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Marburg
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Warum kommt Georg nur nie
mit ins Verderben/
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„Du «ersitzt, datz sie nicht wutzte, datz dein Br» |
46. Jahrg.
1911.
Frieden würden wir in Paris diktieren. „Nur keine Nerven und kein Nachgeben! Es ist deshalb bringend erforderlich, datz sich keine unverantwortlichen Stimmen reicher Geschäftsleute an unseren Kaiser herandrängen, datz vielmehr nur dem verantwortlichen Ratgeber da» Wort bleibe!"
Wie übrigens die uns vielleicht gewahrte „Kompensation" aussteht, sagt ein Brief, den die „Vosfische Zeitung" veröffentlicht, und der aus der Feder eines wisienschaftlichen Mitgliedes der geenwärtig in Afrika reisenden „Znnerafrika- nischen Expedition" des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg ist. Der Brief wurde am 18. März d. Z. geschrieben, als es noch keinen Agadir-Konflikt gab. Er ist darum völlig objektiv. Dort heitzt es: „Mit den wisienschaftlichen Er- gebnisien dieser Reise bin ich. soweit ich dabei in Frage kam, zufrieden. Zn jeder anderen Hinsicht war sie bis jetzt eine große Enttäuschung. Der Congo srancais ist zweifellos die traurigste französische Kolonie, d. h. arm und landschaftlich reizlos, erst zum kleinen Teil unterworfen und sehr mangelhaft verwaltet. Wir stotzen Schritt um Schritt auf Schwierigkeiten." Das sind ja nette Aussichten, auch für den Steuerzahler.
wiß gern. Gluckt es dann So warm und kuschelig wie e. nirgends <uf der Welt sein, wenn ich erst wieder kann."
Betina sah zu der alten
in deinem Stübchen ist i;nb ich werde glücklich zu deinen Füßen fitzen
Die Marokkoverhandlungen.
; Allmählich beginnen sich die Ergebnisie der Verhandlungen klarer herauszuschälen. Der „Figaro" betrachtet den Verzicht Deutschlands auf Marokko als fest. „Es ist absolut notwendig, datz dieser Verzicht dieses Mal ausdrücklich und endgültig sei, sonst wären di« gegenwärtigen Verhandlungen gegenstandslos, ein abzuschlie- tzender Vertrag ohne Wert. Die privilegierten Rechte Frankreichs in Marokko müsien künftig gegen jede deutsche Reklamation geschützt sein , so meint das Blatt ganz naiv.
Ueber die territorialen Kompensationen schreibt der „Temps": „Es scheint sich «ur um einen Teil des Hinterlandes des Kongo mit wenig ausgedehntem Küstengebiet zu handeln. E» ist keine Rede mehr von Abtretung Togos. Wir glauben zu wißen, datz Deutschland darauf verzichtet hat, von Frankreich besondere Garantien für die wirtschaftliche Freiheit deutscher Unternehmungen in Marokko zu verlangen. Es lätzt sich auch nicht absehen, worin diese Garantien bestehen sollten. Es ist jedoch Gefahr vorhanden, datz Deutschland in jedem Augenblick Streit mit uns suchen könnte, um die marokkanischen Cchwie- rigkeiten von Neuem zu eröffnen."
Es erhebt sich die Frage: Sind das mehr als Kombinationen deutsch-feindlicher Blätter? Kommt es der Wahrheit nahe, so dürfte die Regierung mit dem Volksbewutztsein in diesem Falle nicht übereinstimmen.
Welchen Ton man sich drautzen uns gegenüber gestattet, zeigen folgende beiden Meldun- gen, die sich nebeneinander sehr gut machen.
Da» ist deutlich, und wenn die Verhandlungen zwischen Cambon und Kiderlen-Wächter sich wirrnch in diesem Kreise bewegt haben, so dürfte die Regierung auf einen Sturm der Entrüstung im Lande rechnen. Wenn sie sich wirklich entschließt, einiges über den Stand der Verhandlungen selbst zu sagen. Komisch und vielleicht bezeichnend bleibt es, datz nur die französischen Blätter sich unterrichtet zeigen. Die Lage illustrieren übrigens sehr gut folgende beiden Meldungen, die man nur neben einander zu legen braucht.
P a r t -, 8. Aug. Wie der „Matin"-Korre- spondent seinem Blatte aus Berlin meldet, herrscht in der parlamentarischen Welt große Freude über die glückliche Wendung der deutsch- französischen Unterhandlungen, und man zeigt sich gegenüber Frankreich von außergewöhnlicher Liebenswürdigkeit und Zuvorkommenheit. Diese Gefühle kontrastieren lebhaft mit denen, die man gegenüber England wegen seiner unberufenen Einmischung hege.
Paris, 8. Aug. Aus einem in Nizza zu Ehren der Offziere des englischen Geschwader» vera. statteten Festmahl hielt der Minister der
öffentlichen Arbeiten eine Rede, in der er auf die Festigkeit der Entente Cordiale und auf die „machtvolle Wirkung" der auf der Entente beruhenden Beschlüsie hinwies. „Indem wir bekräftigen", sagte der Minister, „daß England und Frantteich gemeinsame Gesichtspunkte haben, können und wollen wir niemand beunruhigen. Aus dem Zusammenwirken zweier großer Völker, die sich in Jahrhundert langer Arbeit dem Fortschritt, der Zivilisation und der Gerechtigkeit widmeten, können nur Bürgschaften für den Weltfrieden hervorgehen. Unser Zusammenwirken verbürgt die Achtung vor dem Rechte und vor der Würde auch unserer selbst."
Zuckerbrot und Peitsche! Man sieht, was man uns zu bieten wagt. Zm Lande gehen die Proteste gegen ein Nachgeben der Regierung, das man immer mehr als feststehend ahnt, weiter. Im „Tag" warnt General Keim davor, Frankreich die Einverleibung Marokkos zu gestatten, das es sich sofort militärisch nutzbar machen werde, und die „Post" führt Zahlen an, darüber wie Frankreich bereits jetzt in diesem Sinne vorgehe. Sehr richtig, aber sehr bestimmt heitzt es in einer Zuschrift der „Kreuzzeitung": „Wenn wir den Franzosen ganz Marokko als Einfluß gebiet überlasten, so muffen wir uns darüber klar sein, datz wir damit auch Handel- und Gewerbe-, Erz- und Minenkonzessionen aufgeben. Wenn wir Kompenfationen verlangen und erhalten, so muffen dieselben schon sehr bedeutend sein, um uns für einen sicheren Verlust Marokkos zu entscheiden. Alle Rechte, die uns etwa für unfein Handel in Marokko gewährt werden sollen, dürften nicht das Stück Papier wert sein, auf welchem ste geschrieben werden. Wir werden uns auch darüber klar sein müssen, datz, wenn wir Marokko den Franzosen allein, oder den Franzosen und Spaniern zusammen überlasten, eine nicht unerhebliche Einbuße an Ansehen in der Wett uns sicher sein wird. Der Verlust der Stellung, die wir uns nicht nur in Marokko, sondern auch in der ganzen islamitischen Welt durch den Besuch des Kaisers in Tanger gemacht haben, wäre die Folge. Auch die bedeutendsten Kompensationen werden sowohl bei den national Denkenden, in Deutschland, wie bei unfern Feinden im Auslande das Gefühl kaum verwischen, daß wir, wenn auch in verhüllter Form, eine Niederlage erleiden.
General Wrochern führt im „Tag" aus: „Autzerdem handelt es sich bei unseren Ansprüchen auf Marokko, welche durch keine Kompensationen autzerhalb dieses Landes ersetzt werden können, lediglich um ein ruhiges Standhatten gegenüber grohen Worten, mit denen man uns in London und Paris einschüchtern möchte." Ein etwaiger Krieg werde, selbst wenn England zur See Sieger bleib«, für es den Verlust eines großen Teiles seiner Kolonien bedeuten. Den
Die „Oberhrfiische Zeit««," erscheint täglich mit Ausnahme der L- nn - und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteliahrlich durch die Post bezogen 2.26 JL (ohne Bestellgeld), bei unseren Seitungsstellen . \ 1 " .... • «wi «i \ n AA 4/ im» piAt »Ä I Sur litt DPT#
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Politische Umschau.
Dee Reserveostizier Lr. Potthoff.
Zur Frag« ob ein Reserveoffizier sozialdemo- kratifch wählen bilde, hat sich auch bei Abg. Potthoff geäußert, natürlich im rabikal-bemokratischen Sinne. Nun tft Herr Potthoff selbst Reserveoffizier im 1. bayr. Trainbataillon, unb er scheint selbst großen Wert daraus zu legen.
In bei ,/Welt am Montag" teilt uns Herr i Verlach mit. Herr Dr Potthoff habe bewiesen, baß er nicht bloß zu reden, sondern auch zu handellt versteh. Als Reserveoffizier habe er bei ben letzten preußischen Wahlen bem sozialdemokratischen Kandidaten als bem klein-ren Nebel seine Stimme gegeben, und bie Militärbehörde habe sich wohl gehütet gegen ihn vorzugehen.
Dazu bemerkt die „Deutsche Tageszertung :
Es kann llch bei dieser Mitteilung natürlich nur um die Landtagswahlen handeln, die öffentlich sind Herr Dr. Potthoff wohnte, w m wir uns nicht irren, zur Zeit der letzten preußischen Landtagswahlen in Düsseldorf, Oo er als Urwähler einem sozialdemokratischen 'Kandidaten seine Stimme gegeben hat, misten wir nicht. Darüber äußert sich auch Herr v. Gerlach nicht näher. Sollten Herrn v. Eerlachs Angaben richtig sein, so würde da« bayrische Kriegsministerium aus einem anderen Standpunkte stehen als bas preußische, — aus einem Standpunkte, ter uns schlechthin unverständlich war« und zu den s.lt- samsten und bedenklichsten Konsequenzen führen könnte, ja mußte.
sie versonnen.
„Rein, gewiß nicht. Er freut sich, daß meine alten Augen aus ein liebes Gesicht herabschauen können, wenn ich hier au‘ meinem Eroßmutterthron sitze
„Wie schön wäre es, wenn et wirklich den Preis bekäme, Großtanting. Ich mußte gleich an Ernst denken, als ich neulich in der Zeitung von dem Preisausschreiben las.
Die alte Dame nickt«.
„Ich auch, Bettina. Und an unseren guten Wünschen soll es nicht liegen, wenn er den Preis nicht bekommt. Wie glücklich wollt ich sein, sähe ich ihn wieder daheim im Baterhause. Hab ich das
| erreicht, dann will ich gern sterben."
deiner Beschreibung nach. Grüße sie herzlich von mir. Ach, Erotztauting, lange halt ichs nun nicht mehr aus, dann komme ich heim, selbst auf die Gefahr hin daß meine Eltern noch immer unversöhnlich find' Ich habe einen Plan. In eurer S'at: will man ein neues Theater bauen. Es soll ein imposanter Prachtbau werden, Geld dazu ist in meiner reichen Vaterstadt in Fülle vorhanden. Man hat ein Preisaussckreiben für den Entwurf erlassen Ich gedenke mich daran zu beteiligen. Run kneif mir den Daumen, Liebe, Ente. Es wäre eine so schöne Gelegenheit heimzukehren, wenn ich das Glück hätte mit meiner Arbeit den Preis zu erringen. Ich will zeigen, was ich gelernt habe Also wünsch mir Glück, ja? Base Bettina soll zur Sicherheit mit- wunschen, das hilft dann doppelt. Sie tut es ge- komme ich bald heim.
~ ‘ (Nachdruck verboten.)
Die Aßmartns.
Roman von Courths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Großtanting lchüttelte den Kopf.
„Schelten hilft da nichts. Könnt ich mit Schelte diese traurigen Gedanken bannen, ei, da solltest du mal hören, wie energisch ich zanken kann. . Aber ich will versuchen, dich abzulenken. Sieh mal, was ich hie. habe."
Sie holte einen Brief aus ihre: Tasche. Bettinas Augen leuchteten auf.
„Ach bas hatte ich ja ganz vergesten, dich du einen »rief von Ernst hast. Was schreibt er? Hast du g.i« Nachrichten von ihm?"
„Sehr gute, gottlob. Du sollst nach dem Abendessen lesen, was min leine Jung« schreibt. So viel Schönes und Großes sieht et draußen in der Welt. Er ist jetzt auf der Rückreise nach Deutschland. Du wirst staunen, was er alles von den indischen Tempeln und Fürstenpalästen schreibt Wie ein farbenglühendes Märchen klingt es. Und schau — hier am Schluss-, was er da schreibt, mußt du gleich jetzt noch lesen, hier - von dieser Stelle an.
Bettina nahm den umfangreichen Brief und las die bezeichnete Stelle: „Und in all der glühenden und blühenden Pracht unb Herrlichkeit packt mich plötzlich bie Sehnsucht nach meinem Erkerplatzchen zu deinen Füßen, Großtanting. Denn so weit und groß unb schön bie Welt auch ist — nirgends f<b-a9* mir ein Herz so voll Liebe wie bas beine. Mein Büschen Setting sitzt ba wohl jetzt zu beinen Fußen und ihr haltet Däurmervlaufch. Sprecht auch wohl Mu mir? Das ist mir ein so traulicher Gedanke. Lin liehe, Ding muß bas blond« Böschen sein.
es Ernst getan hat?"
Die Augen der alten Dame blickten ein wenig trüb. Sie seufzte.
„Er ist feiner Mutter Sohn. Sentimentalitäten liebt ei nicht, und sich um eine alte Großtante zu kümmern, erscheint ihm wohl als Sentimentalität. In seinem Herzen ist kaum für etwas anderes Platz als für Rechenexempel. Zum Glück weiß er selbst nicht, wie arm sein Leben dadurch ist. Er tut mit leid wie seine Mutter auch. Wenn sie wüßte, welch ein Schatz von Liebe in Ernsts Herzen wohnt, sie würde es nicht leiben, baß ich ihre Stelle Lt seinem Herzen einnehme. Sie betrügt sich selbst um ras höchste Glück, bas Gott einer Frau schenkt."
Bettina seufzte.
„Ja Tante Abolihine ist sehr hart und kalt. Es ist sehr unrecht von ihr, daß sie Ernst gegenüber nicht liebevoller war."
Die alte Dame erhob sich und zog das junge Mädchen mit sich empor.
„Hüte dich vor einem vorschnellen Urteil, Bettina. Was man versteht, verzeiht man auch. Ernsts Mutter ist anders geartet als wir."
„Ja, Großtanting. Ach. wäre sie so lieb und gut wie du, bann lebten mein Bruder unb Mutter viel leicht noch. Sie hätte nur Onkel Peter um bi« Summe zu bitten brauchen, bie mein Bruder nötig hatte. Aber sie hat es nicht getan, und stieß ihn da-
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weh damit." .
„Kind — cs ist doch menschlich, bei meinem Alter — es fehlt mir nur wenig an siebzig Jahren — da muß man täglich gefaßt sein. Aber wir wollen nicht davon sprechen. Ist Georg schon zu Hause?"
Rein, er kommt ja immer erst mit Onkel Peter zu dir herein, wie
geglaubt hatte.--- . ,
Die Uhr zeigte die achte Stunde an. Eroßtannng rückte vor dem Spiegel die Haub- zurecht.
Es ist Zeit zum Abendesien, laß uns hinüber- ae<).'r. Rach Tisch liest du dann Ernsts Br-e'.
(Fortsetzung folgt.)
mit dem KreisblaU für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Rach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
Deutsches Reich-
— Di« deutsche Kronprinzessin ist heute Mittag von Jmmenstabt zu mehrwöchigem Aufent-
„Sprich doch nicht vorn Sterben — du tust mir
halt auf der Jagbvilla Hopfreben im Bregenz«» Wald eingetroffen.
— Wechsel im Oberpräfidium. Posen, 7. Aug. Es kann nunmehr als feststehend gelten, das Obeipräsident von Waldow demnächst aus feinem jetzigen Amte scheiden und an die Spitze einet anderen Oberpräsidiums berufen werden wird.
— Aerzte und Krankeukassen. Halle a. S.
7. Aug. Die Generalversammlung des Kranken kasseilverbandes Halle lehnte die Einigungsvor- schlüge der Halleschen Aeizteschaft ab. Die Aerzte wollten Einführung der Familienversicheruno und der organisierten freien Aerztewahl. Er wurde für unmöglich erklärt, die von den Aerz ten geforderte Pauschalsumme von 10 bis 12 Jl pro Kopf der Versicherten zu zahlen.
— Spionage. Bremen, 8. Aug. Hier ist ein englischer Spion verhaftet worden. Es ist als feststehend zu bezeichnen, datz die neue Affän im Zufamemnhang steht mit den in den letzten Wochen vorgenommenen Verhaftungen englischer Spione, insbesondere mit dem Fall Schultz unt auch mit der Angelegenheit der zwei abgeurteib ten Offiziere French und Brandon. Der jetzt Verhaftete scheint genau nach dem Muster bei Ungenannten beiden Offiziere gearbeitet zu ha- ben. Die Behörden verweigern noch immer jedi Auskunft. Der Verhaftete ist im Bremer Hafei beobachtet worden, wie er die Autzenbefestigun gen photographierte. Zivilpersonen legten btt Sache keine Wichtigkeit bei, erst als sie an du zuständige Stelle weiter gemeldet wurde, beobachteten ihn Kriminalbeamte, worauf er dann ir Bremen festgenommen wurde. Augenblicklich sollen hier sogar mehrere Untersuchungen gegen , eine Anzahl von. Personen, die der Spionage ( driirgend verdächtig find, schweben. Der Verhaf- - tete ist ein 25jährigcr englischer Jurist, der zuletzt Offizier der Yoemanry war. — Auch die „Tägliche Rundschau" erfährt über die Verhaftung eines vornehmen Engländers wegen dringenden Verdachts der Spionage interefiante Einzelheiten aus Bremen: Der Verhaftete ist 26 Jahre alt, Jurist und Offizier der Yeomanry. Seine Verwandten sind persönlich nach Bremen gekommen, um einen Anwalt für ihn zu suchen unb ihm behilflich zu sein. Heute fanben bereits mehrere Vernehmungen statt. Der Verhaftete leugnet, sich ber Spionage schuldig gemacht zu haben. Die Untersuchung gegen den vor einigen Monaten verhafteten Engländer Schultz ist soweit gediehen, datz der Fall im Oktober vor da» Reichsgericht kommen wird. Es steht nunmehr fest, daß Schultz im Einverständnis mit der englischen Admiralität gehandelt hat.
— Ein Oberlandesgericht über Eisenbahn und Sozialdemokratie. Zu dem jüngsten Vor- gehen ber Eisenbahnverwaltung wirb geschrieben: Das Oberlandesgericht zu Frankfurt a. M. hat bereits vor mehreren Monaten als Berufs- ber in der Verzweiflung Hand an sich legen würde. E' war ihr ein Leichtsinniger, der Strafe verdi-ut« Wenn sie gewußt hätte, daß sie ihn mit ihrer Weigerung in den Tod trieb, io hätte sie wohl geholfen. Streng unb sparsam ist sie gewiß, aber'. och nicht so herzlos. Jeder Mensch hat seine Fehler. Und ob Onkel Peter geholfen hätte, fragt sich noch sehr, Kaufleute haben ihre Prinzipien. Sie pflegen über den Geldpunki sehr vedanttsch und genau zu denken. Laß also nicht Ung-redjtigteit in dir groß werden. Bettina. Tante Adolph'ne hat gute, vor- tr-ffliche Eigenschaften, man muß sie nur erkennen und nicht gedankenlos urteilen."
Bettina schmiegte sich an das alle Fräulein.
„Ich schäme -.ich, Eroßtanti-.g. Es ist undank- , bat von mir, nick' immer daran zu denke i, daß rch Tante Adolphine so viel zu danken habe, Es ist nur no' der alte Schmerz um meinen Bruder, meine Mutter, der mit) ungerecht macht. Alle Menschen können ja auch nicht so himmlisch gut sein, wie du- Ich weiß, dn hättest mein m Bruder Hans |td}et geholfen wenn du alles gewußt hättest, nicht wabr, das hättest du?"
Ja doch, geriß Kind, men t ich gewußt hatte, wie" das alles lag. Aber Tan'e Adolphine hat eben auch nicht gewußt, wie schlimm es nm brinen Bruder stand "
Bettina schwieg. Sie wußte steilich, daß Hans an. Tante Adolphine .«schrieben hatte: „Wenn du mir nicht hilfst, bleibt mir nur der letzte Weg noch offen,“ aber cs war ja möglich, daß sie nicht daran
Dam« auf.
„Da sitze ich" nun — auf seinem Platz — Ob er wohl böse ist auf mich, daß ich ihn «innehme? frug