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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Marburg

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*Wo lyl und der Expevt

langt zugetan!

des PoiffckeckamteS Frankfurt e. M.

46. Jahrg.

1911.

und den Beilagen-Nach Feierabend",Fürs Haus" und »Krndwiüschaftliche Beilage".

DieOberheffischr Zeitun," erscheint täglich mit Ausnahme der S-nn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 * lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen Ullv C^jttion (Markt 21) 2.00 A frei ins HauL. (Für unser, langt gugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. «. Koch (Inh.: Dr. Hiheroth), Markt 21. Telephon 55.

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Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 62.

Eine undenkbare Entente.

Der frühere französische Marineminister de Lenchan, ein klarblickender und recht nüchterner Po­litiker, äußert sich in einer französischen Zeitschrift dahin, daß er glaube, die deutsche Politik strebe nach einer dauernden Entente mit Frankreich hinaus, <m bes.mderen meint er, dieses sei der Wunsch des deut­schen Kaisers, und zumal aus dem Grunde wolle er keinen Krieg mit Frankreich führen. D'ese franzö- flsche Ansicht ist nicht neu, und es gibt eine Reihe von französischen Politikern, welche die Erreichung eine, solchen Zieles auch tatsächlich wünschen. Aus der anderen Seite steht freilich eine weit überwiegende nationalistische Mehrheit, die wohl bereit ist, diplo- mattfchetz Kleingeld mit dem De.'tschen Reiche aus­zutauschen, auch seine Langmut zur Erreichung von Vorteilen zu benutzen, aber eine Entente mit dem Sieger von 1871 grundsätzlich ablehnt.

Wir sind der Ansicht, daß di > letztere Richtung immer und unter allen Umständen, aber ganz beson­ders dann für die französische Politik maßgebend 'ein wird, wenn es sich um eine Entscheidung in kritischer Zeit handelt. Dann wird für Frankreich nur die Frage der Stärke oder Schwäche mahgebend sein. Das Bismarcksche Wort ist noch immer auf absehbare Zett wahr, daß Frankreich uns angreisen wird, so- bald es hofft, das mit Erfolg tun zu können. In dieser Bemerkung liegen alle Momente und Faktoren eingesck losten. Dazu kommt, daß nach französischer Art die eigene Stärke überschätzt wird. Möglich wäre allein, daß man im allerletzten Augenblick, wenn alles auf dem Spiele steht, zur Besinnung käme, aber keineswegs sicher. Und in gewöhnlichen Friedenszeiten braucht man di« Ueberschätzung der «tgenen Kräfte wie tägliches Brot zur Rührung der nationalen Eitelkeit. Eine Entente Deutschlands mit Frankreich auf der selbstverständlichen Grund­lage des Frankfurter Friedens würde und wird sich völlig ausschließen. Es ist deshalb auch ausgeschlos­sen, daß eine deutsche Negierung oder ein deutscher Kaiser eine solche Entente zum Ziel seiner Politik machte. Man hat seit zwanzig Jahren deutscher­seits Frankreich ständig Freundlichkeiten erwiesen und auch häufig Zugeständnisse gemacht, die nicht hätten gemacht werden dürfen. Erreicht ist damit nur ein größeres Kraftgefühl französischerseits und eine geringere Meinung von der deutschen Kraft. Wenn die deutsche Regierung die Marokko-Ange­legenheit nicht auch dazu beruht, den Franzosen den Wahn zu nehmen, wir würben um ihre Freundschaft und hätten Bertrauen in eine solche, so begeht sie einen schlimmen nd schweren Fehler. Wir fürchten augenblicklich einige Anzeichen solcher Freundschafts­werbung zu sehen, hoffen aber noch, uns zu täuschen. Von der wirklichen Volksstimmung jenseits der Vogesen legen d'- Nachrichten des folgenden Artikels Zeugnis ab. Darüber läßt sich nicht hinw g täuschen.

15 lRachdruck verboten.)

Die Akmarms.

Roman von Eourths-Mahler. ' lFortsetzung.)

Als Bettina mit ihrer Arbeit draußen fertig war, kam sie zu Eroßtanting ins Zimmer.

Nur eine halbe Stunde noch, Großtonting dann ist er hier."

Di« alte Dame nickte verklärt.

Ja dann ist er hier."

Bettina atmete tief und schwer.

Mir ist so feierlich zu Mute, Eroßtanting Wie schön, daß Ernst so stolz und gerechtfertigt heimkehren kann ins Vaterhaus Wenn er Schiffbruch da drau­ßen gelitten hätte, wie bitter wäre dann seine Rück­kehr geworden."

Dann wäre er wohl nie heimgekehrt. Bettina So weich, sein Herz ist, so hart ist sein Kopf."

Bettina saß auf ihrem alten Plah und ver- fchränkte die Hände um die Knie.

Tante Adolphine ist auch sehr erregt, ich merke es wohl, so sehr sie es verbergen will. Sie hat mir zweimal Butter für die Leute herausgegcben."

Eroßtanting lächelte über diese erschöpfende Be­weisführung.

Ernst ist ja doch ih Sohn und sie ist von Fleisch und Blut, nicht von Stein. Und Onkel Peter et ist zu Hause geblieben, Bettina?"

Die lachte leise.

Ja, Eroßtanting. Er sitzt im Wohnzimmer und liest die Zeitung. Aber er hielt sie yerkehrt und merkte nicht, daß die Buchstaben auf dem Kopfe standen. Und wenn Tante Adolphine durch das Zimmer ging, dann sah er ihr nach und lächelte. Sa lächelst du zuweilen, Großtanting. Ich glaube, er freut sich, daß sie heute nicht ganz so ruhig ist als focht?

Die alte Dame klopfte Bettina die Wange.

Eine Beschimpfung der deutschen Fahne.

Paris, 17. Aug. Nach einet Blättermel­dung aus Aix-les-Bains hißte ein dortiger fran- zöfischer Gastwirt eine deutsche Fahne. Zwei Offiziere forderten einen Schutzmann auf, diese Fahne zu entfernen, und als dieser dem Auftrag nicht schnell genug nachzukommen schien, ritz einer der Offiziere die Fahne selbst herunter und zerbrach unter dem Beifall der Menge die Fahnenstange. Der Vorfall rief in der Stadt große Aufregung hervor.

Paris, 17. Aug. Die Meldung desMa- tin" über die Beschimpfung der deutschen Fahne in Aix-les-Bains erscheint stark übertrieben. Nach einer der deutschen Botschaft sofort zuge­stellten Mitteilung der französischen Regierung ergibt sich aus dem vorläufigen amtlichen Be­richt, daß an der Ausschreitung, bei der die Fahne unbeschädigt blieb und nur die Stange zerbrochen wurde, französische Offiziere nicht be­teiligt waren.

Paris, 17. Aug. Nach einer Meldung der Agence Havas veröffentlicht das Ministerium folgende Note: Ein Morgenblatt berichtete über einen Vorfall, der sich in Aix-les-Bains zuge­tragen habe, wonach zwei französische Offiziere eine deutsche Fahne heruntergeriffen und zer­brochen hätten. Der Vorfall beschränkt sich auf folgende Tatsachen: Der Eigentümer des Restau­rants Beau Rivage hißte am 15. August mit einem Bündel Fahnen verschiedener Nationali­täten auch eine deutsche Fahne. Ein Industrieller aus Nancy, der diese Fahne bemerkte, ließ sie einfach von Angestellten des Restaurants ent­fernen. An dem Vorfall war kein Offizier be­teiligt.

Trotz dieser beruhigendenErklärung" tut wirkliche Aufklärung dringend not. Wie kommt der ..Matin" zu den zwei Offizieren, die das Ministerium ableugnet??

Zu der Beschimpfung der deutschen Fahne in Frankreich in dem französischen Bade Airles-Bains durch französische Offiziere, wird uns geschrieben: Die Beschimvfung der Fahne durch französische Offiziere fällt umso schwerer ins Gewicht, als die Fahne im franzöllschen 5>eer eine ganz besondere Rolle spielt. Da im französischen Heere ein oberster Kriegsherr in der Person eines Monarchen nicht vorhanden ist. gilt die Fahne als Sinnbild der obersten Kommando­gewalt. Es ist dies daraus zu erkennen, daß anstelle unserer Rekrutenvereidiaunq. die in Frankreich nich: vorhanden ist. eine andere Einrichtung getreten ist, bei der der Fahne eine hervorragende Bedeutung zu­fällt Die junaen Rekruten, di- soeben in den Dienst eingestellt worden sind, müllen einige Tage nach ihrer Einstellung auf dem Kasernenhofe erscheinen, um dem einzigen feierlichen Akte beizuwohnen, der

Was bist du für eine scharfe Beobachterin, Kind Man muß sich vor dir in acht nehmen. Also mein Peter hält die Zeitung verkehrt und lächelt Und Georg?"

Der ist, wie jeden Tag, in die Fabrik gegangen. Tante Adolphine wollte ihn zurückhalten. Da machte er ein ärgerliches Gesicht."

Hat es E-nst ausgehalten, zehn Jahre lang auf dieses Wiedersehen zu warten, so werde ich meine Sehnsucht nach ihm auch bezwingen können, bis ich heute mittag heimkomme, sagte er, als er ging."

Die alte Dame nickte.

Sie werden nie einen guten Faden miteinander spinnen, diese beiden Brüder. Es ist ein Glück, daß ihr Berus sie trenn:. Wären sie dem Wunsch ihrer Eltern entsprechend beide in die Fabrik eingetreten, würde es immer Unfrieden geben."

Frau Adolphine saß nun ihrem Gatten gegenüber am Fenster des Wohnzimmers, als wäre dies ein Tag wie andere auch. Ihre Hände hielten eine Stickerei, aber sie führte die Radel wie im Traum. Als endlich der Wagen draußen vorfuhr, der den heimkehrenden Sohn brachte, zuckte sie einen Moment empor, als wollte sie aufstehen und ihm entgegen­eilen. Aber sie sank wieder in sich zusammen und stichelte weiter an ihrer Arbeit. Richt einmal den Kopf wandte st«, um ihn durch den Vorgarten kom­men zu sehen.

Peter hatte seine Zeitung weggelegt und war aufgesprungen. In erwartungsvoller Haltung stand er da, die zitternde Hand auf den Tisch gestüzt. Run hörten sie draußen auf dem Korridor einen raschen Schritt, eine männliche, volltönende Stimme.

Ein leises Beben flog über die Gestalt des alten Herrn, als er diese Stimme hörte. Als Ernst das Vaterhaus verließ, war feine Stimme heller gewesen, war noch leicht umgeschlagen von der Höhe zur Tiefe. Jetzt klang sie voll und fest. Aus dem Jüngling war inzwischen ein Mann geworden.

: Und nun öffnete sich die Tür. Roch im Mantel,

während der Dienstzeit der französischen Soldaten vorgesehen ist. Es ist dies das sogenannteSalut au drapeau", oder auf deutsch die Huldigung vor der Fahne. Diese Huldigung ersetzt den Fahneneid. Der Vorgang bei demSalut au drapeau" ist solgender: Die Rekruten müsien sich in einem Viereck auf dem Kasernenhos aufftellen. Run wird unter Musikbe­gleitung die Fahne aus der Wohnung des

Regimentskommandeurs abgeholt. Sowie die Fahne in die Nähe der Kaserne kommt, müssen alle Soldaten stramm stehen. Dann wird die Musik ab­bestellt und in feierlichem Schweigen wird die Fahne in das aus den Rekruten gebildete Viereck hineinge­bracht. Jetzt hält der Regimentskommandeur eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung der Fahne für den Soldaten und das Heer hinweist. Nach der Rede des Regimentskommandeurs marschieren alle Mannschaften im Parademarsch an der Fahne vorbei und erweisen ihr die Huldigung. Ist der Vorbei­marsch vollendet, dann wird die Fahne wieder unter Musikbegleitung in die Wohnung des Regiments- kcn.mandeurs zutückgebracht. Dieser Tag ist der feierlichste während des ganzen Soldatenlebens der französischen Mannschaften. Er gilt darum für den Soldaten meist auch als ein Feiertag. Auch die Reservisten, die alljährlich zu den Hebungen einbe- rufen werden, muffen die Huldigung vor der Fahne alljährlich aufs Neue ablegen. So kommt es, daß die Fahne im französischen Heere eine ganz besondere spielt, und daß die Beschimpfung einer Fahne durch Offiziere in Frankreich als der größte Schimpf angesehen wird, den man einem Lande antun kann.

DieAiMands-Bewemnm inEnMnd.

London, 17. Aug. In Leeds wurde heute morgen 8 Uhr auf allen Eisenbahnlinien die Ar­beit eingestellt. Der Londoner Eisenbahnver­kehr wickelt sich wie gewöhnlich ab, außer auf der Strecke St. Pancras-Manchester, auf der Betrieb ruht. Die direkten Züge der Lancashite-Pork- shire Railway liegen auch still.

Sheffield, 17. Aug. Die erregten Aus­ständigen griffen in der vergangenen Nacht zwei Cignalhäuschen der Midlandbahn an und be­warfen sie mit riesigen Steinen. Eines wurde vollständig zertrümmert. Polizei zerstreute die Angreifer. Heute morgen kam es zu Unruhen vor den Lagern der Eenoffenschaftsvereine, wo sich die Ausständigen bemühten, die Ablieferung von Waren zu verhindern. Zn Sheffield sind Truppen zum Schutz der Eisenbahner eingetrof­fen. Heute find noch bedeutend mehr Angestellte und Fuhrleute der Ereat Central Eisenbahn ausständig, um die Ausständigen der Midland­bahn zu unterstützen. Alle Züge dieser Bahn Hull-Sheffield fallen aus. Es macht sich ein all­gemeiner Mangel an Lebensmitteln, besonders an Fleisch, bemerkbar.

London, 17. Aug. Bei der heutigen Kon­ferenz im Handelsamt legte der Handelsminister

den weichen Filzhut in der Hand, stand eine kraft­volle. schlanke Männergestalt auf der Schwelle. Aus dem scharf markierten großzügigen Gesicht sahen die großen machtvollen Augen forschend in das Zimmer hinein. Ernst zog die Tür hinter sich ins Schloß Und dann flog plötzlich der Hut in weitem Bogen in eine Ecke und Vater und Sohn hielten sich um­schlungen, wortlos vor Bewegung. Sie fühlten in diesem Augenblick beide, daß nur der starke Wille der jäh erblaßten Frau da drüben am Fenster sie all die Jahre getrennt hatte. Im Herzen waren sie trotz allem vereint gewesen. In Frau Adolphine stteg etwas würgend im Halse empor, als sie auf dis beiden umfihlugenen Männer blickte. Ihrem Mann; gehörte der erste Gruß des Sohnes, der vorläufig ihre Gegenwart gar nicht beachtete. Sie hatte ihm ter« zeihend, großmütig die Hand zum Gruß bieten wol­len und er sah es nicht einmal, hielt nur den Vater, als wollte er ihn nicht mehr lasten. Sie fühlte in diesem Moment die ganze Bitterkeit der Erkenntnis, daß sie ihrem Sohne ftemb geworden war, aber sie wollte sich die Schuld daran nicht eingestehen. In ihres Mannes Gebaren lag eine stumme Abbitte dem Sohne gegenüber und Ernst hatte das sofort heraus­gefühlt. Sie selbst wollte nicht so schwach sein. Ernst hatte Abbitte zu leisten für seinen trotzigen Eigen­willen. Daß der Erfolg für ihn sprach, änderte nichts an der Tatsache, daß er seinen Eltern den Gehorsam verweigert batte.

Unter diesen Gedanken erhielt sie ihre Fastung zurück, die fte beim Anblick des Sohnes einen Augen­blick verloren hatte. Langsam legte ste ihre Arbeit aus den Händen und erhob sich. Peter dachte zuerst an sie und schob Ernst an den Schultern der Mutter zu. ohne ein Wort zu sagen. Einen Moment stutzte er vor ihrer kalten, beherrschten Miene, aber bann nahm er seine Blutter ohne weiteres in seine jungen starken Arme unb küßte ste herzlich auf Munb und Wangen. Da wurde Frau Adolphine gar seltsam zu­mute. Sa eigen Wohlig und »am stieg es tat

Buxton den Arbeitern eine Reihe Fragen vor. Diese erwiderten, die Arbeitgeber hätten bat Ausgleichsübereinkommen vom Jahre 1907 dem Geiste und Buchstaben nach gebrochen und es fei unmöglich, eine Abstellung der Mißstände zu er­langen. Asquith schlug vor, eine königliche Kom- misston einzusetzen, um zu prüfen, welche Ab­änderungen des llebereinkommens wünschens­wert seien. Während die Arbeitgeber diesem Vorschlag zustimmten, lehnten die Arbeiter ihn . ab. Asquith machte die Arbeiter darauf auf­merksam, daß, wenn auch die Regierung unpar­teiisch sei, sie eine allgemeine Lähmung des Eisenbahnverkehrs nicht zugeben könne und die nötigen Schritte tun werde, um diese zu ver- f hindern.

London, 17. Aug. (Unterhaus.) Der Schatzkanzler Lord George erklärte auf eine An­frage über den angedrohten Eisenbahneraus­stand, daß es nicht wünschenswert erscheine, Mit­teilungen über den Stand der Verhandlungen, die im Gange seien, zu machen. Churchill führte aus, die ernsteste Erscheinung der Lage in Liver­pool sei, daß das Streikkomitee die Angestellten der elektrischen Kraftanlage aufgefordert habe, in den Ausstand zu treten. Das würde Liver­pool und dessen Gebiet des Lichtes und der Stra- stenbahnen berauben. Der Unionist Fell ersuchte Grey um Auskunft über die Verhaftung Ste­warts. Grey antwortete, er muffe Fell auf seine Antwort vom 10. August verweisen. Seit Er­teilung dieser Antwort sei eine Aenderung in der Lage nicht eingetreten. Fell drückte hierauf seine Meinung dahin aus, daß die Tatsache, daß Stewart Anwalt sei, zu der Vermutung führe, daß er nicht in die Spionageangelegenheit ver­wickelt sei.

Liverpool, 17. Aug. Die hiesigen Reeder erließen eine Kundgebung, in der sie sich bereit erklären, unter gewissen Bedingungen die von ihnen ausgesprochene Sperre aufzuheben. Die Kundgebung hängt mit dem von dem Exekutiv­komitee verschiedener Eisenbahnerverbände ge­faßten Beschluß zusammen, den gegenwärtigen Kampf nicht eher aufzugeben, bevor nicht die über ihre Arbeitskollegen wegen Unterstützung der streikenden Eisenbahner in Liverpool und anderen Orten verhängte Sperre aufgehoben und die davon betroffenen Leute wieder ein­gestellt feien.

London, 17. Aug. Heute nachmittag trat das Streikkomitee der Auslader zu einer Bera­tung zusammen und nahm eine Entschließung an, welche alle Mitglieder der Vereinigung der Auslader anweist, sofort zur Arbeit zuriick- zukehren.

L o n d o n, 17. Ang. Die Eisenbahner habe« den Generalstreik erklärt.

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ihrem Herzen auf unb sie war sich plötzlich bewußt, baß sie freiwillig auf ein Köstliches verzichtet habe in ihrer herben, strengen Art. Als Ernst sie bann frei gab. zwang sie freilich bies neue Gefühl in sich nieber. Es war ihr doch störend, unbequem. Ader auf «ine Abbitte des Sohnes wartete sie nun auch nicht mehr.

Ernst zog nun feinen Mantel aus, inbem er sich gerührt im Zimmer umblickte.

Daheim bei Vater unb Mutter," sagte er halb­laut vor sich hin. Dann schüttelt' er die Azeichheii ab unb warf lachend feinen Mantel zur Tür hinaus, einer Dienerin in die Arme. Dann blieb er vor den

Eltern wieder stehen und faßte beider Hände.

An euch ist die Zeit fast spurlos vorbeigeHangen, hauptsächlich an dir. Mutter. Roch immer rein graues Haar, keine Falte im Gesicht, wie eine junge Frau. Und frisch und gesund seht ihr gottlob beide aus."

Desto mehr hast bu dich verändert, Ernst." sagt« Peter Aßmann, noch immer mit seiner Be­

wegung kämpfend.

.Ja, Vater, tn meinen Jahren entwickelt sich bet Mensch und verändert sich am meisten. Unb zehn Jahre sind eine lange Zeit."

Warum bliebst du uns so lange fern? Ernst sah seinem Vater offen ins Gesicht.

Ihr habt mich nie zur Heimkehr aufgefordert, unb freiwillig wollte ich nur kommen, wenn ich euch beweisen konnte, daß ich es in meinem Beruf zu etwas Tüchtigem gebracht habe. Jetzt denke ich, bin ich soweit. Deshalb schrieb ich euch, daß ich nun heimkommen wollte. Aber jetzt seid mir nicht bös ich weiß, drüben fitzt Eroßtanting und wartet auf mich. Jetzt muß ich erst zu ihr es hält mich

nicht länger." t

Er drückte Vater und Mutter die Hand und stürmte hinaus. Mit langen Schritten durchmaß et den Korridor unb klopfte an Großtantings Tür. Ehe fi« noch Herein! rief, «ar er schon drinnen. Forts, folgt