Marburg
Jü 172
Dienstag, 25. Juli
1911
Die „Oiterhe (fische Zeitung" erscheint täglich mit »urnahme der 6enn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 * lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 Jt frei ins HauS. (Für unver- langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckeret I. A. Koch (Inh.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 A. bei auswärtigen Anzeigen 20 A> für Reklamen in
dw Zelle 40 X- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder 4t). JQQlu,
Rabatt gilt all Barrabatt, «et Konkurs kein Rabatt. Verbindlich- kett für Platz«, Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschlossen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt e. M.
Ter spanisch-französische Zwischenfall.
Französische Darstellung.
P ar i s, 21. Juli. Die „Agence Havas" ver- öffentlicht folgende Meldung aus El Ksar vom 20. Juli. Leutnant Thi riet, der Instrukteur der tn Buznah lagernden scherifischen Truppen wurde, als er sich in die Stadt begab, um auf Schecks das für die Besoldung der Truppen erforderliche Geld zu erheben, bet der Furt des Flusses Lukkos von einem spanischen Posten angehalten, der ihn zwingen wollte, vom Pferde zu steigen. Als Thiriet sich weigerte, kamen ein Trupp Reiter mit blankem Säbel und eine Abteilung Infanterie mit aufgepflanztem Bajonett herbei, umringten den französischen Offizier und versetzten ihm flache Säbelhiebe, wobei sie ihn mit den Schußwaffen bedrohten. Thiriet wurde nach den Mißhandlungen in das spanische Lager geführt, wo er eine Stunde lang zurückgehalten und von dem Obersten Silvestre beschimpft wurde. Sodann wurde er wieder in Freiheit gefetzt. Die in El Ksar ansässigen Franzosen wagen es nicht, aus der Stadt herauszugehen. Den maßgebenden Stellen in Paris ist, wie die „Agence Havas" mitteilt, eine Bestätigung dieser Nachricht noch nicht zugegangen.
Paris, 22. Juli, lieber den Zwischenfall, betreffend den Leutnant Thiriet, werden aus El Ksar weitere Einzelheiten gemeldet. Danach hat sich Thiriet, wie gemeldet, nach Es Ksar zur Abhebung des Geldes für die Soldatenlöhnung begeben und wurde in El Ksar von einigen Deserteuren seiner Mahalla verhöhnt. Einem derselben nahm Thiriet seinen Fez ab, um sich seiner Matrikelnummer zu vergewisiern. Die Deserteure fielen nun über ihn her, suchten ihn vom Pferde zu reißen und mißhandelten ihn. Auch drei spanische Soldaten warfen sich auf ihn) einer von diesen setzte ihm das Bajonett auf die Brust, während die anderen Todesdrohungen gegen ihn ausstießen. Eine spanische Reiterabteilung machte trotz der Abmahnung ihres Offiziers gemeinsame Sache mit den Angreifern. Schließlich wurde Leutnant Thiriet trotz seines Eindrucks kn das spanische Lager gebracht, wo Oberst Silvestre ihm zwar sein Bedauern aussprach, ihn fedoch feindseliger Gesinnungen gegen die Spanier beschuldigte. Der Vorfall hat in der Stadt große Aufregung hervorgerufen.
Ganz anders als vorstehende Nachricht klingt I die
Spanische Meldung.
, ® b r t d, 22. Juli. Gestern abend 11 Uhr eiWH bie Negierung ein Telegramm des spanischen Gesandten in Tanger, das den Bericht des Obersten Silvestre über den Zwischenfall mit Thiriet wiedergrbt. Silvestre berichtet: Um 7V, Hör abends spielte sich vor den Augen des Wachi- postens, der sich auf halbem Wege nach El Ksar
(Nachdruck verboten.) I
We Rückkehr xur Matur.
Eine lachende Geschichte
Von Agnes Harder. I
(Fortsetzung.) I
taute an seinem Schnurrbart und I war sehr schweigsam, während die Pferde träge durch den mahlenden Sand krochen. Fuschchen hielt das für ein Zeichen unte-drückter Neigung “ "nsangs mit einigen Seufzern. I
Bonn aber gedachte sie, d:: günstige Gelegenheit I auszunutzen. Ganz leise begann sie von den I seelischen Leiden einer Unverstände,..n Frau. I Er Härte anfangs offenbar nicht hin. Der I Aerger, sich mit Körner überworfen zu haben, I überwog noch. Er mußte versuchen, das womög- I lich noch heute abend gut zu machen. Er hatte I gu viel Mühe an ihn gewendet. Eine verfehlte I Spekulation reizte ihn sonst doppelt. Und im I Erunde hielt er sich diesen Kartoffelbauern ja I I» überlegen. Aber dann fühlte er die mollige I Hand auf seinem Arm, hörte er, was Fuschchen sagte. Und dann siegte wieder über ihn, was I sein Leben lang unterbekommen hatte: die I ”uft am Weibe, die ihn noch im Skelett einer I Steffin anzog, wie sich Bienen eingenistet hatten I in den Schädel von Simsons Löwen. I
„Fritz will mich auch nicht verstehen. Als I meine Seele roch schlief und ich noch Frau i Nudies glich —" I
»Sophie, lästern Sie nicht!- j
an der Furt Uedgerial befindet, ein schwerer Zwischenfall ab. Leutnant Thiriet von der französischen Militärmission verfolgte Wegspuren, die zu einem Individuum führten, das er nach der Uniform für einen Deserteur der Mahalla hielt. Als Thiriet einen Trupp berittener Askaris vom Polizeitabor sich nähern sah, ergriff er seinen Revolver und befahl der Gruppe zu halten. Der Korporal wollte Thiriet festnehmen, um zu fragen, was vorgehe. Ohne weitere Erklärung ohrfeigte Thiriet den Korporal. Der spanische Wachtposten, der den Vorgang mit ansah, gebot Thiriet Halt. Thiriet entfernte sich. In dem Augenblick, wo die Wache sich anschickte, ihn daran zu hindern, erschien eine Abteilung Kavallerie. Der Leutnant der Abteilung lud den französischen Leutnant höflich ein, Silvestre. aufzusuchen, um die Sache zu erklären. Als Thiriet in mein Zelt eintrat, veranlaßten mich seine Bewegungen und seine lauten Rufe, die von meinen Offizieren gehört wurden, ihn zu bitten, das aufzugeben und mir den Sachverhalt zu erklären. Er teilte mir. mit, daß die Unseren es an Achtung ihm gegenüber hätten fehlen lassen. Er bot mir an, sich als Gefangenen zu stellen. Ich antwortete, ich hätte seinen Besuch zwecks Aufklärung auf die vorhergehende Einladung des Leutnants empfangen. Mit Rücksicht auf seine Haltung suchte ich die Unterredung abzubrechen, um zu vermeiden, daß er sich als Gefangenen betrachte und lud ihn ein, sich von dem stellvertretenden Kommandanten begleiten zu lassen. Er lehnte das Anerbieten ab. Die Haltung dieses Offiziers, der die Schildwache einer befreundeten Ration so schlecht behandelt hat, zeigt Ihnen, daß die Angelegenheit eine außerordentlich schwere ist infolge der persönlichen Einmischung in die Verfolgung der Deserteure in Elksar selbst, das unsere Truppen besetzt halten, statt die Sorge hierfür gemäß den Vorschriften den Kaids und in letzter Linie seiner Autorität zu überlassen.
Sylvester fügt hinzu: Am 19. Juli ließ derselbe Offizier vor den Augen unseres Postens einem Mann der Mahalla Bastonade geben, ohne daß unsere Soldaten ihn in irgend einer Weise belästigten. Rach Empfang dieses Telegramms schrieb der Minister des Aeußern an den französischen Botschafter in Madrid und telegraphierte an den spanischen Botschafter in Paris, wobei er auf die Folgen hinwies, die sich aus den Vorgängen ergeben könnten und die dringende Notwendigkeit gegenseitiger Maßnahmen betonte, um die Möglichkeit schwerer Konflikte zu vermeiden.
Ein zweiter Zwischenfall.
P a r i s, 22. Juli. Die Agence Havas meldet unterm 21. Juli aus Elksar: Als der französische Leutnant Thiriet heute morgen nach dem gestrigen Zwischenfall in sein Lager zurückkehren wollte, wurde er auf dem Wege dorthin von dem Kaid des Pokizeitabors in Larrasch, der von rneh-
„Jnnerlich wenigstens. Ja, teurer Freund, hören Sie mich an. Damals, als ich noch so int Fleisch dahin lebte, da genügt ihm bas. Seit ich aber eine höhere Gemeinschaft forbere, entzieht er sich mir. Wie kann man aber in bem alten Zustanb verharren, wenn man einen besseren erkannt hat? Ich kann es nicht, mein Freund. Erst Sie haben mich gelehrt, welches die sittlichen Forderungen der Ehe sind. Erst jetzt weiß ich, daß nicht die Sinne, sondern die Seele das letzte Wort zu sprechen hat. Ich will Tittnaas Seele haben. Ich habe es mit Eanzwaschungen, mit Freiübungen und mit magerer, ungewürzter Kost versucht. Es ist mir nicht gelungen. So bleibt nur eine zeitweilige Trennung. Seit gestern bin ich dazu entschlossen. Gestern hat er meine Frauenehre angegriffen. Er hat es gewagt, die Reinheit unserer Freundschaft anzu- taften.“
Sie hatte ihren Kopf an seine Schulter gelegt und weinte. Er ließ sie meinen und begnügte sich damit, sanft ihre Hand zu streicheln. Er genoß den Augenblick nicht ganz. Der Boden fing an, unter seinen Füßen zu wanken, und er hatte für die Sicherheit seiner Person die Instinkte der langgeschwänzten Nagetiere, die nur eine Bretterwand zwischen sich und dem Ozean wissen. Zudem beherrschte Eustt seine Phantasie. Aber er hatte immer soviel oder wenig genommen, als er irgend kriegen konnte, und so legte er jetzt feinen Arm um bas unoetftanbene, mollige Fuschchen unb sagte leise:
„Du wirst immer tun, was deiner würdig
reren Soldaten begleitet war, angehalten und gezwungen, in die alte Bandahan von den Spaniern abgenommene, Kaserne bei Darghailan zu treten, wo er festgehalten wurde. Als der Konsularagent Boisset von diesem neuen Zwischenfall erfuhr, begab er sich an Ort und Stelle und forderte unb bat um Aufklärung. Leutnant Bre- galli, ber Führer bes Postens, erwiderte, man habe den Offizier unb seine Orbonnanzen verhaftet, weil er sie für Deserteure gehalten habe, und fügte hinzu, baß er seinen Hauptmann von bem Zwischenfall benachrichtigt habe. Nach einer Stunbe bes Wartens kam ber Befehl des Hauptmanns, Thiriet freizulassen. Während dieser Zeit hatte ein Soldat den Dolmetscher Boissets in dessen Gegenwart gestoßen und geschlagen.
♦ *
*
Paris, 22. Juli. Der Zwischenfall betreffs bes Leutnants Thiriet wirb von ben hiesigen Blättern in sehr erregter Weise besprochen. Es sei zweifellos, baß bie spanische Regierung auch btesmal ihr Bedauern unb ihre Entschuldigung aussprechen werde. Dies genüge aber nicht mehr, und, falls man eine Katastrophe vermeiden wolle, müsse Spanien, wenn es schon die ungerechtfertigte Besetzung von El Ksar verlängere, den Oberbefehl über die Truppen einem Offizier anvertrauen, der unter denselben die Manneszucht aufrecht erhalten könne. — Der „Petit Parisien" läßt sich aus London melden, der Angriff auf ben Leutnant Thiriet habe in politischen Kreisen Englands großes Aufsehen verursacht; man halte daselbst die sofortige Abberufung des Leutnants Sylvester für dringend notwendig.
Madrid, 22. Juli. Der Ministerpräsident und vier gegenwärtig in Madrid weilende Minister traten heute Vormittag zu einer Erörterung ber marokkanischen Fragen zusammen. Die Regierung erhielt noch keine andere Nachricht über den Zwischenfall Thiriet, als das Telegramm des Obersten Sylvester. Die Minister beobachten strenge Zurückhaltung und stellen jede ihnen etwa zugeschriebene Neuerung über die Zusammenkunft in Abrede. Canakejas telephonierte dem Minister des Aeußern, die Minister wünschten und erhofften eine schnelle fteund- schaftliche Lösung.
.6 a n S e b a ft i a n, 22. Juli. Der Minister des Aeußern hatte heute Vormittag mit dem französischen und dem deutschen, sowie dem englischen Geschäftsträger eine IT ’errebung.
Mohammed Alis Rückkehr nach Persien.
Asterabad, 22. Juli. Heute morgen 10 Uhr ist Mohammed Ali unter Geschützdonner und dem Jubel des Volkes hier eingezogen.
Wien, 22. Juli. In hiesigen diplomatischen Kreisen rechnet man damit, daß der Exschah
ist, Sophie. Aber im Angendenken an jene unvergeßliche Jugendstunde, in der unser wahres Glück sich weinend von uns abwandte und entfloh, laß uns ben Bunb besiegeln. Entsühne mich, Sopie."
Da bog Sophie sich zu ihm nieber und löschte die Schuld vergangener Jahre mit einem Kutz.
In diesem Augenblick mündete der Landweg in einer Chaussee. Die Pferde fielen in einen, scharfen Trab, : nb bei der nächsten Biegung sah man im Tor der Komturei Eustt stehen, die die Augen mit der Hand beschattete und ängstlich in das rote Feuer des Abends sah.
„Rasch," bat sie mit heiserer Stimme, „sie hat Blut gerochen, sie stirbt."
Dietrich sprang vom Wagen und eilte in das Haus.
„Ich komme nicht mit, Mama. Ich kann nicht. Denke doch nur, es geht zu Ende."
Die Tränen strömten über ihr Gesicht. Sie sollte zum ersten Mal den Tod sehen. Ihre Jugend erschauerte. Die Liebe und der Tod, beide neigten fick zu ihr. Und fie war so stark, daß sie ihr Herz für beide weit aufmachte. Sie dachte' nicht daran, sich vor einem Gefühl zu fürchten, es klein zu machen und ihm seinen Wert zu nehmen.
10. „Es ist ein Schnitter —“
Die Augustnacht war so schwül, wie es der Tag gewesen. Der Abend war aus den roten Gluten, in denen die untergehende Sonne ohne Strahlenbildung wie ein kupferner Schild gestanden hatte, in schweflige Dämpfe übergegan- |
Mohammed Ali bereits in drei Wochen von Aster«- bad aus die Hauptstadt Teheran erreichen wird. Nach bem Eesandtschaftsbericht wird der Schah aus dem langen Wege keinen Widerstand finden. Die Bachtiaren sammeln sich vor Teheran, um sich im Notfälle einen Rückzug tn die Heimat offen zu halten, weil die Anhänger des Schahs sowohl vom Osten wie vom Westen her im Anmarsch sind. Der Schah, der wie bekannt, in der letzten Zeit in Oesterreich weilte hat durch mehrere Agenten groß« Waffenankäufe bei belgischen, deutschen und österreichischen Fabriken gemacht. Die Waffen gingen als Eisenschienen nach Baku. Auch über mehrere Maschinengewehre soll der Schah verfügen. Sein Unternehmen wird in hiesigen diplomatischen Kreisen für sehr erfolgreich gehalten.
Teheran, 22. Juli. Es werden jetzt energische Vorbereitungen getroffen, um eine Expedition gegen den Exschah auszurüsten, iwas Truppenaufgebot, bei welchem auch Kavallerie und Artillerie vertreten sein wird, soll dem Polizeichef Jesphrem untersteA werden.
Teheran, 23. Juli. Rach zuverlässigen Nachrichten setzte Prinz Salar eb Dauleh ben Gouverneur von Kermanschah ab und ernannte an seiner Stell« ben Ehan Alen eb Memalik. Gleichzeitig erhi-lt bieser ben Befehl, für eine 17000 Mann starte Truppenabteilung bes Prinzen, bie nach Kermanschah marschierte, alles vorzubereiten. Der P-tnz versichert, sein Ziel sei bie Wahrung bet Verfassung unb die Wiebereins:tzung Mohammed Ali§ als Schah.
Deutsches Reich.
— vom Kaiser. Balestranb, 22. Juli. Der Kaiser hörte gestern abenb an Bord bet „Hohen- zolletn" bie letzten kriegsgeschichtlichen Vor trag« bes Generalmajors Dickhuth unb unternahm heute vormittag einen längeren Spaziergang an fianb. Das Wetter ist umgefchlagen, es herrscht Nebel mit zeitweiligen Regenfällen.
— Unfall bei» Schießen. Köln, 22. Juli. Heute vormittag würben auf ber Mülheimer Heibe bei ben Scheibenständen zwei Soldaten bes Pionierbataillons Nr. 7, bie sich vorzeitig aus ber Deckung entfernten, angeschossen. Einet würbe durch einen Brustschuß schwer verletzt, bem anbeten ein Arm zerschmettert.
— Der Spionagefall von Hammelburg. München, 22. Juli. Zu der Spionagenngelegenheit in Hammelburg werben bie „Münchener Neuesten Nachrichten" vom Kriegsministerium zu folgender Veröffentlichung autorisiert. Die in der Sxionageaffäre gepflogene Untersuchung ergab, daß der japanische Major Joshida, der um dies« Zeit mit dem 9. Infanterieregiment im Saget von Hammelburg war, in einen gänzlich unbegründeten Verdacht gekommen ist. Joshida wat zu der fraglichen Zeit nachgewiesenetmaßen bei einer Nau-rubung des 9. Infanterieregiments, die sich mehrere Kilometer von bem Geschützpark entfernt abspielte. Auch konnte ber Posten, bet Joshiba nachts aus bem Geschützpark weggewiesen
gen, unb eine Dunstschicht, die keinen Stern durchkommen ließ, hatte zu einer saft absoluten, fühlbaren Dunkelheit geführt, bie wie ein weiches Tuch von schwarzem Samt über bet Landschaft lag, das kein Luftzug hob, um einen Hauch von xuljlung durchzulassen. Man konnte diese Dunkelheit mit Händen greifen. Sie strich wie mit Eulenflügeln über die Gesichter bet Menschen.
Das Käuzchen schrie und strich um bie Fenster bet Komturei. Die waren geö^-tt. Sie tagen tief, tief in ben dicken Mauern wie eingesunkene Augen. Nur schwach drang der Lichtschein aus bem Zimm-r ber Sterbenden hindurch, und dte t,. afternis sag das matte ^ämm-'-n auf, wie gierig dürstender Boden einen R--a»ntropfen. vielleicht, daß die Weltseele so auch bas winzig kleine zerquälte Seelchen Luschens in sich auf» nehmen m-ffte.
Der Bl'.'^teim, ber i*te:i Mund nach - l wilden Erregungen und leidenschaftlichen Worten geschlossen, hatte ihr die Kraft genommen. Nun galt es nur noch ein Verlöschen. Aber Eustt, bie an bet Tüt gelauscht hatte, weil ihr Anblick bie Kranke ganz außer sich brachte, meinte, sie würbe nie vergessen, mit wie heißem Atem btefe Seele in ihern letzten Stunden um die Lust des Lebens gestrichen sei: Ja, das waren die Blumen, die nach Johanni blühen, die brandroten Nelken, die schwülen Heliotropen und bet weiße Stechapfel, bas waren jene Dünste, von denen Lusche gesprochen hatte auf dem fahlen Rasen am Strande des Haffs. (Fortsetzung folgt.)