mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
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D>e „Cbcrhtiiifdje Zeitung" erscheint täglich mit Au? nahm« der Senn- und Feiertag«. — Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <X lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <* frei ins HauS. (Für unver« langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.:
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Marburg
Donner slag, 27. Juli
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46. Jahrg.
1911.
Politische Umschau.
West-Marokko deutsch!
Man schreibt uns:
Unter diesem Titel läßt der Alldeutsche Verband soeben eine von seinem verdienten Vorsitzenden, Nechtsanwalt Elatz in Mainz, verfaßte Flugschrift erscheinen, die die Forderungen ausspricht und begründet, die das deutsche Volk gegenwärtig I' .sichtlich Marokkos erheben muß. Der Verfasser geht von einem richtigen und entscheidenden Gesichtspunkt aus, indem er sagt: welches Volk bedarf einer Siedelungskolonie, wie sie Marokko bietet, und ist in der Lage, seinen Anspruch darauf zu vertreten. Er weist auf die Tatsache hin, daß unsere Volksvermehrung in den letzten Zähren auf mehr als 800 000 Köpfe im Jahre gestiegen ist, jetzt nahe 900 000 betragt und in absehbarer Zeit wohl auf lOOOOOO anwachsen wird, daß dagegen nur die fremde Einwanderung die Volkszahl Frankreichs vor dem Sinken bewahrt. Um unseren großen Zuwachs nicht unserem Volke verloren gehen zu lasten, heben wir die Pflicht, für Raum und geeignete Arbeitsgelegenheit zu sorgen. Ein weiterer Umstand von der äußersten Wichtigkeit ist das offen zugegebene Bestreben Frankreichs, seine militärische Stärke durch möglichst umfangreiche Heranziehung farbiger Truppen zu erhöhen. Der diesjährige amtliche Berichterstatter für das französische Kriegsbudget hat bereits jetzt mit 100 000 ausgebildeten schwarzen Soldaten für dre Verwendung im Mutterlande gerechnet. Wird nun auch noch Marokko Frankreich ganz anheimfallen, wie es in vollem Gange ist, so wird das farbige Heer durch einen großen Zu- wc-chs von besonderer Tüchtigkeit vermehrt werden, der in einem künftigen Krieg uns schweren Schaden bringen würde. Deshalb verlangt schon die einfache Rücksicht auf unsere Sicherheit, daß wir jede „Kompensation" außerhalb Marokkos zurückweisen. Glücklicherweise ist denn auch das ganze Volk — natürlich mit Ausnahme der Sozialdemokraten und ihren Anhängern — in diesem Verlangen einig. Besonders möchten wir in dieser Beziehung den vortrefflichen Artikel „Landgraf werde hart!" in der letzten Nummer des offiziellen Organs der nationalliberalen Partei, den „Rationalliberalen Blättern", hervorheben. Wir begnügen uns mit diesen kurzen Hrnweisen und bitten, die eingehende Begründung, sowie viele wichtige Ausführungen in der Schrift selbst nachzulesen. Die mit einer schönen Karte von Marokko geschmückte Flugschrift (Preis 50 Pfg.) wird allen Mitgliedern des Alldeutschen Verbandes unentgeltlich -«gestellt werden.
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Eme stürmische Sitzung des englischen Unterhauses.
London, 24. Juli. Szenen außergewöhnlicher Erregung kennzeichneten die Eröffnung der Debatte über den Vorschlag, daß das Haus über die Abänderungsanträge der Lords zur Vetobill beraten solle. Asquith wurde bei seinem Eintritt mit großen Ovationen empfangen. Die Anhänger der Regierungspartei und die Nationalisten erhoben sich von den Sitzen, unter begeisterten Zurufen und Schwenken der Taschentücher. Als sich Asquith erhob, um eine Erklärung abzugeben, wurde der Ruf „Verräter" von einigen Plätzen der Opposition vernommen. Der Lärm wurde daraufhin so stark, daß Asquith nicht sprechen konnte. So oft er zu reden begann, kam es zu neuen Ruhestörungen der Opposition, trotz der energischen Mahnungen des Sprechers gegen die unionistischen Mitglieder, welche Asquith unterbrachen. Man vernahm Zurufe: „Lasten Sie Redmond zuerst sprechen: er ist der wirkliche Führer. Er soll uns die Bedingungen des HandelsgesWftes zwischen ihm und der Regierung sagen."
Von der Rede Asquiths, die ständig unterbrochen wurde, konnte fast nichts verständen werden. Schließlich wurden die Eegenrufe so heftig, daß Asquith die letzte Seite seiner Rede aufschlug und unter lautem Zuruf der Ministeriellen bemerkte, er wolle sich nicht dadurch erniedrigen, daß er sich an Mitglieder des Hauses wend«, die offenbar entschlosten seien ihm nicht zuzuhören. Am Schlüße der Rede erhoben sich die Anhänger der Regierung und bereiteten Asquith eine lebhafte Kundgebung. Erst als Balfour sich zur Erwiderung erhob, trat völlige Ruhe ein. Nachdem noch einige Anfragen an die Regierung gerichtet worden waren, beantragte der Minister des Aeußern Grey, Vertagung der Debatte, indem er erklärte, wenn die Ausführungen des Premierministers nicht gehört würden, würde kein anderer Minister den Versuch machen, seinen Platz einzunehmen (Lebhafte Zustimmung bei den Ministeriellen). Der Konservative Frederic Smith suchte die Debatte fortzusehen, doch übertönte unaufhörlicher Lärm in den Reihen der Ministeriellen seine Worte. Dann erhob sich der Sprecher und erklärte die Sitzung bis morgen vertagt. Unter Szenen höchster Erregung verließen die Mitglieder das Haus. Die Rufe „Feigling, Verräter" die gegen Asquith gerichtet waren, wurden laut vermischt mit Eegenrufen der Regierungsanhänger.
London, 24. Juli. Die Szene im Unterhaus heute Nachmittag war fast ohne Beispiel. Es ist schon viele Jahre her, daß man dem Premierminister nicht zugehört hat. Obwohl die Erregung durch die jüngste Entwickelung der konstitutionellen Krisis hervorgerufen wurde, nahm doch nicht die ganze Opposition an den Demonstrationen teil. Alle Führer der Unionisten verhielten sich während des Lärmens ruhig. Es ist noch unsicher, wann die Verhandlung wieder ausgenommen wird. — Die Kundgebung, di« anerkanntermaßen von etwa 30 unversöhnlichen Unionisten vorbereitet war, wird von den Parteien allgemein verurteilt. Die Unionisten unterzeichneil eine vorgeschlagene Denkschrift für Asquith, in der die dem Premierminister gegenüber begangene Unhöflichkeit bedauert wird.
I Deutsches Reich-
— Die Rückkehr des Kaisers. Berlin, 25. Juli. Der Kaiser wird programmäßig am 28. Juli in Swinemünde eintreffen und dort mehrere Tage verweilen. Während des Aufenthalts wird der Monarch, wie in früheren Jahren, eine Reihe von Vorträgen entgegennehmen, darunter wahrscheinlich auch den des Reichskanzlers. Von Swinemünde wird sich der Kaiser zum Truppen- Uebungsplatz Alten-Erabow begeben, um dort Besichtigungen vorzunehmen.
— Vom Kronprinzen. Potsdam, 25. Juli. Der Kronprinz sagte auf Einladung des Königs Viktor Emanuel fstnen Besuch in Racconigi zur Jagd zu. Der Kronprinz wird in den ersten Tagen des August dort eintreffen. — Als der Kronprinz heute vormittag von Berlin nach P-tsdam fuhr, begegnete er bei Wannfee einem Radfahrer, oct mit feinem Rade gegen einen Baum gefahren war und dadurch eine schwere Kopfverletzung erlitt. Der Kronprinz veran- ■ laßte sofort die Ueberführung des Verunglückten in das nächste Haus und holte, nach Potsdam fahrend, einen Arzt aus dem städtischen Krankenhause. Er beauftragte diesen, sich mit seinem Auto an die Unfallstelle zu begeben, während er selbst in einer Droschke nach dem Marmorpalais fuhr. Rach Anlegung eines Notverbandes wurde der Verunglückte im Auto des Kronprinzen nach dem Krankenhause Nowawes gebracht.
— Die Ruhr bei einer Infanterie-Brigade. Berlin, 25. Juli. Bei der 2. Garde-Jnfanterie- Brigade, die sich zur Zeit auf dem Truppenübungsplätze Döberitz befindet, wurden in den Tagen mehrere Fälle von Ruhr festgestellt. Ueber die Ansteckungsquelle schweben noch Untersuchungen, doch ist, da die hygienischen Verhältnisse des Lagers einwandfrei sind, mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Einschleppung der Krankheit durch eingezogene Mannschaften des Beurlaubtenstandes erfolgte. Das Generalkommando des Earde-du-Eorps hat vorläufig das Lager Döberitz gesperrt und sonstige Maßnahmen getroffen, um einer Weiterverbreitung vorzubeugen und für die erkrankten Mannschaften die nötige Behandlung und Pflege sicherzustellen. Das Befinden der bisher erkrankten Leute gibt vorläufig zu keiner Besorgnis Anlaß.
— Die Demonstration in der Kirch«. Berlin, 25. Juli. Die Störung des Hauptgr''"-Dienstes am Sonntag in der Luifenkirche zu Eharlotten- burg durch Abteilungen des Königin Elisabeth- Garde-Grenadier-Regiments hat überall das größte Aussehen hervorgerufen. Bei dem Eeist- Ircn der Kirche, Pastor Kraatz, laufen fortgesetzt Briefe ein,in denen immer wieder der Entrüstung über das Verhalten Ausdruck gegeben wird. Pastor Kraatz hat noch gestern abend an das Konsistorium eine kurze Darstellung des
peinlichen Vorfalles gelangen lassen. In diesem Schreiben betont Pfarrer Kraatz nochmals auf das Entschiedenste, daß die plötzliche und ostentative Entfernung der Offiziere und Mannschaften während der Predigt eine überaus empfind- i liche Störung des Gottesdienstes gewesen sei. Den Wortlaut seiner Predigt werde er dem Konsistorium in den nächsten Tagen im Druck zugehen lassen. Am Schluß des Schreibens bittet der Geistliche feine vorgesetzte Behörde, die Namen derjenigen Offiziere, welche die Störung des Gottesdienstes verursachten, feststellen zu lasten, und er erklärte, daß et Anzeige gegen diese Offiziere wegen Störung eines öffentlichen Gottesdienstes erhebe.
— Eine Bewegung gegen das verlegen der katholischen Feiertage. München, 25. Juli. In Bayern macht Hch eine Bewegung gegen das le Je Motup prio des Papstes, welches die Verlegung der Feiertage auf Sonntage anürdnet, bemerkbar. . Eine Verjamlung in Aschaffenburg richtete an den Bischof von Würzburg eine Eingabe, die katholischen Feiertage in der Diözese wie bisher zu belasten und besonders von einer Verlegung des Frohnleichnamsfestes abzusehen.
— Französische Eewerkschaftsvertreter in Berlin. Berlin, 25. Juli. Zur Begrüßung der französischen Gewerkschaftsvertreter veranstaltete die Berliner Eeneralkomisfion gestern Abend eine große Zusammenkunft im Gewerkschafts- Hause. Es sprachen Reichstagsabgeordneter Legien, der Franzose Jvetot von der französischen Generalkomisswn und Victor von den französischen Steinmaurern über die S lidarität" der Völker. < - - — . • ■ - < — - . ... -■ , - ■
— r. aß .men gegen Maul- und Klauenseuche beim Manöver. Wie .nitgeleilt wird, wurden im Einvernehmen des Kriegsministers mit bcm Landwirtschaftsminister folgende Maßnah iw n getroffen, um die gefürchtete Verbreitung der Maul- und Klauenfeuche durch die be- vor^ehenden Manöver zu vergüten: Es wurde angeordnet, daß die berittenen Truppen im Manöver möglichst nicht marschieren, sondern mit der Bahn befördert werden. Ferner wurde bestimmt, daß die verseuchten Ortschaften, wenn angängig, durch die manövrierenden Truppenteile vermieden werden sollen, wenn die Manö- verdispofitionen dies zulasten. Sollte Hes nicht angängig sein, dann sind wenigstens die verseuchten Gehöfte unter keinen Umständen mit Truppen zu belegen, um auf diese Weise eine V )rbreitung der Seuche durch die weiterziehenden Truppen zu verhindern. Eventuell muß dann ein vermehrter Gebrauch von Biwak gemacht werden, vorausgesetzt, daß der Gesund- h-itszustand der Truppen dies nur irgendwie zuläßt. Bei richtiger Einhaltung dieser Verhütungsmaßnahmen ist alles getan worden, um
4 (Nachdruck verboten.)
Kiicklrehr Uaiirr.
*(Rite lachende Geschichte Von Agnes Harder.
(Sortsetzung.)
„Haben Sie Furcht? Soll ich mitkommen?" Da schüttelte sie den Kops.
„Ich weiß nicht warum, aber ich denke, alles, alles muß nun gut werden. Das Ohmchen soll es ihm sagen, Gottlieb." Dann kam ein kleines, übermütiges Lachen, wie das Probelied eines Rotkehlchens nach einer langen Nacht.
„Das Ohmchen als Liebesbote. Dann weiß er ja gleich, daß ander Wetter ist."
Dieser Er war selbstverständlich immer Leutnant Theodor Körner. Aber Gottlieb Rodonath war nun über soviel Berge gewandert in Liebe und Leid, daß er nur auf das hoffnungsfreudige Rotkehlchenlied hörte, und der Gedanke an das Ohmchen als Liebesboten ihm nicht die geringsten Schwierigkeiten machte.
11. Fortsetzung der langen Nacht.
Die erhabensten Gedanken füllten Fufchchens Seele, während sie von der Komturei nach dem Städtchen herunterfuhr. Vor allem wollte sie sich bemühen, die Aussprache mit dem Gatten vornehm und würdig zu halten. Vom Sterben in Schönheit hatte Fuschchen wohl auch einmal oberflächlich gehört. Aber papierne Weisheit, die dann zum Maßstab für rotes Leben gemacht wird, gab es in dem Städtchen nur in ganz beschränktem Maße. Das hatte ja dem Eeelenarzt seine Aufgabe so leicht gemacht. So wußte sie wohl.
wie wenig es die Art ihres Mannes war, in persönlichen Fragen vornehm und würdig zu sein — er war dann eben zu allererst persönlich — und wie leicht anderseits ihr eigenes Temperament nachgab. Aber sie nahm sich vor, die erhabene Stunde dort im Sande von Tenkitten auch erhaben ausklingen zu lasten, und so stieg sie in schöner Gelassenheit aus dem Gefährt und begab! sich in das Haus. *
Oben in ihrem Schlafzimmer wechselte sie erst die Kleider, einmal der drückenden Hitze wegen, dann aber auch, weil sie ihr für die feierliche Gelegenheit nicht paffend erschienen. Sie zog eine schwarze Bluse, in der sie vor einem Jahre zum Begräbnis einer entfernten Tante gereist war, zu einem schwarzen Regenrock an, versuchte es, die widerspenstigen Haare glatt zu kämmen, und ging hinunter, im vollen Bewußtsein, dte Deyag- Ilchkeit dieses Hauses einer Idee zu opfern — aber auch mit dem beruhigenden Hintergedanken eines eigenen runden Vermögens, das ihr allein gehörte, da man des Stiefiindes wegen ehemals die Gütergemeinschaft ausgeschlosten hatte.
Karl, ihr Sprößling, kam eben von den Sol- dc.eenspielen mit den übrigen Jungen heim.
„U je, Mutter, wie siehst du denn aus," sagte er erstaunt. „Wie — wie ’n Kirchturm im Dunkeln. Und Vater ist böse gewesen beim Abendeffen! Na, gute Nacht. Und komm nachher 6cten. Aber vorher muß ich dir noch erzählen, sie sagen, der Bim ist ein Hauptfilou. Wir haben heut unten, bei den Bürgergärten, Räuber und Soldaten gespielt, und wir, meine Kameraden und ich, wir hatten uns hinter dem neuen Schützenkönig seiner Laube versteckt. Die steht dicht
a n Bretterzaun, und da ist ein Astloch. Da saß die Schützenprinzcssin drin und noch ein Mädchen und spielten Erbsen. Und sie quidderten und sagten, es würde alles an den Tag kommen. Aber der Bim, das fei ein Filou. Und die andere sagte: nein, ein Halunke. Mutter, was ist eigentlich mehr, F^lou oder Halunke?"
„Ich sag' es dir nachher, Karlchen, jetzt geh' nur. Wart auch nicht auf mich. Es schadet nichts, wenn du schon eingeschlafen bist, wenn ich komme."
Sie sah ihm noch nach und seufzte. Nein, natürlich würde sie Fritz nur eine zeitweilige Trennung vorschlagen. Er sollte sich nur besinnen, was er an ihr besitze. Dann klopfte sie energisch an die Tür vor ihres Mannes Stube.
i „Herein."
Er sah fassungslos auf feine Frau.
„Du klopfst? Seit wann denn?"
„Seit — feit ich mich hier als Fremde fühle." Dann, da sie an einer heftigen Bewegung feiner Hand sah, daß sie mit der Tür ins Haus gefallen ist, fügte sie rasch hinzu: „Seit ich mir nicht mehr innerlich das Recht zugestehe, ohne weiteres bei dir einzudringen."
Er zuckte die Achseln.
„Ein neuer Blödsinn. Kein Wunder, du warst ja mit dem Seelenarzt zusammen."
„Fritz, ich bitte dich um eins: laß uns würdig bleiben!"
„Sehr wabl. Befiehlst du die Toga und das Barett? Soll ich unsere Unterredung zu Protokoll nehmen? Ich habe schon gedacht, bei unseren häuslichen Szenen künftig einen Phonographen aufzustellen. Wir legen dann nur eine der alten
''alzen auf: Zank um des Ke'^rs Bart — die Hemdsärmel oder die verlorene Häuslichkeit — die sittliche Forderung öder die rauchlose Zigarre —"
„Fritz!"
Etwas in feiner Stimme hatte ihr ans Herz gegriffen. Diese Bitterkeit war ein fremder Tropfen in seinem Blut. Aber Dietrich hatte es allmählich verstanden, ihr den Hunger nach Sensation beizubringen. Das wirkte wie geistiges Morphium.
„Also, bitte. Ich sehe, du bist in Trauer. Die gute Adolfine! Ihr zuliebe hast du diese Bluse, trotzdem sie dir abscheulich steht, sechs Wochen getragen. Ich möchte wissen, wie lange du um unsere Liebe trauern wirst, die Ihr heut ja wohl zu Grabe getragen habt."
Sie horchte auf. Er fand, die Bluse stände ihr abscheulich. Eine tiefe Befriedigung erfüllte sie. Er hatte so lange aufgehört, ihr Schmeicheleien zu sagen. Die Worte machten sie ganz saust.
„Nein, Fritz, du irrst. Ich will dir gern zu- gcben, daß ich Dietrich entsöck t habe. Ich hielt das schon lange für meine Pflicht. Aber unsere Liebe habe i.z nicht zu Grabe getragen. Ich meine nur, wir wollen uns einmal ehrlich prüfen, ob sie dennoch diesen Namen verdient. Sieh mal, in acht Tagen fangen deine G-richtsferien an. Du nimmst ja immer die zweite Hälfte. Wir fahren dann zuammen hier ab, und in Berlin trennen wir uns. Nach vier Wochen sind wir uns vielleicht schon klarer darüber, ob wir uns wirklich noch lieb haben, oder ob das alles nur Gewohnheit war. Gewohnheit ist entwür
digend. (Fortsetzung folgt.)