14 (Nachdruck verboten.)
Die Aßmanns.
Roman von Eourths-Muhler.
tForttetzuna.»
Peter sah ihr ein« ganze Weile mit sonderbarem Ausdruck nach. Er bemerkte selten genug eine Gefühlsregung bei seiner Frau. Sie verlor nie ganz die Selbstbeherrschung. Daß ihr aber heut« der Gedanke an ihren ältesten Sohn sehr nahe ging, merkte er sehr wohl.
Er suchte dann Geor, auf.
Dieser nahm die Mitteilung mit unbeweglichem, kühlem Erstaunen auf. Ihm war der Bruder immer eine Art Abenteurer gewesen, von dem nicht viel Gutes zu erwarten war. Und nun entpuppte er sich als so ein« Art Berühmtheit. Jedenfalls brachte ihn diese Eröffnung in keiner Weise aus seiner Seelenruhe.
„Es ist gut, Vater, du brauchtest nicht in Sorge zu sein, datz ich mich verraten hatte. Es braucht ja niemand zu wissen, das; wir im Grunde nur noch sehr los« mit ihm zusammenhängen," sagt« er gelassen.
Peter nickte.
„Das wird nun wieder besser «erden, wenn Ernst heimkehrt"
„So? Er kehrt zurück?"
„Sicher. Er wird sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, Frieden mit uim zu schließe»."
„Wohl möglich. Aber du gestattest, Vater, ich mutz Fräulein Hagemann zu Lisch« führen, ich seh«, sie wartet bereits."
Damit ging er eilig auf eine schlanke, blonde Dame zu, die genau so hochmütig und herablassend au» den blauen schläfrigen Augen blickte, wie ihre Mutter.
Bet Tische ließ e» sich der Geheime Baurat Bür.
ger natürlich nicht nehmen, einen Toast auf den Sohn des Hauses auszubringen. „Der angehend« Stern am Himmel der Baukunst, der unserer lieben Vaterstadt einen Tempel der Kunst aufbauen wird, wie er schöner und herrlicher nicht gedacht werden kann." — Nun war Ernst Aßmann plötzlich in aller Mund Jeder wollte Näheres von ihm wißen. Ma r bestürmte alle Familienmitglieder, und je nach der Quelle, aus der man schöpfte, erhielt man ein entsprechendes Bild des preisgekrönten Architekten Großtanting malte in den sattesten, leuchtendsten Farben und zitterte vor Stolz über ihren leim Jung. Pete- und Adolphine markierten eine stolze, abwehrende Bescheidenheit und Georg lieferte ein sehr wässeriges Bild seines Bruders. Er ärgert« sich, daß all dir jungen Damen, die sich eifrig um seine Gunst bemüht hatten, sich so interessiert nach Ernst erkundigten. Den ganzen Abend gab es keinen anderen Gesprächsstoff mehr. Auch nachher, während de; Tanzes, mußte er immer wieder Auskunft geben. Er wünschte verdrießlich seinen Bruder ins Pfeffer- land.
Nach bei Tafel hatte sich Großtanting bald zurückgezogen, Bettina wäre am liebsten mit ihr gegangen, aber das ging leider nicht, da Tante Adolphine wünschte, Bettina bis zum Schluß zur Hand zu haben Auch war ihr« Tanzkarte gefüllt und sie mutzte aushalten.
Sie atmet« jedesmal wie erlöst auf, roenn einer dieser Pflichttänze zu Ende war. Die Herren kamen auch alle nicht in Stimmung mit ihr. Bettina merkte ihnen das Gezwungene an und gab sich fehr zurückhaltend und still. Die Gabe, gedankenlose Phrasen auf den Markt zu bringen, fehlte ihr vollständig. Man fand sie langweilig.
Rur Leutnant von Bühren traf den rechten Ton für sie. War er doch selbst so ein Stiefkind des Glücks. Und er war mit Bettinas Bruder zusammen im Kadettenkorps gewesen, wußte auch, datz dieser
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aber hat man noch immer Schonung geübt. Wie I derer Londoner Duelle" folgende Information, r.« n <xy>—__1 'i e** ho« Mofinpn ntfmellen Kletten
lange noch wird'» möglich fein? Werden nicht
46. Jayrg.
1911.
Marburg
Freitag. 18. August
morgen, vielleicht schon, wenn die 170 000 Eisenbahner das Heer der Streikenden verstärken. Ne Maschinengewehre sprechen, die blauen Bohnen die Entscheidung bringen müßen?
Wieder einmal hat die Praxis unserer radikalen Theoretiker und Schwätzer ins Unrecht gesetzt und zwar erfreulicherweise gleich so ins Unrecht gesetzt, daß sie hinterher nicht mit den Märchen von entstellten Preßeberichten usw. kommen können, um ihre widerlegten Behauptungen mit um so größerer Lungenkraft weiter ins Volk hineinzuposaunen. Wenigstens in den Teil des Volkes, der auf ihre Worte schwört und der ihnen noch viel größeren Unsinn auch glauben würde! Wir wollen nicht schadenfroh sein, wir wollen auch nicht die Pharisäer spielen, aber das können wir doch sagen, daß unser festgefügtes Regierungs- und Verwaltungssystem, unsere militärische Disziplin im Volke, nicht zum mindesten auch unsere Wirtschaftspolitik, die durch den Schutzzoll unsere Landwirtschaft als Ernährer des Volks erhält, ein starker Wall gegen Bürgerkrieg und Revolution ü la England sind. Ob sie bei einem übermächtigen Anwachsen sozialdemokratischer und revolutionärer Ideen im Volke vollständig schützen, das ist freilich eine zweifelhafte Frage.
Jedenfalls werfen die englischen Vorgänge ein grelles Schlaglicht. Besonders auch auf die, die in ständiger Hetz- und Minierarbeit den Wall, den wir gegen solche Ereignisse noch haben, unterwühlen.
Aber auch den englischen Machthabern sollten die Ereignis dieser Tage über den Augenblick hinaus zu nken geben. Keck und unverfroren haben sie die starke Boxerfaust mit drohender Gebärde zu uns herüber geschüttelt. Die Herren der Welt möchten sie spielen und find nicht einmal Herr im eigenen Lande. Sind nicht einmal gewiß, ob sie dem Volke noch morgen Brot und Nahrung sichern können. Möchten die jetzigen Vorgänge wenigstens dazu beitragen, den Herren überm Kanal, die über eine so erstaunenswerte Lungenkrast verfügen, eine Dämpfung des starken Organs ratsam erscheinen zu laßen.
„(Privat.) In den hiesigen offiziellen Kreisen besteht der unzweideutige Eindruck, daß die letzte Unterredung des Herrn v. Kiderlen mit Herrn Eambon die Verhandlung eher rückwärts als vorwärts gebracht hat. Man ist erstaunt, daß Deutschland allem Anschein nach eine bestimmte Unterlage nicht besitzt, sondern beständig seine Vorschläge ändert und es auf diese Weise unmöglich macht, von Unterredung zu Unterredung normalerweise zu einem Abschluß zu gelangen. Man bedauert auch, daß es in Bezug auf die
Die Marokkoverhandlmiaen nehmen nach den neuesten Meldungen einen eigenartigen Verlauf. Die Franzosen und Engländer scheinen enttäuscht zu sein, wenigstens find sie nicht zufrieden. Das ist ein Zeichen, daß man bei der deutschen Regierung mehr Festigkeit gefunden bat, als man erwartet hatte. In französisch-englischer Beleuchtung nimmt sich das folgendermaßen aus:
Paris, 16. Aug. Der „Temps" bringt, wie wir der „Franks. Ztg." entnehmen, „aus beson-
Der „verlorene Sohn" sollte heute ins Vaterhaus zurückkehrcn. Zwar hatte man ihm kein Kalb geschlachtet, aber eine Art F-stmahl hatte Frau Adolphine doch Herrichten lasst n.
Nichts an ihr verriet ihre inner« Erregung. Rur ih e Wangen brannten « was heißer als sonst, und die Augen hatten einen unruhigen, unsicheren Blick. Auch ihrem Tun fehlte die sonstige Stetigkeit. Bettina hatte es heute dopelt schwer. Einmal soll:« sie d.eses tun und jenes laßen und bann war es wieder umgekehrt. Dabei war das junge Mädchen selbst in fieberhafter Erregung
Durch den fte'en Umgang mit Großtanting war ihr Ernst Aßmann eine vertraute Persönlichkeit. Sie hatte fast alle seine Briefe an die alte Dame mit gelegen, hatte seinen Werdegang verfolgt und ihr Herz schlug ihm erwartungsvoll entgegen. Sein Ringen und Kämpfen draußen in der Svelt, sein heiße» Streben nach Vollendung hatte ihre Bewunderung erregt und seine warmherzigen, liebevollen Worte für Großtanting hatten verwand:e Saiten in ihre? Brust berührt. Nun sah sie seinem Kommen mit ebenso großer Erregung entgegen, wie Großtanting. Diese saß schon seit Stunden in besonders festrag- lichem Anzug in ihrem Lehnstuhl auf dem Erkerplatz und sah versonnen zum Fenster hinaus auf den Fluß, der an den Rändern zugefroren war. Ihre Hände waren wie im Gebet gefaltet und in ihren Augen lag erwartungsvoller Glanz.
„Min leine Jung — min keine Jung," sagte sie manchmal vor sich hin mit innigem Ausdruck. Hier in ihrem Lehnstuhl wollte sie auf ihn warten, hier sollte er sie finden, wie er sie vor mehr al» zehn Jahren verlaßen hatte. Erst mochte er drüben Frieden machen mit seinen Eltern, ihnen sollte er zuerst allein gehören. Dann aber wollte sie ibn auch «U» Stündchen für sich allein besitzen.
lForljetzung,otgt?
Verhandlungen in der deutschen Preße zu einer inneren Polemik gekommen ist. denn man befürchtet, daß diese vom Parteigeist eingegebene Polemik schließlich auch in übermäßiger Weise auf die Stimmung der deutschen Diplomaten einwirkt. Man neigt dazu, die beständigen Aenderungen des Herrn v. Kiderlen daraus zu erklären, ebenso wie ein bei der letzten Erklärung unzweifelhaft hervorgetretenes Zurückweichen." (Sehr klug berechnet! Die Red.)
Der „Temps" fügt hinzu: „Informationen, die uns von anderer Seite zugehen, bestätigen, daß die letzte Unterredung zwischen Herrn Cam- bon und Herrn v. Kiderlen eher einen Rückschritt als einen Fortschritt der Verhandlungen gebracht hat. Der deutsche Staatssekretär sei auf seine früheren Forderungen, die man bereits aufgegeben glaubte, zuriickgekommen und habe die Aussicht auf ein ehrenwertes Uebereinkommen, das man noch vor wenigen Tagen ins Auge faßen konnte, zweifelhaft gemacht."
Die Kompensation.
Kurz vor der Reise des Staatssekretärs des Auswärtigen v. Kiderlen-Wächter nach Wil- helmshöhe scheint etwas über die Absichten der deutschen Regierung in der Marokkofrage durchzusickern. Der „Berl. Lok.-Anz." weiß zu berichten, daß Togo als Kompensations- objekt unter keinen Umständen in Betracht komme. Man scheint jetzt hauptsächlich über das Hinterland von Kamerun zu sprechen, jedoch geht die deutsche Regierung in diesem Punkte gründlich zu Werke, denn sie wünscht nicht bloß Landstriche zu erwerben, in die mit zweifelhaftem Erfolg große Summen hineingesteckt werden müßten. Außerdem dürfte das südliche Marokko eine Rolle bei den Verhandlungen spielen. Da nicht feststeht, ob dieser Landstrich erzhaltig ist. wird von der französischen Regierung anzuerkennen sein, datz deutsche Firmen, die bereits Bodenrechte in jenem Gebiet erworben haben, im Falle der Entdeckung von Erzlagern berücksichtigt werden, bezw. dem Deutschen Reiche für diesen Fall die Tür in Südmarokko offen bleibt. Es werden hierbei für den Fall der Auflegung von Erzlagern vitale wirtschaftliche Intereßen des Deutschen Reiches berührt, das erkennt die
Das Ideal England.
Was haben wir nicht alles für herrliche Geschichten von dem freien Musterlande überm Kanal durch den Mund unserer radikalen Politiker anhören müßen. Wie hat man uns das englische parlamentarische Regierungssystem gelobt, wie jeden Berufsstand als vorbildlich gepriesen. Könige, so konstitutionell wie den King, gibts keinen auf der Welt, Minister, so frei und unabhängig wie die Englands, sind keine anderen. Keine Kaufleute, die es an Großzügigkeit und Weitblick, keine Sportleute, die es an Schneid, keine Journalisten, die es an Wißen und Takt mit den Engländern aufnehmen könnten. Und keine Arbeiter, die so ruhig-selbstbewußt, so wohldiszipliniert wären, wie die englischen, die Recht und Gesetz so hoch achten, daß kein Schutzmann eine scharfe Waffe zu führen brauchte, die dem bloßen Winke des Auges des Gesetzes willig folgten.
Es verging keine Gelegenheit, da wurde uns gesagt, daß es in England Sozialdemokraten gar nicht geben könnte infolge der freien Zustände, an Revolution gar nicht zu denken. Was haben wir anläßlich Moabit nicht alles für Vergleiche zwischen dem englischen freien Staat und dem preußischen Polizeistaat hören müßen! Und doch war Moabit nur ein Kinderspiel gegenüber dem, was in England vorgeht. Was hat Herr von Eerlach nicht schon alles in der „Welt am Montag" und anderwärts von dem freien englischen Wahlrecht (das bekanntlich nicht existiert), von den gesunden volkswirtschaftlichen Zuständen erzählt, um unsere eigenen Verhältnisse schlecht zu machen.
Es war einmal. Heute schreibt selbst ein „Berl. Tgbl." zu den englischen Streikunruhen: „Wenn sich die ungezügelte Maße weiter in der bisherigen Richtung zu schlimmen Gewalttätigkeiten hinreißen läßt, dann müßen zuletzt die blauen Bohnen die Entscheidung in den sozialen Kämpfen bringxn." Dieses Wort aus diesem Munde wirft in der Tat ein grelles Schlaglicht auf die Lage in dem vielgerühmten England. — Hundrttausende von Arbeitern feiern. Der Verkehr im ganzen Reiche ist lahmgelegt. Die Lebensmittel werden mit Preisen ausgewogen, wie sie höher auch in Kriegszeiten nicht sein können. Eine Hungersnot droht dem ganzen Lande. Millionen und Abermillionen an Gütern kommen um, oder werden vernichtet. In den großen Hafenstädten machen sich die ersten Anzeichen eines beginnenden Bürgerkrieges bemerkbar. Brennend und plündernd durchziehen die Streikenden die Städte. Das Militär steht marschbereit, um die soziale Revolution im Keime zu ersticken. Schon sind die ersten Schüße gefallen. Im großen und ganzen
Die „Oberheßische Zeitung" erscheint täglich mit «uknahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt wertei;ahrlich durch die Poft bezogen 2.25 <* (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 «X frei ins Hau». (Für unver. langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion (einerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:
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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
der Armeleutnantsmisere mit einem Schutz ins Herz ein Ende ge- acht batte. Natürlich sprech er nicht mit ihr über den Bruder, aber Bettina wußte, datz er ihn gekannt hatte. Bei einer früheren Begegnung hatte er es ihr erzählt.
Bühren gegenüber ging Bettina etwas aus ihrer stillen Reserve heraus. Sie plauderte ganz zutraulich mit ihm und er blieb in ihrer Geselllchaft, bis der näckste Tänzer sie ihm entf hrte. Auch später verplauderte er not'i eine P-uke mit ih' Er fühlte sich von ihrer lieblick-ernsten Anmut gefesselt. Als er sich von ihr verabschiedet«, entstieg ein Seufzer seiner Brust.
„Das wäre nun mal so ein sützes, liebes Mädel, bas einem gefallen könnte. Aber du lieber Himmel, das wäre ja der Anfang vom End«. Die ist ja noch ärmer Gfs ich — so etwas kann sich unsereiner natür lich nicht leisten." dachte er und suchte den Gedanken an Bettina zu verbannen.
Diese dachte, ehe sie nach Schluß des Festes zu Veti ging, mit einem Seufzer der Befriedigung, daß sie nun in den nächsten Wochen vor Ballfreudelt Ruhe hatte.
„Aber Herr von Bühren ist doch viel netter und liebenswürdiger als die anderen alle. Mit ihm kann man doch re. en, wie einem ums Herz ist, und er ließ es mich nicht so merken, daß er nur aus Pflichtgefühl mit mir tanzte. Fast glaube ich, es hat ihm Vergnügen gemacht." dacbte sie und legte sorglich das Ke'tchen mit dem Türknenmedaillon in ein Kästchen. Cie betrachtete es liebevoll und legte ihre Svange schmeichelnd daran, als wäre es Groß, tantings liebe Hand.
Ehe sie einschlief, sagte sie plötzlich halblaut vor sich hin: „Nun wird Ernst Atzmann bald heim- kommen." Und mit dem Gedanken an ihn schlief fi« ein. .:
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französische Regierung auch ohne weiteres M. Wenn die allgemeinen Grundlagen des Abkommens geschaffen sein werden, wird beabsichtigt, einen Vertrag zu schließen und zu veröffentlichen. — Auch die „Deutsche Tagesztg." versichert, daß die deutsche Regierung unter allen Umständen wirtschaftliche Garantien in Marokko verlangt und zwar solche, die nicht bloß ein Stück Papier bedeuten, sondern die tatsächlich unseren Handel und unsere Industrie schützen und fördern. Das Blatt schreibt: In dieser Richtung kann eine Tatsache beruhigend wirken: die Berufung des deutschen Konsuls Vaßel aus Tanger nach Berlin ins Auswärtige Amt. Vaßel gilt als einer der besten Marokkokenner und insbesondere als einer, der die bisherigen Schliche und Jntriguen der Franzosen in Marokko genau kennt. Vaßel weilt zwar bereits einige Zeit in Berlin, ist aber infolge des Genußes von schlechtem Wasser auf der Heimfahrt an Fieber erkrankt; jetzt ist er wieder gesund. Wie ernst es Herrn Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter mit einem wirksamen Schutz der deutschen Interßen in Marokko ist, bedeutet die Tatsache, daß für die Formulierung der neuen Verträge mit dem französischen Botschafter Herrn Cambon eben die Erfahrung Vaßels grundlegend sein soll. Vaßel nimmt seit heute an den Besprechungen im Auswärtigen Amt teil.
Weiter liegen folgende Meldungen vor:
Berlin, 16. Aug. Der Reichskanzler ist heute abend hier eingetroffen. Er folgte einer Einladung des Staatssekretärs des Aeußern von Kiderlen-Wächter zu einem Mahle, an dem auch der Botschafter Freiherr Marschall von Bieberstein teilnahm. Morstgen vormittag begeben sich der Reichskanzler Und v. Kiderlen-Wächter nach Wilhelmshöhe, ihnen schließt Frhr. Marschall v. Bieberstein an, um, wie üblich, vor der Rückkehr auf seinen Posten in Konstantinopel sich bei dem Kaiser zu melden.
Die „Deutsche Tagesztg." meldet aus Paris: Das Gerücht, daß Frankreich Truppen an der Ostgrenze zusammenziehe, wird von dem Kriegs- Minister ganz energisch als durchaus unbegründet bezeichnet. Frankreich heißt es, konzentriere durchaus keine Streitkräfte.
Paris, 16. Aug. Aus Mogador wird unterm 8. August gemeldet: Der Stamm Hanra nahm nach mehreren Kümpfen zwei deutsche Agenten der Gebrüder Mannesmann, die in Tarudant ansässig waren, gefangen. Bisher ist nichts über das Schicksal der Gefangenen bekannt.
Tie^nsstands-Beweauna in England.
Es liegen folgende Meldungen vor:
London, 16. Aug. Obwohl die Arbeit in beit hiesigen Docks nicht wieder ausgenommen wurde, fujeinen die Aussichten, datz die Arbeit morgen wie-