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Der heutigen Auflage für den Kreis Kirchhain liegt Kreisblatt Nr. 59a bei.

Zur Lage.

Sie Erregung der deutsch-nationalen Presse über den Stand der Verhandlungen, bei dem man ziemlich allgemein ein Zurückweichen der deutschen Regierung »or den französiscben und englischen Aspirationen ver­mutet, hält noch an, ja sie ist durch die offiziöse Be­schwichtigung noch stärker geworden, vermißt man doch gerade hier ein glattes Dementi der Ver mutungen über den Verlauf der Verhandlung, wie sie von derPost" z. B. gegeben wird. DieTägl. Rundschau" meint die Regierung beschwichtige einst­weilen um das Volk später vor eine fertige Tatsache zu stellen.Welche Vorstellung von menschlichen Nerven hat die Regierung, wie sie in derNord­deutschen" das Wort nimmt und schweigt, daß sie glauben kann, es könne bei ihrer bisherigen Taktik bis dahin etwas anderes stattfinden als eine voll­ständige Zerrüttung und Vergiftung der öffentlichen. Meinung durch ein bis zum Krankhaften gesteiger­tes Mißtrcuen?"

Das Fazit des Streites zwischenPost" und Offiziösen zieht dieBraunschweigische Landes­zelt ung' aber mit folgenden Worten sehr treffend:

Ts ist zweifellos, daß, wenn diePost" mit Ihrem desperaten Pessimismus, der einen Vergleich mit der Lage Preußens von 1805 zieht und ein schlimmeres Olmütz als das von 1850, vor Augen steht, recht behalten sollte, ein Sturm der Empörung und Erbitterung durch Deutschland brausen würde, wie er selbst im Jahre 1870 infolge der c^mser Depesche nicht erlebt worden ist.' Denn hier handelt es stch ebenso sehr um eine national: Ehrenlache, .wie um tiefgreifende LebenrinteMen wirtschaftlicher Art. Wir wollen und dürfen die Ge­legenheit, die stch in Menschenaltern nicht wieder biet-u. wird, die Gelegenheit, uns eine neue wi X-- schaftnche Zukunft zu erringen, nicht aus den Händen laste«, und wir dürfen auch unser nationales An­sehen nicht vor der ganzen Welt verscherzen. Geht Deutschland aus der Marokkokrise zum dritten Male mit einer Schlappe hervor, so wird es für unrbseh bare Zeit seine Rolle in der Weltpolitik ausgespielt haben und zum Gespött« aller Nationen geworden fein! Das ist die ungeheure Gefahr, di« uns droht, wenn wir diesen Handel nicht ehrenvoll ausfechten. Die nächsten Reichstagswahlen, die ohnehin schon enter einem schlimmen Stern« stehen, würden einen Zusammenbruch bringen."

Das ist bekanntlich auch unsere Meinung, der wir bereits Ausdruck gaben. So sehr auch wir die Lage um da? nationale Ansehen und di« Zukunft unse-es Reiches, wie ste z. Zt. in manchem erregten Artikel der nationalen Presse schimmert, verstehen, so halten wir es doch für unsere Pflicht an ruhig« Nerven zu appellieren. Dgs mag schwer sein, namentlich angesichts der Haltung der französischen und «nglis.ben Presse, die die diplomatische Nieder­lage Deutschlands als etwas fix und fertiges 6« handeln und mit den weiteren etwaigen Wünschen Deutschlands in hochfabrendster Weise umspringen

5 (Nachdruck verboten.)

> Die Akman«».

Roman von Coutths-Mahler.

Ifforttetznng.)

Bettina hatte im Speisezimmer die Jalousien herabgelassen, den Tisch besorgt und alles fertig ge­macht. Sie sah nach der Uhr. Es blieb ihr noch ein Viertelstündchen Zeit. Da könnt« sie flink noch ein Weilchen zu Eroßtanting hinüberhuschen.

Diese saß in einem tiefen Lehnstuhl im Erker­vorbau ihres Wohnzimmers, mit im Schoß gefalteten Händen und sinnendem Blick. Sie trug ein dunkel- violettes Tuchkleid, welches bei Licht fast schwarz erschien und einen eigenartigen Schnitt hatte. Es fiel von der Taille in reichen schweren Falten an der noch fast mädchenhaft zierlichen Gestalt herab und schloß am Hals mit einer schönen, alten Spitze, die mit einer goldenen Brosche befestigt war. Weißes Haar umrahmte das noch frischfarbige, wenn auch tnti zahllosen kleinen Fältchen durchzogen« Gesicht. Auf dem weißen Haar saß eine weiße Spihenhaube, deren Bänder über den Rücken herabfielen. Ganz kokett nahmen sich diese Spitzenbänder auf dem dunk­len Kleide aus.

Großtanting hielt trotz ihres Alters auf ein zierliches Aussehen. Die weißen Scheitelhaare wur­den jeden Abend rot dem Zubettgehen fest einge­flochten, damit sie am Tage, zu kleinen Wellchen auf­gebauscht, noch reich und voll erschienen. Um den Hats schlang sich eine lange goldene Kett«, daran trug sie ihr Stiellorgnon und von dieser langen Kett« zweigte sich ein dünnes Nebenkettchen ab, dessen End« zwischen dem Schluß ihres Kleides ver­schwand. Daran war ein Medaillon befestigt, in dem sie «in Miniaturporträt ihres im Kriege ge­fallenen Bräutigams trug. Sie ließ «s nie von sich

Deutsches Reich-

«eine Ruhr in Alten-Erabow. Berlin, 7. Aug. Die zu den größeren Kavollerieübungen im Lager von Alten-Erabow vereinigt gewese­nen Regimenter der Earde-Kavallerie-Divisio» find am 5. August von Alten-Erabow in ihren Standort abmarschiert. Nur 13 Mann mußten zum Teil wegen Darmcrkrankungen im Lazarett zurückgelassen werden. Durch bakteriologische Untersuchung wurde sestgestellt, daß die Ruhr nirgends vorliegt; alle hiervon abweichenden Nachrichten verschiedener Blätter beruhen aus irrigen Annahmen.

Berlin«, Sumpf. Der Berliner brüstet sich, er verstehe zu leben. DasSavoir vivre hat Frank­reich an den Abgrund gebracht, und in Deutschland stehen wir leide- in einer ähnlichen Abwärtsbe­wegung in unserer nationalen Kraft. Berlin gibt bei uns zwar ntch. den Tor allkAtNMßuris in Frank« kreich, aber es wäre doch töri^i, die Augen dagegen zu schließen, daß sich sein Einfluß in nnheilmller Weise breit macht. In Preußeu baMsten von 1000 Personen 16,2, tn Berlin 20,0: ' Im unmgekehrten Verhältnis stehen Staat und Berlin in den Geburts­ziffern. Im Staate kamen 34,6, in Berlin dagegen nur 24,2 G-burten auf 1C00 P:rso,:en. Eh Scheidungen fanden im Staate 26,9 vom Tausend statt, in Berlin 85,8 vom Tausend. Die Zahlen sprechen Bände übet unsere Berliner Sittlichkeit, welmemoderne" Men­schen damit beschönigen, sie verständen zu leben.

Ausland.

** Die Anarchie in Frankreich. Paris, 7. Aug. Aus Dijon wird gemeldet, daß das Kriegs­gericht gegen sechs Soldaten des 27. Infanterie- Regiments eine Untersuchung wegen anarchi­stischer Umtriebe einleitete. Fünf der Beschul­digten stammen aus Paris.

** Die Revolution in Haiti. Paris, 7. Aug. Dem hiesigenNewyork Herald" wird aus Port- au-Prince gemeldet: Der Gesandte von Nord­amerika ließ dem General Leconte mittet kn, daß seine Truppen nur mit ungeladenen Gewehren cinrücken dürften. Die Bedingung des Eesand-

Marburg

. 185

Mittwoch, 9. August

I und der beiden Leiter bet deutschen Politik konstatiert

Wie man mit «n» umspringt.

Berlin, 7. Aug. Zn England und in den englischen Kolonien zeigt man sich erregt über die Tatarenachricht, daß Deutschland die Insel Tahiti von Frankreich erwerben will. Deutsch­land hat keine dahingehenden Absichten. Auch wenn es aber zuträfe, daß Frankreich Tahiti an Deutschland abtreten wollte, so wäre es unver­ständlich, mit welchem Recht Frankreich in der freien Verfügung über eine ihm gehörige Insel beschränkt werden könnte. Soweit hat es das britische arbitrium mundi doch nicht gebracht, daß zwei Großmächte sich von London vorschrei­ben lassen, worüber sie mit einander verhandeln dürfen.

46. Jahrs.

1911.

wurde. Hier beginnt die Krisis,' denn die Billigung des Monarchen bedeutete, daß die deutsche Regierung auf ihrem Standpunkte beharrte und die bis dahin gemachten französischen Vorschläge als ungenügend zurückwies. Montag, den 31. Juli, fetzte Herr o. Kiderlen den französischen Botschafter von dem Ergebnis der Swtnemünder Besprechungen in Kenntnis. Die Unterredung ergab eine so erheb­

liche Abweichung in den Gesichtspunkten der beiden Diplomaten, daß beide das Bewußtsein hatten, eine' Fortsetzung der Verhandlungen auf der bisherigen Basis sei zwecklos und schädlich An den nächsten beiden Tagen, am 1. und 2. August, trat eine Pause ein, die mangels jeder Fühlung zwischen hüben und drüben als der Höhepunkt der Krisis angesprochen werden kann. Die Situation wurde noch dadurch bedenklicher, daß über den Stand der Dinge mancher­lei durchsickerte, und die Oeffentlichkeit in Deutsch­land wie in Frankreich eine beständig zunehmende Nervosität zur Schau trug, di« dem weiteren Fort­gang der Verhandlungen leicht hätte verhängnisvoll werden können. In diesem kritischen Augenblick entschloß sich Cambon, seine Siegierung dringend um neue Instruktionen und Vollmachten zu ersuchen Die Folg« war ein Ministerrat in Paris am 3. August, in dem Herrn Eambon die gewünschte Voll­macht, den deutschen Forderung-' weiter entgegen« zu kommen, erteilt wurde. Das französische Ministerium des Auswärtigen benachrichtigte von der eingetretenen Entspannung sofort die Pariser Presse, die noch in der Rächt zum Donnerstag ihre Berliner Korrespondenten entsprechend informierte. Noch am selben Tage verständigt« der französische Botschafter den deutschen Staatssekretär, und nun nahmen die Verhandlungen einen so schnellen und die Oeffentlichkeit überraschenden Fortgang, daß be­reits am Mittag des folgenden Tages eine prinzipielle Basis gefunden war. Freitag mittag um zwei Uhr wurde die von den Herren Cambon und Kiderlen gemeinsam redigiert« Rote den offi­ziellen Nachrichte'bureaus übergeben, worin die er­folgte Annäherung der ungeduldigen Oeffentlichkeit mitgeteilt wurde. Um 12 Uhr mittags war im Aus­wärtigen Amt di: Parole des Staatssekretärs noch nicht bekannt gewesen.

Die Bekanntgabe des Standes der Dinge ent­gegen der ursprünglichen Absicht bet verhanbelnben Parteien erfolgte, bas mag besonders hervorgehoben werben, nur um bie Oeffentlichkeit zu beruhigen. Es ist deshalb verständig, wenn davor gewarnt wird, einstweilen bezüglich bet Wetterführung bet Ver­handlungen einen übertriebenen Optimismus zur Schau zu tragen. DieBasis" ist gefunden, der Handel" geht weiter ..."

Einberufung des Bundesratsausschuss«.

M ü nch e n, 7. Aug. Wie aus guter Quelle verlautet, wird auf Anregung Bayerns Ende August oder, wenn die Umstände es gebieten, vorher der Ausschuß des Bundesrats für aus­wärtige Angelegenheiten in Berlin zusammen­treten. Zweifellos gibt die marokkanische Frage Anlaß zu diesem Zusammentritt der Minister der deutschen Bundesstaaten, der bei wichtigen politischen Fragen zu erfolgen hat.

über die der nationalen Kreise, sind die Regierung und der Kaiser unterrichtet. Sie wissen ebenfalls, daß ein Vertrag mit Frankreich, der ja doch bi« Folge abgeschlossener Verhandlungen mit Frankreich sein wird, um gültig zu werden, aller Wahrschein­lichkeit nach nicht nur bet Zustimmung des Bundes­rates, sondern auch der Genehmigung des Reichs­tages bedarf. Es geht das unseres Erachtens her­vor aus Artikel 11 und Artikel 4 der Reichsver­fassung, welch letzterer auch dieKolonisation" der Reichsgesetzgebung unterliegen läßt. Der Reichstag hat also die Befugnis, «inen Vertrag, den er den Interessen des Deutschen Reiches nicht angemessen findet, abzulehnen, wie er irgendeine andere Re­gierungsvorlage ablehnen kann. Gerade aus die­sem Grunde ist es doch ganz selbstverständlich, daß, auch wenn man Sorgen um den Ausgang der Ver­handlungen hat, bis zu jenem Zeitpunkte ruhig wartet, bis das Ergebnis fertig und in authentischer Form der Oeffentlichkeit und dem Reichstage vsr- liegt. Am allerwenigsten aber kann man damit ein­verstanden fein, wie durch diePost" und andere Organe der Kaiser in die Debatte gezogen wird, in dem man die vermeintlichen Ergebnisse der Ver­handlungen ihm zur Last legt.

Der Berkaus bet Verhandlung«

Der biplomaüsche Mitarbeiter einer Berliner Korrespondenz berichtet über die Verhandlungen folgendes:

Der plötzliche Umschwung in der Marokkofrage hat hier und da die Ansicht laut werden lassen, daß die noch vor wenigen Tagen umlaufenden Gerüchte von einer Krisis tn den Verhandlungen übertrieben gewesen seien. Das können jedoch nur die behaupten, die über den tatsächlichen Gang der Besprechungen nicht unterrichtet waren. Eine Krisis, und zwar recht bedenklicher Art, hat bestanden, und zwar bis zur Nacht vom 3. zum 4. August. Sie war allerdings vorüber, als ein Berliner Abendblatt der überrasch­ten Oeffentlichkeit sensationelle Mitteilungen über die Möglichkeit einer deutschen Ministerkrisis zur Kenntnis brachte, an die sicherlich keiner der Be­teiligten auch nur im entferntesten gedacht hatte. Vielleicht ist es nützlich, sowohl um den plötzlichen Stimmungsumschwung psychologisch zu erklären, wi« um bie praktisch« Bedeutung der erzielten An­näherung ins rechte Licht zu setzen die Vorgang« der letzten Tage chronologisch tu«? zu rekapitulieren

Am 29. Juli fand vormittags eine Besprechung zwischen Staatssekretär v. Kiderlen und dem französischen Botschafter Cambon statt, der dem deutschen Diplomaten die soeben eingetroffenen neuesten Instruktion seiner Regierung bekonnt gab. Mittags reisten Staatssekretär und Kanzler nach SwinemLnde, zum Kaiser, wo nach am selben Tage und am darauffolgenden Sonntag die völlige lieber« einstimung zwischen den Ansichten des Monarchen

Z u n ä ch st müssen wir bie Front nach außen wahren, das erscheint uns als die richtige Haltung Daß man nicht ohne Sorge um das Ergebnis sein kann, ist selbstverständlich, aber da die Regierung zu­nächst nichts veröffentlicht, hat es keinen Zweck über Dinge, die vorläufig nur Vermutungen sind, sich zu erregen. Auch wüßten wir nicht, was die Einbe­rufung des Reichstages z. Z. hier einen Nutzen haben sollte, lieber bie Stimmung des Volks, im besonderen

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TieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <K lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <K frei ins Haus. (Für unver« langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion letnenet Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hiheroth), Markt 21. Telephon 55.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen.Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

und nur, wen sie sehr liebte, wie Ernst und Bettina, der durfte zuweilen einen Blick auf dieses Bildchen werfen. Sie hatte ihn sehr geliebt, den stattlichen Offizier und als er ihr gestorben war, wollte sie niemand an seine Stelle setz n. - -

Eroßlantings dunkle Augen blickten lächelnd auf, als Bettina eintrat und schnell auf dem Erkertritt zu ihren Füßen Platz nahm.

Noch ein Viertelstündchen, Großtanting. Wie lang ist mir heut der Nachmittag geworden, weil ich nicht bei dir sein konnte," rief Bettina zärtlich und streichelte die blassen, gefalteten Alffrauenhände. "

-Hast du viel Arbeit gehabt, mein Blondchen?" frug die alte Dam« zärtlich.

O nein nicht mehr als sonst bei der Wäsche Die Mädchen sind alle noch in der Waschküche."

Und nun bist du fertig?"

All« Arbeit ist getan. Sonst wäre ich doch jetzt nicht bei dir Tante ist sonst so leicht bös."

Hat es heute keine Schelt« gegeben?"

Bettina seufzte leise.

Doch ich habe beim Feneranzünden zu viel Holz verbraucht."

Großtanting strich sacht über das goldene Gelock und die jetzr aufgesteckten blonden Flechten.

Kleine Verschwenderin du sollst doch sparsam fein."

Es lag mehr gütiger, lächelnder Trost in ihren Worten als ein Vorwurf. Bettina küßte ihr mit leidenschaftlicher Innigkeit die Hände.

Großtanting, wenn ich dich nicht hätte." Diese Worte schienen förmlich durchtränkt von heißer Zärtlichkeit. Die alte Dame bog den blonden Madchenkopf zurück und sah ernst in die schönen, tiefblauen Mädchenaugen hinein.Gott gebe, daß du, wenn ich einmal nicht mehr bin. einen Menschen findest, der für den großen Liebesreichtum in deiner Seele Verständnis hat. Ganz angst wird mir manch­

mal um dich, Bettina. Bist wirklich eine klein« Verschwenderin, hüllst mich alte Frau förmlich ein in Liebe und Zärtlichkeit." .

Bettinas Augen wurden feucht.Ist es dir zu viel?" Darf ich dich nicht lieben, du Gute, Teure? Ich habe ja keinen Menschen mehr auf der Welt als dich, den ich lieben kann. Laß es dir doch gefallen - - es macht mich doch so glücklich."

Die alte Dame lacht« gerührt.

Gern ich halt ja sttll, Dui.irnerchen. Bist ein rechter Krauskopf. Sonst so scheu und still, machst du mir bie feurigsten Liebeserklärungen. Und da soll Hjr nicht bang^irerben. Kein Mensch außer mir Heiß, welch tiefes uAb starkes Empfinden in deinem Hungen Herzen lebt."

Setn na atmete tief und gepreßt.Früher hatte ich so viele Menschen, die ich lieb haben konnte. Vater, Mutter und meinen Bruder Hans. Nun sind sie alle fortgegangen. Weißt du wie ein Stein lag mir das Herz in der Brust, als ich damals hier ins Haus kam. Ich glaubte, tc, könnt« nie wieder jemand lieb haben. Als mein Vater starb, da merkt« ich noch nicht, was mir genommen wurde. Ich war noch so jung. Und ich hing dafür mein Herz mit doppelter Innigkeit an meinen Bruder. Ach Groß­tanting was war er für ein lieber, fröhlicher Mensch er lachte so gern, alles an ihm war Sonnenschein, Lebensfreude. Und dann war es mit einem Male so ganz anders. Ganz deutlich erinnere ich mich noch des letzten Abends, da er bei uns war. Tante Adolphine hatte ihm eben geschrieben, daß sie ihm das Geld nicht leihen wollte. Er war so sttll und ernst und sagt« uns dann scheinbar gleichgiltig Lebe- wohl.Sorg doch nicht, Mutter, ich versuche morgen das Geld bei einem Kameraden aufzutreiben," sagte er noch, um Mutter zu beruhigen. Als ich ihm dann aber die Treppe hinableuchtete, sah er noch einmal nach mir zurück. So blaß sah et au in Kerzen­

schein. Und seine Augen ach, nie vergesse ich die­sen letzten Blick von ihm wenn ich damals ge­wußt hätte, was alles in diesem Blick lag. ich hätte mich an ihn geklammert, und ihn nicht fortgelassen Aber ich wußte nicht, daß er mit diesem Blick Ab­schied nahm vom schönen Leben, das er so liebte, von allem, was ihm teuer war. Noch jetzt schrecke ich nachts manchmal empor, bann sehe ich ihn so vor mir, rote er mit zurückgeroandtern Blick die Trepp« hinabstieg und ich höre bann seine Stimme:Schlaf gut, kleine Bettina."

Die alte Dame streichelte wortlos den blonden Kopf. Worte halfen hier nichts, das outzte ste. Solcher Schmerz muß austoben und braucht langt Jahre zur Heilung. Bettina war es eine Wohltai immer wieder davon sprechen zu dürfen, was ihr« junge Seele bis ins Innerste erschüttert hatte. Leisi fuhr ste fort:

Am andern Morgen kam sein Bursche mit bleichem, verstörtem Gesicht und sagte mit leise seinem Herrn Leutnant sei ein Unglück passiert. Ick lief wie gejagt in seine Wohnung, vergaß ganz aus 9Jtutter zu achten. Und da fand ich meinen gelteb ten Bruder starr und bleich auf seinem Bett mit durchschossenem Herzen. Nie vergesse ich das ni« auch bas schrecklich« Lachen, bos mich aus meinet Betäubung weckte. Mutter war mit gefolgt uni ftanb nun neben mir, schreiend und furchtbar lachend sie war von Sinnen vor Schmerz ach Großtanttng

Bettina legte erschauernd bett blonden Kopf tu den Schoß bet alten Dame, bie sie immer wortlos streichelte. Endlich faßt« sich Bettina wieder und sah empor.

Nun schilt mich nut aus ich habe triebet von diesen traurigen Dingen gesprochen," sie M I zu einem Lächeln zwingend.

... ......... (Fortsetzung sohtzi) , ;