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WclMch IMliß mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".

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DieOberheffrschr Zcirung" erscheint täglich mit fluinulj.nt der S.-au« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vi-rtetjährlich durch die Post bezogen 2.26 dH (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 M frei ins HauS. (Kür unöer« langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck der Univ.-Buchdruckerei I. A. Kvch (Inh.: Dr. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 65.

Marburg

Sonnabend, 22 Juki

1111

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46. Jahrg.

1911.

Erstes Blatt.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 55.

Marokko.

Paris, 20. Juli. Muley Hafid gab dem Korrespondenten desTemps" Dr. Weihgerber gegenüber eine Erklärung ab, in der er zunächst Frankreich dankt, ihm den Thron geret­tet zu haben. Weiter führt er aus: Die Entsendung eines deutschen Kriegsschiffes nach Agadir kann ich mir nicht erklären, ich weih, fett mehreren Monaten durchstrei­fen deutsche Untertanen das Sus und entfalten eine grohe Tätigkeit, um sich wirt- fchaftliche Interessen zu schaffen, doch habe ich nicht gehört, dah sie belästigt wurden. Vielleicht handelt es sich um ein einfaches Mihverständnis. Ich weih, dah zwischen Berlin und Paris da­rüber Verhandlungen int Gange sind und ver- laffe mich auf Frankreich und meine durch die Algecirasakte verbürgten Rechte. Ferner spricht der Sultan die Hoffnung aus, nach Abzug der französischen Truppen das grohe Reformwerk mit französischer Hilfe in Angriff nehmenzukönnen. Rach Ansicht des Kor­respondenten rechtfertigte die Lage in Fez den Optimismus des Sultans keineswegs. Rach Abzug der französischen Truppen wären neue Erhebungen zu besorgen. DerTemps" be­schäftigt sich ferner mit den in der deutschen Presse besprochenen Kompensationsansprüchen, die nach seiner Ansicht den Zweck haben, die Sachlage zu verwirren. Deutschland irre auch, wenn es glaube, Frankreich vor den Fall einer Entsagung gestellt zu haben. Frankreich kann, wenn das Zwiegespräch mit Deutschland zu keinem Resultat führt, die Aussprache höflich abbrechen und die Lösung den Signatarmächten von Madrid und Algeciras anvertrauen. Es wäre unklug, sich diese Türe zu verschliehen.

Die spanisch-französische Spannung.

Madrid, 19. Juli. Bei einem Empfang von Journalisten sagte heute der Ministerpräsi­dent, er habe noch keine Nachricht über den Fall Boisset erhalten. Canalejas fügte hinzu: Mein persönlicher Eindruck ist der, dah es ein sehr schwaches Verlangen nach Einvernehmen be­weist, wenn man behauptet, dah wir es sind, die diese Reibungen verursachen. Der Zwischenfall an sich ist meiner Auffasiung nach nicht schwer, aber er ist ein Anzeichen einer Erregung der Geister,' denn schon morgen könnte jede beliebige Tatsache zu Erklärungen Anlast geben. Deshalb haben der Minister des Aeuhern und der fran­zösische Botschafter in ihrer Unterhandlung diese Stimmung in Betracht gezogen..

Paris, 20. Juli. Die meisten Blätter äußern lebhafte Befriedigung darüber, dah die spanische Regierung sich beeilt habe, der fran­zösischen Regierung über den letzten Zwischenfall von El Ksar ihr Bedauern auszusprechen. In einer anscheinend offiziösen Mitteilung wird erklärt: Damit die Beziehungen zwischen beiden Ländern wieder freundschaftliche werden, ist cs notwendig, dah die beiden Regierungen in weit­herziger Weis« die gegenwärtigen Beschwerden prüfen. Kein Franzose denke daran, die Rechte Spaniens in Marokko zu beschränken, falls sie entsprechend den Frankreich gegenüber eingegan­genen Verpflichtungen ausgeübt würden. Die französische Regierung sei durchaus von dem Wunsche beseelt, sich freundschaftlich mit dem Madrider Kabinett zu verständigen und die vor einiger Zeit unterbrochenen Besprechungen un- »erweilt wieder aufzunehmen.

Aus Tanger wird gemeldet, dah die dortigen französischen Kreise die spanische Genugtuung nur dann als vollständig ansehen können, wenn Oberst Sylvester endgiltig abberufen würde; denn da die Eingeborenen die spanische Erklä­rung nicht kennten, würde die Lage der Fran­zosen nach wie vor eine lächerliche bleiben.

Aus El Ksar wird gemeldet, die spanischen Agenten, die die Anwesenheit der französischen Jnstruktionsoffizrere überflüssig machen wollten, Indem sie ihnen ihre Mannschaften wegnehmen, hätten einen ganzen Tabor zur Desertion ver- ' anlaßt. Die aus 85 Mann bestehende Abteilung habe sich unter Führung ihrer eingeborenen I

Offiziere und eines Kaids im geordneten Zuge nach Larrasch begeben, wo sie in der spanischen Kaserne untergebracht wurden. Es heiße, daß diese Leute nach Melilla geschickt würden, um dort den spanischen Truppen einverleibt zu werden.

Ein japanischer Gast-Offizier als Spion?

Fremde Offiziere als Gäste in unserem Heere bedeuten allemal ein Experiment, das mit äußerster Vorsicht gemacht werden sollte. Daß es allerhand Unzuträglichkeiten mit sich bringt, zeigt folgende Geschichte aus Würzburg:

Würzburg, 19. Juli. Wie dasFrän­kische Volksblatt" meldet, wurde auf dem bay­rischen Truppenübungsplatz Hammelburg durch einen Posten ein japanischer Major, der dem Artillerie-Reserve-Regiment zugeteilt war, da­bei betroffen, wie er nachts zwischen 1 und 2 Uhr mit einer Blendlaterne die neuen Rohrrücklauf­geschütze untersuchte. Er wurde durch den Posten festgenommen.

Zu dieser Meldung erfährt derWürzburger Generalanzeiger" angeblich aus authentischer Quelle:

Würzburg, 20. Juli. Die Meldung, daß auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg ei« japanischer Major über Spionage betroffen wor­den sei, indem er beim Schein einer kleinen Taschenlaterne ein Geschütz studierte, ist aufge­bauscht. Es handelt sich dabei um den dem 9. Infanterie-Regiment zugeteilten japanischen Major Joshida, der gegenwärtig in Hammel­burg Schießübungen des 2. und 11. Feld­artillerieregiments beiwohnt. Er stand betrach­tend vor den im Geschützpark aufgefahrenen und mit Lederüberzügen versehenen Geschützen, ent­fernte sich aber auf Bedeuten des Wachtpostens sofort. Er ist bei den Offizieren sehr beliebt; Spionage traut ihm niemand zu.

Die zweite Meldung ist keineswegs ein De­menti der ersten, denn sie redet nur um die Tat­sachen herum und geht auf diese nicht ein. Daß der japanische Offizier sehr beliebt ist, ist ja ganz schön, kann aber, wenn es sich wirklich um Spionage handelt, den Tatbestand nur er­schweren; denn dies würde dann nur beweisen, daß der betreffende Offizier seiner Aufgabe recht gewachsen ist. Wenn er, der wie es so schön heißt betrachtend vor den Geschützen stand, sich auf die Aufforderung des Postens entfernte, wird ihn nur ein naives Gemüt ausdrücklich loben können. Jedenfalls steht fest, daß der Herr ausgerechnet nachts zwischen 1 und 2 Uhr beim Scheine einerkleinen (sic!) Blend­laterne" deutsche Geschützestudiert". Daß diese mit Lederüberzügen versehen waren, ist sein Pech und ändert an der prinzipiellen Sachlage nichts. Ganz richtig meint dieDeutsche Tages­zeitung":Sachliche Belehrung hätte Major Joshida von den deutschen Offizieren erbitten können, wenn er sie brauchte. Das fordert schon der Takt des Gastes unter allen Umständen." Und man kann der genannten Zeitung nur zu­stimmen, wenn sie schreibt:Dem Deutschen Reiche nutzen diese Gastoffiziere, auch wenn sie sich benehmen, wie es sich gehört, nichts. Eine Gegenseitigkeit besteht in keiner Weise, am aller­wenigsten hinsichtlich Japans. Benehmen sich die Herren also nicht, wie es sich gehört, so soll­ten die Konsequenzen auf der Hand liegen."

Deutsches Reich-

Vom Kaiser. Balestrand, 20. Juli. Der Kaiser unternahm, nachdem zuvor die übliche Regatta stattgefunden hatte, einen Spaziergang. Er sah zur Frühstückstafel die Familie Bat- tersea. Heute nachmittag hielt General Dick- huth wiederum Vortrag. An Bord ist alles wohl.

De« Kaiser werden des öfteren Protek­torate über größere nationale und gemeinnützige Ausstellungsveranstaltungen angetragen. Diese

Eine deutsche Patrouille in Südwest niedergemacht.

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Aus dem Norden Deutsch-Südwestafrikas kommt eine neue Hiobspost, die zwar gegenwärtig noch keine Bestätigung gefunden hat, di« aber derartig eingehende Details enthält, daß ein Zweifel wohl ausgeschlossen werden muh. Der Verwaltung von Britisch-Betschuanaland ging aus Sesheke an der Grenze von Deutsch-Südwestaftika die Nachricht zu, nach Gerüchten, die unter den Eingeborenen dort um­liefen, sei eine Patrouille, bestehend aus dem Distrittskommissar v. Frankenberg, zwei weißen Sergeanten, vierzehn schwarzen Polizisten unv zwanzig Trägern, von Leuten des Okawambostammes in Ngamiland niedergemacht worden, v. Franke.- berg sei auf einem Maultiere entkommen. Herr v. Frankenberg hatte sich nach dem sogenannten Caprivizipfel begeben, um die schwierigen Auf­klärungsarbeiten, di« vor etwa zwei Jahren Hauvt-

mann Streitwolf dort begonnen hatte, fortzusetzen. Kenner dieser Verhältnisse stellen die Möglichkeit nicht in Abrede, daß jenes Ee ücht auf Tatsache be­ruht. Sie stützen diese Annahme auf Berichte, dir erst kürzlich von einem an der Grenze des Caprioi- zipfels umherreisenden Forscher Seiner eingegangen sind. Aus ihnen geht hervor, daß durch unmher- ziehende Räuberbanden die Lage dort eine sehr un­sichere war. Bisher haben die Stämme, die das Okawango-Becken unter ihren einheimischen Königen beiwohnte, sich der deutschen Herrschaft gegenüber fast immer friedlich gezeigt, da diese ihnen weder Steuer- noch Militärlasten auferlegt hat, allerdings ist die Waffeneinfuhr untersagt, was unter den, von der Charterer-Compagnie nicht immer sehr schonend behandelten Eingeborenen vielleicht Mißstimmung erregt und so zu dem lleberfall geführt hat.

Gesuche erfahren fast regelmäßig Ablehnungen und müssen nach den festgestellten Grundsätzen stets abgelehnt werden, da der Kaiser grundsätz­lich Protektorate über Ausstellungen nicht über­nimmt. Rur in ganz seltenen und besonders ge­arteten Fällen und hauptsächlich bet solchen Ver­anstaltungen, bei denen ein allgemeines und ge­wichtiges Staatsinteresse in Frage kommt und das Staatsministerium ein entsprechendes Ge­such befürwortend vorlegt, pflegt der Kaiser das Protektorat anzunehmen. Für größere nationale und gemeinnützige oder sonstwie besonders be­deutungsvolle Ausstellungen pflegt der Kaiser auf bezügliche Bitten dagegen dem Kronprinzen die llebernahme des Protektorates zu gestatten. Dieses Verfahren entspricht auch den Grund­sätzen, die im allgemeinen bereits unter Kaiser Wilhelm I. in Geltung waren. Die Förderung von Veranstaltungen der vorerwähnten Art, nachdem durch Lrgane der Staatsregierung wie Oberpräsidium und Reffortministerien diese be­fürwortet worden ist, gehört zu den dem Kron­prinzen vorbchaltenen Aufgaben. In allen Fällen, in denen die llebernahme des Protekto­rats durch ein Mitglied des König!. Hauses er­beten werden soll, werden die betreffenden Vor­stände, Ausschüsse usw. gut tun, sich rechtzeitig mit dem zuständigen Regierungs- und Ober­präsidenten in Verbindung zu setzen.

Der Pfarrer Grandinger. München, 20. Juli. Den Blättern zufolge lehnte der Erz­bischof von München die seitens des Magistrat» von München erfolgte Präsentation des Pfar­rers und Landtagsabgeordneten Grandinger auf die Pfarrei Pullach bei München ab.

Unruhen i« Deutsch-Oweftasrita. Ber­lin, 20. Juli. Aus Deutsch-Ostwestafrika meldet das Kommando der dortigen Schutztruppe, daß in der Landschaft llrundi Karawanen farbiger Händler ausgeraubt und niedergemacht worden sind. Da auch Polizeipatrouillen beschossen wor­den sind, stellte das Kommando dem Residenten Urundis, dem Hauptmann von Langenn-Stein- keller anheim, mit einer aus der in llsambara stehenden 9. Kompagnie und einem Teil der in lldjidji stehenden 6. Kompagnie gebildeten Ex­pedition gegen die Unruhestifter einzuschreiten. Den Vorgängen wird übrigens an zuständiger Stelle eine ernstere Bedeut' - ht beigemeffm.

Ausland.

** Die Revolution in Haiti. Newyork, 19. Juli. Nach Meldungen aus Haiti beherrschen die Revolutionäre das Norddepartement mit Ausnahme von Fort Libertä und Cap Haitien. Sie besetzen St. Mare und marschieren jetzt aus Archahaie. Die Regierungstruppen setzen Port- au-Prince in Verteidigungszustand. Cap Haitien, 20. Juli. Dae Stadt, die gestern nach­mittag von den Revolutionären eingenommen wurde, wird geplündert. Alle Generale, die sich der Revolution widersetzten, flüchteten in die Konsulate. Der französische Konsul wurde, als er die Lokalbehörden um Schutz bat, leicht verwundet.

** Persien. Teheran, 20. Juli. Die per­sische Regierung soll die Absicht haben, dem eng­lischen und dem russischen Gesandten eine ener­gische Note zu überreichen, in der sie der häu­figen Vorstellungen bei dem englischen und dem russischen Gesandten in der Angelegenheit der llmtriebe des früheren Schahs seit dessen Abreise aus Persien Err "hnung tut und ihre Ueber- raschung und das Bedauern darüber ausdrückt, daß es die russischen Behörden versäumt hatten, das Versprechen einzuhalten, das in Artikel 11 des Protokolls vom 25. August 1909 enthalten sei. Die persische Regierung erkläre, daß Ruß­land die Verantwortung für alle Unruhen und die Verluste c.Tigentum trage, die aus der Landung des früheren Schahs entstehen können.

Hislonsche Kommission für Hessen und Waldeck.

* Marburg, 20. Juli.

Dem soeben erschienenen 14. Jahresbericht der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck ist folgendes zu entnehmen: Die 14. Jahresversammlung wurde statutengemäß am 17. Juni im Senatsaale der Universität unter dem Vorsitze des Professors Dr. Frhrn. von der Ropp abgehalten. Aus der Reihe der Patrone, Mitglieder und Mitarbeiter waren rund 30