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MrUWe Jeilmg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Vellage".

UnlverMs-GrimduncispIäne.

Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht Han» Becker imDaheim" einen Aufsatz, der sich im be­sonderen mit dem Plane der Gründung einer Universität Frankfurt beschäftigt. Zn den Aus­führungen heißt es:

Die Frankfurter Universität soll eineStiftungs­universität" werden, d. Ij. privat« Kreise wollen Kapitalien für die Gründung und Erhaltung der Universität aufbringen, auch die Stadt selbst will mit ihren Steuererträgen jährlich bedeutende Beiträge zuschießen. Am 29. Juni hat die Stadtverordneten­versammlung zu der Denkschriftirs Magistrats über die geplante Gründung mit 47 bürgerlichen gegen 19 sozialdemokratische Stimmen ihr Einverständnis erklärt. Aber, und das ist der springende Punkt, die Frankfurter wollen sich eine gewisse Unabhängigkeit von dem Staat für ihre Universität wahren. Mehr­fach ging durch die Presie die Nachricht, man sei in Frankfurt an der Arbeit, um bestimmten Kreisen näheres wurde nicht gesagt einen Einfluß auf die Neuzugründende Universität zu sichern und den staat­lichen Einfluß möglichst ein,zuschr'inken. Er scheint das Bestreben obzuwalten, für die Neugründung dem kapitalistischen Geist einen vorwiegenden Einfluß wahren zu wollen. Die Staotoecoidnetenversammlung hat in der erwähnten Sitzung einem Antrag z ge­stimmt, wonach die Anstellung der Dozenten nicht mehr von ihrer eligiösen oder wissenschaftlichen Ueberzeugung abhängig gemacht werden darf. Diese unsere Erörterungen wollen nicht von einem bestimm­ten Parteistandpunkt aus angestellt werden, aber gerade darum muß auf das Bedenkliche jener Bestrebungen aufmerksam gemacht rotrbett, und zwar mit Rücksicht auf die Freiheit und die Interessen des Staates. Der moderne Staat hat die Freiheit und Beweglichkeit der Wissen­schaft bisher noch immer am besten zu wahren gewußt. Würde sein Einfluß zurückgedrängt, so würde die neue Universität nach einer anderen Seit« hin beeinflußt werden, und das wäre auf da» schmerzlichste zu bedauern, denn das hieße die Frei­heit empfindlich gefährden. Und wenn die Anstellung der Dozenten nicht von ihrer wissenschaftlichen Ueber- zeugung abhängig gemacht werden soll, so hat da» auch etwas sehr Bedenkliches. Wenn z. B. die Juristen und Volkswirtschaftslehrer der neuen Uni­versität überzeugte Anhänger der sozialdemokrati­schen Staatslehre sein sollten, dürfte dem der Staat ruhig zusehen, dürfte er es ruhig geschehen lassen, daß da gegen seinen Bestand gearbeitet wird?

Noch ein weiteres Anzeichen ist dafür vorhanden, daß man die neue llnversität nach einer bestimmten Richtung hin beeinflussen will, und es wird bei allen national und freiheitlich denkenden Kreisen auf ent- schredenen Widerspruch stoßen müssen. In den Frank­furt benachbarten Universitäten, Marburg und Gehen, Bo^n und Heidelberg herrscht eine starke Antipathie gegen die gepl< ih Neugründung: man fürchtet wohl nicht mit Unrecht, daß die Frequenz dieser Universitäten durch die neue Rivalin stark herabgedrückt werden wird. Aber damit vereinen sich noch jene oben angedeuteten Befürchtungen, daß in

Jfä 191

die theologische Fakultät würde daher bei uns dem

entschlossenen Bekenntnis zu einer wesentlich

ab­

hat auf

weniger, weil Amerika eben f'ine Geschichte Bei uns liegt beides anders, und der Verzicht

46. Jahrg«

1911.

weichenden Welt- und Eeschichtsanschauung gleich- koinmen."

Becker bemerkt dazu:

Diese Worte sind ein ehrendes Zeugnis für die Männer der deutschen Wissenshaft und für die deutsche Theologie, und der Schluß ist berechtigt: entweder soll die neu zu gründende Universität eine theologische Fakilltät erhalten und damit davor be­wahrt werden, in eine Richtung hineinzukommen, die der historischen Tradition der deutsch n Univer­sitäten widerspricht, oder es soll überhaupt keine Neugründung erfolgen.

So ist es. Und da die Frankfurter absolut etwas besonderes haben wollen, liegt die richtige Schluß­folgerung sehr nahe. Wir hoffen, daß das Kultus­ministerium auch so denkt, das Abgeordnetenhaus hat ja seine Ansicht in diesem Sinne schon kundge­geben.

Marburg

Mittwoch, 16. August

die neue alma mater ein Geist einziehen soll, der den bisherigen Traditionen auf deutschen Universitäten stracke widerspricht.

Im weiteren bekämpft Becker die Idee, der Uni­versität eine theologische Fakultät nicht geben zu wollen. Er bezieht sich auf Harnack, der auf eine An­frage aus Frankfurt hin neulich geantwortet hat, daß ohne theologische Fakultät die Universität einen man­gelhaften Charakter trage. Den Kernpunkt der Frage trifft nach Beckers und unserer Ansicht folgen­der Beschluß der Universttittsrektoren, die ein Gesuch an den Kultusminister um Ablehnung der geplanten Universität einreichten: In dem Beschluß heißt es:

Von den vier Fakultäten, d.e die alte Universitas litterarmn umfaßt, streicht man die theologische Fa­kultät, weil für sie kein Bedürfnis vorliege, sie auch aus örtlichen Gründen sich nicht rechtfertigen lasse. Die Meinung, daß man auf die Theologie im Rah­men der Universität ohne erheblichen Schaden ver­zichten könne, mag heute weit verbreitet sein; wir vermögen darin aber nur einen bedauerlichen Irr­tum zu erkennen. Die theologischen Fakultäten find vielmehr ein notwendiges Ergebnis der staatsrecht­lichen und geschichtlichen Entwicklung unserer Uni­versitäten und deshalb ein notwendiger Bestandteil ih es Organismus. Ein« Organisation der wissen­schaftlichen Eesan tarbeit, die die Erforschung des Christentums aus den Quellen von ihrem Lehrplan und ihrer Forschung auszuschließen unternähme, hätte daher keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, wäre vielmehr parteilich und daher schädlich. Man darf sich für die Zulässigkeit des Verzichts auf theo­logische Fakultäten nicht auf gewisse amerikanische Universitäten Berufen. Geschichtliche und staatsrecht­liche Verhältnisse haben dort eine andere Entwick­lung zur Folge gehabt. Die Zersplitterung der Be­kenntnisse macht ene theologische Fakultät dort viel­fach unmöglich: aber zugleich bedeutet der Verlust

vertrat den Wahlkreis seit dem Jahre 1890. Vorher war der Kreis seit 1871 ununterbrochen nationalliberal vertreten. Bei den letzten Wah­len siegte Hug mit rund 14 300 Zentrumsstim­men gegen rund 8600 nationalliberale und 2600 sozialdemokratische Stimmen. Der Kreis kann also wohl nicht als unbedingt sicher für das Zen­trum gelten. Ob angesichts des bevorstehenden Reichstagsschlusses eine Neuwahl noch zweck­mäßig sei, ist fraglich. Immerhin wird man kaum umhin können, sie anzuberaumen.

Ministerialerlaß über Schaffung neuer Stelle» für Unterbeamte. Wie verlautet, bat der Handels­minister durch einen neuen Erlaß die Schaffung vo« Stellen für Unterbeamtc bei der Berg-, Hütten- uni Calinenverwaltung angeordnet. Es handelt sich da. bei um die Umwandlung der Stellen für Aufsichts­beamten in Unterbeametnstellen, für die ein An fandgsgehaltfangsgehalt von 1400 Mark und eh Hchstgehalt von 2100 Mark nebst Wohnungsgeldzw schuß festgesetzt ist.

verbot des Betretens der Reichsland«. Straßburg, 14. Aug. Die reichsländische Regie­rung hat dem ehemaligen nationalistischen De­putierten, Oberstleutnant Rousset, welcher an dem von der VereinigungSouvenir francaise' veranstalteten Besuch der Schlachtfelder bei Met teilnehmen und daselbst Vorträge halten wollte verboten, die Reichslande zu betreten.

Festgenommene Spione? Metz, 12. Aug. Nach derMetzer Zig." sollen sich zwei Beamt« der Metzer Fortifikationen verdächtig gemacht haben und auf Veranlassung der Staatsanwalt­schaft festgenommen worden sein. Einer von ihnen soll auch noch einen dritten denunzieri haben, der geständig sein soll. Nähere Einzel- heiten darüber liegen noch nicht vor.

Schutz der Landschaft am Eroßschissqhrts oeg Wie mitgeteilt wird, hat die Regierung eine b> sonder« Polizei Verordnung erlassen, die die Land sckmft am EroßsSisfahrtsweg, in erster Reihe an landschaftlich schönen Lehnitz-See, gegen baulich, Verunstaltung schützen soll. Durch den Erlaß wirt die Anbring ng von Reklameschildern, Plakaten Aufschriften, Reklamebildern allere Art und ähn lick'en Einrichtungen, die geeignet sind, das land schuftliche Bild zu beeinträchtigen und zu uerun zieren, bei Haststrafe verbeten. Bei der Genehmigung vcn neuzuerrichtenden Bauten wird die Erhaltu», des schönen landschaftlichen Bildes Hauptbedingun, sein. In allen Fällen, in denen die landschaftlich Schönheit durch di« Bauten gefährdet ist, kann di Genehmigung dazu versagt werden. Der Schutz er streckt sich auf eine Entftrnung von 500 Mete parallel der Ufetlinie. In dieser Verfügung siw alle Ufer des Lehnitz-Sees mit Ausnahme des fiid ilchen eingeschlossen.

Tschechische Uebergriffe. Breslau, 14. Aug Der BallonWindsbraut", der am Donnerstag zu einer wissenschaftlichen Beobachtungsfahr aufqestiegen war, wurde bei der Landung Ult weit des Dörfchens Zlabek bei Semil in Böhmer durch herbeiströmende Tschechen aufs feindseligst« behandelt. Die Vallontakelung wurde durck Zerschneiden beschädigt. Wertvolle Instrument

Der heuliqen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 61.

der Düsseldorfer Polizeipräsident im Gegensatz hierzu bestimmt, daß nur in der höchsten Rot von der Schußwaffe Gebrauch gemacht werden solle. Zu Wächtern der Ordnung sollen überhaupt nur ruhige, besonnene Leute gewählt werden und so sehr jeder Schutz für sie zu wünschen ist, nament­lich gegenüber dem Verbrechertum in unseren Großstädten, so will uns doch die Düsseldorfer Bestimmung besser gefallen, als die Berliner. Sie haben beide ja nur theoretischen Wert, und der Einzelne wird im Kampfe mit dem Ver­brechertum zu seinem Schutze selbst entscheiden müssen, was sofort und was der Zeitpunkt der höchsten Not ist. Haben demnach solche theo­retischen Anweisungen wenig praktischen Wert, so muß man umsomehr bedauern, daß durch den Erlaß des Herrn v. Iagow der Agitation un­serer radikalsten Linken wieder neuer Stoff zu- geführt ist.

Politische Umschau.

Der Erlaß des Berliner Polizeipräsidenten v. Iagow, daß jeder Schutzmann, der bei Gefahr mit Ver­brechern nicht sofort schieße, bestraft wird, findet in der Presse nur geteilten Beifall. Jetzt hat

Deutsches Reich,

Bom Kaiser. Cronberg, 14. Aug. Der Kaiser ist um 2.25 Uhr mittels Sonderzuges nach Wilhelmshöhe abgereist. Auf dem Bahnhof ver­abschiedete sich der Kaiser in sehr herzlicher Weise von Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen. Die Kronprinzessin von Griechen­land begleitet den Kaiser nach Wilhelmshöhe zum Besuch der Kaiserin. Wilhelmshöhe, 14. Aug. Der Kaiser ist um 8 Uhr abends, von Cronberg kommend, in Begleitung der Kron­prinzessin von Griechenland hier eingetroffen.

Verteilung der Kaiserrede gegen den Al­kohol in den Kasernen. Berlin, 14. Aug. Die bekannte Rede, die der Kaiser am 21. November v. I. an die MarinefSbnriche gegen den über­mäßigen Genuß von Alkobol gehalten hat, wird jetzt in den Kasernen an die Soldaten verteilt.

Kabinettsordre. Berlin, 14. Aug. Das Armeeverordnungsblatt veröffentlicht eine Ka- binettsordre des Kaisers, durch die zu Ehren des Andenkens des verewigten Generals der Infan­terie z. D. von Braunschweig bestimmt wird: Sämtliche Offiziere des 17. Armeekorps legen 3 Tage Trauer an. An den Beisetzungsfeierlich- keiten am 15. August in Braunschweig nehmen der kommandierende General des 17. Armee­korps und der Kommandeur des Königin- Augusta-Earde-Erenadierregiments Nr. 4, ä. la suite dessen der Verstorbene gestanden hat, teil.

Rückkehr des Reichskanzlers nach Hohen­finow. Berlin, 14. Aug. DieNordd. Allgem. Ztg." meldet: Reichskanzler v. Bethmann-Holl- weg ist heute früh in Berlin eingetroffen und nachmittags nach Hohenfinow zurückgekehrt.

Reichstagsabgeordneter Hug f. Konstanz, 14. Aug. Der Reichstagabgeordnete Geheimer Finanzrat Friedr. Hug ist heute früh gestorben. Durch den Tod dieses Abgeordneten ist der erste badische Wahlkreis Konstanz-Ueberlingen er­ledigt. Abg. Hug, der dem Zentrum angehörte,

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Suknahrne der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 JK. (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <H frei ins HauS. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:

Dr. Hitzerokhl, Markt 21. Telephon 55.

Der Anzeigenpreis beträgt für die Igespaltene geile ober deren Raum 15 4- bei auswärtigen Anzeigen 20 4» für Reklamen die geile 40 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bei Konkur» kein Rabatt. Verbindlich­keit für Platz-, Datenvorschrift und Belegliekerung ausgeschlossen. Zahlungen im Postsckieckverkehr ohne Portokosten unter Rr. 5015 des Postlckeckamtes ttmnffnrt «. M.

2 (Nachdruck verboten.)

Die Aßwanns.

Roman von Courths-Mahler.

(Fortt ehung.j

Bettinas Augen suchten immerfort Eroßtanting. Diese hatte einige alte Freunde begrüßt und ging eben quer durch den Saal. Dabei entfiel ihr der seidene Schal, den sie um die Schultern trug. Bettina lief hinüber, ihn aufzuheben, froh einen Grund zu haben, sich ihr zu nähern. Zugleich mit ihr langte Leutnant Bühren bei der alten Dam« an. Gleich­zeitig bückten sie sich nach dem Schal und lachten sich an, als st« ihn zusammen aufhoben. Großtanting lachte mit und dankte den beiden jungen Leuten. Bühren bat sich bet dieser G-legenheit Bettina» Tanzkarte au» und unterhielt sich sehr nett und artig mit ihr. Dann wurde er von einem filteren Herrn angesprochen und mit fortgeführt. Bettina hing sich an Eroßtantings Arm.

Gottlob, daß ich wieder bet dir bin, Groß- tanttng. Ganz beklommen ist mir unter all den fremden Menschen. Laß mich bet dir bleiben, ja."

Aber Kind, du sollst dich doch unter da» Jung­volk mischen, sollst langen u b lustig sein. Hast dich doch eben mit Herrn von Bühren ganz nett unter­halte .«

Bettina seufzte.

Ach Eroßtanting, so nett tote Herr von Bühren ist auch sonst hier keiner zu mit. Ich passe nicht tn diese Gesellschaft und man läßt es mich deutlich M ff bien, dag ich eigentlich nicht zu ihnen ge-

AL. bas bildest du dir wohl nut et*, mußt

nicht so empfindlich fein, erwiderte Eroßtanting tröstend, obwohl st« wußte, daß Dettina recht.hatte.

Nein, es ist gewiß nicht Einbildung und Emp­findlichkeit. Es tf ja auch so verständlich, ich nehme es ihnen gar nicht Übel. Aber laß mich an deiner Seite bleiben, dann ist mir viel froher zumute."

So bleib bei mir, Dummen en. Hast du meine ölte Freundin, Frau Sonitfitsrut Dönges schon ge­sehen?"

Ja, Eroßtanting, die sitzt mit Herrn Professor Kretner drüben im kleinen Salon. Bergrat Selt­mann und seine Gattin sind auch dabei.

Ah, also alle meine Getreuen. So führe mich zu ihnen, Bettina. Auf ein Plauderstündchen mit diesen freien Geistern neue ich mich. Und davon kannst auch du profitieren, wenn e» mir auch für dich lie­ber wäre, wenn du statt einiger Lebensweisheit ein bißchen fröhliche Lebenstorheit in dich aufnähmst.

Sie schritten beide durch den Saal nach einem klei­neren Rebenfalon hinüber. Ehe st« die Türen er­reicht hatten, trat ihnen Frau Adolphine in den Weg.

Ich hörte vorhin von Bettina, du hättest ihr dies wertvolle Kollier geschenkt, Tanke (Emma. Das ist doch wohl ein Irrtum? Oder solltest du nicht wissen, daß dieses kostbare alte Schmuckstück sch m durch die wertvoll« Eoldschmiedearbeit einen Wert von einigen hundert Mark repräsentiert?"

Eroßtanting sah ruhrg in das verärgerte Gesicht Adolphines und wandte sich dann an Bettina.

Geh doch schnell mal hinauf, in mein Zimmer, Kind, ich habe mein Riechsalz vergessen," sagt« sie bittend.

Bettina eilte mit totem Kopf davon. Tante Adolphinens Worte waren ihr peinlich, weil sie einen Tadel für Großtanting enthielten.

Diese legte, nachdem sich Bettina entfernt hatte, ihre Hand auf Frau Adolph! ens Arm.

Ich schickte Bettina fort, weil ich es nicht liebe, non dem Geldwert gemachter Geschenke in Gegenwart der beschenkten Person zu reden, llebrigens hast du recht taxiert, das Kettchen mit dem Medaillon würde zwei- bis dreihundert Mark wert sein. Es hat aber noch einen viel größeren idealen Wert für mich ge­habt. Meine Mutier schenkte es mir, als ich das erste Mal zum Balle ging, als eine Art Talisman gegen die Gefahren des Ballsaales. Bettina ist ein fo armes, bedauernswertes Geschöpf, sie hat schon so viel im Leben verloren. Uitt kein sorgendes Mutterauge vachl über sie. Deshalb schenkte ich ihr das Kettchen als Talisman. Du hast doch nichts da­gegen einzuweden, V»be Adolphine?"

Diese hätte sehr viel dagegen einzuwenden ge­wußt, aber den klugen, gutmütig überlegenen Lächeln der alten Dam« gegenüber wagte st« nichts weiter zu sagen als:

Es ist mir nur darum zu tun, daß Bettina nicht verwöhnt wird."

Laß gut sein, Adolphine. Auf Rosen ist das arme Ding nicht gebettet. Uno so ein bißchen Li be und Elite braucht sclch ein jung , Menschenkind, soll «s nicht verbittern."

Adolphine lachte gezwungen.

Du bist eine groß« Idealistin, Tanke Emma, trotz deiner Jahre."

Die alte Dame nickte.

Ja und hoffentlich bleibt mir ein bißchen Idealismus treu so lange ich leb."

Da Bettina jetzt zurückkam., g<ng Adolphine da­von. Das junge Mädchen legte zitternd ihre Hand auf den Arm dec alten Dame.

War Xante Adolphine sehr», daß du mir

eir so kostbares Geschenk gemachi hast?" frag si leise.

Eroßkan.ing lacht« und sah sd an.

Hu was machst du für ängstliche Augen. Ga nicht bcse war sie, wollte nur hören, ob es ein In tum von dir war Und wenn sie auch bitterböse g« wesen wäre, nich kann heute n'chks aus meiner frei digen Stimmung bringen Sei also ruhig, Blonl chen, und freue dich mit mir über den Erfolg vo min leine Jung."

Mas hat Onkel Peter dazu gesagt, Grq tarting?"

Die alte Dam. atmete tief auf.

Gar nichts, Bettina, aber ich hab' ihn seit seine Kindertagen das -rste Mal wieder weinen sehen."

Onkel Peter ist gut.

Ja. gottlob, das ist er. Cr müßte ja auch (ei Aßmann sein."

Georg ist auch ein Aßmann und er ist gemi nicht gut."

Nein Georg fft kein Aßma n er ist sei« Mutter Sohn. Aber nun komm, Blondchen, hier fiv meine alten Freunde. Setz -ich zu uns, du darf zuhören, was kluge Menschen Teben.

Eroßtanting wurde herzlich begrüßt von ihr« Bekannten, und von diesen vier geistig bedeutend«^ Menschen wurde auch Bettina mit lächelnder EL. aufgenommen.

Kommen Sie, Fräulein Goldblondchen, wir alte Leute können einen Sonnenstrahl brauchen, » da nn zu wärmen," sagte Professor Kretner lächeln, zu ihr.

Bettina setzte sich neben Großtanting nieder «tf war froh und glücklich, als hätte Jte «inen fi^B» Hazen erreicht.

(Fortsetzung folgt.)