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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den BeilagenNach Feierabend",Fürs Haus" und ^Landwirtschaftliche Beilage".

JE 190

TieOber hessische Zeitung" erscheint täglich mit «uknah.ne der S. nn> und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.26 <K lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <Ä frei inS HauS. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:

Dr. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 56.

Marburg

Dienstag, 15. August

Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gesp->ltene Zeile deren Kaum 15 jL, bei auswärtigen Anzeigen 20 4» für R-tl men die Zeile 40 j.. Bei Wiederbolunaen entsprechender 8ubatt. Hetzer Rabatt gilt all Barrabatt. Bet Konkurs kein Rabatt, verbindlich« leit für Platz«, Datenvorschrift und Belegliefcrung a«sq'ckl>ffcn. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokost'n unter ?.r. 5015 beS Postscheckamtes Aranksurt a. M.

46. Jahrg.

1911.

Umschau im Auslande.

Unser Jultusturm hat bet den Norwegern Gefallen gefunden. Das Storthing hat einen Antrag angenommen, nach dem nunmehr für Kriegsfälle oder wirtschaftliche Notstände ein Reservefonds von 40 Millionen Kronen jederzeit zur Verfügung stehen wird. Der Vorschlag ist nicht neu. Der Staatsschatz verfügt über den Betrag von 40 Millionen, der einen Nest der Anleihe bildet, welche von der nor­wegischen Regierung nach der Auflösung der Union mit Schweden in. Jahre 1905 im Hinlick auf ein etwaiges bewaffnetes Vorgehen dieses Landes ausge­nommen worden ist. 1900 wurden von dieser An­leihe, die 50 Millionen betrug, 10 Millionen zur Deckung des Rüstungsausgaben des vorhergehende« Jahres verwendet: die übrigen 40 Millionen blieben in Verwahrung. Im Jahre 1908 wollte man bereits diese Summe für die obengenannten Fälle reser­vieren. Was damals aber abgelehnt wurde, ist nun fetzt erreicht.

Engländer und Amerikaner haben wie­der einmal zur äußerlichen Bestätigung ihrer soge­nannten Friedensliebe einen Schiedsgerichtsvertrag geschloffen, der gegen Deutschland eine wie ja üblich größere Anzahl vonLiebenswürdigkeiten" ent­halten soll. Sogar in Fragen, die die nationale Ehre und die Integrität des Staatsgebiets betreffen, soll eine schiedsgerichtliche Entscheidung erfolgen. Daß eintretendenfalls ein frenider Staat über die nationale Ehr« eines anderen entcheiden soll, ist wohl eine der grössten Verrücktheiten der beiden in solcherlei Dingen ja innig verwandten Vertrags­parteien. Zur Bekräftigung ist auch der englisch- japanische Bündnisvertrag dahin abgeändert wor­den. daß er fortan keine Anwendung argen die Vereinigten Staaten mehr finden kann. Bei einem japrmisch-amertkaniscken Kriege wäre also England nicht mehr in der Lage, gegen Amerika Partei zu ergreifen, wohl aber gegen Japan. Wer aber das gespannte Verhältnis zwischen Japan und den Vereinigten Staaten kennt, der wird damit auch den besten Maßstab für die Bewertung des Schiedsver­trages gefunden haben.

Die völkerrechtliche Stellung der kolonialen Flotten Kanadas und Australiens ist jetzt von der Reichskonferenz geregelt worden. Danach stehen die Flotten ausschließlich unter dem Befehl der kolonialen Regierungen, und die Regierungen erhalten ihre eigenen Flottenstaftonen. zugewiesen deren geographischer Bereich jetzt genau festgestelli ist. aber späteren Aenderungen unterzogen werden kann. Wenn die kolcnialen Negierungen Kriegs­schiffe nach einem anderen Teile des britischen Reiches, außerhalb der Gewäffer ihrer Stationen senden wollen, so haben sie die englische Admiralität davon zu unterrichten. Wollen ste Schiffe nach aus­ländischen Häfen senden, so haben ste sich mit der englischen Regierung in Verbindung zu setzen damit das Londoner Foreign Office die notwendigen Sckritte unternehme. Solange ein koloniales Kriegs­schiff sich in einem ausländischen Hafen befindet, ist «in Bericht über seine Bewegungen an den Kommandanten der Station oder an die englische Admiralität zu richten. Sola ge ein koloniales Schiff in einem fremden Hafen bleibt, hat der kommandierende Offizier in allen Angelegenheit:« internationalen Ebarakters die Befehle der eng»

11 (Nachdruck verboten.)

Die Aßnrarms.

Roman von Eenrths-Mahler.

(Forttetzung.)

Inzwischen trafen schnell hintereinander die Gäste «in In dem großen Empfangssalon, dessen Wände kostbare alte Gobelins schmückten, hatte« verschiedene ältere Herrschaften Platz genommen. Da war zuerst Bürgermeister Lanhammer mit seiner Gattin. Sie wurde von losen Zungen das Riesenbaby genannt, weil auf ihrem kolossalen Körper ein unglaublich kindlich dreinschauendes Gesicht mit ewig erstaunten Augen saß. Der stattliche Bürgermeister mit dem kühn aufgezwirbelten Lippenbart sah fast klein neben ihr aus und suchte sich durch schneidig militärisch« Haltung neben ihr zu behaupten. In einer ge­mütlichen Eck« auf Polstermöbrln saßen die Damen, deren Männer zu einer Gruppe vereinigt daneben am Kamin standen. Der alte Herr mit dem weißen Knebelbart und dem blauroten Gesicht war Geheim­rat Wolter. Er erzählte mit Vorliebe Witze, denen die Pointe fehlte und belachte sie zuerst, was de« Vorteil hatte, daß die andere« wußten, wenn ste mit­lachen mußten. Die kleine rundliche Matrone mit dem krampfhaft festgehaltenen Lächeln und dem et­wa» verblichenen fliederfarbige« Seidenkleid war seine Gattin. Ihre Augen, über denen die Liber nervös zuckten, schienen fortwährend um Entschul­digung zu bitten, daß ste auf der Welt war.

Reben ihr laß Frau Konsul Hagemann, «ine stolze, korpulente Erscheinung mit weißblondem Haar und ebensolchen Augenwimpern über den schläfrig blicken den, halb geschlossenen Augen. Sie hatte «ine sehr große schmal« Ras«, di« sich seltsam genug tu dem

lifchen Regierung zu befolgen, welche der kolonialen Regierung mitgeteilt werden sollen.

Der GroßheiM von Mecklenburg- Strelitz zur Verfassunqsreform.

Zur mecklenburgischen Verfassungsreform mel­det dieLandesztg. für beide Mecklenburg": Der Eroßherzog von Mecklenburg-Strelitz empfing heute mittag im Beisein des Staatsministers Vossart eine Abordnung der Ritterschaft der bei­den Großberzogtümer Mecklenburg, welche beauf­tragt war, dem Eroßherzog die auf dem allge­meinen ritterschaftlichen Konvent in Rostock am 13. Juli in Bezug auf die Reform der Landes­verfassung angenommene Resolution zu unter­breiten. Auf die Ansprache des Erblandmar- schalls v. Lützow erwiderte der Eroßherzog: Meine Herren! Der mir bereits bekannte In­halt der von Ihnen überreichten Resolution meiner getreuen Ritterschaft erfüllt mich mit Betrübnis und aufrichtiger Sorge und zwar umsomehr, als dieser Be­schluss nach dem Inhalt der Ansprache, mit der er mir soeben überreicht worden ist, unzwei­deutig klarlegen soll, zu welchen Opfern die Rit­terschaft bereit ist und welche Grenzen sie sich ge­zogen hat. Ich muss daraus entnehmen, dass meine getreue Ritterschaft zu einem wetteren Entgegenkommen bei der Lösung der für die Wohlfahrt meines Landes so wichtigen, bedeu­tungsvollen Frage der Verfassungsreform zur Zeit nicht willens ist. Ich bedaure das umso­mehr, da meine zu der Frage der Verfaflungs- reform bisher eingenommene Stellung, insonder­heit auch die Antwort, die ich seinerzeit der Ab­ordnung von Mitgliedern beider Stände bei der Ueberreichung der sogenannten Güstrower Be­schlüsse erteilte, keinen Zweifel darüber aufkom­men lassen konnte, dass ich den mir jetzt über­reichten Beschluss der Ritterschaft als geeig­nete Grundlage für weitere Ver­handlungen über die Verfassungs­reform nicht ansehen kann. Ich bin stets der Ueberzeugung gewesen, dass die Notwen­digkeit einer Aenderung der bestehenden Landes­verfassung vor allem aus der Notwendigkeit ent­springt, weitere Kreise der Bevölkerung zur Be­ratung und Beschlussfassung über die wichtigsten Landesangelegenheiten heranzuziehen, und zwar schon allein aus dem Grunde, weil die persön­lichen resp. pekuniären Opfer, die für die För­derung der Landesinteressen gebracht werden müssen, wie in allen deutschen Staaten, so auch bei uns von Jahr zu Jahr grössere und beschwer­lichere werden. Dieser Notwendigkeit trägt der ritterschaftliche Beschluss nicht in genügendem Masse Rech­nung. Weiter fordert dieser Beschluss die Uebertragung des vollen Budgetrechts an den neuen Landtag, der mindestens zu zwei Dritteln

runde« fleischigen Gesicht ausnahm, und war mit sehr viel Brillanten behängt. Ungemein hochmütig sah ste aus, und dazu hatte sie allen Grund. Denn ste war die Tochter eines australischen Millionärs, der sein Vermögen in einer Eroßschlächterei zu- fammengescharrt hatte, wovon aber niemand unter­richtet war. Außerdem war sie die Gattin eines ebenso reichen Mannes und die Mutter einer ein­zigen Tochter und das will immerhin etwas heißen. Es war also nur natürlich, daß ste vor­nehm lispelte und ein wenig mit der Zunge a«stieß, daß ste jeden East, der eintrat durch ihr goldenes mit echten Steinen besetztes Stiellorgnon betrachtet« und fast über jeden ein« abfällige Meinung hatte, ebenso natürlich war es, daß die arme kleine Gehetm- rätin mit ihrem vertragenen Seidenkleid all ihre Worte wie ein Evangelium aufnahm.

Der ®at*e dieser hochbedeutenden Dame lehnte mit untergeschlagenen Armen neben ihr am Kamin und beschränkte stch aufs Zuhören. Er spielte mit Vorliebe den stummen Denker, pflegte stch für jede gesellig« Vereinigung mit einigen geistigen Schla­gern auszurüsten, die in anderen Köpfen als dem feinen geboren waren und wartete den*ganzen Abend auf den Zeitpunkt, wo er diese Geistesblitze paffend anbringen konnte. Darin hatte et es zu solcher Vir­tuosität gebracht, daß man ihn wirklich für einen geistreichen Mann hielt. Vor ism gestikulierte ein kleiner beweglicher Herr mit dünnem blonden Haar und Bart und mit vor Vergnüge« tanzende« Augen. Es war Sanitätsrat Filtner. Alles, was er in seiner lebhaften Art hervorsprudelte, zündete. Er war der geborene Komiker und hatte immer di« Lacher auf seiner Seite. Sein Mundwerk ging wie eine Wassermühle. Er pflegt« von stch selbst zu lagen: JEßeitn ich mal sterb«, legt mit ein Schloß

aus Vertretern der jetzigen beiden Stände zu­sammengesetzt sein soll. Das bedeutet u. a., dass ich auf das mir zustehende unumschränkte Landesregiment, insbesondere auf mein unein­geschränktes landesherrliches Verwaltungs- und Eesetzgebungsrecht im Domanium, zugunsten eines Landtags verzichten soll, in welchem nach wie vor das rein ständische Element von absolut ausschlaggebender Bedeutung sein würde. Wenn ich nun auch zu einem so schwer wiegenden Opfer und zur Aufgabe eines in der ständischen Ver­fassung begründeten wesentlichen Teiles der mir von meinen Vorfahren überkommenen landes­herrlichen Gewalt bereit bin, so findet doch auch meine Bereitwilligkeit eine Grenze da, wo es sich weniger um das Wohl des Lan­des als im praktischen Erfolg um einen Machtzuwachs der jetzigen Stände handelt. Eine Landesver­tretung, deren Zusammensetzung weiteren Kreisen der Bevölkerung eine ihrer wirtschaftlichen und in­tellektuellen Bedeutung entspre­chende Mitwirkung an der Erledi­gung der Landesangelegenheiten gewährleistet, werde ich gern und freudig gewähren, was sie zu einer gedeihlichen Tätigkeit bei der Er­ledigung der ihr obliegenden Auf­gaben bedarf."

Politische Umschau.

Die »Post«.

Die Entgleisung derPost", die von dem Vorsitzenden der Reichspartei abgeschüttelt wor­den war, findet noch einmal besondere Behand­lung in derNordd. Allg. Ztg.". Sie schreibt:

Es war ein Rückfall in eine für überwunden gehaltene üble Gewohnheit, dass in einem Teil der deutschen Presse, der sich für besonders patri­otisch hält, ohne Grund die Person Seiner Ma­jestät des Kaisers in einen politischen Tages­streit gezerrt worden ist. Der Appell von der deutschen Regierungspolitik an eine angeblich abweichende persönliche Politik des Monarchen, wurde zuerst in der ausländischen Presse laut. Unsere nationalen Blätter konnten diesen kläg­lichen Versuch, den Kaiser gegen seine Berater auszuspielen, mit Verachtung strafen oder ernst zurückweisen. Unerhört aber war, dass eine unter der Flagge einer monarchischen Partei segelnde Zeitung, gestützt auf ausländische Tendenzmär­chen, das Signal zu einer neuen Kaiserhetze gab. Der Streich ist misslungen. Dir deutsche Presse, auch die Blätter alldeutscher Richtung, haben es abgelehnt, in diese verleumderische Tonart gegen das Oberhaupt des Reiches etnzustimmen. Der antimonarchische Hetzartikel versündigte sich nicht bloss in der Form, sondern ist in der Sache grundfalsch und tut dem Kaiser bitter Unrecht.

extra vor den Mund, sonst rede ich weiter." Jeden­falls war er aber trotzdem ein anerkannt tüchtiger, hervorragender Mensch und was et sagte, batte trotz aller Lustigkeit Hand und Fuß. Sein« Gattin, di« schlanke brünette Frau in dem hellen Seidenkleid, welche Frau Konsul Hagemann gegenüber in einem Sessel lag und graziös den großen Straßenfeder- fächer bewegte war um so ruhiger. Sie unterhielt sich, lächelnd ihre schönen Zähn zeigend, mit Oberst von Sanden, der ihr ein wenig in ollen Ehren den Hof machte, was er sich als Junggeselle leisten konnte. Während er mit ihr plaudert«, sah er zu einer Gruppe junger Offiziere hinüber, die mit Georg Aßmann und mit einigen andere! jungen Herren in Zivil Sturm liefen auf die Tanzkarten der junge« Damen.

Georg Aßmann plauderte liebenswürdig mit allen und quittierte mit selbstgesäiligem Lächeln über all die heißen oder schmachtenden Blicke, die ihn trafen. Die jungen Damen zeichnete« ihn s«hr aus, denn er war nicht nur einschöner Ma««", sondern vor allem eine begehrenswert Partie.

Drüben am Fenster stand Hoaptmann Netzschkau mit seiner jungen Frau, einer schlanken, ätherischen blonden Erscheinung. Die beiden plauderte« mit Leutnant von Biibren, vor dem vorsichtige Mütter ihre Töchter warnten. Denn so hübsch un* liebens­würdig er wat, so tüchtig im Dienst und beliebt bet seinen Vorgesetzten er hatte einen großen Fehler, er warm arm seht arm und bekam seine sehr knappe Zulage von einet Sch «.per seiner Mutter, die diese Zulage ?ut mit großen Opfern ermöglichte. Seine Eltern waren beide schon tot. Bühren war Georg befreundet, das heisst, et hatte ihn schon einige Male mit einet kleinen Anleihe bedacht. Der junge Offizier wußte trotz aller Sparsamkeit nicht,

Er fördert eine Legendenbildung, die wir zer­stören müssen. DiePost" hat in einer späteren Auslassung noch wieder voneinem kalten Sturz- bad von Swinemünde" geredet, worunter sie di« Ausübung eines kaiserlichen Druckes auf den Reichskanzler und das Auswärtige Amt im Sinne ausländischer Wünsche versteht. Das ist «abermals ein nichtsnutziger Unfug. Die Durch- führung unserer Politik erfordert rücksichtslos mit den Unwahrheiten aufzuräumen, diese Po- litik weise in irgendwelcher Unentschlossenheit an höchster Stelle einen schwachen Punkt auf, mit dem das Ausland rechnen könne."

Unseres Erachtens ist es durchaus unnötig, auf diesem Fehler des Blattes, der im wesent­lichen ein Vergreifen im Ton war, immer wie­der herumzuretten. Soviel wir sehen, ist von der gesamten nationalen Presse gerade das Hereinziehen des Kaisers in die Debatte al- bedenklich zurückgewiesen worden. Die Stim­mung derPost", aus der heraus die Artikel ent­standen sind, ist aber die Stimmung des ganzen Volkes, nämlich die der Sorge, dass Deutschland wieder einmalmutig" zurückgewichen ist. Diese Sorge wird auch dadurch nicht zerstört, dass das offiziöse Organ mit seinem in höchst schul­meisterlichem Tone geschriebenen Artikel offene Türen einrennt. Das ganze Volk wird sich freuen, wenn diese Sorge dadurch von ihm ge- nommen wird, dass die Gerüchte über eine diplo­matische Schlappe unserer Regierung durch de» Ausgang selbst widerlegt werden.

DiePost" hatte die Ansicht geäußert, dass der Brief des Vorsitzenden der Reichspartei, Fürsten Hatzfeldt, nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt gewesen sei. Der Abg. Brunstermann schreibt dem Blatte jetzt:

Die Veröffentlichung des Briefes des Für­sten Hatzfeldt an mich ist mit dessen ausdrück­licher Genehmigung erfolgt." Dazu bemerkt die Post«:

Wir können dazu nur bemerken, dass der Wortlaut des Briefes klar zeigt, dass er ur­sprünglich nicht zur Veröffentlichung bestimmt war. Massgebende Kreise der freikonservativen Partei bedauern, wie wir bereits mitteilten, das Vorgehen des Herrn Brunstermann. Wessen Ge­schäfte er mit der Veröffentlichung besorgt hat, lehrt ein Blick in die heutige Abendausgabe des Berliner Tageblatts"."

Das ist umso treffender, als der Herausgeber und Ehefredakteur derPost" bereits mitgeteilt hat, daß der Artikel ohne fein Wissen und ohne feine Einwilligung erschienen sei, und daß er denselben mißbillige.

Deutsches Reich-

Born Kaiser. Cronberg, 12. Aug. Der Kaiser hat sich um 6 Uhr nach der Saalburg be­geben. Auf der Saalburg trafen der Kaiser, die Kronprinzessin von Griechenland und Prinzessin

wie er mit feiner lächerlich kleinen Zulage aus« komme« sollte und hatte in feiner Bedrängnis Georg verschieden« Male nm eine kleine Summe gebeten. I« Kleinigkeiten wat Georg Aßmann groß. Bis zu hundert ließ er es komme« darüber hinaus nicht- Et hatte seine Grundsätze. Der Bühren wußte da» und blieb bescheiden. Et hatte stch auch nun beinahe an di«Atmeleutnantsmisere" gewöhnt, die (ein Schicksal wat.

Bel den jungen (Damen wat Bühren trotz een Mahnrufen der Mütter seht beliebt. Sei« guther- ziges bescheidenes Wesen, sei« trotz aller Sorgen heiteres Naturell nahm sie für ihn ein. Und er war ein sehr schneidiger, flotter Tänzer

Bettina stand bei den jungen Damen, mit denen ste herzlich wenig anzufangen wußte. Ihre Wett lag so weit ab von diesem lebenslustigen gebauten« losen Treibe« der anderen. Sie wußte nickt m'.tju« sprechen von Flirt, Tennis, Eissport. Bällen und THeattr. Und die gehaltvolle, ernste Lektüre, die sie mit Größtanting trieb, wat den junge« Damen unbe­kannt. Also tonnte sie auch darüber nicht mit ihnen spreche«.

Außerdem wußte« alle die jungen Mädchen, daß Bettina hier im Hause sozusagen bas Gnadenbrot und sahen mit einer gewisse« mitleidigen herab­lassende« Duldung auf sie herab. Sie betrachteten sie nicht al» gleichberechtigt. Georg hätte das leicht ändern können. Bei seiner Beliebtheit in Domen- kreisen hätte er seiner Base, tnn er gewollt hätte, seht leicht eine andere Stellung in der Gesellschaft schaffen können. Sie war ihm jedoch nut eine sehr untergeordnete Persönlichkeit und er ließ das je deutlich durchblicken, daß wn sich nicht bi« Müb« nahm, sich viel mit ihr zu beschäftigen.

(Fortsetzung seist.)