emporgeftiegen war. Die stolzesten Schönheiten würben sich geehrt fühlen, wenn feine Wahl auf sie fallen würbe.
Aber war es nicht schon herrlich unb schön, baß er sie sein Väschen nannte unb so lieb — so gut zu ihr war. — Sie sprach nicht viel, hörte nur mit glänzenden Augen zu, was et mit Großtanting sprach, unb hatte babei ein Gefühl, als ob sie etwas Wun-
Die „Obethessifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteliahtlich durch die Post bezogen 2.25 r» (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeiiungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <X frei ins Haus. (Für unver- langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. «. Koch (Inh.:
Dr. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 55._____________
klassen noch ernähren können. Hunderte von I Reisenden aus Amerika, die gerade ankamen, als I geordneter" Heckscher, Generalleutnant von I das Streiksieber bereits die ganze Stadt ergrif-
Wrochem Abgeordneter Amtsgerichtsrat Latt- I fen hatte, können wegen des Eisenbahneraus- I
mann, Abgeordneter Erzberger, Freiherr von standes nicht weiter und sie müssen rn den Hotels Reibniz u. a. I mit der bescheidensten Kost vorlieb nehmen. Die I
Köln 18 Aug. Ein in Agadir weilender I Geschäftsleute halten ihre Läden zum größten I
Sonderberichterstatter der „Köln. Ztg." war Teile geschlossen und verbarrikadieren fie aus beim Kaid zu Gaste, wobei beim Tee auch die I Furcht vor Plünderung. I
Rede darauf kam, daß aus verschiedenen Teilen I Manchester, 17. Aug. Der erste Zusam- I des Sus wieder Wünsche laut geworden, daß I menstoß zwischen Ausständigen und Polizei fand I Deutschland Agadir dem Handel eröffnen und I gestern in Hulme, einem Vorort von Manchester, diesen unter seinen Schutz nehmen möge: „Ver- statt. Die Ausständigen versuchten einige Güter schiedene Fragen nach der Ursache unseres Zö- I von einem durch Polizisten bewachten Handwa- I
gerne werden laut; ich antwortete mit Worten, I gen abzuladen. Es entstand ein Handgemenge. I
die mir nicht von Herzen kommen, spreche von I Die Polizisten wurden mit Steinen, Flaschen I
den verschiedenartigen Dingen eines großen Rei- I und Eisenstücken beworfen. Während der Rau- I
ches, wie des deutschen, die soweit möglich in I feiet entflohen die Gefangenen. Bier Polizisten I Einklang zu bringen sind, wenn wichtige Ent- I wurden so schwer verwundet, daß sie in Kranken- I scheidungen zu treffen, — da glaube ich aus dem I wagen fortgeschafft werden mußten. I
Kreise der Araber ein Wort zu hören, baß ich I London, 19. Aug. Dreizehn Londoner schon früher aus Marokkanermünd vernommen I Bahnhöfe sind geschlossen, darunter die Bahn- I habe, als Frankreich trotz Tanger lldschda be- Cannonstreet und Holborn. Viele Leute, I setzte, Casablanca beschoß und nach Fes zog: ma I die in der City beschäftigt sind, benutzen die feeüuui feida!, auf Deutsch: Die Stärke ist nicht I Straßenbahn. In verschiedenen Gegenden wur- I bei Euch,, Ihr habt keinen Schneid? Ich sagte: I den die Telegraphen- und Telephondrähte durch- Deutschland wartet seine Zeit ab, es wird fein I schnitten und die Signalapparate beschädigt. Recht zu wahren wissen, auch in Marokko!" I «her im allgemeinen werden die Eisenbahnen durch Militär gut bewacht. — Die City and South London Railway stellte heute Nachmittag ihren Betrieb gänzlich ein. In Llanelly kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Ausständigen, welche in das Bahnhofsgebäude einzudringen suchten. Vom Militär, das schließlich feuerte, wurden zwei Zuschauer getötet Die Menge ergriff die Flucht.
Liverpool, 19. Aug. Wegen der Unruhen wurden 3000 Schutzleute besonders eingestellt und vereidigt.
London, 19. Aug. In Fishgouard versuchte e.ine Menge Ausständiger gestern die Abfahrt eines Londoner Zuges zu verhindern, indem sie sich auf das Bahngleis stellte. Die Menge wurde durch Militär mit aufgepflanztem Seitengewehr nach Verlesung der Aufruhredikte zerstreut.
London, 19. Aug. Eine Anzahl Angestellte der London-Brighton- und der London and North-Western-Railways bat darum, wieder angesteüt zu werden. Die Brightonlinie kündigt an, Laß auf der Hauptstrecke einige Züge am Montag wieder verkehren werden. — Auf dem Hauptbahnhofe in Manchester langten heute Mittag einige Züge aus Liverpool und London an, die vom Publikum mit großer Begeisterung begrüßt wurden. — In Irland beträgt die Zahl der ausständigen Eisenbahner etwa 4000; der Verkehr erleidet erhebliche Störungen.
London, 19. Aug. Die Arbeitervertreter stunden werbe ich hier bei euch fitzen, unb bann soll es am Auftütteln nicht fehlen. Mach bich auf einen kräftigen Sturmroinb gefaßt, Bettina. Rur werbe ich leibet ober gottlob nicht viel Mußestunben haben Arbeit wirb es in Hülle unb Fülle für mich geben. Unb barauf freue ich mich. Die Schaffenskraft unb Schaffenslust ptikelt mir durch die Adern wie F-uer." Bettina hing mit den Blicken an feinen lebensvollen Zügen und konnte sich nicht satt daran sehen. Aber dann erinnerte sie sich doch, daß draußen noch St:beit für sie wat. Sie erhob sich.
„Ich muß nun gehen. Tante wird mich brauchen, Großtanting."
„So gehe, Bettina. Bei Tisch sehen wir uns wieder."
Das junge Mädchen ging hinaus. Emst rief ihr noch ein Scherzwort nach, worüber fie herzlich lachen mußte. Als fie auf den Korridor hinauskam, sah sie sich Tante Adolphine gegenüber.
„Wc steckst du nur, ich suche dich schon eine ganze Weile, wenn man dich sucht, bist bu nie zu finden." Es lag eine scharfe Gereiztheit in Abolphinens berfames erlebte. I Worten. Sie ärgerte sich, daß Ernst da drinnen bei
Ernst neckte sich mit ihr, und fie lachte einigemal: I Großtanting saß und daß Bettina so fröhlich aus beglich Und weil ihm dies warme, klare Lachen deren Zimmer tarn. Sie gönnte rtemanb feine Ge-
qar fo qut gefiel, reizte er sie immer wieder dazu. felstchaft. Ganz plötzlich war eine mütternche E'fer-
Eroßtanting klopfte ihr die glühenden Wangen. sucht in ihrem Herzen aufgewacht. D,e Umarmung
Siehst du Blondchen, wenn fo ein junges, fri- ihres Sohnes, feine herzlichen Kusse hatten tn ihrer
tches Blut in dein Stübchen kommt, dann kannst du Seele etwas aufgeweckt, was sie flöhet nie empfunden
fröhlicher sein, als wenn du mit deinem alten Groß- hatte - ein Verlangen nach Zärtlichkeit. Sie hatte
tantinq allein bist." Und zu Ernst gewandt, fuhr sie das nie eingestanden und wehrte sich gegen die,es fort: „Bettina ist leider viel zu ernst für ihre Zu- Gefühl. Es war ihr ebenso neu als unbequem,
qenb Das macht wohl, weil fie hauptsächlich auf Mit kurzen Worten gab sie Bettina allerhand
meine Gesellschaft angewiesen ist. Du tust ein gutes Aufträge und ging dann in das Wohnzimmer zurück
Werk min leioe Jung, wenn du fi« ein bißchen auf- Sie wartete mit unheimlicher Unruhe, daß Ernst
rüttelst" ! wieder herauskommen sollte. ,
Er fuhr sich durch den Haarbusch über der Stirn. Der aber saß „schnurb haglich" bei Großtanting. f
Mrd besorgt, Großtantina. I» meinen Muke- 1 ®» Bettina binausgeaangen war. lab tt ihr «”«
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