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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen.Nach Feierabend",Fürs Haus" und .^Landwirtschaftliche Beilage".

M 184

TieLberhesiische Zcilung" erscheint täglich mit Auknahrne der Lrnn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <£ frei ins Hans. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Nniv.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:

Dr. Hiheroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Dienstag. 8. August

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46. Jahrg.

1911.

Zur La^e.

Prehstimmen.

Zu der neuesten Phase der Entwicklung schrei­ben ganz in dem von uns behandelten Sinne bieLeipz. N. N.":

Wir wissen also nunmehr, daß eine friedlich- schiedliche Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich über die Marokkofrage zustande kommen wird. Das ist etwas, aber im Grunde genommen nicht die Hauptsache. Das Wichtigste, b. h. der sachliche Inhalt der grundsätzlichen Ver­ständigung, bleibt uns noch ein Geheimnis. Wir wissen nicht, was Frankreich uns als Gegenwert für die freie Hand in Marokko zugestehen will, was Deutschland als Gewinn aus den seit An­fang Juli währenden Verhandlungen davon­tragen wird. In dieser Beziehung ist die Oeffent- lichkeit nicht besser daran als bisher, und das Rätselraten und Kombinieren kann also lustig weitergehen, wenn die Regierung sich nicht doch noch entschließt, den Schleier von dem Geheimnis etwas weiter zu lüften. Solange uns aber die sachliche Grundlage der erzielten Verständigung noch unbekannt ist, kann man auch nicht wissen, ob man ihr zustimmen kann oder sie ablehnen mutz. Wir haben allen Grund, uns in dieser Be­ziehung die Entscheidung vorzubehalten. Denn das Ausschlaggebende ist nicht, datz wir uns mit Frankreich über Marokko verständigen, sondern daß wir es unter Bedingungen tun, die für uns ehrenvoll und so günstig wie möglich sind. Man kann vorerst nur die Hoffnung aussprechen, datz die in Berlin erzielte Verständigung diesen Be­dingungen gerecht wird.

- DieNationalliberale Korre­spondenz" weist in einem besonderen Artikel darauf hin, datz der Tag, an dem unsere Kriegs­schiffe den Hafen von Agadir verlassen würden, um für immer dieses große afrikanische Küsten­land bedingungslos den Franzosen zu überlassen, die Schaffung eines neuen nordafrikanischen Kolonialreiches für Frankreich bedeuten würde, dem Deutschland nichts Ebenbürtiges an die Seite setzen könne. DieNationalltberale Kor­respondenz" meint weiter, Millionen von Deut­schen würden einen solchen Ausgang der deutschen Marokkopolitik als einen Beweis tiefster natio­naler Schwäche ansehen. Als den Tag, der die erste große Niederlage seit Gründung des Deut­schen Reiches bedeutet. Sie warnt zwar vor vorschnellen Urteilen über den Kaiser und die Regierung, indem sie meint, man kenne ja den Inhalt der Abmachungen noch nicht genau; an­dererseits bestehe aber das Unerhörte an diesen fetzigen Vorgängen darin, daß das deutsche Volk und seine gesetzmäßige Vertretung, der deutsche Reichstag, vollständig als quantitäs negligeables betrachtet würden. Sie fordert die f o f o r t i g e Einberufung des Reichstages.

DieKolonialzeitung" schreibt:Die maß­gebenden Persönlichkeiten der Deutschen Kolo-

5 (Nachdruck verboten.)

Die Atznrimns.

Roman von Lourths-Mahler.

- (Fortsetzung.»

Also Bettina erhielt das hübsche Fremdenzimmer neb'n Grotztantings Wohnung als Schlafraum und von der Zeit an freute sich Erofeta tting selt­samerweise vieder eines ungestörten Schlummers. Bettina konnte ruhig in ihrem Bett bleiben. Also hatte wohl die Nähe des jungen Mädchens be­ruhigend auf Grotztantings Nerr-n eingewirkt.

So hatte sich Bettinas Stellung im Haufe durch Grotztantings Hilfe sehr gebessert. Natürlich sorgte Adolphine trotzdem noch ausreichend für Beschäf­tigung des jungen Mädchens, aber das trug sich leicht. Mochte Tante Adolphine noch so viel schelten, ihr noch so viel Arbeit aufpacken, di« herrlichen Stunden bei Grotztanting konnte sie ihr nicht rauben.

Heute gab es große Wäsche. Da mutzte Bettina einen Teil der Mädchenarbeit mit übernehmen und die Nachmittagsstunden bei Grotztanting fielen aus.

Nachdem Bettina Feuer ange;ünbet hatte, mutzte sie den Tisch für das Abendessen decken, den Tee be­reiten und die Speisen aus der Vorratskammer herausgeben. Zu diesem Zweck ließ sie sich von Tante Aoolphine den Speisekammerschlüssel geben, den diese zum Aerger ihrer Dienstboten stets bei sich trug. Sie reichte ihn Bettina.

Schneide von der Wurst und den Rollschinken auf, Bettina. Aber die Scheiben nicht wieder so dick, das ist Verschwendung. Und nicht zu viel/ Zwei Schei­ben Wurst, eine Scheib« Schinken für di« Person. Da» genügt vollständig. Mehr nicht, die verderben m»r." Bettina tat, wie ihr geheißen war. Si« schnitt I

nialgesellschaft sind sich darüber einig, daß es für das Deutsche Reich eine Ehrensache ist, sich nicht aus seiner auf dem Boden des Rechts und aus eigener Kraft errungenen Stellung in Marokko herausdrängen zu lassen."

Allgemein aber ist die Sorge, daß der Vorstoß von Agadir in eine Chamade verwandelt wird. DieRhein.-Westf. Ztg." schreibt:Die ganze Lage scheint äußerst bedenklich, und das böse WortOlmütz" geht als Gespenst um. Nach dem heutigen Stand der Dinge steht es ziemlich fest, daß wir bei den Verhandlungen unseren anfäng­lichen Standpunkt aufgegeben und nachgegeben haben, und zwar sehr erheblich."

Ja, dieVranschweigische Landeszeitung" zitiert nachstehende Sätze des Grafen v. Preysing:

Das Verhalten des Kaisers in den letzten vier Wochen hat einer solchen Auffassung leider kein Dementi gegeben. Der Ernst der Situation gebietet, es zu sagen."

und am Schluß des Artikels heißt es:

Das ist leider die Situation, in der Herr Cambon bisher Herrn v. Kiderlen gegenüber war. Wird Herrn v. Kiderlen möglich sein, Herrn Cambon und der ganzen Welt glaubhaft zu machen, datz, wie der Großvater, der Enkel sich am preußischen Portepee fassen ließ? Diese Möglichkeit hatte er bisher nicht."

Hebet den Stand der Verhandlungen wird derVoss. Zeitung aus Paris mitgeteilt, datz Deutschland sich politisch endgültig von Marokko abkehrt und Frankreich in diesem Land» voll­ständig freie Hand lätzt, jedoch Bürgschaften da­für fordert und erhält, daß die offene Tür keine bloße Redensart bleibt. Jetzt werde über Ge­bietsabtretungen am Kongo verbandelt. Der Korrespondent fügt hinzu:Es bedarf kaum der ausdrücklichen Feststellung, datz die Befriedigung über die neueste Wendung der Berliner Ver­handlungen hier allgemein und tief ist."

Nach demB. T." weitz der Korrespondent desMatin" in London zu melden:Das Ter­rain für die Verständigung liegt an den Gren­zen von Deutsch-Kamerun und Französisch- Kongo. Die Küste oder fast die ganze Küste von Franzog^ch-Kongo bleibt französisch, und belgische Kongo wird nirgends Erenzland für das deutsche Kolonialgebiet. Von der Abtretung der deut­schen Togokolonie an Frankreich ist nicht mehr die Rede. Deutschland verlangt auch keine Ge­bietsabtretungen an anderen Punkten des Erd­balls, weder in Tahiti noch anderswo. Der deli­kateste Punkt, der noch zu langen Verhandlungen Veranlassung geben kann, ist nach englischer Mei­nung die wirtschaftliche Stellung in Marokko. Großbritannien hat in Marokko wirtschaftliche Interessen von stärkerer Bedeutung als Deutsch­land und wird sicherlich verlangen, auf gleichem Futze wie Deutschland behandelt zu werden. Dies wäre ein Zwang zur Einschränkung der even-

so feine dünne Scheiben als möglich und legte sie auf die schwere silberne Platte. Diese trug sie in das schöne, dunkel getäfelte Speisezimmer hinüber Auf den mächtigen Tisch hatte sie ein blütenreinee Tischtuch von feinem Damast gebreitet. Kostbares Meißener Porzellan und schwerplberne Eßbesteck? zierten die Tafel. Teegläser mit silbernen Haltern standen auf dem schönen silbernen Tablett vor der Teemaschine, unter der Bettina bereits den Spiritus ei/zündet hatte. Auf diesem mit gediegener Pracht gedeckten Tisch, der deutlich den Reichtum der Fa­milie Aßmann illustrierte, nahm sich die schwere Silberplatte mit den dünnen Wurstscheiben seltsam genug aus.

Seit Fran Adolphine bas Szepter im Hause führte, hatte sie biese schmale Abendkost als der Gesundheit zuträglich eingeführt. Warum sie auch die Mittags Mahlzeiten tunlichst beschränkt hatte, sagte si« nicht, Tatsache war, daß in diesem reichen alten Patrizier hause nur gut und reichlich getafelt wurde, wenn Gäste zugegen waren.

Dieses Sparsystem Frau Adolphines hatte selt­sam« Verhältnisse gezeitigt. Peter Aßmann, der an eine gute und reichliche Kost gewöhnt war, hatte seit seiner Verheiratung die Gewohnheit angenommen, ein zweites Frühstück auf dem Wege nah der Fabrik im Restaurant einzunehmen. Dieses zweite Früh­stück wurde schließlich seine Hauptmahlzeit, an der sich auch in stillschweigendem Uebereinkommen Georg zu beteiligen pflegte, seit er in der Fabrik tätig war. So hielten sich die beiden Herren schadlos, ohne Laß Adolphine eine Ahnung davon hatte. Und Eroß- tanting die lächelte fein, wenn Peter mittags gar so wenig atz und so schnell gesättigt war, rote Georg auch. Sie ahnte bett Grund und tat es stillschweigend bett beiden nach. .....

I tuellen Zugeständnisse auf diesem Gebiet. Das sieht freilich nicht sehr vertrauenerweckend aus.

DieRordd. Allg. Zeitung schreibt in ihrer Wochenrundschau: Hebet den Fortgang der deutsch-französischen Hnterhandlungen in den afrikanischen Fragen wurde Freitag amtlich mit­geteilt, daß eine Annäherung über den prinzi­piellen Standpunkt stattgefunden habe, die Ein­zelheiten unterliegen indes noch genauerer Prü­fung und näherer Vereinbarung. Deshalb müssen die beiden Regierungen sich bis auf wei­teres versagen, der Oeffentlichkeit Mitteilungen zu machen. Dadurch würde, wie dieWestminster Gazette" zutreffend bemerkte, das Ergebnis der Verhanlungen in Frage gestellt werden. Der Mahnung des englischen Blattes zu geduldigem Abwarten mutz man sich anschließen. Gern sei festgestellt, daß die deutsche Presse in den großen Blättern aller bürgerlichen Parteien gegenüber manchen ausländischen Beunrubigungsversuchen kühl und vertrauend geblieben ist.

Außerdem veröffentlicht dieNordd. Allgem. Ztg." folgende überaus scharfe Zurückweisung:

Die Post, die wir in diesem Falle nicht als Organ der freikonservativen Partei anerkennen, hat einen Artikel veröffentlicht, worin sie, ohne über den Stand der Marokko-Verhandlungen im geringsten unterrichtet zu sein, von einem Augen­blicke unschädlicher Schande, von einer Demütig­ung Deutschlands, vom Rücktritt des Reichs­kanzlers und des Staatssekretärs des Aeußern und von einem neuen Olmütz phantasiert. Wir würden diesen Ausgeburten eines überreizten Gehirns keine Beachtung schenken, wenn die Post" nicht am Schluß ihrer Ausführungen er­dreistet hätte, Seiner Majestät dem Kaiser, unter der feigen Form rhetorischer Fragen, poli­tische Schwäche, ja Begünstigung des Auslandes zum Schaden deutscher Interessen vorzuwerfen. DiePost" eignet sich mit diesen Ausführungen Gedanken an, denen wir nur in ausländischen Schmähartikeln zu begegnen gewohnt sind. Der Versuch, solche Nichtswürdigkeiten unter dem Schein patriotischer Besorgnis in der deutschen Presse zu verbreiten, verdient die schärfste Zu­rückweisung."

DiePost" verbittet sich natürlich den Ton, und weist darauf hin, daß sie mit ihren Aus­führungen vielen hochstehenden, vaterlandslie­benden Personen aus der Seele gesprochen habe und abgesehen von manchen Hebertreibungen mag sie recht haben.

DieBraunschweigische Landeszeitung", mel­det: Die in Marokko interessierten Hamburger und Remscheider Erotzhandelshäuser haben bei der Relchsregierung wegen einer Preisgabe Ma­rokkos seitens Deutschlands, sowie gegen einen beabsichtigten Verzicht Deutschlands auf Be­setzung eines Hafens an der marokkanische" Küste, eindringliche Vorstellungen erhoben.

Auf ihren täglichen Nachrnittagsspaztergängen sucht-: sie iebesm-l eine kleine, feine Konditorei auf. Dort nahm sie Schokolade und kleine Kuchen zu llch. Sie sorgt; auch dafür, baß sie stets Cakes unb eilige Tafeln Schokolade im Hause hatte. Die bewahrte sie in einem Schrankeckchen auf, neben Hauben unb Handschuhen.

Diesen Schokoladenschlupfwinkel hatte frühei Ernst genau gekannt. Dort fanden sich immer aller­hand gute Sachen für ihn. wenn er in der Dämmet« fti.n5e in Grotztantings Zimmer kam. Schöne große Aepfel unb Birnen, Weintrauben, kleine Kuchen unb Schokolabe immer war etwas für ihn ba, unb fleißig sorgte er mit feinem gesunden Jungenappetit, baß immer Platz für neue Einkäufe würbe. Unb Grotztanting strahlte, wenn . unglaubliche Quanti­täten zwischen den gefunben weißen Zähnen ver­schwanden.

Jetzt nahm eine andere Ernst Stelle ein. Bettina war die unerschöpfliche Schrankecke zugäagig gemacht worben, seit sie bamats Vorleser n bei Grotztantings würbe. Unb seit Bettina bie alte Dame auf ihren Spaziergängen begleitete, ging sie auch mit in die Konditorei. Wenn sie bann mit gefunbem Appetit schmauste unb dankbar Grotztantings feine faltige Hände drückte, bann strahlten die gütigen Altfrauen- augen genau so glücklich rote früher, wenn Ernst ihr« Schätze zwischen ben weißen Zähnen verschwinden liefe.

O Adolphine wenn du geahnt hättest, rote schändlich dein selbstgepriesener Sparrfinn in dte Brüche ging!

Unb wenn du wüßtest, rote rüstig und kräftig Grotztanting noch ohne jede Stütze ausschreiten konnte, rote herrlich sie mit ihrer guten Brüte noch I

Deutsches Reich,

Telegramm des 6. C. an Kiderlen- Wächter. Halle a. d. S., 5. Aug. Der Kösener Kongreß deutscher Korpsstudenten sandte folgen­des Telegramm an Staatssekretär v. Kiderlen- Wächter: Die in Halle zu einer außerordentlichen Tagung versammelten deutschen Korpsstudenten, gestatten sich, Euer Exzellenz zu der tatkräftigen Vertretung deutsch-nationaler Interessen ihre Begeisterung und freudiges Vertrauen kund zu geben, und geloben treue Gefolgschaft zur Wah­rung und Mehrung vaterländischer Ehre und Größe.

Rachkläge zuMoabit". DerBerliner Lokalanzeiger" meldet aus Berlin: In dem von der Witwe Herrmann gegen den Berliner Polizeipräsidenten angestrengten Prozeß, der heute zur Verhandlung kam, wurde von dem Langericht I der Beschluß gefaßt, das Verfahren bis zur Erledigung des Strafverfahrensgegen unbekannt", längstens jedoch bis zum 1. Dezem­ber, auszusetzen.

Ein neues Moorprojekt. Wie verlautet, wird im Herbst dieses Jahres ein großes Melio­rationsprojekt zur Ausführung gelangen. Es handelt sich um ein 102 Hektar großes Moorland im Kreise Tuchel, das nach dem Gutachten der Mooversuchsstation in Bremen ein gut zersetztes Hochmoor darstellt. Es ist die Schaffung von 400 Morgen Wiesenland in Aussicht genommen, die in kleinen Teilen von 2 Morgen Größe ver­kauft werden sollen. Es soll dadurch erreicht werden, daß möglichst viele kleine Besitzer der Umgegend in den Besitz von Wiesenland gelan­gen. Es ist zu erwarten, daß dies Werk der Moorkultur durch staatliche Beihilfe gefördert wird. Desgleichen dürfte sich auch die Provinz daran beteiligen.

Neuartige Versuche zur Reform der juri- ftifchen Vorbildung. Wie mitgeteilt wird, sind dem Justizministerium von einem VereinRecht und Wirtschaft" neue Vorschläge zur Reform der juristischen Vorbildung gemacht worden, die die Billigung des Justizministeriums gefunden haben und bereits teilweise in die Tat umgesetzt worden sind. Da die frühere Art der Beschäf­tigung der Assessoren, die in irgend einem kauf­männischen Betriebe als Volontäre einen Zweig des Betriebes kennen lernten, sowohl den Asses­soren wenig Nutzen brachte, als auch den betref­fenden Industriellen sehr wenig zusagten, so hat der VereinRecht und Wirtschaft", der aus Ju­risten und Industriellen gebildet ist, dem Justiz­minister den Vorschlag gemacht, die Kurse weniger zur Erlernung eines Betriebszweiges als zur Erweiterung der Lebenskenntnis der Assessoren als der zukünftigen Richter zu be­nutzen. Zu diesem Zwecke sollen die Assessoren allmählich alle Zweige der betreffenden Betriebe unter Leitung von mittleren Angestellten ken­nen lernen. Dadurch werden sie Einblicke ge­

sehen konnte u Adolphine was hättest bu wohl zu alledem gesagt.

Peter Aßmann hatte vor langen Jahren {dn< Tante Emma einmal gefragt, ob ihr auch bie ver­änderte Lebensweise, bie Adolphine eir.gefflljt habe, gut bekomme. Da hatte sie ihn mit humorvollem Lächeln angesehen.

Sei ganz ruhig, Peter. Frühstücken gehe ich ja nicht, rote bu aber ich gebe nachmittags zum Konditor."

Peter war tot geworden.

Tante, das geht doch nicht. Du sollst nicht b ir= unter leiben, iw will ich doch lieber mit Adolphine sprechen. Weißt du, sie ist von zu Hause so klein« Ver­hältnisse gewöhnt."

Die alte Dame hatte ihm lächelnd auf bie Schul­ter geklopft.

Laß gut sein, Peter, es geht auch so. Du sollst Adolphine meinetwegen kein Wort sagen. Kleine Schwächen hat jeder Mensch. Was meinst du wohl, rote glücklich deine Frau ist, daß sie durch ihre Tüch­tigkeit im Hause sparen kann. Das hebt sie über sich selbst hinaus, sie ist stolz darauf, als hätte sie dir da­mit ein großes Vermögen eingebracht. Wozu sie kränken und ihr diese Genugtuung schmälern. Latz ihr den Spafe, wir halten uns schon schadlos."

Damit war diese Angelegenheit zwischen den Heide nerlebigt. So fügte sich scheinbar jeder im Hause in Frau Adolphines Sparsystem. Nur die Dienstboten revoltierten zu ihrer Entrüstung sehr oft. Die wollten ihr Recht haben und begehrten auf, wenn sie nicht reichlich genug zu essen bekamen. Das gab manchen Streit und mannche ««gemütliche Stunde.

(Fortsetzung folgt.)