mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
Die „Lberhrffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Senn- unb Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Poft bezogen 2.25 <Ä lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition Markt 21) 2.00 <Ä frei ins HauS. (Für unver- langt zugefandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. Hiheroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonntag, 30. Juli '
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46. Jahrg.
1911.
Erstes Blatt.
d Hohe Temperaturen.
WWf sorgenvollem Blicke schaut der Landmann zmn Himmel auf, von wo die Sonne ihre sengenden SMhIen herabsendet, diedas Erdreich ausdörren, die fetchn-Wiesen und die Flüffe vertrocknen lassen und den flämmend heißen Wald mit der Vernichtung durch ihr Feuer bedrohen. In den Städten beginnen hier uild da die Waffervorräte zu versiegen, den Dampfkesseln fängt ihre Speise zu fehlen an. Allenthalben, in Stadt und Land, wird die Sonnenglut zu schwerer Plage, wenn nicht zur Gefahr. Ganz Europa steht unter der Herrschaft eines Hochdruckgebietes, und die Wetterpropheten;— nicht die Witzblattfiguren, sondern die Männer der Wissenschaft — belehren uns, daß es fürs erste so bleiben wird. Das sind trübe Aussichten, und die strahlende Sonnenhelle, die sonst das Auge erfreut, blendet nur und bedroht, gefährdet Mensch und Tier, Halm und Haus. Niedergehende Gewitter bringen keine Reinigung und Rettung. Zündende Blitze vernichten kostbares Gut an Menschenleben und Besitz. Wolkenbrüche, Hagelschläge und verheerende Stürme, deren Dauer nach Minuten zu berechnen ist, verwüsten und zerstören, was in Monaten herangewachsen und gediehen ist. Das Interesse, das der Städter an diesen Dingen nimmt, ist nicht gerade von dem Ernst getragen, der den Verhältnissen zukäme. Als vor zwei Wochen die Landwirtschaf^s- kammer auf die schlechten Aussichten für die Futterernte hinwies und vor einer Verschleuderung des Viehes warnte, da erhob sich in der Presse der Linken sofort das alte Geschrei von der drohenden Fleischnot. Am wildesten gebärdeten sich dabei natürlich wieder die roten Brüder vom „Vorwärts". Doch ihre ernsten Sorgen sind bereits verstummt. Sie haben zurzeit Ernsteres und Wichtigeres vor, sie haben einen Stoff beim Wickel, aus dem sie noch mehr Kapital für ihr Hetzbedürfnis zu schlagen hoffen, einen Gegenstand, an dem sie die äußerlich und innerlich erhitzten Gemüter der Genossen zu noch höheren Temperaturen entflammen können. Diese „Arbeitervertreter" malen den Massen das Gespenst des Krieges, eines von Deutschland leichtfertig heraufbeschworenen Krieges, an die Wand und demonstrieren dann für den Frieden. Die gute, alte Hasenheide, wo unter Turnvater Jahns Leitung Jungdeutschland einst seine Kraft zum Kampf mit dem Feinde stärkte, machen sie dabei lächerlich und kompromittieren sie. Von der Volksversammlung und dem Verbrüderungs- theater mit den roten Gästen aus Frankreichs Gauen, die dort für Freitag angesetzt waren, sagte der „Vorwärts" in seiner bescheidenen Art voraus: „In diesem Sinne wird auch die große öffentliche Kundgebung am Freitag eine denkwürdige Aktion und eine dringende Warnung für alle Konfliktschürer werden! Trotz der wegwerfenden Geste jenes ehe
Das Prediger- oder Dominikaner- Klotter.
Von L. Müller.
Bei der Gründung der Universität wurde das 1873 abgebrochene Predigerkloster hauptsächlich für die Juristen und zum Vehufe des neu zu errichtenden Pädagogiums bestimmt. Die Dominikaner, welche dieses Kloster erbauten, hatten folgenden Ursprung. Die Dominikaner, auch Predigermönche genannt, wurden vom Papste speziell mit der Durchführung der Inquisition in Deutschland beauftragt. Im Jahre 1210 traten sie zuerst in Straßburg auf, wo sie innerhalb zwei Jahren 80 Waldenser verbrannten. Auch Konrad von Marburg, welcher wahrscheinlich dem DomAnikaner-Oreen angehörte, war schon in Straßburg bei dem Ketzergerichte tätig. Von da kamen sie über den Rhein nach Straßburg, wo ihnen Landgraf Heinrich den Grund und Boden gab, auf dem sie sich 1291 anbauien. Nach anderen Nachrichten soll das Kloster jedoch älteren Ursprungs sein, da heißt es in einer geschriebenen Chronik: „1212 wurde das Dominikanerkloster in Marburg am alten Zabulot erbaut. lleber einer Tür war ein Wappen angebracht, darinnen ein Lamm, ein Hund und eine Bretzel, welches von einem Mönch gehalten wurde, darunter stand die Jahreszahl 1225." Auch im Hessischen Urkundenbuch I Nr. 127 wird eine Dominikaner-Niederlassung 1254 erwähnt. In Iustis Vorzeit von 1826 S. 23 heißt es: „Die Mitglieder des Dominikaner-Ordens kamen im Jahre 1212 nach Marburg, wo sie ein ansehnliches Kloster mit Kirche erbauten." Nach anderen Berichten sollen Se sich erst 1291 angebaut haben. Landgraf Heinrich I. Hätte ihnen eine Stätte als Bauplatz eingeräumt, wo ke ihr Kloster erbauten, welches aus drei Klosterflügeln bestand und ein Viereck bildete, in dessen Mitte sich ein von einem Kreuzgange umgebener Klostergarten befand. Das an der südwestlihen Leite befindliche Gebäude, welches aus dem Ende •es Mittelalters stam ite, war die Wohnung des Priors, der den Verkehr mit der Außenwelt ver- I mittelte, damit die Klausur der übrigen Klosterbe- •
dem so bejubelten Staatsmannes, der heute nur noch eine verflossene Erscheinung ist, wird das deutsche, wird das Berliner Proletariat beweisen, daß die Politik, die „in der Hasenheide" gemacht wird, respektiert werden muß!"
Die Fiebertemperaturen der heiß gemachten Genossen kühlen sich erfahrungsgemäß schnell ab, sobqls sie den Sonnen der Obergenossen entrückt sind, die sie mit ihrem Lichte erleuchten und erwärmen. Esties reinigenden Gewitters bedarf es da kaum. Hoffen wir — und wir dürfen hoffen — daß die hohen Temperaturen, die das politische Thermometer in Europa anzeigt, stetig, wenn auch nur langsam, auf denjenigen Stand zurückkehren der die Gefahr eines Gewitters ausschließt. Aus London kommt scheinbar beruhigende Kunde. Lord Asquith hat im Unter« hause Englands Stellung zur Marokkofrage klargc- stellt und Erklärungen abgegeben, aus denen hervorgehen soll, daß sich das Jnselreich in die Abmachungen 'und Tauschgeschäfte zwischen Deutschland und Frankreich nicht, einmischen, wird. Zwar fiüd manche Vorbehalte an diese Erklärung geknüpft, aber schließlich kann das mächtige Albion nicht nach oem ersten kalten Wasserstrahle mutig zurückweichen, den der Staatssekretär v. Kiderlen-Wächtcr über den Kanal hat hrnüberschicken müssen. Es muß genügen, daß die lieben Vettern, die vorher sehr erregt getan haben, danach schleunigst zu einer kühlen und vernünftigen Auffassung der Lage zurückgekehrt sind. Nock: ehe der englische Premier im Unterhaus hat srrechen können, hat das offiziöse Telegrnxhenbnrean eiligst erklärt, daß Großbritannien nicht mit Frankreich gegen Deutschland konspiriere. Den Heiz- spornen in London und namentlich in Pari; ist cs d.in.iM kalt über den Buckel gelaufen Und wenn die lern; eroturen in Paris und London auch noch recht hoch, in Berlin immer noch normal sind — nur Wien bleibt unangenehm kühl —, so scheint der Höchststand am poliiNchi-n Thermometer für« erste doch wohl überwunden.
Die Marokkoiraae.
W i e n , 28. Juli. Die „Wiener Allgem. Zig." schreibt: Was eventuelle Zugeständnisse in Marokko betrifft, so steht England allerdings auf dem Standpunkte, daß es seinerzeit seine Rechte nur an Frankreich abgetreten hat und daß es Frankreich nicht zugleich Vollmachten gebe, diese Rechte an Dritte zu übertragen. Was aber die Abtretung französischen Gebiets am Kongo betrifft, so hat selbstverständig England kein Einspruchsrecht Frankreich gegenbüer, dagegen aber würde England prüfen müssen, ob es seinen Interessen entspricht, wenn Frankreich an Deutschland eventuell Gebiet am Kongo abtreten wird. Das Recht Frankreichs an Deutschland solche Gebietsteile abzutreten wird von England natürlich nicht bestritten, wohl aber könnte es
wohner nicht gestört wurde. Das Gebäude hatte einen besonderen Eingang nach dem Hirschberg. Die Klostergebäude waren mit einer hohen Mauer urn- umgeben*), welche auch den Klosterhof abschloß. Die Kirche ist eine gotische Hallenkirche mit einem Seitenschiff mit glatter Decke und einem höher gelegenen gewölbten Chor. An diese reihte sich der östliche Flügel des Klosters, welcher das Schlafhaus und die Repentur, das Refektorium enthielt. Im südlichen Flügel befand sich die Kapitelstube. Der Prior war der Vorsteher des Klosters, neben ihm fungierte der Subprior und der Lesemeifter. Die Tracht der Mönche bestand in einem weißen Habit von Wollentuch und über demselben trugen sie einen schwarzen Mantel von gleichem Stoffe und als Kopfbedeckung eine spitze Kappe. Zwei auvgehauene Figuren an einem Türsturze zeigten uns die Gestalt eines solchen Mönches. Das Kloster hatte die Berechtigung, auch während der Zeit des Interdiktes, wenn soilyes über Marburg verhängt war, Gottesdienst bei geschlossenen Türen zu halten. Da sich jedoch die Mönche öfters Uefcergriffe erlaubten, so erließ der Erzbischof Adolf von Mainz 1381 eine scharfe Verordnung an die Dominikaner und bedrohte die Besucher der Klosterkirche mit dem Bannfluch in solchen Fällen. Unter der Regierung des Landgrafen Heinrich HL gerieten die Dominikanermönche mit den Franziskanern im Jahre 1479 in Streit, der vom Landgrafen mit der Drohung geschlichtet wurde, wenn sich die Dominikaner nicht fügen wollten, sollten sie aus Marburg vertrieben werden. — Rach der Errichtung der Universität 1527 wurde das Refektorium der juristischen Fakultät überwiesen. Außerdem erhielt die Universitätsverwaltung, der Senat und da; im engsten Zusammenhänge mit der Universität neu gegründete Pädagogium hier seinen Sitz. Der neben der Kirche gelegene Totenhof der Mönche zum Korn markt wurde der Stadt überwiesen. Die Klosterkirche geriet in Verfall und wurde, da außer Gebrauch ge-
*) Am 14. Januar 1552 stürzte ein Teil der Maner ein und beschädigte einige Häuser. Am 26. Januar fiel abermals ein Teil der Mauer ein, wo drei Kinder tot blieben.
dann zu einer direkten Auseinandersetzung zwischen England und Deutschland kommen, da England es nicht gerne sehen würde, wenn Deutschland auf eine allzu nahe Strecke der Nachbar Englands oder der Nachbar des belgischen Kongos werden würde.
Preßstimmrn zur Red« Asquiths.
Die „Post": Man wird den guten Willen der englischen Regierung dass eine Verständigung zustande kommen wird, ernst nehmen dürfen. In sachlicher Beziehung allerdings bringt die englische Regierungserklärung die Angelegenheit einer Lösung nicht näher und kann das übrigens direkt auch nicht. Sie verweist die Kompensationsverhandlungen auf Westafrika mit Ausnahme von Marokko und erklärt hier ihre Desinteressiertheit. Das ist bedeutend weitergehender als man es in den letzten Tagen zu lesen bekam. Wir glauben indessen daß England vielleicht auch wegen Marokko mit sich reden ließe, wenn seine Seeherrschaft sichergestellt würde.
K ö l n, 28. Juli. Die „Kölnische Ztg." meldet aus Berlin: In hiesigen maßgebenden Kreisen sieht man mit Befriedigung, daß England eine freundschaftliche Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich wünscht, es sei aber nicht der Ansicht, daß der unmittelbare Einfluß der Rede auf die Verhandlungen so groß ist, wie man an manchen Stellen anzunehmne scheint. Jedenfalls wird die Haltung Deutschlands in dieser Frage nach wie vor nur durch die am eigenen Wohl erwogenen Interessen bestimmt bleiben. (Sehr gut. D. Red.)
Die „Leipziger Neuesten Nachrichten" sagen: Zugleich mag die relative Mäßigung mit der Herr Asquith sprach, auch durch einen Blick auf die Stimmung in Deutschland veranlaßt worden fein; denn was selten geschieht, das ist jetzt geschehen. Abgesehen von den Genossen ist das ganze Bürgertum von der äußersten Linken bis zur äußersten Rechten einig in dem Beifall zu der jüngsten Wendung unserer Politik. Jetzt hat die Geschlossenheit des deutschen Volkes den besten Bundesgenossen des Herrn v. Kiderlen- Wächter gebildet.
Sßieit, 27. Juli. Die Abendblätter äußern ihre Befriedigung darüber, daß die englische Regierung in bezug auf die Marokkofrage einzulenken beginnt. Die „Neue Freie Presse" schreibt: „Es war die höchste Zeit, daß die Sprache gegen Deutschland sich ändert. Das deutsche Publikumhat eine bewundernswürdig e R u h e gezeigt, aber seit einigen Tagen ist doch eine gewisse Erregung zu bemerken. Stim
setzt, 1579 zu einem herrschaftlichen Fruchtspeicher eingerichtet.
Der Rat von Marburg richtete sogar nach dem Einsturz der Weidenhäuser Brücke (1552) an die fürstliche Regierung die Bitte: „zur Steuer der Brücke den Chor der Predigerkirche abbrechen zu dürfen." Eine zustimmende Antwort ist nicht erfolgt, denn die Kirche steht heute noch. Aber die Ratsherren wußten Rat! Denn 1555 brach man die hohen Giebel der Kilianskirche ab, und schlug die Gewölbe ein, um hiervon die Steine zum Ausfüllen der Brückenbogen zu verwenden. Schade, daß man noch nicht jm Heimatschutz hatte, bann stände der Kilian noch nie ehedem. Im Jahre 1658 wurde die ehemalig; Klosterkirche wieder ihrer Bestimmung, der neuen reformierten Gemeinde, übergeben, denn in Marburg war die deutschreformierte Etadtgemeinde ent« standen und Landgraf Wilhelm VI. räumte im genannten Jahre die Dominikanerkirche zu ihrem Gebrauche ein. Ue6er diese reformierte Gemeinde schreibt Ledderhose 1780 6. 384: „Die Kirche, der sich die reformierte deutsche Stadtgemeinde bedient, stand ehedem dem Dominikaner-Orden zu. ßanbgr tf Wilhelm VI. räumte st« 1658 den Reformierten ein Vordem sollen sie ihren Gottesdienst am Schloßberg in einem nunmehr "erfaöenen Gebäude, die Wolfsburg*) genannt, gehalten haben." Das Kirchenbuch der reformierten Gemeinde fängt 1646 an. Die we nigen Mtnisterialakten, welche sich darin verzeichnet finden, betreffen lediglich Militärpersonen und erst 1649 kommen daselbst Taufen der Kinder von Zivilpersonen vor. Der Grund ist darin zu suchen, daß der reformierte Gottesdienst bei der Garnisons- gemeinbe den Anfang genommen hat, welcher in bet Schloßkapelle ftattfanb, wie bann 1646 auf Verlangen bes Obersten Staufs der reformierte Prediger von Elben zum Regiments- und Earnisonsprediger nach Marburg bestellt wurden. Dieser versah außer Marburg zugleich in den Gerichten Schönstadt, Caldern, Ebsdorf und Reizberg di: geistlichen Handlungen und predigte jeden Sonntag in der Schloßkapelle.
•) Dieses Gebäude stand am Schloßberg hn frü- Neee Körners Sorten.
men werden laut, die verlangen, daß sich Deutsch« land von einer fremden Macht nicht vergewaltt« gen lassen dürfte, und daß es seinen Weg unbeirrt fortsetzen müsse. Die Verdrossenheit darüber, daß Deutschland in seiner Politik überall der Unfreundlichkeit Englands begegnet, ist nicht unbedenklich. Die fortwährenden Reibungen und Reizungen mögen — jede einzelne Tatsache für sich genommen — keine Lebensfrage berühren, erzeugen aber doch in der Gesamtheit das Gefühl, daß England das deutscheVolk in sämtlichen Teilen der Erde in seiner Entwickelung hemmen und nicht zuAtemkommenlassenwill. Es werden vielleicht wieder Jahre nötig sein, um di« moralischen Verwüstungen zu beseitigen, welch« die letzten Tage angerichtet haben."
London, 28. Juli. Die „Westminster Gazette" schreibt: Wir bedauern offen daß zwischen uns und Deutschland die Diplomatie so bald nach dem Besuch des Kaisers nach einer augenscheiw lichen Besserung der gegenseitigen Beziehungen zu einem Punkte der Spannung gekommen ist Wir erkannten plötzlich, daß die Algecirasakt« und die folgende deutsch-französische Verständigung mehr ein diplomatisches Flickwerk waren, als eine Lösung des Marokkoproblems und der Fragen, die dem Problem zu Grunde lagen. Es gereicht jetzt allen zum Vorteil, daß die Wirklichkeiten in das Auge gefaßt werden, und eine wirkliche Auseinandersetzung stattfindet. Wir glauben keinen Augenblick, daß dies ohne Opfer von beiden Seiten möglich ist. Das Blatt bekämpft weiter die Legende, daß England bestrebt sei, eine angemessene Expansion Deutschlands zu verhindern, die ihm notwendigen Zugänge zur- See zu versperren und seine Diplomatie in der ganzen Welt zu durchkreuzen und schließt: Wir haben keine solche Absicht und freuen uns, daß der Premierminister durch seine öffentliche Erklärung beweisen konnte, daß wir einen deutsch-franzöfi- schen Ausgleich in Westafrika nicht zu verhindern beabsichtigen.
„Standard" schreibt: „Wir glauben zwischen den Zeilen der Rede des Ministers Asquith eine Aufforderung an Deutschland lesen zu können, eine endgültige Erklärung zu geben. Wir können nur die Hoffnung aussprechen, daß der deutsche Kaiser, der heute von seiner Nordlandreise zurückkehtt, auf diese Einladung in ernstem und ruhigem Geiste antworten wird."
Die „Times" schreiben: „Die Erklärung des Premierministers läßt ein für alle Mal die Tatsache hervortreten, daß wir keinen Augenblick zögern wollen, unsere Interessen zu verteidigen
Bis zum Jahre 1699 wurde von einem Extraordinarius der Gottesdienst der Reformierten in Rauschenberg von Marburg aus versehen. 1653 hatten sie die Kugelkirche im Gebrauch.
Im Jahre 1873 mußte wegen des projektierten Neubaues des Universitatsgebäudes eines bei ältesten Baudenkmäler unserer Stadt verschwinden es war das ehemalige Domikanerkloster. Die einzelnen Teile, mit Ausnahme eines unbedeutender Anbaues, verdankten ihre Entstehung den genannten Predigermönchen. Die abgebrochenen Gebäude bestanden aus drei, einen viereckigen Hof umschließende Flügel, die eierte Seite war durch die Kirche her- gestellt, der östliche Flügel setzte sich in einem längeren Borsprunge nach Süden hin fort. Südwestlich stand auf einem Vorsprunge bes Klostergrundstiickes ein isoliertes Haus, unb bet östliche Flügel fetzte sich nach Süden nach diesem fort. , Diese Gebäudeteile entstammten verschiedenen Zeiten, indem di: Dominikaner bis zur Aufhebung ihres Klosters an der Vergrößerung desselben gearbeitet haben. An den Gebäudeteilen waren verschiedene Perioden zu unterscheiden. Die erste Bauperiode umfaßt das Jahr 1290—1320, in dieser Zeit wurde der Bau des Chors der Kirche begonnen unb vollenbet, sowie das Kirchenschiff bis auf weniges unterhalb «einer jetzigen Höhe hinaufgeführt. Gleichzeitig und mit ununterbrochenem Mauerverband mit dem Chore war der östliche Flügel angebaut, derselbe hatte damals eine Länge bis an das zweite Fenster über die llniver- sitätsaula hinaus. In dem Winkel zwischen diese» Flügel unb der Kirche lag auf vier Seiten von einem Kreuzgang eingebaut, der Hof, der etwa die anbert- halbe Größe des jetzigen Kreuzganghofes befaß. Der östliche Flügel enthielt über einem kreuzgewöbten Keller im Parterregeschoß die Sakristei und da» Refektorium oder das Speisezimmer, letztere umfaßt« den zuletzt zu zwei Lesezimmern abgeschiedenen Ra« und das nördliche Dritteil der Aula und war eie schlichter, mit einer von drei Holzfäulen getragenen Balkendecke leschlossener und durch viereckige Fenster mit S- nckr.uzen von Osten erhellter Saal
(Schluß folgt)