Koloniales.
Aus Deutfch-Eüdweft.
Da es trotz aller Norforschungen im Nordosten von Deutsch-Südwestafrika bisher immer noch nicht gelungen ist, Aufklärung über das fcu,.-|al der Kolonne Frankenberg zu schaffen, und da auherdem auch die am Okavango gelegene Polizeistation Kuringkurru und die 60 km westlich von Andara (Libebe) gelegene Oblaten- äii'iiiton Nianga:a als gefährd^ erscheinen, hat sich der Gouverneur, wie amtlich aus Deutsch- SLdwestafrika gemeldet wird, entschlossen, eine stärkere Expedition in den Nordosten des Schutzgebietes zu entsenden. Die Expedition setzt sich aus zwei Kompagnien, einer halben Batterie, einer Maschinengewehrabteilung und einem Verkehrszug zusammen. Angesichts der Länge der Etappenstraße ist dieses Truppenaufgebot in Stärke von etwa 200 Mann erforderlich. Die Führung übernimmt der Major Hinsch; auch der Kommandeur der Schutztruppe, Major v. Heyde- breck wird die Expedition begleiten.
Festnahme eines H-rrrokapitäns.
Die neueste Nummer des aus Windhuk eingetroffenen „Südwestboten" meldet, daß im fo- Sandfeld Südafrikas der berüchtigte Herero- Häuptling Kanjemme, der 1904 drei Polizeisergeanten ermordet hat und damals ins Sandfeld geflüchtet war, festgenommen wurde. Außer ihm wurden noch 70 Hereros gefesselt und nach Windhuk gebracht. Ueber die Festnahme des Kanjemme werden folgende Einzelheiten berichtet:
Die Festnahme erfolgte nicht ohne Blutvergießen. Die Patrouille war bis zu der Werft norgedrungcn, wo Kanjemme bisher gesessen hatte, man traf indes nicht ibn, sondern seinen Bruder dort an, den man zwang, den Aufenthaltsort Kanjemmes zu verraten. Dorthin, nach Ombu Omonde, etwa 150 Klm. südöstlich von Waterberg, begab sich die Patrouille in vielstündigem, fast ununterbrochenem Ritte. Als die Werft in Sicht kam, ritten Hauptmann Holländer, Oberleutnant Frhr. v. Hirschberg, Wachtmeister Scharps und ein Wachtmeister aus Groot« fontein in gestrecktem Galopp darauf los, während die Polizeisergeanten seitlich ausschwärm- ten. Beim Herannahen der Offiziere an die Werft schoß Kanjemme aus seinem Pontok mit einem 88er Gewehr auf .Hauptmann Holländer, glücklicherweise ohne ihn zu treffen. Ehe der
regieren will. Beherrsche dich selbst — dann kannst du auch andere Menschen beherrschen. Und in dem Beruf, den du dir wählst, da kommt es vi-e auf dies« Herrschaft an. Soll ein Bau recht gelingen, mutz der Bauherr Menschen zwingen — zum Gehorsam bi, inj kleinste."
Ernst hatte die alte Dame fest in seine jungen starken Arme genommen. „Großartig — ich nehm« das Geld von dir. And du sollst sehen — ich werd« ein ganzer Kerl, schon dir zu iebe. Ich danke dkl herzlich wie kein anderer Mensch, und du weißt auch daß ich gehen muß, soll ich mich nicht selbst verlieren/
„Ich weiß e--, mein leine Jung. Und zürne bei- neu Eltern nicht — sie steh<n auf einem andere» Standpunkt und wollen dein Bestes. Zeigst du ihnen daß es dir ernst ist mit deinem Wollen, dann versöhnst du sie dir schon eines Tages wieder. Und bi« dahin schreibst du mir oft und ausführlich über dein Leben, du weißt, ich lebe jede Stunde mit dir. Ich sende dir auch fleißig Nachricht über unser Leben daheim. Aber weiß- du — schicke mir deine Briese lieber postlagernd., es ist bess-r. Ich möchte nicht i, Unfrieden leben mit deinen Eltern. Und wenn d, dein Ziel erreicht hast, ehe die Eltern sich dir ver. söhnen, so reich ihnen dann zuerst die Hand, fester Wille ziert den Mann, Trotz schändet ihn."
Das waren Großtantings Geleitsworte für ihren leiven Jung. Noch am selben Tage verließ Ernst das Vaterhaus. Der Abschied von seinen Eltern und Bruder war kurz und kühl. Mckn glaubte, er würde bald "eilig zurnckkehren, wenE ihm der Ernst seine - Loge bewußt würde. — —
(Fortsetzung folgt.)
■ A&Al '
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
Jt» 181
merfest eines liberalen Vereins hielt der fortschrittliche Reichs- und Landtagsabgeordnete Prof. Eickhoff eine Rede, in der er sich nachdrücklich und unter lauter Zustimmung der Versammelten gegen ein Paktieren des Liberalismus mit der Sozialdemokratie aussprach. Würde der Liberalismus wirklich auf diese schiefe Ebene geraten, so müßte ihn das ins Verderben führen.
46. Jahrg.
1911.
lands im „Rate der europäischen Kabinette", eine Warnung, die vermutlich ebenso sehr an Frankreich wie an Deutschland gerichtet sein sollte; denn schon der bloße Gedanke an die Möglichkeit, daß Frankreich sich über irgend eine Frage mit Deutschland int geheimen verständigen könnte, verursacht den britischen Staatsmännern krampfhafte Beklemmungen. Es ist eine Art Derzweiflungsstimmung, die es dem englischen Volke im Hinblick auf Deutschlands wachsende Macht zum politischen Axiom gemacht hat: England and France must stand together lest they should succumb singly one after the other.“
Weiter schreiben die „Leipz. Neuesten Nachrichten" gelegentlich der Unterredung des Kaisers mit dem Reichskanzler und v. Kiderlen- Wächter in einem Leitartikel, der treffend die bestehende Situation beleuchtet, über die Lage: ; „Der Bruch der Algeciras-Akte durch Frankreich hat überdies für uns einen Rechtstitel geschaffen, der nicht anzufechten ist. Und was das Wichtigste ist: Vor fünf Jahren galt das, was heute als selbstverständlich erscheint, im deutschen Volke selbst als verstiegene Phantastik alldeutscher Schwärmer, es fehlte unseren Staatsmännern Antrieb und Rückhalt im eigenen Lande; heute aber würde ein Sturm der Entrüstung entstehen, wenn wir auch nur mit „Kompensationen" von Swinemünde heimkehren würden, die nicht dem Machtzuwachs Frankreichs entsprächen. Oder fürchten wir uns etwa vor dem Stock des britischen Weltschulmeisters, der uns durch den Mund des Herrn Asquith verkünden ließ, er werde auf dem Plane erscheinen, sobald wir es wagten, in Marokko selbst uns Kompensationen zu schaffen? Als ob wir durch all die Schlachtengluten gegangen wären, um zu zittern, wenn irgend ein englischer Staatsmann uns grimmig anblickt! Ob uns England die gütige Erlaubnis gibt oder nicht, so werden wir eben handeln, wie wir es in unserem eigenen Interesse für richtig halten, und wenn wir in Agadir bleiben wollen, so bleiben wir eben dort, auch wenn Mr. Asquith und Mr. Balfour gemeinsam ihre dräuenden Stimmen erhoben. Denn jetzt haben wir die Trümpfe in der Hand."
Marvurg
UFrettag, 4J Amust
Nach der Hebung, welche in zwei Eefechtsbilder zerfiel, nahm der Kaiser den Vorbeimarsch aller beteiligten Truppenteile im Galopp ab und kehrte gegen 10y2 Uhr mit der Standarten- Eskadron der Garde du Corps ins Lager zurück. Später frühstückte der Kaiser mit dem Offizierkorps im Kasino des Lagers. Das Publikum begrüßte den Kaiser allenthalben aufs freudigste.
— Eine Altersgrenze für Richter? Der ba» dische Richterverein hat auf seiner letzten Hauptversammlung beschloßen, den schon früher gefaßten Beschluß, eine geeignete Verjüngung des Richterstandes dadurch herbeizuführen, daß die Riuster nach Ablauf des Monats, in dem sie ihr 70. Lebensjahr vollenden, kraft Gesetzes in den Ruhestand zu treten haben. Mit der Festsetzung einer Altersgrenze für die Zurruhesetzung der Beamten hat sich erstmals die Novelle zum Beamtengesetz im Jahre 1898 befaßt. Bis dahin konnte der Beamte, so lange er dienstfähig war, im Amt bleiben. Nach der genannten Novelle kann der Beamte von seiner vorgesetzten Behörde ohne weiteres in den Ruhestand versetzt werden, oder er kann auch um seine Zurruhesetzung ohne Angabe eines Grundes nachsuchen, wenn er das 65. Lebensjahr zurückgelegt hat. Diese Kannvorschrift wünscht nun der Richterverein für die Richter, die bas 70. Lebensjahr zurückgelegt haben, in eine Mußvorschrift umgewandelt zu sehen. Die Zahl der 70 Jahre alten Richter ist nicht so gering, wie gewöhnlich angenommen wird, obwohl bet der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches doch die älteren Richter in den Ruhestand getreten sind.
— Di« Einnahme der Poft- und Telegraphen, ottrvaltrmg 'st, wie schon gemeldet, während des ersten Viertel« des laufenden Rechnungsjahres um 18,6 Millionen Mark hinter dem anteiligen Etatsanschlage zurückgeblieben. Das braucht nicht els auffällig angesehen zu werden, w il bei der Post die Monate Mai und Juni regelmäßig geringere Einnahmen aufweisen. Die Einnahmen haben sich in den letzten Jahren nährend dieser Monate immer in den vierziger Millionen bewegt, während nach dem Etatsanschlage für 1911 von dem Monat im Durchschnitt eine Einnahme in Höhe von 61 Millionen Mark erwartet wird. Dafür sind aber di« Monate Oktober, Dezember, Januar und Mä'z diejenigen, die regelmäßig weit über den Durchschnitt emporragende Erträge aufweisen. Für die Post- und Tele- graphenverwaltunx liegen also die für die Einnahme besten Monate im Herbst und Winter.
— Die Sozialdemokratie und die Liberalen. Dem sozialdemokratischen Parteitage wird ein Antrag unterbreitet werden, der die Unterstützung der Liberalen bei Stichwahlen vorbehaltlich gewisser Garantien in Aussicht stellt. Es heißt, daß die Hilfeleistung sich nicht auf die Fortschrittliche Volkspartei beschränken und auch nicht an die Bedingung der Gegenseitigkeit gebunden sein soll. Diese Auffassung ist die der Parteileitung und wird von Bebel begründet werden. — Bei dem am Sonntag auf Schloß Küppelstein bei Remscheid abgehaltenen Som-
Der Anzeigenpreis betragt für die 7gespaltene ober deren Raum 15 j., bei auswärtigen Anzeigen 20 j., für Reklamen die Zeile 40 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt all Barrabatt. Bei Kontur! kein Rabatt. Berbinvlich- keit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschlossen. — Zahlungen im Postfckwckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 bei Peftscheckamtel Frankfurt a. SR.
Deutsches Reich.
— Bom Kaiser. Alten-Erabow, 2. Aug. Der Kaiser wohnte auf dem Truppenübungsplatz Alten-Grabow einer Kavallerie-Gefechtsübung bei. Die Hebung wurde ausgeführt von der Earde-Kaoallerie-Division, bestehend aus den Earde-Kaoallerieregimentern ohne das 1. und 2. Earde-lllanenregiment, und der Kavalleriedivision A, bestehend aus der 5., 8. und 38. Kavalleriebrigade. Beide Parteien hatten je eine rettende Abteilung Feldartillerie und eine Ma- sastnengewehr-Abteilung. Leiter war der Eene- ralinspekteur der Kavallerie, General v. Kleist.
Marokko.
Hebet das Verhältnis zwischen Frankreich und Spanien in der Maroktofrage war in letzter Zeit wenig zu erfahren, da die Presse der beiden beteiligten Länder sich über die bestehende Lage ausschwieg und höchstens, gesuhlt von den offiziös bedienten Blättern, von einem sehr günstigen Ergebnis der beiderseitigen Verhandlungen über die bekannten Zwischenfälle schrieben. Umsomehr muß eigentlich folgende Meldung stutzig machen:
Paris, 2. Aug. Aus Tanger wird heute gemeldet, die französische Gesandtschaft erhalte die Mitteilung, daß die französischen Staatsangehörigen und Schutzbefohlenen in El Ksar sich angesichts der Anmaßung und des Uebermuts der spanischen Soldaten und der spanisch-marokkanischen Polizeimannschaften nicht mehr sicher fühlen und jederzeit auf den Straßen einen bewaffneten Angriff fürchten. Die Eingeborenen seien so eingeschüchtert, daß sie es nicht wagen, einen Franzosen oder einen französischen Schutzbefohlenen anzusprechen.
Inwieweit diese Notiz wirkliche Tatsachen objektiv berichtet und demnach Aufmerksamkeit verdient, müssen die nächsten Tage Aufklärung bringen. Zur internationalen Lage liegen zur Zeit wenig positive Meldungen vor. Jnter- estant ist, was die „Schlefische Zeitung", der man natürlich die Verantwortung dafür überlassen muß, über den Gang der Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich meldet:
„Die Berliner Besprechungen waren so weit gediehen, daß eine Grundlage für eine Verständigung gesunden war, nach welcher Deutschland sich vorläufig mit einer mäßigen Eebietsentschä- digung im französischen Kongo begnügt haben würde, aber in einem privaten, nicht zu veröffentlichenden Abkommen bedeutende Vorteile in der Zukunft zugesagt erhalten hätte. Eine solche Lösung würde den Vorzug gehabt haben, die Empfindlichkeit der öffentlichen Meinung nicht unmittelbar einer unangenehmen Probe zu unterwerfen. Die deutsche Regierung würde sich ihrerseits c''etbings einer scharfen Kritik seitens her öffentlichen Meinung in Deutschland ausgesetzt haben. Aber das hätte sie sich im Hinblick auf die künftigen Vorteile vorderhand gefallen lassen müssen. Als aber die auf jene Lösung bezüglichen Vorschläge an den französischen Ministerrat gelangt waren, wurde der Inhalt des Planes durch indiskrete, diplomatisch wenig geschulte Mitglieder desselben Vertretern der Presse anvertraut und fand nun, indem die beiden Abkommen in eins zusammengeworfen wurden, in unrichtiger, entstellter und übertriebener Form seinen Weg in die Oeffentlichkeit. „Times" und „Daily l lail" schlugen Lärm Über die „exorbitanten" Forderungen Deutschlands und Lloyd George lanzierte in trotziger Rede fei??» Warnung gegen die Ignorierung Eng-
। ; ,v.>!,.»!," eiich.im täglich mit Huenatj-ne der L. Ult
imi) Jeter tage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich l;,rch die Post bezogen 2.85 * (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellcn und der Expedition (Stadt 21) 2.00 <X freiinS HauS. (Für unve.r- langt zugesandte .Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der llniv.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hitzeroth). Markt 21. — Telephon 55.
2 (Nachdruck verboten.)
We Aßmarms»
Roman von Eourtho-Matzler.
(Fortsetzung.)
Da Ernst verständiger und ruhiger wurde unter Großtantings Einfluß, ließ Adolphine die beiden ruhig gewähren, und Peter war herzlich froh, seinen Frieden wieder zr. haben und nicht immer strafen zu müssen. Im Grunde liebte er seinen Nettesten mehr als Georg. Aber er ließ sich das niemals merken und' glaubte, doppelt streng gegen ihn sein zu müssen.
Als Ernst älter wurde, entwickelte et sich zu einer lebensfrischen, kraftvollen Persönlichkeit. Es war ihm bekannt, daß er, gleich Georg, nach Beendigung der Schulzeit in die Fabrik eintreten sollte. Ihm fehlte aber alle Luft und Begabung zum Kaufmannsstande. Lange, ehe er das seinen Eltern eröffnete, wußte Großtanting, datz Ernst den Traditionen des Hauses Aßmann untreu werden wollte. Manche Dämmerstunde saß er auf dem Erkerplatz zu ihren Füßen und gab seinen idealen, feurigen Zukunftsplänen Ausdruck. Welche drängende lebensstarke JÜnglings- feele enthüllte sich da den Blicken Großtantings. Sie faß und staunte und schwärmte dann mit ihm um die Wette. Sein ganzes Sinnen und Wesen richtete sich auf die Baukunst. Architekt, Baumeister wollte et n.rben. Und vor Großtantings staunenden Augen entstanden unter seinen feurigen Worten herrliche Paläste, ernfte, schöne Kirchen, wundervolle Villen und liebliche Landhäuser. Die halbe Wett durch- preiften die beiden Menschen in kühnem Fluge, Großtanting wurde manchmal etwas schwindlig batet — aber sie flog tapfer mit. Und ganze Bücher
stöße ließ sie sich ins Haus schicken, um sie mit Ernst durchzustudieren. Da zeigte er ihr, und lange ehe seine Eltern etwas davon ahnten, stand es bei den beiden fest, daß Ernst Baumeister werden sollte.
Daß es nicht ohne Kämpfe dazu kommen würde, wußten sie wohl, und so schoben sie die Eröffnung so lange wie möglich hinaus. Erst als Ernst das Abiturium hinter sich hatte und nun in die Fabrik eintreten sollte, kam es zur Katastrophe.
Seine bündige Erk'Stung, daß er nicht Kaufmann, sondern ArchitD werden wollte, machte seinen Vater fassungslos. Er konnte das vorläufig gar nicht glauben. Aber die Mutter erklärte sofort mit despotischer Willkür, daß Ernst seine „verrückten Einfälle" aufgeben und sich zu fugen habe. Der wehrte sich gegen diesen Machtspruch. Es gab untuhevolle Svenen in dem alten Patrizierhaufe. Mutter und Sohn stießen mit den harten Köpfen an einander. Denn einen harten Kopf hatte auch Ernst, so weich und liebevoll auch fein Herz, dank Großtantings Einfluß, geblieben war.
Und Frau Adolphine konnte Widerspruch nicht vertragen. Je mehr sich Eunst dagegen wehrte, ie fester bestand sie darauf, daß er Kaufmann wurde. Ernst Vater stand auf ihrer Seite. Alle Aßmanns waren Kaufleute gewesen, hatten Wohlstand und Reichtum durch den Kaufmannsstand errungen. Er hatte eine sehr hohe Meinung von diesem Stand und wollte, daß seine Söhne ihm beide angehörten.
So kam es zum Bruch zwischen Ernst und seinen Eltern. Er weigerte sich, Kaufmann zu werden, und sie weigerten sich, ihm auch nut einen Pfennig zu geben, wenn et darauf bestehen sollte, aus dem Hause zu gehen und seinen Plan auszuführen. Eie glaubten, ihn durch diese Drohung gefügig zu machen, aber gerade diese Drohung steigerte seinen Trotz.
„So hungere ich mich durch — ihr sollt mich "icht knechten und zu einem Beruf zwingen, der mit zuwider ist," hatte er auf ihre Drohung erwidert und war aus dem Zimmer gestürmt.
Grollend und verzweifelt war et zu Großtanting gekommen. Er hatte auch ihr versichert, daß er noch heute fortgehen wolle und sich zur Rot durchhungern, nt) aber darauf verzichten würde, Architekt zu werden. Großtanting hatte lächelnd In fein flammendes Gesicht gesehen. Ernst hatte nicht, gleich seinem Bruder Eeo-g, die Schönheit der Züge von seiner Mutter geerbt. Er wat äußerlick ein echter Aßmann. Groß und stattlich war er empotgen-achsen, aber seine Züge waten zu groß angelegt, für einen Jiinglings- kops zu kantig und markig. Zum Manne gereift würde er bedeutend und karaktervoll seine Stirn dem Leben darbieten, eisern und unbewegt, das sah man schon heute dem Gesicht an, jetzt wirkte es eckig, »oft unschön
„Mein leine Junge," Großtanting nannte ihn immer so, „du willst doch wohl nicht mit dem Kopf durch die Wand? Dos denkst du dir wohl sehr romantisch und heroisch — das mit dem Durchhungern'' Abe- ein leeret Magen geht oft mit einem leeren Kopf einher, darauf wollen wir es lieber nicht an» kommen lassen. Wozu ist deine Großtanting da? Hier — nimm dies Portefeuille, es lag schon für dich bereit, denn ich sah das alles kommen Wenn du denn einmal hinauswillst, so sollst du nicht mit leeren Taschen gehen. Du solsst deinen Monatswechsel hoben wie andere Söhne aus gutem Hause auch. Wozu hab ich so viel Geld, wenn ich damit dir, .nein leivr Jung, nicht bamti deinen Herzenswunsch ermöglichen soll. Nun geh mit Gott und werde ein tüchtiger Baumeister. Vergiß auch nicht, daß da oben unter beinern tüchtigen Haardach «in ungestümer Sim«