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Hesstlche Brandverficherunasanftalt.

Sem Bericht über den Geschäftsbetrieb bet Hessischen Brandversicherungsanstalt vom Iahte 1910 ist folgende« zu entnehmen:

Die Berwaltnngsetgebnisse bet Hessischen Btandvetfichernngsanstalt find im Jahre 1910 insofern ungünstige gewesen, als die Entschädi­gungen für Feuer- und Blitzschäden den zehnjäh- rigen Durchschnitt um 293 594.46 Jk überschritten haben. An Entschädigungen find für 762 Scha­densfälle überhaupt 1767 013.41 Jk verwilligt worden. Die Eesamt-Lerficherungssumme hat fich im Laufe des Jahres um 40 220 700 er­höht (im Borjahr rund 33 Millionen).

Zur Förderung des Feuerlöschwesens find im Berichtsjahre verwilligt worden 208 010.50 X Außer diesen schenkweisen Unterstützungen find vom Landesausschutz an verzinslichen Darlehen gewährt worden 3035 Jk zur Anschaffung von Feuerspritzen usw. Für im Feuerlöschdienst Ber- ungluckte find auf Antrag der Anstaltsverwal­tung aus der llnterstütznngskasse in Merseburg 1990.30 Jk gezahlt worden.

Die Aktiva der Hessischen Brandverficherungs- anstalt betrugen am Schluffe des Jahres 1910: 6 538 038.21 Jk, welchen Passiva im Betrage von 1346 721.27 Jl gegenüberstanden, so hast das A».iv-Lermöge« 1910 5191316.94 Jk betrug.

Im einzelnen wird über die Ergebnisse de«

halten gebracht hatte und daß er e, nicht z« de« Annehmlichkeiten des Leben» rechnete, photogra­phiert zu werden. Dann als etwa zwölfjähriger f'nobe, mit einem weißen Artigkeitskrägelchen em den Hals, das aber etwas schief sah und diese photo- grapheirte Bravheit sehr beeinträchtigte. Auch al» Jüngling im ehrwürdigen A^iturienten-Bratenrock war er abkonterfeit — kurz bevor er da» Elternhaus verlassen hatte. Zuletzt eine Kabinettphotographie, ie er Erohtanting vor einem Jahr ans Rom geschickt hatte. Auf ihren immer wiederkehrenden Wunsch hooic er sich endlich photographieren lassen, und Erohtanting waren die Hellen Tränen au» den Augen gestürzt beim Anblick der Bilder. War «ar aber auch aus dem eckigen, unschönen Jünglingskopf ge­worden. Die großen, getftrölle« Augen beherrschten jetzt ein Gesicht mit karakteristischem festen Linie«. Niemand frug wohl beim Anblick dieser Männer- lopser: Ist er schön oder hählich? Ein Künstler köpf von ausgeprägter Bedeutung mit Augen, die da» Schöne suchten und es voll Begeisterung und Tatkraft festhielten. Bettina hatte das Bild mit Her^lopfen betrachtet. Wie viel zwingender und bedeutender mußte das Original im Vergleich zu der Photo­graphie sein, die doch dar Leben nur sehr mangel­haft wiederzugeben verinochte. Wir mochten diese grdankentiesen Augen t« Wirklichkeit unter der Mächtigen Stirn hervorstrahlen, Bettina konnte fich, tleich Großtanttng, nicht satt sehen en dem Bildchen.

lKorrsetzung folgt.)

mittag gegen 12 Lyr in der RStze von Kefferhausen glatt gelonbet. Der Ballon hat dre Strecke in 5 Stunden zurückgelegt und bei Bad Sooden an der Werra eine Höhe von 2000 Metern erreickt. Der B llon wurde von Dingelstädt ttts nach hier zurück­gesandt. Hier in Marburg «ar da» Auffteigen de» Ballons nicht bekannt gegeben, und daher auch weiter tricht beachret worden.

• Unser städtisches Wasserwerk hat fich bis jetzt während bet langandauernden Trockenheit glänzend bewährt. Während aus vielen Städ­ten und Dörfern gemeldet wird, daß an dem Notwendigsten, dem Wasser, sehr gespart werden muß, weil die Wasserleitungen nur noch schlecht funktionieren oder ganz versagen, kann man hier darüber nicht klagen. Durch die vor 6 Jah­ren erfolgte Anlage neuer Brunnen in Marbach in den von Exz. v. Behring erworbenen Wiesen ist die alte Morbacher Leitung ebenfalls er­giebiger geworden. Zusammen mit dem Wasser­werk zu Wehrda ist der Wasserzuflutz so geregelt, daß der tägliche Bedarf von 2000 bis 2200 Ku­bikmeter, auf so viel ist während der Hitzetage der Verbrauch berechnet, glatt geliefert werden kann. In normalen Zeiten berechnete man den Tagesverbrauch an Wasser auf 8—900 Kubik­meter, in den letzten Jahren dürste es etwas mehr geworden sein. Die Mahnung, unnötiger­weise nicht zu viel Wasser zu verplätschern, ist deshalb doch nicht unberechtigt, denn bei ein« etwaigen Feuersgefahr ist es von größter Wich­tigkeit, wenn die Wafferbafstns tüchtig gefüllt find und dann weitz man ja nicht, wie lange die Trockenheit noch anhalten kann.

• Die Hitze und der Schulunterricht. Da» preußische Kultusministerium hat, wie wir schon kurz mitteilt «, einen allgemeine« Erlaß an die Schulkollegie« und Regierungen gerichtet, nach dem, solange die außergewöhnliche Hitze andauett, der Unterricht in den Schulen über die geltenden Be­stimmungen hinaus völlig ausgesetzt werden kann. Der Erlaß oezieht fich nicht nur auf die höheren, sondern auch auf die niÄtigen Schulen. — In Uebereinstimmung mit der Weisung der Kultus- ministtttum» hat jetzt da» Kgl. Provinzialschul- kovegium eine Verfügung an alle ihm unterstellte« höheren Lebranstalten der Provinz Hessen-Nassau und Waldeck erlassen, worin besttmmt wird, daß di« Schulen mit Ablauf der Ferien zwar ihren An­fang nehmen, daß aber den Schulleitern nach der Richtung hin freie Hand gelassen wird, daß fie er­forderlichenfalls den Unterricht tagewets ausfallen lassen können, ohne fich an die bisherigen Be­stimmungen bet Hitzeferien zu binden. Eine Ver­längerung der Sommerserien um etwa eine halbe Woche auf Kosten der Herbstferien fft vom Kgl. Provinzialschulkollegium al» unzweckmäßig ange« scheu worden. Weiter gegangen ist die Kgl. Re­gierung al- Aufficht-behörde aller Mittel-, Bürger- und Volksschulen. Der Chef der Schulverwaltung, Herr Gch. Regie-ungsrat Mühlman«, hat die Land- rate und Schuldeputationen angewiesen, erforder­lichenfalls he: weiterer Fortdauer der gegenwärtigen Hitzeperiode nach Rücksprache mit den Kreisschulin­spektoren den Schulbeginn solange auszusetzen, bi» kühleres Wetter eingetreten sei; mit Eintritt kühleren Wetters soll dann der unterricht sofort in vollem Umfange wieder aufgenominen «erden.

* Eine postalische Neuerung. Die Reichspost et» zielte, wie gemeldet wird, mit Versuchen zur gleich­zeitigen Ausführung mehrerer Gespräche oder Ge­st räche und Telegramme auf einem Draht auf der Strecke Berlin-Wiesbaden vollen Erfolg. Sie beab­sichtigt, die baldige Ausdehnung des neuen System« auf andere Strecken.

* Die Unbrauchbarmachung der alten Fünfzig» Pfennigstücke. Eine Verfügung ‘es Finanzminister» vom 22. o. M. bringt in Erinnerung, daß d« Bundesrat laut Bekanntmachung vom 18. Mai d. I. die Vesttmmung getroffen hat, daß die Reichs- und Landeskassen noch eingehende Fünfzigpfennigstück« der älteren Geprägeformen mit der Wertangabe „50 Pfennig" durch Zerschlagen oder Einschneiden für den Umlauf unbrauchbar zu machen und alsdann dem Einzahler zurückzugeben find.

* Verkauf von Speiseeis. Gegen den Verkauf von Speiseeis an Schulkinder wird jetzt von den Behör- bin allgemein eingeschritten. Auf Grund eines Ur­teils des Kammergerichts, nach dem Polizeiverord­nungen, die den Verkauf von Speiseeis an Schul­kinder unter 14 Jahren auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen usw. verbieten, rechtsgiltig sind, ersuchen jetzt die Regierungspräsidenten di« Land­räte Polizeiverwaltungen und Eemeindevorstände, überall da, wo fich ein Bedürfnis zu einem solchen Polizeiverbot herausstellt, eine entsprechende Ver­ordnung zu erlassen.

* Schöffengericht. Fünf junge Burschen, die nach alter Sitte zu Pfingsten »das Fest mit Maien" geschmückt hatten, wurden wegen Forstdieb- stahl» zn j« 7 Mk. Geldstrafe verurteilt. Zn vkr Wochen Gefängnis wurde ferner ein Mann verurteilt der einen Sack He« entwendet hatte. Ein wegen Hehlerei Mitangeklagter erzieltt Freisprechung. — Neumann, Nenman» — sollte ein Student zur Nachtzeit so laut gerufen haben, daß nicht nur d-r Gerufene, sondern auch andere Leute auS dem Schlafe erwachten. Der »egen nächtlicher Ruh« störnng zur Anzeige gebrachte angebliche Rufer er­zielte heute Freisprechung, da noch mehrer« junge Leute dabei gewesen waren und das Gericht nicht für er­wiesen hielt, daß der Angeklagte der Täter gewesen. — Ein anderer Angeklagter, der gebettelt hatte, wurde zu 4 Tagen Haft verurteilt, welche durch die sinter- suchnngShaft als verbüßt erachtet wurden.

* Bom Wegzug »er Schwalb««. Aus Lotzra wird UNS geschrieb-n: Bei Beurteilung dieser Erscheinung muß man fich ^nächst darüber klar sein welche btt. bei uns lebenden drei Schwalbenarten in Frage kommt. Wir kennen di« Turm-, die Rauch- und bi«, Hausschwalbe. Die erstere ist schor an ihren langen säbelförmigen FtLgeln, welch« im Flug« Halbmond-^ förmig erscheinen und en ihrem besonders be». Abends in Scharen bis zu 15 Stück ausgestoßenem Rufe zi-zt zi-zi leicht erkenntlich. Um diese, welche anfangs bis Mitt« August uns wieder verläßt, kann es sich nur handeln. Die andern Art«n find noch hier, und verlassen uns in der Regel erst Ende, September bis anfangs Oktober. Dem „Herb. Tag«, blatt" wird zr dieser interessanten Sach« geschrieben:. Auch an» anderen Gegenden, z. B. Berlin und Um- gtgenb wird ut.3 der frühe Wegzug der Mauersegler gemeldet. Line ErNärung dafür läßt fich schon fi*

Ausland.

♦» Da» Befinden des Papstes. Rom, 9. Aug. Det Pabst verbrachte die letzte Nacht ruhig. Heute früh wurde er von den Professoren Potacci und Marchia-Fava besucht, die ihn viel besser fanden. Der Papst hütet noch das Bett. Der Eichtanfall verläuft weiter normal.

** Die Revolution itt Haiti. Newyork, 9. Aug. Nach einem Telegramm aus Lap Haiti«» erhoben der deutsche und der italienische Konsul dagegen Protest, daß ihre Konsulate Sonntag Nacht durch die Menge, di« den Einzug Lecontes in die Hauptstadt feierte, mit Steinen beworfen wor­den seien. Die Behörden erließen eine Warnung, wonach Unruhen in der Nachbarschaft bet Kon­sulate künftig streng bestraft werben. Die Aus­schreitungen gegen bie Konsulate sollen auf bie Tatsache zurückzuführen sein, baß biese den Geg­nern der Revolution Zuflucht gewährt.

58. Deutscher Katholikentag.

Mainz, 9. Aug.

Sie dritte geschloffene Versammlung des Deut- scheu Katholikentages rourbe von Justizrat Dr. Rumpf (München) geleitet Es würben eine Reih« von Anttägen angenommen, bie sich auf bie Förde­rung katholischer Organisationen beziehen. Oberst e. D. Masse begründete einen Antrag, der U Militär- bezw. Retnttenfürsorge empfiehlt. Die viel­besprochenen Rekrutenexerzitten seien religiöse Stan- desübnngen und für den militärischen Beruf not­wendig. Im letzten Iaht hätten sich 12 000 Rekruten daran beteiligt. Der Kultusminister und bet Kriegsminister hätten ihre Sympathien mit den Exerzitien ausgesprochen und «s sei nicht zu fürch­ten, daß hier von oben her Schwierigkeiten gemacht »erben würden. Böhmer (Koblenz) begründete einen Antrag, bet die Unterstützung des Mittel­standes als «iu« Pfiicht der Nächstenliebe bezeichnet. In der Diskussion über den Anttag wurden aus der Mitte bet Versammlung Bedenken gegen den Aus­druck „Nächstenliebe" laut. Der Ausdruck sei inopportun. Schließlich Ghtw dann jemand kommen, und «erlangen daß ein Fabrikbesitzer ans Nächsten­liebe seinen Arbeitern di« Löhn« aufbessern müsse. Da di« Abstimmung über bett Anttag zweifelhaft «ar, mußte zu dem Mittel de» Hammelsprunges ge­schritten werden. Dadurch ergab fich die Ablehnung j des Wortes .Flächstrnltebe". Ein Anttag des katho­lischen Frauenbundes verlangte die Unterstutzunq der kathofischen Press«, «in weiterer Antrag beschäftigt« sich mit der Bekämpfung der Unfittlichkeit. Man müsse auf dem beschrittenen Wege weiter fortschrei­ten, selbst auf die Gefahr hin al» Kunstbanause be­zeichnet zu «erben. Di« Heranziehung von Sachver­ständigen zu literarischen Unzuchtsprozessen sei über« flüssig.

In det dritten öffentlichen Versammlung, dt« am Nachmittage stattfand, sprach an erster Stelle Reichs­und Landiagsebgeordneter Obsrlandesgerichtsrat Marx über di« Schulftag«. Er erkannt« an, daß auf diesem Gebiet« in der letzten Zeit ei« dankenswerter Fortschritt zu verzeichnen fei. „Aber bet katholische Vater und di« kalhofische Mutter haben immer noch darüber Klage zu führen, daß Gesetzgeber und Ver­waltung. Staat und Gemeinde gar keine ober zu wenig Rücksichten auf die Herzensbedürfnisse be» katholischen Volkes nehmen. Ick trete bem gegen­über als entschiedener Anwalt der Elternrechte aus Beklagenswert für di« Katholiken waren die Er­klärungen des Ministerpräsidenten und des Kultus- m.Nisters bei bet Debatte übet ben «obernifteneib. Wir Katholiken haben all« Veranlassung, mit Ent- fAfebewbeit vom Standpunkt der Gleichberechtigung entschieden Protest dagegen zu erheben, daß der Staat in Zukunft darauf Verzicht zu leiste« habe, Geistlichen, welch« den Modernisteneid geleistet haben, in Zukunft den Unterricht in Deutsch und Geschichte zu Lbettragen. Wir erblicken in dem Sckritt der preußischen Regierung nut einen weiteren Schritt auf dem Weg«, dessen Zi«l dem ftei- sinnigen Abgeordneten Sckrader vor schwebte, det im Reichstage meinte, Katholiken seien überhaupt un- fäbig zur Bekleidung öffentlicher Aemter. Leidet haben mir nicht unsere Pflicht getan, um da» Vor­dringen liberaler Anschauungen auch in kathofisck« Lehrerkreise zu verhindern. Der Kampf um die Schule ist ein Kampf Gottes und feinet Recht« um dir Menschenseele, rin Kampf um dir christliche Kul­tur und Gesittung." Es sprach«« weiter Amts­gerichtsrat Giller (Mannheim) über „Kirchlickkett nno Wissenschaft". Der Redner betont«, daß zwischen echte. Wissenschaft und der Kirch« ein Gegensatz nicht bestehe und nicht bestehen könne. Pater Proo. Kasstep« (Hünsfeld) hielt über di« katholische Heidenmission einen Vortrag und empfuhl dem Katholikentage dringend, das Werk der kathofischen Heidenmission tatttöftig zu unterstützen. — Darauf wurden di« Verhandlungen auf morgen vertagt.

Marburg und Umgegend.

(Äadjtriui aller OrigmalarNkrl «ft gemäß 5 18 de» Urheberrecht» nur mit der deutlichen Quellenangabe .Obrrhess. Ztg ' 1

Marburg, 10. Aug.

* Die Trnppenübnng bei Caffey Da« Jägrrbntaillo« kehrte gestern abend gegen 8 Uhr mit klingendem Spiel an» der Gefechtsübung bei Cassel wieder nach hier zurück. Die Speisung der Mannschaften erfolgte in Guntrrshausen, wo auch das Bataillon verladen wurde. Wir wir weiter er­fahren nahmen an der Hebung teil die Truppen der Garnison Cassel, da» 2. kurhrsfische Infanterie- Regiment Nr. 85 auS Göttingen, das 3. Bataillon de» Infanterie-Regiments v. Witttch (3. kurhesifcheS) Nr. 83 an» Arolsen, das kurhessische Jäger-Bataillon Nr. 11 a«S Marburg, die 2. Kompagnie der 11. Moniere und die reitende Abteilung deS kurhessischen FttdattillerierrgimentS Nr. 11 ans Fritzlar. Der Kaiser nahm «ach beendigter Hebung und nach bem dem Vorbeimarsch bet Truppen militärische Meld­ungen entgegen und begab sich um 10 Uhr per Automobil von Grvßen-Rittr nach WllhelmShöhe zurück, von dem Publikum mit herzlichen Kundgeb­ungen begrüßt. Der Kaiser verlieh, wie auS WilbelmShöhe gemeldet wild, eine Anzahl Ordens- auSzeichnungen. Unter andere« erhielt General­leutnant von Oertzen die Krone zum toten Adler­orden zweiter Klaffe, Generalmajor v. Below ben Stern zum Krvnenorden zweiter Klaffe, Oberst Frhr. von Humboldt-Dachroedm den Kron morden zweiter Klasse, Oberst von Lochow ben Sronenordeu zweiter Klaffe und Oberst Graf Bervlbingen bat roten Adlerorden dritter Klaffe mit Schleife.

* Militärisches. Diejenige« jungen Leut«, bie beim diesjährige« Oberersatzgeschäft fSr ben Landsturm ausgehoben ober als dauernd untaug­lich ausgemustert find, werben ersucht, binnen 8 Tagen auf bem Kgl. Landratsamte Zimmer 2, ihre Landsturm- bezw. Ausmusterungsscheine ab­zuholen. Die Mitteilung be-üglich der Abholung der Losungsscheine für die Militärpflichtigen be­ruht auf einem Mißverständnis,

• Au» bm Amtsblatt. Ernannt: der Ober» landesgerichtsrat Westrum zum Präsidenten des Landgericht, in Serben a. d. Aller, bet Serichts- assessor Dr. Ruhl zum Staatsanwalt i« Hannover, bet Pfarrer Angersbach zu Obergrenzebach, Klasse Ziegenhain, gern Pfarrer in Borken, bet Pfarrer Freund zu ^scheid, Klasse Treysa, zum 2. Pfarrer in Reukirchen, Klasse Neukirchen, der Pfarrer Heck zu Unterreichenbach, Klass« Eelichanse«, zu« Pfarrer in Marköbel, Klass« Windecken.

• Der Freiballon „Marburg", der Sonntag morgen 7 Uhr hier aufgeftiegen war, ist Sonntag

Jahre» 1910 folgende» berichtet: Berstcyerungs- stand: a) Der Geschästsbezirt der Hessischen Brandversicherungsanftalt erstreckt sich auf 7 grö­ßere Städte, 57 kleinere Städte, 41 stadtähnlich gebaute Ortschaften, 1285 Landgemeinden, 162 Gutsbezirke, — 1552 Kommunalbezirke in 2 Stadt- und 22 Landkreisen. Der Flächeninhalt des Bezirks beträgt 10 078,189 qkm. b) Ver­sicherungssumme. Die Eesamtverficherungs- fumme, welche am Schluss« des Jahre» 1909 1536 215 900 Jk betrug, ist Ende 1910 auf 1576 436 600 Jk festgestellt worden, hat sich also vermehrt um 40 220 700 X Dieser im Laufe des Jahres 1910 stattgehabte Zugang en der Versicherungssumme mit 40 220 700 Jk verteilt sich auf die größeren Städte mit 12 426 500 -4t, kleineren Städte mit 4 933 900 «M, stadtähnlich gebauten Ortschaften mit 4 573 900 Jk, Landge­meinden mit 18 030 600 Jk, Gutsbezirke mit 255 800 Jk = 40 220 700 X Von der im An­fang des Jahres 1910 vorhandenen Versiche­rungssumme im Betrage von 1536215900 Jk kommen auf die größeren Städte 590 389 300 X kleineren Städte 180 311 700 <M, stadtähnlich ge­bauten Ortschaften 91 052 500 M, Landgemein­den 639 938 100 X Eltsbezirke 34 524300 -K = 1536 215 900 X In Prozenten ausgedrückt entfallen von der Versicherungssumme von 1536 215 900 Jk auf die größere« Städte 38,43 Prsz., bie kleineren Städte 11,74 Proz., bie stabtähnlich gebauten Ortschaften 5,93 Prag., bie Sanbgemeinben 41,65 Proz., bie Gutsbezirke 2,25 Proz. — 100 Proz.

An Brandsteuern wurden fit bas Jahr 1910 ausgeschrieben — 14 Pfg. Beitrag von fe 100 M Umlagekavitak mit überhaupt 1872128.33 X

Erheblichere Schäden aus unserer Gegend haben folgende Brände verursacht, nämlich: Singlis, Kr. Homberg, am 17. Mai 1910 26 589 Jk 43 Pfg., Lohne, Kr. Fritzlar, am 24. Oktober 1910 23 296.98 X G.-B. Wollersdorf, Kreis Frankenberg, am 19. September 1910 18400 X Lingelbach, Kr. Ziegenhain, am 14. Mai 1910 13 892.96 X G.-B. Immichenhain, Kr. Ziegen­hain, am 26. Oktober 1910 12110 X Warzen­bach, Kr. Marburg, am 6. April 1910 10 288.45 X Henninghausen, Kr. Frankenberg, am 14. Januar 1910 10237.40 X

Der Gesamtschaden von den im Jahre 1910 entstandenen Schadensfällen betrug 1767 013.41 Jk und zwar entfallen auf de« Kreis Franken­berg 52 403.93 Jk, Homberg 42 447.72 X Kirch­hain 12 706.87 Jl, Marburg ohne die Stadt 16791.88 Jk, Stadt Marburg 7 053.54 X Zie­genhain 48 396.83 X Auf je 1000 Jk Versiche­rungssumme entfallen überhaupt an Brand­steuern 1.19 Jl und an Brandentschädigungen 1.12 X Nachträglich verwilligt find für Echa- denfalle aus dem Jahre 1908 2252 Jl, aus dem Jahre 1909 3 521.15 X

Der Reservefonds der Hessischen Vrandver- sicherungsanstalt beträgt 4 853 609.90 X

Die Verwaltungskosien betragen 252 850.27 X Das Eesamtvermögen der Hessischen Brandver­sicherungsanstalt am Schluffe des Jahres 1910 betragt 5191316.94 X Di er Bilanz für 1910 schließt wie folgt ab: Aktiva 6 538 038.21 X Passiva 1346 721.27 X Der Löberschütz der 1910er Aktiva beträgt mithin 5191316.94 X

|em Staatsvertrag zwischen Württemberg, BayLM und Baden einerseits und Preußen an­dererseits einhellig zugestimmt. Damit find Ge­setz und Vertrag endgiltig angenommen.

— Hebet ein deutschsozial-freifinuige» Bünd­nis schreibt der Abgeordnete Lattmann in den „Schmalkaldener Blättern": „Wir hoffen, in Eschwege-Schmalkalden mit unserem Raab in die Stichwahl zu kommen, die Freisinnigen mit Herrn Dr. Ohr. Nun erkläre ich mich hiermit namens meines Freundes Naab und unserer Partei bereit, vor bet Hauptwahl ein solche» Schutz- unb Trutzbündnis mit den Freisinnigen einzugehen und erwarte eine öffentliche, klare Antwort des Herrn Dr. Ohr, ob er und seine Freunde zu einer solchen Abmachung sür die Stichwahl bereit find . . . Sollte Herr Dr. Ohr in die Stichwahl konnnen, find wir bereit, ihn mit aller Kraft zu unterstütze«, aber nur bann, wenn bie Freisinnigen in einem anbeten Wahl­kreise mit aller Kraft uns unterstützen. Sinb fie bazu nicht bereit, werben wir hier öffentlich zur Wahlenthaltung aufforbern ..." — Da» ist freilich für bie unentwegten Sozialisten- fteunbe im Freisinn eine arg« Zwicksmühl«. Außerdem illustriert dieses Lattmannsche Ange­bot auf bas deutlichste, daß bie rechtsstehend«« Parteien gar nicht daran denken, die Genoffen zu unterstützen unb wenn fie bei einem eventuel­len Kampf zwischen Genoffe« unb Freisinnigen Gewehr bei Fuß stehen, fie nut tn Notwehr han­deln. Das ist eben bei Sin« bet „konservativen Etickwahlparole", ben nur Böswillige ober po- littsche Kinder mißdeuten können.

— Sit Polonifierung der Jndnstrieproviuzen. Die Polonifierung der Jndnstrieprovinzen durch Einwanderung polnischer industrieller Arbeiter machte im Jahre 1910 wieder bedeutend« Fortschritt«. Da» Anwachs-n ber Polen läßt fich am heften fest­stellen, wenn man zum Vergle ch bie Zahlen für di« letzten zwanzig Jahr« heranzieht. Au, ber Pro­vinz Posen gingen zur Industrie- und Bergarbeit nach Rheinland-Westfalen folgende Personen für die einzelnen Jahre 914, 1628, 1224, 1303, 1729, 1752. 2975, 3572; und 1907 wurden 40142 Posener in den 19 Bergrevieren des Allgemeinen Knappschafts- Vereins in Bochum beschäftigt. Di« Zahl der Reichs­deutschen aus ben östlichen Provinzen ist natürlich bedeutend höher: 1893 waren es nur 39 385, nach 10 Jahren war die Zahl auf 82 667, 1907 aber schon auf 105 128 und 1910 gar auf rund 190000 ge­stiegen. Di« Folge ist ein; starke Polonifierung ter bisher rein deutschen Jndnstrieprovinzen. Im Jahre 1890 waren z. B. im Kreise Bochum-Land etwa 2400, im Kreise Recklinghausen-Land 4500 Pole« v r ha «den. Ihre Zahl stieg im Jabr« 1905 tnf 17 600 bezw. 28 700. Im Regierungsbezirk Münster ver­mehrt fich die Zahl der Polen um 642 Prozent, im Regierungsbezirk Düsseldorf in den letzten Jahre« gor um 876 Prozent.

— Da» Tschecheufest. Die Tschechen Berlins haben vor, ein großes tschechisches nationales Fest, be­stehend aus Festzug, Aufführungen und Bersamm- hmgen, in Berlin zu feiern. Di« Tschechen von weither fallen fich dabei ein Stelldichein geben. Natürlich hat das Fest den Zweck einer deutschfeind­lichen Kundgebung. Eine Reih« d«utsch-nafio«aler Vereine Berlins hat barum dagegen in einer großen Vertreterversammlung auf« schärflte Protzt erhoben. Sie glauben, daß die deutsche Be­völkerung Berlins diese Herausforderung der Tschechen nicht ruhig hinnehmen »erbe und fordern, boß die Genehmigung zur Abhaltung des Festes zu­rückgezogen werbe, da fie in ihr eine große Gefahr für das gesamte Deutschtum erkenne, insbesondere auch für die ruhige Entwicklung des Deutschen Reiches, welches trotz aller Kegenbewegung auch heute schon gegen ben Ansturm deutschfeindlicher Völker, unter denen bie Slawen bie Kerntruppen bilben, hart zu befömpfen hat „In ben Tschechen ertennen wir ein weit hinter der deuschen Kultur zurückstehendes Volk unb lassen uns durch bie rohe, gewalttätige Art, in ber bi« Tschechen in Böhmen nufere deutschen Stammesbrüder täglich und stünd­lich behandeln, nicht im geringsten bestimmen, auch net „einen Fuß breit deutschen Landes verloren gehen zn lassen" — wie Bismarck gesagt hat — und erheben in letzter Stunde entschieden Widerspruch!"

— Winzerprozeß. Ebenkoben, 9. Aug. Heute Vormittag kam vor bem hiestgen Schöffengericht ber Prozeß gegen vier Winzer aus St. Martin, welche sich bet zwangsweise« Abreibung bet Weinberge widersetzten unb wobei es zu ben be» kannten Ausschreitungen in bem Hormuthschen B?:ngert kam, zur Verhandlung. Das am spate« Nachmittag verkündete Urteil lautet: Eege« Michael Hormnth auf 100 Jk Geldstrafe ober 20 Tage Gefängnis, gegen Nattenttn Sieg! ist auf F:c.spr:.hung, gegen Friedrich Ctratzner auf 20 Jk Geldstrafe oder 5 Tage Gefängnis u«b gegen Valentin Hormuth auf 10 Jk Geldstrafe ober 2 Tage Gefängnis.