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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen.Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

M 195

TieOberlieffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Senn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen itnb der Expedition (Markt 21) 2.00 <Ä frei ins HauS. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion, keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Jnh^: Dr. Hiheroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Sonntag, 20. August

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 j., bei auswärtigen Anzeigen 20 J>., für Reklamen die Zeile 40 JL Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt oll Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlich, leit für Platz-, Datenvorfchrift und Beleglieferung ausgeschlossen. Zahlungen im Posticbeckverkehr ohne Portokosten unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt e. M.

46. Jahrg.

1911.

Erstes Blatt.

Die Mmolklwerhandluiigen

Nach einem Berliner Telegramm derKöln. Ztg." scheint es richtig, daß die deutsch-französi­schen Verhandlungen wieder in langsameres Tempo geraten. Beim Aufenthalt des Reichs­kanzlers und des Staatssekretärs in Wilhelms- höhe dürfte der Kaiser auch mündlichen Vortrag über den Fortgang der Verhandlungen entgegen­nehmen, indessen wäre es voreilig, auf die Be­sprechungen in Wilhelmshöhe besondere Hoff­nungen zu setzen. Zwischen dem Kaiser und seinen Ratgebern bestehe völlige Uebereinstim- mupg bezüglich der wirtschaftlichen Forderungen, die für Marokko selbst zu erheben sind und für dicrenigen weiteren Ansprüche, die ausserhalb Marokkos liegen. Angesichts des ausgesprochen protektionistischen Sinnes, der Franzosen sei es zweifellos schwer, eine Formel für eine unter . allen Ilmständen zuverlässig wirkende Bindung zu erhalten.

Berlin, 18. Aug. DieRordd. Allg. Ztg." « fZrL 2816 toir ^ren, gedenkt der französische Botschafter Cambon sich in den nächsten Tagen nach Paris zu begeben, um über den Verlauf der bisherigen Verhandlungen in der Marokkofrage L'«« Regierung mündlich Bericht zu erstatten. Nach der Rückkehr des Botschafters werden die Verhandlungen wieder ausgenommen.

. Pfl r *8 - ^8. Aug. Der Ministerpräsident heute vormittag eine lange Unterredung mit den Ministern de Celves, Delcaffö und Messimy.

Paris, 18. Aug. Auf die Anfrage eines Berichterstatters ,ob es wahr sei, dass die großen Herbstmanöver abgesagt werden sollen und dass diese Massnahme mit der äusseren Politik und dem Stande der deutsch-französischen Verhand kungen zusammenhänge, erwiderte Kriegs- mimster Messimy: Die in dieser Hinsicht ge­äußerte Beunruhigung scheint mir durchaus un­gerechtfertigt. Ich kann erklären, dass diese Ee- keinerlei Beziehungen zur auswärtigen Politik haben. Was zu denselben Anlaß gab ist wohlder Umstand, daß die Verheerungen, welche an unt) Klauenseuche gegenwärtig im Aisne-Departement, also dem Zentrum der ge­planten Manöver, verursacht, notwendigerweise beunruhigen muß und daß wir an die Möglich- denken, das ursprüngliche Thema der großen Herbstübungen abzuändern und lediglich die ein­zelnen Armeekorps in ihren Gegenden manöv- neren zu lassen. Aber man wird zu einer solchen Maßnahme erst drei oder vier Tage vor den Manovern greifen, falls sie durch die Ausdeh­nung der Seuche unvermeidlich werden sollte Wrr suchen gegenwärtig nach Mitteln, um dem durch die Seuche hervorgerufenen Uebelstand ab- zuhelfen. So werden Versuche gemacht, die Mannschaften mit dem von den Konserven­fabriken der Ostdepartements gelieferten Fleisch zu ernähren. Falls dieser Versuch gelingt, können die Manöver doch abgehalten werden

Paris, 18. Aug. DerMatin" erklärt"sich für ermächtigt, das aus Madrid hierher gelangte Gerücht, daß Spanien seine Kolonie Guinea an Deutschland abtreten wolle, als durchaus unbe­gründet zu bezeichnen.

T a n g e r, 18. Aug. Wie dieAgence Ha- vas berichtet, besagen Nachrichten über Taru- dant, daß die Stadt von den Huara eingenom­men war, daß aber die außerhalb der Mauern gelegene Kasbah unbeschädigt geblieben sei Darin befanden sich zwei Europäer .ein Deutscher und ein Oesterreicher, beide Agenten der Firma Mannesmann. Jetzt ist die Ruhe wieder her- gestellt.

DieAusstands-Bewequnst in England.

London, 18. Aug. Die Hälfte der Leute dreier bedeutendster Londoner Untergrund­bahnen (Tubes) hat die Arbeit eingestellt. Die tlngabe, 50 000 Mann Truppen seien heute mor- »en in London eingetroffen, ist irrtümlich. Es sandelt sich um 15 000 Mann. Auch auf der pretropolitan- und den Distriktuntergrund­sahnen verkehren nur wenige Züge. Dagegen phen die Kontinentalzüge fahrplanmäissg ab.

L o n d o n, 18. Aug. Trotz der Streiks kam »er Londoner Expresszug, welcher die Verbindung

mit dem Dampfer nach Vlissingen herstellt, mit der Post und den Passagieren nach dem Konti­nent, in Queensborough mit nur 20 Minuten Verspätung an, während die durchgehenden Wa­gen der Ereat-Western-Railay auf der Victoria- Station nicht mehr den Anschluss nach Queens­borough erreichten.

London, 18. Aug. (Unterhaus.) Wie ur­sprünglich vorgesehen, sollte sich das Haus heute bis zum 24. Oktober vertagen. In der heutigen Sitzung erklärte Lloyd George, dass im Hinblick auf die kritische, unruhige Lage in der Industrie es nicht für wünschenswert gehalten werde, dass sich das Haus eher vertage, als bis man klarer sehe, ob es möglich sei, die Beilegung des Streiks zu erzielen. Demgemäß werde das Haus sich nur bis zum 22. August vertagen. Die Vorlage über die Verschärfung des Gesetzes gegen Ver­letzung des Amtsgeheimnisses und gegen Spio­nage wurde in letzter Lesung angenommen.

London, 18. Aug. (Unterhaus.) Churchill gab einen langen Bericht über die Lage des Streiks und erwähnte, daß im Zusammenhang mit dem Ausstand der Eisenbahnangestellten mehrfach gegen das Eigentum der Bahnen Aus­schreitungen versucht worden seien, um den Be­trieb der Bahnen zu hemmen. Jedermann müsse wissen, daß solche Handlungen schwere Verbrechen seien, auf denen die Zuchthausstrafe stehe. Die Regierung werde alle nötigen Schritte tun, um den ungestörten Transport von Lebensmitteln, Brennmaterialien und anderer wichtiger Güter auf den Bahnen und in den Häfen sicher zu stellen) sie werde dafür sorgen, dass alle Dienst­zweige, welche für die Gemeinschaft unumgäng­lich nöftg sind, im Betrieb bleiben. Die Regie» rung wird so vorgehen, nicht weil sie auf Seite der Arbeitgeber oder Arbeitnehmer steht, son­dern weil sie verpflichtet ist, um jeden Preis die Oeffentlichkeit vor Gefahr und Elend zu schützen, das eine allgemeine Hemmung der Industrie nach sich ziehen würde. Es würde auch zu einer Hungersnot unter den grossen Massen der ärmeren Bevölkerung führen. Die Regierung glaubt, dass die Vorkehrungen, die zur Aufrecht­erhaltung des Eisenbahnbetriebs und der Ruhe getroffen wurden, sich wirksam erweisen. Sollte dies nicht der Fall sein, so werden Maßnahmen von weit größerer Ausdehnung schnell getroffen werden. (Beifall bei den Unionisten.) Es ist klar, sagte der Minister, daß man diesen Tat­sachen nicht entgehen kann und daß sie, da die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung und die Sicherheit des Landes hiervon beftoffen wer­den, weit wichtiger sind als sonst etwas. (Lauter Beifall bei den Unionisten.) Schließlich erklärte Churchill, daß irgend eine Mitteilung über den Stand der Verhandlungen augenblicklich unvor­teilhaft sei.

London, 18. Aug. Einige Eisenbahnlinien arbeiten fast normal, auf anderen dagegen ist der Verkehr ersichtlich gestört. Rach einer Mel­dung aus Birmingham ist Westengland gänzlich von der Mitlandsbahn abgeschnitten. Die Di­rektionen der Südlinie erklären, daß der Betrieb fast ungestört sei und daß nur wenig Leute feh­len. Die Vertreter der Angestellten bezeichnen dies als unwahr.

London, 18. Aug. Die Wirkungen des Ausstandes in London waren bisher keine sehr ernsten. Es herrscht wohl eine beträchtliche Stö­rung, doch keine Stockung des Verkehrs. Heute morgen sind 50 000 Mann in der Hauptstadt ein­getroffen. Sie wurden in den Parks nahe der Eisenbahnstationen, im Mittelpunkt der Stadt und in einem Warenlager im Castend unter­gebracht. In der Provinz breitet sich der Aus­stand allmählich aus. In einer Anzahl großer Städte, darunter Manchester und Liverpool, ist der Eisenbahnverkehr vollständig lahmgelrgt, ohne daß Ruhestörungen vorgekommen find.

London, 18. Aug. Der Hilfssekretär der Gesellschaft der Eisenbahner erklärte, die Vor­schläge der Regierung seien heute vormittag von einem gemeinsamen Ausschuß der Vereinigungen beraten worden, hätten aber in keiner Weise die Lage geändert.

Millionen gehen durch den Generalstreik täglich verloren?

Auf Grund des Finanzergebnisses des letzten Rechnungsjahres bei englischen Eisenbahnen wird von fachmänn'scher Seite geschrieben: Rach dem letz­ten Bericht betrug die Reineinnahme der englischen Eisenbahnen auf dem Eesamtnetz für einen Kilo­meter gleich rund 32 000 JL Davon entfielen auf den Personenverkehr 42,9 Proz. und auf den Güter­

verkehr 47,1 Proz. Dies ist die Reineinnahme für einen Kilometer der Fahrstrecke. Die gesamte Rein­einnahme betragt demgemäß 15 000 Mal so viel. Es kommt aber hier weniger die Reineinnahme in Be­tracht, als vielmehr die Bruttoeinnahme, da der Verlust, der dem englischen Kapitel durch den Generalstreik geschlagen wird, die Gesamtsumme dar­stellt. die auf den englischen Bahnen umgesetzt wird An dem Verlast sind natürlich nicht nur die Eisen­bahnen selbst, die Lieferanten und Gesellschaften be­teiligt, sondern in hervorragendem Maße auch die Angestellten selbst, die während der Streiktage Ge­hälter nicht beziehen. Die gesamte Roheinnahme be­trug im Rechnungsjahre 1907/08 bei 263 Millionen geleisteten Personenzugmeilen und bei einer Be­förderung von 1259 Millionen Menschen 121 Millionen Pfund Sterling oder rund 2500 Millionen Mark. Auf einen Tag berechn t, betragen also die Roheinnahmen rund 8 Millionen Mark. Damit ist aber der Verlust, der durch den Generalstreik hervor­gerufen wird, noch bei weitem nicht voll angegeben. Es fällt durch das Stillstehen aller Eisenbahnzüge auch der Handel und Verkehr auf den Bahnhöfen fort. Fernerhin erleiden alle Waren, die auf Eisen­bahntransport angewiesen sind, einen Verlust an Wett, wie z. B. die Nahrungsmittel, oder es ent­steht dadurch ein Verlust, daß bestimmte Waren an einem bestimmten Tage gebraucht werden: fernerhin sind Verluste dadurch zu berechnen, daß die Waren zwar späterhin noch ihren Wert behalten, aber nicht in erhöhtem Maße verkauft werden können, so daß ein Umsatz und Verdienstausfall für die Tage des Generalstreiks zu berechnen ist. Der englische Handelsminister hat vor einigen Wochen in einer Denkschrift darauf hingewiesen, daß der durch die Eisenbahnen geförderte Verkehr an Waren allein in London einen Wert von täglich rund 50 Millionen Mark darstellen. In ganz England wurden im letz­ten Berichtsjahre 516 Millionen GL ertonnen be­fördert, die einen Wett von 50 Milliarden darstellen. Auf diese Summe wird auch der Eesamthandel von England berechnet. Wenn man nun diesen Jahres­umsatz zu Grunde legt, bann ersieht man. daß der Ausfall, den oie Bahnen erleiden, minimal genannt werden muß gegenüber dem Ausfall, den der gesamte Handel erleidet. Hier kommt noch dazu, daß viele Betriebe wäh-end der Zeit des Generalstreiks ganz oder teilweise lahm liegen, und daß die Arbeiter die­ser Betriebe während dieser Zeit einen Ausfall an Verdienst hab-.r. Der Reiseverkehr kommt noch hin­zu, sodaß mau nach oberfläcklick er Berechnung aller dieser Werte auf einen täglichen Verlust von 200 Millionen Mark wird rechnen müssen.

Politisch« Umschau.

Franzosenbank!

Ein groteskes Beispiel von gastlicherDank­barkeit" lieferte soeben der französische General Bonnal, der mehrfach für würdig befunden wor­den ist, als East des deutschen Kaisers an den Manövern teilnehmen zu dürfen. Gerade zu der jetzigen Zeit der Spannung erlaubt sich nun Herr Bonnal unserm Kaiser gegenüber folgende hahnebüchene Taktlosigkeit und Fälschung der Wahrheit. Er hat gesagt:

Der Kriegsherr des deutschen Heeres zwei­felt wohl selbst an seiner Zulänglichkeit zu sol­chem Amte. Ich habe oft den grossen Manövern drüben zugesehen: wenn der Kaiser eine Auf­gabe gestellt und die dazu nötigen Operationen geleitet hatte, kam alles in eine wahrhaft impe- ratorische Klemme. Aus diesem Bewußtsein stammt des Kaisers unzweifelbare Friedfertig­keit, gegen die keines Kanzlers Tatendrang auf­kommen kann."

Ein starkes Stück! Ob diese Erfahrung nach vielen, vielen anderen nun aber dazu beitragen wird, daß wir davon abgehen, unsere Konkur­renten und unsere Feinde zu uns ins Haus zu bitten, damit sie uns unter dem Scheine des Wissens, geschöpft aus ureigenster Anschauung, herabziehen und verkleinern und Ehre und Anerkennung mit Lüge und Verleumdung danken?

Die heruntergerissene Fahne.

Köln, 17. Aug. Zu den Vorgängen in Aix-les-Bains meldet ein Berliner Telegramm derKöln. Ztg.", daß die deutsche Regierung alle Anordnungen getroffen habe, um den Tatbestand ganz genau festzustellen und daraufhin bei der französischen Regierung die geeigneten Schritte zu tun. Schlimmer läge der Fall, wenn sich die französischen Offiziere an der Affäre beteiligt hätten. So sei die Angelegenheit nur als be­dauerliche Taktlosigkeit anzusehen.

In der Tat, nach der gestern im Depeschenteil unseres Blattes veröffentlichten Darstellung hat die Sache nichts Aufregendes. Ueber derartige i alberne Bubenstreiche «gt nute sich nicht aus.

Man wird aber gut tun, sie als Zeichen der Volksstimmung gebührend zu registrieren. Dann stimmen derartige Dinge aber verflucht wenig zu den Versöhnungsarien, die uns hie und da vorgespielt werden.

Deutsches Reich-

Born Kaiser. Wilhelmshöhe, 18. Aug. Der Kaiser hörte gestern abend und heute vormittag den Vortrag des Reichskanzlers. Gegen Mittag empfing der Kaiser den Botschafter Freiherrn Marschall von Bieberstein zur Meldung. Heute mittag fand anläßlich des Geburtstages des Kai­sers Franz Josef bei den Majestäten größere Tafel statt, zu der u. a. auch die Herren der österreichisch - ungarischen Botschaft geladen waren. Bei der Tafel saßen die Majestäten ein­ander gegenüber. Rechts vom Kaiser folgten zunächst der österreichisch-ungarische Botschafter Graf v. Szögyeny-Marich, Generaloberst v. Ples- sen und der Militärattache« Freiherr v. Flotow, v. Kiderlen-Wächter. Rechts von der Kaiserin saßen zunächst der Botschafter Freiherr v. Mar­schall, Prinzessin Viktoria Luise und Oberpräfi- dent v. Hengstenberg, links von der Kaiserin der kommandierende General Freiherr v. Scheffer- Boyadel, Hofstaatsdame Gräfin v. Keller und der Chef des Militärkabinetts v. Lyncker. Der Kaiser, der die Uniform eines österreichischen Feldmarschalls trug, erhob sich im Verlaufe des Mahles zu einem Trinkspruche, in dem er, z« dem österreichisch-ungarischen Botschafter ge­wandt, sagte, er bitte Seine Exzellenz, Seiner Majestät dem Kaiser der Kaiserin und seinen allerherzlichsten Glückwunsch zum Geburtstage zu übermitteln mit dem Wunsche, daß Gott ihm noch ein langes Leben bescheren möge; er trinke auf das Wohl seines hochverehrten Freundes und treuen Verbündeten Sr. Majestät Franz Joses, des Kaisers von Oestereich und Königs von Un­garn. Die Kapelle des Infanterieregiments Nr. 167, welche bei der Tafel konzertierte, spielte di« österreichische Hymne. Der Reichskanzler kehrt heute abend von hier direkt nach Berlin zurück. Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter begibt sich einige Tage nach Süddeutschland zum Besuch de» erkrantten früheren Unterstaatssekretärs von Stemrich-Radenweiler und zur Erledigung einiger Privatangelegenheiten.

Au» Deutsch-Südwest. Berlin, 18. Aug. Aus Deutsch-Südwestafrika ist soeben eine Draht­meldung des Gouverneurs eingetroffen, nach welcher der Distriktschef Frankenberg aus Livingstone seine unversehrte Rückkehr von der bekannten Expedition telegraphisch anzeigt. Von Verlusten der Kolonne ist in der Meldung nichts erwähnt.

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Deutschland und Amerika. In einem Newyorker Briefe derKreuzzeitung" finden wir folgende Schilderung der deutschfeindlichen Haltung der amerikanischen Presse bei den ge­genwärtigen marokkanischen Verwicklungen: Die politischen Komplikationen in Europa, di« durch den Marokkostreit entstanden find, werden von der gesamten Presse in der denkbar gehäs- figsten deutschfeindlichen Weise besprochen. Auf Beispiele verzichte ich. Nehmen Sie nur belie­bige antideutsche englische oder französische Preß­oder französische Preßstimmen zur Hand, denken Sie sich dieselben in der Tonart zehnfach ver­gröbert und Sie haben die amerikanische Presse. Um es gerade heraus zu sagen: Die Fortsetzung des Geredes von der besonderenFreundschaft" zwischen Amerika und Deutschland hat wirklich keinen Zweck. Wer noch immer dieser Illusion anhängt, sehe sich jetzt die amerikanischen Zei­tungen an, die den Franzosen die glühendsten Liebesschwüre widmen und die Deutschen wegen der Schiffssendung nach Agadir nicht nur al» Räuber und Spitzbuben" charakterisieren, son­dern sie auch mit dürren Worten so benennen. Das tut z. B. dieNewyork Sun", aber nicht nur sie, sondern noch Dutzende anderer angesehe­ner Zeitungen ersten Ranges. Noch niemals war die Freundschaft der amerikanischen Presse für England und Frankreich so warm wie jetzt, noch niemals der Hass gegen Deutschland so gtofe. Das muss das deutsche Publikum wissen, um sich nicht lustigen Illusionen hinzugeben. Wahrheit und Klarheit ist immer da» beste."

Wir haben es auch garnicht nötig, jemanden nachzulaufen.